Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 2. Oktober 2015

Wie treffen Menschen Entscheidungen (Gad Saad)


Responses

  1. Es ist schon angemessen, wenn er sagt, dass er „Appetit machen will“.

    Die ‚lexicographical‘ Entscheidungsfindung ist m.E. unproblematisch: „Ich will jetzt n Eis!!!“ Da wird nicht diskutiert, ob es andere Süßspeisen gibt, die auch OK wären.

    ‚compensatory‘ fand ich noch nie überzeugend. Sein Beispiel ist Autokauf:

    • Cabrio: 3 Punkte
    • Diesel: 5 Punkte
    • Gutes TüV Rating: 5 Punkte
    • Gutes Aussehen: 4 Punkte
    • Guter Preis: 6 Punkte

    Schon Punkt 3 ist hanebüchen: Wie will man werten, was ein „gutes“ TüV Rating ist? Hier schleicht sich bereits die Wertungswillkür heimlich zur Hintertür rein.
    Bei Punkt 4 und 5 hingegen stürmt sie laut grölend durch die Vordertür.

    ‚compensatory‘ klingt in der Beschreibung, als würde da etwas präzises stattfinden, ist aber gar nicht so.

    In echt ist also alles viel komplizierter. Sonst hätte er ja auch nicht viel zu tun in seinem Job.

    • Ich weiß gar nicht, was du willst: Was hat das jetzt mit „Wertungswillkür“ zu tun? Wenn du das Aussehen für dich mit 4 Punkten bewertest und den Preis (wohl das objektivste der Kriterien) mit 6, was soll daran schlecht sein?

      Die lexikografische ist übrigens nur ein Spezialfall der kompensatorischen (und entspricht ziemlich kindischem Verhalten).

      • Riddle me this: Du willst einen Gebrauchtwagen kaufen. Preis, TüV-Rating und bisherige Laufleistung sind dir wichtig, also planst du jeweils bis zu 6 Punkte in deiner Bewertung ein.
        Jetzt hast du drei Autos zur Auswahl.
        Auto A hat 90.000km auf der Uhr und kostet 10.500,-
        Auto B hat 120.000km auf der Uhr und kostet 9.200,-
        Auto C hat 180.000km auf der Uhr und kostet 7.500,-
        Der TüV sagt zu Auto A, dass die Bremsen recht reparaturanfällig sind.
        Zu Auto B, dass der Vergaser mitunter, wenn auch selten, den Geist zu früh aufgibt.
        Zu Auto C, dass sein Hauptproblem Rost ist.

        Wie viele Punkte vergibst du jetzt in den drei Kategorien?
        Warum?
        Warum ist das die einzig mögliche (i.e. „richtige“) Punktevergabe?
        Würde ein anderer die gleichen Punkte vergeben?
        Warum nicht?

        • Hallo Riddler

          Die drei Kriterien müssen eindimensional sein, was bei deinem TÜV-Kriterium nicht erfüllt ist. Wie man die einzelnen Kriterien gewichtet, muss jeder für sich herausfinden. Es gibt nicht die richtige Lösung. Zum Beispiel kannst du den Preis 15mal so stark gewichten wie die Laufleistung, wenn du knapp bei Kasse bist oder ein extremer Geizhals.

        • „Kriterien müssen eindimensional sein,“

          Damit hat sich das Erklärungsmodell von der Realität verabschiedet.
          Kein Mensch erforscht erst alle Arten von Mängeln, die der TüV aufführt, gibt ihnen dann eine Gewichtung und schaut erst dann, auf welches Angebot welche Beurteilung zutrifft.

          Und das meine ich mit Wertungswillkür: Was im Modell nach rationaler Entscheidung klingt, ist es nicht.
          Also gehe ich davon aus, dass das compensatory Modell, so wie Gadd es darstellt, nur ein Teaser für ein elaborierteres, Emotionen einbeziehendes Modell ist.

        • Das stimmt schon, objektiv ist das ganze nicht, kann es auch gar nicht sein. Was für mich das optimale Auto ist, ist für dich vielleicht ungeeignet, weil du andere Anforderungen hast, andere Vorlieben. Deshalb gibt es ja auch so viele unterschiedliche Autos. Wäre es anders, wären alle Autos praktisch identisch.

          Deshalb muss man auch immer bei diesen Tests aufpassen, wo sie ein paar Kriterien irgendwie verwursteln und danach gibt es einen Testsieger. Einigermaßen plausibel meistens, aber das ganze hängt immer davon ab,

          1. welche Kriterien von den dutzenden möglichen man auswählt (meistens die leicht testbaren) und

          2. welche Verwurstungsfaktoren man wählt.

          PS: „Emotionen einbeziehendes Modell“: Emotionen hast du schon im Modell drinnen, nämlich in den Verwurstungsfaktoren.

          Der Hauptnachteil des Modells ist für mich die Scheinobjektivität.


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