Wie war 2015?

Wie war 2015 für euch?

Welche Artikel in diesem Blog haben euch am besten gefallen oder weitergebracht?

Es würde mich freuen, wenn jeder ein oder zwei Artikel nennen würde, die ihm oder ihr gut gefallen haben.

Was war euer maskulistische/männerrechtliche/antifeministische/pickupbezogene Sternstunde dieses Jahres?

„Meine Gefühle sind immer richtig!“ – Gruppendenken und Individualisierung

Kommentator Pingpong schrieb:

Das perfide am momentan herrschenden institutionalisierten Feminismus ist aus meiner Sicht, dass er nicht nur am genannten Grupppendenken krankt, sondern in geradezu genialer Weise _gleichzeitig_ auch an seinem Gegenteil: An einer totalen und völlig perversen Individualisierung, die sich in folgendem Grundsatz zusammenfassen lässt: „Meine Gefühle sind immer richtig!“ Die Implikation „Und du hast sie ohne zu fragen zu akzeptieren/abzustellen/verstärken“ wird wohlweislich verschwiegen. Das Gegenüber hat in dieser Konstellation nur eine Aufgabe: Auf die Gefühle einzugehen und zu versichern wie schlimm alles ist, sich zu entschuldigen, und unhaltbare kindliche Versprechungen in vorauseilendem Gehorsam zu machen. Wer es wagt seine eigenen Ansichten ob dieser total enthermmten Gefühlsdiktatur kundzutun, ist Teil des Patriarchats, ein Unterdrücker, ein Schwein. Wenn Frau fühlt, muss Mann… ja was eigentlich? Mitfühlen? Nur solange das Mitgefühl konsistent mit den Gefühlen der Frau ist!

Auch bei Gefühlen ist eine gewisse Verhältnißmäßigkeit angebracht. Wenn das kleine Kind die neue Bluse mit Apfelmus beschmutzt, dann ist das ein bedauerliches Missgeschick. Das Kind zusammenzuschreien, aus Ärger über die Situation Teetassen an die Wand zu werfen hat mit „Gefühlen“ nichts, mit infantiler Unbeherrschtheit sehr viel zu tun. Ein solches Verhalten als fortschrittlich „im Einklang mit seinen Gefühlen sein“ oder „seine Gefühle ehrlich ausdrücken“ zu verkaufen ist nichts weiter als eine Ausrede.

Das ist eine schöne Zusammenfassung. Es ist zum einen ein Gruppenkonflikt, in dem sie aber als Opfer ihre Gefühle voll ausleben kann und jederzeit frei interpretieren kann, wie sich dieser Gruppenkonflikt auf ihre Lage auswirkt und das ohne das man dies hinterfragen darf.

Sie leidet unter der Gruppe und kann sich jede Form der Unterdrückung ausdenken und sich in jeder Form unterdrückt und benachteiligt fühlen. Seine Aufgabe ist, das zu akzeptieren und ihre Welt wieder besser zu machen oder zumindest den Bösewicht abzugeben.

„Männliche Feministen sind schlecht und das sollte man ihnen sagen“

Bei Feministing ist ein Comic erschienen, dass auch hier in den Kommentaren schon Thema war:

Männliche Feministen

Männliche Feministen

Der Erste in der Reihe scheint mir Hugo Schwyzer zu sein oder? Sind da andere Prominentere dabei?

Ich finde es ja immer wieder erstaunlich wie sehr viele Feministinnen sogar Männer hassen, die sie eigentlich unterstützen wollen.

Gut finde ich insbesondere den zweiten von unten mit dem Hut:

„ich singe niedliche Lieder und schreibe Poesie über die Befreiung, aber wenn ich der Frauenfeindlichkeit beschuldigt werde, dann halte ich mich zurück und überlasse es Frauen mich zu beschützen und zu verteidigen“

Da ist ja erst einmal die Frage, was er statt dessen machen sollte. Wahrscheinlich sofort zugeben, dass er schuldig sind, sich die Büßerpeitsche über den Rücken ziehen. Denn wenn jemand der Frauenfeindlichkeit beschuldigt wird, dann ist das ja bereits der Schuldspruch. Er darf sich also nicht verteidigen, er darf sich auch nicht verteidigen lassen, er muss bereuen. Das Schwein, dass sich einfach nur zurücklehnt und Frauen gegen einander ausspielt! So geht es wirklich nicht.

Und auch der letzte in der Reihe ist nett: Da hält er sich hauptsächlich unter Feministinnen auf, dabei sollte er doch hart daran arbeiten, die Gruppenschuld der Männer zu verkleinern, es reicht natürlich nicht, dass er ein guter Feminist ist, er muss daran arbeiten ALLE Männer zu bekehren, erst dann ist seine Arbeit getan. So begeht er ein weiteres Verbrechen: Er ist natürlich emotionale Arbeit und das für die anderen Frauen. Auch hier wieder ein mieses Schwein, dass einfach so weibliche Freunde hat. Igitt!

Leider sehen das anscheinen nicht alle Männer ein:

This comic was pretty disappointing. We all have our blind spots, and it’s important to address them, but the underlying message that I got from this comic is „Male feminists: they’re all awful one way or another.“ Again, education is important, but we need to tread a fine line between calling out misogynistic behavior and insulting an entire subset of the feminist community. Dissuading would-be allies or playing the „you’re not a real feminist“ game doesn’t help.

Lustig! Da kann man nicht einfach eine „Untergruppe der feministischen Gemeinschaft“ als Frauenfeinde bezeichnen. Da hat er wohl noch nicht ganz verstanden, dass er ein Mann ist und damit für viele nicht etwa Bestandteil der Community, sondern nur ein Verbündeter, ein Ally. Oder noch eher einer, der gerade vom Feind übergelaufen ist und bei dem Mann sich seiner Loyalität noch keineswegs sicher ist. Man ist im Prinzip immer noch der Feind und gegenüber den eigenen Leuten immer wieder zur Vorsicht gegenüber dem Überläufer zu mahnen ist da nur vernünftig. Genug Feministinnen bauen eben gerne ein „im übrigen bin ich der Meinung, das Männlichkeit zerstört werden sollte“, in ihre Reden ein.

Auch dieser Kommentar ist leider nicht auf der richtigen Linie:

Phenomenal work. Well done. Functions perfectly to get the men out there trying to be the good guys to just say, fuck it. I understand this is supposed to make fun of the guys that fail at feminism, but I’m not sure how shaming the guys, (and only guys), that are trying is considered funny at all. The male feminist needs support, like anyone. And really, isn’t the whole point to create them? Reverse the scenario and post a cartoon of the failures of female feminists and see how encouraging it is to those already insecure about just getting involved, and being vocal. I walk away from this cartoon with nothing but feelings of shame, self-consciousnesses, and fear of being one of those guys. Was I one of „those guys“ during my friend’s Bill Cosby discussion? Just going to be quiet next time. The ridicule from my guy friends was enough.

Der Appell „ihr könnt doch nicht die Männer ausgrenzen, ihr braucht sie doch“ geht an einer radikalen Feministin natürlich vollkommen vorbei. Denn sich an Männer anzubiedern ist dort ein ernster Vorwurf. Feministinnen brauchen keine Männer, sie haben schon genug zu tun  und können nicht schon wieder dafür eingespannt werden nun noch „emotional Labor“ für die Männer zu machen, die Hemmungen haben, sich von ihren Privilegien zu verabschieden, und statt dessen an der Erbsünde festhalten wollen. Es ist schließlich ihre Schuld und damit ihre verdammte Pflicht!

Wie man vorbildlich reagiert zeigt dieser Kommentar:

I read this, it pissed me off, and now I’m going to go and mull it over for a long time. So much about it is true and recognizable, but I immediately reject the implication (as I understood it) that this is what the whole field of male allies is like. But that would be awfully convenient for me, wouldn’t it? Because I’m one of the good guys, aren’t I? Well, if I really were, it probably wouldn’t offend me. Now I just have to figure out which sensitive spot it managed to touch, before I over-rationalize it to make myself feel better. And cue reactionary male trolls, not doing that work.

Das ist natürlich vorbildlich. Erst andeuten, dass man beleidigt ist und dann erkennen, dass es daran liegt, dass man eben doch noch ein Schwein ist. Und Besserung geloben.