Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 3. Februar 2016

MacGyver Test für Filme

Arne (Punkt 2) weist auf einen „MacGyver-Test“ für Filme hin. Dieser ist dem Bechdel-Test nachempfunden und soll ein bestimmtes Männerbild bei Filmen überprüfen:

Aus einem Artikel dazu zu den Grundlagen:

Diesen entwarf die Autorin Nikita Coulombe mit dem Psychologen Philip Zimbardo in dem 2015 erschienenen Buch „Man (Dis)connected“. Zimbardo wurde in den 1970er-Jahren mit dem Stanford-Prison-Experiment berühmt, bei dem das Verhalten von Menschen in Gefangenschaft untersucht wurde. Benannt nach einer in den 1980er- und 1990er-Jahren populären Action-Fernsehserie soll der Test zeigen, dass Männer in Filmen ebenso klischeehaft dargestellt werden wie Frauen: gerne als einfältige und gewaltbereite Protagonisten, die schlechte Väter sind und von Frauen nur dann geliebt werden, wenn sie Heldentaten vollbringen.

Der eigentliche Test erfolgt dann mit den folgenden Fragen:

Um ihn zu bestehen, muss ein Film zumindest einer der folgenden vier Anforderungen entsprechen:

1. Ein Mann wird als kompetenter Vater dargestellt – unabhängig davon, ob die Mutter abwesend ist oder nicht.

2. Ein ehrlicher, hart arbeitender Mann ist in einer erfolgreichen oder gar leitenden Position und wird nicht als unglücklicher Loser dargestellt.

3. Die weibliche Protagonistin zeigt Interesse am männlichen Protagonisten, bevor dieser zum Helden wird.

4. Der männliche Protagonist löst Probleme kreativ und benutzt Gewalt nur als letzten Ausweg.

Die Sätze sind durchaus interessant. Denn sie sind ja eigentlich nicht wirklich hart umzusetzen, zumal nur eine davon zutreffen muss.

1. Ein Mann wird als kompetenter Vater dargestellt – unabhängig davon, ob die Mutter abwesend ist oder nicht.

Ich vermute mal, dass er in vielen Filmen bereits nicht als Vater dargestellt wird. Es scheiden bereits die meisten Liebeskomödien aus, weil dort der Mann und die Frau meist keine Kinder haben. Wobei mir da gerade „Schlaflos in Seattle“ einfällt, wo Tom Hanks glaube ich ein kompetenter Vater ist. Der Vater in „Juno“ ist glaube ich auch gut. Zählt „The Godfather“ für die erste Regel?

Der neue Star Wars und die Bewertung von Han Solo ist etwas schwierig. Ist es ein kompetenter Versuch von ihm? Da wäre auch die Frage, ob er vorher was falsch gemacht hat.

2. Ein ehrlicher, hart arbeitender Mann ist in einer erfolgreichen oder gar leitenden Position und wird nicht als unglücklicher Loser dargestellt.

Ich könnte mir vorstellen, dass es einige Filme dieser Art gibt. Ein Einstieg in eine Geschichte ist sicherlich der „normale Mann“ in einem „normalen Job“, der sich plötzlich einer großen Aufgabe gegenüber sieht, bei dem also der Erfolg noch nicht eingetreten ist und demnach die Regel nicht zutrifft (etwa: Die Hard). Ein anderer wäre derjenige, der sich durch harte Arbeit etwas aufgebaut hat und der dann einen Schicksalsschlag erleidet. Da könnte die Regel durchaus zutreffen, wenn mit „unglücklicher Loser“ eben nicht genau dies gemeint ist, was ich aber nicht annehme. Mir fällt aber gerade auch kein Film dazu ein. Häufig werden Leitende Vorgesetzte allerdings auch als unehrlich dargestellt, als anstrengende Chefs, die Hindernisse darstellen und ihre Position vielleicht auch noch Beziehungen verdanken.

Mir fällt aber tatsächlich gerade kein Film ein, der das Kriterium erfüllt. Vielleicht noch „The Big Short“? Wobei man da „ehrlich“ hinterfragen kann. Und auch ob zb Christian Bales Charakter nicht doch als sozialer Loser dargestellt wird.

3. Die weibliche Protagonistin zeigt Interesse am männlichen Protagonisten, bevor dieser zum Helden wird.

Das ist ja mal ein interessantes Kriterium, welches ganz in Richtung klassischer Erzählstränge geht: Der Held schafft das Abenteuer und erlangt damit auch die Gunst der Frau.

Viele Filme werden hier zumindest dem 3M-Modell folgen: Erst erzeugt er Attraktion, was meist schon Heldentat ist, dann erst kommen die IOIs. Es wirkt einfach logischer und natürlicher auf diese Weise.

Es ist natürlich auch leichter eine Story zu schreiben, bei der die Liebe am Ende steht.

4. Der männliche Protagonist löst Probleme kreativ und benutzt Gewalt nur als letzten Ausweg.

Da scheiden die meisten Aktionfilme sicherlich aus. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass unter die Regel einige Filme fallen, die eben keine Gewalt enthalten. Hier würde „The Martian“ zählen, aber bei einer Person kann er auch schlecht Gewalt anwenden.

Viele Filme fallen aber raus, weil eben gerne eine Aktionsequenz eingebaut wird. Zählt es, wenn man „romantische Probleme“, also die Frage, wie man sie erobert, kreativ löst?

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Responses

  1. Ich weiss nicht, ob ich solche Kriterienkataloge gut finden soll. Mit solchen Maßstäben hätten wir wohl heute kein Nibelungenlied z.B.

    Künstlerische Freiheit sollte nicht eingelegt werden, um irgendwelche Repräsentanzkritieren zu erfüllen. So jetzt noch einen schwulen. Jetzt eine schwarze Heldin. Oh..und natürlich ein Gespräch zwischen zwei frauen die sich über neurobiologie unterhalten.

    Das ist absurd. Diktaturen schränken auch die Kunst ein, ordnen in gute und schlechte. Fundamentalisten verbannen Musik und Spaß. Political correctness ist der Hebel so etwas auch in einer freiheitlichen Demokratie umzusetzen. Kein Wunder das pc kunst so fad herkommt…

    • Eingehegt statt eingelegt. Sorry.

    • Ich glaube nicht, dass es hier darum geht, andere Filme nicht zu schauen (dann wäre ich auch dagegen) sondern eher darum sich die Darstellung von Männern bewusst zu machen. Das finde ich gerade in Kombination damit warum das di gemacht wird durchaus interessant

      • Ich weiß nicht. Die Darstellung von Männern bewusst machen. Ich habe jetzt von bahnbrechenden erkenntnissen von feministischen Kommunikationswissenschaftlerinnen gelesen, dass weibliche Charaktere in Disneyfilmen wenig sprechen. Unfassbar!

        Was soll das belegen? Das Problem solcher „Tests“ ist eben, dass sie um zu funktionieren möglichst simpel gestaltet sein müssen. Da geht viel erkenntnisgewinn verloren.

        Ich finde da Tiefeninhaltsanalysen wie kucklick spannender. Die Idee, dass man irgendwas messen könnte, weil zB. zwei frauen in einer Szene über etwas anderes als Männer reden, und somit ein „progressiver“ Film vorliegt, halte ich persönlich für bullshit.

  2. „Es scheiden bereits die meisten Liebeskomödien aus, weil dort der Mann und die Frau meist keine Kinder haben.“

    Nein, da scheidet gar nichts aus. Es muss nur eine der vier Bedingungen erfüllt sein, nicht alle vier.

  3. Ich finde es viel problematischer, welche 4 Kriterien benannt werden, damit die Darstellung des Mannes nicht stereotyp sein soll. Das sind nämlich alles 4 Merkmale eines durchgegenderten Männlichkeitsbildes. Es geht nur wieder um die Auflösung einer traditionellen Männerrolle, die Vermeidung „toxischer Maskulinität“.

    1. Ein Mann wird als kompetenter Vater dargestellt – unabhängig davon, ob die Mutter abwesend ist oder nicht.

    Wayne? Kinder sind Weiberkram.

    2. Ein ehrlicher, hart arbeitender Mann ist in einer erfolgreichen oder gar leitenden Position und wird nicht als unglücklicher Loser dargestellt.

    Mit „ehrlicher, harter Arbeit“ kommt man zu nichts im Leben. Besser, wenn Filme da ehrlich sind. Eine Bildungskarriere kann einen da auf genug falsche Ideen bringen.

    3. Die weibliche Protagonistin zeigt Interesse am männlichen Protagonisten, bevor dieser zum Helden wird.

    Auch völlig unrealistisch. Wozu sollte man so tun, als gäbe es keine Hypergamie?

    4. Der männliche Protagonist löst Probleme kreativ und benutzt Gewalt nur als letzten Ausweg.

    Und natürlich auch noch „Gewalt ist böse“.

    Diese 4 Punkte konstruieren selbst ein stereotypes Bild, nur eben gender-kompatibel. Und als solches liegt es der Lebenswirklichkeit heranwachsender Männer ferner als das angebliche Klischee aus Filmen. Es wird eine andere Männer-Rolle propagiert, aus der Männer jedoch weit weniger lernen oder gewinnen können. Das läuft nur darauf hinaus, Männern ihre Traditionen der bildlichen Vermittlung von Männlichkeit zu zerstören.

    Und natürlich: Mir fällt kein einziger guter Film ein, der dem entspricht.

    • Halt, mir ist doch ein guter Film eingefallen, der den Test besteht: „Spiel mir das Lied vom Tod“. Da darf ihr Mann in der ersten Szene den kompetenten Vater geben. Er stirbt allerdings noch in derselben Szene und wir lernen im weiteren Verlauf des Filmes, dass sie sich kein Stück für seine Vaterqualitäten interessiert hat, sondern nur für das Geld.

    • @lh

      „Wozu sollte man so tun, als gäbe es keine Hypergamie?“

      Man kann den Test auch als Bestätigung für die Verwendung klassischer Attraktivitäsmuster verwenden. Auch das ist interessant.

    • Natürlich ist Gewalt meisten böse.

      • Nein. Gewalt ist nur böse, wenn man auf der Empfängerseite steht.

        • Du empfindest es also als völlig okay, jemanden einfach so in die Fresse zu hauen?

        • Manchmal ist das angemessen, manchmal sogar nötig. Aber vor allem ist Gewalt das „Letztverhandlungsmedium“ dieser Welt, ob es einem passt oder nicht. Und es ist besser, sich darauf einzustellen. Wenn man den Frieden will, muss man zum Krieg bereit sein.

    • Natürlich bedient der Test sich der Argumentationslinien der Genderista, was auch sonst?
      Diese Art von „Filmkritik“ ist grundsätzlich vollkommen albern, dieser volkspädagogische Blick auf kommerzielle Kunsterzeugnisse schon fast ekelerregend.

      Es geht ja gerade darum, den #blackactorsmatter und #womenmatter – Bechdel- Schwachmaten die Absurdität aufzuzeigen, an Filmschaffende den Anspruch politisch korrekter Filme zu stellen.

  4. Vollkommen unabhängig davon, dass ich sowohl den Bechdel-Test als auch diesen hier für – mit Verlaub – Schwachsinn halte…

    Mir ist bei Kriterium 2. spontan Independance Day eingefallen. Der Präsident erfüllt dieses Kriterium. Ebenso ist Will Smith in einer erfolgreichen Position.

  5. Gibt es Filme, die sowohl Bechdel- als auch den MacGyver-Test erfüllen? Geht das überhaupt?

  6. „1. Ein Mann wird als kompetenter Vater dargestellt – unabhängig davon, ob die Mutter abwesend ist oder nicht.“

    Jason Statham in Home Front. Jason Statham in Safe (Ersatzvater)

    „2. Ein ehrlicher, hart arbeitender Mann ist in einer erfolgreichen oder gar leitenden Position und wird nicht als unglücklicher Loser dargestellt.“

    Christian Grey?^^

    „3. Die weibliche Protagonistin zeigt Interesse am männlichen Protagonisten, bevor dieser zum Helden wird.“

    „Safe Haven“

    „4. Der männliche Protagonist löst Probleme kreativ und benutzt Gewalt nur als letzten Ausweg.“

    Sneakers – die Lautlosen

    • 2. Der arbeitet nicht ehrlich und hart, dafür ist er völlig neurotisch, also Loser.

      • Männer sind Loser, wenn sie psychisch gestört sind? Außerdem scheint er ja bei vielen (ich mag ihn bzw die Stoy auch nicht) ziemlich beliebt zu sein.

        Aber ok, dann eben Der Prinz aus Cinderella?

        • Sofern Prinzentätigkeiten als „ehrliche, harte Arbeit“ gelten.

  7. Es ist langweilig, Filme, Bücher, Spiele oder anderes bloß daraufhin abzuprüfen, ob sie frauenfeindlich oder männerfeindlich (oder feindlich gegenüber einer beliebigen anderen Gruppe) sind. Natürlich springt die Feindseligkeit manchmal ins Auge, z.B. bei Werbungen, in denen Männer bloß als disponible Trottel hingestellt werden. Oder gerade bei der Plan-Kampagne, die explizit „Gewalt gegen Mädchen“ verurteilt und damit impliziert klarstellt, dass Gewalt gegen Jungen weniger problematisch ist.

    https://www.plan.de/kampagnen-und-aktionen/gewalt-gegen-maedchen-stoppen.html

    Meist aber wird es Filmen und anderem einfach nicht gerecht, mit einem schlichten Kriterienkatalog an sie heranzutreten und sie abzuurteilen, wenn sie die Kriterien nicht erfüllen. Mit wurde das besonders deutlich bei der ersten Staffel der Fernsehserie „True Detective“, die ich grandios finde. Die Serie lässt sich unschwer ebenso als frauenfeindlich wie als männerfeindlich hinstellen.

    Frauen kommen darin als aktive Personen kaum vor: Sie sind Opfer von Gewalttaten, die wiederum durch die männlichen Detektive aufgeklärt werden – eine verständnislose Ehefrau tritt zudem noch auf, dann noch eine Frau, die mit dem Haupttäter in einer abstoßend inzestuösen Beziehung lebt. Männer hingegen sind durchgehend kaputt: Der Haupttäter ist ohnehin krank und gewaltgierig, und er erweist sich als Teil eines mörderischen Männerbundes, an dem auch hochrangige Politiker beteiligt sind – zudem ist einer der Detektive alkoholabhängig und zu sozialen Bindungen faktisch nicht mehr fähig, der andere ist ein betrügender Ehemann, der seinen Sex-Trieb nicht unter Kontrolle hat und damit seiner Rolle als Mann UND als Vater nicht gerecht wird. Es wäre leicht, hier reihenweise Negativ-Klischees von Männern zu attestieren.

    Trotzdem finde ich die Serie grandios, unter anderem wegen der schauspielerischen Leistungen. Fragenkataloge wie der Bechdel-Test oder der MacGyver-Text legen eben nur von außen Maßstäbe an und überprüfen, ob ein Film (Buch, Spiel etc.) sie erfüllt – aber wer sie anlegt, interessiert sich überhaupt nicht dafür, nach welcher Eigen-Logik ein Film funktioniert, wo seine Stärken sind, mit welchen Mehrdeutigkeiten er spielt etc.

    Anstatt den Film verstehen zu wollen, begnügt man sich damit, ihn (als frauenfeindlich, männerfeindlich etc.) zu entlarven. Das hat bestenfalls einen sehr begrenzten Wert.

    • staffel 2 schon gesehen?
      Ich fand 1 besser aber 2 war auch nicht schlecht.

      • Nein, habe ich noch nicht. Ich hatte das Gefühl, dass nach der ersten Staffel die zweite gar keine andere Chance hätte, als eine Enttäuschung zu sein….

        • Enttäuschung fand ich nicht. Colin Farell spielt einen der ähnlich düster ist wie Russ.

    • Der katalog ist völlig ungeeignet um gute von schlechten filmen abzugrenzen.
      Er zeigt nur, wie viele Filme stereotype Männlichkeitsbilder verbreiten, und kann damit als Instrument gegen den genauso unsinnigen Bechdel-Test benutzt werden.
      Blöd ist nur, dass hier sehr subjektive Kriterien angelegt werden.
      wann sit ein Mann ein Looser? wann ist er ein guter Vater?

      Beispiel: „Das Streben nach Glück“
      Ist er nun ein guter Vater, der alles für seinen sohn gibt? Oder ein schlechter, weil er ihn beinahe obdachlos macht?

      Ist er in seinem salesman-job ein Loser? Oder ist er ein Held, weil er das Praktikum macht udn am ende eine gute Stellung erreicht?

    • „Es ist langweilig, Filme, Bücher, Spiele oder anderes bloß daraufhin abzuprüfen, ob sie frauenfeindlich oder männerfeindlich …“

      Aber genau dadurch werden später die Filme dieser Zeit eben als für sie charakteristisch erkannt.
      Wer heute einen Spielfilm mit einem splitternackten Mann in all seiner Pracht sieht, kann ihn ziemlich sicher auf die frühen 70er Jahre verorten, genau wie eine sehr direkte Vulgärsprache.
      Sie waren das Ergebnis eines Aufstands gegen das spießige Establishment.
      In 30 Jahren wird man an der verkrampften Zusammenstellung der Schauspieler (schwarz, schwul, lesbisch weiblich UND Manager, …) den PC der 10er Jahre erkennen.

      Das geht – wie alles andere – vorbei.

  8. Am Realistischsten wäre es, wenn die Frau den Mann auch dann nicht liebt, nachdem er zum Helden wurde, sondern stattdessen schnurstracks zu irgendeinem Volltrottel mit nichts in der Birne rennt.

  9. Warum eigentlich grade MacGyver?

    A propos, grade heute: http://www.spiegel.de/kultur/tv/macgyver-kommt-zurueck-pilotfolge-fuer-tv-serie-bei-cbs-a-1075490.html

  10. Hunger Games, Peeta erfüllt Bedingung 4, da er mehr mit Reden als mit allem anderen erreicht, im Unterschied zu Katniss, die für die Gewalt zuständig ist. Bedingung 3 ist debattierbar, jemanden Brot zukommen lassen, wenn man selbst dafür Dresche kriegt, kann man als Heldentat verbuchen, und dann ist dieses Kriterium _nicht_ erfüllt. Bedingung 2 ist schon generell etwas schwammig; was genau ist ehrliche harte Arbeit, und wie muss ein Mann sein, um nicht als Loser zu gelten? Ist Bäcker in einer Welt, wo Leute künstlich Hunger leiden müssen, ehrliche Arbeit? Hart auf jeden Fall. Ist man nicht schon deshalb ein Loser, weil man in Distrikt 12 lebt?

    Hunger Games besteht auch den Bechdel-Test. Es geht alles.

  11. Den Bechdel-Test schätze ich ja durchaus (auch, wenn ihn die meisten Anwender ja komplett falsch verstehen – er sagt ja nichts darüber, wie feministisch/frauenfeindlich ein Film ist, sondern nur über die Präsenz von Frauen darin), der hier überzeugt mich noch nicht wirklich.
    Es ist schön und löblich, dass mal ein Anfang gemacht wird, auch Männerrollen im Film derartig zu betrachten, aber allein damit, dass es vier verschiedene Methoden gibt, ihn zu bestehen, macht ihn wenig griffig.

    Wenn ein Film alle Männer als verachtenswerte Loser und Vollidioten darstellt, sie aber darüber hinaus schwach und feige macht, so dass sie nicht zur Gewalt greifen, hätte er ihn bestanden.
    Aber wie gesagt, ein guter Anfang!

  12. Grundlegend eiern die Befürworter solcher Tests und die Kunst-Gestapo der PC-Freunde um einen harten Fakt herum wenn es um die Bewertung von Kunst geht:

    It’s a man’s man’s man’s world.

    Seit der erste Cro-Magnon Mann dafür sex bekam das er die besten Höhlenmalereien oder die beste Trommelmusik aus Tierknochen fabrizierte ist künstlerische Anerkennung = Status = Pussy

    Auch Kreativität muss irgendwo in den Genen liegen und vererbbar sein, da müssen gewisse Selektionmechanismen am Werk gewesen sein.

    Der Mangel an (aus heutiger Gender-PC-Sicht) ausgewogenen Frauenfiguren in künstlerischen Erzeugnissen liegt schlichtweg in der Tatsache begründet dass es weniger künstlerisch begabte Frauen gibt.

    And along came the Renaissance,

    die westliche Welt rezipiert fast ausschließlich ihre eigenen Werke, klar kennt man die eine oder andere Story aus 1001 Nacht oder ein chinesisches Märchen, aber in Europa und daraus folgend den USA/CAN/AUS/NZ standen von Anfang an die kanonischen Werke europäischer Männer im Vordergrund.

    Dies zieht sich bis in die Moderne, wo Hollywood, Rockmusik und auch amerikanische Kunsteinflüsse dominieren.

    Das einzige hier nie ausgeschlossene Element sind die Beiträge (selten offen) homosexueller Männer, deren Einfluss auf sämtliche Kunstbereiche so groß ist, das man behaupten kann, bestimmte Stile oder Genres wären ohne sie nie entstanden.

  13. Etwas verspätet, aber ich bin grade erst hier drauf gestoßen und muss eine Kritik an der Übersetzung anbringen. Genauer gesagt, am ersten Punkt:

    Es wurde wie folgt übersetzt:
    1. Ein Mann wird als kompetenter Vater dargestellt – unabhängig davon, ob die Mutter abwesend ist oder nicht.

    Dieser Satz ist falsch übersetzt. Das Original lautet:

    Plot does not require the absence of the mother for the father to be portrayed as a competent dad.

    Ich würde es so übersetzen:
    „Für die Handlung ist es nicht nötig, dass die Mutter abwesend ist, damit der Vater kompetent dargestellt wird.“

    Es ist also nicht „genug“ unabhängig von der Anwesenheit der Mutter ein kompetenter Vater zu sein, sondern für die Kompetenz muss die Abwesenheit der Mutter ERFORDERLICH sein.
    Meiner Interpretation nach besteht ein Film, wenn der Vater schon vor dem „Verschwinden“ der Mutter kompetent war oder die Mutter noch vorhanden ist.
    Damit würde Schlaflos in Seatle wegfallen, da hier der Vater erst durch den Tod zum kompetenten Vater wird (davor ist er Archtekt, sprich er arbeitet und ist entprechend weiter weg (ich hab den Film lange nicht geguckt, korregier mich, wenn ich das Falsch im Kopf habe. Es ist auch gut möglich, dass es nur impliziert wird.))

    In dem Text, wo ich die Definiton zum ersten Mal gehöhrt habe wurde FindetNemo noch als Beispiel genannt, wo Marty wohl auch nicht so ein kümmernder Vater geworden wäre, wenn seine Frau noch am leben wäre. („Beweis:“ Seine antwort auf die Frage nach Kindernamen in der ersten Szene)

    Der Pate und Juno sind wohl beides Grauzohnen. Juno kenne ich nicht, aber lauf wikipedia hat sie eine Stiefmutter. Bei der Pate ist die Frage, ob kompetenter Vater hier passt schwierig, da hier auch die grenzen zwischen biologischen Vater und dem Paten als Beruf(ung) verschwimmen.
    Han Solo bleibt ebenfalls schwierig, da fehlt die Vorgeschichte.

    Ansonsten finde ich den Test einen interessanten Ansatz, über den es sich durchaus lohnt nachzudenken und zu diskutieren. Ich wüsste wenig Filme, die eins der Kriterien erfüllen, bei mehr als einem wird es sehr dunkel.


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