Farbensehen als Verbesserung der sozialen Kommunikation

Auf dem Blog „was wissen“ stellt die Autorin eine Theorie zum Farbensehen dar, die darauf abstellt, dass es insbesondere wichtige Informationen im sozialen Zusammenleben bot:

Wir erkennen Gemüts- und Gesundheitszustand ganz ohne Erklärung, Gestik oder Mimik: ein großer Vorteil im sozialen Leben. Vielleicht ist unsere Farbwahrnehmung sogar deswegen entstanden. Das ist zumindest die Theorie des Neurobiologen Dr. Mark Changizi. Seine Erklärung: Unser Farbsehen ist perfekt auf die Farbspektren unserer Haut abgestimmt.

Denn die farblichen Untertöne unserer Haut entstehen durch den Sauerstoffgehalts des Bluts und der Blutmenge. Je mehr Sauerstoff vorhanden ist, desto röter erscheint die Haut, je weniger, desto grüner. Und: Je stärker durchblutet, desto bläulicher, je weniger Blut, desto gelblicher

(…)

Tatsächlich sind die Augen aller Trichromaten perfekt, um den Unterschied zwischen sauerstoffreichem und sauerstoffarmen Blut zu erkennen. Das heißt den Unterschied zwischen roter und grün-bläulicher Hautfarbe, die sich je nach Affenart entweder im haarlosen Gesicht oder dem blanken Hintern zeigt. Changizi folgerte daraus, dass die Evolution das Farbsehen nicht etwa hervorbrachte, damit die Tiere reife rote Früchte an grünen Bäumen erkennen und essen können. Sondern, da die in sozialen Verbänden lebenden Tiere eine neue Ebene der Kommunikation aufgebaut haben. Ein Beispiel dafür sind Weibchen, die ihre Paarungsbereitschaft mit einem feuerrot gefärbten Hinterteil anzeigen – etwa bei Pavianen oder Schimpansen.

Die Studie dazu:

We investigate the hypothesis that colour vision in primates was selected for discriminating the spectral modulations on the skin of conspecifics, presumably for the purpose of discriminating emotional states, socio-sexual signals and threat displays. Here we show that, consistent with this hypothesis, there are two dimensions of skin spectral modulations, and trichromats but not dichromats are sensitive to each. Furthermore, the M and L cone maximum sensitivities for routine trichromats are optimized for discriminating variations in blood oxygen saturation, one of the two blood-related dimensions determining skin reflectance. We also show that, consistent with the hypothesis, trichromat primates tend to be bare faced.

Quelle: Bare skin, blood and the evolution of primate colour vision

Aus der Studie:

We should emphasize that the idea that colour vision is important for colour signalling is not new (e.g. Hingston 1933; Wickler 1967; Regan et al. 2001; Liman & Innan 2003; Waitt et al. 2003; Zhang & Webb 2003), except that typically it is assumed that colour vision was originally selected for some other reason. One of the main contributions we make here is the argument that colour vision is near-optimal for discriminating skin colour modulations, something that increases the prima facie plausibility of the hypothesis that trichromacy was originally selected for the perception of skin colour signalling. Other adaptive explanations have been put forth to explain primate colour vision, including advantages for frugivory (Allen 1879; Mollon 1989; Osorio & Vorobyev 1996; Regan et al. 2001; Surridge & Mundy 2002), and for folivory (Lucas et al. 2003). Our discussion here provides no answer as to which of these may more likely have been the original selection pressure for trichromacy, or whether all these hypotheses may be important contributors (Regan et al. 2001). One advantage of the skin colour-signalling hypothesis is that, whereas there is a wide variety of trichromat frugivory and folivory behaviour, skin colour modulation is due to fundamental properties of blood shared by all primates, and this could be key in understanding the universal M and L cone sensitivities of routine trichromats. There are other phenomena that colour signalling can explain but these others cannot, including the high degree of perceptual discriminability and colour-uncategorizability of skin tones (see electronic supplementary material, §2), the bareness of trichromat faces, and the close affinity of colour to blood, skin colour and emotional states

Finde ich durchaus interessant. Natürlich können auch schlicht eine Vielzahl von Faktoren zusammengespielt haben. Zu Geschlechtsunterschieden im Bereich des farblichen Sehen verweise ich noch auf diesen Artikel hier

 

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17 Gedanken zu “Farbensehen als Verbesserung der sozialen Kommunikation

  1. Das würde die Zunahme der Anzahl intensiv lilaner und rosaner Hemden bei Freunden und Bekannten die verheiratet sind oder in Langzeitbeziehungen zu Frauen leben,erklären. 😛

      • Kam mir jetzt nicht in den Sinn. Ich mag die Farben und dachte immer: ‚Schön dass denen mal jemand sagt, dass sie das tragen können.‘

        • Will ja gar nicht in Abrede stellen, dass Vorschläge der Frau mitunter bereichernd sind. Manche Vorschläge (hellrosa kariert) kann ich aber nicht anders werten als „Der ist vergeben, Finger weg“

        • „Kam mir jetzt nicht in den Sinn. Ich mag die Farben und dachte immer: ‘Schön dass denen mal jemand sagt, dass sie das tragen können.’“

          Schwul 🙂

    • Die Rot-Grün Schwäche liegt halt in erster Linie daran, daß die entsprechenden Gene auf dem X-Chromosom liegen, von dem Frauen 2 Stück haben, Männer aber nur eines. Wenn da was kaputtgeht dann haben Frauen ein Backup, Männer nicht.

      Das ist auch genau das gleiche Problem wie bei Blutern, was fast ausschließlich bei Männern auftritt.

    • Das wäre eine interessante Frage. Gibt es deutliche statistische Unterschiede im Farbsehen von Menschen verschiedener Hautfarben?

  2. „Ein Beispiel dafür sind Weibchen, die ihre Paarungsbereitschaft mit einem feuerrot gefärbten Hinterteil anzeigen – etwa bei Pavianen oder Schimpansen.“

    Habe da nicht so viel Erfahrung mit, aber wieviele Menschenweibchen bekommen denn einen roten Hintern, wenn sie geil sind?

  3. Diese These würde aber immerhin erklären, warum der Mensch zum Rassismus neigt. Denn wenn Hautfarbe Emotionen und Sexualität signalisieren, fallen Menschen mit einer Hautfarbe die man nicht oder schwer deuten kann, aus dem sozialen Verband heraus.

  4. Dazu gibt es doch schon seit Jahrzehnten Forschungen, warum Frauen Lippenstift, Nagellack oder Rouge verwenden. Es geht darum, den „Fuckable“-Faktor (eigentlich Attraktivitätsfaktor) zu erhöhen.

    Da passt dann die Theorie vom Farbsehen durchaus dazu. Allerdings ist die Theorie nicht so ganz schlüssig. Es gibt Menschen, bei denen ist die Haut so schwarz, daß das mit dem „rot sehen“ bzw. dem Durchblutungsfaktor nicht so ganz hinhaut – außer, der Mensch ist auch auf die Wahrnehmung subtilster Veränderungen geeicht, was in anderen Bereichen schon belegt wurde. Das Farbsehen ist sicher nur einer von mehreren Faktoren.

  5. Das erste was mir dazu beim Lesen einfällt:

    eine Korrelation ist keine Kausalität.
    „Die hautfarben aller Trichromaten“ also?

    und brint dan als Beispiele freiliegende Gesichts- und Geschlechtsteile, die nicht (mehr) von Haut bedeck sind…

    Moment mal: Hautfarben unterliegen durchaus selbst einer beträchtlichen Selektion.
    Ist es nicht ziemlich anerkannt, dass verschiedene Farben, z.B. die signalfarben von Früchten, durchaus als Anpassung an die Sehfähigkeiten der Fressfeinde und Fressfreunde entstehen? (Bei Früchten ja durchaus: Friss mich und trage meine Samen überall hin, wo du hinkackst)

    Kann eine Hautigmentierung nicht daran angepasst werden, dass sie bei stärkerer oder schwächerer Durchblutung in anderen Farbbereichen deutlich wird?

    Die ganze Argumentation klingt wieder mal danach, dass da jemand nach Argumenten für eine Hypothese fischt und dabei Gegenargumente ausblendet. Dass Farbensehen und Farben in der Natur in einem beständigen Wechselspiel der Selektion stehen ist natürlich unbestritten. Aber die Vorstellung des Artikelschreibers, er habe da was starkes für
    „the argument that colour vision is near-optimal for discriminating skin colour modulations, something that increases the prima facie plausibility of the hypothesis that trichromacy was originally selected for the perception of skin colour signalling“
    finde ich doch auf ziemlich dünnen Füßen.

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