Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 28. November 2015

Macht und Wissen bei Foucault

In meinem Artikel zu den Theorien von Judith Butler hatte ich auch etwas zu Foucault und wie er von Butler verwertet worden ist geschrieben:

2. Foucault
Den Grundgedanken, dass Geschlecht ein Ausdruck der Machtverhältnisse innerhalb der Gesellschaft ist und die zur Erhaltung der Macht errichtenen Geschlechternormen die Geschlechter hervorrufen, hat sie von Foucault.
Dieser geht ebenfalls davon aus, dass unsere Gesellschaft über den Umgang mit Wissen und Macht hervorgerufen wird. Foucault geht davon aus, dass die Mächtigen innerhalb einer Gesellschaft diese so umgestalten, dass sie ihre Macht sichert. Dazu nutzen sie die Möglichkeit Wissensvorsprünge auszubauen und Diskurse zu lenken, indem sie das Wissen kontrollieren. Aus diesem Wissen heraus wird zudem das Gerüst der Gesellschaft aufgebaut. Indem bestimmte Regeln für die Gesellschaft aus der Vergangenheit heraus legitimiert werden, wird den Leuten ein richtiges Verhalten vorgegeben, dass dann von ihnen einzuhalten ist. Dabei stabilisieren sich die Regeln selbst, wenn es gelingt, einen Verstoß gegen die Regeln mit einem gesellschaftlichen Malus zu versehen, eine Befolgung der Regeln aber mit einem Bonus. Sobald das System hinreichend eingerichtet ist, versucht jeder innerhalb dieser Regeln möglichst gut darzustehen und einen Malus nach Möglichkeit zu vermeiden. Dadurch will letztendlich jeder innerhalb der Regeln leben, erkennt dabei aber nicht, dass diese eben reine Kultur sind, keine Basis haben, weil die Zuweisung, was richtig und was falsch ist, beliebig nach den Vorstellungen der Mächtigen gestaltet werden kann. Hier wird der Diskurs wichtig, der bestimmt, was überhaupt vertreten werden darf. Foucault sieht Wissenschaft insofern nicht als objektiv, sondern eben als Teil des Diskurses an: Die Gesellschaft bestimmt, was vertretbar ist und was nicht und was als Meinung präsentiert werden darf und was nicht.
2. Judith Butlers Übertragung
Butler überträgt diesen Gedanken, wie Foucault bereits vor ihr auf das Geschlechterverhältnis, wo nach ihrer Auffassung ebenfalls bestimmte Geschlechternormen errichtet worden sind, die die Errichtung der Geschlechter und deren Verhalten bewirken. Diese knüpfen an die unterschiedlichen Körper von Mann und Frau an, die aber insoweit lediglich das Unterscheidungsmerkmal bilden, dass dann über verschiedene kulturell geschaffene Regeln zur Errichtung der Geschlechterrollen führt. Körper materialisieren sich nie unabhängig von ihrer kulturellen Form, sind also immer an ihre kulturspezifische Wahrnehmung gebunden.
Diese kulturspezifischen Merkmale der Geschlechterrollen werden dann durch beständige Wiederholung gleichsam eingeübt. (…)
Genau wie bei Foucault ist dabei Wissen über diese Normen, dass über Machtfaktoren zu einer Wahrheit erklärt wird (die es aber nicht gibt, sondern nur Diskurse) ein wesentlicher Faktor. Wenn also an bestimmten Merkmalen die Eigenschaft Frau festgemacht wird und das Wissen diskursiv hergestellt wird, dass Frauen schlechter in räumlichen Denken sind und dies noch durch eine entsprechende Geschichtsschreibung historisch abgesichert wird, dann konstituiert dieses Wissen gleichzeitig, was Frauen tatsächlich können. Ein Verstoß gegen dieses Wissen, etwa dadurch, dass eine Frau in einem Bereich tätig sein will, der mit räumlichen Denken zu tun hat, wird dann als Verstoß gegen eine Geschlechternorm verstanden.
Dabei scheint mir Butler die Macht, die die Geschlechternormen konstruiert, als denzentrales, System von Normen zu verstehen, das übersubjektiv aufgebaut wird.
Neulich wurde von Alex noch etwas Interessantes zu Foucault geschrieben:

Bei Sanczny gabs einen Kommentar zu einer aufschlussreichen Stelle:

“Macht ist bei Foucault nicht repressiv sondern produktiv. … ist nichts, das besessen werden kann. .. durchdringt Subjekte, Strukturen und ihre Beziehungen. Macht und Wissen sind bei Foucault eng miteinander verbundene Konzepte. Foucault hat z.B. die Wissenschaft als objektiven Ort der Wissensproduktion widerlegt.

Das Zitat von Foucault (“Überwachen und Strafen”) dazu:

“Man muß wohl auch einer Denktradition entsagen, die von der Vorstellung geleitet ist, daß es Wissen nur dort geben kann, wo die Machtverhältnisse suspendiert sind, daß das Wissen sich nur außerhalb der Befehle, Anforderungen, Interessen der Macht entfalten kann. […] Eher ist wohl anzunehmen, daß die Macht Wissen hervorbringt (und nicht bloß fördert, anwendet, ausnutzt); daß Macht und Wissen einander unmittelbar einschließen; daß es keine Machtbeziehung gibt, ohne daß sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert. Diese Macht/Wissen-Beziehungen sind darum nicht von einem Erkenntnissubjekt aus zu analysieren, das gegenüber dem Machtsystem frei oder unfrei ist. Vielmehr ist in Betracht zu ziehen, daß das erkennende Subjekt, das zu erkennende Objekt und die Erkenntnisweisen jeweils Effekte jener fundamentalen Macht/Wissen-Komplexe und ihrer historischen Transformationen bilden.”

Mit anderen Worten: Erkenntnis oder Wissen ist nicht möglich. Alle Erkenntnis ist quasi gleichzeitig und notgedrungen Machtpolitik.

Das ist natürlich als Freifahrtschein zu verstehen, wenn man denn will, die eigenen Behauptungen sonstiger Art als “Wahrheit” auszugeben.

Ist ja wirklich peinlich, wenn dieses wilde Rumspekulieren von Foucault die Begründung für Genderleute sein soll, alles sei “sozial konstruiert” …

Nein, es ist so: sie *wollen*, dass alles sozial konstruiert ist, denn sie wollen die Macht.

Das ist die Philosophie des reinen Faschismus, der unbedingte “Wille zur Macht”.

 Ich halte ja diese gesamte „Es geht nur um Macht“ Philosophie für viel zu simpel, eben „unterkomplex“. Menschen wollen nicht nur Macht, sie wollen Sicherheit, Anerkennung, Teil einer Gruppe sein, sie wollen Sex, gutes Essen, eine gewisse Position in der Gruppe. Macht für ihre Gruppe interessiert die meisten Menschen nur, wenn sie tatsächlich selbst davon profitieren und es bringt Männern eben nichts, wenn Männer Vorstandsvorsitzende sind. Es bringt viel eher ihren Frauen und Kindern etwas.
Das Macht zu einem gewissen Teil auch Wissen beeinflusst ist sicherlich richtig: Die katholische Kirche hat beispielsweise mit ihrer Macht sicherlich Wissen behindert, weil sie es im Widerspruch zur Religion sah. Und auch zB in China wurde einiges blockiert, einfach weil Kaiser meinten, dass es sich nicht gehört und nicht in die Gesellschaft gehört. Aber das bedeutet eben nicht, dass Wissen beliebig ist und nur durch Macht strukturiert ist.
Wissen schafft eben auch Möglichkeiten, die Vorteile bieten und Fortschritt erzeugen, der wirtschaftlich zu verwerten ist und gerade in der heutigen Zeit mit einer hohen Wissenschaftsfreiheit kann man die Lage nicht mit etwa dem düsteren Mittelalter oder anderen Zeiten vergleichen.
Viele Erkenntnisse der Geschlechterforschung sind schlicht der Medizin entsprungen, etwa zur Behandlung bestimmter Konstellationen wie CAH, cloacal exstrophy oder zum Umgang mit Transsexuellen und entsprechenden Operationen oder etwas zur Wirkung bestimmter Medikamente.
Die „Macht“ ist hier darauf ausgerichtet, funktionierende Produkte zu ermitteln und nicht Frauen zu unterdrücken.
Wer gleich dazu übergeht, dass Wissen immer nur Macht ist und es kein unabhängiges Wissen gibt, der erklärt damit jede Theorie zu einer beliebigen Theorie, auch seine eigene.

Responses

  1. „Aber das bedeutet eben nicht, dass Wissen beliebig ist und nur durch Macht strukturiert ist.“

    Zum Macht-Wissen-Komplex bei Michel Foucault:

    „Foucault wendet sich damit gegen die These des „modernen Humanismus“ nach der Macht und Wissen sich gegenseitig ausschließen (vgl. DE IV, 120), betont aber ebenso, dass es nicht darum gehe, Wissen und Macht für identisch zu erklären, sondern „ihre Bezüge zu untersuchen“ (vgl. DE IV, 522).
    Entscheidend sei es, sich von der Vorstellung einer „Äußerlichkeit“ von Wissenstechniken und Machtstrategien zu lösen (vgl. WW, 120), sie vielmehr als integriert zu denken. Es geht also nicht mehr darum, „herauszufinden, wie die Macht sich das Wissen unterordnet und ihren Zwecken dienstbar macht oder (…) ihm ideologische Inhalte und Begrenzungen aufzwingt“ (DE II, 486), sondern um die Mechanismen ihrer wechselseitigen Produktion.“

    (aus: Clemens Kammler/Rolf Parr/Ulrich Johannes Schneider (Hrsg.) – Foucault-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung, Metzler, 2014, S. 305)

    Es ist – wollte man es wissenschaftlich angehen – natürlich sinnlos zu versuchen das Thema zu diskutieren, ohne dass vorher eine Definition des Macht-Begriffs und des Wissens-Begriffs von Foucault vorliegt. Das von Foucault Gemeinte kann ohne solche Definitionen offensichtlich gar nicht verstanden werden.

    Man muss hier z.B. berücksichtigen, dass Foucault mit einem sehr ausgedehnten Machtbegriff arbeitet. Setzt man einen solch ausgedehnten Machtbegriff voraus, könnte die Hypothese, dass Machtbeziehungen stets auch Wissen hervorbringen und dass die Durchsetzung von Wissen sich im Kontext von Machtbeziehungen vollzieht, vielleicht sogar plausibel sein.

    Es müsste allerdings erstmal genau präzisiert werden, was Foucault mit „Wissen“ meint. Bezeichnet Wissen hier das, was in einer gegebenen Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit als Wissen gilt oder meint Wissen hier Wahrheit im Sinne einer Übereinstimmung mit der Wirklichkeit?

    Erst wenn diese Dinge geklärt ist, kann man damit beginnen zu versuchen das Gemeinte genau zu verstehen und es zu beurteilen, zu prüfen, wo Foucaults Hypothese Teilwahrheiten beinhaltet und wo er (was bei den französischen Poststrukturalisten oft der Fall ist) den Ansatz übertreibt.

  2. Foucault und Butler, gähn. Das Traumpaar der übersättigten, orientierungslosen, unterkomplexen Linken. Alles ist Struktur, alles ist Macht, alles ist Unterdrückung. Natürlich nur im Westen. Iran und Palästina sind cool 🙂

  3. Man kann getrost davon ausgehen, daß Foucault als Kind sexuell mißbraucht wurde. Seine Philosophie ist eine Paraphrasierung seiner verdrängten Erlebnisse.

    Finde es immer wieder lustig, wie wenig man in universitären Kreisen biografisch denkt. Auch Nietzsche hat seine emotionalen Komplexe in seiner Philosophie verewigt.

    Aber das kommt davon, wenn man sich nicht für die Person und deren Kindheit interessiert.

  4. Das ist pure Mystifizierung, typisch für Foucault. Wie will man denn Macht abgelöst von den handelnden Menschen verstehen? Für F. ist macht gewissermaßen eine Art Kraft, die die Gesellschaft durchdringt und sich der Handelnden bemächtigt. Wo diese Macht herkommt, welches ihr ontologischer Status ist (materiell? geistig?), wie sie auf die konkreten Menschen wirken kann, das wird alles überhaupt nicht thematisiert, und es ist höchst bezeichnend, dass all die hochgebildeten Foucault-Anhänger das nie thematisieren. Es reicht ihnen völlig aus, ein Instrument zu haben, um andere diffamieren zu können.

    Ähnliches gilt für seine historischen Analysen zur Geschichte der Psychiatrie oder der Justiz, alles faktisch falsch und vielfach von kompetenten Fachhistorikern wiederlegt, aber niemand nimmt es zur Kenntnis, F ist weiterhin eine Art Guru für postmoderne Linke.

    Ein Witz, dass ein dermaßen drittklassiger Autor solchen Einfluss gewinnen konnte.

    • @ El_Mocho

      „Das ist pure Mystifizierung, typisch für Foucault. Wie will man denn Macht abgelöst von den handelnden Menschen verstehen?“

      Das tut er nicht.
      Aus einem Buch des Foucault-Experten Philipp Sarasin:

      „Blinde Mechanismen also? Ja und nein, denn die lokale, direkte Machtrelation ist sehr wohl „intentional“. Es gibt „keine Macht, die sich ohne eine Reihe von Absichten und Zielsetzungen entfaltet“. Das, was Foucault auf Ebene der Gesellschaft Macht nennt, ist die Gesamtwirkung von vielen Kräfteparallelprogrammen, und auf dieser lokalen Ebene sind es individuelle Absichten und Zielsetzungen, „Taktiken“ und taktische „Rationalitäten“, die die einzelnen Züge bestimmen.“

      (aus: Philipp Sarasin – Darwin und Foucault, Suhrkamp, 2009, S. 215)

      „Für F. ist macht gewissermaßen eine Art Kraft, die die Gesellschaft durchdringt und sich der Handelnden bemächtigt.“

      In makrosoziologischer Perspektive ist Macht nach Foucault ein komplexes Netzwerk von Kräfteverhältnissen, welche die Gesellschaft durchdringt, welche das Subjekt vorfindet und auf dieses einwirken, in mikrosoziologischer Perspektive ist die Machtrelation hingegen intentional, von Zwecken, Absichten, Strategien und Taktiken bestimmt.
      Es kommt also darauf an, ob man aus makrosoziologischer oder mikrosoziologischer Perspektive auf das Phänomen Macht schaut.

      „Wo diese Macht herkommt, welches ihr ontologischer Status ist (materiell? geistig?), wie sie auf die konkreten Menschen wirken kann, das wird alles überhaupt nicht thematisiert,“

      Es handelt sich um eine alternative Sichtweise zum klassisch-marxistischen Basis-Überbau-Schema, die Basis der Gesellschaft ist hier nicht die Ökonomie, sondern die Kräfteverhältnisse zwischen Menschen und gesellschaftlichen Gruppen:

      „In letzter Instanz also – wie Friedrich Engels gesagt hätte – regieren in diesem „Gewebe“ nicht die stummen Kräfte der Ökonomie, die „dialektischen“ Spannungen zwischen den technischen Apparuturen der Produktivkräfte und den juridisch-sozialen Formen der Produktionsverhältnisse, sondern die Kräfteverhältnisse zwischen Menschen und gesellschaftlichen Gruppen. Alles leitet sich, so Foucault, von diesen Auseinandersetzungen ab, sie sind das „Letzte“, was sich sagen lässt, aus ihnen geht alles weitere hervor.“

      (aus: Philipp Sarasin – Darwin und Foucault, Suhrkamp, 2009, S. 214)

      „und es ist höchst bezeichnend, dass all die hochgebildeten Foucault-Anhänger das nie thematisieren. Es reicht ihnen völlig aus, ein Instrument zu haben, um andere diffamieren zu können.“

      Es handelt sich bei Foucaults Machttheorie um den Versuch einer rein deskriptiven Analyse des Funktionierens von Gesellschaften hinsichtlich des Phänomens Macht.

      „Ähnliches gilt für seine historischen Analysen zur Geschichte der Psychiatrie oder der Justiz, alles faktisch falsch und vielfach von kompetenten Fachhistorikern wiederlegt, aber niemand nimmt es zur Kenntnis, F ist weiterhin eine Art Guru für postmoderne Linke.“

      Na ja, es gibt in der Wissenschaft Leute, die Foucault kritisieren und solche, die ihn verteidigen. Das ist ganz normal. Wer da letztlich im Einzelfall Recht hat, ließe sich nur bestimmen, wenn man sich genauer in die entsprechenden Themen einarbeiten würde, um die es jeweils geht.

      • Nimm Foucault doch einfach beim Wort.

        Du zitierst hier Wiederkäuer-Literatur, die die Sachverhalte, vor allem den mystischen Kern dieser „Philosophie“ nur vernebeln will. Wie auch schon beim guten, alten Vorbild Nietzsche lebt dieser Foucault natürlich vor allem durch sein Heer von Umdeutern und Apologeten.
        Diese bieten mit ihrem Relativismus „praktischen Anwendung“ dann den richtigen Flankenschutz. Ganz wie der Exegese religiöser Schriften läuft das ab.

        Und darauf kommt es nur an:

        „Es reicht ihnen völlig aus, ein Instrument zu haben, um andere diffamieren zu können.“ (@mocho)

        So funktioniert die ganze „Postmoderne“.

        • @ Alex

          „Nimm Foucault doch einfach beim Wort.“

          Tue ich.

          „Du zitierst hier Wiederkäuer-Literatur, die die Sachverhalte, vor allem den mystischen Kern dieser “Philosophie” nur vernebeln will.“

          Ich zitiere Leute, die ihm Gegensatz zu dir wissen, wovon sie sprechen, wenn es um das Werk von Foucault geht und deren Aussagen nach wissenschaftlichen Standards belegt werden.

        • Oben war das Original-Zitat von Foucault:

          „Diese Macht/Wissen-Beziehungen sind darum nicht von einem Erkenntnissubjekt aus zu analysieren, das gegenüber dem Machtsystem frei oder unfrei ist.“

          Vielleicht hat er an anderer Stelle ja etwas ganz anderes ausgedrückt (dies wird Foucault dauernd vorgeworfen).
          Hier aber spricht er einer objektiven Erkenntnis frei von Machtinteresse jede *Möglichkeit der Existenz* ab. Und es ist dieses Zitat, welches weiter verwendet wird und kein anderes, wie du sehen hättest können.

          Und da helfen deine Sekundärquellen auch nicht weiter, darüber hinwegzugehen.

          Warum nimmst du eigentlich regelmässig solche proto-faschistischen „Denker“ in Schutz?

        • Da wir Foucault ja beim Wort nehmen wollen 🙂
          hier noch der Rest seines Zitates:

          „Diese Macht/Wissen-Beziehungen sind darum nicht von einem Erkenntnissubjekt aus zu analysieren, das gegenüber dem Machtsystem frei oder unfrei ist. Vielmehr ist in Betracht zu ziehen, dass das erkennende Subjekt, das zu erkennende Objekt und die Erkenntnisweisen jeweils Effekte jener fundamentalen Macht/Wissen-Kompexe und ihrer historischen Transformationen bilden. Es ist also nicht so, dass die Aktivitäten des Erkenntnissubjekts ein für die Macht nützliches oder gefährliches Wissen hervorbringt; sondern die Formen und Bereiche der Erkenntnis werden vom Komplex Macht/Wissen, von den ihn durchdringenden und konstituierenden Prozessen und Kämpfen bestimmt.“

          (aus: Michel Foucault – Übewachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, Suhrkamp, 2013, S. 39 f.)

          @ Alex

          „Vielleicht hat er an anderer Stelle ja etwas ganz anderes ausgedrückt (dies wird Foucault dauernd vorgeworfen).
          Hier aber spricht er einer objektiven Erkenntnis frei von Machtinteresse jede *Möglichkeit der Existenz* ab.“

          Er sagt, dass jedes Erkenntnissubjekt immer schon in einen vorhandenen Macht/Wissen-Komplex eingebettet ist, es also nicht möglich ist außerhalb eines solchen Komplexes zu agieren und er geht davon aus, dass jedes Machtverhältnis Wissen hervorbringt und jedes Wissen zur Ausbildung von Machtverhältnissen beiträgt.

          Foucault arbeitet allerdings, wie gesagt, mit einem stark ausgedehnten Machtbegriff. Jedes Verfolgen eines Interesses, das auf ein Gegeninteresse trifft, konstituiert bei ihm schon eine Machtrelation. Auch jede wissenschaftliche Theorie, die gegenüber anderen wissenschaftlichen Theorien hegemonial wird, resultiert für Foucault in einer Machtrelation.

          Des Weiteren besteht ein Unterschied zwischen der Auffassung, dass es kein Streben nach Wissen außerhalb von Machtbeziehungen gebe und der Auffassung, dass es kein objektives Wissen gebe. Auch wenn das Streben nach Wissen stets in Machtverhältnisse eingebunden wäre und sich auf Machtverhältnisse auswirkte, bedeutet das nicht, dass kein Bedürfnis danach besteht zu objektivem Wissen zu gelangen oder dass es nicht wichtig wäre zwischen wahrem und falschem Wissen zu unterscheiden.

          „Und es ist dieses Zitat, welches weiter verwendet wird und kein anderes, wie du sehen hättest können.“

          Ja, ja, man muss aber trotzdem versuchen das Gemeinte möglichst objektiv zu erfassen.

          „Und da helfen deine Sekundärquellen auch nicht weiter, darüber hinwegzugehen.“

          Klar helfen sie weiter. Sie arbeiten nicht mit Unterstellungen, sondern geben auf Sachkenntnis beruhende Erklärungen und Einordnungen.

          „Warum nimmst du eigentlich regelmässig solche proto-faschistischen “Denker” in Schutz?“

          1. war Foucault kein „protofaschistischer Denker“. Er war zwar Nietzscheaner, aber Links-Nietzscheaner, d.h. er stellte sich immer auf die Seite jener Schwachen, von denen Nietzsche wünschte, sie sollten zugrundegehen. In seinen historischen Darstellungen und Theorien war Foucault meist rein deskriptiv, in seinen politischen Ansichten und seiner politischen Praxis versuchte er aber stets die Schwachen darin zu unterstützen, sich gegenüber den Mächtigen zu behaupten.
          2. funktioniert so nun einmal echtes geisteswissenschaftliches Arbeiten: Das Gemeinte ernsthaft zu verstehen versuchen und es differenziert und aus einer um Objektivität bemühten Haltung heraus beurteilen. Und dazu gehört u.U. auch das Heranziehen von fundierter Sekundärliteratur.
          3. schätze ich alle bedeutenden Denker der Menschheit und interessiere mich für die Teilwahrheiten in ihren Werken, mir sind ihre Teilwahrheiten und Errungenschaften viel wichtiger als ihre Fehler (die sich natürlich ebenfalls bei jedem finden).
          4. Wenn ich danach gehen würde, wer aus deiner Sicht alles „faschistisch“ oder „proto-faschistisch“ ist, dürfte ich kaum noch einen Philosophen/Wissenschaftler lesen bzw. gut finden. Das wäre für mich ein erbärmlich langweiliges Leben in geistes- und sozialwissenschaftlicher Hinsicht.

        • @Leszek
          „…. bedeutet das nicht, dass kein Bedürfnis danach besteht zu objektivem Wissen zu gelangen oder dass es nicht wichtig wäre zwischen wahrem und falschem Wissen zu unterscheiden.“

          Das hier ist ganz deine Interpretation, die du dem Foucault unterschiebst.
          Objektivität wäre mit *Desinteresse* etwa zu erklären und eine solche Möglichkeit räumt Foucault anscheinend nicht ein. Für ihn kann es auch nichts „Wahres“ oder „Falsches“ geben. Nur das, was die einen wollen und das, was die anderen wollen.
          Warum sich überhaupt etwas verändert (eigentlich predigt Foucault intellektuelle Stasis) kann er vermutlich gar nicht erklären, obwohl er von „historischen Transformationen“ raunt.

          Wie sollen diese „Transformationen“ zustandekommen? Vermutlich ist hier der Hegelsche Weltgeist oder sowas zu Werke, man rät es.
          (Man kann auch gleich raten, dass der Begriff „Paradigmenwechsel“ Kuhnts ein Nachgeplapper von Foucaults „Transformation“ ist).

          „Das wäre für mich ein erbärmlich langweiliges Leben in geistes- und sozialwissenschaftlicher Hinsicht.“

          Das ist eine völlig falsche Vorstellung, die du hegst.
          Im Gegenteil: es wird besonders aufregend, wenn man entdeckt, dass die meisten „Geistesprodukte“ schlechte Kopien irrationalen Unsinns sind, die keinesfalls von der Liebe zur Wahrheit, sondern lediglich von der notorischen Liebe zur politischen Macht hervorgebracht werden. Insofern steckt auch in Foucault ein Körnchen Wahrheit 😉

          Wenn die Menschen frei von Zwängen sein wollen, dann müssen sie zuerst lernen, dass es allzuviele falsche Lehrer gibt, die sie nur in ein geistiges Gefängnis stecken wollen. Das mag zwar im ersten Moment schmerzhaft sein einzusehen, aber die neu gewonnene Freiheit infolge dieser Erkenntnis entschädigt mehr als genug dafür.

      • „In makrosoziologischer Perspektive ist Macht nach Foucault ein komplexes Netzwerk von Kräfteverhältnissen, welche die Gesellschaft durchdringt, welche das Subjekt vorfindet und auf dieses einwirken, in mikrosoziologischer Perspektive ist die Machtrelation hingegen intentional, von Zwecken, Absichten, Strategien und Taktiken bestimmt.“

        Eben, nach F. findet das Subjekt Macht vor, als solche, offenbar abgelöst von den handelnden Subjekten, sowas wie der Heilige Geist. Wie ist dieses Netzwerk mit empirischen Methoden erfassbar? Wie ist sein Verhältnis zu den handelnden Subjekten, bringen diese es unbewusst hervor? Wie genau geht das, wo doch nur bewusste Handlungen dem Subjekt zugerechnet werden können?

        „Es handelt sich um eine alternative Sichtweise zum klassisch-marxistischen Basis-Überbau-Schema, die Basis der Gesellschaft ist hier nicht die Ökonomie, sondern die Kräfteverhältnisse zwischen Menschen und gesellschaftlichen Gruppen.“

        Da ist mir Marx dann aber doch lieber, die Ökonomie ist zumindest empirischer Forschung zugänglich. Insofern lässt sich auch zeigen, wo der Marxismus Unrecht hat (und auch wo er recht hat), was bei F.s Machttheorie unmöglich ist.

        „Es handelt sich bei Foucaults Machttheorie um den Versuch einer rein deskriptiven Analyse des Funktionierens von Gesellschaften hinsichtlich des Phänomens Macht.“

        Beschreibbar ist aber nur das Verhalten von Menschen, und F. tut das ja in seinen historischen Werken auch. Wenn im 18. Jahrhundert die Folter allmählich aus der Justiz verbannt wird, dann geschieht das durch konkrete Gesetze, die von konkreten Regierungen erlassen werden, und durch konkrete Texte von Theoretikern wie etwa Beccaria, die eine Diskussion darüber anregen usw. Foucaults Vorstellung der angeblich dahinter stehenden Absicht (von wem eigentlich, von der „Macht“, oder von Beccaria?), ein System umfassender Überwachung und Kontrolle einzurichten, ist reine Spekulation ohne irgendeinen nachprüfbaren Beleg.

        Für mich schwer zu fassen, wie man eine solch dünne Argumentation ernst nehmen kann.

        • @mocho
          „Für mich schwer zu fassen, wie man eine solch dünne Argumentation ernst nehmen kann.“

          Weil sie es so *wollen*. Und Foucault liefert ihnen auch die Rechtfertigung dazu. Wenn alles nur Macht ist, ist Wissen schliesslich beliebig zu konstruieren.
          Ist ja auch verlockend, wenn man machen kann was man will und nichts mehr im Wege stehen kann.
          Das Ganze funktioniert besonders gut, wenn permanent „neue Säue“ durchs Dorf getrieben werden und ein endloser Strom von Umdeutungen erfolgt (s. Leszeks Sekundärliteratur).
          Erfunden worden ist das im Gefolge des Marxismus, das Denken hätte pure Dynamik zu sein und so ähnlich, da es keine Substanz gäbe.

        • Es läuft natürlich auf eine Propagierung des Rechtes des Stärkeren hinaus, was aber nichts ausmacht, da wir ja die Guten sind und uns deshalb dieses Recht zusteht.

        • Dafür hat Nietzsche, der klare Vorläufer Foucaults, schon alles gesagt. Die Guten, das sind die Starken, die müssen die Schwachen vernichten und ausradieren, das ist ihre Pflicht und im wahren Sinne gut zu nennen. Das „Gute“, welches nur für andere da ist, ist Sklavenmoral und lebensfeindlich (Christentum und die Juden natürlich), welches die Guten zurückhält.

          Auch diese krassen Gedanken sind natürlich tausendfach relativiert und in Schutz genommen worden. Dem Vordenker aller Macht schuldet man das schliesslich.

        • @ El_Mocho

          „Eben, nach F. findet das Subjekt Macht vor, als solche, offenbar abgelöst von den handelnden Subjekten, sowas wie der Heilige Geist. Wie ist dieses Netzwerk mit empirischen Methoden erfassbar? Wie ist sein Verhältnis zu den handelnden Subjekten, bringen diese es unbewusst hervor? Wie genau geht das, wo doch nur bewusste Handlungen dem Subjekt zugerechnet werden können?“

          Hören wir einfach, wie Foucault selbst es beschreibt:

          „Die Machtbeziehungen verhalten sich zu anderen Typen von Verhältnissen (…) nicht als etwas Äußeres, sondern sind ihnen immanent. Sie sind einerseits die unmittelbaren Auswirkungen von Teilungen, Ungleichheiten und Ungleichgewichten, die in jenen Verhältnissen zustande kommen, und andererseits sind sie die inneren Bedingungen jener Differenzierungen. Die Machtbeziehungen bilden nicht den Überbau, der nur eine hemmende oder aufrechterhaltende Rolle spielt – wo sie eine Rolle spielen, wirken sie unmittelbar hervorbringend.
          Die Macht kommt von unten, d.h., sie beruht nicht auf der allgemeinen Matrix einer globalen Zweiteilung, die Beherrscher und Beherrschte einander entgegensetzt und von oben nach unten auf immer beschränktere Gruppen und bis in die letzten Tiefen des Gesellschaftskörpers ausstrahlt. Man muss eher davon ausgehen, dass die vielfältigen Kraftverhältnisse, die sich in den Produktionsapparaten, in den Familien, in den einzelnen Gruppen und Institutionen ausbilden und auswirken, als Basis für weitreichende und den gesamten Gesellschaftskörper durchlaufende Spaltungen dienen. Diese bilden dann eine große Kraftlinie, die die lokalen Konfrontationen durchkreuzt und verbindet – aber umgekehrt bei diesen auch Neuverteilungen, Angleichungen, Homogenisierungen, Serialisierungen, und Konvergenzen herbeiführen kann. Die großen Herrschaftssysteme sind Hegemonie-Effekte, die auf der Intensität all jener Konfrontationen beruhen.“

          (aus: Michel Foucault – Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Suhrkamp, 1983, S. 94 f.)

          Hier scheint mir schwerlich etwas anderes herauszulesen zu sein als dass Foucault davon ausgeht, dass Macht zuerst auf der mikrosoziologischen Ebene (Personen und kleine Gruppen) in vielfältigen Beziehungs- und Organisationsformen (Produktionsapparate, Familien, Gruppen, Institutionen) zum Ausdruck kommt („die Macht kommt von unten“) und dass diese vielfältigen Machtrelationen, die sich auf mikrosoziologischer Ebene herausbilden sich so miteinander verbinden, dass es in einer Art Emergenz-Effekt zu Machtverhältnissen auf der makrosoziologischen (gesamtgesellschaftlichen) Ebene kommt (Staat, Wirtschaftssystem, Gesetze, anerkannte Werte und Normen), welche dann wiederum auf die mikrosoziologische Ebene zurückwirken.

          Foucault distanziert sich in dem Zitat von der klassisch-marxistischen Machtkonzeption (Basis-Überbau-Schema) sowie von strikt hierarchisch orientierten Machtkonzeptionen, die die Macht ausgehend von einem eindeutigen gesamtgesellschaftlichen Überordnungs- und Unterordnungsverhältnis zu verstehen versuchen sowie von solchen Machtkonzeptionen, die davon ausgehen, dass es ein eindeutig identifizierbares Zentrum der Macht gebe.

          Während die Machttaktiken und -Relationen auf der mikrosoziologischen Ebene offenbar als von Absichten und Zielsetzungen bestimmt gedacht werden („keine Macht, die sich ohne eine Reihe von Absichten und Zielsetzungen entfaltet“, ebd. S. 95) verdichten sie sich auf der makrosoziologischen Ebene in einer Art und Weise, bei der die Machtrelationen eine nicht mehr durch einzelne Personen und Gruppen vollständig zu steuernde Eigendynamik entwickeln:

          „Suchen wir nicht nach dem Generalstab, der für ihre Rationalität verantwortlich ist. Weder die regierende Kaste, noch die Gruppen, die die Staatsapparate kontrollieren, noch diejenigen, die die wichtigsten ökonomischen Entscheidungen treffen, haben das gesamte Macht- und Funktionsnetz einer Gesellschaft in der Hand.“ (ebd. S. 95)

          Foucault führt weiter aus:

          „Die Rationalität der Macht ist die Rationalität von Taktiken, die sich in ihrem beschränkten Bereich häufig unverblümt zu erkennen geben – lokaler Zynismus der Macht -, die sich miteinander verketten, einander gegenseitig hervorrufen und ausbreiten, anderswo ihre Stütze und Bedingung finden und schließlich zu Gesamtdispositiven führen: auch da ist die Logik noch vollkommen klar, können die Absichten entschlüsselt werden – und dennoch kommt es vor, dass niemand sie entworfen hat und kaum jemand sie formuliert: impliziter Charakter der großen anonymen Strategien, die, nahezu stumm, geschwätzige Taktiken koordinieren“ (…) (ebd. S. 95)

          Hier geht es also offenbar wieder darum, dass die auf der mikrosoziologischen Ebene oft klar erkennbaren Machttaktiken und -wirkungen Verbindungen miteinander eingehen, die dann auf gesamtgesellschaftlicher Ebene zu Eigendynamiken führen, die nicht mehr von Personen oder Gruppen vollständig gesteuert werden, die aber auf die mikrosoziologische Ebene zurückwirken.
          Etwas unklar bleibt, wie sich Foucault diesen Emergenzeffekt von der mikrosoziologischen zur makrosoziologischen Ebene genau vorstellt. Auch ein paar konkrete Beispiele von ihm hätten der Schrift an dieser Stelle sicherlich gut getan.

        • @Leszek

          „Auch ein paar konkrete Beispiele von ihm hätten der Schrift an dieser Stelle sicherlich gut getan.“

          Wie viele Philosophen liegt ein Teil seines Wertes eben darin, dass seine Ideen (unnötig) kompliziert sind und damit wichtiger klingen als sie es bei sehr klarer Ausformulierung tatsächlich wären.

          Die eigentliche Aussage, die man heute daraus ziehen kann, ist doch relativ trivial. Ich würde das heute verwertbare wie folgt sehen: „wissenschaft kann durchaus objektiv sein. Allerdings können wir uns nie ganz sicher sein, wie frei unser wissen von subjektiven Annahmen ist. Mächtige können dafür sorgen, dass nur ein Teil des Wissens bekannt ist und können daran eben auch ein hohes Interesse haben, weil sie so die Vorstellungen der Leute gestalten können. Aber auch bestimmte Gruppen können tabus setzen oder Meinungen beeinflussen. Um so wichtiger sind Wissenschaftsfreiheit, Reproduzierbarkeit von Forschung, meinungsfreiheit und freie Informationsquellen“.
          Gibt es wirklich viel darüber hinaus, was man aus ihm herausziehen kann?

        • @Leszek

          Die letzthinnigen Begründungen entziehen sich bei Foucault auch hier in mysteriösen Begriffen wie „immanent“, „unmittelbar hervorbringend“, und „ausstrahlende“ „Kraftlinien“. Offenbar beschreibt er hier die Wirkungen seiner „Macht“.

          Könnte sich auch um den „heiligen Geist“ handeln…, austauschbar.

  5. Leszek, alle deine Zitate sind Sammlungen metaphysischer, undefinierter Begriffe, ein Schwall von mystischen Worten, die den Leser überwältigen. Nun könnte man sagen, dass der Eindruck entsteht, weil sie aus dem Zusammenhang gerissen sind, aber dem ist ja nicht so. Ich habe das ja auch gelesen und weiß, das die Begriffe nirgendwo erklärt oder definiert werden, jedenfalls nicht in einer allgemein verständlichen Weise.

    Unjd natürlich ist Foucaults Denken zumindest tendenziell faschistisch, wie seine Begeisterung für die islamische Revolution des Ayatollah Khomeini zeigt.

    Dazu gib es ein interessantes Buch von einer Exil-Iranerin, die zeigt, dass es dabei eben nicht um einen Irrtum Foucualts geht, der jedem mal passieren kann, sondern dass sich die Bejahung des Islamismus direkt aus seiner Theorie ergibt: http://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/F/bo3534884.html

    Zusammengefasst recht gut in diesem Aufsatz:

    http://newpol.org/content/revisiting-foucault-and-iranian-revolution

    Die beste Fundamentalskritik an F. stammt von dem Brasilianer José Merquior, komplett zu finden hier: https://redblackwritings.wordpress.com/2014/05/14/j-g-merquiors-foucault-1987-devastating-critique-of-fs-empirical-work-generalisations-reasoning/

    Darin wird besonders auch auf seine höchst selektive Darstellung der europäischen geschichte eingegangen.

    • @elmocho
      „Und natürlich ist Foucaults Denken zumindest tendenziell faschistisch, wie seine Begeisterung für die islamische Revolution des Ayatollah Khomeini zeigt.“

      Ein Faschist liebt natürlich den „Islamofaschismus“. Ist nur logisch.

      Er hat sich damit als Trendsetter erwiesen, wie sich über das letzte Jahrzehnt herausgeschält hat. Die Linke umarmt den islamischen Faschismus mittlerweile offen und mit beiden Armen.

      Darüber werden auch allzu gerne alle Vorbehalte bezüglich der Geschlechter „vergessen“. Aber dies diente ihnen ja ohnehin immer nur als Vorwand.

      Der besonders vielsagende Absatz in dem doch relativ zurückhaltenen Artikel über Foucauts Iranrevolutions-Begeisterung sagt doch alles:

      „As to the saintlike Khomeini’s advocacy of „an Islamic government,“ Foucault was reassuring. He noted that „there is an absence of hierarchy in the clergy“ and „a dependence (even a financial one) on those who listen to them.“ The clerics were not only democratic; they also possessed a creative political vision: „One thing must be clear. By ‘Islamic government,‘ nobody in Iran means a political regime in which the clergy would have a role of supervision or control. . . . It is something very old and also very far into the future, a notion of coming back to what Islam was at the time of the Prophet, but also of advancing toward a luminous and distant point where it would be possible to renew fidelity rather than maintain obedience. In pursuit of this ideal, the distrust of legalism seemed to me to be essential, along with a faith in the creativity of Islam.““

      Hier gibt er plötzlich seine vorgebliche Reserviertheit gegenüber der Macht auf und idealisiert das iranischen Theokratenregime quasi als angemessenen völkischen Ausdruck und verteigt sich sogar zu der Behauptung, diese kenne keine Hierarchie. Was eigentlich im krassen Gegensatz zu seinen ganzen Machttheorien stehen sollte.

  6. Hier ist noch ein extrem guter Essay, der ins Herz der Sache, in den „Augias-Stall“, geht:

    Judith Butler, the Adorno Prize, and the Moral State of the “Global Left”
    http://www.theaugeanstables.com/2012/08/31/judith-butler-the-adorno-prize-and-the-moral-state-of-the-global-left/

    Und so werden die übelsten faschistischen und regressivsten Ideologien und Weltanschauungen gerechtferigt und weissgewaschen:

    „Bawer referred to Butler as a “postmodernist colossus… [and] almost certainly the most revered living figure in Queer Studies,” a field he argues “fetishizes otherness and ‘transgression’.” By this I think Bawer means the following: Queer Studies embraces a kind of messianic project (in Butler’s terms, Tikkun Olam) by which transgressing identity boundaries (starting with homosexuals and gender identities), through abandoning our “us-them” dichotomies (patriotism and patriarchy are so regressive), and embracing the oppressed (subaltern) “Other,” leads to a world of post-national, non-coerced, “multi-cultural co-habitation.” By fetishizing, I think he means that the practitioners of Queer Studies who perform this redemptive discourse, have turned it into a kind of idol worship in which any “Other” – them – has priority over the (potentially oppressive) self – us.

    ….. Butler and post modern ideologues dedicated to destabilizing the Western canon, end up adopting an inverted us-them, or “their side right or wrong.” What ensues is the unholy union of pre-modern sadism and post-modern masochism: they in their desire to destroy us, accuse us of the most terrible crimes, we, in our effort to win over our enemies, say, “you’re right” and “we’re sorry.”“


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: