Evolutionäre Theoriewoche: Das egoistische Gen (1. Tag)

Dieser Beitrag ist Teil der evolutionären Theoriewoche

Das heutige Thema ist

Das egoistische Gen

Dabei handelt es sich um eine der von Kritikern wohl am häufigsten falsch verstandenen Theorien, die nicht eine Selektion auf Egoismus beinhaltet, sondern die Weitergabe von Genen in den Mittelpunkt setzt.

Dazu aus einem Artikel:

  • Evolution erfolgt über Mutation von Genen und deren Selektion
  • Eine Mutation, die nicht über Fortpflanzung weitergegeben wird, kann sich evolutionär nicht auswirken.
  • Jede Veränderung einer Spezies kann nur über die Veränderung von Einzelwesen dieser Spezies erfolgen und nur von Generation zu Generation, eine Spezies an sich kann sich nicht verändern bzw. nur als Summe der Änderungen innerhalb der Einzelwesen von Generation zu Generation
  • eine Gruppenselektion findet nicht statt. Ein Gen kann langfristig nur selektiert werden, wenn es dem Einzelwesen Vorteile bringt (“egoistisches Gen”), Vorteile für das einzelne Wesen können allerdings auch Vorteile der Gruppe sein, wenn diese auf das Einzelwesen zurückschlagen und diesem mehr bringen als sie das Einzelwesen kosten. Ansonsten droht eine Freeriderproblematik, da sich deren Gene durchsetzen.

Und aus der Wikipedia:

Dawkins geht von der Überlegung aus, dass in der Evolutionsforschung eine Zeit lang Arten als Einheit der Selektion angesehen wurden (Arterhaltung). So heißt es in älteren Dokumentationen oft: Tiere „opfern sich zum Wohl der Art“. Inzwischen geht die allgemeine Tendenz jedoch eher in die Richtung, einzelne Individuen und ihre Konkurrenz um Ressourcen in den Vordergrund zu stellen. Dawkins denkt diesen Ansatz radikal weiter: Warum sollten nicht die Genabschnitte einzelner Chromosomen selbst mit den gleichen Genabschnitten anderer Chromosomen miteinander „im Wettstreit stehen“? Denn zumindest Lebewesen, die sich sexuell vermehren, können ja nicht als ganze Individuen in die nächste Generation weitergegeben werden, sondern nur eine mehr oder weniger willkürliche Auswahl ihrer Gene. Insofern besteht eine Konkurrenz der Gene um ihre Verteilung in der nächsten Generation, an den jeweils entsprechenden Stellen im Chromosomensatz.

Besonders allele Gene stehen in direkter Konkurrenz, also solche, die an der gleichen Stelle im Genom sitzen können und die gleiche Aufgabe erfüllen, sich aber darin voneinander unterscheiden können, wie sie diese Aufgabe erfüllen. Gene müssen deshalb immer „egoistisch“ sein, das heißt in diesem Zusammenhang ihre Verbreitung auf Kosten von anderen Genen vergrößern (wobei der „Egoismus“ der Gene sich freilich nur als anschauliches Bild versteht – Gene haben weder Gefühle noch Absichten). Es lässt sich nur auf die Vergangenheit schauend erklären: Ist ein Allel heute noch vorhanden, folgt daraus, dass es sich egoistisch (hier im Sinne von darwinistisch evolutionär) gegen andere durchgesetzt hat. Andere Allele, mögen sie noch so funktionell für ihre Träger gewesen sein, sind unterlegen und verschwunden – entweder aufgrund ihrer eigenen evolutionären Unterlegenheit oder jener der sie begleitenden Allele.

Wer nicht versteht, dass die Weitergabe und die Selektion bestimmter Gene der entscheidende Punkt innerhalb der Evolutionsbiologie ist, der hat die gesamte Theorie aus meiner Sicht nicht verstanden. Deswegen sollen diese Theorien den Anfangspunkt bilden.

Mit „Genmathematik“ meine ich eben genau dieses Abstellen auf das Gen und den Verweis darauf, dass sich etwas durchsetzt, wenn dadurch die dafür verantwortlichen Gene zahlreicher werden. Das spielt insbesondere bei Verwandtenselektion aber auch bei Konzepten wie „Vaterschaftssicherheit“ für das Verständnis eine Rolle.