Was ist aus Sicht von Männern wichtig für die männliche Identität?

Eine interessante Studie hat Männer befragt, was sie eigentlich wichtig für die männliche Identität finden bzw was sie denken, was andere wichtig finden.

ABSTRACT

Introduction. The Men’s Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) study assessed the prevalence and correlates of erectile dysfunction, and examined men’s attitudes and behavior in relation to this dysfunction.

Aim. To report on the attitudes of men, with and without self-reported erectile dysfunction, concerning masculine identity and quality of life.

Methods. The MALES Phase I study included 27,839 randomly selected men (aged 20–75 years) from eight countries (United States, United Kingdom, Germany, France, Italy, Spain, Mexico, and Brazil) who responded to a standardized computer-assisted telephone interview.

Main Outcome Measure. Perceptions of masculinity and quality of life in men with and without erectile dysfunction.

Results. Men’s perceptions of masculinity differed substantially from stereotypes in the literature. Men reported that being seen as honorable, self-reliant, and respected by friends were important determinants of self-perceived masculinity. In contrast, factors stereotypically associated with masculinity, such as being physically attractive, sexually active, and successful with women, were deemed to be less important to men’s sense of masculinity. These findings appeared consistently across all nationalities and all age groups studied. For quality of life, factors that men deemed of significant importance included good health, harmonious family life, and a good relationship with their wife/partner. Such factors had significantly greater importance to quality of life than concerns such as having a good job, having a nice home, living life to the full, or having a satisfying sex life. Of note, rankings of constructs of masculinity and quality of life did not meaningfully differ in men with or without erectile dysfunction, and men with erectile dysfunction who did or did not seek treatment for their sexual dysfunction.

Conclusions. The present findings highlight the significance of partnered relationships and interpersonal factors in the management of erectile dysfunction, and empirically challenge a number of widely held stereotypes concerning men, masculinity, sex, and quality of life. Sand MS, Fisher W, Rosen R, Heiman J, and Eardley I. Erectile dysfunction and constructs of masculinity and quality of life in the multinational Men’s Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) study. J Sex Med 2008;5:583–594. Key Words. Erectile Dysfunction; Quality of Life; Masculinity; Gender Iden

Quelle: Erectile Dysfunction and Constructs of Masculinity and Quality of Life in the Multinational Men’s Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) Study

Männer finden es also wichtiger, dass sie als ehrenhaft, selbstsicher und respektiert von Freunden galten und definierten danach „Männlichkeit“. Andere Faktoren wie körperliche Schönheit, sexuelle Aktivität, Erfolg bei Frauen wurden dabei als unwichtiger bewertet, obwohl die Stereotype sie höher bewerten.

Was aus meiner Sicht allerdings nicht bedeutet, dass diese anderen Faktoren von Männer nicht als wichtig angesehen werden, sie scheinen mir hier eher Anforderungen aufgeführt zu haben, die einen Mann positiv und gerade im Zusammenspiel mit anderen Männern ausmachen, während die anderen Faktoren eben auch negativ sein können: Jemand, der mit zB den Frauen seiner Freunde schläft mag sexuell aktiv sein und Erfolg bei Frauen haben, aber er ist damit eben nicht hoch angesehen (auch wenn viele Männer gerne seine Fähigkeiten hätten, natürlich um sie zum Guten einzusetzen). Es sind also eher Verhaltenspflichten im Umgang miteinander: Zu seinem Wort stehen, sich am gesagten festhalten lassen, seine Fähigkeiten kennen, den Respekt von Freunden genießen: Das alles sind also Werte die einen guten Verbündeten und Freund ausmachen, mit wie vielen Frauen er schläft ist hingegen für die Bewertung als Verbündeter relativ egal.

Ein Mann wird also in gewisser Weise auch unter Männern danach bewertet, wie er seine Pflichten anderen gegenüber erfüllt und erfüllen könnte.

Es ist aber dennoch eine interessante Auswertung weil man hier einmal etwas positives über Männlichkeit liest. Eine Männlichkeit, die von Ehre, Selbstsicherheit und Respekt geprägt ist, kommt so im Feminismus nicht vor und will auch gar nicht in das dortige Feindbild passen. „Ehre“, würde man da vermutlich im radikaleren Bereich schnauben, „ist es ehrenvoll Frauen zu diskriminieren, sich in seinen Privilegien zu suhlen und eine Rape Culture aufrecht zu erhalten? Verdient ein solcher Mann Respekt und wenn ja, was sagt das dann über unsere Gesellschaft aus?“ Aber da wären eben jede Menge Strohmänner vorhanden.

Interessant ist eine Aufschlüsselung nach Nationalitäten, die aus der MALES Studie entnommen ist:

Konstruktion von Männlichkeit

Konstruktion von Männlichkeit

Sehe ich es richtig, dass in Tabelle 2 die Deutschen Männer „Ehre“ weitaus weniger wichtig finden als die meisten anderen Nationen? Statt dessen wird die „Kontrolle über das eigene Leben“, der „gute Job“ und „selbst mit Problemen fertig werden höher bewertet. Könnte vielleicht auch schlicht damit zusammenhängen, dass Ehre in Deutschland ein belasteter Begriff ist. Es geht allerdings auch in dieser Tabelle nur darum, was man als das allerwichtigste angesehen hat, nicht um eine freie Aufteilung. Auch in Deutschland könnte also zB „Ehre“ auf Platz 2 liegen.

Eine andere interessante Auswertung ist diese:

Männlichkeit und Lebensqualität

Männlichkeit und Lebensqualität

Für ihre Lebensqualität an erster Stelle steht damit für deutsche die Gesundheit, dann auch sehr häufig als wichtigste Eigenschaft genannt eins harmonisches Familienleben und eine gute Beziehung zu seinem Partner.

Gibt auch nicht sehr viel zum Dämonisieren her.