Unterdrückungsolympiade

Nils Pickert zieht über indische Männerrechtler her. Er meint, sie würden sich mit den Frauen auf eine Unterdrückungsolympiade einlassen, die sie nicht gewinnen können:

„Wir können die Tatsache nicht verleugnen, dass Frauen mehr verwöhnt und geliebt werden, und zudem mehr Aufmerksamkeit bekommen“, heißt es da. Kein Wort davon, dass weibliche Föten in Indien statistisch häufiger abgetrieben werden oder Mädchen weniger zu essen bekommen als Jungen.

Kein Wort auch darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, als Frau oder Mädchen Opfer massiver sexualisierter Gewalt zu werden. Stattdessen Krokodilstränen darüber, dass zu einvernehmlichem Sex eben auch ihr Einvernehmen gehören muss und nicht nur seines. Ja genau! Bei dieser Form von Unterdrückungsolympiade sehen wir Männer ziemlich alt aus – schon allein deshalb, weil Frauen dabei in Gewichtsklassen antreten (müssen), in denen der durchschnittliche Heteromann gar nicht vorkommt.

Die Unterdrückungsolympiade macht dabei allerdings Pickert auf und das mit merkwürdigen Beispielen. Im indischen Text steht nichts davon, dass man dagegen ist, dass zu einvernehmlichen Sex auch ihr Einvernehmen gehört, es steht etwas darüber, dass Frauen häufig auf ein Podest gestellt werden und Männer als die schlechten dargestellt werden. Und es geht auch nicht um eine Unterdrückungsolympiade, sondern darum, dass man (auch) Männer nicht unterdrücken soll.

Der Gedanke der Unterdrückungsolympiade ist eigentlich nur ironisch zu gebrauchen, Pickert erkennt aber gar nicht, dass er hier in eine solche tatsächlich einsteigt und sie als Argument gebraucht. Selbst wenn Frauen mehr unterdrückt werden würden, warum sollte an dann nicht gleichzeitig die Diskriminierungen von Männern einstellen bzw überdenken, welche Punkte für diese ungerecht sein könnten?

Es macht wenig Sinn auf einer Unterdrückungsolympiade zu bestehen, selbst wenn Frauen sie gewinnen würden. Im Gegenteil, es würde nach wie vor zynisch bleiben. Und das gerade auch, weil die Rollen sich gegenseitig stützen.

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138 Gedanken zu “Unterdrückungsolympiade

  1. Natürlich bekommen Jingsda mehr Essen. Wenn man nur begrenzt Essen hat, muss man es dem (zukünftigen) Leistungsträger geben. Hier sind diePrioritäten ja verschoben. Da bekommen erstmal Mädchen alles und Jungs bekommen das, was Mädels nicht wollen. Der Hintergrund ist da wohl, dass ihr Mann ihr ja auch alles gratis geben muss. Den Inder versteh ich aber auch nicht. Dassman Frauen auf ein Podest stellt, ist eben normal. Wer das nicht will, soll sich bitte nichtmehr abgeben mit denen. Im privaten sag ich Frauen auch, sie sollen sich verpissen, wenn ich keine Lust, Nerven, Geld hab indem Moment.

      • Hier hungern sie nucht und stehen auf dem Podest. In Indien hungern sie übrigens nicht. Sie verbrennen nur weniger Energie, weil sie nicht oder wenig arbeiten und daher wenig brauchen.

        • Hier hungern sie nucht und stehen auf dem Podest.

          Dann stehen sie nur in Indien nicht auf einem Podest?

          Sie verbrennen nur weniger Energie, weil sie nicht oder wenig arbeiten und daher wenig brauchen.

          Es geht um Jungen und Mädchen. Die arbeiten auch in Iniden eher selten.

          Und abgetrieben werden Mädchen auch, weil sie auf einem Podest stehen, gell?

        • „Und abgetrieben werden Mädchen auch, weil sie auf einem Podest stehen, gell?“

          Wie war das? Frauen sollen doch uneingeschränkte reprduktive Rechte haben … jetzt nutzen sie diese, ist’s auch wieder nicht richtig … 😦

        • @Kinchkun

          Das Männer in sehr armen gesellschaften zuerst versorgt werden hat einen trivialen evolutionären Grund, der immer noch besteht.

          Die Chance dass in Indien ein Mann mit körperlicher Arbeit einen Überschuss erwirtschaftet ist viel grösser als wenn die Nahrung im Krisenfall einer Frau gegeben wird; genauso war es früher auch bei Jägern und Sammler. Es gibt in Indien viele gefährliche Berufe für Tagelöhner etc., die einen beachtlichen Teil der Wirtschaft ausmachen. Dafür brauchst du Kraft sonst wirst du nicht mitgenommen.

          Der Fakt, dass man Männer zuerst versorgt existiert nur darum, weil es die Überlebenschancen der weiblichen angehörigen mehr steigert, als wenn die Frau die Nahrung direkt erhalten würde. Danach wäre der Mann nämlich zu schwach um zu arbeiten oder zu jagen. Das hat sehr viel mit Mathematik zu tun und gar nichts mit Unterdrückung.

          Genauso wenn es darum geht, welches Geschlecht abgetrieben wird. Männer werden in China auf dem Land nicht abgetrieben weil sie für die alternde Familie schwere körperliche Arbeit verrichten müssen. Frauen sind dazu physikalisch gar nicht in der Lage. Auch das ist eine reaktion auf ökonomische Zwänge.

        • Das Männer in sehr armen gesellschaften zuerst versorgt werden hat einen trivialen evolutionären Grund, der immer noch besteht.

          Also dieses „Ich lasse jedes zweite Mädchen unterernährt sein, treibe sie häufig ab und bringe sie seltener zum Arzt, wenn sie krank ist“ ist dieses berühmte auf den Podest stellen, ja? Und das ist alles ganz klar „evolutionär“, d.h. es gibt den Indern dazu eine genetische Disposition ihre Mädchen unterversorgt zu lassen?

        • @derdieBuchstabenzählt und toxicvanguard
          Ungeborene weibliche Föten werden öfter abgetrieben als männliche und kleine Mädchen schlechter versorgt als Jungen, weil dieses gesellschaftliche Entwicklungsland (das war nun diplomatisch formuliert) schon Ungeborene nach ihrem Geschlecht bewertet und ungleich behandelt und dies deren ganzes weiteres Leben so fortsetzt.

        • “ “Ich lasse jedes zweite Mädchen unterernährt sein, treibe sie häufig ab und bringe sie seltener zum Arzt, wenn sie krank ist” “

          Behauptungen ohne Belege. Selbst wenn es so sein sollte, wer macht das denn? Die Mütter vielleicht?

        • „Ungeborene weibliche Föten werden öfter abgetrieben als männliche und kleine Mädchen schlechter versorgt als Jungen, weil dieses gesellschaftliche Entwicklungsland (das war nun diplomatisch formuliert) schon Ungeborene nach ihrem Geschlecht bewertet und ungleich behandelt und dies deren ganzes weiteres Leben so fortsetzt.“

          Dass nicht-individualistische Gesellschaften ihre Mitglieder nach Nützlichkeitsaspekten beurteilen, ist aber nun nicht so überraschend.

        • @ _t_u

          „…und kleine Mädchen schlechter versorgt als Jungen, weil dieses gesellschaftliche Entwicklungsland (das war nun diplomatisch formuliert) schon Ungeborene nach ihrem Geschlecht bewertet und ungleich behandelt und dies deren ganzes weiteres Leben so fortsetzt.“

          In unserm Land werden Jungen zB schlechter mit Schulbildung versorgt, nur wegen dessen Geschlecht. Juckt ja auch niemanden … Opferpyramide und Frauen sind das Pyramidion.

        • @Adrian @toxicvanguard

          Dass „Gesellschaften ihre Mitglieder nach Nützlichkeitsaspekten beurteilen, ist aber nun nicht so überraschend“ – einerseits ja, andererseits nein.

          Der Skandal, der darum gemacht wird, dass z.B. in China oder in Indien Mädchen abgetrieben werden unterstellt, dies würde a. gegen den Willen der Mutter erfolgen und sei b. patriarchaler Zwang.

          Beides ist falsch.

          Dieser Blick auf die dortigen Verhältnisse ist – das ist eine Überraschung – wohlfahrtsstaatlich geprägt und komplett ahistorisch.
          Ungeachtet ihrer permanenten Forderung an andere, ihre eigene Sprechposition zu reflektieren, sind Feministinnen und ihre „Allies“ dazu in der Regel nicht in der Lage.

          Es ist also der weibliche Blick auf Verhältnisse, die vor der Einführung des „Frauen und Kinder zuerst“ geherrscht haben.
          Und mit „Kinder“ meinen sie selbstverständlich Mädchen.

          Die moralische Empörung ist ebenso billig zu haben wie das Gefühl moralischer Überlegenheit gegenüber diesen *Wilden*.
          Hier und damit wird Zivilisation und Fortschritt definiert: „Frauen und Kinder (Mädchen) zuerst.“
          Alle anderen Kulturen, die gesamte Geschichte wird nunmehr an diesem Eichmaß gemessen, welches sich als ÜBERLEGENE „Moral“ versteht und verkauft.

          Die historisch ganz simple Feststellung jedoch, dass junge Mädchen in der Regel mit der Heirat ihre Herkunftsfamilien verlassen macht plausibel, warum genau diese Familien nicht mehr in sie investiert haben.
          Denn jede Investition würde der Herkunftsfamilie nicht zugute kommen, sondern einer anderen.
          Damit macht es jedoch keinen Sinn, sie auf das Wohlergehen der Herkunftsfamilie zu *verpflichten*.
          Während der Sohn mit seiner Heirat in der Familie verbleibt.
          Und DIESER kann nunmehr verpflichtet werden, sich um das Wohlergehen der Herkunftsfamilie zu kümmern.

          In der obigen Betrachtungsweise wiederholt sich bis zum erbrechen die feministische (damit meine ich bürgerliche, ahistorische, moralisierende) Sichtweise: Das große Jammern über die Rechtlosigkeit der Frauen unter völliger Ausblendung der Tatsache, diese ging einher mit PFLICHTLOSIGKEIT.

          Dem Sohn kann nämlich die Pflicht und die Bürde auferlegt werden, sich um alt werdende Eltern zu sorgen und diese zu VERSORGEN, wenn sie dazu selbst nicht mehr in der Lage sind.
          Der Tochter nicht.
          D.h. es handelt sich hier um einen kulturell vermittelten ZWANG, der sich an ein Geschlecht wendet und an ein anderes nicht.
          Dieser Zwang spielt jedoch keinerlei Rolle, denn es wird „nur“ ein Mann gezwungen etwas zu tun.
          In diesem Fall: Alle seine Ressourcen, die ER erarbeitet hat, mit seiner eigenen Familie zu teilen und seine Eltern bis zu ihrem Tod zu versorgen – warum also diese erstaunliche Blindheit für Zwänge, die Männer betreffen?

          Aus der Sicht der MUTTER (sie ist nämlich, Überraschung!, 50% von „Eltern“) ist die Entscheidung für einen Sohn und gegen eine Tochter vor diesem Hintergrund rational und in ihrem ureigensten Interesse.
          Noch einmal: IN IHREM UREIGENSTEN INTERESSE.

          Und es erklärt sich auch die erstaunliche feministische Blindheit, die eine weibliche Blindheit ist: „Alle seine Ressourcen, die ER erarbeitet hat, mit seiner eigenen Familie zu teilen“ – hat sich historisch perpetuiert.
          Es ist zu einer weiblich-feministischen *Grundüberzeugung* (default) geronnen, die Ausgangspunkt aller Wahrnehmung und Überzeugung geworden ist.
          Und die – selbstverständlich – den ZWANG für den Mann ausblendet, den dieses teilen SEINER Ressourcen bedeutet.
          Diese weiblich-feministische Blindheit ist IN IHREM UREIGENSTEN INTERESSE.
          Ihre *Rechte* beruhen nämlich auf seinen *Pflichten* und seiner *Selbstverpflichtung*.

          Wer in der festen weiblich-feministischen Überzeugung lebt eine überlegene Moral zu besitzen, sollte besser verdrängen, dass seine eigenen „Rechte“, seine eigene „Moral“ historisch auf kulturellen Zwängen und ökonomischen Pflichten beruhen, die Männern aufgebürdet wurden und werden.

          Und Frauen eben nicht.
          Dies machte Frauen eben nur eingeschränkt nützlich und Frauen sahen dies (siehe MUTTER) genauso.
          Und wenn man beim mütterlichen Interesse und der Sozialisation/Kindererziehung schon einmal ist, wie kommt die SELBSTverpflichtung des Mannes eigentlich zustande?
          Und wem nützt diese?
          Dem Mann, dem Patriarchat, dem Kapitalismus?

          Schönen Gruß, crumar

        • Viele vergessen diese (m.E. recht extrem gynozentrischen) Hintergründe und projezieren einfach unsere westlichen kulturellen „Standards drauf. Dito islamische Länder.

          Deshalb ist die Wirkung von Feminismus (das auftauchen ist offenbar immer mit besseren ökonomischen Bedingungen verbunden) in diesem Ländern offenbar noch verhehrender, eben wie z.B. in Indien.

          Und es bilden sich Gegenbewegungen.

          (Vielleicht auch mit ein Grund für das starke Aufkommen des extremistischen Islams?)

        • Frauen brauchen weniger Futter, auch im Westen. Sieht man auch an den Ernährungstabellen.

          Wer das nicht weiß, sollte wohl mal etwas für seine grauen Zellen tun. Sorry, ging nicht diplomatischer.

          Nebenbei kann auch hinzukommen, daß Mädchen eher weniger hart arbeiten müssen als Jungen. Das ist durchaus möglich. Kinderarbeit ist in Indien sehr verbreitet.

          Wieso gibt es keinen Link zum Pickert-Gutmenschen-Schrott?

          Oder soll ich lieber Social Justice Warrior sagen?

          Damit wird der Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit abgewertet. 🙂

          Schlimmer Begriff, der auch von radikalen Meerschweinen gebraucht wird. Darüber sollte man die Menschen informieren. Wenn die Leute wissen, daß Social Justice Warrior ganz mies von radikalisierten Meerschweinchen gebraucht wird, dann lassen sie von diesem rechten Kampfbegriff ab.

          :facepalm:

        • @petpanther

          1. Ich bin lange ehrenamtlich gewerkschaftlich aktiv gewesen und hatte viel mit Jungs mit Migrationshintergrund zu tun.
          Eines der größten Anliegen der Bildungsarbeit war folgende Propaganda:

          Mach eine Ausbildung, mach eine Ausbildung, mach eine Ausbildung!

          Und dann schauten die recht unglücklich drein und du konntest dir an zwei Fingern einer Hand abzählen, welcher Druck zu Hause auf ihnen lastete, möglichst sofort nach der Schule mit einer Arbeit anzufangen.

          Ich glaube nicht, dass ich groß erklären muss, welche Lebensperspektive in unserem Land dann noch offen steht.

          Warum die schulischen Erfolge der Mädchen mit Migrationshintergrund existieren ist ganz simpel:
          a. Mit einer solchen Erwartung werden sie erst gar nicht konfrontiert.
          b. Selbst mit einem im Vergleich zu deutschen jungen Frauen niedrigen Heiratsalter reicht das locker, auch einen höherwertigen Schulabschluss zu realisieren und eine Ausbildung abzuschließen.
          c. Man muss als Mädchen in Deutschland komplett blind sein, um nicht zu bemerken, dass der soziale Aufstieg *durch* Bildung von Mädchen und Frauen gefördert wird – *insbesondere*, wenn sie einen Migrationshintergrund haben.

          Der *gleiche* kulturell-familiäre Hintergrund – transportiert in einen Staat mit einem ganz anderen – multipliziert die objektiven Benachteiligungen durch männliche Pflichten.
          Bedauert und gefördert werden jedoch die Mädchen und Frauen.

          Denn Jungen mit Migrationshintergrund sind natürlich Machos (wenn ein Genderist_*/in das sagt, handelt es sich selbstverständlich um kein rassistisches Stereotyp!) und an ihrem schulischen Versagen selber Schuld.
          Soweit die Sicht der linken Idioten auf diese Jungen.

          Addiere dann noch die rechten Idioten mit ihrem Alltagsrassismus und 100 Absagen auf 100 Bewerbungen und du brauchst wenig Empathie, um dir vorzustellen, was im Inneren eines 17-jährigen vor sich geht, der dann schon ahnt: Sein Leben wird Scheiße.

          Ende Teil 1

          Schönen Gruß, crumar

        • @ crumar

          Gut zusammengefasst, nach dem intellektuellen Schleuderkurs einiger anderer Beiträge.

          Die Wahrheiten sind eben hier oft nicht so einfach. Das peilen manchmal nicht nur die Feministinnen nicht.

        • @carnofis

          Danke für dein Lob! 🙂

          Ich glaube, sich diese Wahrheiten zu erarbeiten ist genau das: Arbeit. Und viele Ideologen – egal ob von rechts oder links – präferieren eine ganz simple Weltsicht, weil das der beste Einstieg in die individuelle Arbeitszeitverkürzung ist.

          Und um eine Handlung oder eine Aussage im gemeinten Sinn zu verstehen, muss man sie erst einmal verstehen *wollen*.

          Wer aber im festen Glauben ist, die gesamte Geschichte der Menschheit läuft auf eine universelle und umfassende Diskriminierung von Frauen heraus und sei nur so zu erklären, der empfindet andere Erklärungen natürlich wenigstens als Belästigung, wenn nicht als Bedrohung dieses Glaubens.

          Zumal, wenn man für diesen Glauben die Menschheitsgeschichte so zurechtlügen muss, damit sie zum Glauben passt.

          Vgl. #EU-Toleranzedikt

          @petpanther Teil 2

          Ich glaube, die Entstehung des radikalen Islam beruht auf einem ganzen Bündel von Ursachen und es ist mir nicht möglich, auch nur meine 2 Cent darzustellen.

          Wo wir einer Meinung sind ist, dass der Feminismus ohne Wohlfahrtsstaat und die Existenz von Sozialsystemen nicht vorstellbar ist.

          Die Dialektik von Adrians Aussage, wonach *nicht- individualistische Gesellschaften* Individuen nach Nützlichkeit bewerten besteht darin, dass staatliche Sozialsysteme eine solche Individualisierung erst ermöglichten.

          Das kann ich an meinem Beispiel verdeutlichen: OHNE staatlich organisierte Rentenversicherung gib es eine gegenseitige innerfamiliäre Abhängigkeit. Der Sohn versorgt die Eltern materiell, dieser wiederum wird Vater und das ganze Spiel setzt sich in jeder Generation fort.
          Man ist – im Guten wie im Schlechten – aufeinander angewiesen.
          Wenn nun der Staat und die Rentenversicherung an die Stelle des Sohnes tritt und an der der Eltern, so erlischt diese Abhängigkeit und ermöglicht erst ein heraustreten aus dieser familiären Konstellation und individuelle Autonomie.

          Natürlich wird diese gegenseitige Abhängigkeit mit moralischen, religiösen, kulturellen Weihen versehen und in ein ideologisches Belohnungssystem eingebunden (ein guter, richtiger Mann hat natürlich Frau und Kinder, ehrt seine Eltern usw.).
          Man kann diese Ideologie noch so sehr kritisieren, die Basis der innerfamiliären Abhängigkeit bleibt jedoch bestehen.

          Ebenso Krankenversicherung – dazu eine persönliche Anekdote: Wenn man bspw. in muslimischen Ländern in ein Krankenhaus kommt, dann haben die oft keine Küche, denn es wird als völlig selbstverständlich angenommen, dass sich ganze Heerscharen von Familienmitgliedern einfinden, die den Kranken versorgen und natürlich Essen mitbringen. Meine Erfahrung als „Ausländer“: Man hat sich geradezu rührend um mich gekümmert und am allermeisten tat ihnen leid, dass ich so allein sein musste. Was wiederum für mich schwierig war, weil mir die ständige Anwesenheit von mindestens einem halben Dutzend Menschen an meinem Bett schwer auf die Nerven ging. 😉

          Vor diesem Hintergrund ist der „westliche Individualismus“ also nicht ganz unproblematisch, weil es in diesen Ländern solche sozialen Sicherungssysteme (oft) nicht gibt.
          Und wer die Familie, also dieses familiären Hilfssystem zerschlagen will, sollte m.E. einen Plan B in der Tasche haben, um nämlich etwas an diese Stelle zu setzen.

          Wenn der Plan B jedoch nur TINA heißt und westliche Individualisierung ein Zeichen des Fortschritts überhaupt ist, dann sollte man sich auch nicht wundern, wenn „westliche Werte“ als Bedrohung empfunden werden.

          Und die Bedrohung ist – wie ich hoffentlich verdeutlichen konnte – keine reine Einbildung, sondern sehr real.

          Schönen Gruß, crumar

        • @crumar

          Das ist eine gut zu verfolgende Darstellung. Sie zeigt wohl auch an, dass hier häufig viel zu oberflächlich „gedacht“ wird. Insbesondere die Medien sind da mehr als lausig.

          Ja, ökonomisches Wohlergehen hängt auch mit dem dann möglichen Einziehen eines Wohlfahrtstaats ab. Der allerdings die Tendenz der Selbstzerstörung aufgrund durchaus rationalem menschlichen (Aus)Nutzverhalten hat.

          Und hier wird die gegenseitige Abhängigkeit im Sinne zugunsten der Frauen und zuungunsten der Männer „gelöst“. Individualität für Frauen auf Kosten von Männern, die das ermöglichen müssen. Was zunehmend dann männerseitig nicht mehr motiviert werden kann, da nur Verpflichtung ohne Nutzen entsteht, d.h. ein Ausbeutungsverhältnis mit Willkür, das nur über Ideologie und Knechtung aufrechterhalten werden kann. Und da es in eine zunehmend nicht tragbare „Ökonomie“ hineinläuft, muss es sich ständig verschärfen. Ein „modernes“ totalitäres Lehnswesen ist dann im Entstehen.

          Dieser Prozess ist wohl zwangsläufig und hängt an der weiblichen Veranlagungstendenz verantwortungsfrei agieren zu wollen, was wiederum mit Reproduktion zu tun hat.

          Es bleibt offen inwieweit solch ein inhumanes „System“ stabil sein kann. Z.B. gegenüber radikalem Islam, der auf andere Weise inhuman ist, aber eben auch diktatorisch.

          Wor erleben ja gerad eine jakobinische Wende in Richtung Illiberalität, wo ideologischer Totalitarismus als „tolerant“ bzw. „progressiv“ verkauft wird.

          Dazu gehört aber eben auch, dass eben nicht tiefer und rational offen geschaut wird, bzw. andere Kulturen tatsächlich ohne maskenbehaftete bzw. Verzerrt gefilterten Wertlinse gesehen werden. Einer der Schlüssel scheint die Selbsterkenntnis von Formen bzw. Kulturellen Ausprägungen von Gynozentrismus zu sein.

        • Dazu zwei kürzlich Videos:

          Wohlfahrtsstaat, Feminismus, … etc. am Beispiel Schweden von CS MGTOW

          Ein weiteres Gespräch von Stardusk mit Prof. Mills – Ideologisierung von „Wissenschaft“ … eine Art „Gallileische Rückdrehung“ durch ignorierende inquisatorische Willkür. Besonderes Feinbild Biologie, insbesondere alles mit Evolution und der Natur des Menschen.

  2. Der Komentar von cherryblues:

    „lustig wenn man feministische forderungen im kontext zu männerthemen setzt, wird behauptet, dass das hier nix zu suchen habe weil es um frauen ginge.
    gehts dann mal um männer (über die umsetzung kann gerne gestritten werden, ich hab das inhaltlich auch eher, sagen wir mal, schwach gefunden) kritisiert man aber sehr wohl, dass die situation der frauen nicht berücksichtigt wird.

    doppelmoral? fehlende selbstreflexion? oder einfach nur naivität?
    wie kommt es zu einer solchen verzerrten wahrnehmung?“

    • @Matze
      wie kommt es zu einer solchen verzerrten wahrnehmung?”

      Ich glaube sie ist die Basis der menschlichen Gesellschaft.

      Frauen haben natürlich die Schwangerschaft und einen großen Teil der Aufzucht als biologische Bürde, der Mann andererseits hat, eben weil das Frauen in gewisser Weise einschränkt, einen viel größeren Anteil an den schwierigen risikobehafteten Arbeiten der Arterhaltung, die ja im Grunde Familien- oder Clanerhaltung ist, Beschaffung von Nahrung unter schwierigen Bedingungen, Kampf gegen Raubtiere, gegen innerartliche Konkurrenz usw., das alles fand ja zunächst auf instinkthafter Ebene statt.
      Nun hat sich bei der Spezies Mensch aber der Intellekt und die Kultur entwickelt. die Sorge um die lebenspendenden (gebärenden) Frauen führte wohl zunächst zu Mutterkulten.
      Dem Mann wird natürlich bewusst, das er den schwersten gefährlichsten Anteil an der Arterhaltung hat. Als Lohn dafür bekommt er die familiäre Geborgenheit*. und, und damit komme ich zum Thema:
      Der Mann wird auf ein patriarchalisches Podest gehoben. Das ist die eigentliche verzerrte Wahrnehmung.
      Nur wenn Männer sich selbstbewusst als Ernährer Retter Beschützer oder so wahrnehmen, werden sie die sich objektiv dahinter verbergende Rolle als „Diener“ von Frau und Kind auch gerne wahrnehmen.
      Und umgekehrt müssen sich Frauen natürlich immer als besonders arme schutzbedürftige, zuwendungsbedürftige benachteiligte Geschöpfe darstellen. Im Feminismus sind sie natürlich stark und selbstbewusst aber immer, immer benachteiligt von den bösen Männern.
      Kurz gesagt, Männer müssen in der Illusion leben die Herren der Frauen zu sein, um ihre Funktion als deren Diener zu erfüllen.
      Das ist die basale Grundtäuschung oder Verzerrung in der menschlichen Gesellschaft.
      Oft ist sie auch dahingehend modifiziert, das die Männer nicht den Frauen direkt dienen, sondern den ranghöheren Männern, damit diese wiederum ihren Frauen mehr bieten können.
      Das dies natürlich in unzähligen kulturellen, sozialen Varianten und auch Fehlentwicklungen existiert sei unbestritten.

      Wenn der westliche feministische und individualistische Wahn nun den noch eher klassischen Gesellschaften, in denen die Familie und nicht das Individuum die Grundeinheit ist, diese Grundtäuschung der menschlichen Gesellschaft durch deren Übertreibung offenbar macht, und gleichzeitig auch noch den Männer ihre Rolle zerstört, indem er die Pämperung der Frauen (und nicht nur der Mütter) quasi zur Staatsaufgabe macht wird das natürlich zu Verwerfungen führen müssen.
      Natürlich führt es auch zu Verwerfungen, wenn das klassische Modell übertrieben wird, wie im arabischen ´Raum, so das unzählige junge Männer überhaupt keine Chance mehr haben, ihre Rolle zu spielen, weil die Platzhirsche keinen Platz lassen.

      familiäre Geborgenheit*

      Das Grundbedürfnis nach emotionaler Zuwendung , Berührung usw. wird ja Kindern generell erfüllt, Frauen erfüllen es sich gegenseitig ebenfalls, Männern wird es aber in manchen Gesellschaften entzogen, ihnen wird quasi vermittelt, so du bist jetzt ein Mann, nur wenn Du das und das erfüllst, bekommst Du Zuwendung von deiner Frau.
      Der Mann wird also aus dem allgemeinen Kuschelnest von Frauen und Kindern rausgeworfen und nur unter Bedingungen wieder reingelassen.
      Vielleicht biologisch gesehen eine Vorstufe des Sozialverhalten bei viele Säugern (z.B. Hirsche, Elefanten), wo ja die Familie generell nur aus Frauen und Heranwachsenden besteht, während Männer alleine oder in Männergruppen umherziehen und nur zur Paarung die Weibchen aufsuchen, wobei neuere Verhaltensforschung zeigt, das auch hier die Verhältnisse komplizierter sind, aber das ändert am Grundsatz nichts.
      Das wäre sicher ein Traum vieler Feministen, ich gebe aber denen Recht, die hier darauf hingewiesen haben, das Feminismus nur im Wohlfahrtsaat entstehen kann.
      Ich glaube viele westliche Frauen denken überhaupt nicht eine Sekunde darüber nach, was alles an ihrem Leben von Männer abhängt, aber wie gesagt, warum auch, sie leben ja in dem Verständnis, das es ihnen naturgegeben zusteht.

  3. Die hohe Abtreibungsrate für Mädchen in Indien könnte an der guten alten Tradition der Mitgift da drüben liegen, nicht an irgendwelchen Überlebenstheorien. Wenn man eh schon armes Bauernpaar auf dem Dorf ist, dann kann das ruinös sein.

    Jungs dagegen bringen gut Kohle in die Familie, wenn man es schafft sie an Kinder reicher Eltern zu verheiraten.

    • Ja, das schreibt auch die Wikipedia:

      „Die Höhe der Mitgift richtet sich vor allem nach der sozialen Stellung des Bräutigams, wodurch Frauen niederer sozialer Schichten effektiv daran gehindert werden, in höhere Schichten einzuheiraten, ohne dass es dafür expliziter Verbote bedarf.

      Außer für die Ehefrauen selbst ist diese Entwicklung auch für die Gesellschaft insgesamt problematisch, da Töchter in vielen Familien als existenzielles Armutsrisiko gesehen werden. Dies führt dazu, dass weibliche Föten nach einer pränatalen Geschlechtsbestimmung häufig abgetrieben werden. So liegt inzwischen in einigen Landstrichen Süd- und Ostasiens das Verhältnis von Männern zu Frauen bei 10:7. Es ergibt sich eine demographisch ungünstige Entwicklung.“

      https://de.wikipedia.org/wiki/Mitgift#Kulturelle_Auswirkungen

      • Es gibt eine Reihe von Gesetzen gegen Mitgift, die zwar in weiten Teilen der Gesellschaft ignoriert werden, von anderen weiten Teilen der Gesellschaft aber gerne missbraucht werden.

        a two-judge bench of the Supreme Court (…) and went on to observe that the 498A had become a powerful weapon in the hands of disgruntled wives where innocent people were arrested without any evidence due to non-bailable and cognizable nature of the law.

        https://en.wikipedia.org/wiki/Dowry_system_in_India#Criticisms_on_the_abuse_of_dowry_laws

      • Hin und wieder ist Gesetz 498a Thema bei avoiceformen. Z.B. hier.

        Da wird ein pensionierter Richter zitiert mit:

        A woman isn’t punished for adultery in this country. However, she can file endless false cases against you, get you arrested under 498A, and make you run around courts for years until you satisfy her demands. She’s a woman.

        Klingt wirklich fürchterlich frauenunterdrückend.

        Wenn man dann noch bedenkt, dass eine Regelung wie Mitgift niemals gegen den Willen der Mütter aufrecht erhalten werden könnte, klingt das alles noch viel viel frauenunterdrückender.

        Scheiß-System? Ja, aber sicher. Patriarchal? Quatsch.

        • Wer hat denn was von patriarchal gesagt? Ich mag mich irren, aber ich glaube traditionell werden die Geschenke dort von den Schwiegermüttern ausgehandelt.

          Es klingt marktwirtschaftlich sowieso quatschig. Wenn die Familie schon für teuer Geld einen Ehemann für die Tochter kauft, sollte sie den und seine Altersversorgungskapazität auch haben, anstatt ihn bei der Familie des Ehemanns lassen zu müssen und die Kapazität der Tochter auch noch zu verlieren. So ganz menschenhändlerisch gesprochen.

          • „Wer hat denn was von patriarchal gesagt?“

            Zum Beispiel die hier:

            „Die stark patriarchalische indische Gesellschaft, wachsende Armut und eine generelle Abwertung von Frauen haben dazu geführt, dass Gewalt in die Mitgiftpraxis Einzug gehalten hat“, sagt Ranjana Kumari, Direktorin des „Centre for Social Research“ in Neu Delhi gegenüber der Deutschen Welle

            Steht nicht in quasi allen unseren Qualitätsmedienbeiträgen zur Lage der Frau in Indien, dass das Patriarchat schuld ist?

            „So ganz menschenhändlerisch gesprochen.“
            Naja, im allgemeinen gilt ja schon, dass eine Ware ihren Preis wert ist, wenn er im allgemeinen bezahlt wird.
            You get what you pay for.
            In diesem Fall ist der Preis anscheinend dafür, die Tochter von der eigenen Tasche zu haben.

        • Zum Beispiel die hier:

          Die war bisher aber nicht in der Diskussion aufgetaucht. Inwieweit die kulturellen Einflüsse da drüben patriarchal sind, ist mir ehrlich gesagt egal.

          In diesem Fall ist der Preis anscheinend dafür, die Tochter von der eigenen Tasche zu haben.

          Dann ist es immer noch ökonomisch quatschig. Für die Eltern wäre es günstiger die Frau lernt einen ordentlichen Beruf und tut sich mit einer Lesbe zusammen. Kutschera behauptet doch dass Frauen da beliebig umschalten könnten.

          Dann endet zwar die Genlinie, aber zwei arbeitende Frauen können arme Elternpaare immer noch besser versorgen, als gar keine Kinder.

          Und wenn mit Überschuss zu rechen ist, braucht man für Kinder auch nicht zwingend einen Ehemann. Ein Fickwilliger mit guten Genen reicht.

          • „Dann ist es immer noch ökonomisch quatschig. “

            Das ist richtig.
            Aber da ja nicht nur ökonomische Überlegungen an den Entscheidungen von Menschen zerren…

      • Aber die kWHM sind doch Unterdrücker, die den Thermostat extra so konstruiert haben, damit sich die Frauen im Büro einewn abfrieren und daher lieber in der warmen Küche zu Hause bleiben.

        Nein, die schwulen Männer sind doch immer so frauenlieb! Ich fordere daher eine Schwulenquote für Büros, wo Frauen arbeiten!

    • „Viele Männer denken, Frauen würden sich nur anstellen, aber sie können nichts dafür“, zitiert die „New York Times“ Joost van Hoof, einen niederländischen Bauphysiker, der nicht an der Studie beteiligt war. „Frauen ziehen häufiger ausgeschnittene Oberteile an – und der Ausschnitt ist näher an der Körpermitte, also ist der Unterschied zwischen Raum- und Körpertemperatur höher, wenn es kalt wird“, so van Hoof. Er wolle den Effekt des Ausschnitts nicht überschätzen, aber „er ist da“.

      Völlig Gaga…muss ich nichts zu sagen. Wie immer auch hier: Frauen wird einfach weniger Verantwortlichkeit zugeschrieben.

      Ich sehe schon, wir brauchen auch den Lady’s Trakt nun termostatisch. Wunderbar, in den Schulen und Unis werden die Damen schon vor den Herren geschützt….

      Wir sagen die ganze Zeit wir wollen Unterschiede unsichtbar machen und niemanden aufgrund Geschlecht anders behandeln. Genau das Gegenteil ist der Fall…

      • Einfache Lösung: Vergesst Anzughemd und Krawatte und zieht Crop-Tops an. Dann werden wegen des im Schnitt langsameren Metabolismus die Frauen immer noch eher frieren, aber der Unterschied wird deutlich geringer.

        Wie mir eine Freundin mal sagte, als sie mir im Winter die Hand gab: Alle Männer sind Öfchen.,

      • Wir müssen sie halt als Öko-Schweine brandmarken!

        Von wegen „wegen eurer Ausschnitte muss mehr geheizt werden, dadurch gibt es mehr böses CO2 und heimatlose Insulaner. Und abgeholzte Bäume und arme Robbenbabys [hier bitte ein Bild denken!]. Und ihr seid schuld! Weil ihr so friert! Und weil ihr durch eure Kleidung so friert!“

        Welchen Hashtag nehmen wir dafür?
        #coldwomankillclima ?

      • ät Matze:
        Hihi, genau! Am weiblichen Wesen soll die Welt genesen!
        Merkwürdig, diese Mono-Weltrettungstheorien.
        Schaffe den Kapitalismus ab, und alles wird gut.
        Schaffe das Patriarchat ab, und alles wird gut.

        Was kommt als nächstes? Die Spezies?

        „Spektrum“, früher ein WISSENSCHAFTSverlag, ist mittlerweile offenbar stramm auf Genderkurs.
        Übernimmt sogar schon die Genderbiologie à la Voß: http://www.spektrum.de/news/die-neudefinition-des-geschlechts/1335086

        • Phillip K. Dick sagte anscheinend mal: Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört daran zu glauben.

          Ich würde ja ergänzen, dass Realität auch das ist, was nicht verschwindet, wenn man nicht darüber reden will.

          Ich fand den Artikel ganz interessant.

        • Ich fand den Text ebenfalls hochinteressant. Er zeigt mal wieder, dass selbst kleinste biologische/genetische Unterschiede eine große Wirkung auf den Organismus haben können. Mehr als zwei Geschlechter gibt es deshalb aber nicht, auch wenn es Menschen gibt, die nicht klar einem der beiden zugeordnet werden können.

        • Der Text ist durchaus interessant, aber die reisserische Quintessenz ist albern: das Interesse an der Abschaffung der Zweigeschlechtlichkeit kann ich nicht nachvollziehen.

        • “Spektrum”, früher ein WISSENSCHAFTSverlag, ist mittlerweile offenbar stramm auf Genderkurs.

          Der Artikel erschien ursprünglich in NATURE. Und ich finde ihn auch interessant. Über den gesellachaftlich-interpretierenden Teil kann man natürlich streiten, aber dieser ist klar getrennt von den biologischen Fakten.

          Das ist ein ganz anderes Niveau als Voss.

        • Er erschien nicht in der Zeitschrift Natur, sondern einem angehängten blog.

          Sehe ich nicht so:
          http://www.nature.com/nature/archive/category.html?code=archive_news_features&year=2015&month=02

          Problematisch ist, dass er alte Sachen als neu verkauft und sie ideologisch verpackt

          So wie ich es überblicke werden im Text sehr viele Zeitangaben gemacht.

          Ideologisch verpackt finde ich da auch nicht viel, beispielsweise:

          Ein typischer Mann hat ein X- und ein Y-Chromosom (XY), eine typische Frau hat zwei X-Chromosomen (XX). Auf Grund genetischer Variationen oder zufälliger Ereignisse in der Entwicklung passen manche Mitmenschen nicht genau in diese Kategorien. So stimmen bei Menschen mit Besonderheiten und Störungen der Geschlechtsentwicklung (DSD für „disorders of sexual development“) die Geschlechtschromosomen nicht mit der Anatomie der Geschlechtsteile überein.

          ..ist ja nun nicht gerade Gender-Ideologisch.

        • @Christian

          Dann ist der Satz

          Dieser Artikel erschien unter dem Titel „Sex redefined“ in Nature 518, S. 288-291, 2015.

          schon mal falsch. Ansonsten spricht der Artikel auch nur über Varianten der bekannten Geschlechter und macht nicht viele Anstrengungen DSD als häufig darzustellen. Was findest du ideologisch bedenklich?

        • ät Nachtschatten:

          Ein interessantes Dick-Zitat. Daß gerade Du…
          Welcher Artikel war für Dich interessant? Der Genderbüro- oder der Genderbiologie-Artikel?

        • @Adrian

          das Interesse an der Abschaffung der Zweigeschlechtlichkeit kann ich nicht nachvollziehen.

          Siehst du da ernsthafte Versuche das zu tun?

        • @Axel

          Welcher Artikel war für Dich interessant? Der Genderbüro- oder der Genderbiologie-Artikel?

          Die Übersetzung des Nature-Artikels zur Intersexualität.

        • ät Nachtschatten, Nick, Denton, Adri (wie üblich):

          „Problematisch ist, dass er alte Sachen als neu verkauft und sie ideologisch verpackt“

          – Laßt Euch von einem bösen, patriarchalischen, alten Biologen sagen, daß Entwicklungsfehler bei etlichen Organen oder Organsystemen seit JAHRHUNDERTEN bekannt sind.

          Rudolf Virchow hat Exponate von Jahrmarkt-Grusel-Zeigern aufgekauft und in der Charité selber gesammelt.
          Ihr könnt Euch diese Exponate selber angucken: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/berliner-charite-kabinett-des-grotesken-a-689497.html

          Geschlechtsorgane, Gedärm, Köpfe, Arme, alles mögliche gibt es mit Entwicklungsfehlern.
          Warum sollen gerade die falsch programmierten Geschlechtsorgane plötzlich „normal“ und typisch für ein „Kontinuum“ sein?
          Sin Kinder mit drei Armen dann eine neue Menschenart? Ist der Mensch dann überhaupt eine Art, oder nur ein „Pol“ im „Kontinuum“ der Affentiere?

          Nick: „..ist ja nun nicht gerade Gender-Ideologisch.“
          – Ach nein? Hier: https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2013/weder-mann-noch-frau-19543

          Voß fügt dem Genderirrsinn lediglich eine weitere Story hinzu. Daß das in der Sekte akzeptiert wird, wundert mich, weil die Päpstin ja gerade sagt, daß NUR die Gesellschaft das Geschlecht macht.
          Wahrscheinlich winken sie den Mumpitz durch, weil saie mit ihrem Sozialblödsinn nicht gegen harte Evolutionsbiologen ankommen. Da kommt der Biologe Voß gerade richtig. (Es tut weh, Voß als Biologen zu bezeichnen.)

          Ich fühle mich übrigens als transgenderige Gartenspitzmaus und wünsche, daß Ihr das gefälligst anerkennt und mich entsprechend behandelt. Wenn nicht, seid Ihr speziesistische. transophobe Nazis!

        • @Gartenspitzmaus

          Nick: “..ist ja nun nicht gerade Gender-Ideologisch.”
          – Ach nein? Hier: https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2013/weder-mann-noch-frau-19543

          Das ist aber ein anderer Artikel.

          Voß fügt dem Genderirrsinn lediglich eine weitere Story hinzu. Daß das in der Sekte akzeptiert wird, wundert mich, weil die Päpstin ja gerade sagt, daß NUR die Gesellschaft das Geschlecht macht.

          Es gibt eine Päpstin? Wenn du die Butler meinst: Die hat, wenn ich sie richtig verstehe, nur geschrieben, dass wir auch biologische Körper in ihrer konkreten Ausgestaltung nicht ohne Berücksichtigung kultureller Einflüsse diskutieren können. Das scheint mir ein eher trivialer Gedanke zu sein. Immerhin verändert sich die konkrete morphologische Ausgestaltung diverser weiblicher Körper abhängig davon ob gerade Fat-Shaming-Kampagnen oder Laufsteg-Models kulturell angesagt sind, mitunter recht deutlich. Das ändert allerdings nichts am biologischen Geschlecht.

          Mit Voss mögen sich seine Mitbiologen befassen, die das, so ist zumindest mein Eindruck, mehrheitlich eher gelassen sehen. Wenn du seine Ansätze als alter Biologe wirklich so schrecklich findest, dann schreib akademische Reviews zu seinen Schriften und versuch deine Kollegen zu überzeugen.

          Naturwissenschaftler mit unkonventionellen Ideen gibt es allerdings immer. Ich erinnere mich mal von einem promovierten Biochemiker gelesen zu haben, der Theorien zur Telepathie entwickelt hat. Ich glaube die GWUP hat mal erklärt dass er spinnt, aber sonst hat es außerhalb der Skeptiker-Gemeinde kaum jemanden groß aufgeregt.

          Was seine Idee einer Gesellschaft angeht, in der das Geschlecht so unwichtig wie das Sternzeichen wird: Viel Spaß dabei. So wichtig wie die Leute ihre Geschlechtsidentität nehmen, gebe ich ihm da eher geringe Chancen.

          Ein zusätzliches Feld im Personalausweis für Intersexe oder meinetwegen ‚ich mag mich nicht zuordnen‘ halte ich jetzt nicht für tragisch.

        • @ Nachtschattengewächs
          „Siehst du da ernsthafte Versuche das zu tun?“

          Ich sehe ernsthafte Diskussion über die Dekonstruktion von biologischem Geschlecht. Alleine das ist schon befremdlich.

        • „So wichtig wie die Leute ihre Geschlechtsidentität nehmen, gebe ich ihm da eher geringe Chancen.“

          Und das ist doch das Absurde daran. Voss nennt sich Biologe und erkennt offenbar nicht einmal die fundamentale Bedeutung vom biologischen Geschlecht.
          Wenn die Leute ihre Geschlechtsidentität ernst nehmen, könnte der Grund dafür nicht der sein, dass Geschlecht fundamental ist?
          Ja, ist es!

        • @Adrian

          Ich sehe ernsthafte Diskussion über die Dekonstruktion von biologischem Geschlecht. Alleine das ist schon befremdlich.

          Ich finde es interessant, auch wenn ich keine große praktische Bedeutung darin sehe.

        • @nachtschatten, ich habe mal auf youtube nach judith butler gesucht und in einem der videos, dass ich jetzt leider auf die schnelle nicht mehr finde, sagt sie wörtlich „ja, ich meine, dass das geschlecht sozial konstruiert ist. ich weiß, dass diese hypothese umstritten ist, aber das ist meine hypothese.“ ist ja auch im einklang mit simone de beauvoirs hypothese, dass man nicht als frau geboren, sondern zu ihr gemacht wird. diese hypothesen, lassen sich viel eher mit einem voss’schen geschlechterkontinuum in einklang bringen, als den biologischen zwei geschlechtern.

        • @albert

          @nachtschatten, ich habe mal auf youtube nach judith butler gesucht und in einem der videos, dass ich jetzt leider auf die schnelle nicht mehr finde, sagt sie wörtlich “ja, ich meine, dass das geschlecht sozial konstruiert ist. ich weiß, dass diese hypothese umstritten ist, aber das ist meine hypothese

          Da käme es jetzt auf den Geschlechtsbegriff an: 🙂

          Auf die Schnelle habe ich nur eine Sekundärquelle.

          Wenn ich es nicht vergesse, werde ich mal schauen ob das angesprochene Magazin online verfügbar ist.

          Diesem Blick auf ihre Theorie hat Butler – in ebenso einfachen Worten aus einem Interview mit dem „Philosophie Magazin“ (1/2013) – entgegenhalten: „Wissen Sie, ich bin ja nicht verrückt. Ich bestreite keineswegs, dass es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Doch wenn wir sagen, es gibt sie, müssen wir auch präzisieren, was sie sind, und dabei sind wir in kulturelle Deutungsmuster verstrickt.“ Butler zufolge ist es unmöglich, Mann oder Frau zu sagen, ohne zugleich kulturelle Deutungsmuster auszusagen. Somit gibt es „keinen Rückgriff auf den Körper, der nicht bereits durch kulturelle Bedeutungen interpretiert ist.

          Das wäre näher an dem wie ich es verstanden habe.

        • @Adrian

          Wenn die Leute ihre Geschlechtsidentität ernst nehmen, könnte der Grund dafür nicht der sein, dass Geschlecht fundamental ist?

          Das ist zumindest im Moment die meist akzeptierte Interpretation, soweit ich sehe. Ich habe keinen Grund sie anzuzweifeln.

        • ät Nachtschatten und Adrian:

          Danke, daß Du meine soziale Spezies, die ich mir ausgesucht habe, respektierst!
          Morgen will ich eine Taufliege sein, weiblich. Bitte auch respektieren. Übermorgen bin ich der Messias, mal gucken.

          „Das ist aber ein anderer Artikel.“
          – Inhalt?

          „Die hat, wenn ich sie richtig verstehe, nur geschrieben, dass wir auch biologische Körper in ihrer konkreten Ausgestaltung nicht ohne Berücksichtigung kultureller Einflüsse diskutieren können.“
          – Apologese, Euphemismus. Sie hat genau wie Foucault gemeint, daß man Bio- und soziales Geschlecht nicht trennen könnte. Das sagen auch ihre Jünger bei uns. In der Luxemburg-Stiftung gab es Kurse, die erklärten, daß Mann und Frau grundsätzlich gleich sein, körperlich. Beweis: Marathonlauf.

          „Immerhin verändert sich die konkrete morphologische Ausgestaltung diverser weiblicher Körper abhängig davon ob gerade Fat-Shaming-Kampagnen oder Laufsteg-Models kulturell angesagt sind“
          – Soziologistischer Unsinn. Du liest zu viele Frauenmagazine. Frauen haben Brüste und untenrum keinen Strulli. Innendrin eine Gebärmutter und Milchdrüsen.
          Daß abhängig von der Klimazone und dem Wohlstand mal üppigere, mal etwas schlankere Frauen bevorzugt werden, hängt mit der Gebärfitneß zusammen und nicht mit der Gendernatur des Menschen.

          „Mit Voss mögen sich seine Mitbiologen befassen, die das, so ist zumindest mein Eindruck, mehrheitlich eher gelassen sehen. “
          – Sie sind unpolitisch und halten die Klappe. Nur streitbare Profs wie Kutschera haben Mut und Motivation, sich zu wehren.

          „Wenn du seine Ansätze als alter Biologe wirklich so schrecklich findest, dann schreib akademische Reviews zu seinen Schriften und versuch deine Kollegen zu überzeugen.“
          – Die Idee mit dem Review ist nicht schlecht… Allerdings blockt die Lügenpresse Genderkritik. Allein mein kleiner Kommentar bei Spektrum wurde gar nicht erst freigegeben. Meine Kollegen brauche ich nicht zu überzeugen. O-Ton: „Halbwissenschaft“, „Religion“.

          „Naturwissenschaftler mit unkonventionellen Ideen gibt es allerdings immer.“
          – UNKONVENTIONELL? Der Euphemismus des Tages. Du übertriffst Dich. Unkonventionell war vor 40 Jahren war die Idee, daß Bakterien im Magen leben können. Klang unglaublich, war aber tatsächlich nicht völlig ausgeschlossen, da Baktis bekannt für ihre Robustheit sind. Und die isolierten Keime waren schließlich der Beweis.
          Vossens Geschwafel entbehrt jeder Grundlage und hat auch gar kein Vorbild in der Biologie. Die Gendergrütze wurde von linksextremistischen „Philosophen“ und „Feministinnen“ erfunden; außerdem vom Verbrecher John Money. Tolle Referenzen.

          „So wichtig wie die Leute ihre Geschlechtsidentität nehmen, gebe ich ihm da eher geringe Chancen“
          – Du sagst es ja selber. Ernährung und Fortpflanzung, das sind die Grundlagen unserer Existenz. Da gibt es kein Herumdeuteln.

          „Ein zusätzliches Feld im Personalausweis für Intersexe oder meinetwegen ‘ich mag mich nicht zuordnen’ halte ich jetzt nicht für tragisch.“
          – Für sich genommen ist auch die Homoehe nicht tragisch. Sind aber nur Mosaiksteinchen im Genderplex, der uns wie weiland der Sozialismus aufgezwungen werden soll. Wehret den Anfängen, kein Fußbreit den Genderisten. Kennste?

        • „Für sich genommen ist auch die Homoehe nicht tragisch. Sind aber nur Mosaiksteinchen im Genderplex, der uns wie weiland der Sozialismus aufgezwungen werden soll. Wehret den Anfängen, kein Fußbreit den Genderisten. Kennste?“

          Rede keinen Stuss! Niemand zwingt Dich, einen Mann zu heiraten oder Dich als intersexuell zu bezeichnen.

        • @Axel

          Ich glaube Milchdrüsen haben Männer auch. Nur normalerweise nicht entwickelt. 🙂

          Wehret den Anfängen, kein Fußbreit den Genderisten. Kennste?

          Ja, kenne ich. Und mit deiner Angst vor Dammbrüchen solltest du wirklich nicht in der Nähe eines Flusses wohnen.

        • ät Adri:

          „Stuß“: Haste das von dem aktuellen Röhl-Artikel? Erwischt! Daß Du rechtskonservative Artikel liest… Tsts. Pfui.

          Deine Antwort ist indes Stuß. Weil: >>200 Genderprofessixes- steuerfinanziert, perverse Gendersexkunde, Rape culture, Matratzenmädchen, Bundeswehr-Kitas, Genderganda in den Lügenmedien (GEZ-TV, ZEIT, SPIEGEL, WELT, Facebook, taz, SZ…), Hexenjagd auf „Sexisten“ (Hunt, Shirt-gate), usw und so fort. Du kennst das alles.

        • „Das ist zumindest im Moment die meist akzeptierte Interpretation, soweit ich sehe. Ich habe keinen Grund sie anzuzweifeln.“

          Es gibt auch keinen Grund, das anzuzweifeln. Wer Geschlecht infrage stellt, stellt Biologie in Frage, die Evolution, und damit die Existenz höheren Lebens und damit der Menschheit.

          Der einzigste Grund, warum es gemacht wird, ist der – Achtung, folgendes könnte man als kulturkonservativ interpretieren! – weil wir in einer Gesellschaft leben, in der auf Grund von Massenwohlstand und medialer Egozentriertheit (Internet, Twitter etc.) niemand mehr die Demut besitzen will, seine eigen Persönlichkeit und sein eigenes Selbst als abweichend von allen anderen zu betrachten. Jeder kreist um sich selbst und sieht sich als Maßstab. Und dabei gehen die Maßstäbe Schritt für Schritt verloren.

        • du musst aber zugeben, dass die (katholische) kirche sich seit der pleite des heliozentrischen weltbildes, vor rund 500 jahren, davor hütet aussagen zu treffen, die man überprüfen und widerlegen könnte. das kümmert gender-theoretiker nicht. die konstruieren weiter fröhlich und selbstbewusst an allen erdenklichen themen sozial vor sich hin. 1:0 für die kirche, @adrian.

        • ät Solanum:

          „Ich glaube Milchdrüsen haben Männer auch.“
          – Embryonal angelegt. Ob das der Grund ist, daß Du auf Männerinnen stehst?

          „Und mit deiner Angst vor Dammbrüchen solltest du wirklich nicht in der Nähe eines Flusses wohnen.“
          – Mist hab einen Bach hinterm Haus.
          Noch ein Spruch, den Ihr Ultras gut kennt:
          Als sie die Maskulisten holten, habe ich nichts gesagt. Ich bin ja kein Maskulist.
          Als sie die Katholiken holten, habe ich nichts gesagt. Ich bin ja kein Katholik.
          Als sie die Biologen holten, habe ich nichts gesagt. Ich bin ja kein Biologe.
          Als sie mich holten, war niemand mehr da, der noch etwas sagen konnte.

        • Es gibt auch keinen Grund, das anzuzweifeln. Wer Geschlecht infrage stellt, stellt Biologie in Frage, die Evolution, und damit die Existenz höheren Lebens und damit der Menschheit.

          Och nö. Das folgt nur wenn man Geschlecht im strikten biologischen Sinn und im Kontext der Fortpflanzung abstreitet.

          Geschlecht als gesellschaftliche Konvention oder die Wahrnehmung und Interpretation desselben als Ausformungen morphologischer Merkmale und sozialer Merkmalsbündel kann man prima diskutieren und sich trotzdem fortpflanzen. Es könnte blos etwas kompliziert werden passende Partner dafür zu finden, wenn wir die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen nicht mehr hinkriegen. 😛

          Und ja, gemessen an der de facto Norm der Mehrzahl sind wir Ausnahmen. Zufrieden?

        • ät Adri und Alberto:

          „Ja, und das ist alles kein Argument gegen die Homo-Ehe.“
          – Gender hat mit Gender nicht das geringste zu tun. Kennen wir doch.

          „Jeder kreist um sich selbst und sieht sich als Maßstab. “
          – Du weißt also Bescheid. Ziehst nur nicht die Konsequenz. Dein Schwul-Opfer-Getue ist genauso selbstreferenziell.

          Nebenbei: Fleischhauers Artikel von heute sagt im Kern dasselbe: Die weiße Uni-Mittel-Oberschicht kreist nur noch um sich selbst und konstruiert vor Langeweile ein bißchen Sex-Action. Was die Negers im Ghetto machen, mir doch schniepe.

          „1:0 für die kirche“
          – Du sagst es. Zudem ist das Christentum heutzutage nachkritisch. Fast schon zu sehr, weil die Evangelen vor lauter Leere Gossen-Esoterik à la Gender übernehmen.
          Damit sind sie witzigerweise wieder in der vorkritischen Phase wie der Islam.
          Armes Deutschland.

        • „Als sie die Maskulisten holten, habe ich nichts gesagt. Ich bin ja kein Maskulist.
          Als sie die Katholiken holten, habe ich nichts gesagt. Ich bin ja kein Katholik.
          Als sie die Biologen holten, habe ich nichts gesagt. Ich bin ja kein Biologe.
          Als sie mich holten, war niemand mehr da, der noch etwas sagen konnte.“

          Ich habe mal eine rein akademische Frage: Können Gartenspitzmäuse eigentlich an Verfolgungswahn leiden?

        • @Axel

          Embryonal angelegt. Ob das der Grund ist, daß Du auf Männerinnen stehst?

          Ich dachte es liegt an meinem pränatalen Testosteronspiegel. Meine Digit Ratio ist jedenfalls eine prima Ausrede dafür, so stereotyp weiblich oder männlich zu sein, wie ich gerade mag. 😀

          Noch ein Spruch, den Ihr Ultras gut kennt:

          Lass doch den armen Niemöller im Grab. Ich verspreche dir dass wenn sie die Maskulisten ins Lager schleppen, ich protestieren gehe.

        • „Geschlecht als gesellschaftliche Konvention oder die Wahrnehmung und Interpretation desselben als Ausformungen morphologischer Merkmale und sozialer Merkmalsbündel kann man prima diskutieren“

          Hab ich das bestritten? Ich diskutiere das sehr häufig.

          „Und ja, gemessen an der de facto Norm der Mehrzahl sind wir Ausnahmen. Zufrieden?“

          Nein. Ich bin damit nicht zufrieden. Ich wäre erst zufrieden mit einem Schwulenanteil von mind. 50 Prozent.

        • ät Axel
          „Gender hat mit Gender nicht das geringste zu tun. Kennen wir doch.“

          Auch das ist kein Argument. Was hat Homo-Ehe konkret mit Gender zu tun?

          „Ziehst nur nicht die Konsequenz. Dein Schwul-Opfer-Getue ist genauso selbstreferenziell.“

          Nicht weniger selbstreferenziell als Dein „Meine Religion sagt, Ehe nur zwischen Mann und Frau , und das muss auch so bleiben, denn nur Männer die in Vaginen ejakulieren, verdienen Rechte, Respekt und Anerkennung, mimimimimi!“

          Meine Feesse, geh Dich fortpflanzen! Dafür biste da!

        • Nein. Ich bin damit nicht zufrieden. Ich wäre erst zufrieden mit einem Schwulenanteil von mind. 50 Prozent.

        • die aussage:

          „Butler zufolge ist es unmöglich, Mann oder Frau zu sagen, ohne zugleich kulturelle Deutungsmuster auszusagen.“

          ist eine typisch geisteswissenschaftliche, völlig untaugliche kritik an wissenschaftlichen theorien bzw. modellen bzw. bildern, @nachtschatten. es ist völlig unerheblich, ob es dem patriarchat, einer glücklichen kindheit oder dem apfel geschuldet ist, dass newton ein überall präsentes kraftfeld imaginiert hat. das einzige was zählt, ist, dass er daraus folgern konnte das sich planeten auf ellipsen um die sonne drehen. sprich, ob sein bild und die sich ergebenden folgerungen mit der wirklichkeit übereinstimmen.

          so langsam haben sie das verstanden und sind dabei sich eine feminisische erkenntnisheorie sozial zu konstruieren, um sich nicht mehr mit popper auseinandersetzen zu müssen. das pippi langstrumpf lied sollten sie zu ihrer hymne machen 😀

        • das einzige was zählt, ist, dass er daraus folgern konnte das sich planeten auf ellipsen um die sonne drehen. sprich, ob sein bild und die sich ergebenden folgerungen mit der wirklichkeit übereinstimmen.

          Dem kann ich zustimmen. Für praktische Probleme bleibe ich auch lieber beim kritischen Rationalismus.

          Die Butler ist allerdings Philosophin, und in der Ecke findest du eher wenige einfach falsifizierbare Modelle.

        • ät Denton:

          „Können Gartenspitzmäuse eigentlich an Verfolgungswahn leiden?“
          – Mh, weiß nicht. Soziologen aber auf jeden Fall. Ist sogar Teil der Jobbeschreibung. Überall Nazis, Sexisten…..

        • ät Nachtschatten und Adrian:

          „eine Digit Ratio ist jedenfalls eine prima Ausrede dafür, so stereotyp weiblich oder männlich zu sein, wie ich gerade mag“
          – Nämlich? Meiner ist 9/9,5 (Z/R). Du mußt vom Grundgelenk aus messen. Dafür die Finger beugen, um die Gelenkmitte zu finden.

          „Ich verspreche dir dass wenn sie die Maskulisten ins Lager schleppen, ich protestieren gehe.“
          – Wollen wir dann zusammen Zeitbomben bauen? In der Bürger*_#Innenbräukellerin kann man prima welche legen.
          ———————————————-

          „Was hat Homo-Ehe konkret mit Gender zu tun?“
          – Zweite Säule: LSBTTIQXYZ-Menschen werden von kWHM unterdrückt und als zweitklassige Bürger behandelt.

          „Nicht weniger selbstreferenziell als Dein “Meine Religion sagt, Ehe nur zwischen Mann und Frau , und das muss auch so bleiben, denn nur Männer die in Vaginen ejakulieren, verdienen Rechte, “
          – Bei Deinen Definitionen muß ich schon mal schmunzeln.
          Auch wenn Du gern Dein Feindbild klar und sauber hättest: Bin ich tatsächlich so bibeltreu? Du hast von mir fast nur Darwinistisches zu gelesen gekriegt.

          „geh Dich fortpflanzen!“
          – Sind fünf Kinder genug?

        • Ja, ist bekannt, @nachtschatten, macht die sache noch unverständlicher, denn ein philosoph hätte geschwiegen, ändert aber nichts daran, das biologische aussagen wissentschaftlich überprüft und bewertet werden, selbst die einer postrukturalistischen feministischen philosophin.

        • @ Axel

          “ Mh, weiß nicht.“

          Na, das wäre doch mal ein interessantes Forschungsprojekt für einen Biologen. Erst recht für einen, der sich so gut mit diesen Tierchen identifizieren kann wie du.

        • ät Adri & Denton:

          „Nur, wenn mind. 3 davon homo sind.“
          – Statistisch nicht eins. Ansonsten geh ich mit ihnen zum Arzt. Oder zum Dämonenaustreiber.

          „Na, das wäre doch mal ein interessantes Forschungsprojekt für einen Biologen.“
          – Wenn Du mir drei Jahre finanzierst, lege ich sofort los. Die Objekte sind zahlreich in meinem Garten vorhanden.

        • @ Axel

          „– Apologese, Euphemismus. Sie hat genau wie Foucault gemeint, daß man Bio- und soziales Geschlecht nicht trennen könnte.“

          Wo sagt Foucault das? Bitte belegen.
          (So funktioniert Wissenschaft, Axel. Man muss seine Aussagen belegen können.)

          Nachtschatten schrieb über Judith Butler:

          „Die hat, wenn ich sie richtig verstehe, nur geschrieben, dass wir auch biologische Körper in ihrer konkreten Ausgestaltung nicht ohne Berücksichtigung kultureller Einflüsse diskutieren können.”

          Richtig, so ist es von Butler gemeint und Nachtschattengewächs hat es ja auch nochmal mit einem Butler-Zitat belegt:

          „Wissen Sie, ich bin ja nicht verrückt. Ich bestreite keineswegs, dass es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Doch wenn wir sagen, es gibt sie, müssen wir auch präzisieren, was sie sind, und dabei sind wir in kulturelle Deutungsmuster verstrickt.“

          Es geht dabei um eine an sich richtige und triviale Aussage, die dann aber von Butler in ihren Konsequenzen und Möglichkeiten einseitig und unrealistisch aufgebläht wird.
          Auch unser Verständnis von Körperlichkeit in Bezug auf Geschlecht steht in einem bestimmten zeitlichen und soziokulturellen Kontext und unterliegt daher AUCH kulturellen Einflüssen. Soweit ist die Aussage richtig.
          Was Butler daraus macht, wird dann falsch, weil sie nicht erkennt, dass das Ausmaß kultureller Interpretationen der Körperlichkeit von Geschlecht eben aufgrund ihrer biologischen Verfasstheit deutlichen Begrenzungen unterliegt.
          Sowohl wahrnehmungspsychologisch als auch hinsichtlich unseres sexuellen Begehrens sind wir nicht dazu in der Lage die Einflüsse der biologischen Verfasstheit der Körperlichkeit von Geschlecht so weitgehend auszuschalten wie Butler dies meint. Sie erfasst also – um mit Hegel zu sprechen, einem der größten Denker der Menschheit – die Dialektik von kulturellen und biologischen Aspekten in Bezug auf die Körperlichkeit von Geschlecht nicht ausreichend, das Kulturelle gewinnt bei ihr eine zu starke Eigendynamik.

          Denn während es wahr und unvermeidbar ist, dass unser Bild der Körperlichkeit von Geschlecht stets auch kulturellen Einflüsen unterliegt, die eine gewisse Variabilität zulassen, so muss eben auch die andere Seite berücksichtigt werden, dass unser kulturelles Verständnis der Körperlichkeit von Geschlecht immer auch von der biologischen Verfasstheit der Körperlichkeit von Geschlecht mitgeformt wird und dies in wahrnehmungspsychologischer und praktischer Hinsicht und in Bezug auf das sexuelle Begehren keine unbegrenzte Variabilität der kulturellen Bilder von Körperlichkeit von Geschlecht zulässt.

          „Die Gendergrütze wurde von linksextremistischen “Philosophen” und “Feministinnen” erfunden“

          „Linksextremismus“ ist zwar ein pseudowissenschaftlicher, vom Verfassungsschutz erfundener unwissenschaftlicher Kampfbegriff, aber gemäß Definition des Verfassungsschutzes sind die meisten Genderisten nicht „linksextrem“. Und deshalb wird ihnen ja auch der Durchmarsch erlaubt. Tatsächliche Linksradikale werden vom Verfassungsschutz beobachtet, nicht von den politischen und ökonomischen Eliten gefördert, denn diese wissen, dass echte Linksradikale (radikale Humanisten von links) eine Gefahr für ihre Macht und ihre Privilegien darstellen, was auf Genderisten nicht zutrifft – Genderisten sind ein nützliches Werkzeug für die Zwecke politischer und ökonomischer Eliten und in der Regel nicht „linksextrem“ im Sinne der Defintion des Verfassungsschutzes.

        • ät Leszi:

          „So funktioniert Wissenschaft, Axel. Man muss seine Aussagen belegen können.“
          – Jaja, immer dieselben Kampfargumente. Der politische Gegner ist dumm, unwissenschaftlich, bösartig…
          Den Satz hab ich bei Geoffrey Miller gelesen. Wenn Du die sexuelle Evolution hast, kannst Du selber nachlesen.
          Hast Du ein solch böses Buch überhaupt? Da stehen SAchen drin, die mit linker Ideologie nicht vereinbar sind.

          Päpstin: „Wissen Sie, ich bin ja nicht verrückt. Ich bestreite keineswegs, dass es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. “
          – Ich weiß, daß sie zurückgerudert ist. Hat ihr Buch von ’90 selber kritisch gesehen.
          Ist das nun Einsicht? Bei einer solchen Gedankensalatproduzentin unwahrscheinlich. Vermute reine Taktik, da sie es nicht ertragen kann, wenn die richtigen Wissenschaftler sich über sie lustig machen.
          Wenn es drauf ankommt, bezweilfe ich, daß sie der Biologie ihren gebührenden Platz einräumen würde.

          Frage: Wieso verteidigst Du eigentlich Butler?

          „Es geht dabei um eine an sich richtige und triviale Aussage“
          – Geradezu banal. Und reine Tarnung, um den eigenen irren Glauben an unbeschriebene Blätter nicht allzu abgedreht erscheinen zu lassen.

          „um mit Hegel zu sprechen, einem der größten Denker der Menschheit“
          – Warum das? Überzeuge mich.

          „Genderisten sind ein nützliches Werkzeug für die Zwecke politischer und ökonomischer Eliten“
          – Wird häufig gesagt. Ganz klar ist die Aussage aber nicht. Wieso ist es zB für die Wiretschaft von Vorteil, wenn sie ungeeignete Frauen per Quötchen in den Vorstand lassen müssen? Was nützt eine Genderkommissarin im Betrieb, die die Belegschaft mit ihrer Gesinnung nervt?

          „nicht von den politischen und ökonomischen Eliten gefördert, denn diese wissen, dass echte Linksradikale (radikale Humanisten von links) eine Gefahr für ihre Macht und ihre Privilegien darstellen“
          – Das stimmt so auch nicht. Ultralinke Schlägertypen, die zB Frankfurt in Rauschwaden hüllen oder marodierend durch Leipzig ziehen, müßten Deiner Aussage nach reihenweise im Knast landen.
          Tatsächlich werden sie erstaunlich nachsichtig und lax behandelt.

          Ich halte nicht viel von Verschwörungstheorien. Ich gehe davon aus, daß die Ultralinken seit ’68 in einigen zentralen Bereichen der Gesellschaft (Uni, Presse) ihre Ideologie durchgesetzt haben und somit die öffentliche Meinung kontrollieren.
          Dem können sich Parteien, Wissenschaftler, eigentlich der ganze Rest des Volkes aus politischen und psychologischen Gründen kaum entziehen.

        • @ Axel

          „– Jaja, immer dieselben Kampfargumente. Der politische Gegner ist dumm, unwissenschaftlich, bösartig…“

          Natürlich ist es unwissenschaftlich, wenn man seine Behauptungen nicht belegen kann. Ich bin immer wieder erstaunt, dass Personen auf diesem Blog, die ein naturwissenschaftliches Fach studiert haben, solche Selbstverständlichkeiten oft nicht bekannt sind. Lernt man das in einem naturwissenschaftlichen Studium eigentlich nicht?

          „Den Satz hab ich bei Geoffrey Miller gelesen.“

          Also mal wieder keine Belegquelle. Du hast es bei einem Evolutionären Psychologen gelesen und plapperst es jetzt nach. Hat denn Geoffrey Miller wenigstens eine Belegquelle für seine Behauptung angegeben oder macht er es so ähnlich wie du?

          „Wenn Du die sexuelle Evolution hast, kannst Du selber nachlesen.“

          Das Buch habe ich nicht.

          „Hast Du ein solch böses Buch überhaupt?“

          Ich habe mehrere Bücher über Evolutionäre Psychologie aber keines von Geoffrey Miller.

          „Da stehen SAchen drin, die mit linker Ideologie nicht vereinbar sind.“

          Ich weiß nicht, was „linke Ideologie“ ist, die politische Linke besteht aus einer Vielzahl von Strömungen, die sich z.T. stark voneinander unterscheiden können, aber ich habe in meinen Bücherregal ohnehin Bücher von Autoren mit den verschiedensten politischen und philosophischen Weltanschauungen, da ich mich für die Teilwahrheiten von Weltanschauungen interessiere.

          „– Ich weiß, daß sie zurückgerudert ist. Hat ihr Buch von ’90 selber kritisch gesehen.
          Ist das nun Einsicht? Bei einer solchen Gedankensalatproduzentin unwahrscheinlich. Vermute reine Taktik, da sie es nicht ertragen kann, wenn die richtigen Wissenschaftler sich über sie lustig machen.
          Wenn es drauf ankommt, bezweilfe ich, daß sie der Biologie ihren gebührenden Platz einräumen würde.“

          Die Aussage von Judith Butler bezieht sich nur auf die körperliche Dimension von Geschlecht, nicht auf die soziale/psychologische (also auf „Sex“, nicht auf „Gender“).
          Sie bestreitet also nicht, dass es biologisch bedingte körperliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, argumentiert aber, dass auch unser Verständnis der Körperlichkeit von Geschlecht kulturellen Einflüssen unterliegt, dass also auch hier ein kulturell bedingter Interpretationsspielraum gegeben sei, wie die Körperlichkeit von Geschlecht verstanden werden kann. Diese kulturellen Einflüsse auf unser Verständnis der Körperlichkeit von Geschlecht gewichtet sie allerdings zu stark, erfasst nicht ausreichend, inwiefern der kulturelle Interpretationsspielraum diesbezüglich in wahrnehmungspsychologischer und praktischer Hinsicht und in Bezug auf das sexuelle Begehren Beschränkungen unterliegt.

          Was die psychologische/soziale Dimension von Geschlecht angeht, hält Judith Butler allerdings daran fest, dass dies ausschließlich oder primär sozial konstruiert sei.

          „Frage: Wieso verteidigst Du eigentlich Butler?“

          Wie in meinem Beitrag unschwer zu erkennen, werden Judith Butlers Ansichten zum Thema Geschlecht von mir nicht verteidigt, sondern kritisiert.
          Ernsthafte Kritik sollte sich aber auf das tatsächlich von ihr Gemeinte beziehen und das sowohl aus Gründen der intellektuellen Redlichkeit als auch, weil Kritik, die auf Mißinterpretationen beruht, nicht ernstgenommen wird und den Eindruck erzeugt, Gender-Kritiker wüssten nicht, wovon sie reden (was insbesondere bei konservativen Gender-Kritikern auch manchmal der Fall ist).

          “um mit Hegel zu sprechen, einem der größten Denker der Menschheit”
          „– Warum das? Überzeuge mich.“

          Zu Hegel gleich weiter unten.

          “Genderisten sind ein nützliches Werkzeug für die Zwecke politischer und ökonomischer Eliten”
          „– Wird häufig gesagt. Ganz klar ist die Aussage aber nicht. Wieso ist es zB für die Wiretschaft von Vorteil, wenn sie ungeeignete Frauen per Quötchen in den Vorstand lassen müssen? Was nützt eine Genderkommissarin im Betrieb, die die Belegschaft mit ihrer Gesinnung nervt?“

          Man muss hin und wieder zwischen den Interessen der politischen Eliten und der ökonomischen Eliten differenzieren, manchmal gehen diese zusammen, manchmal nicht.

          Der Gender-Feminismus trägt dazu bei mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt zu bringen, die industrielle Reservearmee zu vergrößern und Lohnsenkungen zu ermöglichen, er trägt dazu bei die Selbstbehauptungsfähigkeit von Männern zu schwächen, was für die Herrschenden sehr nützlich ist, um Protesten und Revolten gegen den Ausbau des neoliberalen Kapitalismus oder gegen einen autoritären Staatsumbau entgegenzuwirken und er trägt dazu bei die Geschlechtersolidarität – und damit die Klassensolidarität – zu spalten. Außerdem ist der Gender-Feminismus mit seinem ganzen politischen korrekten Stuss (PC-Sprachumerziehungsmaßnahmen, Privilegienreflektionen, PC-Feindbild weißer, heterosexueller Mann) ein ausgezeichnetes Mittel um die außerparlamentarische Linke der Mehrheitsbevölkerung zu entfremden, denn die Normalbevölkerung kann durch solchen Blödsinn ja nur vergrault werden.
          Der Gender-Feminismus ermöglicht es allerdings scheinbar linken Parteien mit faktisch von den ökonomischen Eliten gekauften Parteispitzen sich trotz ihrer neoliberalen Wirtschafts- und Sozialpolitik weiterhin als links darzustellen, („Wir tun was gegen Diskriminierung“) sowie zu versuchen sich weibliche Wählerstimmen zu sichern.

          Im Einzelfall können die Interessen der ökonomischen und politischen Eliten aber auch mal auseinander gehen. Politikerinnen wollen einen garantierten Platz in Aufsichtsräten oder Vorständen nach ihrem Ausscheiden aus der Politik als Gegenleistung für die Dienste, die sie Unternehmen geleistet haben. Männliche Politiker möchten z.T. ihre weiblichen Angehörigen gerne in Vorständen und Aufsichtsräten unterbringen.
          Daher versuchen die politischen Eliten Frauenquoten durchzusetzen.

          „– Das stimmt so auch nicht. Ultralinke Schlägertypen, die zB Frankfurt in Rauschwaden hüllen oder marodierend durch Leipzig ziehen, müßten Deiner Aussage nach reihenweise im Knast landen.
          Tatsächlich werden sie erstaunlich nachsichtig und lax behandelt.“

          Das hast du vermutlich mal wieder in rechtskonservativen Propagandaschriften gelesen. In meiner Region hat die Repression gegen Linke bei Demonstrationen die letzten Jahre zugenommen. Ein Beispiel: Auf einer Demonstration, an der ich teilnahm, geschah es z.B. dass irgendein Idiot eine Plastikflasche in Richtung Polizei warf. Bescheuerte Aktion, aber Verletzungsgefahr bestand in diesem Fall nicht. Die Polizei reagierte darauf nun nicht etwa, indem sie versuchte diese Person festzunehmen, sondern indem sie einen Teil der Demonstranten stundenlang einkesselte und die Demonstration dadurch faktisch beendete.

          Was Knast angeht, sei außerdem darauf verwiesen, dass eine Haftstrafe nur dann rechtstaatlich legitim ist, wenn einer Person nachgewiesen werden kann, dass sie eine Straftat begangen hat, für die eine Haftstrafe angemessen ist.
          Und bildest du dir etwa ein, wenn Hooligans oder Rechtsradikale randalieren, würden die „reihenweise im Knast landen“?

          „Ich halte nicht viel von Verschwörungstheorien. Ich gehe davon aus, daß die Ultralinken seit ’68 in einigen zentralen Bereichen der Gesellschaft (Uni, Presse) ihre Ideologie durchgesetzt haben und somit die öffentliche Meinung kontrollieren.
          Dem können sich Parteien, Wissenschaftler, eigentlich der ganze Rest des Volkes aus politischen und psychologischen Gründen kaum entziehen.“

          Natürlich ist das eine (irrationale) Verschwörungstheorie und eine besonders schlecht begründete dazu. Die 68er Bewegung hatte sich bereits Anfang der 70er-Jahre in eine Vielzahl unterschiedlicher Strömungen gespalten. Irgendeine gemeinsame weltanschauliche theoretische Grundlage der radikalen Linken seit 68 gibt es nicht, es gibt bis heute verschiedene miteinander konkurrierende linke Strömungen.

          Gender-Feminismus und damit zusammenhängende (vulgär-)poststrukturalistische Ideologien haben zudem nichts mit der Weltanschauung der 68-er Generation zu tun, sie sind viel später entstanden, aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus. Und in irgendeinem authentischen Sinne linksradikal sind diese PC-Ideologien auch nicht, vielmehr sind sie gut mit den Interessen der herrschenden politischen und ökonomischen Eliten kompatibel.

          Echte radikale linke Theorien (also solche, die einen radikalen Humanismus von links vertreten) haben außerdem nur einen geringen Einfluss auf die Medien, der linke Teil des medialen Mainstreams ist linksliberal, nicht linksradikal – leider.

          Eine realistische Analyse muss zudem Interessen berücksichtigen. Wenn wir z.B. die Frage beantworten wollen, warum linke Parteien sich dem kulturrelativistischen Multikulturalismus zugewandt haben, dann führen irrationale Verschwörungstheorie nicht weiter. (Der Multikulturalismus ist zudem keine der ursprünglichen 68er-Theorien).

          Weit plausibler ist z.B. eine Hypothese, die es sowohl bei linken, liberalen und konservativen Multikulturalismuskritikern gibt, nämlich, dass die entsprechenden Parteien sich durch ihre Hinwendung zum Multikulturalismus die Stimmen von Menschen mit Migrationshintergrund sichern wollen.

          Und die ökonomischen Eliten haben gegen die Ideologie des kulturrelativistischen Multikulturalismus auch nichts einzuwenden, denn diese behindert den Klassenkampf:

          „Der britische Philosoph Brian Barry schrieb dazu: „Die wuchernden Sonderinteressen, für die der Multikulturalismus ein Nährboden ist, führen zu einer Politik des ‚Teile und Herrsche‘, die nur jenen zugute kommen kann, die am meisten vom Status quo profitieren. Es gibt keine bessere Möglichkeit, den Albtraum einer einheitlichen politischen Bewegung durch die wirtschaftlich Benachteiligten zu verhindern, die in gemeinsamen Forderungen münden könnte, als verschiedene Gruppen von Benachteiligten gegeneinander aufzubringen. Den Blick abzulenken von gemeinsamen Benachteiligungen wie Arbeitslosigkeit, Armut, schlechte Unterkünfte und unzulängliche öffentliche Dienstleistungen ist langfristig natürlich eine anti-egalitäre Strategie. Alles, was die Partikularität der jeweiligen Probleme einer Gruppe betont und damit die Konzentration auf die Probleme, die sie mit anderen teilen, verhindert, ist aus dieser Sicht willkommen.“
          Wenn unterprivilegierte Gruppen dazu gebracht werden können, sich vermehrt um ihre Religion, Kultur und Identität zu sorgen, werden sie sich aufsplittern, ihre Aufmerksamkeit wird von den konkreten politischen Problemen weggelenkt.“

          https://www.perlentaucher.de/essay/kultur-als-politische-ideologie.html

          Nicht weil irgendeine Fraktion der Linken dies oder das vertritt, sondern weil die politischen und ökonomischen Eliten Vorteile davon haben, fördern sie bestimmte linke Ideologien – und andere, die ihrer Macht und ihren Privilegien gefährlich werden können eben nicht.
          Darum wurden z.B. Genderisten und Multikulturalisten gefördert, dagegen Marxisten, Neo-Marxisten, Anarchisten, Syndikalisten etc. nicht, denn letztere stellen tatsächlich eine potentielle Gefahr für den Status Quo dar.

        • ät Leszek:

          „Ich bin immer wieder erstaunt, dass Personen auf diesem Blog, die ein naturwissenschaftliches Fach studiert haben, solche Selbstverständlichkeiten oft nicht bekannt sind. Lernt man das in einem naturwissenschaftlichen Studium eigentlich nicht?“
          – Reine Retourkutsche für meine Gemeinheiten zur Halb- und Antiwissenschaftlichkeit der Sozial-Fächer. Zudem: Das hier ist nicht meine Doktorarbeit.

          „Du hast es bei einem Evolutionären Psychologen gelesen und plapperst es jetzt nach. Hat denn Geoffrey Miller wenigstens eine Belegquelle für seine Behauptung angegeben oder macht er es so ähnlich wie du?“
          – Zitiere. „Nachplappern“ wäre das, was junge Bürgerkinder bezüglich politischer Korrektheit machen.
          Jetzt sag mir nicht, daß Du den Miller nicht vorliegen hast? Kann doch nicht wahr sein. Hier: https://ontherapyaspse.files.wordpress.com/2012/04/geoffrey-miller-the-mating-mind.pdf

          Aha, hier:
          „Ich habe mehrere Bücher über Evolutionäre Psychologie aber keines von Geoffrey Miller.“

          „Ich weiß nicht, was “linke Ideologie” ist, die politische Linke besteht aus einer Vielzahl von Strömungen, die sich z.T. stark voneinander unterscheiden können, …“
          – Na ja. Ich erlebe eine erstaunliche geistige Konformität bei Linken. Streit um Einzelheiten belegt eher die große Konkurrenz um Ressourcen wie Macht und Pöstchen.

          „Die Aussage von Judith Butler bezieht sich nur auf die körperliche Dimension von Geschlecht, nicht auf die soziale/psychologische (also auf “Sex”, nicht auf “Gender”).“
          – Apologese. Dazu der Wiki-Artikel, geschrieben von ihren Fäns: „Demnach werden die Kategorien männlich und weiblich als Wiederholung von Sprechakten verstanden, und nicht als natürliche oder unausweichliche Absolutheiten.“

          „Der Gender-Feminismus trägt dazu bei mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt zu bringen, die industrielle Reservearmee zu vergrößern und Lohnsenkungen zu ermöglichen“
          – Mehr Frauen zB in die Uni bedeutet mehr Schwafel-Absolventen. Für die Wirtschaft völlig uninteressant. Wir brauchen Ingenieure und Techniker, die unter Frauen stabil wenig zu finden sind.

          „er trägt dazu bei die Selbstbehauptungsfähigkeit von Männern zu schwächen, was für die Herrschenden sehr nützlich ist, um Protesten und Revolten gegen den Ausbau des neoliberalen Kapitalismus oder gegen einen autoritären Staatsumbau entgegenzuwirken“
          – Na ja, klingt etwas nach Verschwörung. Die Radfems sind außerdem ganz gut dabei mit Protestieren. OK, denen geht es um sinnlose Themen.

          „ und er trägt dazu bei die Geschlechtersolidarität – und damit die Klassensolidarität – zu spalten. „
          – Gerade bei den unteren „Klassen“ klappt das aber nicht: Die geben einen Dreck auf den Unfug aus den Uni-Seminaren.

          „Außerdem ist der Gender-Feminismus mit seinem ganzen politischen korrekten Stuß (PC-Sprachumerziehungsmaßnahmen, Privilegienreflektionen, PC-Feindbild weißer, heterosexueller Mann) ein ausgezeichnetes Mittel um die außerparlamentarische Linke der Mehrheitsbevölkerung zu entfremden, denn die Normalbevölkerung kann durch solchen Blödsinn ja nur vergrault werden.“
          – Da sind wir mal präzise derselben Meinung. Gut formuliert, Leszek. Ich glaube aber nicht daran, daß der Genderkram von einer zynischen Elite gesteuert wird. Die PC-Spinner agieren selbständig.

          „Der Gender-Feminismus ermöglicht es allerdings scheinbar linken Parteien mit faktisch von den ökonomischen Eliten gekauften Parteispitzen sich trotz ihrer neoliberalen Wirtschafts- und Sozialpolitik weiterhin als links darzustellen, ..“
          – Sie SIND links. Salonkommunisten, denen die einfachen Leute sch-egal waren, gab es schon vor 150 Jahren.

          „Das hast du vermutlich mal wieder in rechtskonservativen Propagandaschriften gelesen. … Die Polizei reagierte darauf nun nicht etwa, indem sie versuchte diese Person festzunehmen, sondern indem sie einen Teil der Demonstranten stundenlang einkesselte und die Demonstration dadurch faktisch beendete.“
          – Jaja, die JF, die NPD-Zeitung. Ich kenne selbst genügend Ultralinke und Anarchos. Über lange Jahre. Die riskieren nichts. Oder nur solche Fürze wie die Einkesselung oben. Mein Gott.

          „Was Knast angeht, sei außerdem darauf verwiesen, dass eine Haftstrafe nur dann rechtstaatlich legitim ist, wenn einer Person nachgewiesen werden kann, dass sie eine Straftat begangen hat, für die eine Haftstrafe angemessen ist.“
          -Puhaha, bei der linken Kuscheljustiz ist das wohl ein Scherz. Du weißt, daß viele 68er in die Justiz gestürmt sind?

          Irgendeine gemeinsame weltanschauliche theoretische Grundlage der radikalen Linken seit 68 gibt es nicht, es gibt bis heute verschiedene miteinander konkurrierende linke Strömungen.
          – Apologese. Der Vaterlandshaß und die Ablehung des Grundgesetzes ist allen gemein. ZB: Du.

          „Gender-Feminismus und damit zusammenhängende (vulgär-)poststrukturalistische Ideologien haben zudem nichts mit der Weltanschauung der 68-er Generation zu tun, sie sind viel später entstanden,.“
          -Schon, aber die Entwicklung von linksextremistischen Theorien/Spinnereien wurde 68 zu einem Massenphänomen. De Beauvoir und Kröte hatten vorher nur eine kleine Fangemeinde.

          „Echte radikale linke Theorien (also solche, die einen radikalen Humanismus von links vertreten) ..“
          – Jaja, die engelsgleichen Anarchos…

          „Eine realistische Analyse muss zudem Interessen berücksichtigen. Wenn wir z.B. die Frage beantworten wollen, warum linke Parteien sich dem kulturrelativistischen Multikulturalismus zugewandt haben, dann führen irrationale Verschwörungstheorie nicht weiter. „
          – Interessen sind das einzige, was überhaupt zählt! Inhalte der Extremisten sind erfahrungsgemäß nur Mittel zum Zweck.

          „… dass die entsprechenden Parteien sich durch ihre Hinwendung zum Multikulturalismus die Stimmen von Menschen mit Migrationshintergrund sichern wollen.“
          – So wie die CDU sogar. Ist aber eher Folge als Ursache.

          „Barry: Den Blick abzulenken von gemeinsamen Benachteiligungen wie Arbeitslosigkeit, Armut, schlechte Unterkünfte und unzulängliche öffentliche Dienstleistungen ist langfristig natürlich eine anti-egalitäre Strategie. Alles, was die Partikularität der jeweiligen Probleme einer Gruppe betont und damit die Konzentration auf die Probleme, die sie mit anderen teilen, verhindert, ist aus dieser Sicht willkommen.”
          – Nützliche Idioten eben. Allerdings: In unserem reichen Land gibt es kaum noch echte Armut. Deswegen haben zB die arbeitslosen Moslems viiiiiel Zeit, ihre archaische Kultur zu reaktivieren.

          „Nicht weil irgendeine Fraktion der Linken dies oder das vertritt, sondern weil die politischen und ökonomischen Eliten Vorteile davon haben, fördern sie bestimmte linke Ideologien – „
          – Na ja, sehr einseitige eher marxistische Sicht. Aber sicher ein Teilaspekt; dem stimme ich zu. Was hälst Du vom „Glaubenstrieb“ des Menschen als evolutionäres Programm, sich Ressourcen zu sichern?

        • ät Mocho:

          Oh, so lange bist Du schon hier.
          Wie bewahrt Ihr eigentlich den Überblick bei >365 Themen pro Jahr? Wordpreß-Datenbank?

          Der Satz hier „Sie geht davon aus, dass der Begriff des biologischen Geschlechts und der damit zusammenhängende Rekurs auf Naturalität selbst „eine kulturelle Norm, die die Materialisierung von Körpern regiert“ ist“ ist wirklich schon gruselig.

          In der Schule haben wir mal spaßeshalber einen Ausatz geschrieben zum Verhältnis von Käse und Wurst im Kühlschrank. Als Training fürs Text produzieren durch Schwafeln.

          Mannmann, äh, fraufrau, die Päpstin hat das wirklich perfektioniert! Die verknotet ihre Hirnwindungen und schreibt dann auch so. Völlig neu ist das Phänomen der berühmten Spinner aber nicht: Auch Hegel soll laut Popper zumeist ein ziemlicher Schwafler gewesen sein.

          Was führt dazu, daß Leute, die Unsinn oder schlicht „das Nichts“ verquast formulieren, berühmt und beliebt werden?
          Demagogen wie der böhmische Gefreite standen auch im Ruf, glänzende Inszenierungen völlig aussagenlos hinzulegen.

          Wobei Typen wie Hegel und Butler eigentlich gar nicht charismatisch sind. Hegel war ein Nuschler, der unverständlich am Pult redete; und Butler tritt in der Öffentlichkeit eigentlich gar nicht auf (ich kenne nur die unsägliche Sendung auf ARTE und die Preisverleihung in Frankfurt 2012). https://www.youtube.com/watch?v=Q50nQUGiI3s

          Merkwürdig. Die müssen eine mächtige Umgebung haben, die dann für sie die Propaganda macht. Da ist Butler in Berkeley genau richtig.

        • @El Mocho

          Das würde zutreffen, wenn sie über das vordiskursive tatsächliche materielle Objekt des Körpers sprechen würde. Täte sie das, so müsste sie zwangsläufig Solipsistin sein, mit ihren Ansichten

          Ich zumindest verstehe sie aber so, dass sie über das interpretierte Objekt in unserem gesellschaftlichen Konsens über die Realität spricht. Die Notwendigkeit eines solchen ergibt sich zwangsläufig daraus, dass wir individuell wahrnehmen und uns nur über den Diskurs bezüglich der Eigenschaften der wahrgenommenen Realität austauschen können. Ich glaube auch nicht dass sich das jemals ändert. Selbst wenn wir direkte Übertragung von Gehirn zu Gehirn erfinden würde die individuelle Struktur des neuronalen Netzes eine individuell interpretierende Ebene bilden.

          Die Diskussion ist allerdings weitgehend akademisch. Ob das zwei-geschlechtliche Modell nun nur eine von mehreren diskursiv gewonnen möglichen Interpretationen oder tatsächlich ein getreues Abbild einer tieferen Realität ist, es ist in jedem Fall ein im Kontext der Fortpflanzung praktikables Modell dass überprüfbare Voraussagen erlaubt. Bis jemand mit einem Besseren kommt, stimme ich dafür es beizubehalten.

          Im sozialen Bereich könnte man da spielen, aber es gibt genug Hinweise die es sehr wahrscheinlich machen dass Geschlecht eine tatsächliche vor-diskursive Komponente Komponente hat, die aber nicht zwingend mit unserem Konsens über die Geschlechtlichkeit der jeweils interpretierten Körpers übereinstimmt.

        • Je tiefer man in diesen gedanken- und wortsalat einsteigt, um so schlimmer wird es. Danke für die mühe, @mocho. Mich würde interessieren, ob wirklich überzeugte, wie etwa @lightyear, profix hornscheid, etc., diese völlig abstrusen behauptungen kennen oder verteidigen würden. Ja, hinter dem interesse verbirgt sich auch sensationslust 😉

          Hat sich butler von dem schwachsinn eigentlich distanziert?

        • ät Albert & Solanum:

          „Hat sich butler von dem schwachsinn eigentlich distanziert?“
          – Ja. Sie hat mal gemeint, als sie „Unbehagen“ geschrieben habe, hatte sie Liebeskummer. Gute Ausrede.

          „Das würde zutreffen, wenn sie über das vordiskursive tatsächliche materielle Objekt des Körpers sprechen würde. Täte sie das, so müsste sie zwangsläufig Solipsistin sein, mit ihren Ansichten“
          – Oh je, oh je. Gedanken- und Wortsalat scheint sehr beliebt zu sein. Was bist Du, Nachtschatten? Soziologe oder Philosoph? Oder beides?

          Hab grade noch mal in den ARTE-Film über Judith reingeguckt. Schaut Euch nur mal die ersten 5 Minuten an. Wie die Päpstin sich dort selbst als Genie beweihräuchert, das zu schlau für die normale Schule war und schon mit 14 (MIT 14!!!) Theologiebücher (oder so was) gelesen habe, ist schon peinlich.

        • Oh je, oh je. Gedanken- und Wortsalat scheint sehr beliebt zu sein. Was bist Du, Nachtschatten? Soziologe oder Philosoph? Oder beides?

          Infomatiker mit vielfältigen Interessen. 🙂

          Es ist im Grunde recht einfach, Axel. Um mal eine Metapher zu nehmen: Die Landkarte ist nicht identisch mit dem Gelände (Danke Chomsky). Sie muss nur im Betrachtungsbereich hinreichend isomorph zum Gelände sein um damit navigieren zu können. Und es muss einen Konsens geben welche Landkarte wir nehmen, wenn wir Wegbeschreibungen austauschen wollen.

          Wenn wir über die Landkarte und die gezeichneten Merkmale des Geländes sprechen, anstatt über das tatsächliche Gelände dann müssen wir nicht die Manipulierbarkeit des Geländes durch unseren Diskurs voraussetzen, um zum Beispiel eine geographische oder eine meteorologische Karte des selben Geländes parallel zu verwenden. Wir müssen uns nur über die Karte einigen die wir gerade nehmen.

        • ät Solanum:

          „Infomatiker mit vielfältigen Interessen.“.
          -Ach ja, richtig.
          Aber den Geisteswissenschaftlersprech muß man doch irgendwo eingeübt haben. Ein, zwei Semesterchen abseits der Realität müßten schon drin gewesen sein.

          „Isomorph“ ist so ein Wort. Warum einfach, wenn es auch gelehrt klingend geht? „Gleichgestaltig“ klingt doch so prollig…

          „Wir müssen uns nur über die Karte einigen die wir gerade nehmen.“
          – So viel zur Theorie. Das, was Du oben schreibst, ist typisch philosophisch (im Hegel-Sinne; die ollen Griechen waren da leistungsfähiger): Möglichkeiten-Gedrehe ohne Bezug zur Wirklichkeit. Klingt etwas wissenschafts- und erkenntnistheoretisch, aber nicht auf dem Niveau eines Popper.

          Nee, tut mir leid, Menschen sind Organismen, fühlende und denkende Persönlichkeiten, deren Gehirn Ergebnis eines Prozesses nach dem Schema Mutation-Selektion-Isolation ist.

          Wir haben die Sinne und Denkfähigkeiten ausgebildet, die wir brauchten, um sozial, sexuell und anderweitig biologisch klarzukommen. Und das ist ne ganze Menge! Reicht allemal aus, um tatsächliche Erscheinungen wie „Geschlecht“ voll erfassen zu können.
          Ein Buchtipp: Die sexuelle Evolution von Geoffrey Miller. Dieses Werk ist absolut klar und lesbar geschrieben (ohne Gelehrten-Schwurbel) und auch für Ultralinke unbedingt interessant.

        • Modell und Realität, Axel, Modell und Realität. Den Unterschied muss man als ultraharter Naturwissenschaftler kennen. Und wenn du mir nicht glaubst, dann frag albert.

        • Aber irgendwie muss das Modell ja mit der Realität übereinstimmen; eine Karte, nach der man sich nicht orientiern kann, ist wertlos.

          Ich denke es gibt hier einen massiven „Des Kaisers neue Kleider“-Effekt; niemand versteht solche Texte, da sie sich garnicht verstehen lassen, aber jeder gibt vor, sie zu verstehen, weil er meint , die anderen würden sie verstehen und er würde sich eine Blöße geben, wenn er sein Unverständnis äußert.

          Außerdem kann man dem, der diese texte kritisiert, sein Unverständnis vorwerfen und ihn gewissermaßen als dumm hinstellen, während man selber der intellektuellen Elite angehört.

        • ät Mocho:

          Hihi, stimmt, das wurde bei „Kritische Wissenschaft“ auch mal als eine der Hauptmotivationen dargestellt.
          Reines Statusdenken. Deswegen gibt Butler ja an wie Bolle.

          Daß die „Karte“ einer soziologistischen Philosophin kein Modell sein kann, weil die Frau überhaupt nie ein realitätsabbildendes Modell kennengelernt hat, ergibt sich.

        • @ Axel

          „Völlig neu ist das Phänomen der berühmten Spinner aber nicht: Auch Hegel soll laut Popper zumeist ein ziemlicher Schwafler gewesen sein.“

          Geht´s noch argumentativ belangloser? Dass Philosophen schlecht übereinander reden, ist so verbreitet wie trivial.

          Hegel hat leider – wie viele andere bedeutende Philosophen auch – z. T. schwer verständlich geschrieben. Auch Kant hat z.T. schwer geschrieben.
          Dass Popper, dessen Leistungen in der Wissenschaftsphilosophie und Politischen Philosophie ich durchaus schätze – mit Hegel nichts anfangen konnte, lag ansonsten aber an seiner Voreingenommenheit, er versuchte erst gar nicht Hegel tiefergehend zu verstehen und seine Leistungen zu erkennen.

          Hegel war einer der größten Philosophen der Menschheit, zusammen mit Platon, Aristoteles und Kant vermutlich einer der vier Größten.
          Dass ein Kulturzerstörer wie du über Hegel herzieht ohne sich je mit ihm beschäftigt zu haben, ist nicht verwunderlich, verdeutlicht aber mal wieder, dass du dich auf dem gleichen philosophischen Niveau bewegst wie die Genderisten, die ja ebenfalls alle möglichen, ihnen nicht genehmen Philosophen attackieren ohne sich mit ihnen beschäftigt zu haben und ohne eine Vorstellung von ihren Leistungen zu besitzen.

          Poppers Abneigung gegen Hegel war u.a. politisch motiviert, er interpretierte ihn als Vorläufer totalitärer politischer Systeme. Das ist eine Mißinterpretation. Die Anschuldigungen von Popper werden widerlegt in dem Buch von Domenico Losurdo – Von Hegel zu Hitler? Deutsche Katastrophen und Hegel-Bild

          http://www.bol.de/shop/home/suchartikel/von_hegel_zu_hitler/domenico_losurdo/EAN9783894385644/ID39292433.html?suchId=08cee7d3-ee09-4d75-9663-bb5b87859474&jumpId=12637302

          Interessant ist die Karriere, die Hegel in der Analytischen Philosophie gemacht hat, einer philosophische Schule, die dazu neigt sich als als besonders logisch argumentierend, analytisch und wissenschaftlich zu verstehen.

          Der analytische Philosoph Betrand Russel – er war übrigens freiheitlicher Sozialist, eine seiner positiven Seiten – lehnte Hegel ab, erwähnte ihn in seinem bekannten Buch „Philosophie des Abendlandes: Ihr Zusammenhang mit der politischen und sozialen Entwicklung“ noch nicht einmal. (Nicht das einzige Defizit dieses Buches.) Natürlich aus den üblichen oberflächlichen Gründen: Hegel sei ein Schwafler. Russell hatte erst gar nicht versucht Hegels Werk tiefergehend zu durchdringen. Die meisten anderen frühen analytischen Philosophen beurteilten Hegel ähnlich oberflächlich.

          Heute hat sich die Einstellung zu Hegel in Teilen der analytischen Philosophie allerdings tiefgreifend gewandelt. Hegel wurde von zwei analytischen Philosophen – Robert B. Brandom und John McDowell – rehabilitiert, die mit Methoden der analytischen Philosophie zu Erkenntnissen gelangt waren, von denen sich zeigte, dass ausgerechnet Hegel sie bereits lange vorher vorweggenommen hatte.

          http://www.bol.de/shop/home/suchartikel/wiedererinnerter_idealismus/robert_b_brandom/EAN9783518297049/ID37473508.html?suchId=807cca7a-dcbf-494b-ab0e-dd9474a411f1&jumpId=12649175

          http://www.bol.de/shop/home/suchartikel/die_welt_im_blick/john_mcdowell/EAN9783518297483/ID40893442.html?suchId=56b19811-dbf0-40e3-b810-9c873052c121&jumpId=12650449

          Brandom und McDowell, als zwei der bedeutendsten analytischen Philosophen der Gegenwart, wurden daraufhin zu Neo-Hegelianern, rekonstruierten Teile von Hegels Werk auf analytischer Grundlage und verdeutlichten, den Wert von Hegels Philosophie für das Verständnis der heutigen Welt und heutiger philosophische Fragestellungen

          Sie blieben nicht die einzigen, die das taten, inzwischen gibt es eine ganze Reihe Philosophen, die Hegels Philosophie in einem ähnlichen Sinne rekonstruieren und für philosophische Fragestellungen der Gegenwart nutzbar machen.
          Einen kleinen Überblick gibt das von Christoph Halbig, Michael Quante und Ludwig Siep herausgegebene Buch „Hegels Erbe und die theoretische Philosophie der Gegenwart“:

          http://www.bol.de/shop/home/suchartikel/hegels_erbe/christoph_halbig/EAN9783518292990/ID4627883.html?suchId=ce6fbcf5-ed32-4f3f-9bf6-607acaded556&jumpId=12657474

          Hegel kann selbst vor dem kritischen Blick analytischer Philosophen – solcher, die sich ernsthaft mit ihm beschäftigt haben – nicht nur bestehen, Teile seines Werkes erweisen sich auch als wichtig und zeitgemäß.

          Bei Schwätzern wie Judith Butler oder dir wäre es hingegen wünschenswert, ihr würdet anfangen zu lernen, euch mit dogmatisch-voreingenommenen Äußerungen zu Dingen, mit denen ihr euch nie beschäftigt habt, ein wenig zurückzuhalten.

        • ät Leszi:

          „Bei Schwätzern wie Judith Butler oder dir“, „Kulturzerstörer“

          – Wieso zerstöre ich Kultur?

          Beleidigen und hochnäsig belehren, ja das sind die linken Akademiker…

          Dein Kommentar enthält keine Aussage darüber, was den Hegel nun so groß macht.
          Ein Beispiel: „Das Bewußtsein bestimmt das Sein.“
          Und das im 19. Jahrhundert. Daß es andersrum läuft, wie der teilweise schlaue Marx befand, hätte eine „Koryphäe“ eigentlich wissen können.

        • Nun ja, Hegel ist schon ein anderes Kaliber als Butler, aber auch auf ihn trifft natürlich die Kritik an der idealistischen Philosophie generell zu. „Die Natur ist das Andere des Geistes“ sagt er, und das ist natürlich Quatsch, natürlich ist der Geist aus der natur hervorgegangen und bleibt von ihr abhängig. Es ist hier überall kaum verborgen der christliche Gott und die unsterbliche Seele zu finden, nur säkularisiert. Bei Marx wird dann in ähnlicher Weise der Natur die Gesellschaft gegenüber gestellt, und wiederum vergisst man, dass auch Gesellschaft auf Natur basiert. Kaum jemand hat soviel Natur zerstört wie die Marxisten.

          Ich sehe keinen Grund, warum man die idealistische Philosophie nicht verabschieden sollte, sie hat schon genug Unheil angerichtet. Natürlich findet sich bei kant und Hegel usw. viel interessantes und lehrreiches, aber ich denke das die zur Lösung aktueller (politischer wie intellektueller) Fragen nicht mehr viel zu bieten haben.

        • ät Mocho:

          Steven Pinker kritisiert genau dies bei der politischen Linken. Sie halten penetrant an einer irgendwie gearteten Naturfernheit des Menschen fest.
          Daß das vom Christentum kommen soll, kann ich nur teilweise nachvollziehen. Immerhin sind Christen zB von der natürlichen Sündhaftigkeit des Menschen überzeugt. Das Wort „Evolution“ wird da natürlich nicht gern gehört; aber im Ergebnis läuft es aufs selbe raus: Gott/die Natur hat den Menschen geschaffen, und zwar mit bestimmten Eigenschaften. Diesen Eigenschaften kann man nicht entkommen. „Neue“ Menschen wird es nicht geben.

        • @ Axel

          „Steven Pinker kritisiert genau dies bei der politischen Linken. Sie halten penetrant an einer irgendwie gearteten Naturfernheit des Menschen fest.“

          Der antilinke und männerfeindliche Ideologe Steven Pinker redet mal wieder undifferenziert daher.
          Die Frühsozialisten beriefen sich auf die menschliche Natur.
          Anarchisten berufen sich von ihrer Entstehung bis heute auf ein Konzept einer universellen menschlichen Natur.
          Auch Marx und Engels glaubten an eine universelle menschliche Natur.

          Was evolutionäre Psychologen so in ihren Kritiken daherplappern, darf man doch nicht als Quelle ernst nehmen.

          (Weitere Antworten folgen später oder morgen.)

        • ät Leszek:

          „Weitere Antworten folgen später oder morgen.“
          – Och nö. Immer der Beleidigungs-Pingpong. Stimme mir doch einfach mal zu.

          „Die Frühsozialisten beriefen sich auf die menschliche Natur.“
          – Lichtblicke, sofern das stimmt. Ein paar Schwalben machen aber noch keinen Sommer.

          „Der antilinke und männerfeindliche Ideologe Steven Pinker redet mal wieder undifferenziert daher.“
          – Männerfeindlich? Spinnst Du? Es gibt kaum einen profilierteren Echt-Wissenschaftler, der die Genderer und die Korrektheitspolizei schärfer kritisiert.

          „Was evolutionäre Psychologen so in ihren Kritiken daherplappern, darf man doch nicht als Quelle ernst nehmen. “
          – Aha. Heißt das, die EPler haben mit ihrer Forschung unrecht? Glatteis, Leszek…

        • @ Axel

          „– Wieso zerstöre ich Kultur?“

          Weil du mit den großen Denkern und bedeutenden geistigen Traditionen der Menschheit ähnlich umgehst wie die Genderisten: kenntnisfrei alles niedermachen, was dir aus irgendwelchen oberflächlichen ideologischen Gründen nicht gefällt.

          „Dein Kommentar enthält keine Aussage darüber, was den Hegel nun so groß macht.“

          Eine Sache, die dir eigentlich zusagen müsste, ist Hegels Beitrag zum Durchbruch von Evolutionstheorien. Zwar hat Hegel keine biologische Evolutionstheorie vertreten, sondern eine kulturelle, quasi-entwicklungspsychologische und metaphysische, aber der große Einfluss von Hegels Philosophie hat die Entstehung und den Durchbruch von Evolutionstheorien auch in anderen Gebieten natürlich stark begünstigt.

          „Ein Beispiel: “Das Bewußtsein bestimmt das Sein.”
          Und das im 19. Jahrhundert. Daß es andersrum läuft, wie der teilweise schlaue Marx befand, hätte eine “Koryphäe” eigentlich wissen können.“

          Nein, im libertären Sozialismus lehnen wir beide Positionen als einseitig ab. In unserer Weltsicht gibt es beständige Wechselwirkungen zwischen materiellen/ökonomischen/strukturell-soziologischen Faktoren einerseits und kulturellen/geistigen Faktoren andererseits, ohne dass wir einer Seite ein allgemeines Primat zusprechen.
          Im klassischen Marxismus gibt es ein Primat der Ökonomie, im US-amerikanischen Poststrukturalismus gibt es ein Primat der Kultur, im Anarchismus (und größtenteils auch im Neo-Marxismus) werden hingegen überwiegend Wechselwirkungstheorien ohne allgemeines Primat vertreten. Warum ich die letztere Position für richtig halte, würde eine lange Begründung erfordern, die ich jetzt mal weglasse.

          Hegel war ein wichtiger Vorläufer der heutigen entwicklungspsychologisch fundierten Theorien kultureller Evolution. Natürlich standen ihm nicht die empirischen Forschungsergebnisse zur Verfügung, die wir heute haben, aber er war ein Pionier auf diesem Gebiet.
          Nicht zufällig gibt es ja auch Literatur, in denen Hegels Theorie der Entwicklung des Geistes mit der des Entwicklungspsychologen Jean Piaget systematisch verglichen wird.

          http://www.bol.de/shop/home/suche/;jsessionid=9AE706BC1CAC2E0F0C37590477FBEB74.tc5p?sq=piaget+hegel&sswg=ANY&submit.x=32&submit.y=8&timestamp=1438855333296

          Und nicht zufällig bezeichnet sich auch der französische Soziologe, Anthropologe und Geograph Emanuell Todd, der u.a. den Zusammenhang von Alphabetisierungs- und Modernisierungsprozessen erforscht, ausdrücklich als „empirischer Hegelianer“:

          http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78522341.html

          Meiner Überzeugung nach kann die menschliche Geschichte und Gegenwart ohne entwicklungspsychologisch fundierte Theorien kultureller Evolution nicht angemessen verstanden werden.
          Wer sich auf Theorien der biologischen Evolution beschränkt und die kulturelle Evolution ausblendet, der geht m.E. gewaltig in die Irre. Die kulturelle Evolution ist aber wesentlich auch eine Evolution des Geistes, eine Evolution von magischen zu mythologischen hin zu aufgeklärten, rationalen Bewusstseinsstufen sowie von konventionellen zu postkonventionellen Moralstufen, worauf zahlreiche Denker und Wissenschaftler hingewiesen haben, siehe für die zeitgenössische Soziologie z.B. die entwicklungspsychologisch fundierten Theorien kultureller Evolution von Günter Dux und Georg W. Oesterdiekhoff.

          Eine der großen Errungenschaften von Hegel ist es hier wichtige Pionierarbeit geleistet zu haben, eine der Errungenschaften von Marx ist es sicherlich betont zu haben, dass auch die geistige Evolution eine materielle Basis besitzt, dass die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins durch die spezifischen Formen von Produktionsweise und Gesellschaftssystem gewissen Grenzen unterliegt.

          Hegels Ausführungen zu soziologischen und ökonomischen Themen (in seiner Rechtsphilosophie) sind allerdings nicht weniger realistisch als die anderer Denker seiner Zeit, die sich mit soziologischen und ökonomischen Themen beschäftigten. Ein Unterschied zu Marx in der Analyse der Ökonomie liegt darin, dass Marx die Produktion als den fundamentalen Aspekt des Wirtschaftssystems bestimmte, während Hegel dieses primär als „System der Bedürfnisse“ analysierte.

          „Eine Nähe zwischen Marx und Hegel besteht schließlich in zwei weiteren wichtigen Aspekten. Denn nicht erst Marx, sondern schon Hegel sieht in der Wirtschaft primär ein Phänomen der Sozialbeziehung. Hegels Theorie der Ökonomie, die den Titel „Das System der Bedürfnisse“ trägt, ist ein Teil der Theorie der bürgerlichen Gesellschaft. Hegel sieht die Wirtschaft somit eingebettet in ein gesellschaftliches Leben, in rechtliche Institutionen und Strukturen der Verwaltung. Auch Hegel spricht deshalb im Grunde schon von „Produktionsverhältnissen“, also von einer Einheit ökonomischer, rechtlicher und institutioneller Strukturen – wobei Hegel anders als Marx von den Bedürfnissen und nicht von der Produktion her denkt.“

          (aus: Thomas Petersen & Malte Faber – Karl Marx und die Philosophie der Wirtschaft, Verlag Karl Alber, 2013, S. 209)

          Gehört auch die von Hegel entwickelte Methode der Dialektik zu den Errungenschaften seines Werkes? Dies ist umstritten, insbesondere von Bertrand Russel und Karl Popper ist die Dialektik als Methode scharf kritisiert worden.

          Ich persönlich gaube, dass die Dialektik als geisteswissenschaftliche Methode in der Tat ihren Wert hat, dass es aber nötig ist ihren Geltungsbereich präzise zu bestimmen. Zudem müsste genauer geklärt werden unter welchen Bedingungen Widersprüche in eine Synthese aufgelöst werden können und unter welchen nicht. Viel Streit um die Dialektik scheint mir von dem Umstand her zu rühren, dass solche Fragen nicht ausreichend geklärt wurden.

          Es gibt übrigens Entwicklungspsychologen, die in den kognitiven Strukturen, die bestimmten Formen dialektischen Denkens zugrundeliegen, höhere, über das formal-operationale Denken hinausgehende kognitive Entwicklungsstufen zu sehen meinen.

          https://en.wikipedia.org/wiki/Postformal_thought

          Die Theorien zu post-formalen Stufen kognitiver Entwicklung sind auch von Hegels Verständnis dialektischen Denkens geprägt.
          Insofern hat Hegel hier eine unmittelbare Relevanz für die entwicklungspsychologische Forschung und Theoriebildung.

        • @ Axel

          „– Männerfeindlich? Spinnst Du? Es gibt kaum einen profilierteren Echt-Wissenschaftler, der die Genderer und die Korrektheitspolizei schärfer kritisiert.“

          Zitat des männerfeindlichen Differenzfeministen Steven Pinker:

          „Die dokumentierten geschlechtsspezifischen Unterschiede betreffen die Psychologie der Fortpflanzung, sie haben keinen ökonomischen oder politischen Stellenwert und sie stellen die Männer an den Pranger, nicht die Frauen. Die Unterschiede schärfen eher den Blick für Inzest, Ausbeutung, Belästigung, Nachspionieren, Misshandlungen, Vergewaltigung (einschließlich der Freundin oder Ehefrau) und Gesetze, die Frauen diskriminieren. Zeigen sie, dass Männer besonders versucht sind, bestimmte Verbrechen an Frauen zu begehen, so lautet die Schlussfolgerung, dass die Abschreckung sicherer und härter sein muss, und nicht, dass die Verbrechen weniger abscheulich sind.“

          (aus: Steven Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 610)

        • ät Leszek:

          “ kenntnisfrei alles niedermachen, was dir aus irgendwelchen oberflächlichen ideologischen Gründen nicht gefällt. “
          – Ist „Kenntnis“ alles das, was Du nicht als Information akzeptierst?

          „aber der große Einfluss von Hegels Philosophie hat die Entstehung und den Durchbruch von Evolutionstheorien auch in anderen Gebieten natürlich stark begünstigt.“
          – Wenn´s denn stimmt. Darwin war auf ihn aber nicht angewiesen. Er hat anhand der Züchtung aufm Bauernhof alles gesehen, was er wissen mußte. Und es gab andere Denker wie Lamarck oder Erasmus D, die viel wichtiger waren.

          „Nein, im libertären Sozialismus lehnen wir beide Positionen als einseitig ab“
          – Schön. Marxi war aber trotzdem nicht ganz auf der Höhe mit seiner Einseitigkeit.
          Die 50-50-Theorie von Euch Anarchos klingt mir zu wischi-waschi. Die Evolutionstheorie liefert schon konkretere Aussagen, was vorherbestimmt ist, und was nicht (Bsp. Sexualität).

          „Hegel war ein wichtiger Vorläufer der heutigen entwicklungspsychologisch fundierten Theorien kultureller Evolution.“
          – Kinder-Ontogenese als Vorbild für die ganze Kulturentwicklung? Interessant, klingt aber ein wenig nach Freud.

          „Wer sich auf Theorien der biologischen Evolution beschränkt und die kulturelle Evolution ausblendet, der geht m.E. gewaltig in die Irre. “
          – Ja aber sicher. Wird aber von den Evos keineswegs ausgeklammert. Denk mal an Dennetts Turm oder die Memtheorie von Dawkins. So etwas darf aber nicht mißbraucht werden, um damit „Fluidität“ von vormenschlichen Festlegungen wie Geschlecht zu „beweisen“.
          Ein Düsenjäger ist ein kulturelles Konstrukt; ein Pimmel nicht.

          „Auch Hegel spricht deshalb im Grunde schon von “Produktionsverhältnissen”, also von einer Einheit ökonomischer, rechtlicher und institutioneller Strukturen – wobei Hegel anders als Marx von den Bedürfnissen und nicht von der Produktion her denkt.“
          – Klingt zugegebenermaßen nicht übel.

          „Ich persönlich gaube, dass die Dialektik als geisteswissenschaftliche Methode in der Tat ihren Wert hat,“
          – Rede und Gegenrede, so funktionieren auch Heiligsprechungen. Die D. von Hegel und Marx scheint mir aber von ihren Jüngern gründlich mißverstanden worden zu sein. Sonst hätten sie ihre Ideologie anhand der Realität ja mal prüfen müssen.
          ——————————–

          „Zitat des männerfeindlichen Differenzfeministen Steven Pinker:“
          – Ach, komm, das ist Wirklichkeit und keine demagogische Volksverhetzung wie bei den Radfems.
          Wenn Wizorek und Strick sich zB beklagen, daß der Selbstmordkandidatin im Spital an den Hintern gefaßt wird, ist das glaubhaft, weil Männer tatsächlich auf körperliche Reize reagieren und zudringlich werden können.
          Andersrum deutlich seltener.
          Nur die Idee, aus einem solchen Vorfall gleich eine systematische sexuelle Verfolgung von Frauen zu konstruieren, ist schlicht ideologisch und bösartig.

          Und vergiß nicht Pinkers „Gewalt“: Da sagt er deutlich, daß Polizeikräfte hauptsächlich für die Gewaltabwehr junger Männer zuständig sind.
          Das ist eine realistische Aussage. Denn: Wie häufig sind Mörderinnen, Hooliganninnen, Nazinnen, autonome Schlägerinnen, Bankräuberinnen?
          Bitte nicht Hollywood-Filme als Quelle heranziehen; Angelina Jolie ist in Wirklichkeit ganz brav.

  4. Zur Situation in Indien:

    Indien ist heutzutage meines Wissens nach recht feministisch beeinflusst. Das hängt wohl auch mit dem ökonomischen Aufstieg zusammen.

    Dies trifft nun auf ein System in dem der Mann bereits mit allerlei Verantwortung bebürdet war. Ergebnis ist jetzt wie zu erwarten ein starker Missbrauch durch Frauen. Daher die männerrechtlichen Aktivitäten in Indien.

    Recht zentral scheint dabei wieder einmal die Ehe zu sein. Auch hier wurde die Frau von jeglicher Verantwortung entbunden und der Mann in ein lebenslanges amtliches Abhängigkeits- und Missbrauchsverhältnis gestellt.

    Und natürlich spielen wieder einmal falsche Rape Unterstellungen ein Rolle.

    Marriage Laws (Amendment) Bill, 2010
    https://en.wikipedia.org/wiki/Hindu_Marriage_Act#Marriage_Laws_.28Amendment.29_Bill.2C_2010

    http://www.avoiceformen.com/mens-rights/family-courts/indias-irretrievable-breakdown-of-marriage-law/

    http://www.avoiceformen.com/mens-rights/marital-rape-a-feminist-tool-to-criminalize-marriage-in-india/

    Z.B. zur Amendment Bill, 2010:

    „…

    The bill is unfair, unjust, and gender biased because:

    •Only women have been given a right to oppose a divorce. Men cannot oppose a divorce petition filed by women. This clause seems to clearly discriminate against men;

    •Only property (ancestral or owned) of men is to be divided. Property of women is not to be considered;

    •In case of a no-fault divorce, other cases such as domestic violence and 498A can continue. If it is no-fault divorce then how can other cases based on fault continue?

    •Men are still liable to pay maintenance and alimony to women under other sections of various acts;

    •The bill seems to be against gender equality promised by the Indian Constitution under article 15;

    •Liabilities of men are not considered in the case of division of property. Assume a house was bought on a bank loan, and in case of divorce, 50% of the house will be given to the woman but the man is still liable to pay the entire loan amount. This tantamount to taking away the future assets of the husband. Further, it is yet to be seen how the banking sector would react to this as it is a risk to their security (ie. house) which is mortgaged against the loan.

    …“

  5. Meine Güte, ist das schlecht.

    Der Orignaltext:

    http://diestandard.at/2000019469595/KampGegen-Maennerdiskriminierung

    Die Unterdrückungsolympiade macht dabei allerdings Pickert auf und das mit merkwürdigen Beispielen.

    Er scheint es nicht zu merken. Er hat offenbar die radikalfeministische Weltsicht, derzufolge Geschlecht per se ein von Männern geschaffenes Konstrukt zur Unterdrückung der Klasse der Frauen ist, tief habitualisiert.

    Der pejorative Begriff „Opferolympiade“ _kann_ für ihn nur für DieAnderen gelten, weshalb er dann auch ohne jede Scham selbst einen klaren „Sieger“ küren kann.

    Er deutet einfach einen journalisten Text _über_ die Kampagne als Statement der Kampagne. In diesem Text heißt es allerdungs:

    #DontManCriminate ,the Campaign that gained the popularity as reply to the misunderstood concept of Feminism. A Campaign which highlighted that Feminism does not mean ignoring the contributions, emotions and sentiments of other gender, rather the true meaning of feminism is uplifting and empowering women without dishonoring and un-acknowledging the rights, sacrifices and contributions of Men.

    Im indischen Text steht nichts davon, dass man dagegen ist, dass zu einvernehmlichen Sex auch ihr Einvernehmen gehört

    Das ist wohl der radikalfeministischen Deutung von „If I want sex, I’m Desperate. If you want sex, it’s sexually liberating. If we want sex, then it has to be at your terms?“ geschuldet.

    Auch dahinter steckt offenbar die habitualisierte radikalfeministische Deutung, dass Sex im Patriarchat Vergewaltigung sein _muss_, wenn in irgendeiner Form Bedürfnisse und Wünsche von Männern berücksichtigt werden.

    Naja, Herr Pikert wurde halt durch bloßes Tragen eines Rockes bekannt. Darüber hinausgehende Qualifikationen, wie etwa ein kritisches Reflekieren seines Hurra!PatriotismusFeminismus, kann man von ihm offenbar nicht erwarten.

    • ..gut, die sicherlich nicht besonders geglückte Kampagne ging offenbar von MAGGCOM aus, und zwar von der Autorin Jahanvi Maheshwari.

      Das macht Pickerts Furor aber auch nicht besser.

  6. Und noch was Passendes zur Olympiade der Unterdrückung:

    ******Mit der Sexualpolizei auf Streife*******

    „Unter amerikanischen Studenten tobt ein neuer Kulturkampf: Um die sexuelle Ausbeutung zu beenden, sollen sie jetzt vor jedem Geschlechtsakt einen schriftlichen Vertrag schließen.
    Wer kein Risiko eingehen will, dem bleibt nur Keuschheit.“

    Willst Du nicht im Knaste landen,
    laß die Finger von der Alten.
    (OK. Unsauberer Reim.)

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/vermeintliche-rape-culture-mit-der-sexualpolizei-auf-streife-kolumne-a-1046587.html

  7. @albert

    ändert aber nichts daran, das biologische aussagen wissentschaftlich überprüft und bewertet werde

    Wenn sie denn biologische Aussagen macht. Die Plausibilität von Voss Ideen über die Sinnfälligkeit von Geschlechtertrennung beim Sport kann ich zumindest heuristisch abschätzen.

    Zur Plausibilität soziologischer Betrachtungen über die Kategorisierung von Geschlechtern und die Reifikation von Geschlechtsrollen, kann ich zumindest mittels interkultureller und historischer Vergleiche Aussagen machen. Philosophische Betrachtungen zur tatsächlichen Natur von Geschlecht kann ich kontextfrei nun wirklich weder anwenden noch falsifizieren.

    Aber sie sind lustig. 🙂

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