Evolutionäre Theoriewoche: Nachbesprechung

Hier ist Gelegenheit, noch mal etwas zur vergangenen Woche und den dortigen Themen zu sagen.

Teilweise ist es zu einer Diskussion gekommen, teilweise ist sie leider ausgeblieben. Vielleicht, weil die Themen zu abstrakt waren und Leute fehlten, die das kritisch gesehen haben, vielleicht auch, weil die Themen aus eurer Sicht weitaus weniger interessant waren als sie dies für mich sind.

In einige Diskussionen konnte ich mich einbringen, in andere nicht, es ist immer eine Zeitfrage. Ich werde schauen, auf was ich noch mal antworten kann.

Was kann man für zukünftige „Wochen“ besser machen?

 

Evolutionäre Theoriewoche: Kulturelle Ausgestaltungen biologischer Grundlagen (7. Tag)

Dieser Beitrag ist Teil der evolutionären Theoriewoche

Das heutige Thema ist:

Kulturelle Ausgestaltungen biologischer Grundlagen

Evolutionäre Theorien erkennen natürlich an, dass es nicht die Biologie allein ist, die das menschliche Leben bestimmt. Vielmehr geht man von einem „integrierten Modell“ aus, in welchem es biologisch-evolutionär geprägte Grundlagen gibt, aber auch kulturelle und soziale Faktoren sich auswirken.

Zum einen können soziale und kulturelle Faktoren dazu führen, dass bestimmte biologische Programme interessanter werden, etwa die Faktoren einer Kurzzeitstrategie in der Partnerwahl der Frauen, wenn die soziale Kontrolle aufgrund der Pille zurückgeht statt Enthaltsamkeit.

Ein anderes Beispiel wäre, dass gerade Männer, biologisch auf Statusaufbau und Ressourcenaufbau ausgerichtet sind, gleichzeitig aber auch auf Kooperation und Zusammenarbeit in einer Gruppe. Wie groß die Gruppe wird und wen man in die Gruppe einbeziehen kann, dass ist natürlich auch wesentlich von der „Zivilisationsstufe“ abhängig. Während Jäger und Sammler nur kleinere Gruppen bilden können, weil sie irgendwann in zu großer Konkurrenz um Wild und Früchte stehen ist die Gruppengröße in der heutigen Welt beliebig groß, weil wir weltweite Zusammenarbeitsmöglichkeiten haben. Wir können auch, weil wir einen effektiven Staat haben, friedlich kooperieren, weil die Kosten dafür, sich Sachen mit Gewalt anzueignen, in vielen Bereichen zu groß geworden sind. Dennoch konkurrieren viele Männer eben nach wie vor durch Statusobjekte, Positionen in der Hierarchie etc.

Gerade der Bereich, in dem wir unsere Stärken darstellen und unsere Schwächen verbergen, also Bereiche des Signalling, erfordern an die jeweilige Lage angepasste Verhaltensweisen. In einer Welt, die Kooperation betont und betonen kann ist ein Schrumpfkopf am Gürtel allenfalls der Beweis, dass man verrückt und gefährlich ist, aber kein Statussymbol, die teure Rolex, der Sportwagen oder eine erfolgreiche „Ich mache die Regeln und bin der Anführer“-Haltung kann dennoch ein entsprechendes Signal sein.

Auch die Verfälschungsmöglichkeit hat gleichzeitig zugenommen, von früher ehrlichen Signalen wie schönen Brüsten, die man heute mit Silikon aufpeppen kann bis zu Statussignalen im Verhalten.

Auch in diesem Bereich interessant: Wie haben evolutionär geprägte Zeichen oder Verhaltensweisen sich in unsere Zeit „gerettet“? Wie wurden sie über andere Zeiten verschieden ausgestaltet und welche grundlegenden Regeln lassen sich dabei erkennen?