Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? (Evolutionäres Denken)

Eine scheinbar schwierige, bei vielen als unlösbar geltende Frage ist die Folgende:

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

Das vermeintlich Kniffelige daran ist, dass man meint, dass ein Ei von einem Huhn gelegt wird, ein Huhn aber aus einem Ei schlüpft.

Tatsächlich ist es recht einfach zu lösen, wenn man darauf abstellt, dass das Huhn durch Evolution entstanden ist und insofern die mit der Frage verbundene essentialistische Denkweise ablegt und erkennt, dass unter Hinzunahme der Zeit als weiterer Komponente das Rätsel leicht zu lösen ist.

Die Vorfahren der Hühner haben bereits Eier gelegt und mit jeder dazwischen liegenden Mutation, die sich durchgesetzt hat, schlüpfte etwas aus Eiern, was immer eher „huhnähnlicher“ war (und auch das Ei selbst mag sich immer mehr in Richtung eines Hühnereis verändert haben). Schließlich haben wir sowohl ein Hühnerei als auch ein Huhn, das aus diesem schlüpft, wobei auch hier zu bedenken gibt, dass der Begriff „Huhn“ ein Sammelbegriff für etwas ist, was sich untereinander fortpflanzen kann, aber genetisch keineswegs vollkommen gleich ist, sondern einen Genpool hat und dieser wird vor 8.000 Jahren am Anfang seiner Domestizierung noch anders ausgesehen haben als heute nach langer Züchtung als Fleisch und Eierlieferant.

Dieses Denken, dass es evolutionäre Vorgänger gegeben hat, die zu einer Entwicklung führten und das sich diese über einen sehr langen Zeitraum erstreckt hat, fehlt denke ich bei vielen Betrachtungen, auch gerade zum Menschen bzw. zu Mann und Frau. Wir sind eben nicht einfach geschaffen worden, wir sind das Ergebnis eines langen Prozesses von Mutation und Selektion. Dieser Prozess ist nicht einfach wegzudenken, da vieles davon nach wie vor in uns steckt.

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25 Gedanken zu “Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? (Evolutionäres Denken)

  1. Du hast die Frage nur scheinbar (oder gar nicht?) beantwortet.

    Dass es vor dem ersten Huhn schon Eier gab, ist so offensichtlich, dass es in der Frage ebenso offensichtlich um ein Hühnerei geht und nicht um irgendwelche Eier.

    Und so hat die Frage Bestand: Gab es erst ein Ei, von dem du sagen würdest: „Ja, dieses Ei ist ein Hühnerei“ oder gab es erst einen Vogel, von dem du sagen würdest: „Ja, dieser Vogel ist ein Huhn“?

    Du hast hier ein sprachliches Problem, das du nicht biologisch lösen kannst.
    „Ab wieviel Sandkörnern hast du einen Sandhaufen?“ kannst du auch nicht mit geologischen Aussagen beantworten.
    Es gibt keine Antwort.

    • Das es ein gradueller Verlauf ist und der Anfang „Huhn“ nicht klar du definieren ist, ist das auch eine sinnlose Frage.

      Theoretisch war aber erst das Huhn da, denn in der erbmasse des Huhns tritt die Mutation auf, die die Grenze überschreitet und die in der Mutter noch nicht vorhanden ist

      • Was für eine schöne Antwort.
        Im ersten Absatz:

        Der Anfang „Huhn“ ist nicht klar zu definieren“

        Im zweiten Absatz:

        Die Mutation, die die Grenze überschreitet.

        Die Grenze, die nicht klar zu definieren ist.

        🙂

        • Klar, für die zweite Antwort müsste man eben diese Grenze bestimmen, indem man die willkürlich festlegt, auf ein gen, auf eine Mutation genau. Der theoretische Urahn, das erste Huhn. Praktisch ist das nicht möglich.

        • „Praktisch ist das nicht möglich.“

          Und e presto: Die Frage hat keine Antwort, auch keine evolutionäre.

          Die Frage ist quasi ein Koan: Sie hilft, über die Natur von Begriffen oder gar Dingen nachzudenken.

          Ein Koan, der naturwissenschaftlich zu beantworten ist, wäre kein Koan.

    • 1) Es gibt keine relevante Frage zu Huhn und Ei.
      Dies ist ein scheinbarer Widerspruch, der aufgrund des – überholten – Klassen/ Artendenkens der Biologie auftritt.
      In diesem Sinn ist die Frage vollumfänglich durch die Evolutionprozesse beantwortet.

      2) Insbesondere hat deine abgewandelte Frage auch keinen Bestand.
      Dies rührt immernoch aus dem Klassendenken her – da dieses für evolutionäre Fragestellungen nicht hilfreich ist, ergibt sie immernoch keine valide Frage

      3) Die Frage mit Sandhaufen und Körnern ist eine Frage der Definition.
      Definitionen sind beliebig – daher ist hier auch keine relevante Frage vorhanden.

      Da Menschen dazu neigen in logarithmischen Skalen Mengenmächtigkeiten zu schätzen, ist entsprechend hier auch ein sinnvoller Übergang. Ab einem bestimmten Logarithmus ist eine Menge von Sandkörnern, davor (gerne gerundet) eben nicht mehr.

      4) Den zentralen Satz des Blog-Posts habe ich etwas vereinfacht:
      „[…] Denken […] fehlt [..] bei vielen […]“

      • 1) und 2) habe ich nicht verstanden. Keine Ahnung, was du mir damit sagen willst.

        Zu 3): Sobald du das zu einer Frage der Definition machst, sprichst du kein Deutsch mehr. Wenn du zwei Anhäufungen Sand vor dir hast, den einen mit 32767 Körnern und den anderen mit 32768 Körnern und du sagst: „Dieses ist ein Sandhaufen, aber dieses nicht“, werden dich alle Anwesenden mit Fug und Recht für irre halten.

        Zu 4): Es heißt ja, dass Selbsterkenntnis der erste Schritt sei 🙂

        • „Wenn du zwei Anhäufungen Sand vor dir hast, den einen mit 32767 Körnern und den anderen mit 32768 Körnern und du sagst: “Dieses ist ein Sandhaufen, aber dieses nicht”, werden dich alle Anwesenden mit Fug und Recht für irre halten.“

          Nein, hier hat Alex recht.
          Ich kann (für mich) definieren, ab wann ich eine Menge Sand als Sandhaufen definiere. Jedenfalls solange, wie es keine allgemeinverbindliche Definition für Sandhaufen gibt (gibt es eine für „Sand“?)
          Ob meine Gesprächspartner meine Definition übernehmen, ist dann Vereinbarungssache.

          Und das gleiche gilt für das Huhn. Wegen der Ähnlichkeit würde es schwierig sein, ein Hühnerei sicher von allen anderen Eiern abzugrenzen.
          Also kann ich anhand des Vogels vereinbaren „Ab jetzt ist es ein Huhn!“.
          Das heißt nichts anderes, als dass die Mutter dieses Huhns kein Huhn war und somit das Ei, aus dem das erste Huhn geschlüpft ist, kein Hühnerei.
          Solche Vereinbarungen über natürliche Phänomene sind weit eher die Regel, denn die Ausnahme.
          Ich arbeite beruflich viel mit Filtern und Sieben im molekularen Bereich. Die Trennleistung eines solchen Filters wird definiert, als die Molekülgröße, die zu mindestens 90% vom Filter zurückgehalten wird.
          Das ist eine willkürliche Vereinbarung, für die es naturwissenschaftlich keine Begründung gibt, die aber – eben wegen des Fehlens einer solchen Begründung – allgemein akzeptiert wurde und wird.

        • Du kannst dich natürlich mit ein paar Kumpanen zusammentun und Verabredungen treffen.

          Wie relevant das ist, können wir diskutieren, wenn du das erste Mal irgendwo einen Obstsalat mit einer Tomate drin serviert bekommst.

          Und ich werde mit Sicherheit jemanden für irre halten, der die Frage „Sandhaufen, ja oder nein“ versucht, mit einer harten Grenze in der Anzahl der Sandkörner zu beantworten.

        • „Du kannst dich natürlich mit ein paar Kumpanen zusammentun und Verabredungen treffen.“

          Was wir alle ja auch täglich tun.

          Eine Tomate im Obstsalat verstößt gegen kein Naturgesetz, allenfalls gegen unsere Vorstellung von Obstsalat.
          In den wir getrost Weintrauben packen, die genauso wenig als Obst gelten, wie Tomaten.

          Vermutlich sind über 90% unserer täglichen Attributierungen relativ, also freie Vereinbarungen.
          Wie schnell ist ein schnelles Auto?
          Wie schwer ist „schwer“?

          Also, warum sollte es nicht erlaubt sein, einen Zeitpunkt zu definieren, ab wann ein Vogel ein Huhn ist?
          Man kann natürlich mit gleicher Berechtigung das Ei als Startpunkt nehmen, aber wegen der, bezogen aufs Ei, größeren Zahl von Abgrenzungsmerkmalen bevorzuge ICH das Huhn.

  2. zuerst war das ei da, weil Eier älter sind als Vögel. Dinosaurier und irgendwelche kleinen Eidechsen, die es gerade erst aus dem Wasser raus geschafft haben haben Eier gelegt. Da Hühner mit Echsen verwandt sind, ist es naheliegend, dass irgendwann aus einem Ei eine Echse mit Federn und Schnabel geschlüpft wäre, übertrieben ausgedrückt.

  3. Also, Christian Schmidt wurde ganz bestimmt geschaffen, und zwar vom Teufel.

    Was war aber eigentlich zuerst da? Der Pteranodon (Flugsaurier) oder das Ei, aus dem er schlüpfte?

    Ist Godzilla eigentlich auch aus einem Ei geschlüpft wie jedes vernünftige Reptil?

    • Abgesehen davon sollte man den Begriff Reptil besser nicht mehr verwenden :

      „Die Sauropsida (eingedeutscht: Sauropsiden) sind ein Taxon (eine systematische Gruppe) der Landwirbeltiere (Tetrapoda), das die traditionellen Klassen der Vögel (Aves) und der Reptilien (Reptilia) samt ausgestorbener Vertreter (Dinosaurier, Flugsaurier, Plesiosauria und andere) in sich vereint.

      Die Klasse Reptilia der traditionellen Systematik ist paraphyletisch, das heißt, sie stellt keine geschlossene Abstammungsgemeinschaft dar, weil die Krokodile (nebst ihren engeren ausgestorbenen Verwandten) entwicklungsgeschichtlich den Vögeln näher stehen als den übrigen modernen Reptilien (und deren engeren ausgestorbenen Verwandten). Die Vögel wurden traditionell als eigenständiges, gleichrangiges Taxon neben die Reptilien gestellt. Die Sauropsida hingegen, die traditionell sowohl Reptilien als auch Vögel umfassen, sind eine geschlossene Abstammungsgemeinschaft (Monophylum) und genügen daher den Ansprüchen der modernen Systematik, die nur monophyletische Taxa berücksichtigt. Vor allem in englischsprachiger, paläontologischer Literatur findet sich jedoch nach wie vor oft die Bezeichnung „Reptilia“, allerdings nicht im klassischen Sinn, sondern als alternative Bezeichnung für das Taxon Sauropsida, das heißt für ein Monophylum unter Einschluss der Vögel.“
      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sauropsida

  4. Also bitte Leute, zum ersten April sind es noch ein paar Tage hin….maessigt Euch 😉
    Und nicht vergessen am Sonntag ein Osterei zu posten !!! Was war zuerst da, das Oster oder….?

    • Was war zuerst da. Das Web oder das Log?

      Was sind die drei Anomalien?
      – der Osterhase
      – der Weihnachtsmann
      – und Adolf Hitler

      Warum?
      – der Osterhase malt seine Eier an
      – der Weihnachtsman hat den Sack auf dem Rücken
      – und Adolf Hitler meint, ihm sei keiner gewachsen.

  5. Zitat: „Die Vorfahren der Hühner haben bereits Eier gelegt …“

    Was für ein billiger Trick, Du verschiebst das Problem nur nach hinten (Stichwort: unendliche Regression).

    Wer war denn dann zuerst da? Die Hühner-Vorfahren oder die Hühner-Vorfaren-Eier?

  6. 😉 dieses hübsche Problem der Philosophen.

    Wollen wir mal die Frage ein wenig umformulieren: Was war zuerst da, das Huhn oder das Hühnerei? (alles andere ist witzlos, den Eier gab es schon lange, bevor es irgendwelche Vögel, oder auch Wirbeltiere gab …)

    In dem Fall hängt die Antwort schlicht davon ab wie man „Hühnerei“ definiert. Ist „Hühnerei“ ein Ei, das ein Huhn gelegt hat, war das Huhn zuerst da. Ist „Hühnerei“ ein Ei, aus dem ein Huhn schlüpft, war das Ei zuerst da.

    PS: ich mag Sophismen 😉

    • PS: Huhn und Ei liegen im Bett, das Huhn total entspannt und zufrieden, meint das griesgrämige Ei: Na wenigstens ist die Frage, wer zuerst kam, hiermit geklärt …

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