Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 15. Februar 2016

„Frauen wird oft vorgeworfen sich zum Opfer zu machen“

Slavo weist auf eine interessante Stelle in einem Artikel hin:

“Feministinnen wird oft vorgeworfen, sie würden sich – und andere Frauen gleich mit – zu bloßen Opfern machen: Opfer der Umstände, des Patriarchats, einzelner Männer, egal. Natürlich ist kaum eine Frau und überhaupt kaum ein Mensch ein komplettes Leben hindurch passiv und hilflos in diesem Sinne.”

“Es scheint verlockend zu sein, Frauen, die über ihr Leid sprechen, komplettes Opfertum zuzuschreiben und dann “dem Feminismus” vorzuwerfen, er forciere das. Das Frauenbild, das dahintersteckt, ist vielleicht nicht das frischeste. Leslie Jamison schreibt in ihrem Essay-Band “Die Empathie-Tests”: “Wann immer wir über verwundete Frauen sprechen, laufen wir Gefahr, ihr Leiden nicht als einen Aspekt weiblicher Erfahrung, sondern als konstitutiven Bestandteil von Weiblichkeit an sich zu betrachten – möglicherweise sogar als das raffinierte Moment ihrer Vollendung.” Jamison schreibt auch über die Angst einiger Frauen, “unter keinen Umständen Opfer zu sein”. Das kann es doch aber auch nicht sein, erklärt sie, denn die strikte Abgrenzung von Opfern und Nichtopfern funktioniert am Ende nie: “als wären wir nicht alle komplizierte Mischwesen aus Wunden, von denen wir nicht lassen können, und anderen, die wir eben haben”.”

Das ist auch eine klassisch feministische Argumentation. „Wir laufen Gefahr X so und so zu sehen. Statt dessen sollten wir es lieber anders sehen“. Der Hinweis auf die Gefahr ersetzt da mitunter das Argument. Hier wird noch einfach eine bestimmte vage Aussage nachgeschoben.

Die eigentliche Frage: „Sehen Frauen sich eher als Opfer, weil die Frauenrolle Opfer sein erlaubt“ wird nicht beantwortet. Statt dessen wird vage darauf verwiesen, dass man das doch irgendwie alles gar nicht bestimmen kann und es jedenfalls weibliche Erfahrungen abwerten würde.

Es wird einfach abgelehnt, dass man hier eine Entscheidung treffen kann und damit bleibt irgendwie die weibliche Erfahrung im Raum, als unwiderlegbar.


Responses

  1. „“Wann immer wir über verwundete Frauen sprechen, laufen wir Gefahr, ihr Leiden nicht als einen Aspekt weiblicher Erfahrung, sondern als konstitutiven Bestandteil von Weiblichkeit an sich zu betrachten – möglicherweise sogar als das raffinierte Moment ihrer Vollendung“

    Man kann diese Gedanken schon alleine deswegen mögen, weil sie die meinungsdiktatur im 3. wave Feminismus ankratzen, der da lautet:
    „Alle Fauen sind durch das Patriarchat unterdrückte Opfer, und alle Frauen, die diese Tatsache ablehnen, sind entweder Verräterinnen oder gehirngewaschen oder beides“.

    Der 3.Wave feminismus zieht seine Selbstrechtfertigung aus diesem postulierten generellen Opferstatus der Frau. Wenn man nun diese Opfererfahrungen individualisiert, bricht diese ideologische Grundlage weg. Denn dann kann die Leiderfahrung einer Frau eben nicht bequem auf ein diffuses Patriarchat zurückgeführt werden, und die Erlösung vom Leid nicht bequem auf „die Überwindung des Patriarchats“ in eine mystische Zukunft verschoben werden.

    Aber dann müsste man mal tatsächlich was tun, liebe Feministinnen. Es gäbe da durchaus Baustellen…

    Natürlich geht der oben genannte Gedanke in diesem Sinne nicht weit genug. Aber vieleicht bin ich dazu zu sehr Pragmatiker, der eher kleine Verbesserungen jetzt und hier erreichen will, als den „großen ideologischen Wurf“ der irgendwann am St. Nimmerleinstag stattfinden wird.

  2. “Feministinnen wird oft vorgeworfen, sie würden sich – und andere Frauen gleich mit – zu bloßen Opfern machen: Opfer der Umstände, des Patriarchats, einzelner Männer, egal.“

    Beinhaltet gleich mehrere Beispiele:

    Männer sind Unterdrücker, können von daher nicht unterdrückt werden (feministisch Definitionsmacht). Daher sind alle Nicht-Cis-Männer unterdrückt.

    Wenn jemand mal in den Raum wirft das Männer auch vergewaltigt werden können, will diese Feministin lieber das Thema wechseln und über Rape Culture reden, weil da Frauen, per Definition, die Opfer sind (Feminism is for everyone)

    Und natürlich der Großmeister.I.n der Unterdrückung: internalized misogyny. Wenn Frauen nicht Feministin sind, da nur weil sie sich selbst hassen.

  3. Ich fand die Überschrift erfrischend, „Heute ein Opfer“. Das erinnert mich direkt an den KöPi Claim: „Heute ein König“.

    Dieses Begriffspaar zeigt sehr schön, wie im Schnitt Frauen und Männer an das Leben herangehen, bzw. wir denken das sie an es herangehen: Frauen jammern aufgrund von Weiblichkeit und Männer inszenieren sich um ihre Männlichkeit zu belegen.

    Heute eben ein König. Die Botschaft vom Feminismus an die Frauen: Heute ein opfer. Und trotzdem finden den soviele noch attraktiv. Lieber öfter Königin sein….

  4. Mich dünkt, es geht bei der Richtung nur darum, zukünftig Forderungen zu stellen ohne sich dabei die Mühe zu machen, leidend zu erscheinen. „Ich bin eine starke unabhängige Frau, mir geht es gut und trotzdem sollst du..“.

  5. > Wann immer wir über verwundete Frauen sprechen, laufen wir Gefahr, ihr Leiden nicht als einen Aspekt weiblicher Erfahrung, sondern als konstitutiven Bestandteil von Weiblichkeit an sich zu betrachten

    Was? Hat das irgendeine Aussage?

    • Übersetzung: Statt zu sagen, das diese Frau etwa erlitten hat sagt man das Frauen eben wegen jeden mist rumheulen

      • Sicher? Das wäre ein vernichtendes Argument gegen den Feminismus, wenn sie selbst zugeben, dass sie nur wegen irgendeinem Scheiß jammern…

        • Faktisch tun sie es ja.

        • @shitlord

          Nein, sie sagt natürlich, dass das Frauen vorgehalten wird, obwohl es falsch ist.

        • Also möchte sie eigentlich sagen, dass jeder Mist, wegen dem Frauen jammern, ernst zu nehmen sei, und weil das offensichtlich strunzblöde ist, wenn man es klar sagt, verschwurbelt sie es so? Hmmmm… macht Sinn.

        • „Also möchte sie eigentlich sagen, dass jeder Mist, wegen dem Frauen jammern, ernst zu nehmen sei“

          Das ist die Quintessenz des moderen Feminismus. Es lässt sich alles auf ein vages Gefühl runterbrechen. Der Nagel im Kopf wird nicht gesehen, will nicht gesehen werden.

    • Wann immer wir über verwundete Frauen sprechen, laufen wir Gefahr, ihr Leiden nicht als einen Aspekt weiblicher Erfahrung, sondern als konstitutiven Bestandteil von Weiblichkeit an sich zu betrachten

      Wenn das Leiden ein Aspekt weiblicher Erfahrung an sich sei soll, dann ist das Leiden unausweichlich ein konstitutiver Bestandteil von Weiblichkeit an sich.

      ->“Es ist so, aber es ist trotzdem nicht so. Und wer behauptet, dass es so ist, verursacht das, weshalb es so ist!!“

      • Ist nicht Buddhismus eigentlich grad voll angesagt im Zeitgeist?

        Leiden ist demnach wesentlicher Bestandteil vom Leben. Was braucht es für blinde Arroganz, dass nur weibliches Leben mit Leid verbunden sei?

  6. Früher hat man Kindern und Jugendlichen beigebracht, sich zu wehren, wem jemand sie unerlaubt anfasst oder belästigt.

    Heutzutage sollen Kinder und sogar Frauen am besten nicht alleine auf die Straße gehen und Abstand von Fremden halten.

    Da muss man doch merken, dass definitiv etwas falsch läuft. Schon kleinen Mädchen wird nicht beigebracht sich zu wehren, sondern ängstliches Opfer zu sein. Wirklich traurig!

  7. Mit Schwarzen verscuht man jetzt in den USA genau das gleiche zu machen:


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