Sind Maskulismus und Feminismus unvereinbar?

Auf dem Blog „Gleichheit und Differenz“ findet sich ein interessanter Absatz zu der oben in der Überschrift genannten Frage:

Wie gesagt sehe ich als die größte Herausforderung des modernen Feminismus das Hinarbeiten auf einen Abbau stereotyper Vorstellungen von Geschlecht. Der Feminismus wäre damit eine Spezialisierung, die sich dieser Aufgabe v. a. was stereotype Vorstellungen von Weiblichkeit betrifft, widmet.

Da wäre der gegenwärtige Feminismus allerdings etwas über das Ziel dessen, was ich als richtiger Abbau von Essentialismus verstehen würde, hinausgeschossen. Aus meiner Sicht ist es ein legitimes Ziel, essentialistische Geschlechterrollenvorstellungen abzubauen, die besagen, dass Männer und Frauen nur auf eine bestimmte Weise sein dürfen. Andererseits sind Männer und Frauen eben auch gleichzeitig auf eine bestimmte Weise so oder so, allerdings eben nur im Schnitt. Wer anfängt, die Häufungen mit Unterdrückung gleichzusetzen, der verkennt diese Unterschiede aus meiner Sicht.

Entsprechend wäre der Maskulismus das logische Gegenstück des Feminismus, eine Bewegung, die sich dem Abbau stereotyper Vorstellungen von Männlichkeit widmet. Ziel eines solchen Maskulismus wäre dann ganz entsprechend, die vielen unterschiedlichen Varianten des „Mannseins“ zu betonen, ihnen Raum zu erkämpfen und eben gerade nicht einschränkende Vorstellungen von Männlichkeit zu wiederholen.

Das sollte aus meiner Sicht durchaus ein Anliegen des Maskulismus sein, aber eben mit den obigen Einschränkungen. Und in dieser Hinsicht – Befreiung von essentialistischen Geschlechterrollen – könnten Feminismus und Maskulismus in der Tat ein logisches Gegenstück sein – ein Feminismus, der sich für ein gleiches Recht auf Bildung und gegen „Frauen an den Herd, ins Bett, zu den Kindern und in die Kirche“ ausspricht hat meine vollste Unterstützung. Und hier kann ich das Anliegen konservative Geschlechterrollen nicht als absolut ansehen zu wollen, sehr gut nachvollziehen.

Insofern wären Feministen letzten Endes dann auch Maskulisten und umgekehrt. Feminismus und Maskulismus wären damit lediglich zwei Seiten derselben Medaille, die sich jeweils bedingen. Denn wie soll der Abbau stereotyper Vorstellungen von Männlichkeit gelingen, wenn nicht auch stereotype Vorstellungen von Weiblichkeit hinterfragt werden und vice versa?

Das wäre schon eine wichtige Erkenntnis, die man aber etwas anders fassen sollte: Es unterdrückt nicht einfach ein Geschlecht das andere, sondern ihre gegenseitigen Erfahrungen, Anforderungen und Wünsche formen als kulturelle Ausgestaltungen biologischer Grundlagen das Verhalten des anderen Geschlechts