Frauenfeindlichkeit und Verbitterung

Das Jahr hatte mit einer kleinen Umfrage begonnen. Die Zwei Top-Antworten waren dabei:

Frauenfeindlichkeit und Verbittertheit auf Alles Evolution

Frauenfeindlichkeit und Verbittertheit auf Alles Evolution

Da frage ich doch mal nach:

  • Welche Positionen findet ihr besonders frauenfeindlich
  • Bei welchen Themen oder Positionen besteht eine solche Verbitterung
  • Fühlt ihr euch selbst frauenfeindlich oder verbittert?
  • Was kann man aus eurer Sicht machen, um diese Sichtweisen zu ändern?

Grafiken zu Vergewaltigung, Gewalt gegen Frauen, Eigentumsrechten etc weltweit

Die Seite „Womanstats“ ist ein Project, bei der Frauen betreffende Daten zusammengestellt werden sollen. Es liefert eine Übersicht mit recht interessanten Grafiken, bei der allerdings leider keine Quellen angegeben sind:

Körperliche Sicherheit von Frauen weltweit

Körperliche Sicherheit von Frauen weltweit

Das es eine relativ feministische Gruppe zu sein scheint sieht man bereits daran, dass Frauen anscheinend nirgendwo sicher sind, Amerika, Kanada und Deuthschland wird auch nur „moderate Sicherheit für Frauen“ zugesprochen. Schweden, Frankreich und Spanien sind etwas besser. Für die momentane Debatte interessant ist sicherlich der nordafrikanische Bereich, in dem die Sicherheit komplett fehlt

Gefahr der Vergewaltigung weltweit

Gefahr der Vergewaltigung weltweit

Bei Vergewaltigungsgefahr erhält Deutschland sogar nur eine 4, andere Westliche Länder wie die USA eine 3, die auch Schweden, Musterland des Feminismus, nur erhält. Die Schweiz scheint mir gar eine 1 zu haben. In Afrika und den arabischen Bereichen sieht es eher düster aus.

Vorkommen und Bestrafung von Vergewaltigung

Vorkommen und Bestrafung von Vergewaltigung

Die westliche Welt schneidet noch relativ gut ab, immerhin ist Vergewaltigung unüblich. In den afrikanischen und arabischen Ländern ist es hingegen „vorherrschend“.

Frauen in den Parlamenten / Legislative

Frauen in den Parlamenten /Legislative

Die Beteiligung in den Parlamenten und der Regierung ist auch interessant. Da schneidet Deuschland, auch sicherlich dank Merkel, gut ab. Nordafrika und der arabische Raum hingegen schlecht. Russland und China scheinen auch nicht wirklich eine hohe Frauenquote zu haben

Präferenz von Söhnen und Geschlechterrate

Präferenz von Söhnen und Geschlechterrate

Auch hier gibt es anscheinend der Grafik nach keine Staaten, in denen es nicht zumindest eine kleine Vorliebe für Jungs gibt. Der Westen schneidet noch einigermaßen ab, Afrika und die arabische Welt bevorzugt Jungs deutlicher, ebenso wie Indien. Eine Grafik, in der es um Bevorzugungen von Mädchen gibt es leider nicht.

Lebenserwartung von Frauen

Lebenserwartung von Frauen

Die Lebenserwartung der Frauen ist am besten in der westlichen Welt, in Afrika sieht es im Verhältnis zur westlichen Welt düster aus.

Lebenserwartung Männer Frauen

Lebenserwartung Männer Frauen

Hier ist es erst einmal interessant, wie die Farben verwendet werden:

  • Frauen werden 9 Jahre älter als Männer: Gefahr für Männer
  • Frauen werden 4 bis 8 Jahre älter: Zumindest im grünen Bereich
  • Frauen unter 3 Jahren ÄLTER als Männer: Rot, Gefahr für Frauen!
Stärke der Barrieren zur Anzeige von Vergewaltigungen

Stärke der Barrieren zur Anzeige von Vergewaltigungen

Hier schneidet Deutschland erstaunlich schlecht ab, im orangen Bereich. Das heißt „Die Barrieren sind hoch, aber eine Frau ist nicht in Gefahr, wenn sie eine Anzeige macht“. Schweden ist immerhin im gelben Bereich, trotz mit der höchsten Anzeigenzahl in der westlichen Welt. Die arabische Welt schneidet, was angesichts von Peitschenhieben als Strafe für vergewaltige Frauen nicht verwunderlich ist, ebenso schlecht ab, wie weite Teile Afrikas

Häufigkeit von Vergewaltigungen

Häufigkeit von Vergewaltigungen

Auch hier ist erst einmal die Scala interessant: Dunkelgrün bedeutet 0 (Null) Vergewaltigungsfälle auf 100.000 Einwohner. Es wird demnach auch nicht erreicht. Bereits bei 11 von 100.000 ist man im gelben Bereich. Interessant ist hier, dass die arabische Welt 2011 relativ gut abschneidet. Und das obwohl die Haltung dort stark „Vergewaltigungslastig“ ist. Allerdings dürften dazu zwei Gründe beitragen:

  • Die Folgen davon, dass man eine Vergewaltigung anzeigt, sind so hoch, dass es keine Frau macht
  • Frauen sind weit weniger ohne entsprechenden Begleiter unterwegs, es finden keine zwanglosen Dates statt, Frauen sind weniger unbeobachtetm es besteht weit weniger die Möglichkeit (abseits der Vergewaltigung in der Ehe) eine solche Tat unbeobachtet zu begehen.
Eigentumsrechte Frauen Männer

Eigentumsrechte Frauen Männer

Auch hier interessant: Dunkelgrün hat man einfach weggelassen, selbst ohne rechtliche Einschränkungen bekommt man nur Hellgrün. Natürlich ist hier wieder der afrikanische und der arabische Raum problematisch

Eigentumsrechte Männer Frauen

Eigentumsrechte Männer Frauen

Da wäre es natürlich interessant, was mit „Praxis“ gemeint ist. Wäre interessant, ob da der Zugewinn mit eingegangen ist. Auch interessant wäre, ob die Lebensversicherung des Mannes mit der Frau als Bezugsberechtigte für den Todesfall dort eingeflossen ist. Aber auch hier: Afrika und die arabische Welt schneiden schlecht ab.

Ich hatte bereits an anderer Stelle besprochen, dass der weiße, heterosexuelle Mann, das klassische Feindbild der intersektionalen Genderfeministen in Punkte Gleichberechtigung gar nicht so schlecht abschneidet.

Auch Thesen wie „Vorfälle wie in Köln besonders zu besprechen und die von „Biodeutschen“ auszublenden ist Rassismus, das ist alles ganz normal in einer Rape Culture“ scheinen mir da eher einen schweren Stand zu haben.

Insgesamt wäre ich an den Daten, die den Grafiken zugrundeliegen sehr interessiert. Es ist ja bereits schwierig Vermutungen darüber anzustellen, wie viele Vergewaltigungen nicht angezeigt werden, weil kulturelle Hindernisse bestehen.

Dennoch scheint mir die Tendenz deutlich und auch wenig überraschend: Insgesamt ist die westliche Welt für Frauen der sicherste Ort.

Sind mehr Frauen als Männer gegen Abtreibung?

Ein für mich überraschendes Ergebnis von Umfragen wird beim Guardian dargestellt:

Polling on abortion, as highlighted by UKPollingReport back in 2012, is pretty clear when it comes to the attitudes of men and women:

“Polls consistently show … that women are more likely than men to support a reduction on the abortion limit. In the 2011 YouGov poll 28% of men supported a reduction, 46% of women did. In the 2012 YouGov poll 24% of men supported a reduction, 49% of women did. In the Angus Reid poll 35% of men supported a reduction in the limit, 59% of women did. In the ICM poll 45% of men supported a reduction to 20 weeks, 59% of women did.”

Drilling down into the numbers doesn’t reveal anything untoward. YouGov’s 2012 poll suggests that slightly more men than women want to ban abortion completely (8% vs 5%), but the result isn’t statistically very significant, and the effect disappears in the Angus Reid poll (the question isn’t asked in ICM’s). The YouGov numbers are lower than those found by Angus Reid and ICM, but the gender differences are still consistent.

Other polls have appeared since that article, and they show the same thing. A 2013 YouGov poll on behalf of the University of Lancaster found 26% of men supporting a reduction or ban, versus 43% of women. Interestingly, 53% of women in that survey believed that life begins at conception, against 35% of men – not exactly „every sperm is sacred“, but not too far off.

The difference even holds up when you poll Catholics. A second University of Lancaster survey carried out last autumn found that 40% of Catholic men supported a reduction or ban, against 57% of Catholic women. Exactly the same difference in percentage points that they found among the general population.

Das ich Abtreibung als ein Recht sehe, dass auch für Männer wichtig ist, hatte ich bereits in diesem Artikel dargestellt. Ich verstehe auch die Männer nicht, die gegen eine Abtreibung sind, es wird in einer ernsten Beziehung selten dazu kommen und ansonsten bedeutet es häufig, dass man Kindesunterhalt zahlen wird, über die Elternschaft an eine Person gebunden ist, die anscheinend nicht genug Vertrauen in die Sache hat, um das Kind mit einem gemeinsam zu wollen oder die es sich gegenwärtig selbst nicht zutraut. Die Ausgangslage ist insoweit denkbar ungünstig.

Frauen, die dagegen sind, verstehe ich noch weniger. Immerhin haben ja letztendlich Frauen die Entscheidung, ob sie es machen oder nicht und können damit für sich selbst die ihnen genehme Lösung wählen.

Andererseits waren es in (theoretische) Diskussionen um eine Abtreibung auch eher Frauen, die mit Argumenten wie „Es ist ja immerhin ein Kind“ kamen, die meisten Männer sahen das eher praktisch. Wenn es nicht passt, dann ist es besser, dass das Kind erst gar nicht geboren wird. Frauen schienen da häufig eine emotionalere Position zu zu haben und es auch noch neben dem medizinischen Gesichtspunkt unter dem Gesichtspunkt „kann man das mit einem Embryo wirklich machen“ zu betrachten.

 

#ausnahmslos

Als Reaktion auf die Vorkommnisse in Köln an Silvester haben verschiedene (Netz-)Feministinnen eine gemeinsame Erklärung verbundenen mit Vorstellungen, wie man so etwas in Zukunft verhindert, herausgegeben, die auch von vielen Politikern und anderen in der Szene Bekannten mitgezeichnet wurde

Ich finde das eine sehr gut geschriebene Erklärung. Nicht unbedingt was den Inhalt betrifft, sondern von der Ausarbeitung des Textes. Es ist ein Text, bei dem viele Leute zustimmen werden, dass er so der richtige Weg ist. Zwischen einer Vielzahl von Äußerungen, denen man zustimmen kann verstecken sich aber Aussagen, die so tatsächlich durchaus zu beanstanden sind, die aber geschickt in den Text eingegliedert sind. Zudem findet man diverse Zugeständnisse an bestimmte feministische Positionen, etwa den Intersektionalismus.

Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos

In der Silvesternacht auf 2016 waren in Köln und anderen deutschen Städten viele Frauen sexualisierter Gewalt an öffentlichen Plätzen ausgesetzt. Diese Taten müssen zügig und umfassend aufgeklärt werden. Die Schutzlücken im Straftatbestand der sexuellen Nötigung/Vergewaltigung müssen endlich geschlossen werden.

Diese Schutzlücken bestehen allerdings kaum, in Ländern, in denen man bereits rein auf den Willen abstellt, verortet der Feminismus immer noch eine Rape Culture. Und ein Schließen der Schutzlücken hätte hier auch die Taten nicht wirklich verhindert.

Wir fordern, dass den Betroffenen jetzt alle Unterstützung und Hilfe zukommt, die sie benötigen. Wir stehen solidarisch mit all denjenigen, die sexualisierte Gewalt und Belästigung erfahren und erfahren haben.

Das ist ein Satz, dem man kaum widersprechen kann. Er kommt aber natürlich auch, wenn die Taten weit weniger eindeutig sind. Mitverfasserin Wizorek hat meines Wissens auch auf den Höhepunkten der Rollingstones-Affaire noch uneingeschränkte Solidarität verkündet und gefordert.

Wer wir sind
Als Feminist_innen1 aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen setzen wir uns seit vielen Jahren für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und für eine offene und faire Gesellschaft ein, engagieren uns gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt.

Leider nein.

Dabei haben wir gelernt, wie wichtig es ist, auch gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung zu stehen.

Wer würde dagegen sein, sich gegen Rassismus und andere Formen der Diskriminierung zu stellen? Nur, dass radikale Feministinnen da eben Rassismus und Diskrimierung intersektional sehen und da selbst Kleinigkeiten ausreichen.

Dafür setzen wir uns ein
Der konsequente Einsatz gegen sexualisierte Gewalt jeder Art ist unabdingbar und von höchster Priorität. Es ist für alle schädlich, wenn feministische Anliegen von Populist_innen instrumentalisiert werden, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht getan wird.

Ein klasse Satz. Erst die Forderung, dass man sich konsequent gegen sexualisierte Gewalt einsetzt, dann die Verbindung damit, dass man wenn man das macht, sich nicht gegen feministische Anliegen, die nicht näher ausgeführt werden, stellen darf. „Hetzen“ wäre es dann wohl auch schon, wenn man anführt, dass der Vorfall ungewöhnlich und nicht schlicht Teil der Rape Culture, wie sie auch sonst in Deutschland herrscht, ist.

Sexualisierte Gewalt darf nicht nur dann thematisiert werden, wenn die Täter die vermeintlich „Anderen“ sind: die muslimischen, arabischen, Schwarzen oder nordafrikanischen Männer – kurzum, all jene, die rechte Populist_innen als „nicht deutsch“ verstehen. Sie darf auch nicht nur dann Aufmerksamkeit finden, wenn die Opfer (vermeintlich) weiße Cis2-Frauen sind. Der Einsatz gegen sexualisierte Gewalt muss jeden Tag ausnahmslos politische Priorität haben, denn sie ist ein fortwährendes Problem, das uns alle betrifft.

Der Radikalfeminismus versteht hierunter die Rape Culture und „Oktoberfest ist genauso schlimm und passiert jedes Jahr“. Zudem wird so getan als wäre der Vorfall nicht ebenso dramatisch gewesen, wenn die Frauen, die dort angegriffen worden sind, alle „nicht deutsch“ gewesen wären.

Zudem eben eine etwas verklausulierte Forderung, etwas gegen die eigentlich nicht existente Rape Culture zu machen. Nur, dass man das extreme eben nicht extra betont.

2014 ergab eine Erhebung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA), dass mehr als die Hälfte aller Frauen bereits sexuell belästigt wurde und ein Drittel sexualisierte und/oder physische Gewalt erlebte.

Aber mit was für einer Definition? Wahrscheinlich der üblichen wesentlich zu weiten. Ich bin gar nicht ganz sicher, ob ich diese Studien hier schon besprochen habe. Ähnliche aber jedenfalls.

Die polizeiliche Kriminalstatistik weist jährlich mehr als 7.300 angezeigte Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen in Deutschland aus3, das sind zwanzig jeden Tag. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher.

Das hingegen sind ja erst einmal realistische Zahlen. „Zwanzig am Tag“ mag dann erst einmal viel erscheinen, ist aber bei 40+ Millionen Frauen keine hohe Quote. Es würde mich interessieren, ob die Vagheit der Dunkelziffer umkämpft war und andere Feministinnen da eine Zahl haben wollten („200fach höher“)

Alle Menschen sollen sich von klein auf, unabhängig von ihrer Ethnie, sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität, Religion oder Lebensweise, sicher fühlen und vor verbalen und körperlichen Übergriffen geschützt sein: egal ob auf der Straße, zu Hause, bei der Arbeit oder im Internet. Ausnahmslos. Das sind die Grundlagen einer freien Gesellschaft.

Das ist natürlich auch eine vollkommen banale Aussage: „Alle Menschen sollten glücklich/reich/schön/intelligent sein, und zwar ausnahmslos“ wäre ähnlich sinnvoll. Denn 100% Sicherheit und das auch noch von „verbalen Übergriffen“ ist schlicht nicht zu erreichen. Aber es ist eine schöne Förderung, wer würde da nicht zustimmen, dass es schön wäre?

Natürlich besteht in der Praxis das Problem, dass mehr Sicherheit immer einer Einschränkung der Rechte des Einzelnen erfordert. Wer absolute Sicherheit will, der braucht eigentlich absolute Überwachung.

Dann die eigentlichen Thesen:

Für diese politischen Lösungen setzen wir uns ein:

1. Die Arbeit der Beratungsstellen muss gestärkt und ihr Angebot ausgebaut werden, einschließlich Therapiemöglichkeiten und besserem, schnelleren Zugang zu Therapieplätzen. Auch die Arbeit von Frauenhäusern muss gestärkt und vor allem finanziell ausreichend abgesichert werden. Alle Beratungsstellen und -angebote müssen barrierefrei sein.

Ein guter Einstieg. Wer wird was gegen Hilfe für Opfer haben? Nur das Frauenhäuser natürlich inzwischen auch Frauen ohne Gewalterfahrung aufnehmen und auch nicht per se ersichtlich ist, dass eine Stärkung notwendig ist. Für die Intersektionalisten noch nachgeschoben: Alles Barrrierefrei.

2. Die Gesetzeslage muss angepasst werden: Sexuelle Belästigung ist in Deutschland immer noch keine eigenständige Straftat. Und ob eine Vergewaltigung als strafbar gilt, wird zum Beispiel auch daran festgemacht, ob sich die betroffene Person ausreichend zur Wehr setzte.

„Sexuelle Belästigung“ ist auch ein schwer zu schaffender Straftatbestand, weil er in dieser Form dem Bestimmtheitsgebot des Strafrechts nicht entspricht. Man darf gespannt sein, wie das in Worte gefasst werden soll.

3. Mehr öffentliche Aufklärungsarbeit hilft, Gewalt zu vermeiden, und signalisiert den Betroffenen, dass sie sich Hilfe holen und mit gesellschaftlicher Unterstützung rechnen können. Wir möchten dafür sensibilisieren, dass die Gefahr, Sexismus und sexualisierte Gewalt zu erleben, im engen sozialen Umfeld besonders groß ist und in allen gesellschaftlichen Gruppen vorkommt.

Also bitte Stellen für intersektionale Feministinnen einrichten, die dann erklären können, dass wir in einer Rape Culture leben. Aber gut verpackt.

4. Auch eine geschlechtersensible Pädagogik kann (sexualisierter) Gewalt vorbeugen. Dazu zählt nicht zuletzt die Aufklärung über Geschlechterstereotype und die Bedeutung von Sprache.

Weil es die toxische Männlichkeit ist, die zu sexualisierter Gewalt führt. Die „Bedeutung von Sprache“ ist dann wohl die These, dass man möglichst PC sprechen soll, eben klassischer Poststrukturalismus. Aber es klingt gut und unproblematisch.

5. Polizei und Justiz müssen geschult werden, damit es überhaupt zur Strafverfolgung kommt und in diesen Prozessen sensibel und respektvoll mit Betroffenen umgegangen wird.

Das ist bis zu einem gewissen Grad ja durchaus eine berechtigte Forderung. Sie darf nur eben nicht zu Lasten des Rechtsstaatsprinzips gehen. Auch hier ist eigentlich nichts gesagt, was man irgendwie belasten kann. Es kann alles oder nichts heißen. Die Schulung der Polizei und Justiz in feministische Hände zu legen wäre aber wohl angesichts der Abkehr von vielen rechtsstaatlichen Prinzipien in dem Zusammenhang eine Katastrophe.

Für diese gesellschaftlichen Lösungen setzen wir uns ein:
6. Die Debatte über sexualisierte Gewalt muss offen, kritisch und differenziert geführt werden. Dazu gehört die Analyse, Aufarbeitung und Bekämpfung von soziokulturellen und weltanschaulichen Ursachen von Gewalt. Dringend muss auch über Auswirkungen gesellschaftlicher Stigmatisierung von Betroffenen sexualisierter Gewalt gesprochen werden.

Das wäre ja begrüßenswert. Aber seit wann möchte man im Feminismus eine offene, kritische Debatte haben? Vermutlich meint man damit „offen für unsere Meinung und kritisch in dem Sinne, dass wir die Gesellschaft kritisieren.

7. Betroffene sexualisierter Gewalt müssen ernst genommen werden. Es darf keine Täter_innen-Opfer-Umkehrung, wie in Form von Verhaltensregeln für Betroffene, und keine Verharmlosung geben.

„Das ist ganz normal, dass passiert täglich in Deutschland“ ist eine Verharmlosung. Aber das ist eine andere Sache.

8. Sexismus und Rassismus sind nicht Probleme „der Anderen”: Wir alle sind von struktureller Diskriminierung geprägt und müssen erlernte Vorurteile erst einmal reflektieren, um sie abzulegen.

Auch hier nur eine Andeutung der üblichen feministischen Theorie. Sie hätten auch schreiben können, dass alle „BioDeutschen“ privilegiert sind und eine zutiefst rassistische und sexistische Gesellschaft produziert haben, von der sie profitieren, aber das hätte eben wesentlich radikaler geklungen

9. Wer Zeug_in von sexualisierter Gewalt und Sexismus wird, sollte nicht wegschauen, sondern eingreifen – von Hilfe und Beistand bei sexualisierten Übergriffen bis zum Einspruch gegen sexistische Sprüche, „Witze“ oder Werbung.

Alles muss politisch korrekt sein und wer nicht widerspricht, der macht sich mitschuldig. Dabei gibt es kaum irgendwas, was nicht sexistisch sein kann.

Für diese medialen Ansätze setzen wir uns ein:

10. Die mediale Berichterstattung über sexualisierte Gewalt darf die Opfer nicht verhöhnen und die Taten nicht verschleiern. Täter sollten nicht als „Sex-Gangster” oder „Sex-Mob” beschrieben – da sexualisierte Gewalt nichts mit Sex zu tun hat – und häusliche Gewalt nicht als „Familien-” oder „Beziehungsdrama” verharmlost werden.

„Sexualisierte Gewalt hat nicht mit Sex zu tun“ ist auch etwas typisch radikalfeministisches. Es geht ja schließlich um Macht, nicht um Sex. Sprachvorgaben lösen da wenig Probleme.

11. Sexismus und andere Diskriminierungsformen müssen als Nährboden für sexualisierte Gewalt verstanden und als reale und bestehende Probleme anerkannt werden. Es muss ernst genommen werden, wie die mediale Darstellung u.a. weiblicher Körper als Lustobjekte mit sexualisierter Gewalt verknüpft ist. Sexismus darf weder im Alltag noch in der Werbung und in den Medien Platz haben.

Hier ist man schon etwas näher am klassischen feministischen Forderungen. Auch das klingt relativ harmlos, aber da die Definition von Sexismus weit ist, kann alles Sexismus sein. Wie radikal eine solche Umsetzung in den Händen des Feminismus wäre klingt hier allenfalls an.

12. Das Problem des Sexismus und der sexualisierten Gewalt darf nicht „islamisiert“ und damit pauschal einer Religion und ihren – häufig vermeintlichen – Angehörigen zugeschrieben werden. Damit werden mindestens 5 Millionen Menschen in Deutschland unter Generalverdacht gestellt. Redaktionen sollen reißerische und stigmatisierende Deutungen vermeiden, denn diese ziehen konkrete negative Folgen für Mitglieder unserer Gesellschaft nach sich.

Was man aber machen darf: Alle Männer unter Generalverdacht stellen.

13. Die Bildsprache ist frei von rassistischen und sexistischen Klischees zu halten. Bilder wirken unterbewusst und können selbst eine differenzierte Berichterstattung torpedieren.

Auch hier muss man wohl den Irrsinn des Radikalfeminismus kennen, um sich bewußt zu machen, was damit alles verboten werden sollte.

14. Redaktionen müssen vielfältiger werden. Nach wie vor sind nur ein Bruchteil der Journalist_innen in Deutschland nicht-deutscher Herkunft und Berufswege stehen vor allem Menschen mit formal hoher Bildung offen. Männlich, heterosexuell und weiß dominierte Chefredaktionen tragen dazu bei, dass Themen, die andere Geschlechter, Ethnien und Minderheiten betreffen, nicht mit ausreichend Raum und Kompetenz behandelt werden.

Die Lösung für alles: Mehr Minderheiten und auch anscheinend auch Leute ohne höhere Bildung. Weg mit den bösen Männern. Unabhängig davon, dass in Deutschland eben überwiegend heterosexuelle und weiße Personen leben.

Das war nur eine sehr kurze Kritik, ich finde den Text eigentlich viel interessanter als Beispiel für Öffentlichkeitsarbeit im Netz, die ja hier gerade Thema war.

Mit diesen Thesen, der Umsetzung auf einer Webseite, der Hinzuziehung einiger prominenter Unterzeichner, haben die dortigen Feministinnen

  • ein erhebliches Medienecho erreicht
  • sich selbst als Verfasserinnen dargestellt ohne das man ihre Radikalität herauslesen kann
  • Sich damit selbst eine weitere Wichtigkeit gegeben („hat mit Frauenministerin und unter Zustimmung vieler Feministinnen weit beachtete Thesen zur Reduzierung sexueller Gewalt veröffentlicht“)
  • anderen Leuten sowohl eine Möglichkeit gegeben sich gegen sexuelle Gewalt zu positionieren als auch selbst davon profitiert, dass diese ihre Petition unterstützen

Es sind also recht einfache Mittel, die abgesehen vielleicht von einem Kleinkrieg um bestimmte Formulierungen, noch nicht einmal sehr viel Arbeit gemacht haben werden.

Vielleicht sollten wir selbst an so etwas arbeiten. Meinetwegen „Thesen zur Gleichberechtigung im Familienrecht“ so windelweich formuliert, dass man radikalere und weniger radikale Forderungen hineinlesen, aber im wesentlichen zustimmen kann. Und dann eben schauen, wen man da an Prominenten mit reinziehen kann.

 

Andere Artikel:

Werbung und Appelle an die Männlichkeit

Mir sind ein paar Werbespots aufgefallen, die ich ganz interessant finde:

1. Opel mit WLAN

Da Kinder keine Autos kaufen dürfte der Werbespot eher auf erwachsene Männer abzielen. Er stellt recht offensichtlich intrasexuelle Konkurrenz um Signalling dar, und zwar über einen Stellvertreterkampf der Jungen um den cooleren Vater. Dieser coole Vater soll man sein können, auch mit kleineren Geldbeutel als für die Oberklasse. Eben durch etwas, was die Jugendlichen Cool finden. Erst wird durch den Bully cool vorgelegt, dann mit dem WLAN-Opel gekontert, das hübsche Mädchen guckt anerkennend (was in intrasexueller Konkurrenz ja das entscheidende ist, Opel bewirkt preselected by women, es setzt auch schön um, dass man für Frauen attraktiv ist ohne diesen sexuellen Vorteil direkt anzusprechen, er wird auf den Sohn verlagert), Sohn steigt voller Stolz mit Mädchen und Freund an, der Vater ist cool, der Bully steht alleine am Straßenrand. Da hat er eben eindeutig verloren.

2. Mit Check24 riesig sparen

Er ist doppelt so groß, weil er so viel spart. Größer sein als die anderen, besser in der Konkurrenz, dazu eine hübsche Frau, die seinen riesigen Stecker begeistert mit offenen Mund empfängt und ebenso begeistert einführt:

Check24 und der Penisstecker

Welcher Mann hätte diesen Blick und diese Handhabung nicht gern in einer anderen Situation?

Check24 und der Penis Stecker

„Nichts ist schöner für mich als den großen Stecker meines Mannes einzustöpseln“

Es ist fast so als hätten die Macher des Spots kurz überlegt, ob es zu viel ist und dann lieber noch eine Schippe drauf gelegt, falls es zuwenig sein sollte.

Er schneidet ihr dann noch mit seiner Riesenmotorsäge ein Herz zurecht und sie haucht ihm einen Kuss zu. Die Botschaft:

Spare auch du, dann ist deine Frau zufrieden und guckt deinen Penis an, wie diese Frau den Stecker. Du wirst ein Riese sein, besser als alle anderen Männer.

3. Nespresso – What else

 

Die Botschaft hier: Auch du kannst so cool sein, wei George Clooney, egal wie du aussiehst. Du musst dir nur unseren Werbespot merken und den Kaffee trinken, dann wollen dich die schönen Frauen. Du steigst in der intrasexuellen Konkurrenz auf. Wirklich. Es ist egal, dass du etwas dick und nicht so toll wie George bist. Unsere Marke und ihren Werbespot zu kennen ist ein wichtiges Kulturelles Signal für den Mann von Welt. Sei nicht unwissens, sei cool und merke dir, dass es ein toller Kaffee ist, den Frauen mögen. Oder wahlweise: Wenn du weißt, wie man mit unserem Kaffee umgeht, dann wollen andere Männer dich imitieren, weil sie sehen, dass Frauen dich wollen.

 

Sprich:

Die Werbung baut immer noch auf sehr klassische Aspekte auf: Unser Produkt ist ein gutes Signal, welches einen hohen Partnerwert anzeigt. Das wird leichter oder stärker verschlüsselt angegeben, denn die direkte Botschaft „Das Produkt macht dich bei Frauen attraktiv“ würde billig wirken. Deswegen ist es eher der schlaue Sparer, der Vater, der will, dass sein Sohn zu ihm aufblickt und der witzige Kaffeetrinker. Aber die Botschaft wird doch recht zentral positioniert und mit dem Produkt verknüpft.

Man muss keine Titten zeigen, um eine „Sex sells“ Strategie zu fahren.

 

Die Aktiven und die Bloggenden: „Echte Arbeit“ vs „sinnloses Rumdiskutieren“

Arne hat mit einem Artikel noch einmal das Thema „Die Aktiven und die Bloggenden“ aufgegriffen, welches hier schon mehrfach Thema war. Ich hatte ja schon in der letzten Diskussion einen leichten Rant in mir aufsteigen fühlen, den ich nachdem maddes8cht vorgelegt hatte erst einmal zurückgestellt habe, auch wenn es anderweitig auch noch diskutiert worden ist. (Emannzer / Pelzblog)

Ich möchte aber nunmehr doch noch etwas dazu schreiben, ein kleiner Rant zurück, an die, die es angeht:

1. Was tun wir euch eigentlich? 

Mich stört bei diesen Artikeln oder Kommentaren sehr, dass sie schnell einen aggressiven Unterton haben und das Bloggen abwerten. Der Ton ist so ungefähr „ihr sitzt zuhause und wir müssen die Drecksarbeit machen (und gehen dabei drauf)“. Das ist natürlich Blödsinn, denn wenn hier nicht geblogt und diskutiert werden würde, dann würde das eure Welt immer noch nicht verbessern. Ihr wärt dann nur ein Stücke alleiner, hättet aber die gleiche Arbeit wie bisher auch.

2. Warum dieses Entitlement?

Ich vermute also, dass ihr es so seht, dass diejenigen, die sonst bloggen oder in Blogs kommentieren dann, wenn es die Blogs nicht geben würde, bei euch mitmachen würden. Ist der Vorwurf wirklich, dass wir euch Leute klauen, die euch zustehen? Oder ist es mehr so eine Art „Wenn ich euch ECHTE MÄNNERRECHTLER  nennen wollt, dann macht auch ECHTE ARBEIT und setzt euch nicht einfach nur in einen Stuhl“?

Dazu will ich euch schlicht das folgende verraten:

Keiner hier schuldet euch irgendetwas.

Ihr habt kein Anspruch darauf, dass man auf eure Weise arbeitet. Ihr habt keinen Anspruch darauf, dass Leute eure Art sich für die Sache einzusetzen gut finden oder unterstützen. Weil ich über Geschlechterthemen und Männerrechtler blogge muss ich nicht mehr machen. Wenn ihr wollt, dass Leute bei euch mitmachen, dann ist es eure Aufgabe, sie davon zu überzeugen, dass sich das lohnt. Und wenn ihr meint, dass ihr verächtlich auf Leute herabgucken könnt, die nicht das machen, was ihr macht, dann seid ihr schlicht arrogante Säcke, die sich für etwas besseres halten und es anscheinend brauchen Andere abzuwerten. Und genau eine solche Haltung bewirkt, dass dann noch weniger Leute Lust haben, mit euch „aktive Arbeit“ zu machen.

3. Sich besser fühlen, indem man andere abwertet schadet der Sache

Seid gerne stolz auf was ihr macht. Wenn ihr aber nur dann stolz sein könnt, wenn ihr andere abwertet, was sagt das dann über eure Arbeit aus? Es zeigt dann vielleicht eher, dass ihr eigentlich eher das Gefühl des Status und des leidenden Martyrers braucht, der sich aufopfert. Macht dann diese Minderwertigkeitskomplexe bitte mit euch aus und hört auf, euch so zu überhöhen: Ihr und eure Arbeit seit nicht unersetzbar und da, wo ihr nicht tätig seid, da klappt es auch (gegebenenfalls schlechter oder teurer, aber niemand ist unersetzbar). Dieses „Da LEIDEN Männer und du schreibst nur einen Artikel statt zu helfen“ ist einfach nur eine widerliche Masche, ein Schuldgefühl zu erzeugen. Wenn ich darüber oder zu anderen Themen blogge, dann macht das die Sache nicht schlechter, im Gegenteil, eher erzeugt es Aufmerksamkeit. Statt Blogger anzumeckern solltest du lieber überlegen, wie du andere Menschen an das Thema heranführst, wenn du meinst, dass zu wenig Leute mitmachen.

4. Wenn ihr zu wenige seid, dann solltet ihr, statt zu meckern, eben mal überlegen, warum nicht genug Leute nachkommen

Warum sollte man eigentlich bei euch mitmachen? Habt ihr euch schon mal überlegt, was jemanden dazu bringen könnte, bei euch tätig zu sein, oder verfolgt ihr eher das Motto, dass man um zu so einen elitären Verein mitmachen zu können, eben engagiert genug sein muss?

Ich habe bisher von zwei Vereinen (vier waren angeschrieben) Rückmeldungen auf meine Fragen zu ihrer Arbeit bekommen und diese waren bezüglich der Frage, wie man mithelfen kann:

Von Gleichmass:

8. Wenn jemand ihre Arbeit unterstützen möchte, wie kann er dies am besten?
a) aktiv vor Ort
b) finanziell (und wofür würden die Gelder eingesetzt werden)

Die Gelder würden für die o. g. Aktivitäten verwendet werden. Unter diesem Link findet man neben Spenden weitere Unterstützungsmöglichkeiten.

Von Mandat:

8. Wenn jemand ihre Arbeit unterstützen möchte, wie kann er dies am besten?
a) aktiv vor Ort
b) finanziell (und wofür würden die Gelder eingesetzt werden)

Aktivität im Verein per Internet und/oder finanziell.

Na da zeichnet sich doch ein deutliches Bild, man weiß genau, was einen erwartet, man bekommt gleich Lust, mitzumachen. Ihr führt potentiell Interessierte ja wirklich großartig an eure Arbeit heran. Auf eine direkte Frage, wie man bei euch aktiv werden kann, kommt:

Nichts.

Ich hatte die Frage extra gespalten, damit zu beidem etwas geschrieben werden kann, weil ja auch die Klage kam, dass man auch nicht die passenden finanzielle Unterstützung erhalte.

Nach all dem Jammern, dass da zu wenig Leute aktiv sind, hätte ich ja schon erwartet, dass man da einmal konkreter wird. Dass man mal schildert, wo ihr denn Unterstützung braucht, etwa einen Text wie:

„Wir suchen immer Leute, die uns helfen, Flugblätter zu erstellen, die grafisch versiert sind, die gut Texten können, wir schreiben Politiker an und brauchen Leute, die zu diesem und jenem Thema etwas zusammenstellen, du kannst dir einen Überblick über unsere Arbeit verschaffen, wenn du montags zu unserer Strategierunde dazu kommst, in der letzten ging es um das Thema X. Wir haben auch eine Chatrunde im Internet, an der du erst stiller Teilnehmer sein kannst, wenn du mal schauen willst, ob es was für dich ist. Gerne können wir dich auch zum Berater ausbilden, wenn du dann einen entsprechenden Service bei dir vor Ort anbieten willst. Oder du schreibst uns eine Mail und dann suchen wir gemeinsam ein Projekt welches deine Fähigkeiten am besten einbringt. Wir freuen uns auf jeden, der uns unterstützt

Oder zum finanziellen:

Eine finanzielle Unterstützung ist über eine Mitgliedschaft in unserem Förderverein möglich, der Beitrag beträgt X Euro. Man kann auch dem Verein so beitreten, da ist der Jahresbeitrag Y Euro. Zudem kann man folgende Projekte direkt unterstützen, etwa … und …. Oder man spendet an folgendes Konto… eine Spendenquittung stellen wir gerne aus. Wir brauchen das Geld insbesondere für…. Wenn wir mehr Geld hätten, dann könnten wir zum Beispiel dies und jenes machen.  Wir haben zudem ein Paetronkonto eingerichtet, wer das bequemer findet, man findet es unter…

Statt dessen konnte keiner der beiden Vereine auch nur einen Satz dazu schreiben, was man da nun konkret machen kann um aktiv mitzuarbeiten oder was man mit mehr Geld machen würde und warum man es braucht.

Erfährt man das an anderer Stelle? Aus meiner Sicht nicht. Ihr errichtet hohe Barrieren für einen Einstieg und wundert euch dann, dass keiner kommt. Und die, die sich für das Thema interessieren, die schreckt ihr (teilweise) noch mit Unfreundlichkeit und Beleidigungen ab und mit dem Gefühl, dass euch alles nicht gut genug ist.

5. Die alten Methoden sind alt, es lebe das Internet und die Öffentlichkeitsarbeit

Eine Folge davon, dass ihr euch in eurem Ruhm als die „echten Aktiven“ sonnt und Verachtung gegenüber Leuten, die im Internet aktiv sind, ist, dass ihr auf alte Methoden setzt und euch dann wundert, dass die nicht ziehen.

In einer Diskussion hat sich kürzlich jemand darüber aufgeregt, dass man irgendwann mal eine Demo in Berlin geplant hat und keiner gekommen ist. Anlässlich des Genderkongress hieß es ebenfalls, dass ja von den Bloggern keiner dagewesen wäre (was tatsächlich gar nicht mal stimmte).

Anscheinend bringt euch das aber gar nicht dazu, dass man mal überlegt, wie man dann die Sache publizieren kann, was man da machen kann außer meckern und ob eure Öffentlichkeitsarbeit nicht in der Hinsicht einfach schlecht ist.

Da habt ihr mit Arne einen Aktiven mit einem Blog und da kommt nebenher irgendwie mal ein kleiner Hinweis. Warum nicht in der vorherigen Zeit mal ein Interview mit den Leuten, die dort Reden halten, in denen sie das schon mal anreißen, warum ihnen das Thema wichtig ist, damit Leute interessiert sind? Warum die ganze Sache nicht streamen, damit Leute, die nicht anreisen können oder die sich einfach nicht sicher sind, ob es was für sie ist, da mal reinschauen können und beim nächsten Mal Lust haben zu kommen? Warum nicht mal ein paar positive Berichte in den Blogs positionieren, die die sicherlich gerne veröffentlichen. Und danach die Redemanuskripte online stellen, damit man es nachlesen kann. Und den Stream noch mal ins Internet stellen, damit man es sich zu jeder Zeit anschauen kann. Und es etwas hypen lassen. Und dann mit der guten Stimmung in das nächste Jahr gehen? Statt dessen: Verachtung gegen Blogger und Selbsttbeweihräucherung. Was für ein Kindergarten und wie unprofessionell.

6. Die Macht der sozialen Medien und des Internets

Wisst ihr, was Leute anzieht? Wenn schon viele Leute dabei sind und man immer wieder darauf stößt.

Wisst ihr, wonach Politiker den Einfluss einer Gruppe beurteilen? Danach, wie viel Aufmerksamkeit sie generieren können.

In den beiden Bereichen versagt ihr, wenn ihr das Internet nicht nutzt. Wenn ihr so tolle praktische Arbeit macht, dann müsst ihr eben auch die Zähne auseinander bekommen. Wenn ihr 300 Mitglieder habt, dann wissen die, wenn ihr nichts erzählt, vielleicht von eurer Arbeit. Wenn ihr euch damit beschäftigt, eine Social Media Präsenz aufzubauen, und über Twitter, Facebook und eine Internetseite von euren Taten redet (und zumindest 50 eurer Mitglieder sich ebenfalls einen Twitter- und Facebookaccount und eine Internetseite zulegen, sich darum bemühen, Interessierte auf sich aufmerksam zu machen und dann eure Beiträge verlinken, dann wissen es 10.000.

#Aufschrei wurde unter anderem deswegen ein Phänomen, weil eine kleine Anzahl von Feministinnen sehr viele Tweets geschrieben hat, um die Sache ins Laufen zu bringen und weil sie entsprechend mit Multiplikatoren vernetzt waren. Feministinnen können Forderungen durchsetzen, weil sie mit einem Shitstorm drohen können, der ein höhes Potential an Leuten mobilisiert und von einigen sehr aktiven zusätzlich geschürt werden wird. Auf Shitstormniveau muss man sich dazu gar nicht bewegen, aber wenn deutlich wird, dass man jemand ist, bei dem 10.000 Leute angepisst sind, wenn etwas sexistisches offengelegt wird, dann überlegt man eben als Politiker eher, ob man dieser Gruppe zuarbeitet und spricht ihr Bedeutung zu. Wenn man weiß, dass allenfalls 100 Vereinsmitglieder was davon erfahren und dann eine Email von deren Vorstand kommt, dann kann man das weitaus eher ignorieren.

MANNDat hat beispielsweise angegeben, dass sie im Internet aktiv sind und auf Diskriminierungen hinweisen wollen. Ich sehe aus der Richtung ehrlich gesagt nicht viel.

Wie diese Arbeit voranschreitet sieht man beispielsweise auch auf ihrem Twitteraccount.

Es ist schön, dass ihr einen Kongress ausgerichtet habt und Politiker dazu Grußworte geschickt haben, also immerhin diesen Bereich anerkannt haben. Es ist gut und sinnvoll, dass ihr persönlichen Kontakt zu Politikern aufbaut. All das und die damit zusammenhängende Arbeit will ich gar nicht abwerten. Nur analysieren Politiker eben auch die Stimmungen, schauen, wie viel Prozent der Leute dahinter stehen und dazu sind aktive Internetseiten, Kommentare unter Artikeln in der Zeitung etc alles wichtige Anzeichen.

Ein wichtiges Beispiel ist etwa Milo auf Twitter. Er hat Platz in Talkshows erhalten, nicht weil er aktive Arbeit macht und auf Politiker zugegangen ist, sondern weil er sich auf (soziale) Medien versteht und darauf einen Kult um sich zu generieren. Er hat damit 130.000 Follower aufgebaut, was jeden Auftritt von ihm gleichzeitig schon dadurch erfolgreicher sein lässt, weil er auf seinen Medien dafür wirbt.

Nun kann man von Agens und Co nicht erwarten, dass sie den Milo machen, dass würde nicht passen. Aber wenn sie sich mit passender Arbeit auf 5.000+ Follower bei Twitter hocharbeiten würden, dann würden sie auch in diversen Medienübersichten auftauchen, dann würden sie ggfs ebenso wie Marthadear zu bestimmten Punkten eher um Interviews gebeten werden, weil sie sie bereits kommentiert haben, dann hätte Kritik Gewicht über die Follower, die diese aufnehmen und verstärken. Man merkt dann, dass es einer Vielzahl von Leuten nicht gefällt und diese bereit sind, dass auch kundzutun. Dann wüßten auch mehr Leute, dass es sie gibt und was sie konkret machen.

Kurzum: Die Aktiven haben das Internet und die Öffentlichkeitsarbeit verschlafen. Statt sich zu freuen, dass sie im Internet eine Basis haben, werten sie diejenigen, die ihnen da den Einstieg erleichtern ab. Es ist vielleicht einfach mal Zeit von dem hohen Ross herunterzukommen.

7. Diskussionen sind nicht sinnlos, im Gegenteil, ihr braucht sie dringend

Und genau auf diesem hohen Ross sitzt man eben, wenn man meint, dass da Leute nur „die Kommentarspalten volldiskutieren“. In vielen Bereichen braucht ihr genau das: Einen Bereich, wo eine wahrnehmbare Diskussion stattfindet. Denn vieles, was aus euren Reihen kommt ist auch einfach weit hinter der Diskussion im Internet zurück: Wenn ein Verein, der sich für Männeranliegen mit einer konservativen Ausrichtung wie „die klassische Familie muss zurück “ kommt oder zumindest mit einem Text, den man so verstehen kann, oder Fragen zur Wahl mit einem aggressiven Ton und unterstellenden Fragen verbreitet werden, dann habt IHR eure Hausaufgaben erneut nicht gemacht und hättet eben lieber mal offen diskutieren sollen, damit deutliche Positionen herausgestellt werden, die dann hoffentlich auch etwas moderner sind.

Mir scheint, dass in den Vereinen bisher kaum eine Debatte stattgefunden hat. Das dort bisher weder Theorien entwickelt worden sind noch wirklich eine einheitliche Linie vorhanden ist oder zumindest herausgearbeitet wird. Bei meiner Kritik an den „Wahlprüfsteinen“ beispielsweise sagte man mir:

Christian, deine ausführliche und kritische Auseinandersetzung mit unseren Wahlprüfsteinen kommt bei uns AGENSern grundsätzlich sehr gut an. Wir fragen uns nur, warum du all die Zeit und Energie, die damit verbunden ist, nicht investierst, indem du VORHER bei solchen Projekten mitarbeitest, statt HINTERHER zu bemäkeln, was aus deiner Sicht unglücklich läuft. Das ist zwar noch etwas zeitintensiver (wie “man in th. middle” schon richtig schreibt, ist es viel einfacher, hinterher zu kritisieren, statt sich vorher mit anderen Leuten zusammenzutun und einen gemeinsamen Nenner an Formulierungen zu finden, auf den sich alle einigen können), aber es wäre auch deutlich erfolgversprechender.

Ich antwortete, dass ich das ja durchaus gerne gemacht hätte, wenn man mal darauf hingewiesen hätte, das da was geplant ist. Was natürlich nicht der Fall war. Man bekommt eben nichts mit und es scheint mir auch nicht wirklich über so etwas diskutiert worden zu sein (und wenn doch, dann wird allenfalls deutlich, dass dort sehr unprofessionell vorgegangen worden ist und sich anscheinend keiner traute, da mal was gegen zu sagen oder es keiner bemerkt hat. Beides wäre ein schlechtes Zeichen).

Es ist also nicht ein „weniger“ an Diskussion notwendig, eher ein mehr. Es wird zu wenig kommuniziert, zu wenig diskutiert und zu wenig einbezogen. Ihr braucht ein paar (interne?) Kommentarspalten, die man (ihr) vollschreiben kann.

Welcher Weg für euch da der beste ist oder ob ihr das tatsächlich machen wollt, das ist natürlich euch selbst überlassen, wie wäre es mit einem Forum, welches jeder lesen kann, aber in dem nur Mitglieder schreiben können? Da wäre bei guten Diskussionen oder Planungen von Aktionen ein Leser, der sich einbringen will, eher bereit, sich anzumelden:

Er wüßte zumindest wozu und mit wem er sich einlässt.

Wie wäre es damit, Aktionen weitaus mehr darzustellen und zur Mitarbeit aufzufordern? Welche Gelegenheit haben den Leute bei euch sich einzubringen, die etwa nicht vor Ort wohnen oder die erst einmal reinschauen wollen?

Wer will, dass Leute sich beteiligen, der muss auch sagen, wie man sich beteiligen kann. Der muss den Leuten zeigen, wie sie sich einbringen können und die Hürden niedrig gestalten.

Natürlich ist es einfach, sich selbst aufzuwerten und über die „Kommentarspaltenvolldiskutierer“ zu lästern. Es bringt nur in der Sache nicht. Wohlgemerkt: Ich möchte das auch gar nicht allen „Aktiven“ vorhalten. Das genaue Meinungsbild innerhalb der Szene ist mir ja nicht bekannt. Vielleicht gibt es auch viele, die hier oder in anderen Blogs neben der aktiven Arbeit mitlesen oder mitdiskutieren und das einfach nicht so publik machen.

8. Wie wäre es schöner?

Für die, die mit den „Bloggenden“ ein Problem haben: Wie wäre es mit einer neuen Perspektive? Statt aus einem „Nicht gut genug“-Aktivismus verächtlich auf die Bloggenden herabzuschauen solltet ihr euch bewußt machen, dass sie eben auf eine andere Weise an der gleichen Sache arbeiten. Dass sie Multiplikatoren und Öffentlichkeit für eure Aktionen sind.
Ich freue mich über jeden, der Aktiv etwas macht. Ich freue mich auch über jeden, der interessante Texte oder Kommentare schreibt, der unter Zeitungsberichten kritische Anmerkungen macht, der also daran mitarbeitet, dass die Ideen bekannter werden und man merkt, dass Leute es anders sehen. Auf welche Art sie das konkret machen oder machen können ist aus meiner Sicht da relativ egal. Alles hilft mit und an allen Bereichen kann man vieles erreichen.
Selbst wenn ihr davon ausgeht, dass euer Baustein größer ist, schadet ein weiterer Baustein an einer anderen Stelle auch nichts. Es ist ein (kleiner) Stein weniger, den ihr bauen müsst.

Selbermach Samstag 169 (09.01.2016)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wie der Feminismus alle Klischees über Frauen bedient

Der Feminismus und die Gender Studies erfüllen dafür, dass damit die Geschlechterrollen aufgehoben werden sollen, so ziemlich alle Klischees, die sich zur weiblichen Geschlechterrolle entwickelt haben

  • meine Gefühle gehen vor und sind der Maßstab für alles („Frauen agieren Gefühlsbetont“)
  • logische Kritik ist das Patriarchat, meine Gefühle gehen immer noch vor („Frauen und logisches Denken passen nicht zusammen“)
  • Ich habe Anspruch auf Schutz vor dem bösen Leuten, richtet mir einen Safe Space ein („Frauen brauchen Schutz und sind zart, sie müssen  von der rauen Welt abgeschirmt sein, sie sind nicht stark genug für Kritik (und raues Berufsleben)“)
  • Ich muss gar nichts ändern, die Welt um mich herum muss sich ändern, alles andere ist victim blaming („weibliche Unterverantwortlichkeit, „Die Frau meckert, der Mann muss es dann hinbekommen“)
  • „Die Welt ist so schrecklich, Frauen trauen sich kaum noch auf die Straße“ („Frauen übertreiben alles und haben Angst vor jeder Kleinigkeit“)

Kann man sicherlich noch ergänzen. Gibt es es überhaupt negative Klischees über Frauen, die der Feminismus nicht erfüllt?