„Frauen sollten in die Vorstände aber ich als Frau will die Arbeit nicht, ich hab ja die Kinder“

Adrian bringt ein interessantes Beispiel, welches denke ich gar nicht mal so selten ist:

Bei mir gab es neulich auf der Arbeit eine Diskussion mit einer Kollegin, die gemeint hat, es wäre an der Zeit, dass der “Boysclub” bei uns im unteren Management (zu dem ich gehöre) eine Ende findet und dass man bei der nächsten Ausschreibung eine Frauenquote berücksichtigen sollte. Der Einwand, es bewerben sich kaum Frauen auf diese Position (obwohl etwa die Hälfte der regulären Angestellten Frauen sind) nahm sie zwar zur Kenntnis, insistierte aber weiterhin auf diesen Punkt. Schließlich wurde sie gefragt, warum sie sich nicht bewerbe. Das ginge nicht, meinte sie, sie habe schließlich ein Kind, und sie könnte das zeitlich nicht stemmen. Quelle surprise.

Ich denke viele Frauen sind der Auffassung, dass mehr Frauen in Vorständen sein wollen, aber sie selbst planen ihr Leben ganz anders. Dennoch meinen sie eben, dass andere Frauen das schon anders gemacht haben werden und die dann eben die Arbeit „für die Gruppe“ machen sollen.

Ich denke da unterschätzen sie den Effekt, den bereits kleine Unterschiede haben können und der dazu beiträgt, dass sehr wenige Frauen die Mühen wirklich auf sich nehmen wollen. Selbst in Parteien, die aufgrund ihrer Frauenquote verzweifelt Frauen suchen, die Jobs übernehmen wollen, in denen die Chancen für Frauen also sehr gut sind, gestaltet es sich sehr schwierig, die passenden Frauen zu finden.

Natürlich muss man sich dann auch fragen, ob es den selben Effekt auch bei Männern gibt. Viele Männer wollen vielleicht mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, aber dafür die Berufstätigkeit einschränken wollen sie dann vielleicht auch wieder nicht. Auch hier halten sich die Rollen beständig.

Zu Zerfleischungen im Feminismus: Lann Hornscheidt als Rassist

Der radikale intersektionale Feminismus ist aus meiner Sicht nicht der Lage, jemals eine dauerhaft konstruktive Arbeit im größeren Stil zu ermöglichen. Er verliert sich in seinen vielen hierarchisch aufgebauten Diskriminierungsebenen, in der es keine Rücksicht oder keine minderschwere Tat geben darf, sondern alle Taten zu Distanzierungen und Ausschlüssen führen müssen, die eine solche Szene entweder zerreißen oder eben relativ homogen machen müssen. Konflikt ist insbesondere dann vorprogrammiert, wenn nichtintersektionale Feministinnen die anderen Ebenen ignorieren und einfach Feminismus betreiben wollen oder wenn zwei ungeklärte Diskriminierungsebenen aufeinanderstoßten. Dies scheint gerade mal wieder passiert zu sein, und zwar in der Form der Ebenen „Transsexualität“ und „Rasse“.

Die Fachschaftsinitiative der Humbold-Uni aus dem Bereich Gender Studies berichtet:

Liebe Student*innen der Gender Studies, liebe Interessierte,

Anfang Juli 2015 sah sich die weiß und mehrheitlich cis*-positionierte Fachschaft Gender Studies (FSI) dazu gezwungen, eine weiß und trans*-positionierte Person (R.) auszuschließen.

Das ist ja ersteinmal schon ein Skandal: Anscheinend schafft es die Fachschaftsinitiative nicht hinreichend ihre eigenen Privilegien zu hinterfragen und ist weißpositionierte (nicht: mehrheitlich weiß). Eigentlich schon ein Armutszeugnis und selbst Hinweis auf Rassismus. Aus diesem wurde nunmehr eine weiß und transpositionierte Person ausgeschlossen. Eigentlich ist bereits bei dieser Formulierung und Hervorhebung klar, dass es um Rassismus gehen wird.

Im Rahmen seiner_ihrer Fachschaftsarbeit kam es zu massiven rassistischen Äußerungen und Handlungen durch R. Dass erstmalig so ein drastischer Schritt, ein Ausschluss, nötig ist, möchten wir an dieser Stelle begründen und unsere Entscheidung öffentlich darlegen. Denn Rassismus ist keine Privatangelegenheit!

Im Zuge eines Seminars der Gender Studies bei Lann Hornscheidt im Sommersemester 2015 wurde gegen den, von Lann Hornscheidt ausgeübten, Rassismus interveniert. Eine beteiligte, cis-positionierte, PoC (N.) hat nach der Intervention die FSI davon in Kenntnis gesetzt.

Lann Hornscheidt wird Rassismus vorgeworfen, und das ansscheinend in einem Maße, das ein „intervenieren“ der PoC (ist es eigentlich rassistisch eine PoC mit „N.“ abzukürzen?) erforderlich war und die „Fachschaftsinitative verständigt wurde.

Hier ist eigentlich für einen Kenner dieser Theorien bereits klar: Wenn ein PoC Rassismus vorwirft, dann liegt auch Rassismus vor. Widerspruch ist bereits selbst Rassismus, da sich gerade eine Weiß positionierte Fachschaftsinitiative natürlich nicht anmaßen darf, dass sie sich in dem Bereich besser auskennt als die PoC.

R.s Reaktion darauf war in mehrfacher Hinsicht anmaßend und diskriminierend. Als weißeTrans*-Person verlangte R. von der WoC spezifische Auskünfte über die race- und gender-Positionierungen innerhalb der Interventions-Gruppe. Denn schließlich sei derweiße Raum, in dem interveniert wurde, ein Schutzraum für Trans*-Personen. Somit müsse, als Legitimation, ein_e Trans*Inter*GnC (Gender non Conforming) PoC oder Schwarze_r in die Intervention involviert sein. Wenn ein_e solche_r nicht gefragt werden könne, müsse letztlich eine weißeTrans*Inter*GnC Person die Erlaubnis erteilen, in einem „weißen Trans*Schutzraum“ zu intervenieren, zum Beispiel R. selbst.

Ich übersetze das mal: R war der Meinung, dass N. es etwas übertreibt und Lann Hornscheidt hier nicht etwa rassistisch war, sondern die Interessen von Transpersonen vertreten hat. Da R bewußt war, dass ausschlaggebend für das Ergebnis war, wessen Opferperspektive berücksichtigt wird, fragte er, wie sich die Gruppe zusammensetzt: Wenn da nur Schwarze oder sonstige „Nichtweiße“ vertreten wären, dann wäre zu befürchten, dass eine „Verurteilung“ wegen Rassismus erfolgt. Wären hingegen auch Transsexuelle oder zumindest Personen, die sich weniger deutlich einem Geschlecht zuordnen vorhanden, dann wäre die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Position, die er wahrscheinlich bei Lann Hornscheidt sieht, eher berücksichtigt wird und zumindest dem Rassismusvorwurf entgegengehalten wird.

Vergleichbar wäre dies bei einem Vorwurf der katholischen Kirche zur Zeiten der Hexenprozesse, bei der ein Heiler beschuldigt wird, schwarze Magie auszuüben und jemand darauf bedacht ist, dass in der Inquisitionsgruppe nicht nur Geistliche, sondern eben auch Heiler vorhanden sind und dieser Nachfragt, wie sich die Personen, die in Betracht kommen einordnen: Sieht sich einer vielleicht als Heiler? Dann wäre es günstiger.

Es ist also im Prinzip ein klassisches „die Revolution frisst ihre Kinder“, bei dem eine der revolutionären Gruppen bei einem Prozess über einen der seinen möglichst viele eigene unter den Richtern wissen will.

Anscheinend wird auch angeführt, dass in diesem Moment, in dem Lann Hornscheidt seinen Rassismus gezeigt haben soll, nur Weiße anwesend waren und in dieser Zusammenhang eben der Schutz von Transsexuellen vorgehen würde. Also vielleicht so etwas wie „Unter Weißen darf man doch wohl mal sagen, dass Transsexuelle in vielen Ländern mit schwarzer Bevölkerung sehr stark diskriminiert werden, dass ist dann nicht rassistisch, sondern ein Hinweis auf die Diskriminierung von Transsexuellen“.

N. weigerte sich, Auskünfte über die Positionierungen der Beteiligten zu geben. Die WoC wies R.s uneinsichtiges Beharren auf Antworten und diese Argumentationsweise an sich, als Ausdruck rassistischen Derailings und weißen Dominanzgebärens entschieden zurück.

Klar, das Ansinnen, dass man ein Inqusitionsgericht zur Aufklärung von Hexerei nicht mit Geistlichen besetzen kann,sondern auch einen Heiler einbeziehen müsste, ist Anzweifeln der heiligen Ordnung und damit Abwertung der Geistlichkeit. Als ob nur Heiler entscheiden könnten, was Heilerei und was Hexerei ist und da einen Wissensvorsprung hätten!

Interessant wäre es gewesen, wenn R. ein schwarzer Transsexueller gewesen wäre. Dann hätte man diese Unterscheidung schwerer machen können und hätte auch die Transsexualität eher berücksichtigen dürfen. Aber die Verteilung ist ansonsten eben einfach: In der Kategorie „Rasse“ ist der Weiße der Unterdrücker und der Schwarze der Unterdrückte. Damit kann nur ein Schwarzer bzw. ein PoC entscheiden, ob Rassismus vorliegt, niemals aber ein Weißer. Der Wunsch, wenn er auch eigentlich auf eine andere Kategorie bezogen ist, kann nur „weißes Dominanzgebären“ sein.

Die FSI hält R.s Argumentation für falsch und rassistisch:
Eine PoC oder Schwarze Person braucht weder die Erlaubnis einer weißen Person, um gegen Rassismus zu intervenieren, noch ist sie ihr Rechenschaft oder Auskunft schuldig. Deswegen sind die tatsächlichen gender- und race- Positionierungen an dieser Stelle auch irrelevant.

Ein geistlicher braucht keine Erlaubnis eines Weltlichen um gegen Hexerei zu intervenieren. Er muss auch keine Rechenschaft oder Auskunft geben. Natürlich ist es irrelevant, was er sonst noch vertritt, denn die Opferfrage bestimmt die Richter. Wenn Rassimus vorliegt, dann geht es eben nur um Rassismus. Wenn dann eine andere Kategorie mit hineinspielt dann ist es Sache dieser Kategorie, einen Ausweg zu finden. In meinem Beispiel wäre dieser beispielsweise gewesen, darauf hinzuweisen, dass aufgrund des Kolonialismus leider die Binarität der Geschlechter in vielen afrikanischen Ländern noch eine starke Position hat und dieser daher für Transsexuelle problematisch sein kann, dass aber natürlich dafür nicht etwa PoCs verantwortlich sind, sondern eben der Kolonialismus. Oder man hält über dieses Problem einfach den Mund.

Das Nachfragen an sich, als auch der Glaube, ein Recht auf eine Antwort zu haben, sind in diesem Zusammenhang rassistisch. Als weiße Person die Beteiligung einer Schwarzen oder PoC Trans*Inter*GnC-Person an einer antirassistischen Intervention gegen eine weiße Lehrperson zu fordern, verstehen wir als Tokenizing (Instrumentalisierung).

Den letzten Satz finde ich interessant. Denn sie betonen hier ja gerade beständig die Wichtigkeit der Hautfarbe und das er ein Weißer ist. Wenn er nun will, dass auch eine Trans*Inter*GnC-Person beteiligt ist, um ihre besondere Unterdrückungserfahrung einzubringen, dann soll das wieder eine Instrumentalisierung sein.

Die Darstellung dieses, weiß dominierten, Seminarraums als Schutzraum für Trans*-Personen trifft unserer Ansicht nach nicht zu. Es handelt sich um ein Universitätsseminar und nicht um einen Schutzraum. Selbst wenn der Raum trans*freundlich wäre, so wäre er dies nur für weiße Trans*-Menschen, da er rassistisch strukturiert ist, wie alle Uni-Räume hier. Daher kann er kein „sicherer“ Raum für Schwarze oder PoC sein, gleich welcher Gender-Positionierung oder sexuellen Orientierung. Somit kann ein weißer Raum niemals als Schutzraum fungieren.

Der Hinweis ist innerhalb dieser Theorie in der Tat wenig überzeugend. Es kann keine Schutzräume für Rassismus geben, auch nicht, wenn dieser Rassismus eigentlich nach Sicht des Sprechers nur Interessenvertretung von Transpersonen ist. Ob Schwarze im Raum sind ist da natürlich vollkommen irrelevant.

Und: Rassismuskritik zerstört oder destabilisiert keine Räume, sondern Rassismus und white supremacy (weiße Vorherrschaft)! Wenn weiße Räume als „meine Räume“ bezeichnet werden, wie R. es mehrfach tat, ist das nichts anderes als der traurige Versuch, den rassistischen Status Quo aufrechtzuerhalten.

In der Tat. Das ist ein reichlich bescheuerter Einwand, wenn man mitten in der Theorie steckt. „Meine Räume“ finde ich auch eine sehr komische Bezeichnung.

Über diese rassistischen Äußerungen hinaus wurde N. fremdpositioniert und abgesprochen GnC zu sein. Ihr wurde vorgeworfen, das Konzept der Intersektionalität nicht zu verstehen. Dieser Vorwurf ist nicht nur gegenüber einer mehrfachdiskriminierten queeren WoC, sondern auch inhaltlich fehl am Platz. Neben der Zuschreibung Intersektionalität nicht zu verstehen, auch den Missbrauch der Definitionsmacht vorzuwerfen, ist zynisch. Strukturell besitzen weiße Menschen Definitionsmacht, insbesondere über Rassismus.

„Fremdpositioniert“ ist auch ein geiler Vorwurf. Den kann man eigentlich fast immer bringen. Wenn man „Transrace“ vertritt sogar in Bezug auf die Hautfarbe.

R. hat hier also gesagt, dass N nicht versteht, dass es hier nicht um Rasse, sondern um Transsexualität geht und demnach auch eine Person beteiligt werden muss, die diese Perspektive einbringt. Da hat R ja auch durchaus einen Ansatzpunkt, nur wäre das  bereits ein Zugeständnis, dass Transsexualität zu verteidigen einem erlauben soll rassistisch zu sein. Was eben nicht geht. Dazu hatte ich oben bereits etwas geschrieben. Zwar kann ein Zustand Transsexualität und Rassismus betreffen, er muss dann aber so behandelt werden, dass keiner Opfer ist. Auch wenn man dazu etwas unter den Tisch fallen lassen muss.

R. verübte massive Grenzüberschreitungen, unter anderem vor allem dadurch, dass N.s  ausdrückliche Bitte, keine Mails mehr zu erhalten, nicht respektiert und stattdessen verhöhnt wurde. Vielmehr folgten daraufhin, über mehrere Tage hinweg, über 20 weitere E-Mails. Dabei gab es sexistisch-rassistische Beleidigungen und Drohungen durch R.

Die FSI hat den Anspruch, Trans*feindlichkeit ernst zu nehmen und begrüßt die Auseinandersetzung mit und das Vorgehen gegen diese Diskriminierungsform.
Das Nicht-Eingehen auf rassistisch konnotierte Nachfragen zu einer antirassistischen Intervention ist jedoch keine Trans*feindlichkeit. Wir halten R.s Behauptung, N. hätte sich in diesem Konflikt trans*feindlich verhalten, für victim blaiming (Täter_innen-Opfer-Umkehr). Auf eine Rassismuskritik zu reagieren, indem die eigenen, weißen Befindlichkeiten und Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden, verstehen wir als Derailing (Ablenkung vom eigentlichen Thema/ vom eigenen diskriminierenden Handeln).

Das problematische ist hier denke ich mal wieder, dass die eigenen Privilegien ungern hinterfragt werden und nicht gesehen wird, dass sich die eigene Ideologie jederzeit gegen einen wenden kann. Gerade Personen, die wie Transsexuelle, sonst sehr weit oben in der Opferhierarchie dieser Ideologie stehen, verkennen, dass sie dennoch in den meisten anderen Katgorien Täter sind und sich entsprechend verhalten müssen. Diese Perspektive ist, gerade wenn man eigene Interessen beeinträchtigt wird („Aber gerade schwarze Länger SIND besonders Transfeindlich“) natürlich schwer einzusehen.

Die dargelegten rassistischen Handlungen können wir nicht tolerieren. Sie sind unvereinbar mit unserem Selbstverständnis als Fachschaft. Eine weitere Zusammenarbeit mit R. ist so nicht möglich.
Fachschaftsinitiative Gender Studies

Klar, denn ein dulden wäre ja auch eine Duldung von Rassismus und damit ein Ende des Selbstverständnisses als „Die Guten“.

Ich bin wirklich gespannt, was Lann Hornscheidt gesagt haben soll und ob man dazu, nachdem die „Interventionsgruppe“ tätig war, etwas mehr erfährt. Auch interessant wird, wie Lann Hornscheidt darauf reagiert.

Es ist ja schon interessant, dass eine Person, die Bücher mit dem Titel “ Rassismus auf gut Deutsch. Ein kritisches Nachschlagewerk zu rassistischen Sprachhandlungen“ mit herausgegeben hat und als „Expertin für Rassismus“ gehandelt wird, des Rassismus beschuldigt wird.

„Gaslighting“ und die Weigerung Fakten überhaupt zu prüfen

Ein beliebtes Gegenargument im Feminismus ist der Vorwurf, man würde sogenanntes „Gaslighting“ betreiben.

Der Begriff ist an ein Theaterstück angelehnt, in dem ein Mann heimlich Schätze im Keller des Hauses sucht und dabei Gaslichter im Keller anzündet. Dadurch kommt es zu einem leichten Dimmen der sonstigen Lichter im Haus, welches der Frau, vor der Mann dies geheim hält, abtut und sie so darstellt, als würde sie sich das alles nur einbilden, sie sei verrückt.

Es beschreibt danach den Versuch jemanden einzureden, dass er sich etwas nur einbildet um diesen dazu zu bringen, seine eigene Wahrnehmung in Zweifel zu ziehen.

Aus der englischen Wikipedia:

Gaslighting or gas-lighting is a form of mental abuse in which information is twisted or spun, selectively omitted to favor the abuser, or false information is presented with the intent of making victims doubt their own memory, perception, and sanity.[1][2] Instances may range simply from thedenial by an abuser

Ein anderes Beispiel findet sich hier:

Gas lighting ist eine Art psychologische Kriegsführung, die beabsichtigt ist, und sich mit der Zeit steigert. Menschen, die Gas lighting betreiben, beginnen mit subtiler psychologischer Kriegsführung, um das Selbstbewusstsein des Opfers zu vermindern, um dessen Sinn für die Realität durcheinander zu bringen, und um es an sich selbst zweifeln zu lassen. Sie wollen das Opfer erst klein machen, bevor sie die direkteren Attacken starten. So ist das Opfer geschwächt, weniger in der Lage zu erkennen, was vor sich geht, und kann sich deshalb nicht schützen.

Es kann zum Beispiel sein, dass du etwas erwähnst, was der Psychopath gesagt hat, und dieser streitet ab, es jemals gesagt zu haben. Oder du kannst dein Portemonnaie nicht finden, und der Psychopath hilft dir beim Suchen. Schlussendlich stellt sich heraus, dass es im Kühlschrank gelegen hat. Der Psychopath lacht und umarmt dich liebevoll. Dabei sagt er dir, dass du ziemlich gestresst sein musst. Dann, eine oder zwei Wochen später, suchst du deinen Autoschlüssel, und bist dir sicher, dass du ihn auf den Computertisch gelegt hast, weil du ihn immer dorthin legst. Nach schier unendlich langer Suche findest du ihn: Er steckte die ganze Zeit über im Zündschloss deines Autos. Der Psychopath ruft aus: „Meine Güte, jemand hätte den Wagen direkt von der Auffahrt stehlen können! Und alles nur wegen deiner Unvorsichtigkeit und Vergesslichkeit!“ Du kratzt dich am Kopf und denkstHhhmm, vielleicht werde ich vergesslich. Denn es muss ja an dir liegen, oder? Wer würde jemals jemanden, der einem seine Liebe bekräftigt, verdächtigen, einem diese Dinge mit Absicht anzutun? Psychopathen sind Meister des Gas lighting.

Die Figur an sich ist natürlich durchaus real und ein guter Hinweis darauf, dass unser Gehirn eben nicht schlicht rational arbeitet, sondern schlicht eine „Fehlerkontrolle“ über die allgemeine soziale Wahrnehmung vornimmt, die ihrerseits Möglichkeiten der Manipulation eröffnet. Und gerade Psychopathen können dies ausnutzen, aber auch andere Personen nutzen entsprechendes, von Partnern, die eine Affaire haben („Was du wieder denkst, es ist ganz normal mit einem Kollegen/einer Kollegin etwas essen zu gehen / Ich arbeite lang, um uns das alles zu ermöglichen und du verdächtigst mich, dich zu betrügen“)

„Gaslighting“ (kennt jemand ein deutsches Wort?) ist aber auch ungekehrt möglich, quasi „reverse Gaslighting“ und dürfte in dann eines der Lieblingsargumente aller Verschwörungstheoretiker sein:

„Die WOLLEN, dass wir denken, wir hätten uns geirrt, das ist ja gerade der BEWEIS dafür, dass sie hinter allem stecken. Ihr SEHT nur nicht, wie sie uns täuschen. Aber ich durchschaue es“

Ich würde sogar vermuten, dass eine gehäufte Verwendung des Gaslighting-Arguments heutzutage, insbesondere bezogen auf ein Thema an sich und nicht auf eine bestimmte Person, ein Zeichen dafür ist, dass es sich um eine Verschwörungstheorie handelt und man bei den Fakten besonders vorsichtig sein sollte.

Insofern steht es allerdings in einer gewissen Verbindung zu einer „Moralischen Panik„, bei der bestimmte Anzeichen übertrieben werden und bezüglich der Faktoren, die eigentlich  ein realistischeres Bild abgegeben würden eine Form von „Gaslighting“ betrieben wird. Deswegen bietet es sich an, weil es bei moralischen Paniken ja gerade darum geht, bestimmte Anzeichen zu übertreiben und selektiv in das Blickfeld zu rücken und die Folgen zu übertragen, hier bei allen Versuchen die moralische Panik als solche darzustellen, den Vorwurf des Gaslighting zu erheben:

Er will eben die eindeutigen Zeichen und ihre Zusammenhänge, die man ermittelt hat, kleinreden und durch Ablenkungen („Derailing“) und blöde „Fakten“ (die entweder von der Regierung, dem Patriarchat oder dem Staatsfeminismus gefälscht worden sind) die eindeutigen Anzeichen dafür, dass die moralische Panik gerechtfertigt ist, unter den Tisch kehren.

Es verwundert demnach nicht, dass dieser Vorwurf gerade bei stark emotional besetzen Themen, die von ideologisierten Gruppen diskutiert werden, eine große Rolle spielt.

„Gaslighting“ ist das perfekte Gegenargument für alle, die nur eine schwache Faktenbasis haben oder sich zumindest mit diesen nicht wirklich auseinandersetzen wollen, selbst wenn sie bestehen würde, sondern Emotionalität und Gefühle in den Vordergrund setzen wollen bzw. ein Tabu um ihre Position herum errichtet haben, dass eine Diskussion verbietet.

„Umgedrehtes Gaslighting“ ist daher auch in der Geschlechterdebatte sehr beliebt und natürlich gerade in einer mit schwacher Faktenlage ausgestatteten Ideologie wie dem poststrukturalistischen Feminismus stark verbreitet.

Das Gegenmittel muss sein, sich die Fakten tatsächlich anzuschauen und eigene Argumente und Studien dagegen zu stellen. Wer seine Position in einem abstrakten Thema nicht mit Argumenten und Studien belegen kann und sich auf „Umgekehrtes Gaslighting“ zurückziehen muss, der hat eben schlicht eine schwache Position und sollte diese überdenken bzw. sich die Grundlagen und Belege bewußt machen, auf die diese Meinung und die Gegenmeinung sich stützen können und diese bewerten.

(Was allerdings meist durch die dann offensichtlich werdenden „versunkenen Kosten“ verhindert wird)

Der Begriff „Manspreading“ ist sexistisch gegenüber Frauen, weil im Feminismus alles sexistisch sein kann

Es gibt nicht, was im Feminismus nicht sexistisch sein kann. Diesen Grundsatz bekräftigt ein Artikel (via) zum Thema Manspreading anlässlich der Aufnahme des Begriffs ins Oxford Dictonary (das Oxford Dictonary nimmt meines Wissens nach Worte auf, wenn sie wiederholt in Publikationen verwendet worden sind, ohne das der Begriff bei der Verwendung erklärt worden ist, was als Zeichen dafür gesehen wird, dass der Autor davon ausgeht, dass die Bedeutung bekannt ist).

Aus dem Artikel:

Yesterday, the term “manspreading” was added to the online Oxford Dictionary. It made the news and I felt surprisingly pissed off about it. On the way to work, I counted three women participating in fine examples of “manspreading”. Ever since I was a teenager, it has always irritated me that sitting with your legs open was seen to be the preserve of men. It seemed to be based on the outmoded assumption that women always wear skirts and that even in trousers they should be making themselves small and polite in public spaces. In an admittedly minor rebellion, I started to sit like that too.

(…)

There are obviously bigger feminist battles to be fought and I write this very aware of the brilliantly feminist roots of “manspreading” and the need to highlight an action men feel entitled to and women often feel they can’t do. Squishing women on the tube isn’t cool. Other man-prefixed words work the same way.

(…)

In the end, though, it seems to me that the man prefix compounds the idea that men are aggressive and women are always pleasing, always good, never in the way, and that they can’t act up sometimes themselves. Their knees always remain where they are meant to be, while assertive behaviour is still only associated with men.

If as a woman you indulge in “manspreading”, “mansplaining” or any other type of “man” action, you’re not just doing something irritating, you’re doing something unfeminine too. These terms have a really important function to point out acts which silence women, but they risk reinforcing the supposed differences between men and women. There’s a danger that, though helpful now, in the long run they could start to shame women as well as the men they are aimed at.

If my leg spreading annoys you, then tell me off for what it is, whether I’m male or female. Language has power and, despite the feminist intentions of the word, my 15-year-old self is unsure about having “manspreading” preserved in the annals of the Oxford Dictionary, even if it was just the online version.

Also man schafft ein Wort mit dem man bestimmtes Verhalten von Männern abwerten will und regt sich dann auf, dass damit Frauen dann doch wieder den kürzeren ziehen, weil man ihnen dann solch Verhalten nicht zutraut und das sei auch wieder schlecht. Und das alles kritisiert man, während man die geniale Art lobt, wie Feministinnen dieses Wort geschaffen haben.

Der Feminismus schafft es doch immer wieder einen zu überraschen.

Sprache gendern

Das Gendern der Sprache ist im Feminismus ein großes Thema, geht aber den meisten Menschen denke ich eher auf die Nerven.

Anderseits nervt mich auch die Fraktion, die in jeder Nennung von Frau und Mann gleich ein Verbrechen sieht, eine Verbrüderung mit dem Feind.

Vielleicht mal zur Abgrenzung:

1. Sehr formelle Sprache von Politikern

Sprache ist etwas lebendiges und bestimmte Formen werden damit durchaus üblich. Wenn ein Politiker „Bürgerinnen und Bürger“ sagt, dann entspricht das aus meiner Sicht durchaus einer inzwischen üblichen formellen Sprache und ich kann es verstehen. Es würde eben heute eher auffallen, wenn in solchen Reden nur von Bürgern gesprochen werden würde. Ich kann also gut verstehen, dass Politiker da keine Angriffspunkte bieten wollen

2. Verwendung in der Alltagssprache

Ich habe noch niemanden erlebt, der das tatsächlich geschafft hat,weder über „Studierende“ noch über Bürgerinnen und Bürger oder andere Formen entsprechender gegenderter Sprache. Es wird sicherlich einige geben,aber anscheinend habe ich nicht mit ihnen zu tun. Ich würde es daher fast lustig, aber auch nervig finden.

Allerdings finde ich es mitunter in bestimmten Situationen durchaus angemessen zu betonen, dass es Männer und Frauen sind, etwa wenn man diesen Umstand besonders hervorheben will, weil es um Verhalten geht, dass eher bei einem Geschlecht anzutreffen ist. Wenn es also um gegebenenfalls auch nicht unbedingt notwendige Klarheit geht, um ein besonderes hervorheben, dann verwende ich auch mitunter doppelte Formen.

3. Gendern in der Schriftsprache, insbesondere Binnen-I, diverse Unterstriche oder Sternchen etc

Diese Formen sind in der Regel überaus einschränkend für die Lesbarkeit. Das scheint bis zu einem gewissen Grad gewollt zu sein, es soll ja Verwirrung stiften etc.

Wenn ich einen Text lese, dann aber weil mich der Inhalt interessiert. Hier stört es mich enorm.

Ein gutes Beispiel ist in dem Zusammenhang beispielsweise die Niedersächsische Kommunalverfassung:

§ 86 Repräsentative Vertretung, Rechts- und Verwaltungsgeschäfte

(1) 1Die repräsentative Vertretung der Kommune obliegt der Hauptverwaltungsbeamtin oder dem Hauptverwaltungsbeamten, bei ihrer oder seiner Abwesenheit den ehrenamtlichen Stellvertreterinnen oder Stellvertretern (§ 81 Abs. 2). 2Sie oder er vertritt die Kommune nach außen in allen Rechts- und Verwaltungsgeschäften sowie in gerichtlichen Verfahren. 3Die Vertretung der Kommune in Organen und sonstigen Gremien von juristischen Personen und Personenvereinigungen gilt nicht als Vertretung der Kommune im Sinne des Satzes 2.

Meiner Meinung nach überaus fürchterlich zu lesen. Man braucht mindestens doppelt so lange, um es zu verstehen.

Eine weibliche Perspektive auf den One Night Stand

Auf dem Blog „Männer und Gefühle“ stellt die Bloggerin ihre Sicht auf „One Night Stands“ dar, die denke ich durchaus so von vielen Frauen geteilt wird:

Für mich passieren One-Night-Stands eher ungewollt. Wenn ich jemanden mit nach Hause nehme, tue ich das, weil ich diese Person mag und mir mehr vorstellen könnte. Gelegentlich kennt man sich in dieser Situation noch nicht wirklich gut, aber der erste Eindruck passt und man könnte darauf aufbauen. Ich lasse Männer nur dann so nah an mich heran, wenn ich mir relativ sicher bin, dass sie mich zu schätzen wissen.

Frauen müssen eher als Männer eine gewisse Verbundenheit haben, ein gewisses Vertrauen, dass man im Pickup unter „Komfort“ oder „Rapport“ einordnet.

Nun sieht es die Gegenseite ein wenig anders. Meiner Wahrnehmung nach, ist Männern für ein ONS heutzutage nur noch wichtig, ob die Frau einigermaßen attraktiv und “willig” ist. Dann geht man mal mit, macht sich danach aus dem Staub und stellt sich tot (Thema Ghosting). Es macht den Eindruck, als würden menschliche Werte nicht zählen. Einzig und allein die Befriedigung ist ausschlaggebend. Es zählt nicht der Charakter, der Humor, die Lebensansichten. Der Gegenüber wird somit um alles reduziert, was ihn liebenswert macht.

Wenn man tatsächlich nur auf einen One Night Stand aus ist, dann spielt in der Tat hauptsächlich das optische eine Rolle. Und noch nicht einmal das muss eine sehr große Rolle spielen, wie man zB an Lewinsky und Clinton sieht. Häufig genug ist „Gelegenheit“ weitaus entscheidender. Natürlich spricht auch nichts dagegen, wenn sie Charakter, Humor, passende Lebensansichten hat, ganz im Gegenteil. Aber wenn man weiß, dass sich daraus nicht mehr entwickelt, dann ist das in der Tat auch nicht so wichtig.

Schönheit vergeht, das wissen wir alle. Nun geht es also nur um die Hülle des Menschen, die man sich nun leider nicht selbst aussuchen kann.

Man kann sie sich nicht aussuchen, aber man kann natürlich einiges an ihr verändern und sie mit Sport und passender Ernährung gestalten (oder verunstalten)

Wie man einen Menschen danach direkt vergessen kann, aus dem Leben streichen, ist mir ein Rätsel. Man hat, wenn auch nur körperlich, eine Verbindung aufgebaut. Man war sich so nah, wie man es einem Menschen nur sein kann.

Das geht vielen Männern ja nicht anders. Die meisten Männer sind froh, wenn sie eine passende Frau gefunden haben, die ihnen gefällt und mit der sie auch charakterlich zurechtkommen und mit der sie dauerhaft Sex haben können. Allerdings kommt hier eben der obige Unterschied zu tragen: Die Kriterien für eine Beziehung sind gänzlich andere als für Sex. Weswegen Frauen eben wesentlich schneller als Männer in der „Sexzone“ landen (Männer hingegen häufiger in der Friendzone, auch wenn sich in beiden auch das andere Geschlecht findet, zB Frauen in der Friendzone)

Auch wenn man sich danach keine Beziehung vorstellen kann, besteht trotzdem eine besondere Verbindung zwischen diesen beiden Menschen. Heutzutage fühlt man sich wie weggeworfen, aussortiert, liegen gelassen. Man kann den tollsten Charakter dieser Welt haben. Das zählt alles nicht, man wurde benutzt und ist nur in den seltensten Fällen “wiederverwendbar”. Das klingt hart, aber so erlebe ich es immer wieder. Dass sich aus einem ONS mehr ergibt, ist mir noch nicht untergekommen.

Dann spricht vieles dafür, dass sie entschieden zu hoch rangeht und Männer aussucht, denen sie nichts bedeutet, weil sie meinen auf einer wesentlich höheren Stufe zu stehen bzw. die gut genug mit Frauen sind („Game haben“) als das sie sich um „Nachschub“ keine Sorgen machen müssen.

Oft hört man Sätze wie: “Man kann ja erstmal schauen wie es ist, und dann verliebt man sich vielleicht.”

Nein! Jeder Frau, die so etwas gesagt bekommt, kann ich versichern: Das wird nicht passieren! Das ist Taktik.

Die Chance würde ich bei einer solchen Äußerung auch eher für gering halten.

Heutzutage kann man froh sein, wenn man vom ONS nach einigen Wochen noch gegrüßt wird, sobald man sich zufällig auf der Straße trifft. Das was am Ende bleibt, ist ein Name auf einer “Vögelliste”. Man ist einfach nur ein Name, kein Mensch, keine Persönlichkeit.

Das spricht dafür, dass sie ENTSCHIEDEN zu hoch rangeht. Oder die Männer aus anderen Gründen lieber keinen Kontakt wollen, etwa weil sie fremd gegangen sind.

Wie schafft ihr Männer das? Wie könnt ihr alles ausblenden, nur damit ihr euren Spaß habt? Was bleibt da in euren Köpfen, wenn ihr den Walk of Shame (mit den selben Klamotten heim gehen, mit denen man am Abend in den Club gegangen ist) hinter euch bringt? Hinterlassen ONS irgendwas in euren Köpfen oder sind es nur Nummern?

Klar hinterlassen sie Spuren. Aber eben nur, wenn die Betreffende für uns interessant ist und wir uns mehr erhofft haben oder zumindest interessiert sind. Üblicherweise werden die meisten Männer sich vermute ich auch durchaus höflich verhalten, wenn sie Sex hatten. Zumindest habe ich es so (meistens) gehalten. Bei einigen war es sicherlich eher Geilheit und Alkohol und insofern für mich danach relativ uninteressant. Andere Frauen haben ganz erhebliche Spuren in meinen Kopf hinterlassen. Andere waren schon vorher gute Freundinnen und sind es auch geblieben. Andere wurden mehr.

Selbermach Samstag 153 (12.09.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?