Selbermach Samstag 153 (12.09.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Leszeks „Verteidigung des Maskulismus gegen undifferenzierte Kritik“

Leszek hat eine umfassende „Verteidigung des Maskulismus gegen undifferenzierte Kritik“ geschrieben, die ich hier einfach mal ungekürzt einstelle:

Im Folgenden beabsichtige ich den Maskulismus gegen undifferenzierte Kritik zu verteidigen.

Der erste Teil deines Rants behandelt eine Diskussion unter einem Artikel von Christian und kritisiert einige Kommentare. Ich werde diesen Teil weitgehend übergehen, da es mir um die Zurückweisung der Passagen in deinem Text, die eine allgemeine, zu undifferenzierte Maskulismuskritik beinhalten, geht.
Dass es unter Christians Artikeln – die selbst in der Regel lesenswert sind – auch einseitige, unreflektierte oder bescheuerte Kommentare geben kann, stimmt natürlich. Christian ist Liberaler und Anhänger einer sehr liberalen Kommentarpolitik, dies gilt bei ihm für alle Seiten, auch eine offen männerfeindliche radikale Matriarchatsfeministin wie Lucia hat bei ihm in der Vergangenheit lange kommentiert.

Sollten einige der in deinem Text aufgeführten Kommentatoren von Christian der Ansicht sein, dass sie mißinterpretiert wurden oder sich mißverständlich ausgedrückt haben oder dass ihre Zuordnung zum „Antifeminismus“ in deinem Text falsch ist, können sie sich ja melden und dies klarstellen.

Bezüglich eines Kommentators möchte ich allerdings eine Ausnahme machen und kurz was dazu sagen, nämlich bezüglich DMJ. Dieser ist, wie viele seiner Kommentare bei Christian zeigen, definitiv kein Antifeminist (erst Recht nicht frauenfeindlich oder homophob), sondern bemüht sich um eine differenzierte Feminismuskritik. Ihn in einem Artikel mit dem Etikett „Antifeminismus“ in Verbindung zu bringen, weil du einen seiner Kommentare bei dieser Diskussion kritikwürdig findest, ist sachlich eindeutig nicht gerechtfertigt.

Ich weiß nicht, in welchem Umfeld DMJ sich bewegt, aber ich bewege mich u.a. in politisch linken Kontexten, in denen „Antifeminist“ von Seiten radikaler Feministinnen als Kampfbegriff verwendet wird um jegliches Eintreten für berechtigte männerrechtliche Anliegen und jegliche Kritik an der Ausgrenzung berechtigter männerrechtlicher Anliegen – und die meisten sind berechtigt – im Mainstream-Feminismus ohne Argumente mundtot zu machen.

Antifeminismus-Vorwürfe können in manchen linken Kontexten, wenn sie ernst genommen werden, Ächtung und Ausschluss nach sich ziehen. Gegen mich hat es vor Jahren einmal einen Antifeminismus-Vorwurf verbunden mit einer Ausschlussdrohung gegeben, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch sehr weitgehend auf Linie des Mainstream-Feminismus war (heute nicht mehr), nur weil ich überhaupt auf das Vorhandensein bestimmter männlicher Diskriminierungen hinwies. In meinem Fall hatte dies übrigens einen pädagogischen Gegenteileffekt. Erst daraufhin habe ich damit angefangen mich überhaupt stärker mit männlichen Diskriminierungen und Feminismuskritik zu beschäftigen.

Antifeminismus-Vorwürfe können für andere Menschen potentiell negative Folgen haben und sollten daher nicht undifferenziert verwendet werden. Im Falle von DMJ ist diese Bezeichnung eindeutig falsch.

Du schreibst:

„Viel wird gejammert, wenn Maskulismus in den Medien schlecht dargestellt wird, weil sich Journalisten, branchenüblich, lieber auf den radikalen Rand stürzen statt auf seriöse Vertreter. Aufgewacht: DER RADIKALE RAND IST DIE VERDAMMTE MITTE. Der Rest sägt sich selbst ab, indem er seine Zeit damit verschwendet, das irgendwie schön zu reden, weil es ja so dermaßen unbefriedigend ist, allein auf weiter Flur für echte, gerechte Anliegen zu kämpfen und man das gerne anders hätte.“

Diese Beurteilung halte ich für falsch. Wenn es darum geht die Männerrechtsbewegung fair zu beurteilen, dann müssen m.E. mehrere Dimensionen berücksichtigt werden:

– Die Anliegen und Ziele der Männerrechtsbewegung
– Die Literatur der Männerrechtsbewegung
– Die Organisationen der Männerrechtsbewegung
– Die Blogs und Foren der Männerrechtsbewegung
– Kommentatoren auf männerrechtlichen Blogs und in männerrechtlichen Foren im Netz

Ich gehe die genannten Punkte im Folgenden kurz durch:

1. Die Anliegen und Ziele der Männerrechtsbewegung:

Einige zentrale Anliegen und Ziele der Männerrechtsbewegung können z.B. hier

http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

oder hier:

http://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

oder hier:

http://www.amazon.de/review/R2E1N8QWPC5OZM/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=149543625X&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books

nachgelesen werden.

Ich kam bei meinen Recherchen zu dem Ergebnis, dass die meisten Anliegen und Ziele der Männerrechtsbewegung berechtigt sind. Diskriminierungen, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind, existieren. Männer sind keine privilegierte Klasse:

https://allesevolution.wordpress.com/2015/04/19/die-ablehnung-der-theorie-von-mannern-als-privilegierte-klasse-als-zentraler-ausgangspunkt-maskulistischen-denkens/

Die Konzeptualisierung von Männern als privilegierter Klasse, wie dies im Mainstream-Feminismus üblich ist, ist falsch und wissenschaftlich unhaltbar. Um zu diesem Gesamtergebnis zu kommen ist es auch keinesfalls nötig, mit jedem Einzelaspekt in den verlinkten Texten übereinzustimmen.

Eine soziale Bewegung, die sich gegen Diskriminierungen, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind, engagiert ist wissenschaftlich gerechtfertigt und moralisch geboten.
Wer sich über diese Themen und die entsprechenden wissenschaftlichen Forschungsergebnisse näher informieren möchte, der kann dies in mehreren lesenswerten Werken der männerrechtlichen Literatur mit Belegquellen, die Nachprüfbarkeit gewährleisten, tun und anschließend die Quellen überprüfen. Das bringt uns zum 2. Punkt:

2. Die Literatur der Männerrechtsbewegung

Viele Hauptwerke männerrechtlicher Literatur einschließlich der Schriften dissidenter Feministinnen (meist aus dem Spektrum des liberalen Feminismus), die männerrechtliche Anliegen unterstützen, stehen in meinem Bücherregal. Fast alle sind aus einen humanistischen, demokratischen und menschenfreundlichen Geist heraus verfasst, an Gleichberechtigung, Humanismus und Demokratie orientiert, frei von Frauenfeindlichkeit oder anderen menschenfeindlichen Einstellungen, wissenschaftlich fundiert und zielen in letzter Instanz auf die Herausbildung einer Geschlechterpolitik, die die Probleme beider Geschlechter berücksichtigt. Natürlich fokussieren diese Schriften primär auf männliche Diskriminierungen und kritisieren einen einseitigen Feminismus, der diese übergeht oder zu diesen beiträgt, aber der weltanschauliche Bezugrahmen dieser Schriften ist deutlich stärker dafür geeignet, eine geschlechtsübergreifende Perspektive, die Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen aller Geschlechter berücksichtigt, zu entwickeln als es die Schriften des gegenwärtigen Mainstream-Feminismus sind.

Wie ich es kürzlich einmal an anderer Stelle formulierte:
Der zentrale Vordenker der Männerrechtsbewegung Warren Farrell sprach von der bisexistischen Rollenverteilung, durch die beide Geschlechter diskrimimiert werden, der Philosoph David Benatar thematisiert gegen Jungen und Männer gerichteten Sexismus auf eine Weise, die sich gleichzeitig auch gegen Sexismus wendet, von dem Mädchen und Frauen betroffen sind, der Soziologe Christoph Kucklick analysiert Männerfeindlichkeit in ihrer historischen Dimension bei gleichzeitiger Kritik jeder Frauenfeindlichkeit, außerdem gibt es im linken Maskulismus das Konzept des integralen Antisexismus, das eine geschlechtsübergreifende Perspektive auf geschlechtsbezogene Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen anstrebt, welche Männer, Frauen, Intersexuelle und Transgender theoretisch, wissenschaftlich und politisch berücksichtigt. Solche integrierenden Ansätze fehlen im zeitgenössischen Mainstream-Feminismus komplett, es gibt sie nur bei dissidenten Feministinnen aus dem Spektrum des liberalen Feminismus. Allerdings müssen diese integrierenden Ansätze im Maskulismus noch genauer ausgearbeitet werden, um sie stärker zur Geltung zu bringen.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass in männerrechtlichen Schriften keine Fehler oder Einseitigkeiten vorkommen könnten, kein selbständig denkender Mensch kann mit allem, was in irgendeinem Buch steht zu 100 % übereinstimmen, männerrechtliche Bücher berühren zudem oft sehr viele Themen. Ich persönlich glaube aber schon, dass fast jeder einigermaßen offene und humanistisch gesinnte Mensch, egal welche Weltanschauung er hat, mit den männerrechtlichen Werken von z.B. Warren Farrell, Arne Hoffmann, Christoph Kucklick, Walter Hollstein, David Benatar, um nur einige wenige zu nennen, mindestens zu über 50 % Übereinstimmung finden dürfte. (Meine Übereinstimmung beträgt weit mehr als 50 %.)

3. Die Organisationen der Männerrechtsbewegung

Organisationen, die der Männerrechtsbewegung nahestehen, sind in Deutschland, MANNdat, Agens, Väteraufbruch für Kinder und Gleichmaß. Keine dieser Organisationen versteht sich als antifeministisch, sie verstehen sich lediglich als feminismuskritisch, dort wo der Mainstream-Feminismus zu männlichen Diskriminierungen beiträgt.

Ein Zitat dazu von MANNdat:

„MANNdat ist zwangsläufig feminismuskritisch, wo es um ungerechtfertigte Privilegien für Frauen geht. Wir sind aber keine Gegenbewegung zum Feminismus. Wir wollen für Männer das erreichen, was die Politik bislang verweigert: Eine Geschlechterpolitik, die zu einer nachhaltigen Geschlechterdemokratie führt, die jungen- und männerspezifische Interessen und Probleme genauso berücksichtigt wie mädchen- und frauenspezifische.”

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10683

Und in der früheren Selbstdarstellung von Agens hieß es z.B.:

„Es ist eine historische Tatsache, dass Frauen seit Jahrtausenden hinter der Vorherrschaft der Männer zurückstehen mussten. Die Frauenbewegung der letzten Jahrzehnte war aus diesem Grunde berechtigt und historisch notwendig. Sie hat nach jahrzehntelangem Wirken enorme kulturelle Leistungen im westlichen Kulturkreis und darüber hinaus verwirklichen können.“

Auch für die der Männerrechtsbewegung nahestehenden Organisationen gilt natürlich die Trivialität, die für jede andere Organisation auch gilt, dass es nicht möglich ist immer mit jeder Einzelaussage oder jedem Artikel auf ihrer Homepage völlig einer Meinung zu sein. Was aber die grundsätzliche weltanschauliche Ausrichtung angeht, da kann aus linker oder liberaler Perspektive m.E. nur eine der aufgeführten Organisationen stärker kritisch beurteilt werden.
Agens e.V. sind, was ihre Mitglieder angeht, eigentlich sehr heterogen, es gibt Mitglieder mit linken, liberalen und konservativen politischen Einstellungen, die linken und liberalen Mitglieder sind aber überwiegend in eigene Projekte vertieft, so dass die Organisation zur Zeit primär von den konservativen Mitgliedern vertreten wird. Das führt dazu, dass auf ihrer Homepage leider manchmal konservative Artikel zu finden sind, die sich gegen die soziale Bewegung für die Rechte von Homosexuellen richten. Das ist bedauerlich, hat aber mit den Ansichten vieler linker und liberaler Männerrechtler nichts zu tun:

http://genderama.blogspot.de/2013/12/erste-maskulistische-blogparade-warum.html

Von diesem einen gravierenden Kritikpunkt abgesehen, sind die der Männerrechtsbewegung nahestehenden Organisationen alle seriös.

4. Die Blogs und Foren der Männerrechtsbewegung

Da gibt es ein breites Spektrum von seriös und humanistisch bis unseriös und menschenfeindlich, des Weiteren sind hier die verschiedensten politischen Weltsichten vertreten.
Zu den besten – und auch bekanntesten Blogs – gehören „Man-Tau“ von Lucas Schoppe und „Genderama“ von Arne Hoffmann, die dem linken Flügel der Männerrechtsbewegung angehören oder „Maskulimus für Anfänger“ von man in the middle, der dem liberalen Flügel der Männerrechtsbewegung angehört.

Am anderen Ende des Spektrums steht menschenfeindlicher Müll wie Männermagazin oder WGvdL (wo sich aber nur eine Handvoll der immer gleichen traurigen Gestalten unter wechselnden Nicknames tummelt).
Dazwischen gibt es alles Mögliche, aber ich finde schon, dass gemäßigte, linke und liberale Blogs in der maskulistischen Blogsphäre heute die Mehrheit darstellen.

„Alles Evolution“ von Christian Schmidt ist ein gemäßigter Blog der Männerrechtsbewegung, der zum liberalen Flügel der Männerrechtsbewegung gehört und sich ausdrücklich nicht als antifeministisch versteht:

https://allesevolution.wordpress.com/2011/06/08/antifeminismus/

Da auf „Alles Evolution“ in der Regel jeden Tag ein neuer Artikel erscheint und Christian dazu neigt seine liberale politische Weltsicht stark auf seine Kommentarpolitik zu übertragen, fällt diese sehr liberal aus, was leider zur Folge hat, dass sich unter Christians meist guten und lesenswerten Artikeln u.U. eine ganze Reihe mehr oder weniger bescheuerter Kommentare befinden können.

Christians Blog enthält von allen männerrechtlichen Blogs die meisten Artikel, die sich auch kritisch mit problematischen Aspekten in der Männerrechtsbewegung auseinandersetzen.
Ich finde zwar auch, dass Christian, speziell wenn es um das Thema PU geht (das aber nichts mit Männerrechten zu tun hat) manchmal ruhig etwas kritischer sein könnte, aber ich fand seinen Mut maskulistischen oder antifeministischen Einseitigkeiten und Dogmen zu widersprechen stets bewundernswert.

5. Kommentatoren auf männerrechtlichen Blogs und in männerrechtlichen Foren im Netz

Auch da gibt es ein breites Spektrum. Es gibt gemäßigte und radikale Kommentatoren und Leute, die irgendwo dazwischen stehen, es gibt linke, liberale und konservative Kommentatoren, es gibt solche, die sich als Männerrechtler bzw. Maskulisten verstehen, solche die sich als Antifeministen oder die sich als Gender-Kritiker verstehen.

Ich verstehe mich z.B. in erster Linie als libertär-sozialistischer Humanist, in zweiter Linie als integraler Antisexist und in dritter Linie als linker Männerrechtler/Maskulist. Meine persönliche Zuordnung zu geschlechtsbezogenen Strömungen kann hier nachgelesen werden:

https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2015/03/14/du-akzeptierst-keine-manner-weil-weil-weil-halt-weil-du-uber-rape-culture-redestdrolf-logik-von-antifeministen/#comment-13221

Bei einer um Objektivität bemühten Kritik an Kommentatoren auf männerrechtlichen Blogs und in männerrechtlichen Foren anhand des Begriffs „Antifeminismus“ wären folgende Differenzierungen m.E. sinnvoll:

– Personen, die sich nicht als Antifeministen (sondern als Männerrechtler, Maskulisten, Feminismuskritiker etc.) verstehen, an Gleichberechtigung orientiert sind und bei denen keine frauenfeindlichen Einstellungen vorhanden sind.
– Personen, die sich nicht als Antifeministen (sondern als Männerrechtler, Maskulisten, Feminismuskritiker etc.) verstehen und stark einseitig und parteiisch zugunsten von Männern sind.
– Personen, die sich nicht als Antifeministen (sondern als Männerrechtler, Maskulisten, Feminismuskritiker etc.) verstehen und außerdem frauenfeindlich sind. (Diese Variante ist sehr selten, nicht jeder, der sich selbst als Antifeminist identifiziert ist frauenfeindlich, aber so gut wie jedes Individuum mit tatsächlich frauenfeindlichen Einstellungen im Kontext des Geschlechterdiskurses im Netz definiert sich als Antifeminist.)
– Personen, die sich als Antifeministen verstehen, den Begriff „Antifeminismus“ aber lediglich in einem unpräzisen Sinne als Synonym für eine Kritik an Einseitigkeiten und Fehlern des Mainstream-Feminismus verwenden (und nicht im Sinne einer Ablehnung aller frauenrechtlichen Strömungen in Geschichte und Gegenwart), die an Gleichberechtigung orientiert sind und bei denen keine frauenfeindlichen Einstellungen vorhanden sind
– Personen, die sich als Antifeministen verstehen und stark einseitig und parteiisch zugunsten von Männern sind.
– Personen, die sich als Antifeministen verstehen und außerdem frauenfeindlich sind.
– Personen, die sich nicht als Antifeministen sondern als Gender-Kritiker verstehen, aber nicht frauenfeindlich sind.
– Personen, die sich nicht als Antifeministen sondern als Gender-Kritiker verstehen und außerdem frauenfeindlich sind.

Es gibt außerdem m.E. eine weitere wichtige Differenzierung, nämlich die zwischen Personen mit frauenfeindlichen oder stark einseitigen und parteiischen Einstellungen zugunsten von Männern einerseits und zwischen Personen, die nicht frauenfeindlich oder stark einseitig und parteiisch zugunsten von Männern sind, aber in Diskussionen mit Feministinnen/Feministen scharf, eventuell unangemessen scharf, diskutieren andererseits. Eine solche Diskussion mag für die feministische Seite unbefriedigend sein, aber einen Vorwurf der Frauenfeindlichkeit rechtfertigt dies nicht, ein solcher müsste inhaltlich begründet werden.

Kommentatoren mit frauenfeindlichen Tendenzen oder Kommentatoren, die stark einseitig parteiisch zugunsten von Männern sind und zu wenig an einem gerechten Ausgleich zwischen den Geschlechtern orientiert sind, gibt es auf männerrechtlichen Blogs sicherlich und Kritik an entsprechenden Einstellungen und Äußerungen ist berechtigt.

Mir scheint es aber wichtig die Gründe für solche Phänomene mitzureflektieren.
Das Argument „Aber der Feminismus macht es doch auch“ kann in manchen Diskussionskontexten unangebracht sein, aber nicht, wenn es um eine Analyse einseitiger und sexistischer Tendenzen in geschlechterpolitischen sozialen Bewegungen geht. Der Mainstream-Feminismus (Radikal-/Gender-/Staatsfeminismus) ist einseitig parteiisch, grenzt berechtigte männerrechtliche Anliegen aus und ist zwar nicht die einzige Ursache männlicher Diskriminierungen, trägt aber im Zusammenspiel mit anderen Faktoren zu diesen bei.

Nicht nur der Netzmaskulismus, auch der Netzfeminismus beinhaltet viele Personen mit negativen Einstellungen dem anderen Geschlecht gegenüber sowie Personen, die einseitig parteiisch und zu wenig um einen gerechten Ausgleich bemüht sind.

Findet sich dieses Phänomen also in beiden geschlechterpolitischen Lagern, dann kommt man m.E. wohl nicht drumherum festzustellen, dass einseitig auf ein Geschlecht bezogene soziale Bewegungen eine generelle Tendenz haben solche Personen anzuziehen.

Ich schrieb einmal bei Christian einen Kommentar über meine Vermutungen, was manche Frauen dazu bewegt radikale Feministinnen zu werden. Meine Analyse lief darauf hinaus, dass radikale feministische Auffassungen – obwohl objektiv falsch und für eine wirkliche emotionale Verarbeitung in letzter Instanz nicht hilfreich – von manchen weibliche Individuen, die bestimmte negative Erfahrungen gemacht haben, subjektiv als hilfreich zur kognitiven Einordnung und emotionalen Verarbeitung erlebt werden können (auch wenn beides in diesem Fall auf einer Täuschung beruht).

Auch unter radikalen Maskulisten oder radikalen Antifeministen finden sich viele Menschen, die negative Dinge erlebt haben.
Nicht jede Person in der Männerrechtsbewegung, die etwas Schlimmes erlebt hat wird zum radikalen Maskulisten oder radikalen Antifeministen und nicht jeder radikale Maskulist oder radikale Antifeminist hat etwas Schlimmes erlebt, aber manche schon.

Auch hier können einseitige und radikale Auffassungen – obwohl objektiv falsch und für eine wirkliche emotionale Verarbeitung in letzter Instanz nicht hilfreich – von manchen Individuen, die bestimmte negative Erfahrungen gemacht haben, subjektiv als hilfreich zur kognitiven Einordnung und emotionalen Verarbeitung erlebt werden (wiewohl dies auch in diesem Fall auf Täuschung beruht).

Aus dieser vergleichende Perspektive folgt nicht, dass man frauenfeindliche oder stark einseitige und parteiische Einstellungen im Maskulismus oder im Antifeminismus nicht scharf oder polemisch kritisieren dürfe, es folgt daraus aber, dass eine wesentliche Ursache dieser Phänomene, darin liegen dürfte, dass einseitig auf ein Geschlecht bezogene soziale Bewegungen solche Tendenzen generell begünstigen.

Kommen wir als letztes noch zum Vorwurf der grassierenden Homophobie. Es gibt viele linke und liberale Männerrechtler, die nicht homophob sind, manchen wie Arne Hoffmann und mir ist die Gleichberechtigung von Homosexuellen und das Engagement gegen die Diskriminierung von Homosexuellen sogar ein wichtiges Anliegen. Homophobe Einstellungen und Tendenzen oder zumindest solche, die sich gegen die soziale Bewegung für die Rechte von Homosexuellen richten, finden sich vor allem im konservativen Flügel der Männerrechtsbewegung. Die entscheidende Klammer ist in diesem Fall das „konservativ“, nicht das „männerrechtlich“.

Es ist allerdings leider schwer bestreitbar, dass es auch unter nicht-konservativen Männerrechtlern einen gewissen Anteil von homophoben Personen sowie von Personen, die sich gegen die soziale Bewegung für die Rechte von Homosexuellen wenden, gibt. Und in der Tat sind dies oft eher solche Personen, die sich selbst als Antifeministen identifizieren als einfach nur als Männerrechtler/Maskulisten.

Ich finde homophobe Einstellungen und Tendenzen auch zum Kotzen, aber man sollte dabei diejenigen linken und liberalen Männerrechtler, die für Homophobie nichts übrig haben und die jede Diskriminierung von Homosexuellen ablehn