„Er ist ja nie da“ vs. „Ich tue das alles für die Familie“

Sie sagt:

„Er war ja nie da, war immer arbeiten, und ich sitze zuhause mit den Kindern, ganz alleine, da hätte ich auch keinen Partner haben können. So habe ich mir das nicht vorgestellt, ich möchte jemanden, mit dem ich auch Zeit verbringe, mit dem ich auch gemeinsames Erleben habe und den die Kinder nicht nur am Wochenende sehen, wenn er da nicht auch was machen muss. Ich habe immer wieder gesagt, er soll etwas zurückschalten, mehr Zeit zuhause verbringen, wir kommen auch mit weniger aus.  Aber das konnte er ja nie“

Er sagt:

„Ich wollte ja was aufbauen, ein schönes Leben für die Familie, sie sollten es gut haben und das geht eben nur, wenn man Arbeit und Zeit investiert. Ich habe das doch für sie und die Kinder getan, nicht für mich. Ich hätte auch gern mehr Zeit zuhause gehabt, aber die Umkosten müssen ja rein kommen, die Kunden müssen angeworben und umworben werden, die Aufträge müssen schnell erledigt werden, da bleibt einem eben keine Zeit mehr. Und die Konkurrenz schlief auch nicht. Klar habe ich erst gedacht, dass es nur die Anfangsphase ist, aber man muss immer am Ball bleiben. Es wurde eben nie weniger“

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47 Gedanken zu “„Er ist ja nie da“ vs. „Ich tue das alles für die Familie“

  1. Geht das nicht wiedermal in die Richtung des Feministischen All-Anspruch Denkens? „Women can have it all“.
    Und so soll der Mann halt einen guten Job haben aber rund um die Uhr für sie und die Kinder da sein. Tut mir Leid, aber irgendwo ist das doch wiedermal absolut realitätsfern. Dinge kosten nunmal Zeit, und ein Job der viel abwirft verbraucht eben entsprechend viel Zeit.

    Irgendwo muss ich halt Abstriche machen. Wenn ich Zeit für mich und meinen Partner haben will, dann muss jeder ne halbe Stelle arbeiten und man kann sich keine Kinder leisten, dann hat man viel Zeit füreinander. Eine Ehe mit Kindern ist, um es einmal ganz pragmatisch zu betrachten, eine Brutgemeinschaft, nicht viel mehr. Die mag sich mal aus Liebe oder wie immer man es sehen will zusammengefunden haben, aber irgendwo muss man sich dann einfach mit der Realität abfinden. Natürlich kann es auch da noch schöne Momente geben, das bestreite ich nicht, aber trotzdem ist doch allein von den Voraussetzungen schon so viel anders, dass man seine Ansprüche anpassen muss.

    „Ich habe immer wieder gesagt, er soll etwas zurückschalten, mehr Zeit zuhause verbringen, wir kommen auch mit weniger aus.“
    Das möchte ich sehen. Ich habe gerade erst bei meinen Nachbarn beobachtet, wie genau das zum Bruch geführt hat, weil klar, man kommt mit weniger aus, aber mehr ist doch irgendwie ganz schön. Auch hier wieder der komplette Realitätsverlust, in meinen Augen. Sie hat sich dann einen anderen geangelt, der deutlich mehr verdient hat.

    Auf der anderen Seite sehe ich in dieser Art Probleme auch die mehr und mehr wachsende Individualisierung der Gesellschaft, wie sie eine Zeitlang gepflegt wurde (es scheint ja wieder mehr Richtung totalem Gruppendenken zu gehen, was auch nicht funktioniert). Konzepte wie „It takes a village to raise a child“ sind mehr oder weniger tot, man macht lieber alles alleine, weil dann pfuscht einem da niemand rein. Oder so ähnlich. Außerdem gibt man ja zu, dass man etwas nicht kann, wenn man es jemand anderen machen lässt, und das geht ja auch nicht.

    • Es geht eher darum, dass beide aus meiner Sicht etwas für sich haben.
      Es ist toll etwas aufzubauen.
      Es ist aber auch blöd nichts von seinem Partner zu haben.

      Bei mir im Umfeld hat das schon häufiger zu Trennungen geführt. Er hat nur gearbeitet und sie hatte schlicht keine Lust darauf, ihn gerade mal morgens beim aufstehen und abends für 3 Stunden zu sehen.

      • Ich sehe es meist so, dass egal was er macht, es zu Unfrieden kommt. Arbeitet er zuviel, dann ist er nicht da und interessiert sich nicht für sie, und vernachlässigt die Kinder. Steckt er dann zurück, dann ist er ein schlechter Versorger. Das meine ich mit dem Allanspruch, er muss 24 Stunden am Tag die Familie versorgen UND 24 Stunden am Tag für die Familie da sein. Und da ist dann doch ein leichter Bruch mit der Realität festzustellen.

        • Jein. Wenn sie verlangt, dass er beides aufs vollste macht, dann ist das ein unrealistischer Anspruch. Wenn sie realistische Ansprüche stellt, und mit den Konsequenzen leben kann (z.B. er arbeitet weniger und es ist eben weniger Geld zur Verfügung), dann ist das absolut nachvollziehbar, und wenn er nicht kooperiert, dann liegt der Fehler bei ihm. Wenn aber eine Forderung gestellt wird, die eindeutige Konsequenzen hat, und dann diese Konsequenzen der Kern für den nächsten Streit ist, dann gibt es wohl weit grundlegender ein Problem in der Weltanschauung der beiden Partner.

          Natürlich gibt es Grenzfälle, wo er normal arbeitet und den Rest der Zeit alles ignoriert. Davon spreche ich aber nicht, das ist wieder ein anderes Problem. Wenn aber die Zeit von der Arbeit aufgefressen wird, weil sie einen entsprechenden Lebensstandard will, und sich dann genau darüber beschwert, dann denke ich ist das schon ein wenig seltsam.

          • „Wenn aber die Zeit von der Arbeit aufgefressen wird, weil sie einen entsprechenden Lebensstandard will, und sich dann genau darüber beschwert, dann denke ich ist das schon ein wenig seltsam.“

            In der Tat, das wäre seltsam. Aber in den mir bekannten Fällen ging es tatsächlich darum, dass sie mir weniger zufrieden waren und eben daneben noch ein Leben wollten. Kein Urlaub, wo er beständig mit der Arbeit telefoniert, nicht den Umstand, dass man ihn kaum sieht, nicht den Punkt, wo sie zu allen Aktivitäten der Kinder alleine geht, während alle anderen mit Partner kommen, weil er keine Zeit hat

        • Das ist wie gesagt wieder ein anderes Problem. Ich habe es aber öfter schon so herum gesehen, und da muss ich sagen regt mich das ein wenig auf.

          Wenn er tatsächlich voll und ganz auf Arbeit ausgerichtet ist und nichts anderes kennt, dann ist das natürlich auch ein Problem, und das ist absolut nachvollziehbar. Hier besteht dann wohl ausgiebiger Redebedarf, oder die Lebensvorstellungen der beiden Partner sind schlicht zu unterschiedlich um auf Dauer zusammen zu passen.

      • “Er war ja nie da, war immer arbeiten, und ich sitze zuhause mit den Kindern, ganz alleine, da hätte ich auch keinen Partner haben können. So habe ich mir das nicht vorgestellt, ich möchte jemanden, mit dem ich auch Zeit verbringe, mit dem ich auch gemeinsames Erleben habe und den die Kinder nicht nur am Wochenende sehen, wenn er da nicht auch was machen muss.

        Ok WAS hat sie sich denn GENAU vorgestellt? Jetzt nicht nur „mehr zeit“, sondern ein konkretes Modell?

        Selbst bei einer 35h-Woche bleibt vom Tag erfahrungsgemäß nicht wirklich „Quality Time“, weil die Theoretischen 8h die einem neben 8h schlaf und und 7+1h Arbeit bleiben, vom „kleinkram“ wie Aufstehen, Pendeln, Einkaufen, gelegentlichen Überstunen, Behörden, Steuern, etc gefressen werden.

        Welches modell hätte man gerne? Beide in Teilzeitjobs? Unwahrscheinlich, dass das mehr Zeit bringt.

        Verlust durch nicht überschneidende Zeiten, (5h von 8-13 bzw 10-15 sind auch wieder 7h ausser haus), Hausarbeit ist nicht mehr parallel zum Arbeiten machbar, letztlich vmtl ein geringeres Einkommen was kompensiert werden muss, etc.

        Nur der Mann in Teilzeit? Müsste schon ein recht guter Job sein. War da ein Angebot, was er ausgeschlagen hat? Wenn nicht: keine Option.

        Weniger Stunden machen? Dahinter steckt imho eine Menge Naivität was die Arbeitswelt angeht.
        Gut bezahlte Arbeitszeit ist nicht belieibig stückelbar. Alles jenseits der Fliessbandarbeit (und die ist so schlecht bezahlt, dass weniger Stunden nicht drin ist) hängt zu einem großen Teil an der Person. Was sie kann, was sie weis, etc. Trotz aller feuchten Träume der Prozessplaner, dass man die Bearbeiter austauschbar macht ist die de-fakto Antwort in 95% der Unternehmen wenn jemand im Urlaub ist „da müssen sie warten, bis der wieder kommt“.

        Ich glaube, viele Frauen verallgemeinern hier unzulässig ihre Erfahrungen als Teilzeitkräfte auf die komplette Arbeitswelt: Teilzeit ist oft bis nahe null Stunden flexibel. Vollzeit ist meist aus sicht der Arbeitgeber eigentlich noch zu wenig, wenn es 40h+Überstunden sind.
        „Weniger Stunden machen“ bedeutet letztlich, sich auf einen Teilzeitjob zu bewerben, mit allen Konsequenzen.

        Das, was die Frau will ist, von gelegentliche rausreissern, die eine Kombination aus günstigen Faktoren erwischen, nur von einer Gruppe von Menschen zu leisten: von sehr Reichen.

        Das Modell ist – auch wenn es nicht so explizit formuliert ist – ich will einen reicheren Mann.

        Kann man verstehen. Auf der Ebene, wie der Mann vielleicht eine Jüngere Frau will, und nicht eine mit Schwangerschaftsstreifen.

        Und das als Trennungsgrund zu nehmen steht natürlich jedem zu, nur steht es dann andersrum auch anderen zu, da keine hohe Meinung zu zu haben.

        • Arg. Korrektur:

          „Das, was die Frau will ist, von gelegentliche rausreissern, die eine Kombination aus günstigen Faktoren erwischen, nur von einer Gruppe von Menschen zu leisten: von sehr Reichen.“

          sollte

          Das, was die Frau will ist – von gelegentliche rausreissern, die eine Kombination aus günstigen Faktoren erwischen ABGESEHEN – nur von einer Gruppe von Menschen zu leisten: von sehr Reichen.

          heissen.

  2. Ich hatte einmal eine Bekannte aus dem Yoga-kurs, die mich zu sich nach Hause einlud, ein sehr grosses Haus … Ihr Mann ist Zahnarzt, was sie mir zwar verriet, aber es war auch klar dass sie mehr wollte als nur Yoga … 😉

    Als wir dann gemütlich bei ihr zuhause an einem Drink süffelten und sie sich aufreizend auf dem Stuhl räkelte, tauchte plötzlich der Geldgeber auf, stockbesoffen und peinlich berührt mich da zu sehen. Ich war noch peinlichjer berührt und fühlte mich regelrecht missbraucht, schämte mich sehr, entschuldigte mich ausführlich bei dem sehr netten Mann und machte mich für immer vom Acker … 😉 Naja, lustig ist es erst im nachhinein, nach all diesen Jahren. Und ich hoffe ich habe wenigstens die Ehe damit gerettet …

  3. Kommunikation. Kommunikation. Kommunikation.

    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Das ist es auch, woran es in der Debatte krankt. Die geschlechter reden vor allem übereinander und nicht miteinander. Das setzt sich natürlich bis in die Beziehungen fort.

    Meine Erfahrung war immer: Frauen sind ganz erstaunt, wenn man mal den Mund aufmacht und sagt, was in einem vorgeht oder was man warum tut. Jedesmal die gleiche Reaktion: Sie waren peinlich berührt, weil sie sich aufregten, das alles gar nicht wussten.

    Aber naja. Unsere Gesellschaft trainiert Männern ja bestens an die klappe zu halten und stoisch zu performen. Und lustigerweise ist das bei den „progressiven“ Geschlechternorminfragestellerinnen nicht anders. Shut up, listen and believe.

    Achja, die femis…..

    • Also bei mir führte dies Kommunikation zur Trennung. Nicht mehr durch die Welt rasen udn Wochenenden durcharbeiten.
      Mit der Hälfte des Geldes immer noch mehr als 90% der Deutschen Haushalte verdienen – reicht nicht.

      Mine Fru die Ilsebill will nicht so wie ick woll will…

  4. Meine Mutter sagte immer so schön: Das eine was man will, das andere was man muss.
    Es gibt zwei Möglichkeiten zu verhindern, dass die beziehung so abläuft: Seine Ansprüche runterschrauben (was Mütter selten wollen, denn eigentlich isst das idyllische Haus im Grünen ja doch das familienideal) oder sich einen Mann nicht aufgrund seiner Familienernährerfähigkeiten raus suchen und asap selber wieder arbeiten gehen und sich gleichberechtigt die Erziehungsarbeit teilen.
    Wenn Frau zu beiden Punkten nicht bereit sind, wird sich hier leider nichts ändern.

    • „Selber wieder Arbeiten gehen“ ist imho nicht wirklich ein Erfolgsrezept.

      Wie schon woanders gesagt: mit Zeitversatz der Jobs und Overhead der Hausarbeit steht man da imho nicht notwendigerweise besser da als mit einer Person mit Vollzeitjob, vom Stress, dass nun beide quasi „alleinerziehend“ sind (i.e., die koordinationsproblem abbekommen) ganz zu schweigen.

      • Prinzipiell habe ich auch kein Problem mit Rollenteilung, man muss sich nur klar sein was das bedeutet. Während der beziehung und vor allem ggf. falls man sich trennt. Dann entwickelt sich dieses Modell leider meist zum bumerang

    • Zu solchen Szenen fällt mir immer diese Studie ein, dass sich der Einfluss von sowohl einem Lottogewinn als auch von einer Querschnittslähmung auf die Zufriedenheit von Menschen nach einem Jahr schon nicht mehr Signifikant auswirkt.

      Ich meine, klar, hübsche aussicht und so. Und nu?

      Das mit „ich frag in einer Woche“ ist imho schon realistisch.
      Man denke nur an den Erfinden von Minecraft, der mit seinen Millarden depressiv vorm Rechner hockte.

  5. Von Natur aus wollen Frauen eben wie die Weibchen anderer Arten eine Menge von ihrem Mann bzw. Männchen haben. Es reicht nicht, wenn das Männchen viel arbeitet und damit viel Geld anschafft, nein, es muss dazu noch zuhause anwesend sein und darf sich in vielen Fällen nicht mehr von der anstrengenden Erwerbsarbeit erholen.

    Weibchen wollen von Natur aus vom Männchen eben viel. Ein Männchen, dass sich von Anstrengungen erholen muss, das dürfte auf Weibchen von Natur aus wie ein Schwächling wirken, wie ein nichtvitales Männchen, wie ein Männchen mit schlechten Genen.

    Früher, als Männer und Frauen noch in klassischer Ehe lebten, waren Frauen noch anders erzogen und sozialisiert. Ich weiß, das hatte nicht nur Vorteile. Aber die modernen Frauen haben durch den Feminismus bzw. den feministischen Zeitgeist gelernt, dass sie mit ihren oft übertriebenen Ansprüchen an den Partner in jedem Fall im Recht sind. Denn Männer sind ja schließlich Schweine, und um das auszugleichen, müssen sie besonders viel liefern.

    Es wird ein Grund dafür sein, warum Ehen heute so oft scheitern: Ein Mann kann nicht nach einer 60-Stunden-Woche noch am Wochende oder gar am Feierabend immer noch voller Elan für Frau und Kinder da sein, er braucht seine Ruhe, genau wie erwerbstätige Frauen ja auch in der Situation Ruhe brauchen.

    • >>“genau wie erwerbstätige Frauen ja auch in der Situation Ruhe brauchen.“

      Weibliche Wunscharbeitszeit: 32 Stunden
      Männliche Wunscharbeitszeit: 36 Stunden

      Studien Allmedinger…

      Politische Forderung (Schwesig) ist übrigens die 32-Stunden Woche geworden…

      Frauen werden ja nicht gehört in dieser frauenunterdrückenden Gesellschaft.

      • @ Teardown

        „Weibliche Wunscharbeitszeit: 32 Stunden
        Männliche Wunscharbeitszeit: 36 Stunden“

        Wie oft habe ich schon gleichaltrige Frauen „Männer sind faul“ sagen hören!

        • „Wie oft habe ich schon gleichaltrige Frauen “Männer sind faul” sagen hören!“

          In etwa so oft, wie man Frau+Kind im Coffeeshop sieht bei der anstrengenden Hausarbeit?

  6. Hallo, es sind gute Kommentare oben dabei.

    Mir scheint, einschlägig ist hier auch Warren Farrells Unterscheidung von Stage I Love vs. Stage II Love („Myth of Male Power“, chap. 2).

    Meine Mutter sagt übrigens: die Männer machen all diesen Kram – arbeiten, Haus bauen, Haus umbauen, Haus renovieren usw. – nur für sich. Nie für Frau und Kinder.

    Tja, ich weiß nicht. Es scheint doch so zu sein, daß Junggesellen weitaus weniger Ehrgeiz haben, „etwas aufzubauen“, Karriere zu machen und all das.

    Natürlich machen auch einige Junggesellen Karriere. Aber nach meiner Erfahrung – ich habe überwiegend mit Ingenieuren zu tun – tun sie das mit einem großen Spaßfaktor. Mein aktueller Projektleiter ist so ein Typ, der hat einfach Bock, „geile“ Projekte zu machen, im Ausland zu arbeiten (z. B. in Shanghai) – oder eben auch mal mit dem Motorrad durch Patagonien zu düsen.

    Ist aber nur meine beschränke Erfahrung …

    Was man auch berücksichtigen sollte: Frauen tendieren dazu, alle gemeinsamen Dinge – also z. B. die gemeinsame Wohnung, aber auch die gemeinsamen Freizeitaktivitäten – nach ihren Frauen-Wünschen umzumodeln. Das merkt man besonders bei der Einrichtung von Räumen – und dazu gehört eben auch der Hobby-Keller von Papa.

    Ein Motiv für Männer in so einer Beziehung, sich durch Arbeit der „gemeinsamen“, aber von der Frau dominierten Umgebung zu entziehen, könnte also schlicht darin bestehen: sie wollen sich nicht immer im Frauen-Muff bewegen, sondern auch mal in einer Männer-Domäne: ein bißchen im Dreck rumbuddeln und so. Als Ausweg bleibt dem Mann da häufig nur die Arbeit – er kann ja schlecht sagen: „Dein Frauen-Mief geht mir auf den Keks, ich geh‘ jetzt auf den Schrottplatz, mich mal so richtig zu erholen …“

  7. “Er war ja nie da, war immer arbeiten, und ich sitze zuhause mit den Kindern, ganz alleine, da hätte ich auch keinen Partner haben können….“

    Nee, eben nicht. Dann hätte sie ihren faulen Hintern rausbewegen müssen, um nicht zu verhungern. Und dann würde diese Lady Princess plötzlich feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, einen Job mit perfekter Work-Life-Income-Balance zu finden. Und wenn sie ihn dann verlassen hat und arbeiten muss, stellt sie plötzlich fest, dass es auch gar nicht so einfach ist, einen neuen Partner zu finden, der Bock auf Frau mit Job und Kindern ist, weil die nämlich so wenig Zeit hat.

      • Wenn ihr ein Behördenjob Spaß macht, dann ist das ja wunderbar. Kann sie denn erwarten, dass ihr Partner auch so einen Job möchte?

        Ich kenne einen Mann, der einen Behördenjob hat, todunglücklich mit den Sesselpupsern ist und damit nur so gerade eben seine Familie ernähren kann. Ich glaube, das ist in den meisten Fällen nicht befriedigend für einen Mann. So ein Mann kann seine Partnerin auch nicht glücklich machen, weil er selber nicht glücklich ist.

        Ich kenne außerdem ein inzwischen getrenntes Paar, wo der Mann sich trotz Selbständigkeit viel Zeit für die Familie genommen hat. Hat auch nicht geklappt, weil sie sich nicht genug „reflektiert“ und somit einsam gefühlt hat. Das ist meiner Meinung nach eh das hauptsächliche Problem der meisten Paare. Zu wenig Gemeinsamkeiten. Da ist der Zeitmangel nur das sekundäre Problem.

        Sie könnte sich doch mal ein wenig für seinen Job interessieren. Das macht vieles erträglicher.

          • Doch, sicher. Aber das ist doch das Problem, oder nicht? Sie hat eine eine andere Erwartung vom Leben als er. Nun möchte sie, dass er etwas ändert, obwohl er zufriedener ist als sie. Wäre es nicht an ihr, etwas zu ändern? Und die Frage ist, ob es da außer einer Trennung keine Alternativen auf ihrer Seite gibt? Man könnte ja auch mal fragen, ob sie sich vielleicht in ihrem Leben langweilt und deswegen unzufrieden ist. Hätte sie auch einen dichteren Tag, würde ihr die wenige gemeinsame Zeit unter Umständen gar nicht so schmerzlich auffallen. Oder sie hätte größeres Verständnis.

            Es ist halt immer leichter zu sagen, mein Partner hat es nicht geschafft, mich glücklich zu machen, als zu sagen, ich habe es nicht geschafft, glücklich zu sein.

  8. Als ich meinen Mann kennengelernt habe, hat er locker 80 Stunden in der Woche gearbeitet.
    Nur weil ich es als Bedingung für die Heirat gestellt habe, hat er seine Arbeitszeit zwar deutlich reduziert, aber arbeitet IMHO trotzdem noch zu viel.
    https://breakpt.wordpress.com/2015/05/28/neunhundertneunzig-20477381/
    Inzwischen habe ich mich einigermaßen damit arrangiert.

    Er hat eigentlich alles erreicht, und es nicht mehr nötig, so viel Zeit zu investieren.
    Da muss noch etwas anderes sein, das ihn antreibt.

      • @Christian
        Naja, in deinem Beispiel ging es ja darum, dass der Mann für seine Familie so viel arbeitet. Zumindest behauptet er das.
        Das trifft in unserer Situation so nicht zu.

        Andererseits kenne ich auch ein paar Männer, die nur deshalb übermäßig arbeiten (offiziell natürlich nicht 🙄 ), weil sie im Büro oder Labor mehr Ruhe haben, als bei sich daheim, wo ihre Kinder Lärm und Chaos verursachen.

        Insgesamt bin ich schon etwas skeptisch, wenn ein Mann angibt, nur zum Wohl seiner Familie so viel zu arbeiten. Das kann (!) auch lediglich ein Vorwand sein.

        • @breakpoint

          Ja, ich hatte gerade diese Version gewählt, weil ich dachte sie ist etwas kontroverser. Den Fall, dass er einfach ein Workaholic ist gibt es natürlich auch. Bzw das es mit seinen beruflichen verpflichtungen gar nicht anders geht, jedenfalls, wenn er die Verantwortung etc erhalten will.

        • Oft dürfte das wirklich ein Vorwand sein. Vielen Männern geht es wahrscheinlich auch darum von zu Hause und der Frau weg zu sein. Aber das ist nicht alles.

          Ich frage mich ja, ob Du Anne, die Du hier ja oft recht vernünftige Ansichten äußerst, verstehen kannst, dass dieses Verhalten Deines Mannes wahrscheinlich viel mit Attraktions-Triggern zu tun hat? Frauen wollen im allgemeinen Männer mit hohem Status, Ehrgeiz, diesem tiefen inneren Antrieb immer weiter kommen zu wollen und natürlich auch, dass sie dabei keine Kompromisse für ihre Frauen machen. Dein Mann verfolgt all diese Dinge und ich behaupte, das hat viel damit zu tun, dass Du auf ihn stehst. Kannst Du das verstehen?

          • @lh
            Da ist schon etwas dran.
            Eigenschaften wie Zielstrebigkeit oder Durchsetzungskraft (solange sie nicht meinen Interessen widersprechen :mrgreen: ) wirken schon äußerst attraktiv.
            Ohne diese Eigenschaften wäre mein Mann nicht der Mensch, der er ist.

            Allerdings kommt es – wie so oft – auch auf die Dosierung an.
            In übertriebenem Maße kann dies auch umkippen, wenn das Resultat nur noch ein despotischer Kotzbrocken ist.

        • Natürlich spielt die Dosierung eine Rolle, wobei da unterschiedliche Frauen sehr unterschiedlichen Geschmack haben können. Als Mann bin ich da eher überrascht, wie viel „despotischer Kotzbrocken“ ok ist. Meine Akzeptanzschwelle diesbezüglich bei Frauen ist viel, viel niedriger.

          Hältst Du es für möglich, dass dieses „viel Arbeiten“ von Männern dann problematisch wird, wenn solche Männer in der Zeit, wo sie zu Hause sind, versuchen, ihre häufige Abwesenheit durch besonders zugewandtes (um nicht zu sagen serviles) Verhalten zu kompensieren? Wie aus schlechtem Gewissen für ihre männlichen Interessen und Verhalten?

  9. Japanisches Sprichwort:

    A good husband is healthy and absent.

    http://www.inspirationalstories.com/proverbs/japanese-a-good-husband-is-healthy-and-absent/

    Da sieht man mal den Unterschied in den Kulturen.^^

    Aber bei solchen Frauen…

    „Was macht das japanische Familienleben so anstrengend? An erster und zweiter Stelle für die familiären Probleme nannten die Befragten eine Ehefrau, deren Forderungen und Launen bei ihren Männern Erschöpfungszustände verursachen oder zumindest solche verstärken würden. (…) Wenn man nach einem harten Arbeitstag mit 12 bis 14 Arbeitsstunden nach Hause komme, werde man oftmals in einem Ton empfangen, der eher an einen Vorgesetzten erinnere als an eine zärtliche liebenswerte Lebensgefährtin. Wenn man ihr dann nicht bei der Hausarbeit helfe, sei man ein Versager und wenn man helfe, dann werde man als Stümper bezeichnet.“

    http://www.heise.de/tp/artikel/45/45858/1.html

    ist das vielleicht gar nicht so verwunderlich…

    • @matze

      Ich sage im übrigen ja auch nicht, dass meine Aussage allgemeingültig für Frauen ist, ich kenne sie nur aus einigen Fällen. Der Fall, dass eine Frau meckert, wenn er zuwenig verdient/arbeitet dürfte ebenso vorkommen und der Fall, dass sie ihn rumkommandiert ist sicherlich auch nicht selten

      • Am Besten noch eine Kombination aus „du bist nie für mich da“ und „das was ich verdiene, ist mein Geld und das du verdienst, ist unser Geld“.

  10. Seltsam dass hier keiner die ständig wachsenden Forderungen des Kapitalismus an das Individuum thematisiert, denn das ist doch die eigentliche Ursache der Probleme.
    Es wird einfach als Narutereignis hingenommen dass der Zeitaufwand für’s Überleben und Leben enorm hoch ist und stetig wächst. Denn das ist ja das bösartige am Kapitalismus, dass er nie aufhört, nie den Punkt erreicht wo gesagt wird: „bis hierher und nicht weiter“. Und wir haben hier schon längst den Punkt überschritten bis zu dem Eltern noch genug Zeit gelassen wurde, ein gesundes Familienleben führen zu können.
    Kaum einer hinterfragt das, kaum einer wehrt sich, ihr seid da alle wie der Frosch im Kochtopf. Eure Familien und eure Kinder können ja nur noch kaputt gehen, denn es wird ja immer schlimmer, nie besser.

    Die „Bereinigung“ dieser unhaltbaren Situation wird sein wie immer, am Ende eines jeden kapitalistischen Zyklus. Und danach werdet ihr dann wieder ein paar Jahrzehnte lang genug Zeit für eure Familien und eure Kinder haben … natürlich nur diejenigen, die überlebt haben.

    Sorry Leute, aber ich verachte euch, ihr seid alle so blöd wie die Viecher, ihr verdient es nicht anders.

    • „die ständig wachsenden Forderungen des Kapitalismus an das Individuum thematisiert“

      Macht du doch gerade….

      „eigentliche Ursache der Probleme“

      Aller Probleme der „Familie“?

      „dass der Zeitaufwand für’s Überleben und Leben enorm hoch ist und stetig wächst.“

      Das Gegenteil ist der Fall, nie wurde so wenig geschuftet wie heute (vor allem auch von Frauen nicht), jedenfalls in den besser gestellten Ländern, wo du vermutlich auch bist.

      „am Ende eines jeden kapitalistischen Zyklus.“

      Die gibt es so nicht, schon viele Theorien sind darüber entwickelt worden und es liegt keine treibende Gesetzlichkeit vor, auch ein Irrtum aus dem Marxismus.

      „Sorry Leute, aber ich verachte euch, ihr seid alle so blöd wie die Viecher, ihr verdient es nicht anders.“

      Sehr fatalistischer Schluss, ist er nicht von vorneherein das Ziel dieser apokalyptischen Sicht auf den „Kapitalismus“?!

  11. Also, liebe Leute,

    ich finde schon, daß wir uns die Verachtung von Peter verdienen müssen! Bloß, weil jetzt das Wochenende anfängt, können wir eine solche Gabe nicht einfach umsonst annehmen. Als ordentliche Männer in einer ordentlichen Marktwirtschaft wissen wir natürlich, was wir unseren Partnern schuldig sind.

    Ich mache mal den Anfang und versuche, ein paar Überlegungen dazu anzustellen – vielleicht kann ich dadurch ja noch ein bißchen mehr rausschlagen als nur Verachtung: Da ist noch Luft nach oben!

    Also: wir leben in einer Zeit und in einer Welt, in der jeder Einzelne von uns ständig und nachdrücklich dazu ermuntert wird sich zu überlegen, ob er wirklich das Optimum für sich herausgeholt hat, ob er sich wirklich das geschnappt hat, was ihm eigentlich zusteht: nämlich das Beste. Und zwar zum Schnäppchen-Preis („Geiz ist geil!“), am besten natürlich für Lau („Ich bin doch nicht blöd!“).

    Zudem werden ums in Filmen und Romanen (aber auch in der Werbung) immer wieder Leitbilder präsentiert, denen genau das gelingt – und zwar auf sympathische Weise. Mehr noch: es werden uns Figuren präsentiert, welche genau jene Widersprüche des Alltags spielend meistern. Weil nämlich ein Film, in dem eine Klasse-Frau sich einen super-erfolgreichen Mann angelt, der mit ihr ein mega-erfülltes Familienleben mit ihren glücklichen Kindern führt, weit mehr Geld einspielt als ein Film, in dem sich eine mittelmäßige Frau einen mäßig erfolgreichen Mann ergaunert, der dann nie Zeit für sie und ihre nervigen Kinder hat und schließlich gefeuert wird.

    All dies etwas schafft natürlich fragwürdige Anreize und weckt falsche Hoffnungen – nicht nur bei Männern!

    Schlimmer noch: derjenige, der hier nicht mitspielt, muß sich ziemlich dämlich vorkommen und muß zudem die Geringschätzung seiner Mitmenschen ertragen.

    Eine Konsequenz dieser Nur-das-Beste-Mentalität ist wohl auch – und hier denke ich besonders an Peter -, daß in den meisten Firmen derselbe Geist herrscht: die Abteilungsleiter, die Projektleiter usw. fragen sich immer wieder, ob ihre Mitarbeiter auch wirklich gut genug sind, ob sie (die Führungskräfte) wirklich das Optimum aus ihnen herausgeholt haben: sonst klappt’s in diesem Jahr nicht mit der Zielvereinbarung und auch nicht mit der Prämie.

    Konsequenz: der Stress auf der Arbeit wächst. Alex hat oben darauf hingewiesen, daß früher deutlich länger gearbeitet wurde. Stimmt, aber früher hatten die Leute im allgemeinen weniger Stress. Und diesen Stress kann man nicht einfach nach Feierabend ablegen – er bedrückt einen auch am Abend noch. Man kann tagsüber auch nicht einfach Dienst nach Vorschrift machen, sondern muß z. B. nach Feierabend noch telefonisch erreichbar sein.

    Von den Auswirkungen dieses Zeitgeistes und seiner Umsetzung in der Arbeitswelt sind natürlich auch Männer und Frauen als gegenseitige Partner (oder solche, die es werden wollen) betroffen. Ich erinnere mal an ein immer wiederkehrendes Lied in diesem Forum: „Eigentlich bin ich (fast) ein toller Typ – aber alle meine PartnerInnen fanden / finden, daß ich nicht gut genug für sie bin.“ Spring doch schon, wer liebt dich noch …?

    Das Ganze könnte man jetzt noch ordentlich entfalten und weiterdenken – aber ich denke, ihr merkt schon, worauf ich hinauswill: Mir scheint es in der Tat so, daß jener Zwiespalt, den der Admin als Themen-Vorgabe präsentiert hat (Er sagt vs. Sie sagt), durch die Anreize und Zwänge unserer Gesellschaft massiv gesteigert wird. In einigen Fällen wird dieser Zwiespalt überhaupt erst durch diese Anreize und Zwänge hervorgerufen. Das Schlimmste daran ist vielleicht, daß die einzelnen Menschen die resultierenden Probleme privat zurechnen (die Frau ist schuld!) und nicht erkennen, daß wir es hier mit Manifestationen einer gesellschaftlichen Struktur zu tun haben, für die der Einzelne herzlich wenig kann.

    Wie auch immer, ich finde wirklich, daß Peter mir jetzt etwas schuldig ist. Ich verlange Satisfaktion!

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