Wann hat der Feminismus / Maskulismus sein Ziel erreicht?

Leser Teardown hat einen Themenvorschlag gemacht, den ich gerne gerne berücksichtige

Übrigens, Themenvorschlag für demnächst:

Wann ist es eigentlich gut? Wann hat Feminismus sein Ziel erreicht? Wann können Quoten und Fördermaßnahmen eingestellt werden, wann ist Gleichberechtigung in Gleichstellung erreicht?

Vielleicht kann man das ja irgendwann mal unterbringen.

Das ist ja durchaus eine gute Frage: Gibt es einen Zustand bei dem der Feminismus sagen würde, dass jetzt zumindest mal kein Patriarchat vorliegt oder keine Rape Culture? Oder dürfen dazu zB überhaupt keine Vergewaltigungen mehr stattfinden?

Gerade der Feminismus neigt dazu immer wieder geradezu bizarre Nachweise für Unterdrückung zu finden, eigentlich kann nahezu alles, was irgendwie im Mann Frau Verhältnis passiert ein entsprechender Nachweis sein, weil das kleine Ereignis nur deutlich macht, dass die Strukturen nach wie vor bestehen. Ein Ausstieg ist insofern nicht in Sicht.

Wenn man das den Feminismus fragt, dann muss man aber natürlich auch einem Maskulismus die gleiche Frage stellen: Ab welcher Unterhaltsregelung, ab welchem Prozentsatz von für Väter günstigen Entscheidungen zum Aufenthaltsbestimmungsrecht, ab welchem Anteil von Ehen in denen Frauen wie viel verdienen oder Männer beruflich kürzer treten wären Ziele erreicht?

Kritik an Intersektionalität

Dies ist ein Gastartikel von Maddes8cht. Der Artikel nimmt Bezug auf eine Diskussion mit einem anderen Kommentator, Lightyear2000, der feministische Positionen vertritt. 

Mein perönliches Problem und meine Hauptkritik am Konzept der Intersektionalität, so, wie sie überall beschrieben wird, liegt in der Annahme, dass Diskriminierungen hierarchisch angeordnet sind, und dass diese Hierarchie in einer bestimmten Gesellschaft gewissermaßen fest gegeben ist.

Mit pseudowissenschaftlichem Eifer arbeiten sich Leute daran ab, welche Kategorien in dieses Hierarchiesystem noch hineingehören, welche wichtiger und welche weniger wichtig sind, aber immer scheint dabei klar sein zu müssen, welche Seite die diskriminierte und welche die privilegierte ist.

Das Problem mit Dogmen ist meistens, dass das Dogma selbst gar nicht bewusst ist.

Es wird alles mögliche daraus abgeleitet, in Frage gestellt, umgeordnet. Allein das Dogma selbst nicht.
Es wird nicht deshalb nicht in Frage gestellt, weil das jemand verbietet, sondern weil man gar nicht mehr wahrnimmt, dass es in Frage gestellt werden könnte, dass es angreifbar ist.

Für Feministen scheint lediglich die Richtung angreifbar zu sein. Das sieht man übrigens wunderschön an LJ2k, er nimmt an, wir möchten Frauen die Position als Diskriminierte streitig machen und sie als die privilegierten betrachten. Dass man es auch so sehen könnte, dass es keine in allen Punkten eindeutig gültige Diskriminierungshierarchie gibt, und Frauen in bestimmten Dingen diskriminiert, in anderen aber privilegiert sein könnten, hat in der Intersektionalität keinen Platz.

Das Denken ist so stark von diesem Gedanken besetzt, dass es offenbar nur ein entweder – oder geben kann. Und damit ist der Gedanke unausweichlich, dass Männerrechtler an dieser Stelle die Polarität wohl umkehren wollen und sich selbst als die diskriminierteren sehen oder darstellen „wollen“.

LJ2k gibt zwar an, dass auch in seinem Weltbild Männer zu Opfern werden können – aber nur im Rahmen des intersektionalen Glaubensbildes:
Aufgrund der Diskriminierung durch andere Faktoren, wie Soziale Klasse, Hautfarbe, sexulelle Orientierung, Behinderung, etc.
Niemals aber ALS MANN.
Das erlaubt LJ2k, zu behaupten, dass er auch Männer als Opfer und Frauen als Täter sehen kann.
Es ändert nichts daran, dass in seinem Bild Männer IMMER das grundsätzliche Privileg als Mann haben und Frauen IMMER als Frau diskriminiert sind.

Der Gedanke, dass Männer ALS MÄNNER diskriminiert sein können wäre im Gedankengebäude der Intersektionalität gleichbedeutend damit, Frauen ihre originäre Diskriminierung ALS FRAU abzusprechen. In diesem System gibt es keinen Platz für die Vorstellung, dass in einer Kategorie von Diskriminierung die Diskriminierung Situationsabhängig mal in die eine, mal in die andere Richtungen wirken kann. Diskriminierung für die „privilegierte“ Position gibt es nur durch einen Anteil an einer anderen Diskriminierungskategorie.

Die ganze Vorstellung einer festen Hierarchie ist aber Quatsch.
Sie mag an gewissen Stellen halbwegs stimmen, aber nicht grundlegend.
Wer als Weißer in Harlem in einen Laden geht, kann dort durchaus als weißer diskriminiert werden. Wer als bekannter Hetero in eine Schwulenbar geht, kann erleben, dass er als Hetero diskriminiert wird.
Und wer als Mann unter Feminstinnen oder auch in einen Frauenzirkel gerät (z.B. als Vater unter Müttern auf dem Spielplatz) kann als Mann diskriminiert werden.
Dies alles sind keine Ausnahmen, denn auch die umgekehrte (in dem Fall also die „gewohnte“, vom Intersektionalismus als Norm behauptete ) Diskriminierung ist meist Situativ. Weil Diskriminierung an sich eine individuelle und situative Erfahrung ist.

Intersektionalität könnte ich erst akzeptieren, wenn dieses hierarchische Denken beendet wird.
Diskriminierungserfahrungen können immer in beide Richtungen wirken. Es mag Kategorien geben, in denen es eine deutliche Gewichtung gibt und eine Seite sehr deutlich diskriminiert wird, die andere dagegen nur in Ausnahmefällen.
Aber Möglich sind immer beide Richtungen. Selbst Schwerstbehinderte können sich zu einer Ingroup solidarisieren, innerhalb derer sie nichtbehinderte diskriminieren.
Es wäre wichtig, dass Intersektionalität diesen Umstand anerkennt, die eigentlich eine Binsenweisheit sein sollte.
Denn erst dann wäre sie auch offen für die Möglichkeit, dass in bestimmten Kategorien sogar recht gleichgewichtig in beide Richtungen Diskriminiert wird.
Oder sich das Gewicht in einer Diskriminierungskategorie langsam verschiebt.
Oder am erstaunlichsten: Zu erreichen, dass Diskriminierung langsam verschwinden und sich auflösen kann.
Denn bei aller emotionaler Kampfrethorik im angeblichen Kampf „gegen“ Diskriminierung scheint genau das innerhalb des Gedankengebäudes „Intersektionalität“ gar nicht möglich zu sein.

Ich kann mir vorstellen, dass vieles von der vehementen Abwehr und Aggressivität der Feministinnen von dieser absurden Hierarchisierungsfantasie des Intersektionalismus herrührt. Viele der Unterstellungen gegen alles aus der modernen Männerbewegung hat in diesem Denken ihre logische Wurzel.
Es gibt da keine Grautöne. Die Illusion von „Differenziertheit“ wird allein durch eine Vielzahl von Diskriminierungskategorien erzeugt. In sich ist die Hierarchie jedoch starr. Die Idee, dass jemand in einer Kategorie in der Position des angeblich „privilegierten“ Diskriminierungserfahrung geltend machen will ist immer gleichbedeutend mit einem Angriff auf die Hierarchie, denn die einzig mögliche Sichtweise im Intersektionalismus ist ja, dass die Hierarchie dann anders herum sein müsste.
Sehr schön zu beobachten ist das regelmäßig an den Unterstellungen gegen Männerrechtler, genau das zu betreiben. Es wird dann behauptet, für Männerrechtler seien „immer die Männer Opfer und die Frauen immer Täter“, also eine Umkehrung dessen, was Feministen behaupten.

Interessanterweise „fordert“ Intersektionalismus zwar für alle Kategorien Gleichberechtigung oder Gleichstellung ein, doch im Grunde ist das Konzept einer erreichten „Gleichberechtigung“ mit der hierarchischen Intersektionalität unvereinbar: Die Hierarchie selbst kann nicht angezweifelt werden, und innerhalb der Hierarche gibt es immer eine klare Zuordnung in privilegierte und diskriminierte.

Das ist praktisch, denn so kann „Gleichberechtigung“ immer nur gefordert, Theorieimmanent jedoch niemals erreicht werden. Ein perfekter Selbstläufer.

Ich finde es bedeutsam, darauf hinzuweisen, dass dabei eine Gleichberechtigung nicht einfach deshalb nie erreicht wird, weil Feminismus „nie genug“ bekommt. Eine Gleichberechtigung kann nicht erreicht werden, weil die Theorie es nicht erlaubt.
Gemäß der Theorie besteht eine 100% einseitige Diskriminierung, solange die Kategorie überhaupt besteht. Da möglicherweise die Auswirkungen der Diskriminierung subtil sind (und subtiler werden, je mehr dagegen angekämpft wird…), muss man eben danach suchen. Und wenn man nach „Diskrimnierungen“ sucht, kann man eigentlich immer was finden, was man so sehen möchte.
Intersektionalismus liefert also die Begründung dafür, immer neue Diskriminierungsformen suchen und finden (oder besser „erfinden“) zu müssen.

Intersektionalität errichtet dabei ein moralisches Kastensystem mit einer nur scheinbar umgekehrten hierarchischen Pyramide.
Angeblich soll der weiße heterosexuelle Mann an der privilegierten Spitze dieser Pyramide stehen.
Betrachtet man jedoch die Zahlenverhältnisse, so ist leicht zu sehen, dass jede weitere Diskriminierungsebene die Anzahl der Betroffenen einschränkt.
Die angebliche „Spitze“ der Hierarchie wird, weil unverdient privilegiert, als der Moralische Abschaum dargestellt.
Die moralische „Königsklasse“, die super-diskriminierte, ist die schwarze, lesbische, dicke, alte und (idealerweise mehrfach, mindestens physisch und psychisch) behinderte Frau.
Sie ist Zahlenmäßig deutlich kleiner als andere Klassen in diesem System, wie zum Beispiel Schwule Männer.
Wie in allen Kastensystemen ist der „Bodensatz“ die Zahlenmäßig größte Gruppe: Die WHM. Die moralische Überlegenheit erlaubt den höheren Kategorien, auf sie herabzusehen und sie zu beschimpfen. Die angemessene Reaktion der Pariahs ist die Demutsgeste, mit der die eigene moralische Unterordnung dokumentiert wird. Die Verneigung vor dem Feminismus und der Überlegenheit der Frau. Wer vom Bodensatz diese Demutssgeste nicht leistet, wird bestraft.

Intersektionalität ist keine „differenzierte“ Sichtweise, wie sie gerne für sich in Anspruch nimmt. Intersektionalität ist schwarz/weiß denken in Reinform. Die Kategorisierung von schwarz/weiß denken. Eine pseudowissenschaftliche Implementierung eines moralischen Kastensystems.

Das absolute Gegenteil von „differenzierter“ Denkweise.

„Wollen wir Frauen das was der Feminismus fordert überhaupt?“

Auf dem Blog Wiase findet sich ein guter Artikel mit dem Titel „Höschen für den Weltfrieden“ in dem die Autorin einige interessante Sachen sagt:

Zu bisher von Männern dominierten Jobs:

Wie viele Frauen wollen so einen Job? Mal Hand auf’s Herz, liebe Mitstreiterinnen, habt Ihr wirklich und wahrhaftig Lust auf 12-Stunden-Tage mit millionenschwerer Verantwortung und dem Burnout, das schon hinter dem nächsten Meeting lauert (und zuhause warten die lieben Kinderlein)? Einigen wir uns mal darauf, daß es Frauen gibt, die das möchten. Aber bei aller Liebe, das sind nie und nimmer die meisten. Das ist ein Nischenproblem.

Das Karriere etwas anstrengendes ist, was man gar nicht will ist ein sehr einfacher Gedanke, der im Feminismus dennoch nie wirklich verwertet wurde. Es gilt eben das strikte Gleichheitsdiktat: Wenn Männer das wollen, dann müssen Frauen es genauso wollen. Was auch nicht näher begründet wird.

Zur Quotenfrau weiter:

Das hat nichts mehr mit den Anfängen des Feminismus zu tun, als es darum ging, allen Frauen die Gleichberechtigung zu erkämpfen. Dann führt halt meinetwegen die Frauenquote ein, obwohl ich davon überhaupt nichts halte. In welcher Führungsposition in männerdominierten Berufen könnte es wohl von Vorteil sein, die Quotenfrau zu sein?

Das Quotenfrau sein es einem nicht einfacher macht, war hier ach schon wiederholt Thema. Man macht sich damit eben gleich den Start schwieriger.

AH, Aufschrei, da ist es doch schon: männerdominierte Berufe! DAS ist doch das Problem erst überhaupt! (Rufen da die Feministinnen.) Ja, Mädels, es gibt männerdominierte Berufe, weil Männer physisch und psychisch anders sind als Frauen. Das ist die verdammte Biologie, die auch der Feminismus nicht bekämpfen kann. Und aus dem gleichen Grund gibt es frauendominierte Berufe (siehe: der komplette Sozialsektor), das wollen wir mal bei der ganzen Debatte auch nicht vergessen. Es ist so: Männer sind im allgemeinen belastbarer, sowohl körperlich als auch psychisch (jedenfalls im Beruf), was in eben diesen hohen Positionen wichtig ist. Männer fassen berufliche Kritik seltener als persönliche Beleidigung auf, was das Arbeitsklima deutlich verbessert. (Das ist eine empirische Beobachtung, unterfüttert mit eigenen Erfahrungen.)

Auch das wäre ja etwas, was viele Frauen vielleicht gar nicht wollen: Abhärten, damit man den Stress aushält. Und das eben auch gegen einen härteren Ton und Wettbewerb.

Und Männer bekommen keine Kinder. Immer noch nicht, diese faulen Schweine. Erklärt mir doch mal, warum ich als profitorientiertes Unternehmen statt eines Mannes eine Frau einstellen sollte, die noch Kinder bekommen möchte (das ist auch ihr gutes Recht, gar keine Frage) und damit zumindest für die Zeit des Mutterschutzes ausfällt? Wenn nicht länger, denn die Mutter ist in den ersten Jahren die wichtigste Bezugsperson für ein Kind, vor allem wenn sie stillt und das sollte sie bittebitte, und auch das ist Biologie und sollte nicht wegen einer vermeintlich wichtigen Karriere als unwichtig abgetan werden. Das Vaterschaftsurlaub-Argument lasse ich also nicht gelten. Hier muß man doch mal als Frau ehrlich zu sich sein und einsehen, daß Kind UND steile Karriere Aufgaben sind, die für 2 bis 3 Leben reichen würden und nun mal nicht in nur eines passen. Jedenfalls nicht, wenn man wenigstens eine davon richtig machen will. (Da kann mir Frau von der Leyen noch so viel erzählen.)

Auch hier ein sehr bekanntes Argument: Alles auf einmal geht eben nicht so einfach und wer eher aussetzt und auch aussetzen will, der wird weniger Karriere machen. Zumindest abseits des öffentlichen Dienstes, der das ignorieren muss.

Überhaupt verlangen wir von unseren Männern inzwischen doch sehr viel mehr, als nur abends ein erlegtes Mammut mitzubringen und nicht in der Höhle zu pupsen. Der Mann soll einfühlsam sein, Geld verdienen (möglichst viel), im Haushalt helfen, die Kinder hüten, trotzdem stark sein und maskulin, aber bitte seine Hormone im Zaum halten und nicht auf Frauenhintern starren, das ziemt sich nicht. Er soll unsere Bedürfnisse kennen und selbst möglichst wenige haben, immerhin ist er ja der Mann. Der Bart muß flauschig weich sein und darf nicht kratzen und der Einkauf trägt sich auch nicht von allein hoch. Und höflich muß er sein! Höflich, ganz wichtig. Platz in der Bahn anbieten und so.

Auch das ist wichtig: Frauen stellen Anforderungen an Männer und „Geld verdienen“ gehört dazu. Und vieles weiteres dazu.

Ja und wir Frauen wollen das auch alles dürfen, wir sind ja jetzt emanzipiert. Wir wollen auch viel Geld verdienen dürfen und einen flauschigen Bart tragen oder zumindest den Einkauf. Wir sind starke Frauen, wir können das auch alles ohne die Männer. Also, wenn wir wollen. Und das entscheiden immer noch wir, wann wir das wollen. Das müssen die Männer dann schon wissen, daß wir das jetzt wollen. Überspitzt: Wenn Frau ein kurzes Röckchen trägt (natürlich nur und ausschließlich für sich selbst), sollen die Männer schon auch kucken, aber nicht SO.

Auch schön gesagt: Die aus meiner Sicht sehr weibliche Sicht, dass sexuelle Signale bewundernd, aber ohne zu stören aufgenommen werden sollen, kommt so eben im Feminismus auch nicht vor.

Also bitte, besinnen wir uns vielleicht wieder auf die Unterschiede in unseren Geschlechtern und nehmen wir sie hin. Nur durch diese Unterschiede funktioniert der ganze Menscheitskram überhaupt. Verstehen wir doch Gleichberechtigung wieder als ein Gut, das jedem unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Religion, Hautfarbe… zuteil werden soll, und nicht als Mittel, Rechte durchzusetzen, von denen letztlich keiner wirklich Gebrauch machen will.

Eine wesentlich abgeklärtere Sicht der Dinge als es die Gender Studies mit diversen Lehrstühlen und Fördergeldern je zustande bringen werden.

Frauen wie Männer behandeln und das Wegfallen von Privilegien

Teardown verweist darauf, dass Frauen gleichzeitig alte Privilegien behalten wollen aber dennoch nicht wie Männer behandelt werden wollen:

Wir haben eigentlich eine ganze Menge an gesellschaftlicher Stammes-Codes bezüglich Frauen:

Nicht (zurück)schlagen.
Nicht anfassen.
Nicht anstarren.
Tür aufhalten, Mantel ect.
Auf Getränke/Speisen einladen
Von schwerer Arbeit fern halten.
Beschützen/zuerst retten in Gefahrensitutationen
u.v.m.

War für mein Dafürhalten immer ganz angenehm für die Damen. Jetzt aber, mit dieser Gleichberechtigungskampagne und dem “Männer und Frauen sind gleich” erodiert das natürlich, weil Männer anfangen Frauen wie Männer zu behandeln (also gleich!).

Und schon ists wieder nicht richtig für die Damen, denn SO war das natürlich nicht geplant. Die positiven Verhaltensweisen sollten die “Gentlemen” natürlich beibehalten, die negativen Verhaltensweisen zB. “Catcallen” sollten die Herren ablegen.

Viele unserer heutigen Probleme ergeben sich aus diesem Mismatch den Frauen gezogen haben. Sie haben einfach erwartet, dass sie die Spielregeln zu ihren Gunsten ändern können, und die trottligen Männer einfach so weiterspielen, sich einfach dem Neuen nicht anpassen. Was für eine Fehleinschätzung!

Und da Frauen (Zumindest aber die Frauenbewegten!) von ihrer geborenen Höherwertigkeit überzeugt sind, imaginieren sie die “Missachtung” ihrer als natürlich empfundenen Anspruchshaltung als Diskriminierung, als Benachteiligung.

“Was soll das heißen Chef, ich muss hier hart arbeiten? So war das in Schule/Uni nie!” “Wie du bezahlst nicht? Sonst wäre ich mit dir gar nicht hierher gegangen!”

Frau will halt mal wieder alles, sie hat es sich verdient. Und Männer diskutieren nicht nur in OnlineForen, sondern auf allen Ebenen unserer Gesellschaft, über eine “gerechtere Welt” in der man es doch irgendwie Frauen recht machen könnte, sie irgendwann endlich zufrieden ist.

Das wird jedoch nie so sein.

Ich glaube auch, dass die meisten Frauen nicht in allen Punkten gleich behandelt werden wollen, weil sie eben Frauen sind und sich auch als anders wahrnehmen. Üblicherweise fordern Frauen eher mehr Rücksichtsnahme und Anpassung von Männern, was Ton und Verhalten angeht, als umgekehrt Männer von Frauen.

„ich darf das ich bin eine Frau“ und „was nimmst du dir da heraus, ich bin eine Frau“ gibt es insofern durchaus. Andererseits ist das nicht per se ein Widerspruch: Bestimmtes Verhalten kann man einfordern, weil es gesellschaftlich akzeptiert ist, bei anderen Verhalten kann man ein Unterlassen verlangen, einfach weil man es nicht möchte, auch wenn andere nichts dagegen haben. Beides muss auch im Zusammenspiel nicht per se ein Widerspruch sein.

Es kann aber in der Tat als Rosinenpicken erscheinen, wenn man auf der einen Seite als gleichwertig und gleichbelastbar wahrgenommen werden möchte und auf der anderen Seite Rücksichtnahme einfordert. Oder wenn man etwas unberechtigt verlangt, was anderen nicht zu gewähren wäre.

Allerdings sollte man auch bedenken, dass ein Teil der unterschiedlichen Wahrnehmung daraus resultiert, dass die Frauen in verschiedenen Situationen verschiedenes wollen. Es kann auch vollkommen okay sein, wenn man von einem Geschäftspartner anders behandelt werden will als von einem romantischen Partner. Wenn man von dem einen als gleichberechtigt wahrgenommen werden will, während man von den anderen ein männlicheres, dominanteres, aktiveres Verhalten wünscht. Denn einmal geht es um sexuelle Aspekte und in dem anderen Fall um eine Geschäftsbeziehung.

Thesen zum Maskulismus (von Lightyear)

Als Reaktion auf meine Thesen zum Feminismus hat Lightyear2000 auch vier Theorien erstellt (in diesen Tweets 1, 2, 3) die insoweit den Nachweis bringen sollen, dass man viel behaupten kann, die Widerlegung dann aber schwierig ist.

Diese Thesen sind:

1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer

2. Maskulisten haben keine Praxis

3. Maskulisten bashen Feminismus, haben sonst keine eigenen Ideen

4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.

Schauen wir mal:

1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer

Da würde ich zum ersten darauf verweisen, dass in den Studien zur häuslichen Gewalt davon gesprochen wird, dass beide Seiten Gewalt ausüben. Ich wüsste jetzt – abseits eines radikalen Maskulismus, der ein „Frauen beuten nur aus“ vertritt, aber in der Hinsicht sehr selten ist – nicht, wo überhaupt eine „Alleintäterschaft“ von Frauen vertreten wird.

Ich kann auch ohne weiteres hier kundtun: Männer und Frauen haben beide an der Gesellschaft teil und gestalten diese insofern auch beide. Üblicherweise werden verschiedene „Kompromisse“ gefunden bzw. in einem Bereich setzt sich eher die Frau, in anderen eher der Mann durch.

2. Maskulisten haben keine Praxis

Leider hat Lightyear immer noch nicht so recht erklärt, was er eigentlich unter „Praxis“ versteht. Es scheint mir damit nicht einfach konkrete Arbeit gemeint zu sein, sondern die Anwendung der Theorien auf tatsächliche Lebensverhältnisse.

Ansonsten müsste ich auf Manndat, Agens, Väteraufbruch  und andere Vereine verweisen. An praktischen Anwendungen würde ich das Hinwirken zb auf ein Wechselmodell sehen, oder auf Bereitstellung auch für Hilfe für Männer, die von Gewalt betroffen sind oder für die Stärkung von Vaterrechten. Was sonstige allgemeinere „Praxis“ angeht würde ich es so sehen, dass aus zB den biologischen Theorien folgt, dass Männer nicht essentialistisch gesehen werden können, sondern es allenfalls Häufungen gibt und das aus der Figur des naturalistischen Fehlschluss folgt, dass Männer auch wenn das Selektionsdrücke waren, die nach Niederschlagung in unserer Biologie zur Ausprägung einer entsprechenden Kultur geführt haben, nicht auf die Rolle als Versorger, Beschützer etc festgelegt werden können und insofern um mit Warren Farrell zu sprechen nicht „disposabel men“ sein sollten, sondern den gleichen Anspruch auf Schutz und Unterstützung haben wie Frauen.

3. Maskulisten bashen Feminismus, haben aber sonst keine eigenen Ideen

Das überschneidet sich aus meiner Sicht etwas mit dem obigen Punkt, aber ergänzend dazu würde ich sagen, dass in einem Maskulismus wie beispielsweise dem von Warren Farrell die Theorie vertreten wird, dass Männer und Frauen ein Nullsummenspiel betreiben, wenn es eigentlich um Kooperation zwischen den Geschlechtern geht.

Dies kann man mit der Spieltheorie weiter ausbauen, etwa indem man die klassische Beziehung als Prisoners Dilemma versteht und vieles zwischen den Geschlechtern als Versuch des Signals, dass man fair spielen will und gleichzeitig als Absicherung gegen „defect“. Von dieser Betrachtung ausgehend muss es zu einer Neuverhandlung bestimmter Regeln zwischen den Geschlechtern kommen, denn früher hatte es für beide bei einer Heirat oder auch nur Sex erheblich andere Auswirkungen „defect“ zu spielen. Heirat ist insofern mit Verhütung, Unterhalt, Zugewinn, Versorgungsausgleich, Arbeit beider Geschlechter, staatlicher Unterstützung und dem Wegfall sozialer Stigmata ein ganz anderer Vertrag geworden, deren Regelungen vielleicht nicht mehr zeitgemäß sind. Ein wesentlicher Teil maskulistischer Arbeit und Ideen bezieht sich gerade auf diesen Bereich und seine Auswirkungen, vom Sorgerecht bis zum Unterhalt.

4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.

Eigentlich will aus meiner Sicht kaum jemand zurück in die 50er. Den diese Privilegien sind ja nur bei sehr einseitiger Betrachtung. „Vorstand der Familie“ ist ein sehr relativer Begriff, genug Männer werden auch damals unter dem Pantoffel gestanden haben. Und es bedeutete eben auch allein für die Versorgung der Familie verantwortlich zu sein, schwer an außerehelichen Sex zu kommen, sich von einer nicht mehr genehmen Partnerin quasi nicht trennen zu können und zudem für den Fall, dass das nicht gelang ein meist lebenslanger Unterhaltsanspruch ohne das die Frau verpflichtet war einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (wenn ich mich nicht täusche), sofern sie nicht etwas falsch gemacht hatte, was ihn zur Treue berechtigt.

Es mag für Feministen kaum vorstellbar zu sein, aber ich habe gerne vor der Ehe die Möglichkeit, Beziehungen auszuprobieren und nicht dafür beschämt zu werden oder auch einfach nur Sex zu haben. Und ich finde es gut, wenn eine Frau ebenfalls etwas verdient. Was genau an den 50er Jahren so attraktiv für Männer gewesen sein soll entzieht sich mir da eher.

Wenn damit allgemein konservative Geschlechterrollen gemeint sind: Dagegen gibt es natürlich auch Widerstand im Maskulismus. Es ist ja nicht so, dass die konservativen Rollenzuweisungen hier durchgängig bejaht werden, sie werden eben auch als Einschränkungen für Männer gesehen und der Versuch, sie als zwingend zu befolgen vorzugeben, abgelehnt

 

Was würdet ihr gegen Lightyears Thesen anführen, vielleicht auch an Artikeln auf eurem Blog? Oder welche Ausführungen stützen vielleicht sogar seine Thesen? Wie steht ihr allgemein zu diesen?

Warum wird Gender Studies von einem Geschlecht beherrscht?

Ein männlicher Absolvent der „Gender Studies“ beklagt die Einseitigkeit der Gender Studies: (gefunden über mindph)

The lack of men in this discourse is ludicrous, not merely because of the lack of a very essential voice in research but because it also undermines the academic side. How is it possible to formulate a theory without reinforcement or criticism from colleagues in the field?

During my studies in the program, I found myself listening to the discourse and not being able to believe my ears.

The absence of males in so conspicuous a manner – and perhaps their exclusion is intentional – from the academic gender discourse, makes it monotonous. The accepted wisdom is that in the past men repressed women and that they continue to do so today, because every man has the potential to act violently.

Bad women? Violent women? Abusive women? Merely vulgar women? There is no such animal. At least not in feminist research.

Not that there is not a grain, or perhaps more, of truth in some of these claims. But the way in which the issues are presented and the extent of internal conviction about their truth repress any other form of thought.

To my regret, the gender studies program lacks all self-criticism, giving students a narrow view of the world. This approach allows female lecturers and students in the program to „feel at home“ and to turn the academic world into another arm for their activity.

However it puts them in a very dangerous spot from the academic point of view, that of absolute certitude. It is from places where absolute justice and uniform ideas reigned that hatred and wars have broken out.

The heads of the gender studies program would do well to understand that the integration of men into the program as teachers, researchers, colleagues and students would be the right thing for the program itself, and even more so for Israeli society at large. It would be wise on their part to once again stick to academic fundamentals and to encourage continual criticism of research studies and ideas.

Without a substantive change, the program will be detached from reality, turn into an academic problem child and often be simply boring. And until such a time as they decide to do change course, it would be appropriate for them to change the program’s name to „women’s studies“ or „feminist studies“ – a name that better fits the current academic reality.

Die „kritische Wissenschaft“ ist eben in der Hinsicht nicht kritisch, sondern eher reine Ideologie, allenfalls eine Glaubenswissenschaft, bei der gewisse Axiome nicht angetastet werden dürfen.

Das war hier schon häufiger Thema:

Das er als Student der Gender Studies meint, dass man nur etwas kritischere Perspektive braucht ist schon erstaunlich, aber vielleicht hat er es auch bewußt vorsichtig studiert. Immerhin benennt er am Ende deutlich, dass es dort keine Kritik gibt und das es auch keine „women Studies“ sind, sondern eben Feminist Studies.

In der feministischen Theorie ist allerdings kein Platz für andere Meinungen. Das würde bedeuten, diesen Raum zu geben und damit Macht abzugeben. Der Feminismus ist eben ein Nullsummenspiel, in dem alles sozial konstruiert ist. Gegenargumente können da nur zu mehr Diskriminierung führen.

Selbermach Samstag 144 (11.07.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Bekleidungsvorschriften in der Schule, Hotpants und Rape Culture

Bei Twitter und in den Medien hat es schon ordentlich die Runde gemacht: Das „Hotpants-Verbot“. Der Spiegel berichtet:

Der Elternbrief war kurz und eindeutig. „In letzter Zeit müssen wir gehäuft feststellen, dass Mädchen der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind“, schrieb Bianca Brissaud, Schulleiterin in Horb-Altheim. Das Kollegium habe sich entschlossen, „dass wir an unserer Schule keine aufreizende Kleidung dulden wollen“.

Damit wolle man „zu einem gesunden Schulklima beitragen“, heißt es in dem Schreiben weiter, das der „Schwarzwälder Bote“ am Montag dokumentierte. An der Schule gelte ab sofort die Regel: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants…), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“ Trotz geschlechtsneutraler Formulierung an einzelnen Stellen werden im Elternbrief dezidiert nur die Schülerinnen der Realschule angesprochen, heißt es in dem Bericht.

Anderen Schulen ist zu lockere Kleidung ebenfalls ein Dorn im Auge. Die Friedrich-Voith-Schule in Heidenheim hält T-Shirts mit Schullogo für freizügig gekleidete Schüler bereit. Am Würzburger Deutschhaus-Gymnasium sind bauchfreie Tops, Hotpants und – für Jungen – ärmellose Shirts verboten. Und am Heidehof-Gymnasium, einer evangelischen Privatschule in Stuttgart, müssen sich zu leicht gekleidete Schüler in schwarze XXL-T-Shirts hüllen.

 

Aus meiner Sicht etwas sachlicher hier in den Stuttgarter Nachrichten:

Hautenger Minirock, ultrakurze Hose oder tiefer Ausschnitt – gerade Schülerinnen zeigen im Hochsommer gerne Haut und Bein. Für die einen ist das Provokation, andere sprechen von Mode.

In den Klassenzimmern an Baden-Württembergs öffentlichen Schulen dürfen die Kids in der Regel anziehen, was sie wollen. „Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moralvorstellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen“, sagte ein Sprecherin des Kultusministeriums am Donnerstag in Stuttgart. Kleiderregeln oder gar Vorschriften gebe es an öffentlichen Schulen nicht. Gefährdeten Hotpants allerdings den Schulfrieden – sprich schauen die Jungs eher auf die Beine der Mädchen denn an die Tafel – darf die Schule eingreifen. (…)

Am Stuttgarter Heidehof-Gymnasium, einer evangelischen Privatschule, liegen auch solche T-Shirts bereit, in schwarz und XXL-Größe. „Es gibt grundsätzlich Gespräche mit den Schülern, wie wir das gerne hätten“, sagte Schulleiter Berthold Lannert über die Kleidungsvorstellungen des Hauses an besonders heißen Tagen.

Wer immer mit zu wenig Stoff am Körper im Klassenzimmer sitze und uneinsichtig sei, müsse solch ein übergroßes Shirt tragen: Bisher sei das aber erst zweimal vorgekommen – und zwar nicht wegen einer zu kurzen Hose eines Mädchens: Zwei Jungen trugen Hänge-Hosen mit dem Schritt in den Kniekehlen – freier Blick auf die Unterhose inklusive.

An dieser anderen Schule waren also nur Jungs bisher die „Opfer“ einer solchen Kleidervorschrift.

Meine Meinung dazu ist gemischt:

  • ich würde auch sagen, dass eine gewisse Zurückhaltung geboten ist. Die persönliche Kleidung des einzelnen geht erst einmal die Schule nichts an.
  • Allerdings sehe ich sehr wohl eine Berechtigung zum Eingreifen, wenn sich dies auf den „Schulfrieden“ auswirkt und gleichzeitig die Maßnahme nicht die Grenzen des Zumutbaren überschreitet. Das ist die im Verwaltungsordnungsrecht sehr verbreitete Figur des „Anscheinsstörers“: Wer den Anlass für Störungen setzt, der kann angehalten werden, diese abzustellen, wenn auf diesem Weg die Störung insgesamt beseitigt werden kann und andere Wege zu schwierig sind.
  • Ich kann mir gut vorstellen, dass zuviel Haut bei schönen Mitschülerinnen Signale gerade bei Teenagern aussendet, die interessanter sind als so mancher langweiliger Unterricht. Um mal von der Kleidung wegzukommen: ich vermute mal, dass die meisten Schüler auch weniger lernen, wenn man neben ihnen im Raum anfängt ein leckeres Büffet vorzubereiten oder dort Artisten einen Auftritt üben. Hier wird man kaum anführen, dass die Schüler eben lernen müssen, diesen Versuchungen zu widerstehen und es verstehen, wenn der Lehrer das für seinen Unterricht auch nicht für ideal hält. Sex ist dabei ein durchaus starkes Signal
  • Wenn eine Ablenkung vorhanden ist, die den Unterricht stört, dann halte ich das Überziehen des T-Shirts für eine vollkommen zulässige Maßnahme
  • Gleichzeitig würde ich der Schule auch im Rahmen ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags das Recht geben, dass auf für den Unterricht angemessene Kleidung geachtet wird, auch wenn dies vorsichtiger gehandhabt werden muss. Dabei ist ähnlich wie in anderen Berufen auch, der sexuelle Reiz auf ein angemessenes Maß zu beschränken. Das bedeutet nicht, dass man nun Kleidung verlangen könnte, mit der man in den Vatikan gelassen wird, aber auch hier gibt es einen gesellschaftlichen Grundkonsens.

Die Frage ist natürlich, was mit „Hotpants“ letztendlich gemeint ist. Nach Wikipedia sind dies:

Hot Pants (englisch: „scharfe Hosen“) sind enge, sehr kurz geschnittene, den Po betonende Shorts für Frauen.

Die Bilder, die man da findet, sind aus meiner Sicht doch sehr verschieden:

Hotpants

Hotpants

Hier hätten wir eine sehr kurze Variante, bei der der halbe Hintern zu sehen ist. Aus meiner Sicht wäre es hier vollkommen okay, auf eine angemessene Kleidung zu bestehen

Hotpants

Hotpants

Das sind schon etwas vorsichtigere Hotpants, die zumindest den ganzen Hintern bedecken. Hier kann man dann geteilter Meinung sein.

hotpants Bauchfrei

hotpants Bauchfrei

Hier wäre die Hose zwar auch Hinternbedeckend, aber das Outfit insgesamt doch reichlich sexuell. Ich hätte hier nichts gegen ein Einschreiten, wenn es stört.

Hotpants

Hotpants

Hier hätte ich verständnis für jeden Junger, der sich nicht voll auf die Unterrichtsstunde konzentrieren kann

Es ist schwer ein Bild von Schülerinnen in Hotpants zu finden und ich wollte bei Google und der NAS auch niemanden auf mich aufmerksam machen. Hier also noch ein Bild von Schülerinnen, die nach einem Hochwasser in kurzen Hosen helfen:

Schülerinnen kurze Hosen

Schülerinnen kurze Hosen

Das scheint mir alles jetzt auch noch vollkommen okay zu sein. Es ist nicht auf besonders sexuell getrimmt, es ist soweit alles angemessen, auch wenn die Hosen kurz sind. Es scheint mir bei warmen Wetter auch vollkommen okay, Jungs könnten vergleichsweise genauso viel Haut zeigen.

Im Gegenzug finde ich persönlich die „tiefsitzenden Gangster Hosen“ wesentlich weniger sexuell, sie wären schon eher ein „zieh dich ordentlich an“:

gangster hosen boxerhsorts

Im ganzen hat vieles davon aus meiner Sicht nichts mit Wärme zu tun, aber einiges mit intrasexueller Konkurrenz unter Frauen und Signalling. Jungs zeigen nachhaltig, dass man auch mit etwas längeren Hosen und einem Tshirt überleben kann, es muss keine Frau quasi nackt herumlaufen. Wenn sie es tut, dann ist ihr auch bewusst, dass sie damit sexuelle Signale sendet und will dies sowohl gegenüber den Jungs als auch gegenüber den Mitschülerinnen. Es ist eben ein zeigen wie heiß man ist und das man sich solche Hotpants leisten kann, ohne das alle darüber lästern, dass da alles rausquillt oder denken, dass man scheiße aussieht. Natürlich scheitern daran auch immer wieder verschiedene Mädchen, weil sie die Mode mitmachen wollen, obwohl sie bei ihnen nicht gut aussieht. Die sind aber auch meist nicht der Grund dafür, dass große T-Shirts verteilt werden.

Die TAZ macht aus dem Verbot erst einmal eine Bestätigung, dass wir in einer Rape Culture leben:

Es gehe dabei, so die Schulleiterin Bianca Brissaud, „nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes“. Vielmehr wolle sie „damit ein kleines Stück zu einem gesunden Schulklima beitragen, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden“. Sie sei von Lehrerinnen und Lehrern darum gebeten worden, „dringend“ etwas zu tun, sagte die Schulleiterin dem Schwarzwälder Boten.

Ja, aber warum? Und was für Werte sind das, die da so dringend gelebt und gefördert werden sollen?

Die Erklärung liefert die Schulleitung in ihrer Wortwahl: Hotpants und bauchfreie T-Shirts seien „aufreizend“. Wird nicht weiter erläutert, heißt aber: Die knappen Klamotten könnten jemanden reizen, etwas zu tun. Hinzugucken. Hinzugreifen. Die Werte, die hier vertreten werden, heißen: Rape Culture und Victim Blaming. Es geht nicht um den Stoff, es geht um Schuld, um Kontrolle und Autonomie

Bis auf die zwei Stuttgarter Jungsärsche wird in allen genannten Fällen davon ausgegangen, dass Mädchen, die sich zu knapp kleiden, das Problem sind: Wenn Jungs oder Lehrer von Mädchen abgelenkt werden, müssen die Mädchen sich etwas anziehen. Als wenn Frauenkörper etwas sind, was versteckt werden muss, damit nichts Schreckliches passiert. Weil – und das ist ebenso sexistisch – davon ausgegangen wird, dass Jungs und Männer sich dann nicht mehr unter Kontrolle halten können.

Es ist genau dieselbe Rhetorik, die angewandt wird, wenn Frauen belästigt oder vergewaltigt wurden, und dann hören müssen: Du hättest etwas anderen anziehen / dein Getränk nicht stehen lassen / diesen Weg nicht langlaufen sollen. Diese Art von Schuldumkehr nennt sich Victim Blaming: Das Opfer wird beschuldigt, an einer Tat selbst Schuld zu sein.

Victim Blaming wiederum gehört in den größeren Zusammenhang von Rape Culture: Eine Kultur, in der davon ausgegangen wird, dass sexualisierte Gewalt etwas ist, was eben passiert. Übergriffe sind dann etwas, was einzelne Opfer eben hinnehmen müssen, wenn sie sich nicht hinreichend verteidigt haben. Das ist dann dumm gelaufen. Nächstes Mal besser aufpassen. Dass es immer wieder dieselben Muster sind, nach denen Grenzen überschritten und Machtstrukturen ausgenutzt werden, kann man ignorieren, wenn man die Schuld den Opfern gibt

Natürlich ist es komplizierter, Jungs und Männern zu erklären, wie sie sich verhalten sollten, als Frauen einen Sack überzustülpen. Es gibt keine einfache und schnelle Lösung für das Problem. Das „Culture“ in „Rape Culture“ beschreibt eben eine ganze Kultur, und die beruht unter anderem auf sehr tief verwurzelten Ansichten darüber, was Frauen in der Öffentlichkeit alles tun und lassen sollten. Die völlige Selbstverständlichkeit, mit der Männer am Strand oben ohne rumlaufen und Frauen nicht, ist nur ein Beispiel. Eine Gesellschaft, in der nackte Frauen in der Werbung einerseits Aufmerksamkeit auf Produkte ziehen sollen und in der Frauen im Alltag andererseits aufpassen sollen, nicht „aufzureizen“, hat ein sehr grundsätzliches Problem.

Da hat man es mal wieder: Frauen sind für nichts veranwortlich, sie sind Opfer. Egal, ob hier eine Schulleiterin handelt, auch diese will nur wieder Mädchen zu Opfern machen und anscheinend Vergewaltigungen verharmlosen. Ebenso wie die Lehrerinnen. Aber diese sind eben auch nur Opfer des Systems. Auch den letzten Satz finde ich durchaus bemerkenswert: Denn Schule und Werbeplakat sind ja durchaus leicht zu erkennen vollkommen verschiedene Orte, für die dann auch verschiedene Regeln gelten. Man würde eben auch keine entsprechenden Werbeplakate in Schulräumen anhängen.
Natürlich hätte man das hier auch ganz anders framen können: Wenn die Schulleiterin gesagt hätte, dass sie bemerkt hätten, dass die Schülerinnen hier nur einem Trend folgen und verschiedene Mädchen sich bei Lehrerinnen beschwert hätten, dass dies auf sie Druck ausübt und sie gemobbt worden wären und einen Safe Space benötigen, dann wäre es eine interessante Diskussion gewesen: Darf man zu Gunsten anderer Schülerinnen Mädchen weniger sexuelle Kleidung vorschlagen? Darf man dann auch erziehen?

Es würde mich ja auch mal interessieren, wie eine feministische Gruppe auf eine stark geschminkte und sexuell gekleidete Frau mit einem durchtrainierten Körüer reagiert, die bei ihnen mitmachen will und das nicht bei einem Slutwalk.

Den nächsten Satz in der TAZ finde ich dann auch wieder typisch feministisch:

Sicher ist: Wenn Jungs im Unterricht nicht mehr auf die Tafel schauen, sondern auf den Bauchnabel des Mädchens neben ihnen, dann ist jede Lösung, die sich nur um den Bauchnabel kümmert, und nicht um den Jungen, eine schlechte. Im schlimmsten – aber nicht unwahrscheinlichen – Fall führt sie dazu, dass Mädchen sich, wenn ihnen etwas Unangenehmes passiert, nicht trauen, es zu erzählen, weil sie denken, sie seien selber Schuld.

Das ist die klassische feministische Lösung: Wenn Jungs etwas sexuelle anziehend finden, dann müssen sie eben damit klarkommen und sie müssen lernen, den Reiz auszublenden. Alles andere ist eben Victim Blaming.

Bei der Mädchenmannschaft fasst man das noch deutlicher:

An wen sich diese Kleidungsvorschrift richtet ist klar: Mädchen. Dies ist natürlich ein Muster der sommerlichen Schulkleidungsdiskussionen, die ja nicht kontextlos stattfinden, sondern sich einreihen in rape culture, victim blaming und weitere sexistische_rassistische_klassistische_fatshamende Körper- und Kleidungspolitiken. In den Erläuterungen heißt es dann oftmals, dass sich Schüler aufgrund der Kleidung nicht auf den Unterricht konzentrieren könnten – aber auch Lehrer abgelenkt seien. Und anstatt sich nun zu fragen, was diese Lehrer eigentlich an einer Schule machen, wird die Verantwortung für alles bei den Mädchen abgeladen, sie sollen sich nicht ‚aufreizend‘ (was soll das eigentlich hier genau sein?) kleiden. Lehrer und Schüler werden als nahezu unfähig zum geraden Gedanken inszeniert, als schutzbedürftig.

(…)

Oftmals wird so getan als wären bestimmte Kleidungsstücke und das Nichtverdecken von Körperstellen noch einmal eine besondere Einladung zu übergriffigem Verhalten: Damit meine ich nicht ausschließlich sexualisierte Übergriffe, sondern auch das allgemeineKommentieren anderer Körper, ungefragte Hinweise dazu wie sich zu kleiden wäre, Bemerkungen/ Blicke/ Geräusche beim Entblößen dicker Oberarme, Zeigen und Starren auf Narben, die sonst unter Stoff bleiben.

Was mir daran nicht gefällt:

Es wird so getan als wäre das Unangenehme, dass die Männer kurz davor wären übergriffig zu werden. Als wäre es so, dass sie sich nicht mehr zurückhalten können. Und als wäre es etwas schlimmes, sexuelle Reize auch sexuell aufzunehmen.

Dabei geht es schlicht darum, dass bestimmte Reize, auch unterhalb einer Übergriffigkeit unpassend sein können. Ich hatte hier schon etwas dazu gesagt, dass es anstrengend ist, wenn man sexuelle Reize, die man nicht wahrnehmen darf, ausblenden muss. Und natürlich kann auch eine 16jährige oder gar eine 19jährige mit tiefen Dekollete oder dem halben hintern unbedeckt ohne Probleme solche Reize aussenden und diese auszublenden kann unangenehm sein, auch wenn man selbstverständlich nicht über sie herfallen wird.

Hier soll letztendlich eine ganz normale Sexualität und den Umstand, dass man solche Reize registriert zur Abwertung verwendet werden. Wer sexuell wahrnimmt, der ist in diesem Denkschema schon ein Vergewaltiger, weil er diesen Drang niederkämpfen muss. Das halte ich für eine extrem sexfeindliche und auch männerfeindliche Sicht.

In dieser Sicht ist alles eine unnötige Sexualisierung von Frauen, die ja eigentlich gar nicht sexuell sind und hier nur durch die Gesellschaft zu „Sexobjekten“ gemacht werden. Es ist eine merkwürdige Zeichnung von Unschuld, die ich für vollkommen naiv halte: Ein Schülerin in Hotpants und mit bauchfreien Top ist sich vollkommen bewußt, dass sie sexuelle Signale sendet, sofern sie nicht in der Grundschule ist. Sie findet sich sicherlich mutig oder eben heiß genug. Die Naivität, dass sie das alles nur trägt, weil ihr einfach warm ist, ist insbesondere, wenn man ansonsten von einer Rape Culture ausgeht, in der jede Frau pausenlos sexuell belästigt wird und in der Nacktheit – so die Botschaft auf die bei jeden Slutwalk herumgeritten wird – als Einladung angesehen wird, von hoher Widersprüchlichkeit. Einerseits gibt es anscheinend eine beständige Botschaft, die Kleidung von Frauen zu regulieren. Andererseits geht diese Botschaft an Frauen vollkommen vorbei, die sich gar nicht bewußt sind, dass sie sexuelle Reize ausstrahlen und daher auch nicht dafür verantwortlich sind.

Der Mann muss eben einfach ausblenden und darf darf darf sich dadurch nicht gestört fühlen.

Die Frau hingegen darf sich durch den Blick aufgrund dieser Reize schon gestört fühlen. Er ist ein Schwein, gleich in die Richtung eines Kindervergewaltigers zu rücken.

Erzählmirnix hat (natürlich ohne Zusammenhang zu den Hotpants, wie sie in den Kommentaren schreibt) einen Comic mit ähnlichen Inhalt:

erzaehlmirnix reiz 12jährige pädophil

erzaehlmirnix reiz 12jährige pädophil

Das geht – so sehr ich Erzählmirnix Comics ansonsten schätze – in eine ähnliche Richtung: Es wird etwas an dem Wort „aufreizend“ aufgehängt, was dann die Wahrnehmung sexueller Signale als pädophil und perserv einordnen lässt.

Aus meiner Sicht sind Hotpants und Miniröcke recht eindeutig etwas, was wir mit sexuellen Reizen assozieren. Den Hintern einer 12jährigen damit zu betonen sendet deswegen auch dann ein sexuelles Signal, wenn es der Hintern aufgrund des Alters des Kindes nicht macht. Und gerade diese Verbindung kann einen natürlich stören. Weil man eben findet, dass ein solches Signal in der Verbindung erst einmal nichts zu suchen hat.  Natürlich kann man es merkwürdig finden, wenn 12jährige Kleidung tragen, die dafür konzipiert ist, sexuelle Signale zu senden, weil das eben eine Sexualisierung von Kindern ist, ohne gleich pädophil zu sein.

Man kann das an einem Beispiel erläutern: Wenn eine 12jährige einen Strip machen würde, in kompletter Kopie der Bewegungen einer erwachsenen Stripperin, dann würde man das auch dann unnötig sexuell aufgeladen finden, wenn sie schlussendlich Sting und BH nicht auszieht. Es passt einfach nicht. und kein Zuschauer würde sagen, dass es altersgerecht ist, sie da so tanzen zu lassen, weil ihr eben die Bewegungen Spass machen.

Es ist erstaunlich, wie gut diese Verurteilungen für die Wahrnehmung sexueller Reize allerdings funktioniert. Sexualität ist eben böse.

 

Ein interessantes Statement in diese Richtung findet sich auch hier:

Das Anliegen der Schule, Standards für die Verhüllung einzelner Körperregionen durchzusetzen, ist berechtigt. Schief liegt die Werkrealschule allerdings mit der Begründung: Dort ist die Rede davon, dass „Mädchen sehr aufreizend gekleidet sind“, und von bauchfreien Oberteilen und Hotpants. Damit stülpt die Schule den Jugendlichen beiderlei Geschlechts eine gefährlich einseitige Weltsicht über: Mädchen, die knappe Kleidung tragen, reizen das andere Geschlecht – und sind im Zweifel selbst schuld, wenn ein derart provozierter Mann nicht an sich halten kann. Den Jungen wiederum wird suggeriert, dass sie in ihrer wehrlosen Lüsternheit für ihren Sexualtrieb nicht mehr Verantwortung tragen als für den Kniesehnen-Reflex.

Eine Schule, die ihre Aufgabe ernst nimmt, sollte Jugendlichen bessere Argumente bieten. Gerade eine Werkrealschule, die ja auf eine Berufsausbildung vorbereitet, könnte erörtern, dass Po und Busen im Arbeitsleben – und in der Schule – bedeckt sein sollen. Und zwar schlicht aus Rücksicht auf unterschiedliche Vorstellungen von Moral und Ästhetik. Das würde dann auch für die tief sitzenden Hosen manch jungen Mannes gelten.

Den zweiten Absatz finde ich okay, der erste behandelt das bereits dargelegte: Das Wahrnehmen eines sexuellen Reizes und dessen Unerwünschtsein in der konkreten Situation ist schon Verharmlosung. Als ob nicht jeden Jungen bewusst ist, dass er eben gerade nichts machen darf, nichts von seinen Gedanken oder seiner Erregung zeigen darf, alles nach Möglichkeit ignorieren muss.

Zumindest bis er einen ungestörten Raum für sich hat.