Evolutionäre Theoriewoche: Wissenschaftlichkeit in der Evolutionsbiologie (6. Tag)

Dieser Beitrag ist Teil der evolutionären Theoriewoche

Das heutige Thema ist:

Wissenschaftlichkeit in der Evolutionsbiologie

Der beliebteste Einwand gegen evolutionäre Theorien ist wohl der, dass es eben nur „Just so“ Geschichten sind, also Geschichten, bei denen das Argument letztendlich nur ist, dass es eben so gewesen sein soll.

Ich schrieb dazu einmal an anderer Stelle:

Ich werfe diese beiden Komplexe mal in einem Topf und behaupte im Gegenzug: Evolutionäre Psychologie ist im Geschlechterbereich die am besten abgesicherte Theorie, die vertreten wird. Den meisten Leuten ist die Fülle von Belegen nur nicht bekannt, die hinter diesem Bereich steckt und sie schätzen die Basis daher geringer ein als sie tatsächlich ist. Um darzustellen, dass ein Verhalten auf evolutionärem Vorgängen und damit Biologie beruht kann man sich der kompletten Biologie, Medizin, Anthropologie, Genetik, Zoologie, Achäologie  etc bedienen. Nur wenn zunächst festgestellt ist, dass ein Verhalten wirklich einen biologisch-medizinischen Hintergrund hat kann man auch die entsprechenden evolutionären Herleitungen machen. Natürlich kann man, wie in jedem wissenschaftlichen Bereich eine These aufstellen, aber das ist ja dann auch nur eine These und als solche zu behandeln. Jeder Wisssenschaftsbereich baut auf bestimmten Erkenntnissen auf, bei der Evolution sind dies eben auch bestimmte Prinzipien, die in der allgemeinen Evolutionsbiologie entwickelt worden sind. Prinzipien wie sexuelle und intrasexuelle Selektion haben bestimmte Folgen und Prinzipien, die sich beim Menschen eben auch erkennen lassen.

Und natürlich kann man evolutionspsychologische Theorien zumindest teilweise falsifiziern: Eben indem man feststellt, dass der Vorgang nicht biologisch geprägt ist, sondern sozial bedingt. Oder indem man über Test herausfindet, dass die Vorhersagen der These nicht eintreten. Oder indem man eine Nichtübereinstimmung mit anderen Prinzipien feststellt.

Eine These wie “Die größere Körperkraft von Männern ist durch intrasexuelle Konkurrenz entstanden” ist zB wiederlegt, wenn man feststellt, dass sie nicht eine Folge der anabolen Wirkung von Testosteron ist, sondern rein sozial bedingt. Sie ist auch widerlegt, wenn genetische Forschung nachweist, dass sich 80% der Männer, aber nur 40% der Frauen fortgepflanzt haben, da dann die intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen wesentlich höher gewesen wäre.

Das kann man dann auch bei geistigen Eigenschaften machen, etwa wenn man Statusdenken und Wettbewerb auf intrasexuelle Konkurrenz zurückführt. Man kann Studien dazu machen, auf welchen biologischen Mechanismen diese beruhen, wie die Hormone dabei wirken, es mit anderen Tierarten vergleichen, wie Gorillas, Schimpansen und Bonobos und vergleichende völkerkundliche Studien, vielleicht verbunden mit Überprüfungen, wie in diesen Völkern die Testosteronwerte liegen (pränatales Testosteron, postnatales Testostern, Rezpetoren), durchführen. Man kann eben auch hier auf die Genetik zurückgreifen, wie in dem obigen Beispiel etc.

Thesen können auch widerlegt sein, wenn man Spieletheoretich nachweist, dass die damit zu verbindenen Verhaltensweisen keine evolutionär stabile Strategie bilden und daher sich nicht allgemein hätten durchsetzen können.  Ebenso kann sie falsifiziert sein, wenn wir sie nicht in unserer Ahnenreihe unterbringen können.

Hinzufügen möchte ich, dass man die Evolutionstheorie an sich nach der häufig angewendeten Theorie, dass ja niemand dabei war, nicht „beweisen“ kann. Sie ist dennoch sehr gut belegt, ebenso wie viele evolutionär geprägte Theorien sich auf zahlreiche Belege stützen können, die aus anderen Wissenschaftsbereichen kommen. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass eine Theorie, die nicht „absolut bewiesen“ ist, damit nicht als falsch bewiesen ist. Sie kann dennoch die Theorie sein, für die am meisten spricht und die die in sich schlüssigste ist. Schon gar nicht ist, wenn man Zweifel an einer Theorie hat, eine andere, von einem selbst präferierte Theorie damit richtig („wenn du nicht beweisen kannst, dass deine Theorie der evolutionären Begründung richtig ist, dann muss meine Theorie eines Sozialkonstruktivismus richtig sein“).

Auch an dieser Stelle interessant: Was wissen wir über die Steinzeit? Auf welche sonstigen Funde oder anthropologischen Erkenntnisse können wir uns stützen? Welche Elemente innerhalb der Theorien findet ihr nicht nachvollziehbar?

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27 Gedanken zu “Evolutionäre Theoriewoche: Wissenschaftlichkeit in der Evolutionsbiologie (6. Tag)

  1. Ein Beispiel für die Probleme evolutionsbiologischer Theorien findet sich in Geary, Male, Female, am Anfang des 9. Kapitels zum Thema »Motivation to Control« (S. 247 ff.)

    Geary thematisiert hier die Konkurrenz zwischen Männern mit dem Ziel, exklusiven Zugang zu (mittelbar oder unmittelbar) reproduktiven Ressourcen zu gewinnen:

    »Whatever the species, male-male competition is all about gaining access to reproductive females or control of the resources females need to reproduce. (…) Other people are resources if they have reproductive potential, social power, or access to the resources that define cultural success.« (S. 250) Gegen diesen Satz ist soweit nichts einzuwenden, und er ist auch mit anthropologischen Befunden vereinbar, insofern beispielsweise Franz Boas‘ Untersuchungen zu den Kwakiutl oder Marcel Mauss‘ Untersuchungen zum Gabentausch den »agonistischen« (auf Wettstreit und Statuskonkurrenz angelegten) Charakter des primitiven Gabentausches unterstreichen.

    Jetzt geht Geary allerdings her und wendet diesen allgemeinen anthropologischen Befund auf eine spezielle historische Situation an:

    »History’s despots illustrate the theme … . successful despots and their coalitions gained control of the first six human civilizations – ancient Mesopotamia, Egypt, the Aztec and Inca empires, and imperial India and China. These men did not share their wealth and power but diverted the material and social resources of the culture to themselves and to their kin and used these resources in ways consistent with evolutionary predictions.« (S. 250)

    Wir können auch diesen Satz noch so stehen lassen, insofern er erklären kann, warum es sich bei den ersten »Despoten der Menschheit« eben um Männer und nicht um Frauen gehandelt hat. Wir müssen allerdings bereits hinzufügen, dass es sich bei dem von Geary beanspruchten männlichen Kontrollstreben um notwendige, aber nicht um hinreichende Bedingungen für die Entstehung staatlich organisierter Gesellschaften handelt. Über diese hinreichenden Bedingungen sagt uns Geary nichts – deswegen müssen wir uns hüten, sein Argument als *historisches* Argument zu verstehen: es ist und bleibt auch in Bezug auf historische Zeiträume ein anthropologisches Argument, über dessen Zusammentreffen mit den Bedingungen historischer Entwicklung Geary nichts aussagt. Das wird in dem Augenblick problematisch, in dem Geary es mit einem Begriff verkoppelt, der nicht mehr zwingend einen anthropologichen Grundbegriff darstellt: »Politik«.

    »Politics is essentially about gaining control of other people and their resources and across human cultures is largely a manifestation of competition between coalitions of men.« (S. 251)

    »Politik« ist darum kein anthropologischer Grundbegriff, weil er einen ausdifferenzierten Typus menschlichen Handelns mit spezifischen Zielen und unter Nutzung spezifischer Ressourcen handelt. In den primitiven Systemen des Gabentausches sind nämlich ökonomische, politische und religiöse Aspekte der Statuskonkurrenz noch miteinander verbunden. Man könnte sich dort nicht »Politik« als eine unterstellte primäre Dimension des Handelns herauspicken. Tatsächlich umfasst »Politik« noch einen wesentlichen anderen Aspekt: *Kooperation*. Auch Kooperation ist bereits ein Faktor in undifferenzierten primitiven Tauschsystemen, aber darüber hinaus auch ein *explizites* Thema von Politik: politisches Handeln strebt zwar *auch* die Kontrolle über Ressourcen an, thematisiert aber ebenso die als problematisch gesehene Alleinherrschaft. Das finden wir nicht erst im klassischen Athen, sondern beispielsweise bereits in den bronzezeitlichen Systemen der Indoeuropäer, in denen die Königsherrschaft *ausdrücklich* an den Wettbewerb sowie an spezifische Situationen (ähnlich dem römischen »dictator«) gebunden und damit prinzipiell reversibel gehalten ist.

    In der »Politik« geht es also nicht nur um die Sicherung des Zugriffs von Ressourcen, sondern auch um die *kooperative Verhinderung* der Monopolisierung von Ressourcen durch einzelne. Der Fall der von Geary genannten klassischen Despotien ist daher in *historischer Spezialfall*, der sich nicht durch ein allgemeines Gesetz männlichen Dominanzstrebens erklären lässt, sondern Zusatzbedingungen wie die Organisationserfordernisse sesshafter Populationen von hoher Bevölkerungsdichte erfordert. Und das verweist darauf, dass bei Geary der Bezug auf bestimmte anthropologische Faktoren nicht bloß zufällig oder aus Gründen einer pointierten Darstellung, sondern systematisch verloren gegangen ist. Einer der wichtigsten Vertreter einer anthropologischen Kooperationstheorie, Michael Tomasello, kommt in Gearys Literaturverzeichnis nur in bezug auf die Kognition der Primaten vor, und eine Rezeption *kultur*anthropologischer Literatur, die denselben Gegenstand einer ur- und frühgeschichtlichen Menschheit hat, fehlt völlig, von spezialisierteren Autoren, die sich mit der Entstehung staatlich organisierter Gesellschaften befassen, ganz zu schweigen.

    In Gearys Argumentation haben Kooperationsbeziehungen einen anderen Platz: sie werden geschlechtsspezifisch zugeordnet: »Across nations, generations, political ideologies, and income levels, men have a stronger social dominance orientation and women a social equality orientation«. (S. 252) »At all grade levels, girls endorsed cooperative social behaviours more frequently than did boys, whereas boys endorsed competitive social behaviours more frequently than did girls.« (S. 333)

    Der Punkt ist nun nicht, dass ich diese Aussagen für falsch halte (ich halte sie für zutreffend!), sondern dass ich sie für missverständlich kontextualisiert halte. Wenn man die von Geary genannten Befunde als geschlechtsspezifisch gegeneinander verschobene Normalverteilungen visualisiert, dann bleibt ja immer noch der große Bereich der sich überdeckenden Flächen übrig: geschlechtsspezifisch wird die Tendenz erst in den Extrembereichen, und die meisten Frauen verhalten sich meistens immer noch so wie die meisten Männer (oder umgekehrt). Dieser Umstand wird bei Geary aber unsichtbar, weil der anthropologische Faktor, der dieser Überlappung systematisch zugrunde liegt, nämlich die im Unterschied zu anderen Primaten *spezifische* menschliche Kooperation, bei ihm nicht vorkommt. Das hat dann auch »zeitdiagnostische« Konsequenzen:

    »By advocating social policies that suppress male-male competition (e.g., political suppression of warfare), women might be able to reduce the overall level socially disruptive violence in the society, including male-on-female aggression; male primates and men often displace aggression stemming from male-male competition onto conspecific females and women.« (S. 254)

    Ich wüsste jetzt nicht, wie sich eine solche Aussage von einer Theorie der »männlichen Hegemonialität« à la Connell unterscheiden ließe. Männer verfolgen inhärent mehr Dominanzstrategien und sind inhärent aggressiver als Frauen, also müssen Frauen die gewaltförmige Konkurrenz unter Männern politisch unterdrücken. Die perfekte Steilvorlage für jede »feministische Hegemonialität«, inklusive der Implikation, dass Frauen dafür zuständig seien, die Kriege abzuschaffen. Was Geary hier fehlt, ist ein kulturanthropologisch begründeter Begriff der »Zivilisation«, der es ermöglicht, dass Zielsetzungen einer Eingrenzung von Aggression geschlechtsunspezifisch als allgemeine soziale Normen entwickelt werden.

    Und darum sind seine Aussagen über die Entstehung von Staaten und den Fortbestand des Krieges »just-so-Stories«: Begründungen, die ihm einfallen, weil ihm sonst nichts dazu einfällt. Dass ihm »sonst nichts« dazu einfällt, ist aber selbstverschuldet, weil er seine eigene Disziplin, die Evolutionsbiologie, in Richtung auf die menschliche Kulturgeschichte überschreitet, ohne sich zu diesem Gegenstand auch nur einen Hauch von (kulturanthropologischem) Sachverstand zu erarbeiten.

    Das auch in diesem Forum beliebte »Kränkungsargument« (Soziologen würden ein »Primat der Biologie« nicht ertragen), lässt sich hier ebensogut zurückgeben: Evolutionsbiologen ertragen offenbar die Kränkung nur schwer, dass sich ihre Erklärungsmodelle nicht so umstandslos in die Kulturgeschichte übertragen lassen, wie sie das gerne hätten.

    • In der »Politik« geht es also nicht nur um die Sicherung des Zugriffs von Ressourcen, sondern auch um die *kooperative Verhinderung* der Monopolisierung von Ressourcen durch einzelne.

      Das sehe ich z.B schlicht nicht ein; wenn Politik als Konzept eine Verhinderung der Monopolisierung darstellen soll, dann bewirkt es immer genau das Gegenteil davon. Alle jemals geschaffenen politischen Systeme waren in der Realität Pyramiden, meistens zum Zweck der Kontrolle alles Ressourcen durch die oberen Schichten. Da nur solche politische Systeme überhaupt überlebt haben, müssen sie dabei relativ zu Systemen, die versuchen die Gesamtressourcen den „Wenigen“ zu verwehren, verloren haben.

      • @toxicvanguard:

        »Alle jemals geschaffenen politischen Systeme waren in der Realität Pyramiden«

        Diese All-Aussage ist entweder schlicht falsch, oder sie hängt an der Definition dessen, was Du als »politisches System« verstehst. Attische Demokratie und Römische Republik sind explizite Gegenentwürfe gegen die Tyrannis, die germanische Welt kannte das Wahlkönigtum, ein mongolischer Mann hatte das Recht, seinen Khan selbst zu wählen, die Bauernkriege berufen sich auf ursprüngliche Freiheitsrechte, die Durchsetzung einer hierarchischen Gesellschaft unter den egalitär strukturierten Sachsen und Polen im Frühmittelalter erforderte neben militärischer Rücksichtslosigkeit den Rückgriff auf christliche Herrschaftslegitimationen, also die Einführung des Christentums.

        Deine zutreffende Aussage, dass alle diese Kämpfe zu bestimmten Zeiten auch verloren wurden, impliziert aber umgekehrt zum einen, dass dieser Kampf die ganze Menschheitsgeschichte hindurch immer wieder geführt wurde, und zum anderen, dass zeitweise durchaus funktionierende Gesellschaften auf dieser Basis errichtet wurden. Woraus man meines Erachtens durchaus schließen kann, dass dieses Bedürfnis nach einer Konkurrenz »unter Gleichen« ebenfalls anthropologisch verankert ist.

        Es schliesst im Übrigen auch nicht aus, dass innerhalb einer freien Gesellschaft funktionelle Hierarchien gebildet werden – nur sind diese dann strikt zweck- und leistungsgebunden und können gegebenenfalls widerrufen werden.

      • Theoretisch kann ein solches Pyramidensystem auch funktionieren, wenn niemand zu sehr benachteiligt wird.
        z.B in Game of Thrones.
        Eddard Stark war ja bis zu seinem Tod offenbar ein sehr gerechter, beliebter Herrscher in einem feudalen System.
        Er hatte zwar mehr Geld, Macht und Ressoucren, dafür aber auch mehr schlaflose Nächte und mehr Sorgen um sein Volk.
        Das Volk hatte größtenteils nicht diese Aufstiegsmöglichkeiten, aber war versorgt und jeder hat seinen Betrag geleistet zum Funktionieren des Systems. Ich glaube, dass nicht alle gleich viel haben und gleich erfolgreich sind, ist gar nicht per se „schlimm“ und die meisten Menschen kommen mit dieser Realität auch zurecht.
        Wichtig ist nur, dass man nicht bzw. nicht „zu sehr“ ausgebeutet wird (Steuern zahlen ist ja auch im Prinzip eine Form von Ausbeutung, aber im Idealfall bekommt man dafür etwas zurück, nämlich die Sicherheit in einem Sozialstaat zu leben), dass es das eigene Leben bis über einen gewissen Pegel beeinträchtigt.

    • @ djad

      Das folgende Gesagte natürl. „im Schnitt“.

      Der Unterschied ist, dass Männer um Ressourcen konkurrieren, Frauen aber um die Aufmerksamkeit von Männern konkurrieren, die die besten Ressourcen haben. Frauen müssen weniger direkte Ressourcenkonkurrenz zeigen.

      Das mag den Eindruck hervorrufen, Frauen seien mehr an einer „egalitären“ Gesellschaft interessiert.

      In Wirklichkeit sind sie in der Ausbildung ihrer intrasexuellen Verhaltenscodices daran interessiert, Aufmerksamkeitsmonopole einzelner Frauen zu verhindern.

      Deshalb schlagen sie auf alles ein, was aus der Reihe tanzt. Man kann das auch als „egalitär“ missverstehen.

    • „Wir können auch diesen Satz noch so stehen lassen, insofern er erklären kann, warum es sich bei den ersten »Despoten der Menschheit« eben um Männer und nicht um Frauen gehandelt hat“

      Das ist ja auch schon einmal eine interessante Frage

      „Wir müssen allerdings bereits hinzufügen, dass es sich bei dem von Geary beanspruchten männlichen Kontrollstreben um notwendige, aber nicht um hinreichende Bedingungen für die Entstehung staatlich organisierter Gesellschaften handelt. Über diese hinreichenden Bedingungen sagt uns Geary nichts“

      Die sind auch vollkommen unbeachtlich in diesem Zusammenhang. Es geht darum, dass sich hier – unter bestimmten Bedingungen – diese Veranlagung zum Zug gekommen ist. Und das dies als Streben nicht unerwartet ist, sondern sogar eher zu erwarten ist, wenn sich die Möglichkeiten bieten

      “ deswegen müssen wir uns hüten, sein Argument als *historisches* Argument zu verstehen: es ist und bleibt auch in Bezug auf historische Zeiträume ein anthropologisches Argument, über dessen Zusammentreffen mit den Bedingungen historischer Entwicklung Geary nichts aussagt. Das wird in dem Augenblick problematisch, in dem Geary es mit einem Begriff verkoppelt, der nicht mehr zwingend einen anthropologichen Grundbegriff darstellt: »Politik«.“

      ich denke du verkennst hier, was Geary eigentlich aussagen will und wie sich das auswirkt.
      Er erklärt hier ganz generell, dass gerade Männer evolutionär dazu angelegt sind, Macht und Ressourcen anzusammeln und damit Zugang zu Frauen zu erhalten und ggfs andere Männer davon auszuschließen.
      Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte und mag immer wieder anders erreicht worden sein. Die Einzelheiten der Auseinandersetzung auf dem Weg nach oben sind dabei aber Details, hinter denen man das große Bild nicht übersehen sollte. Das große Bild sagt uns dabei etwas über die Menschheit an sich.

      „»Politik« ist darum kein anthropologischer Grundbegriff, weil er einen ausdifferenzierten Typus menschlichen Handelns mit spezifischen Zielen und unter Nutzung spezifischer Ressourcen handelt. In den primitiven Systemen des Gabentausches sind nämlich ökonomische, politische und religiöse Aspekte der Statuskonkurrenz noch miteinander verbunden. Man könnte sich dort nicht »Politik« als eine unterstellte primäre Dimension des Handelns herauspicken. Tatsächlich umfasst »Politik« noch einen wesentlichen anderen Aspekt: *Kooperation*.“

      Ja klar, das Kooperation wichtig ist führt Geary ja auch aus und legt deren evolutionäre Grundlagen dar. Aber Kooperation ist nicht das Gegenteil von den Versuch Macht und Ressourcen bzw. Zugang zu Frauen zu erhalten. Es ist nur ein Weg dahin. Man tut sich mit anderen zusammen um so nach oben zu kommen.

      „In der »Politik« geht es also nicht nur um die Sicherung des Zugriffs von Ressourcen, sondern auch um die *kooperative Verhinderung* der Monopolisierung von Ressourcen durch einzelne.“

      Er hat ein Extrembeispiel genannt. Aber auch in unser heutigen Gesellschaft findet man die Grundprinzipien ja nach wie vor. Der Gender Pay Gap hat ja seinen Ursprung darin, dass Männer mehr Ressourcen ansammeln und mehr Status aufbauen wollen.
      Eine Staatsform, die auf Kooperation ausgelegt ist, klappt auch üblicherweise nur dann, wenn sie dennoch „friedliche Konkurrenz“ ermöglicht (siehe das Scheitern des Kommunismus).

      Der Fall der von Geary genannten klassischen Despotien ist daher in *historischer Spezialfall*, der sich nicht durch ein allgemeines Gesetz männlichen Dominanzstrebens erklären lässt“

      Unter den gleichen Umständen würde es mit hoher Wahrscheinlichekit wieder männliche Despoten geben, die sich aus dem Wunsch nach Status und Ressourcen ergeben. Unsere Biologie ist hier natürlich mitbestimmend

      “ sondern Zusatzbedingungen wie die Organisationserfordernisse sesshafter Populationen von hoher Bevölkerungsdichte erfordert“

      Nur weil etwas nicht alleine Kausal ist, beseitigt das Kausalität an sich nicht. Es bleibt als dazu beitragender Grund bestehen.

      „In Gearys Argumentation haben Kooperationsbeziehungen einen anderen Platz: sie werden geschlechtsspezifisch zugeordnet: »Across nations, generations, political ideologies, and income levels, men have a stronger social dominance orientation and women a social equality orientation«. (S. 252) »At all grade levels, girls endorsed cooperative social behaviours more frequently than did boys, whereas boys endorsed competitive social behaviours more frequently than did girls.« (S. 333)“
      Der Punkt ist nun nicht, dass ich diese Aussagen für falsch halte (ich halte sie für zutreffend!)“

      Okay, das ist ja erst einmal was. Worin siehst du denn die Ursachen? Gehst du da mit ihm mit?

      „sondern dass ich sie für missverständlich kontextualisiert halte. Wenn man die von Geary genannten Befunde als geschlechtsspezifisch gegeneinander verschobene Normalverteilungen visualisiert, dann bleibt ja immer noch der große Bereich der sich überdeckenden Flächen übrig: geschlechtsspezifisch wird die Tendenz erst in den Extrembereichen, und die meisten Frauen verhalten sich meistens immer noch so wie die meisten Männer (oder umgekehrt).“

      Das ist ja die Frage, welchen Grad der Konkurrenz man annimmt. Um so höher in einem Bereich der Grad der Konkurrenz, um so weniger Frauen findet man eben dort. Und das nicht nur in Extrembereichen.

      Auch zeigt sich hier wieder der „pepsi-cocaCola“-Effekt. Frauen, die etwas weniger Konkurrenz mögen, sehen bei freier Wahl gar keinen Grund dafür sich in einem Bereich zu bewegen, in dem sie es zwar aushalten könnten, aber in Konkurrenz mit Männern stehen würden, die da nichts gegen haben. Weil ihnen Konkurrenz im Schnitt „etwas schlechter schmeckt“ wählen sie eher die Bereiche, in denen diese eine geringere Rolle spielt.

      „Dieser Umstand wird bei Geary aber unsichtbar, weil der anthropologische Faktor, der dieser Überlappung systematisch zugrunde liegt, nämlich die im Unterschied zu anderen Primaten *spezifische* menschliche Kooperation, bei ihm nicht vorkommt.“

      Natürlich kommt die bei ihm vor. Sie ändert nur nicht, weil die Kooperation meist erfolgt, um gegen andere in Konkurrenz treten zu können. Und sie erfolgt auch zB intrabetrieblich, etwa bei der Konkurrenz um Führungspositionen, obwohl man kooperativ zusammenarbeitet.
      Du unterschätzt hier einfach, dass Kooperation und Konkurrenz in allen Lebensbereichen gleichzeitig vorkommen.

      »By advocating social policies that suppress male-male competition (e.g., political suppression of warfare), women might be able to reduce the overall level socially disruptive violence in the society, including male-on-female aggression; male primates and men often displace aggression stemming from male-male competition onto conspecific females and women.« (S. 254)

      Ich wüsste jetzt nicht, wie sich eine solche Aussage von einer Theorie der »männlichen Hegemonialität« à la Connell unterscheiden ließe.

      In diesem Bereich stellt Geary dar, dass es im Interesse der Frauen liegen kann, intrasexuelle Konkurrenz unter Männern zu reduzieren. Was ja auch richtig ist.
      Das schließt aber nicht aus, dass es auch im Interesse der Männer sein kann, die intrasexuelle Konkurrenz in vernünftige, kooperative Bahnen zu lenken, was Geary auch ausführt
      Und es schließt auch nicht aus, dass Frauen die Konkurrenz anheizen, indem eine Kultur gefördert wird, in der zB mutige Krieger interessant sind.
      Sprich: Bei Geary ist es eine Option, nicht die einzige Option, wie bei Connell.

      „Männer verfolgen inhärent mehr Dominanzstrategien und sind inhärent aggressiver als Frauen, also müssen Frauen die gewaltförmige Konkurrenz unter Männern politisch unterdrücken“

      Sie müssen nicht. Aber es kann ein Ziel von ihnen sein. Es kann auch andere Ziele geben.

      „Die perfekte Steilvorlage für jede »feministische Hegemonialität«, inklusive der Implikation, dass Frauen dafür zuständig seien, die Kriege abzuschaffen. Was Geary hier fehlt, ist ein kulturanthropologisch begründeter Begriff der »Zivilisation«, der es ermöglicht, dass Zielsetzungen einer Eingrenzung von Aggression geschlechtsunspezifisch als allgemeine soziale Normen entwickelt werden.“

      Geary sieht diese Normen eben nicht abstrakt, sondern als Folge gewisser biologischer Grundlagen, zwischen denen auf verschiedene Weise Kompromisse gebildet werden können. Er beschäftigt sich damit, welche Faktoren in diese Regeln mit hineinspielen, und dabei erkennt er zutreffend, dass Konkurrenz unter Männern ebenso wie Kooperation innerhalb dieser Konkurrenz und ihre Ausgestaltung wichtige Faktoren sind, die verschiedene Ursachen haben, unter anderem auch intersexuelle Selektion und ihre Auswirkungen.
      Ein Staat muss eine Möglichkeit finden, diesen Konkurrenzkampf zulassen, aber das mit möglichst viel kooperativen Anteil. Das ist das, was eben beispielsweise den Kapitalismus ausmacht und ihn zur erfolgreichsten Staatsform gemacht hat.

      „Und darum sind seine Aussagen über die Entstehung von Staaten und den Fortbestand des Krieges »just-so-Stories«: Begründungen, die ihm einfallen, weil ihm sonst nichts dazu einfällt.“

      Gute Ausführungen zum Staat unter evolutionären Gesichtspunkten finden sich bei „Diamond: Guns, germs and Steel“. Aus dem Gedächtnis meine ich, dass Geary auch auf ihn verweist oder nicht?

      „Evolutionsbiologen ertragen offenbar die Kränkung nur schwer, dass sich ihre Erklärungsmodelle nicht so umstandslos in die Kulturgeschichte übertragen lassen, wie sie das gerne hätten“

      Ich denke sie lassen sich hervorragend übertragen. Wenn man sie versteht

      • “Wir können auch diesen Satz noch so stehen lassen, insofern er erklären kann, warum es sich bei den ersten »Despoten der Menschheit« eben um Männer und nicht um Frauen gehandelt hat”

        „Das ist ja auch schon einmal eine interessante Frage….“

        Weil man, um die ersten „modernen“ Waffen, nämlich Schwerter aus Bronze, effektiv führen zu können besser mit überlegener körperlicher Stärke ausgerüstet war — was Männer in eine natürliche Vorteilssituation brachte….?

        Wäre der Mensch ein Wesen, bei denen die Frauen körperlich stärker wären, hätten die das übernommen.

  2. „Ich werfe diese beiden Komplexe mal in einem Topf und behaupte im Gegenzug: Evolutionäre Psychologie ist im Geschlechterbereich die am besten abgesicherte Theorie, die vertreten wird. “

    – C`est ca. Leider kapieren das viele nicht. Selbst Konservative nicht. Neulich war ich auf einem Burschenkommers, wo ein Physiker meinte, die Evolutionäre Psychologie sei nicht valide genug, weil die konkreten Geschlechterrollen in der Steinzeit gar nicht bekannt seien.
    Die Spieltheorie kannte er offenbar nicht.

    Ich befürchte, der Herdentrieb des Menschen und das „sozial kognitive Lernen“ waschen selbst Menschen mit alternativen Ressourcen das Hirn.

    • Und was meinst Du hier mit Spieltheorie? Was soll die bringen? Rational-Actor-Spieltheorie ist unrealistisch, Spieler halten sich empirisch nicht dran und die Theorie hat daher keine Vorhersagekraft in der Welt. Nicht umsonst wird in empirisch studierbaren Bereichen heute eher von beschränkter Rationalität oder Irrationalität ausgegangen.

      • Ist es nicht bezeichnend, dass ein geistig schwer kranker Mensch sich die Spieltheorie ausdachte?
        Auf jeden Fall bekommt man beim Modellieren und Simulieren nur das raus, was reingesteckt wird. Wenn das keinen Prognosewert hat, ist´s recht langweilig. Insofern ist die Spieltheorie nichts weiter als eine einfache Übung in Rationalität.

        Die Geschichte dieser „Theorie, der Spieltheorie hat Adam Curtis in einem sehenswerten Film-Essay in drei Teilen (3h insg) dargestellt, von der Strategie des Kalten Krieges bis in die „neoliberale“ Regierung von Thatcher und Blair und wie eine Transformation zu Überwachung und Unfreiheit einsetzte. Eine folgenreiche Theorie also.
        http://www.dailymotion.com/video/x1zucf8_bbc-the-trap-what-happened-to-our-dreams-of-freedom-1-of-3-f-you-buddy_tv

    • ät Jim, Blub, Alex:

      Die Spieltheorie ermöglicht theoretisch praktische Phänomene zu klären. So haben Soziobiologen aufgedeckt, wieso bei Staateninsekten fast nur noch Weibchen das Volk stellen.

      Sie erklärt außerdem, wie nach der Theorie des egoistischen Gens weibliche und männliche Fortpflanzungsstrategien etabliert werden konnten, die deutlich unterschiedliches Verhalten bewirken. Daher wissen wir sehr wohl, wie das Geschlechterverhältnis in der Altsteinzeit war, wie Jim andeutet.

      Die Diffamierung der „geistigen Störung“ des Erfinders der Spieltheorie ist wirklich unter Niveau und wird von mir nicht weiter mit Kommentaren bedacht.

      • @axel

        „Die Diffamierung der “geistigen Störung” des Erfinders der Spieltheorie ist wirklich unter Niveau“

        Hä? Ziehst du hier dein Bild aus dem Hollywood-Film über Nash?

        Dann sieh dir bitte mal den „The Trap“ an, hier kommt Nash selbst recht ausführlich zu Wort. Und dass der schwer einen an der Klatsche hatte, ist mehr als offensichtlich.

        Zur Psychiatrie hat der Film auch extrem viel zu sagen….

        • „Danach hat sich die Spieltheorie erst allmählich als anerkannte Methodik in den Wirtschaftswissenschaften sowie mehr und mehr auch in den sozialwissenschaftlichen Nachbardisziplinen durchgesetzt.“

          Es stimmt nicht, die ökonomischen Modelle als Vorläufer zu nehmen. Die besondere Methode der Quantifizierbarkeit (belief in numbers) verlieh der Spieltheorie den Durchbruch als angewandte Handlungstheorie. Leider mit der Nebenwirkung des beständigen Misstrauens, welches durchaus mit Nashs besonderer psychischer Verfassung in Verbindung zu stehen scheint.
          Die Spieltheorie wurde natürlich von Ökonomen benutzt, wie Hayek. Der ironischerweise den „Weg in die Knechtschaft“ schrieb, welches die Quantifizierbarkeit der Gesellschaft jedoch nicht berücksichtigte. Sogesehen sind Ökonomen eher Politiker, die die Praktibilität von politischen Theorien räsonnieren.
          Als echte Psychologie des Menschen taugt die Spieltheorie auch nicht, nur als speziell bedingte.

  3. „Der beliebteste Einwand gegen evolutionäre Theorien ist wohl der, dass es eben nur “Just so” Geschichten sind, also Geschichten, bei denen das Argument letztendlich nur ist, dass es eben so gewesen sein soll.“

    Mit der Evolutionstheorie kann man natürlich alle möglichen Theorien bezüglich ganz spezifischer evolutionärer Abläufe entwerfen, wie zB den geschlechtlichen Dimorphismus versuchen zu erklären.
    Eine andere Frage ist es, ob es wirklich gelingt, die Evolutionstheorie erfolgreich anzuwenden. Wenn das wenig überzeugend ist, dann kommt logischerweise Kritik.

    „Und natürlich kann man evolutionspsychologische Theorien zumindest teilweise falsifiziern: Eben indem man feststellt, dass der Vorgang nicht biologisch geprägt ist, sondern sozial bedingt.“

    Leider sehe ich hier keine zuverlässige Trennung. Übel ist, dass das sozial bedingte jedem Menschen als zutiefst natürlich scheint (->Vorurteile), was auch eine ungeheure Befangenheit des Wissenschaftlers bedeutet. Besser ist natürlich, dieser kümmert sich um andere Studienobjekte als den Menschen, das stellt die notwenige Desinteressiertheit sicher.

    „Hinzufügen möchte ich, dass man die Evolutionstheorie an sich nach der häufig angewendeten Theorie, dass ja niemand dabei war, nicht “beweisen” kann.“

    Die muss auch gar nicht bewiesen werden. Sie muss nur falsifiziert werden — um sie beiseite zu legen. Und dass das bei der Fülle aller biologischen Forschung nicht gelang, spricht natürlich für die Evolutionstheorie.
    Auf der anderen Seite dürfen wir nicht hoffen, jedes Detail des Lebendigen evolutionär zu vestehen. Und bei der Evolutionären Psychologie bin ich sehr skeptisch. Aus der Vergangenheit kennen wir viel zu wenige verlässliche Bezugspunkte, um eine erfolgte Entwicklung klar zu erkennen und zu beschreiben.

    Eine der wichtigsten Erklärungen und Beschreibungen, die wir brauchen, um die erfolgte Evolution festzustellen ist, wie alte, überkommende Eigenschaften verloren gingen und neue an deren Stelle traten, weil sie überlegen waren. Und das auf die menschliche Geschichte bezogen. Leider sind die Überlieferungen so lückenhaft, dass man pessimistisch sein kann, ob es hier wirkliche Erkenntnis je geben wird 😦

    • Übel ist, dass das sozial bedingte jedem Menschen als zutiefst natürlich scheint (->Vorurteile), was auch eine ungeheure Befangenheit des Wissenschaftlers bedeutet.

      Es gab für Menschen eben immer einen starken Selektionsdruck, die Ideen und die Realität der Gruppe zu akzeptieren.

      • … du kannst sogar argumentieren, dass Gruppenkonformität weit vor dem Menschen aufkam und ihm diese nur vererbt wurde.

        Andererseits sind wir auch die Art, in der Nichtkonformismus und Objektivität zu einem besonderen Ideal wurde, unser Artname ist daher gar nicht so dumm gewählt!

        Auch bei dem anderen biologischen Erbe frage ich mich, worauf unsere Art weiterhin verzichten kann oder konnte, etwa stereotype Sexualrollen. Wobei ich mir vorstellen kann, dass unsere Art schon frühzeitig diese verlor, diese aber künstlich-kulturell nachbildet(e).

        • … du kannst sogar argumentieren, dass Gruppenkonformität weit vor dem Menschen aufkam und ihm diese nur vererbt wurde.

          Im Bereich der Ideen, mentalen Konzepte, Phantasien, Vorstellungen, Meinungen, des „Geistigen“ wenn man so will, ist Gruppenkonformität aber etwas typisch Menschliches.

          Das führt gelegentlich ja sogar zu einer folie-a-masse.

          Auch bei dem anderen biologischen Erbe frage ich mich, worauf unsere Art weiterhin verzichten kann oder konnte…

          Auf das biologische Erbe kann man nicht einfach so mit einer Verzichtserklärung reagieren ;–D

        • das war natürlich im übertragendem Sinne gemeint. Es ist ja nicht alles positiv, was die Entwicklungsgeschichte dem Menschen vererbt hat. Aber das selektioniert sich ja selbst weg 😉 Das wäre dann die „Verzichtserklärung“. Wäre schön, wenn es auch rational zustande käme, wobei natürlich nicht beliebiges biologisches Erbe aufgegeben werden kann.

    • Alex:

      „Und bei der Evolutionären Psychologie bin ich sehr skeptisch. Aus der Vergangenheit kennen wir viel zu wenige verlässliche Bezugspunkte, um eine erfolgte Entwicklung klar zu erkennen und zu beschreiben.“
      – Blödsinn. Wir haben nämlich ein „lebendes Fossil“ zur Untersuchung: UNS!
      Klingt mir reichlich quasi-kreationistisch, was Du schreibst.

      Es heißt übrigens „selektiert“.

      • @axel
        „Wir haben nämlich ein “lebendes Fossil” zur Untersuchung: UNS!“

        Bei Pfeilschwanzkrebsen mag es ja Sinn machen von „lebenden Fossilien“ zu reden…. Wobei das sehr vereinfachend und vielleicht keineswegs richtig sein muss — schliesslich haben sich auch diese Tierchen möglicherweise weiter entwickelt, die Fossilien sind ja was Biochemie und Physiologie angeht, nicht auswertbar.
        Wir sind dagegen ein Sprint in der Evolutionsgeschichte, ein paar Mio Jahre mit unseren Vorläufern (die wir nicht sicher kennen können), erst seit schäbigen 10000 Jahren kompliziertere Kulturgeschichte…

        „Es heißt übrigens “selektiert”.“

        Nicht wenn man von „Selektion“ ableitet. „Selektieren“ kann der Mensch und der Affe auch, selektionieren nur der Evolutionsprozess.

        • Alex:

          „“Selektieren” kann der Mensch und der Affe auch, selektionieren nur der Evolutionsprozess.“
          – Könnte stimmen: http://www.duden.de/rechtschreibung/selektionieren Klingt aber ungewohnt.

          “Lebendes Fossil” in Anführungszeichen. Ist ja „nur“ ein Organ, das Hirn. Obwohl der Rest vom Körper ist ja auch nicht vom Mars stammt.
          Daß der genetische Code sich in den letzten 100.000 Jahren massiv geändert hat, ist unwahrscheinlich. Laut Pä’äbo vom MPI-EVA eher nicht.
          Daher ist die Psyche des Menschen höchstwahrscheinlich auf der Ebene des Cro-Magnon-Menschen (ca. 45.000 vh) stabil, statistisch.

          Die Fortpflanzungsstrategien von Männern und Frauen jedenfalls lassen sich bestens in der heutigen Zeit nachweisen, weltweit und kulturunabhängig. Das (https://vimeo.com/19707588) dürfte Dir bekannt sein.

          Dann sei auf dieses Buch verwiesen: http://www.amazon.de/Gewalt-Eine-neue-Geschichte-Menschheit/dp/3100616049

          Pinker bringt viele Beispiele zu typisch menschlichem Verhalten vor langer Zeit, das dem heutigen leider sehr, sehr ähnlich ist.

        • @axel
          „Klingt aber ungewohnt.“
          Man kann Sprache nie genau genug nehmen, daher der Umstand. Würde natürlich auch gerne verkürzen, aber die Genauigkeit zählt 😉

          „Laut Pä’äbo vom MPI-EVA eher nicht.“

          Was ihn aber nicht davon abhielt Phylogenese mit eiszeitlichen Knochen, bzw deren DNA, zu machen. Wenn 100.000 Jahre nicht bedeutsam im Bezug auf % Unterschied der DNA sind, dann resultiert diese Erkenntnis auf „stillen Mutationen“ der Degeniertheit des genetischen Codes. Hier scheint tatsächlich weniger als 1 % Änderung stattzufinden. Die Rekombination von modularen Kassetten jedoch, erlaubt andere Evolutionsschritte als lediglich Punktmutationen.

          „auf der Ebene des Cro-Magnon-Menschen (ca. 45.000 vh)“

          Würde mich gar nicht wundern, wenn die damals schon so verständig waren wie der moderne Mensch. Gegrunzt werden sie jedenfalls nicht mehr haben.

          Die links muss ich noch anschauen.

  4. Hehre Worte. Dann sollte unser Christian sich mal für die familiären Ursachen von Gewalt interessieren, um seinen Evolutions-Hokuspokus zu falsifizieren.

    Aber offenkundig hat er daran kein Interesse.

    Oder er registriert erst mal, daß Gewalt/Destruktivität und Geschlechtsunterschiede zwei verschiedene Themengebiete sind.

    So kommt er vielleicht noch mal auf einen grünen Zweig.

  5. Pingback: Hinweis: Evolutionäre Theoriewoche | Alles Evolution

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