Sprache gendern

Das Gendern der Sprache ist im Feminismus ein großes Thema, geht aber den meisten Menschen denke ich eher auf die Nerven.

Anderseits nervt mich auch die Fraktion, die in jeder Nennung von Frau und Mann gleich ein Verbrechen sieht, eine Verbrüderung mit dem Feind.

Vielleicht mal zur Abgrenzung:

1. Sehr formelle Sprache von Politikern

Sprache ist etwas lebendiges und bestimmte Formen werden damit durchaus üblich. Wenn ein Politiker „Bürgerinnen und Bürger“ sagt, dann entspricht das aus meiner Sicht durchaus einer inzwischen üblichen formellen Sprache und ich kann es verstehen. Es würde eben heute eher auffallen, wenn in solchen Reden nur von Bürgern gesprochen werden würde. Ich kann also gut verstehen, dass Politiker da keine Angriffspunkte bieten wollen

2. Verwendung in der Alltagssprache

Ich habe noch niemanden erlebt, der das tatsächlich geschafft hat,weder über „Studierende“ noch über Bürgerinnen und Bürger oder andere Formen entsprechender gegenderter Sprache. Es wird sicherlich einige geben,aber anscheinend habe ich nicht mit ihnen zu tun. Ich würde es daher fast lustig, aber auch nervig finden.

Allerdings finde ich es mitunter in bestimmten Situationen durchaus angemessen zu betonen, dass es Männer und Frauen sind, etwa wenn man diesen Umstand besonders hervorheben will, weil es um Verhalten geht, dass eher bei einem Geschlecht anzutreffen ist. Wenn es also um gegebenenfalls auch nicht unbedingt notwendige Klarheit geht, um ein besonderes hervorheben, dann verwende ich auch mitunter doppelte Formen.

3. Gendern in der Schriftsprache, insbesondere Binnen-I, diverse Unterstriche oder Sternchen etc

Diese Formen sind in der Regel überaus einschränkend für die Lesbarkeit. Das scheint bis zu einem gewissen Grad gewollt zu sein, es soll ja Verwirrung stiften etc.

Wenn ich einen Text lese, dann aber weil mich der Inhalt interessiert. Hier stört es mich enorm.

Ein gutes Beispiel ist in dem Zusammenhang beispielsweise die Niedersächsische Kommunalverfassung:

§ 86 Repräsentative Vertretung, Rechts- und Verwaltungsgeschäfte

(1) 1Die repräsentative Vertretung der Kommune obliegt der Hauptverwaltungsbeamtin oder dem Hauptverwaltungsbeamten, bei ihrer oder seiner Abwesenheit den ehrenamtlichen Stellvertreterinnen oder Stellvertretern (§ 81 Abs. 2). 2Sie oder er vertritt die Kommune nach außen in allen Rechts- und Verwaltungsgeschäften sowie in gerichtlichen Verfahren. 3Die Vertretung der Kommune in Organen und sonstigen Gremien von juristischen Personen und Personenvereinigungen gilt nicht als Vertretung der Kommune im Sinne des Satzes 2.

Meiner Meinung nach überaus fürchterlich zu lesen. Man braucht mindestens doppelt so lange, um es zu verstehen.