Selbermach Samstag 162 (14.11.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Die Anschläge von Paris

Wieder religiös motivierte Anschläge in Paris. Wahllos auf Massenveranstaltungen.

Vermutlich im Namen von IS.

Schrecklich. Und vollkommen sinnlos. Wirklich, was will man damit erreichen außer Leute gegen sich einzunehmen?

(Anmerkung: Kommentare, die allgemeine Hetze gegen Flüchtlinge oder Muslime betreiben, werde ich löschen)

„Fünf Thesen zur Männerpolitik“ (Tom Todd bei Agens e.V.)

Bei Agens hat Tom Todd „5 Thesen zur Männerpolitik“ veröffentlicht, die ich hier gerne mal zur Diskussion stellen möchte:

These 1 Männer müssen sich selbst gut verstehen

In großen Sprüngen haben sich die Frauen in den letzten Jahrzehnten selbst definiert und eine Politik erkämpft, die ihnen hierzulande gleiche Rechte zugesteht. Eine entscheidende Komponente in dieser Entwicklung war ja die Entwicklung des weiblichen Selbstverständnisses.

Männer hingegen werden öffentlich als Trottel, Gewalttäter, Sexbesessene, Taugenichtse u. dgl. mehr dargestellt, ohne auch überhaupt ein Wort dagegen sagen zu können, ohne als frauendiskriminierende Machos oder Jammertüten abgetan zu werden.

Den Männern fehlt offenbar ein entsprechendes selbstbewusstes Selbstbild, das die vielfachen positiven Eigenschaften des Mannseins verstärkt – angefangen mit Förderer der Autonomie der Kinder bis hin zum starken Schulter der Lebenspartnerin. Insofern geht es darum, sich selbst und seien Potential gut zu verstehen.

These: die Auseinandersetzung mit dem Feminismus und dem gender mainstreaming fügt die beanstandeten Benachteiligungen von Männern und Jungs langsam zu einem Gesamtbild zusammen und lässt allmählich die männer- und jungenspezifischen Bedürfnisse und Veranlagungen erkennen. Um gegen den Dekonstruktivismus und die damit einhergehende Entsolidarisierung der Geschlechter anzukommen, muss/müssen aber – neben einer souverän-gelassenen Kritik am Status quo – zusätzlich vorab

  • die eigene Beteiligung an der Entstehung von Problemen konstruktiv-kritisch durchleuchtet
  • die eigene Rolle als Opfer bzw. Sündenbock aufgebrochen, und
  • die männlichen Bedürfnisse/ Potentiale weiter erkundet und präzisiert werden.

Erst dann wird ein konstruktiver Dialog möglich sein, der z. Zt. in der öffentlichen Debatte verhindert wird durch gegenseitige Schuldzuweisungen bzw. das Pochen auf Individual- bzw. Lobbyrechte.

These 2 Eine Männerpolitik reicht nicht aus

Die Entrechtung und Diskriminierung von Vätern und Männern hat zu einer losen und unkoordinierten Sammlung von regionalen und nationalen Initiativen geführt, die mit Öffentlichkeitsarbeit, Protestaktionen und individueller Lobbyarbeit versucht, auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Zur Diskussion steht allerdings, ob es diesen Initiativen gelingen kann, mit einem Katalog von Forderungen der partikularen Interessen der Männer und Väter ohne Einrahmung in einer Strategie des „Wir“ statt (implizit) „Mann gegen Frau“ Erfolg zu haben.

These: Nur eine mit Frauen gebildete Plattform kann Erfolg haben, weil

  1. eine positive Vision des gesellschaftlichen Zusammenhalts als Gegenmodel zum Gleichberechtigungskampf nur so aufgebaut werden kann,
  2. die bisherige Politik von Teile-und-Herrsche nur so zu durchbrechen ist
  3. die Aufhebung der männerfeindlichen Politik logischerweise die Entwicklung einer neuen von Frauen und Männern gemeinsamen Politik voraussetzt

These 3 Ökologie der Geschlechterbeziehungen

Die Familienpolitik ist nicht nur bei benachteiligten Männern ein Kernthema der Politik überhaupt, sondern nimmt deswegen einen zentralen Stellenwert ein, weil sie den Nährboden für die Wertorientierung in unserer Gesellschaft bereitet. Trotz einiger Jahrtausende angeblicher Zivilisation hat es die sich selbst hochpreisende westliche Industriegesellschaft nicht geschafft, eine auf Dauer angelegte Kultur der friedlichen und kooperativen Koexistenz aufzubauen. Ihren Wohlstandsfortschritt muss sie leider noch immer der (hiesigen wie globalisierten) Ausbeutung verdanken.

Die moderne Entwicklung unserer Gesellschaft zeigt eine alarmierende Tendenz des Zerfalls, der Entsolidarisierung und einer globalisierten Ideologie der feindlichen Konkurrenz auf. Trotz wachsendem Bewusstsein der Notwendigkeit einer ökologischen, sprich naturfreundlichen Ausrichtung menschlichen Strebens, stellt sich der Mensch selbst über diese Maßstäbe und meint seine eigene Natur nicht daran messen zu müssen.

These: der Mensch findet – schon aus evolutionspsychologischen und –biologischen Gründen –  seine Bestimmung zunächst in der Förderung des Lebens – im weitesten Sinne. Die Menschheit existiert zunächst, einfach um sich erfolgreich fortzupflanzen. Der moderne Glaube an der technischen Beherrschbarkeit und Steuerung dieses komplizierten Ökosystems (künstliche Lebenserzeugung usw.) ist ein Irrglaube. Die evolutionsnatürliche Familie bildet nach wie vor unabdingbare Voraussetzung jeder auch sich emanzipiert und Hochkultur nennenden Gesellschaft mit glückbringender Zukunftsperspektive. Auch deswegen müssen Kinderinteressen – als Teil des Generationsvertrags – ins Zentrum der Familienpolitik gerückt werden.

These 4 Gender Mainstreaming ist eine Sackgasse

Auf der Seite des Bundesministeriums für Familie etc. ist unter der Überschrift „Strategie ‚Gender Mainstreaming‘“ zu lesen: „Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen.“

„Gender“, die Basiskategorie der Frauen- und Geschlechterforschung, ist eine Kategorie, die nachweisbar aus dem US-amerikanischen homosexuellen Milieu stammt und von Vertreterinnen dieses Milieus auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Beijing gegen erhebliche Widerstände aus der 3. Welt durchgesetzt worden ist.

In der bundespolitischen Praxis ist aber von einer gleichberechtigten Förderung der Interessen beider Geschlechter wenig zu sehen. Hauptsächlich dort wo Männer Fraueninteressen dienen, werden auch Männer gefördert. Noch weitergehend unterfüttern Anhänger des Gender Mainstreamings ihre politischen Vorhaben mit einer pseudowissenschaftlichen Theorie des ausschließlich sozial konstruierten Geschlechts und lassen diesen angeblichen Wissenschaftszweig als einzigen ohne Qualitätskontrolle mit Millionen von Steuergeldern subventionieren.

These:

  1. Gender Mainstreaming (GM) ist eine Mogelpackung und dient der versteckten Agenda der Dekonstruktion von Naturgeschlechtern
  2. GM – auch weil sie der Normalisierung der Homosexualität dient – begünstigt eine gefährliche Sexualisierung der Beziehungen – vor allem bei Kindern
  3. GM reduziert die in Jahrmillionen entwickelten Eigenarten der Geschlechter auf soziale Konstrukte und trägt damit unmittelbar zur Entsolidarisierung in der Gesellschaft bei.
  4. GM verleugnet die wissenschaftlich nachweisbaren natürlich geschlechtsspezifischen Rollen in der Erziehung der Kinder und beraubt diesen dadurch ihrer Naturrechte
  5. GM eignet sich nicht für die tatsächliche Gleichberechtigung, weil sie von ihrer eigentlichen Agenda her eine Diskussion darüber ausschließt.

These 5 Welche Ziele?

Ob in der Familienpolitik, Arbeitspolitik, Justiz, Gesundheit und Bildung – überall hat sich in unseren Kreisen weitestehend Einigkeit über die Schieflage herausgeschält. Zwar sind einige Zusammenhänge noch nicht ausdiskutiert und die Details einzelner Forderungen sind natürlich Teil des künftigen Dialogs miteinander.

Aber noch weitgehend ungeklärt bleiben die Fragen:

  • welche kurz- und mittelfristigen strategischen Ziele sind wichtig,
  • wie werden diese am effektivsten umgesetzt?

These:

  1. angesichts der herrschenden Eindimensionalität in den politischen Parteien muss eine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit für die Dauer der Durchsetzung unserer Forderungen gewährleistet sein. Dies kann nur bspw. mit einer Stiftung zur Kanalisierung und Verteilung von Ressourcen realisiert werden.
  2. Die einzelnen Themen gehören in einem Paradigmenwechsel geklammert, der statt von Geschlechtergerechtigkeit doch von Geschlechtereintracht ausgeht: gemeinsames Wohl statt Gleichstellung: Fraueninitiativen müssen schon jetzt eingebunden werden
  3. Der inhaltliche Basiskonsens muss schriftlich festgehalten, abgestimmt und als Fundament einer organisationsübergreifenden Plattform abgesegnet werden, bevor eine effektive politische bzw. Öffentlichkeitsarbeit stattfinden kann.

Hierzu war in den Kommentaren hier bereits Kritik laut geworden:

Alex schrieb dazu:

Befremdlicherweise wird “Tatsächlich ist Männliches zu einem Tabu geworden” mit dem sehr fragwürdigen Verweis auf den Rausschmiss vom “Pressevertreter” (lol) Danisch auf diesem Grünen-Frauenrat belegt. Oh je.

Dann ist von “Ökologie der Geschlechterbeziehungen” die Rede, was ein ziemlicher Ökologismus ist, wie man ihn schon längst nicht mehr hören kann. Vor allem mit diesen Phrasen “… ihren Wohlstandsfortschritt (der westlichen Industriegesellschaft) muss sie leider noch immer der (hiesigen wie globalisierten) Ausbeutung verdanken.”

Finde ich jetzt wenig prickelnd, vor allem, da über diese ganz alte Grünen- und Ökologisten-Schiene auch der Feminismus einst promoted wurde (der vergessene “zivilisationskritische” Öko-Feminismus).

Dann wird es besser:

“These: der Mensch findet – schon aus evolutionspsychologischen und –biologischen Gründen – seine Bestimmung zunächst in der Förderung des Lebens – im weitesten Sinne.”

Oh je, wie rückwartsgewandt ist das denn? *Bestimmung*! — Teleologie, wie schicksalshaft, manifest destiny… OMG!

” …. Die evolutionsnatürliche Familie bildet nach wie vor unabdingbare Voraussetzung jeder auch sich emanzipiert und Hochkultur nennenden Gesellschaft mit glückbringender Zukunftsperspektive.”

Ah, die “evolutions*natürliche*” Familie, ich wittere “Sexualität” statt “Erotik” (siehe allererster post in diesem Selbermach-Sams)!

Dann:
“Auch deswegen müssen Kinderinteressen – als Teil des Generationsvertrags – ins Zentrum der Familienpolitik gerückt werden.”

Hört sich nach althergebrachtem Feminismus an, “Frauen und Kinder zuerst”.

Dann ist sogar von “Naturrechten” der Kinder die Rede, die durch das gender mainstreaming “verleugnet” würden, durch die “natürlich geschlechtsspezifischen Rollen in der Erziehung der Kinder”.

Wobei es ja keinerlei “Naturrechte” gibt, dies ist ein ganz alter Mythos der politischen Rechten (hatten wir neulich auch bei der sog. “liberal”-konservativen Röncke, die vom Tichy). Aha, da weht also der Wind her…

Na Mahlzeit, sieht nach einer Art Feminismus für Männer aus.

Natürlich wird gender auch wieder mal verharmlost oder als “Sexualisierung” fehlgedeutet, machen ja alle Rechten so.

Mike schrieb:

Was mich persönlich an diesem Machwerk besonders entsetzt hat:
Es kommt als ein “Basispapier des Maskulinismus” daher, es soll also einen “Grundkonsens” darstellen, bietet aber im Kern Homo- und Transbashing und ein weitgehend Rückwärtsgewandtes Weltbild.
Wetten das irgendwer das Ding dazu heranzieht um die Männerrechtsbewegung zu diskreditieren?

Es hat natürlich ein paar richtige Gedanken, unter anderem dass eine rein auf Männern basierende Männerrechtsbewegung keine Zukunft hat. Wie so viele XXX-rechtsbewegungen gezeigt haben, sind diese nur von Erfolg gekrönt, wenn Einzelpersonen bzw Personengruppen aus dem “anderen” Lager die Bewegung unterstützen.

Aber das ist halt blos ein Absatz unter vielen…. *seufz*

Auch mir klingt der Text viel zu konservativ. Es gibt eben keinen Sinn des Lebens wenn man eine evolutionäre Sicht anführen will. Fortpflanzung mag einen starken evolutionären Einfluss auf uns gehabt haben, aber daraus ergibt sich kein Sinn. Jeder Mensch hat das Recht sich zu entfalten und Menschen, die sich fortpflanzen wollen und können sind insoweit nicht besser.

Mir widerstrebt eine Festlegung auf bestimmte Rollen – es bringt nichts Leute in solche zu pressen, auch wenn es dessen ungeachtet Häufungen gibt. Männerpolitik muss auch andere Lebenswege als die klassische Familie enthalten und natürlich auch Homosexuelle einbeziehen. Richtig wäre, dass die Familienpolitik ein Schwerpunkt bleiben wird, einfach weil nun einmal in diesem Bereich die meisten Konflikte zwischen Männern und Frauen auftreten. Einen Text, der sich gegen die „Normalisierung der Homosexualität“ ausspricht finde ich allerdings keine geeignete Grundlage: Es klingt nach einer Abwertung von Homosexualität, für die ich keinerlei Grund sehe, da sie zwar in zahlenmäßig weitaus geringerer Zahl auftritt aber ansonsten eben einfach eine Form der Sexualität zwischen Menschen ist, die ebenso auf abgespeicherten Attraktivitätsmerkmalen wie die Heterosexualität beruht.

Die ganzen Ausführungen gegen Gendermainstreaming gehen aus meiner Sicht insofern am Ziel vorbei: besser wäre es, dass man ein breites Spektrum zulässt und einen Zwang zur Mitte ablehnt. Also letztendlich ein Abstellen auf die Individualität, bei der beide Geschlechter nicht verteufelt werden und akzeptiert wird, dass es im Schnitt Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.

Was sagt ihr zu den verschiedenen Punkten? Wie ist denn sonst die Resonanz bei Agens? Wenn hier jemand mitliest, der dort aktiv ist, dann würde mich interessieren, inwiefern diese Punkte dort auch kritisch oder zustimmend gesehen worden sind.