Konservative Geschlechterrollen: Das Kind gehört zur Mutter

Aus den letzten drei Artikeln folgt, dass wenn dem Mann das Verdienen zugewiesen ist, der Frau in gleicher Weise die heimische Sphäre zugeordnet sind und dabei insbesondere die Aufzucht und die Betreuung der Kinder. In dieser essentialistischen Betrachtung der Geschlechter bedeutet das, dass Kinder der Frau zugewiesen sein müssen.

Wenn der Mann der Verdiener ist, dann kann er in dieser Betrachtung eben nicht der Kinderbetreuer sein, diese Rolle bleibt der Frau zugewiesen.

Natürlich ist es auch in dieser Hinsicht eine Ausgestaltung der biologischen Unterschiede, die eben nur absolut gesetzt werden. Und wie man an den gesetzgeberischen Vorgaben zum automatischen Sorgerecht für Mütter bei nichtverheiraten Eltern sieht, wohingegen Väter dies nur mit Zustimmung der Mütter erhalten, oder auch bei dem Umstand, dass Kontinuität bei der Frage des Sorgerecht und dem Aufenthaltsbestimmungsrecht immer noch die entscheidende Rolle spielt und dies Frauen begünstigt, wirkt sich dies immer noch aus.

Konservative Geschlechterrollen: Versorgung der Familie durch den Mann

Aus den beiden vorherigen Bestandteilen konservativer Geschlechterrollen folgt dann auch, dass der Mann für die Versorgung der Familie zuständig ist:

Die Frau ist diejenige, die das Nest bereitet, die die Kinder versorgt und die zu unschuldig ist, um neben diesen Pflichten noch die Versorgung stemmen zu können: Dies ist Aufgabe des Mannes, der die Versorgung der Frau und der Kinder  sicherzustellen hat.

Der Mann als Versorger ist eine alte, sehr alte Rolle, denn genau diese gesteigerte Versorgereigenschaft war es ja, die Vaterschaft evolutionär überhaupt interessant machte. Das Mann und Frau zusammen das Kind versorgten und beide ihren Teil beitrugen erlaubte eine höhere Unselbständigkeit des Kindes und damit auch die Möglichkeit es in einem sehr unfertigen Zustand zu gebähren, was wiederum erlaubte, dass die Menschheit insgesamt ein größeres Gehirn entwickelte, welches sich noch nach der Geburt erheblich entwickeln konnte und nicht bereits wichtige Aufgaben übernehmen musste. Dabei war die  Bereitschaft und Fähigkeit des Mannes, diese Unterstützung zu leisten, ein wichtiges Partnerwahlkriterium für die Frau, die eine Langzeitstrategie wählte. Gleichzeitig machte dies für den Mann das Signalisieren entsprechender Eigenschaften immer interessanter.

Dies ist in der konservativen Rolle so ausgestaltet, dass der Mann nach Möglichkeit die Frau sogar komplett freistellt, quasi ein costly Signal für seinen Wert und ein Zeichen der entsprechenden Stärke, die gleichzeitig eine umfassende Kinderbetreuung erfordert und eine Idealisierung dieser Aufgabe bei der Frau.

Dies als verpflichtende Aufgabe des Mannes auszubauen bedeutet, dass er immer diese Aufgabe hat: Sei es über Abgaben an den Staat, der zur Not den Ersatzvater/Ersatzmann stellen konnte oder aber auch über Unterhaltsforderungen selbst nach dem Abbruch der Beziehung.

Konservative Geschlechterrollen: Die unschuldige, sorgende Frau

Das Gegenstück zum starken Mann wäre dann die der Frau zugewiesene Geschlechterrolle, die eine gewisse Unschuld mit sich bringt: Zumindest sollte eine Frau so sein, es ist auch in diesem Fall ein gewisses Idealbild:

Nick hatte es schon einmal als das Ideal der bürgerlichen Dame bezeichnet: Es ist eine gewisse Anständigkeit, eine Unschuldigkeit, die sie allerdings im Gegenzug auch vom Geschäftsleben ausnahm, weil die Unschuldigkeit auch mit einer gewissen Schwäche einhergeht: Wer moralisch gut ist, höheren Idealen verpflichtet, „rein“, der ist nur eingeschränkt für die harte Geschäftswelt geeignet.

Die zugewiesenen Stärken sind in dem Zusammenhang eher das Bereiten eines Heimes, die Betreuung der Kinder, die Unterstützung des Mannes und die Schaffung des „Nestes“ im Sinne eines Heimes.

Natürlich hat sich auch dies heute geändert: Auch konservative Richtungen wie beispielsweise die CSU akzeptieren inzwischen Geschäftsfrauen und eine anderweitige Beteiligung von Frauen in den meisten Lebensbereichen. Aber dennoch sind diese Rollenbilder noch aktiv und wirken sich entsprechend aus.

 

Konservative Geschlechterrollen: Der starke Mann

Die konservativen Geschlechterrollen geben vor, dass Männer stark sein sollen. Darunter kann man sicherlich vieles verschiedenes verstehen, aber im Grundsatz erforderte „ein Mann sein“ immer Punkte wie

  • stark sein
  • seine Gefühle beherrschen
  • etwas leisten
  • etwas sein
  • sich hervortun
  • sich Herausforderungen stellen
  • nicht klagen

Und viele weitere Vorgaben dieser Art. Sie bilden aus meiner Sicht den Grundsatz vieler Probleme für Männer und insoweit wäre dem Genderfeminismus sicherlich zuzustimmen, dass eine Lockerung der konservativen Geschlechterrollen durchaus einige Vorteile mit sich bringen würde.

Allerdings ist natürlich gleichzeitig auch zu beachten, dass viele dieser Eigenschaften Ausprägungen intrasexueller Konkurrenz und Signalling in Hinblick auf einen hohen Partnerwert sind. Es sind idealisierte Anforderungen an bestimmte Aspekte eines Alphamanns. Natürlich gehören auch viele positivere Eigenschaften dazu, die gerne unter den Tisch gekehrt werden, von Fürsorge und Schutz, von Kooperation und Partnerschaft. Es wäre auch zu hinterfragen, inwieweit man es tatsächlich als konservativ betrachten kann, es gibt wohl kaum eine Gesellschaft, die sich wirklich von diesem Ideal, sei es in aufgelockerter Form, von ihnen verabschiedet hat. Natürlich gab es auch andere Formen, etwa Sturm und Drang oder der „Softie“, aber letztendlich haben sich diese nicht wirklich durchgesetzt.

„Wie der Poststrukturalismus die Biologie losgeworden ist“

DJAdmoros macht sich in den Kommentaren bei Schoppe Gedanken dazu, wie der Poststrukturalismus die Biologie losgeworden ist:

Weil ich mich gerade an der Fragestellung abarbeite, wie der Poststrukturalismus eigentlich die Biologie losgeworden ist:

(1) Der ursprüngliche Strukturalismus, insbesondere in Person von Claude Lévi-Strauss, hatte das Bedürfnis, die Sozialwissenschaften als »strenge Wissenschaften« zu etablieren, also als Gesetzeswissenschaften analog zu den Naturwissenschaften (frz. Objektivismus der Durkheim-Schule).

(2) Aufgrund von Ferdinand de Saussures Untersuchungen der menschlichen Sprache (dem »Urtext« des Strukturalismus) schien es, als könne man in der menschlichen Sprache Gesetzmäßigkeiten finden, die nicht aus naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten abgeleitet sind (ein Gedanke, der auch von Noam Chomsky aufgegriffen wurde). Lévi-Strauss überträgt diese Idee auf die Anthropologie (konkret: auf das Studium der Verwandtschaftsverhältnisse) und zeigt, dass Verwandtschaftssysteme eine Logik aufweisen, die sich nicht auf Zufall oder individuelle Strategien (oder, mit Seitenblick auf Christian, auf biologische Gesetzmäßigkeiten sexueller Atraktivität) reduzieren lassen.

(3) Fortan (insbesondere: 50er und 60er Jahre des 20. Jhdts.) gilt Lévi-Strauss’ Werk als Inbegriff einer »kulturwissenschaftlichen strengen Wissenschaft«.

(4) Hierauf aufbauend bildet die Psychoanalyse von Jacques Lacan eine wichtige Brücke zum Poststrukturalismus: Lacan stellt (gleichwohl beanspruchend, den »ursprünglichen« Freud gegen die anglogermanische Hauptströmung der Psychoanalyse wiederherzustellen) die Psychoanalyse von triebtheoretischen auf anerkennungstheoretische Grundbegriffe um und klammert damit genau jenen Teil Freuds aus (Freud selbst, als Neurologe und Mediziner, hat die Psychoanalyse tatsächlich als eine Art verhinderte Naturwissenschaft gesehen), der eine neurophysiologische Rehabilitierung der Psychoanalyse ermöglichen würde (wie sie von Eric Kandel verfochten wird) – und an modernen Konzepten der Hirnforschung zeigen könnte, dass naturwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Zugänge zum Menschen sich nicht ausschließen müssen, sondern ergänzen können.

(5) Mit der Weichenstellung Lacans, die Psychoanalyse mit strukturalistischen Mitteln zu einer »strengen Wissenschaft« zu erklären, die keiner Biologie mehr bedarf, wird eine wissenschaftsgeschichtliche Amnesie in Kraft gesetzt: während in der deutschen »hermeneutischen« Debatte die biologischen Grundlagen der Psychoanalyse (insbesondere Habermas) immerhin noch als »Positivismus«bekämpft werden, werden sie in der französischen Tradition schlicht vergessen.

(6) Wenn nun jemand wie Judith Butler wesentlich in der poststrukturalistischen Tradition akademisch sozialisiert worden ist, dann entsteht die Paradoxie, dass, um sich auf den biologischen Geschlechtsunterschied und seine kulturellen Folgen einen Reim zu machen, die Biologie überhaupt nicht mehr im legitimen Horizont der Fragestellung zur Verfügung steht. Wenn alle Realität durch symbolische Strukturen mit eigener Gesetzmäßigkeit zustandekommt und ein Element dieser Gesetzmäßigkeit die Konstruktion von binären Oppositionen ist, dann verfällt man eben auf den Gedanken, dass dies auch oder gerade für das biologische Geschlecht gilt.

(7) Dass damit eine Aporie des Poststrukturalismus erreicht ist und seine Prämissen ad absurdum geführt werden, lässt sich von innerhalb dieser Denktradition aber nicht mehr erfassen. Man kann nur, wie zum Beispiel Camille Paglia, seiner Intuition folgen und den Poststrukturalismus als »french rot« zurückweisen.

(8) Das eigentliche Problem besteht – meiner Meinung nach – nun aber darin, nicht erneut der binären Logik einer wechselseitigen Ausschließung von Biologie und Soziologie zu erliegen und mit fliegenden Fahnen ins Lager der Evolutionspsychologie überzulaufen, die die heutige Form eines naiven »Positivismus« und Psychologismus verkörpert. Das allerdings ist ein anderes Thema.

Meiner Meinung nach ist es schicht ein Verharren im „Blank Slate“ zur Sicherung der „versunkenen Kosten“, die es stark erschweren, wirklich zu wechseln, weil man plötzlich anfangen müsste, ganz erhebliche Änderungen vorzunehmen. Macht man die Tür einmal auf, dann muss man das Thema an Fachleute an einem anderen Gebiet abgeben und mehr oder weniger daneben sitzen. Man ist nicht mehr Herr im bisher eigenen Haus. Insofern geht auch DJ Admoros Satz ins Leere, denn diese Binärität wird in der Evolutionspsychologie gar nicht vertreten, sie geht von einem integrierten Modell aus,

Selbermach Samstag 154 (19.09.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Kritik an „White Privilege“

Eine kurze Kritik an den Konzept der „Weißen Privilegien„:

But the concept of white privilege has also received a lot of backlash. Here’s a quick list of seven reasons why the term has failed to resonate with many people:

1) They’re white, and don’t feel that privileged.

Many white persons have had to work hard, make sacrifices, experience repeated rejection, come from a broken family, have gone through a divorce, struggle with addiction, or are below the poverty line and trying desperately to make ends meet. #privilege?

2) It’s totalizing.

The white privilege narrative assumes that many people in our society are systematically mistreated because of blanket assumptions made based on the color of their skin. Then it claims that ALL white people are privileged simply because they’re white.

3) It seems bourgeois.

Thinking about white privilege appears itself to be a privilege of single, young adults who have the time and resources to think about it.

4) It sometimes resorts to banal examples.

A survey put out by Pacific Educational Group—a prominent promoter of the idea of white privilege —asks respondents if they “can choose blemish cover or bandages in ‘flesh’ color and have them more or less match the color of my skin.”

5) It feels like it distracts from other pressing issues.

In Intellectual Takeout’s backyard of St. Paul, MN, the public school district has spentmillions training staff to check their white privilege. Meanwhile, less than 40% of St. Paul’s students are at grade level in reading and math.

6) It seems to require a quasi-religious faith.

In a well-read article from last December, Joseph Bottum compared white privilege to the Christian idea of original sin—you can’t necessarily see it, you don’t necessarily recognize it in yourself, but you’re still supposed to believe it’s there.

7) It focuses solely on race.

Most who have gone through the modern education system have received years of instruction on the dignity of all human persons and the virtue of being colorblind. Thus, they’re confused when they hear that they are still subconsciously racist and not focusing enough on race.

As a society, we shouldn’t question the need to be self-reflective, sometimes self-critical, and we should go out of our way to help those in need. But it seems legitimate to question whether the “white privilege” narrative is the best vehicle for accomplishing those things.

vgl auch:

South Park und die PC-Bros

Besprechung der neusten South Park Folge. Es sieht so aus, als würde PC diese Staffel eine besondere Rolle spielen.

Ich bin gespannt, ob sie sich direkt an Feminismus rantrauen, eine South Park Folge dazu könnte großartig sein

Editiert:

Nicht die ganze Folge, aber es bietet einen guten Überblick