Manuela Schwesig zu Arbeit trotz Kindern, Benachteiligungen etc

In einem Spiegelartikel führt Manuela Schwesig, die Familienministerin, an, welche Probleme sie gegenwärtig sieht und was sie ändern würde:

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht Frauen durch die gesellschaftlichen Rollenklischees benachteiligt. Schwesig sagte der „Bild am Sonntag“: „Als Frau kann man es eigentlich niemandem recht machen: Wer sich nicht für Kinder entscheidet, wird schräg angeguckt. Wer dann auch noch Erfolg im Beruf hat, ist die egoistische Karrierefrau. Wer sich für Kinder entscheidet und zu Hause bleibt, ist ’nur Hausfrau‘. Wer Kinder hat und arbeitet, ist die Rabenmutter. Diese Stereotype und Rollenklischees müssen endlich aufgebrochen werden.“

Ich denke tatsächlich, dass viele Frauen diese Lage als Druck wahrnehmen und die Frage, wie man diese Rollen auflöst, sollte sich auch eine Männerbewegung stellen. Allerdings entsteht der entsprechende Druck nicht, wie im Feminismus wohl angenommen, schlicht durch das Patriarchat etc, sondern in einem Zusammenspiel von Faktoren, etwa auch, dass viele Frauen tatsächlich gerne mehr von ihren Kindern haben wollen, dass sie auch ein gewisse berufliche Stellung wollen und das andere Frauen das Verhalten entsprechend überwachen, weil es auch darauf zurückschlägt, wie sie selbst bewertet werden.

Die Ministerin rät Frauen zu mehr Gelassenheit und verweist auf die Situation in Frankreich: „In Frankreich wird viel entspannter mit Kindern umgegangen. Die Frauen setzen sich und andere nicht so unter Druck. Von dieser Gelassenheit können wir lernen.“

Allerdings schaffen die französischen Frauen dies meines Wissens nach, weil auf eine frühe Fremdbetreuung der Kinder gesetzt wird und gleichzeitig das Wechselmodell auch die Kindererziehung weniger einseitig auf die Frau überträgt. Dieser bliebe in einem Wechselmodell eben häufig auch nichts anders übrig als früh zu arbeiten.

Der deutschen Wirtschaft gibt Schwesig eine Mitschuld an der niedrigen Geburtenrate hierzulande. „Ganz viele haben zwar einen Kinderwunsch, realisieren ihn aber nicht, weil sie in der Arbeitswelt an Hürden stoßen. Befristete Arbeitsverträge wirken stärker auf die Geburtenrate als die Pille. Wer sich von Jahresvertrag zu Jahresvertrag hangelt, traut sich oft nicht, sich für ein Kind zu entscheiden.“ Die Zahl grundlos befristeter Jobs sei seit 2001 auf 1,3 Millionen gestiegen.

Lustigerweise ist meines Wissens nach gerade der öffentliche Dienst in vielen Bereichen ein sehr großer Freund immer wieder neuer befristeter Verträge, je nach dem ob die Fördermittel etc in dieser Form weiterhin bewilligt werden.

Die Ministerin forderte die Wirtschaft auf, Arbeitnehmer nur noch dann befristet einzustellen, wenn es einen Sachgrund gebe, also zum Beispiel eine Schwangerschaftsvertretung. Den derzeitigen Umgang mit unbefristeten Arbeitsverhältnissen bezeichnete die Ministerin als familienfeindlich: „Leider ist es heutzutage auch möglich, ohne Grund zu befristen. Die Unternehmer müssen mehr Rücksicht nehmen auf die Belange von Familien. Vollzeit arbeiten, am besten über Handy und E-Mails rund um die Uhr zur Verfügung stehen, sich gleichzeitig um Kinder und pflegebedürftige Eltern kümmern – das bringt Familien an die Grenze ihrer Belastung. Es wäre ein Riesenfortschritt, wenn in der Arbeitswelt auf Familienzeiten geachtet würde.“

Das bringt viele Familien nicht an die Grenze der Belastung, wenn die Ehe noch gut läuft. Dann wird die Frau häufig einen „familienfreundlichen“ Job gesucht haben und der Mann eher einen, in dem er gut verdient. Es wäre interessant, wie viele tatsächlich zu einem Wandel bereit wären.

Um berufstätige Frauen zu entlasten, will Schwesig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mithilfe eines 100-Millionen-Euro-Programms für Kitas mit langen Öffnungszeiten stärken: „Wir können es den Familien wesentlich einfacher machen, wenn es endlich in ganz Deutschland Kitas und Ganztagsschulen geben würde. Ich will jetzt mit einem 100-Millionen-Euro-Programm Kitas mit Öffnungszeiten am Abend, in der Nacht und früh morgens ausbauen.“

Aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, die man hat, wenn man will, dass Frauen sich weitergehender am Berufsleben beteiligen. Eine weitere Schraube wäre das Unterhaltsrecht mit frühen Erwerbsobliegenheiten.

Hätte sie ein unbegrenztes Budget zur Verfügung, würde Schwesig in der Familienpolitik drei Projekte umsetzen: “

  • Deutschlandweit gebührenfreie Kitas und Ganztagsschulen.
  • Eine 32-Stunden-Woche für Eltern als Familienarbeitszeit mit einer kleinen Finanzspritze vom Staat.
  • Ein moderneres Steuerrecht, was alle Familien besser unterstützt und nicht nur einseitig auf das Ehegattensplitting setzt.

Da würde natürlich viel von der Ausgestaltung abhängen.

Was haltet ihr von ihren Vorstellungen?