Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 7. November 2015

„Warum Frauen untereinander konkurrieren“

Ein Text einer Autorin behandelt das Thema, warum Frauen untereinander konkurrieren, also eigentlich intrasexuelle Konkurrenz.

Sie schreibt zur Ausgangslage:

Women compete, compare, undermine and undercut one another — at least that is the prevailing notion of how we interact. It’s considered exceptional, or at least noteworthy, that famous women like Amy Schumer and Beyoncé and Taylor Swift acknowledge that other women are talented, and frequently work with those other women without, in most cases, being catty about it. This makes them feminist heroes. Feeling on guard around other ladies is normal for a lot of women, and it’s exhausting. I exhausted myself for years trying to understand how other girls could have gone from my closest allies to my scariest foes. I write an advice column and get a fair number of questions from women asking how to handle not trusting other women, so I know I’m not alone.

Mir scheint es auch so, dass Frauen eher als Männer von bester Freundin zu größter Freundin wechseln können, vielleicht auch, weil sie mehr übereinander wissen und die Sache insofern emotionaler ist. Eine wesentliche Ursache scheint mir auch zu sein, dass weibliche Konkurrenzkämpfe im Wege der prosozialen Dominanz ausgetragen werden und damit viel subtiler sind. Sie werden auch häufiger verdeckt ausgetragen und während sich beide anlächeln, da man ja bei dieser Konkurrenzart der sorgende und freundliche sein muss, wenn man gewinnen will, während männliche Wettkämpfe oft direkter sind, deswegen aber auch eher gewisse Streitschlichtungsmechanismen kennen.

Im Artikel heißt es weiter:

A good amount of research has been done on female competitiveness, both in condescending and eye-opening ways. A literature review by Tracy Vaillancourt in 2013 found that women by and large express indirect aggression toward other women, and that aggression is a combination of “self-promotion,” making themselves look more attractive, and “derogation of rivals,” being catty about other women.

Das wären ja die klassischen zu erwartenden Mittel innerhalb der evolutionär entstandenen intrasexuellen Konkurrenz: Den anderen schlecht aussehen lassen und sich selbst gut.

In der Studie heißt es dazu im Abstract:

Indirect aggression includes behaviours such as criticizing a competitor’s appearance, spreading rumours about a person’s sexual behaviour and social exclusion. Human females have a particular proclivity for using indirect aggression, which is typically directed at other females, especially attractive and sexually available females, in the context of intrasexual competition for mates. Indirect aggression is an effective intrasexual competition strategy. It is associated with a diminished willingness to compete on the part of victims and with greater dating and sexual behaviour among those who perpetrate the aggression.

Sexuelle Schönheit wäre ein Attraktivitätsmerkmal von hoher Bedeutung, ebenso wie ihre Eigenschaft, Vatersicherheit zu geben. Es verwundert daher nicht, dass beides zur Abwertung verwendet wird. Ich hatte diese Studie aber auch schon hier besprochen.

Im Artikel werden die Theorien, aus denen Konkurrenz besteht, dann wie folgt dargestellt:

There are two main theories of why women are competitive in indirectly aggressive ways. Evolutionary psychology, which uses natural selection to explain our modern behaviors, says that women need to protect themselves (read: their wombs) from physical harm, so indirect aggression keeps us safe while lowering the stock of other women. Feminist psychology chalks up this indirect aggression to internalizing the patriarchy. As Noam Shpancer writes in Psychology Today, “As women come to consider being prized by men their ultimate source of strength, worth, achievement and identity, they are compelled to battle other women for the prize.” In short: When our value is tied to the people who can impregnate us, we turn on each other.

Ich würde den evolutionären Ansatz so wiedergegeben, dass Frauen körperlich nicht wirklich konkurrieren können, da sie jedenfalls schwächer sind als Männer und wegen der Schwangerschaft insoweit auch körperliche Gewalt wesentlich kostengünstiger ist.

Die feministische Theorie scheint mir da weit weniger überzeugend: Zum einen berücksichtigt sie nicht, dass Männer um Frauen konkurrieren und Frauen um Männer und das in den meisten Spezien der Fall sein dürfte, wenn auch in anderer Form. Die (teilweise wesentlich härtere) Konkurrenz um Frauen durch die Männer passt da dann nicht ins Bild. „Internalisierter Sexismus“ ist eh eine sehr schwache Erklärung: Sie lässt Frauen erst einmal die blöden sein, die noch nicht mal merken, dass sie nur benutzt werden. Und es hat ja auch heute meines Wissens nach nicht nachgelassen, obwohl Frauen viel unabhängiger von Männern sind.

Der Ausweg der Autorin:

In high school, I decided that all of my female friends were stupid and traded them for guy friends. I loved horror movies and heavy metal, and used these interests to become a “guys’ girl.” I thought that by segregating myself, I would save myself from the awareness that I wasn’t ever going to be pretty/perfect/cool enough, and occasionally I would get to make out with a male pal because hormones were running rampant. When another guys’ girl joined our group, she and I became fast friends by lamenting how stupid girls were, and when we met new boys, we threw each other under the bus to flirt with them. I felt sick when she did this to me, felt a sick thrill of power when I did it to her.

Instead of openly hating women, I used hate’s sneaky little sister and told myself that I pitied women who worked hard to be conventionally attractive, who had jobs that utilized their feminine wiles, who were “too girlie.” “Poor her,” I’d cluck at parties, “wanting attention so badly. I wonder who hurt her. Let’s discuss this art rock band I saw last week.” Self-promotion: check. Degradation of rivals: check.

Dass „männlichere Frauen“ oft besser mit Männern zurechtkommen, weil es dort eben diese Zickigkeit nicht gibt und man evtl noch aufs Podest gestellt wird hatte ich schon mal hier geschrieben. Da stellt dann eine andere Frau die Konkurrenz wieder her und das kann dann dazu führen, dass die Frau ganz glücklich ist, wenn sie die einzige in der Clique ist oder sich jedenfalls die anderen Frauen nicht für die gleichen Männer wie sie interessiert. Interessanterweise hat sie damit letztendlich genau die gleichen Taktiken angewendet, die sie bei Frauen eigentlich nicht mochte.

Dieses „sie will so dringend Aufmerksamkeit, dass sie sich an Männer anbiedert“ ist im übrigen ja auch ein Vorwurf, der im Feminismus gerne gemacht wird, wenn andere Feministinnen Männer nicht deutlich genug als Feind einordnen. Interessanterweise findet man viele klassische Prozesse intrasexueller Konkurrenz im Feminismus wieder, insbesondere die Abwertung der anderen Frauen: Die biedern sich eben nur an, haben ihren eigenen Wert vergessen und stattdessen Sexismus internalisiert, nur damit Männer mit ihnen schlafen. Man möchte fast ein „die Schlampen“ ergänzen, aber das wäre ja slutshaming.

Sie stellt dann noch eine dritte Theorie vor:

Research tells us that women are compelled to level the playing field by any means necessary to make sure we have access to the best genetic material, but since these are not real concerns in our modern lives, our competitiveness becomes something a bit more private and understandable.

That’s the third theory of female competitiveness that I’d like to propose: We aren’t competing with other women, ultimately, but with ourselves — with how we think of ourselves. For many of us, we look at other women and see, instead, a version of ourselves that is better, prettier, smarter, something more. We don’t see the other woman at all.

It’s a fun-house mirror that reflects an inaccurate version of who we are, but we turn on her anyway, because it’s easier. But we don’t need to lower the stock of other women, either for the future of the species or for our own psyches. When we each focus on being the dominant force in our own universe, rather than invading other universes, we all win.

Da hat sie einfach nicht verstanden, dass evolutionär verankerte Denkweisen nicht einfach wegfallen, wenn sie sich nicht mehr lohnen, sie bestehen häufig schlicht als Begehren oder Anreiz fort. Es ist heute nicht mehr sinnvoll, fett- und zuckerhaltige Speisen zu mögen, weil wir jederzeit unseren Nährstoffbedarf decken können. Genauso konkurrieren wir immernoch um die besten Gene, weil wir die Anzeichen dafür als attraktiv und anregend in Menschen begreifen. Das alles hat wie man der Theorie des egoistischen Gens entnehmen kann auch nichts mit dem Wohl der Spezies zu tun. Es ist einfach häufig eine unterbewußte Reaktion auf bestimmtes Verhalten. Aus meiner Sicht bleibt intrasexuelle Konkurrenz die beste Erklärung. Aber natürlich kann man sich auch bewußt machen, dass dies kein sinnvoller Weg ist und entsprechendes Verhalten trotz dieser Impulse vermeiden. Wie immer wenn Biologie ins Spiel kommt, ist dies aber durchaus schwierig. Das kann man dann natürlich als inneren Kampf mit sich selbst sehen, es ist aber weniger ein dritter Weg als die Folge der evolutionären Theorien.

 


Responses

  1. Dieses Thema ist trotz aller Bitch-soaps immer noch ein Tabu.

    Viel interessanter finde ich, dass dasselbe zickige, hinterhältige Verhalten vieles erklärt was im Extremfeminismus abgeht. Die Waffen der Frau, wie z.B. „falsche Gerüchte verbreiten“ oder „auf jegliche Kritik sehr aggressiv reagieren“ sind doch das Kochrezept des Extremfeminismus.

    Auch der Prinzessinnenkomplex und die permanente Unzufriedenheit sind ein Bestandteil dieses Verhaltens.

    Es trifft den Mann umso unvorbereiteter, je weniger er dieses Verhalten erwartet. Mädchen lernen diese Verhaltensweisen schon sehr früh kennen und wissen genau was sich im Kopf der Gegnerin abspielt.

    Ich finde es sehr erstaunlich dass Jahrzehnte nach Esther Vilar dieses Thema immer noch so sehr tabuisiert ist, dass Mann nicht darüber sprechen „darf“ …..

  2. Die Kommentare dort sind ganz hübsch. Gleich der erste sagt sinngemäß: Abe… aber… das kann gar nicht sein, in Gender Studies hab ich gelernt, dass evolutionäre Kräfte keine Rolle mehr spielen.

    Auf der anderen Seite gibt es einige wie diesen:
    “ female and all my closest friends are men. They aren’t emotional mine fields you have to carefully navigate with diplomacy. They genuinely rejoice when I have some little victory, rather than comparing themselves, putting themselves down, having to be endlessly reassured.“

  3. In der Argumentation könnte man noch „Sprem is cheep, eggs are expensive“ anbrinen:

    Männliche intrasexuelle Konkurrenz zielt darauf ab, andere Männer am besten gr nicht zum Zug kommen zu lassen, denn ein Mann kann fast beliebig viele Frauen schwängern.
    Das schlägt sich in der Art nieder, wie intrasexuelle „Kämpfe“ ablaufen.

    Eine Frau braucht nicht darum zu kämpfen, dass andere Frauen „gar nicht“ zum Zug kommen – es „genügt“, den bestmöglichen Mann überhaupt zu bekommen, und die anderen Frauen mit weniger gutem Männern „abzuspeisen“. Zudem ist es natürlich im Interesse der Frau, den Mann möglichst stark zu binden und mindestens „Favoritin“ oder alleinige Frau zu sein, um einen möglichst guten Schutz des Nachwuchses zu gewährleisten. In diesem Sinne ist aber auch sinnvoll, überhaupt in einer eher größeren Gemeinschaft zu leben und nicht alleine mit einem Partner, da die Gemeinschaft und der Schutz durch mehrere Männer eben mehr Sicherheit gewähren.

    Daher ist es Sinnvoll für Frauen, in intrasexueller Konkurrenz nur auf die sublime Abwertung zu setzen und nicht auf eine all zu offene Konfrontation.

    • Daher ist es Sinnvoll für Frauen, in intrasexueller Konkurrenz nur auf die sublime Abwertung zu setzen und nicht auf eine all zu offene Konfrontation.

      Es wird zum Teil so erklärt, dass Frauen körperlich unversehrt bleiben, wenn sie indirekt aggressiv sind. Sie können auch dem Gegner die Schuld am Streit geben und bei allen als Unschuldslamm gelten.

      Eigentlich gibt es dazu nur sehr wenige Studien. Die betreffen meist die intrasexuelle Konkurrenz, die auf die Abwertung der attraktiveren Frau abzielt.

      Besonders interessant wird es m.E. wenn die Frau de facto die Macht hat, z.B. im Beruf, und diese Machtinteressen von besser qualifizierten und/oder intelligenteren Männern virtuell in Frage gestellt werden. Die Frau muss Macht ausüben, will aber auch als attraktiv gelten, darf sich aber keine Blöße geben ….. wehe dem Mann der in diesen Strudel gerät. 😦

    • die extreme Form der weiblichen Macht/Ohnmacht ist die Familienterroristin (gibt es auch im Beruf!!!!):

      http://www.vev.ch/lit/pizzey.htm

      http://www.ejfi.org/DV/dv-10.htm (auch Pizzey)

      https://geschlechterdemokratie.files.wordpress.com/2010/12/papaya-nr-9-s-22-24.pdf (die familienterroristin / Monika Dittmer)

  4. […] „Warum Frauen untereinander konkurrieren“ […]


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