„Männlichkeit ist so zerbrechlich“ #MasculinitySoFragile

Mal wieder gab es einen feministischen Hashtag auf Twitter, diesmal dazu, dass Männlichkeit ein Konzept sei, bei dem sich Männer immer wieder versichern müssten, dass sie tatsächlich Männer sind und das entsprechend absichern wollen.

Ich habe mal nach einem Artikel dazu gesucht und diesen hier gefunden, der passt, auch wenn er schon älter ist:

The traditional idea of masculinity is still strongly abundant throughout western culture today. From the age we are old enough to understand the concept, to the time we kick the bucket. Countless times I have witnessed boys in the playground in tears told to “stop crying and be a man”. Numerous physical education lessons where boys were told through roars of laughter and condescending giggles that they “throw like a girl”.

Das wäre also im wesentlichen, dass Männer in dem Konzept der Männlichkeit unsicher sind, weil sie bei entsprechender Sicherheit keine solchen Abwertungen des weiblichen vornehmen müssten bzw. sich selbst nicht so einengen müssten und ihre Männlichkeit durch alles bedroht sehen würden, was als „nichtmännlich“ gilt.

My question isn’t why this constant competition of one upmanship and why it’s still prevalent in a supposedly evolved culture. But if it’s so integral to our society, then how is it so fragile?

All it takes would be a few ‘effeminate’ actions to bring the entire system down on its head.

Ich glaube das hat sie eine etwas falsche Vorstellung von der Verletzlichkeit oder der Anfälligkeit von Männlichkeit. Nur, weil wir jemanden sagen, dass er wirft wie ein Mädchen bleibt er ja ein Mann. Er verliert vielleicht ein paar Punkte in der Konkurrenz um die Spitze, aber das ändert nichts an seinem Mann sein.

Einiges davon sind auch einfach nur Sprüche, mit denen man eben klarkommen muss, ein sich messen. Natürlich kann das für Männer, die sich tatsächlich nicht so sicher in ihrer Geschlechterrolle fühlen, aber meinen das nicht zugegeben zu dürfen,


Would that be so terrifying? To not hide a friendship behind the term bromance, because it’s weird to hang out with the same sex, but to instead call a spade a spade?

Ich finde gerade eine „Bromance“ ist ja eher ein zugehen auf Homosexualität, weil es eben eine Freundschaft einer Beziehung gleich stellt

No you’re not wearing a manbag, you’re wearing a handbag.

Gut, der Begriff „Manbag“ hat glaube ich keine deutsche Entsprechung. Aber die Handtasche ist in der Tat ein sehr weibliches Aufbewahrungsutensil. Allerdings ist es auch verständlich, dass man klare Signale senden möchte, das geht denke ich Frauen nicht anders.

Not because you have a vagina but because you have the same limbs as a woman. That’s not guyliner on your face, it’s eyeliner, because you have eyes, not guys. Well, you might have guys, but that’s neither here nor there. You want to give someone of your gender a hug or do something that might be considered feminine or homosexual? You can do so as long as you say “no homo” as you do it. 
Of course there are many males in society who have no qualms with abolishing these norms, but I can still see it like the big pink elephant in the room.

Bei den meisten Männern ist es weder Guyliner noch Eyeliner. Schminken für Männer ist noch nicht sehr populär oder habe ich etwas verpasst. Abgesehen von der Gothicscene würden es wohl auch die meisten Frauen merkwürdig finden und entsprechend reagieren.

When you ask a girl if another female is attractive, they will have no qualms with being completely honest, we don’t question our sexuality when we do it, and we don’t question others when we ask them the same thing.

Das ist schon lustig: Wenn man eine Frau fragt, ob eine andere Frau hübsch ist, dann kann das wegen intrasexueller Konkurrenz durchaus stark vermintes Gebiet sein. Sie mögen dann ihre Sexualität nicht hinterfragen, wohl aber ihren Partnerwert. Was ja auch der Grund dafür ist, dass viele Feministinnen extreme Probleme mit Werbeplakaten mit „normschönen“ Models haben.

But ask a self proclaimed masculine guy if another guy is attractive and all hell breaks loose. They won’t even look at them, and will start melodramatically claiming that they aren’t gay. I just asked you if a guy was attractive, not if you wanted to bang them. 
But how are we to stop this ridiculous facade that’s so damaging to our society that you can practically choke on its toxicity?

Kommt mir auch eher wie ein Strohmann vor. Wenn mich eine Frau fragen würde, ob ein anderer Mann schön ist, dann würde ich eben was dazu sagen, ob er attraktiv ist. Das kommt durchaus häufiger vor, wobei ich häufig daneben liege, weil Frauen auf ganz verschiedene Typen stehen.

I don’t think these overtly hetero guys really mock homosexuals for having sex with men, but because they’re jealous of the freedom that homosexuals have had to attain to even come out.

Das wäre ja ein Argument für Adrian. Wir sind vielleicht auch durchaus neidisch darauf, dass Schwule das so unkompliziert haben, aber deswegen will man ja noch lange nicht mit einem Mann schlafen. Es ist denke ich eher eine Form intrasexueller Konkurrenz und eben auch fehlendes Verständnis für die Hingezogenheit zum eigenen Geschlecht.

All these various types of homosexual men are the complete embodiment of what these poor masculine guys need. But can we blame you for hating on someone who hasn’t had to suppress their emotions and boundaries their entire life?

Auch interessant: Schwule müssen ihre Emotionen und Grenzen nicht unterdrücken? Das klingt ja fast nach einer Privilegierung. Genug Schwule werden sich mit einem Coming Out eher schwerer getan haben. Die meisten Männer müssen auch nicht beständig Emotionen unterdrücken, sie sind ganz zufrieden mit den Emotionen, die sie haben und zeigen.

Yes it’s a ridiculous construct, but one that is so salient we might as well consider it nature instead of nurture. Did you know studies show that it’s likely for a man’s self esteem to drop if someone holds the door open for them? Also that when they find out their female counterparts who they’re in relationships with perform a task better than them that that can also bruise their ego? That sure doesn’t sound healthy to me.

Das ist ja auch reichlich übertrieben. Klar können bestimmte Punkte auch am männlichen Ego kratzen, andererseits auch nicht ganz ohne Grund, wenn ihn seine Freundin beständig überflügelt. Ansonsten scheinen mit viele Partnerschaften durchaus darauf ausgerichtet zu sein, dass der Partner in anderen Sachen gut ist als man selbst

Internalised sexism, misogyny, homophobia, transphobia, racism, bigotry and violence all stems from this traditional gender ideal of masculinity. This is why it needs to be redefined into something harmless, something where freedom of expression is the norm and eccentricity is celebrated.
This is why mental health is such a stigma for men, because when they want to reach out they are taught they can’t which results in a higher suicide risk. And everyone knows what happens when feelings are bottled up inside for too long, there will come a point where you explode, and that explosion is sure as hell going to result in some casualties.

Das wäre dann der „Befreiungsansatz“. Männer leiden unter der Männerrolle, die das Patriarchat geschaffen hat und der Feminismus will sie ja gerade davon befreien. Die meisten Männer sind aber gar keine Sexisten, Frauenfeinde, nicht schwulenfeindlich und auch nicht transphob, nicht rassistisch und üben auch keine Gewalt aus. Hier wird mehr Befreiungsnotwendigkeit suggeriert als eigentlich vorhanden ist.

Es ist auch interessant, dass sie da anscheinend die Frau als so frei ansieht, die doch ansonsten gerade als in ihren nachteiligen Geschlechterrollen feststeckend bezeichnet wird und dabei die Feindlichkeit gegen das eigene Geschlecht und ihre Schlechtigkeit so sehr verinnerlicht hat, dass sie noch nicht einmal gegen das Patriarchat stimmen kann, um sich davon zu befreien.

So richtig konsistent ist der Feminismus da nicht: Auf der einen Seite die unterdrückte Frau, die auf der anderen Seite doch wieder die gute ist, die wenigstens Gefühle ausleben kann.

How many boys need to kill themselves? How many transgender people must be murdered? How many women sexually assaulted while their children have to stand by and watch, helpless?

„Wenn ihr euch nicht ändert, dann seid ihr eben potentielle Mörder und Vergewaltiger, im Feminismus aber liegt das Heil“ ist merkwürdigerweise keine Betrachtung, mit der man die meisten Männer begeistert und sie davon ausgehen lässt, dass Feminismus nichts gegen Männer hat. Denn diese Schuldzuweisungen für Männer generell, die schlicht nichts mit der Lebenwirklichkeit der Männer zu tun hat, ist eben nicht sehr überzeugend.

Because if you raise a man to think he is nothing but his gender and the pride he has in it, once that is stripped of him, even for one moment, I’d hate to be a bystander when that mask is ripped off. Because it’s going to be the most terrifying thing to ever witness. 

So next time you tell someone to grow a pair or be a man, understand that masculinity is a killer and it has no place in this world

Der Mann als tickende Zeitbombe, wenn nicht gar tickende Atombombe („die angsteinflössenste Sache die man sehen kann“). Welch Dramatik! Dabei sind die allermeisten Männer zum einen durchaus mit ihrer Männlichkeit im reinen und zum anderen auch vollkommen ungefährlich.

Interessanterweise sind es auch eher Kinder, die sich in ihren Rollen wohlfühlen, die mit Abweichungen besser umgehen können und sich nicht an das starre Konzept klammern müssen. Hatte ich hier eine Studie zu, finde ich aber gerade nicht.

Nun aber zu den Tweets

Jemanden vorsichtig abzulehnen ist immer ein guter Weg, weil man eben nur sein eigenes Verhalten planen kann, aber nie weiß, wie der andere tickt. Im übrigen reagieren Frauen super angepisst, wenn man sie zurückweist. Auch dort kann es insofern für Männer besser sein, dass man vorsichtig ist. Der umgekehrte Fall ist nur schlicht häufiger, weil Männer nach wie vor ansprechen müssen.

Könnte natürlich daran liegen, dass er schlicht Männerhass ist, weil er eben Männlichkeit unnötig dämonisiert. Da finden doch Männer einfach nicht, dass sie – allesamt – wandelnde Bomben, Mörder und Vergewaltiger sind, wie können sie nur so wenig Selbstreflektion haben!?!

Weitere Tweets gehen in die gleiche Richtung – Männlichkeit sei so zerbrechlich, dass Männer bei dem kleinsten Infragestellen ausrasten und gewalttätig werden oder sich in selbstzerstörerische Wettbewerbe schmeißen.

Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten:

Gerade Feministinnen sind in der Tat zerbrechlich und stellen Frauen auch so dar: Ein Vortrag in dem dargestellt wird, dass es gar keine Rape Culture gibt? Man braucht Katzenbabybilder um das überhaupt ertragen zu können. „Mikroaggressionen“ sind regelmässig geeignet das Ende der Welt auszurufen. Das können dann extreme Kleinigkeiten sein, die schon das Patriarchat belegen. Wer widerspricht wird geblockt. Wer nichtkonformes in die Timeline trägt wird auch geblockt, zumindest aber gemaßregelt.

Hier scheint mir die eigene Zerbrechlichkeit eher auf die Gegner übertragen worden zu sein.