Radikaler Feminismus: Cathy Brennan

Cathy Brennan ist eine radikale Feministin, die sich insbesondere durch eine Abneigung gegenüber Transsexuellen hervorgetan hat. Sie vertritt radikale soziale Konstruktion und verbindet das mit den Lehren Dworkins, so dass, wenn ich es richtig verstehe, Männer bei ihr das Böse sind und gleichzeitig M-F Transsexuelle zum einen als Männer sozialisiert worden sind und insofern eben auch nach wie vor Männer sind. Sie macht insofern den Gedanken von Butler nicht mit, dass es hier auf das ankommt, was man sein will, sondern nimmt insofern eigentlich die soziale Konstruktion der Geschlechter ernster und lehnt jede biologische Grundlage ab, wobei sie anscheinend auch darauf abstellt, dass man seine Sozialisation und das daraus folgende Mannsein nicht abschütteln kann.

Aus einem Interview mit ihr:

Gender is a social construct, external to people. Gender is not innate. As Lierre Keith has said, “Gender is not a binary. It is a hierarchy. It is global in its reach, it is sadistic in its practice, and it is murderous in its completion. Just like race, and just like class. Gender demarcates the geopolitical boundaries of the patriarchy—which is to say, it divides us in half. That half is not horizontal—it is vertical. And in case you missed this part, men are always on top.

Gender is not some cosmic yin/yang; it’s a fist, and the flesh that bruises. Okay? It is the mouth crushed shut, and the little girl who will never be the same. Gender is who gets to be human, and who gets hurt. And that has to be made very clear, because men know what they are capable of. They know. They know the sadism that they have built into their sex. So what they say to each other is “Do it to her. Not to me, the human being, but to her. The object. The thing”. So they have to make it very clear, both visually, and ideologically, who she is. So see, there she is, unable to walk. Or there she is, on display. Or there she is, um, you know, covered and secluded, for your eyes only.

And how much easier if you can say “God made her this way, to lie beneath me”. Or easier to say, “Nature made her this way, the thing with the hole”. Or, if you can say, “She made herself this way, the slut who asked for it”. Because we always ask for it. The rape, the battering, the poverty, the prostitution— even the murder. We asked for it.

Now, all of those practices in aggregate, those are what Andrea Dworkin named the barricade of sexual terrorism. And gender is what demarcates that boundary, very exactly. And this is really simple, people. Barricade. Women live inside the barricade of sexual terrorism. Men live outside the barricade of sexual terrorism. In fact, men built that barricade. Fist by fist, and f*ck by f*ck. It is exactly those violent violating practices that construct a class of people called “women”. That is what men do to break us, and to keep us broken. And that is what gender is: the breaking, and the broken.”

If you believe it [being transgender] is a choice, what do you have to back that up with? Also, then wouldn’t that make homosexuality a choice?
Yes. Sexual orientation is also a social construct. You are the one putting forth that these concepts are innate. You bear the burden of proving that. For evidence that Gender is a social construct, you can start with Cordelia Fine’s Delusions of Gender.

Die Links habe ich eingefügt, sie verweisen auf Artikel von mir.

Ich finde es insoweit ja schon lustig, dass hier eigentlich durchaus klassische feministische Argumente verwendet werden, eben soziale Konstruktion sogar mit Verweis auf Fine und auch der Gedanke, dass der Mann oder eben die Männlichkeit doch irgendwie böse sind. Rape Culture ist davon ja nicht so weit weg. Es würde mich interessieren, ob man in der Kritik an ihr auch feministischen Stimmen liest, die so etwas sagen wie „Ihre Transfeindlichkeit ist schlimm und bei den Männern übertreibt sie es auch, das ist Männerfeindlichkeit“. Ich habe zu letzteren allerdings nichts gesehen.

 

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16 Gedanken zu “Radikaler Feminismus: Cathy Brennan

  1. Nein, Männerfeindlichkeit von Radfems wird, wenn sie überhaupt wahrgenommen wird, meist als der gerechte Zorn der Unterdrückten gegen die Unterdrücker interpretiert. Das ist in SJW-Begriffen ‚punching up‘.

  2. Und die Schwulen sind schwul geworden, weil? Sie keine Lust mehr haben Frauen zu unterdrücken? Sie keine Lust mehr auf männliche Privilegien haben? Oder ist schwul sein nur eine andere Art von Frauenhass?

    • Analog zum politischen Lesbianismus müsste schwul sein an und für sich ebenfalls wahlfrei sein.

      Und während wir prinzipiell als marginalisierte Gruppe nicht ganz so schlimm sind wie die Hetenmänner, reproduzieren wir trotzdem männliche Dominanzstrukturen (wir ficken, was ja jeweils einen zum Gefikcten macht) und sind dank unserer männlichen Sozialisierung misogyn und sadistisch. 🙂

        • Es liegt wohl an meinem unzureichend androgenisierten Gehirn. 🙂

          Abgesehen davon dass ich Männer attraktiver finde, wohl weil es nicht genug gab, dass mich davon abgehalten hat.

          Ich fand meine eine Langzeitbeziehung mit einer Frau auch nicht schlimm. Und bei dem Spaß denn ich für eine Weile am Verkleiden spielen hatte, möchte ich auch nicht kategorisch ausschließen, dass, wäre ich im Iran aufgewachsen, ich heute vielleicht Aise oder Hadice hieße. Oder ich wäre ganz heteronormativ verheiratet und würde den Kerlen nur sehnsüchtig hinterher schauen.

    • @“Und die Schwulen sind schwul geworden, weil?“

      Die Aussagen von Brennan lassen sich wohl leider nicht einer Exegese dahin unterziehen.
      Ich habe den Verdacht, dass es Brennan einfach völlig egal ist, warum es gays gibt und daran gar keinen Gedanken verschwendet.
      Ich habe übrigens immer noch keine Idee, wie in der Gender-Weltanschauung männliche Homosexualität erklärt werden kann. Vielleicht kann sie das gar nicht, zu viele Selbstwidersprüche auf dem Weg?

      Eigentlich ist Schwulsein als „Solidarität mit Frauen“ die noch naheliegenste Erklärung.

      Doch dann kommt ja das Paradoxon, dass Schulsein ja das organisierte, konstruierte komplette Desinteresse an Frauen ist und wie kann das dann wirklich „solidarisch“ sein? Ist das vielleicht nicht genausogut als die höchste Form der Abneigung von Frauen hinstellbar?

      Wie gut also, dass die Transgenderleute gibt, dann bekommen die Feministen mit ihrem kleinen Gedankenkosmos eher den Kopf rum.

  3. Für mich klingt ihre Rede Interview so, als wär sie durchzogen von einer großen Verschwörungstheorie: Männer regieren die Welt, Männer unterdrücken die Frauen, Männer vergewaltigen, schlagen, missbrauchen alle Frauen.

  4. Mein Eindruck ist, dass sie auf ihre weibliche Identität wütend ist, gern alles hätte und Flucht in die borderline-artige Projektionswelt des sektiererischen Feminismus nimmt. Eine narzisstische Störung mit dem Sündenbockkult als Ort des Auslebens.

    Daraus wird dann eine quasireligiöse Opfer-Sündenbock Ideologie (“ Verschwörungstheorie“) mit dem Patriarchat als imaginiertem Belzebub und Männern mit Erbsünde behaftet. Und das muss ggf. gewaltsam exzorziert werden. Siehe Julie Bindel mit ihrer Vorstellung von „put all men in some kind of camp“.

  5. Sieht aus wie ein Beastie Boy nach einer Nassrasur, nicht einmal ich trage eine derart hässliche Kappe – und DIE entschuldigt sich für meinen Schwanz. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

  6. Pingback: “Die linke intersektionale feministische Denkweise” | Alles Evolution

  7. „Cathy Brennan ist eine radikale Feministin, die sich insbesondere durch eine Abneigung gegenüber Transsexuellen hervorgetan hat.“

    „Es würde mich interessieren, ob man in der Kritik an ihr auch feministischen Stimmen liest, die so etwas sagen wie “Ihre Transfeindlichkeit ist schlimm (…)”.

    Da kann sie sich warm anziehen. „Transphobie“ ist ein geeignetes Mittel, um die Wachablösung zwischen zweiter und dritter Feminismuswelle durchzuführen, wenn es um den Kampf um Kohle und Aufmerksamkeit geht. In manchen Fällen mag das automatisch durch das „race to the bottom“ / Nicht-gut-genug-Aktivismus / Der Feminismus frisst seine eigenen Frauen“ passieren. Bei professionellen Feministinnen der jungen Generation kann das jedoch ein strategisches Mittel sein, um die alten Kämpferinnen, die mehr Theorie und Lebenserfahrung haben (insbesondere aus einer Zeit, als es noch echte Anliegen gab), plötzlich zu Unpersonen zu machen.

    Ein Beispiel:
    Germaine Greer
    – sagte, dass Trans-Frauen keine echten Frauen sind
    – und schon wurde sie ausgeladen

    Hier ab 10:04

    Hier angesprochen ab 18:56

    (erwähnte Quelle: http://www.telegraph.co.uk/men/thinking-man/11954673/Germaine-Greer-is-a-misogynist-I-dont-know-whether-to-laugh-or-cry.html )

    und hier noch einmal erwähnt ab 05:12

    50 Jahre Einsatz für Frauen (!) geben nicht genug Stallgeruch, um vor solchen Vorwürfen immun zu sein.

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