Selbermach Samstag 152 (05.09.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

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Rassismus, rassistische Strukturen und Gruppentheorie

Die Flüchtlingswelle führt dazu, dass viele Menschen auf einmal untergebracht werden müssen und dies wiederum führt zu einem offen zu Tage tretenden Rassimus.

Aus meiner Sicht ist Rassismus zunächst erst einmal ein Outgrouping, dass die üblichen Effekte, die typischerweise damit verbunden sind, hervorrufen soll:

  • „Die sind anders, warum sollten die zu uns gehören?“ Einordnen in eine homogene möglichst einfache Gruppenidentität
  • „Wir sind besser als die“ Aufwertung der eigenen Gruppe
  • „Wir gegen die“ Stärkung des Gruppenzusammenhalts und Schaffung eines Sündenbocks
  • „Was haben wir von denen“ Anklage des Trittbrettfahrertums bzw des Aufkündigen von „do ut des“

Vielleicht ist das auch der Grund, warum gerade ländlichere Gegenden und auch gerade der Osten eher von Rassismus betroffen sind.

Gruppenidentität ist etwas, was alle Menschen bis zu einem gewissen Grad haben. Und natürlich ist es auch durchaus berechtigt, die eigenen Interessen im Auge zu behalten: Es ist so gesehen etwas ungewöhnliches, dass wir in diesem Bereich nicht egoistisch sind. Die menschliche Spezies ist insoweit eine sehr soziale Spezies. Das dieses soziale Wiederum seine Grenzen hat, ist dabei aus meiner Sicht nichts ungewöhnliches. Wo diese gezogen werden ist eine kulturelle Frage.

Ich glaube nicht, dass Deutschland da so schlecht abschneidet. Natürlich gibt es hier Rassismus und auch schreckliche Taten gegen Ausländer, aber die gibt es in anderen Ländern auch. Die meisten Menschen sehen es durchaus als ihre Pflicht an zu helfen und sind durchaus damit einverstanden, dass Flüchtlinge aufgenommen werden.

Es ist aber wohl schwer, das wahrzunehmen, wenn man nur in sehr groben Gruppen denken kann: Weiße gegen PoCs, Flüchtlinge  gegen Deutsche, Antideutsche gegen die „Nation“.

Die Flüchtlingskrise und die Vorfälle werden daher in das zu erwartende Schema eingeordnet zB

 

Ich frage mich, ob man sich bei diesen Ideologien überhaupt noch Gedanken darüber macht, ob die Strukturen wirklich so weit ausgeprägt sind oder ob man die Grenzen ganz automatisch zieht.

Natürlich ist es auch nicht ganz falsch: Gruppendenken ist eben ein wichtiger Bestandteil und wie stark man die Gruppenzugehörigkeit zieht ist graduell nach den Umständen.

Ein gutes Beispiel ist die in diesem Bereich vorhanden Gruppenidentität als Antideutsch, die recht undifferenziert in Hass umschlägt, wenn sie die Gruppe der Deutschen an sich sehen und bei einzelnen Mitgliedern der Gruppe, die sie persönlicher kennen oft hinter dem Individuum zurückstecken muss.

So gesehen ist der dortige Rassismus, definiert als Hass gegen eine ethnische Gruppe, keine andere Form des Outgroupings und erfüllt auch die gleichen Funktionen:

  • „Die sind anders, warum sollten die zu uns gehören?“ Hier ist die andere Gruppe eben die Deutschen
  • „Wir sind besser als die“ Aufwertung der eigenen Gruppe: „die sind eh alle Nazis, die einen mehr die anderen weniger“
  • „Wir gegen die“ Stärkung des Gruppenzusammenhalts und Schaffung eines Sündenbocks
  • „Was haben wir von denen“ Anklage des Trittbrettfahrertums bzw des Aufkündigen von „do ut des“. Hier ist das gemeinsame Ziel die Anerkennung als Nichtrassistisch, welches „die Deutschen“ verhindern

Ich glaube, dass die Taktik dazu zur Verhinderung von Rassismus auch nicht wirklich geeignet ist, sondern tatsächlich eher dazu geeignet ist, sich gut zu fühlen.

Wenn man Rassismus verhindern will, dann kann man natürlich versuchen, die anderen auszugrenzen, und dadurch Druck aufzubauen, damit sie in die eigene Gruppe wechseln. Aber dazu ist es wenig geeignet eine so undifferenzierte Schuldzuweisung vorzunehmen und als kleine Gruppe versuchen eine kleine Gruppe so heterogen wie Deutsche durch Beschämen zu einem Verhaltenswechsel zu bewegen.

Eine effektivere Taktik wäre es wohl eher, Rassisten innerhalb der Gruppe zu isolieren, indem man versucht eine positive Gruppenidentität zu fördern und rassistisches Verhalten zu ächten. Also letztendlich der „Pack“-Ansatz. Natürlich bewirkt auch dieser bei den passenden häufig einen Gruppeneffekt, sie machen sich diese Bezeichnung zu eigen und nutzen ihn zur Stärkung der eigenen Gruppenidentität. Aber eine gewisse Isolierung tritt dennoch ein. Der Kampf wird dabei letztendlich darüber geführt, ob es gelingt eine negative Gruppenidentität zu errichten, die Leute abschreckt und Unterstützung entzieht oder der Prozess als berechtigt dargestellt werden kann, der lediglich durch „political correctness“ verhindert werden soll. In dieser Hinsicht arbeitet die Antifa letztendlich den Gruppen eher zu, da sie eben die Gruppenidentität auf die restlichen Deutschen erweitert und so gerade ein anschließen erleichtert.