Ich, als gefährlicher Pickuper (nach Onyx)

Onyx kommentiert eine Stelle aus meinem „Was anders wäre“ Beitrag, in dem ich anmerke, dass es mich störte als gefährlich angesehen zu werden, weil ich ein Mann bin . Sie meinte, dass sich dies mit meinem Verhältnis zum Pickup beißt, da ich ja gerade damit einer „Lehre“ anhänge, vor der Frauen zu Recht Angst haben müssen.

Sie führt dazu an:

Betrachtet man allerdings den Hintergrund, dass diese Antwort von jemandem stammt, der die Pick up-Ideologie vertritt und propagiert, dass Frauen angeblich freche Arschlöcher anziehend finden, die einfach alles anbaggern und angrabschen, was Brüste hat, darf man sich schon fragen, ob hier nicht jemandem nur seine eigene Medizin nicht schmeckt.

Es ist immer wieder erstaunlich, was Onyx um ihren Hass zu rechtfertigen für Strohmänner aufbaut. Ich vermute, dass sie es sogar glaubt. Aber gehen wir die Vorwürfe und auch die Folgenden mal durch:

a) Frauen finde freche Arschlöcher anziehend

Ja, wobei Arschloch in diesem Kontext nicht bedeutet, dass man die Frau belästigt. Sondern eben frech im Sinne von Herausfordernd, etwas arrogant im Sinne von Cocky/Funny, Selbstbewußt und in der Lage sich einen gewissen Wert zu geben und Frauen Grenzen zu setzen. Aber eben auch in der Hinsicht, dass sie sich durchaus trauen, etwas zu machen, wenn sie erkennen, dass die Zeit dafür ist und nicht Gelegenheit um Gelegenheit verstreichen lassen, weil sie zu höflich und nett sind.

b) Alles Anbaggern

Das an sich ist ja erst einmal nichts schlimmes. Warum soll man eine Frau, die einem gefällt, nicht ansprechen dürfen?

c) Angrabschen, was Brüste hat

Nach dem bekannten Mystery-Modell des Flirtens kommt Kino, als körperlicher Kontakt, in der dritten Stufe von Komfort, also wenn sie einem bereits Zeichen gegeben hat, dass sie einen gut findet, man ihr deutlich gemacht hat, dass man sie aus einem guten Grund gut findet, man ein gewisses Vertrauen aufgebaut hat etc. Und dann grabscht man in diesem Modell auch üblicherweise nicht an die Brüste, sondern eskaliert über Berührungen an unverfänglicheren Stellen.

Andere in Bereich Pickup mögen direktere Stile bevorzugen, etwa extreme Figuren wie Julien Blanc, zu diesem schrieb ich aber:

Ich finde sein Verhalten dort stark übergriffig, wenn es wirklich Leute sind, die er gerade erst auf der Straße getroffen hat, es also keine vorherige Interaktion gegeben hat, in dem sie Interesse gezeigt haben. Selbst dann wäre es immer noch stark übergriffig, je nachdem wie viel Druck er ausübt.

Sicherlich kann dies durchaus effektiv sein, weil ein paar der Frauen bei solchen Handlungen vielleicht dieses dominante Verhalten durchaus anziehend finden und rückwärts rationalisieren, dass er was haben muss, wenn sie so mit sich umgehen lassen. Zumal er abgesehen von diesen Videos in anderen Videos durchaus Charme hat und selbstsicher wirkt. Ich kann mir vorstellen, dass er es eher verkaufen kann als andere, was aber dennoch die Übergriffigkeit nicht rechtfertigt.

Dann führt Onyx einige weitere Punkte an, die Pickupper nach ihrer Meinung glauben:

d) dass man ein Nein nicht ernstnehmen muß, weil das nur Shittests sind

Eigentlich ist das Konzept: „Einige Neins können Shittests sein, aber nicht alle Neins sind Shittests“ nicht schwierig zu verstehen. Onyx scheint damit trotzdem Probleme zu haben.

Die meisten Situationen, in denen es um Shittests geht, spielen sich weit vor körperlichen Punkten ab. Onyx macht daraus zur Aufrechterhaltung ihres Feindbilds direkt Vergewaltigungen.

e) dass Frauen auf Arschlöcher stehen, die sich einfach ungefragt nehmen was sie wollen

Hier wäre wieder auf das Modell von Mystery zu verweisen, in dem man sich gerade nicht nimmt, was man will. Sondern verschiedenste Phasen durchläuft, die einen Verführungsprozess darstellen. Was ich allerdings tatsächlich glaube, ist das Frauen keinesfalls ausdrücklich gefragt werden wollen wie in dem lebensfernen feministischen Konzept von „Yes means Yes“. Sie wollen, dass man die Stimmung erkennt und gemäß dieser handelt.

f) dass es völlig ok ist, Frauen zu belügen und zu manipulieren, um sie zum Sex zu bringen, selbst wenn sie ausdrücklich sagen, dass sie keinen wollen

Pickup ist amoralisch und stellt lediglich bestimmte Werkzeuge bereit, die man in bestimmten Situationen nutzen kann oder nicht. Man muss im Pickup aus meiner Sicht nicht lügen (wenn man es aber wie immer im Flirtbereich natürlich kann). Der Begriff „Manipulieren“ ist ein großes Wort in diesem Zusammenhang. Wenn ich bestimmte Gefühle in einer Frau wecke, die erst Attraktion und dann Komfort in ihr hervorrufen und sie deswegen mit mir schläft, dann sind dies natürlich ihre tatsächlichen Gefühle und ihr Wunsch, mit mir zu schlafen ist ebenfalls echt.
Ich hatte es schon an anderer Stelle gesagt: ich persönlich mag es, wenn eine Frau flirten kann. Ich fühle mich dann auch nicht manipuliert, im Gegenteil es macht den Gesamtvorgang besser, wenn sie die Bälle, die man ihr zuspielt, auch zurückspielen kann. Nach meiner Erfahrung geht es den meisten Frauen ähnlich: Sie finden es schön, wenn jemand nicht das übliche langweilige Flirten anwendet, und sie auf ein Podest stellt, sondern frecher, herausfordernder, dabei aber auch selbstbewußter ist. Sie genießen das Spiel.

Wäre natürlich gut zu wissen, was Onyx eigentlich genau meint. Ich vermute mal, dass sie Last Minute Resistance vor Augen hat, weil sie mir das auf ähnliche Weise schon einmal vorgehalten hat. Dazu habe ich einen ausführlichen Artikel geschrieben, ich vermute mal, dass Onyx da aber leider nicht drauf eingehen wird.

g) dass es völlig ok ist, Frauen gezielt betrunken zu machen, wenn sie nüchtern keinen Sex wollen

Das bezieht sich auf diese Ausführungen hier. Wieder will es Onyx in die Richtung der Vergewaltigung drücken. Im Feminismus ist eben jeder Sex mit Alkohol eine Vergewaltigung der Frau. Tatsächlich nutzen beide Geschlechter Alkohol für Sex. Gerade für Frauen hat das aus meiner Sicht sogar eine Doppelfunktion: Es macht sie etwas lockerer und es ist sowohl sozial akzeptierter, wenn man etwas betrunken mit einem Mann auf einer Party abstürzt und gibt einem zudem eine gewisse Plausible Deniability, dass es eben nur am Alkohol lag. Aus gutem Grund gehen Männer und Frauen gerne zusammen einen trinken und es findet sich genau deswegen, damit alle etwas lockerer werden, an typischen Partylokations Alkohol. Es geht eben häufig nicht darum, dass man ansonsten gegen den Sex wäre, es geht eher darum, die Überleitung zum Sex einfacherer zu machen.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass man das ja ansonsten nicht gezielt macht, also einfach Alkohol trinkt, um Spass zu haben. Aber das ist doch ziemlich naiv. Natürlich ist uns die Wirkung von Alkohol in dieser Richtung allen gut bekannt, sowohl Männern als auch Frauen. Und natürlich kann man angeheitert sein, aber noch vollkommen in der Lage, Entscheidungen zu treffen und deutlich zu machen, ob man Sex will oder nicht.

h) dass Männer frech sein müssen, weil das Frauen eben so wollen

Ja, aber frech ist immer noch nicht übergriffig.

i) dass Frauen allem Feminismus zum Trotz irgendwie heimlich doch überrumpelt und überwältigt werden wollen

Auch wieder diese Nähe zur Vergewaltigung. Überwältigungsfantasien haben tatsächlich viele Frauen. Und viele mögen es in der Tat auch, wenn ein Mann, den sie wollen, die Führung in diese Richtung übernimmt. Männer, die einen gekonnt an die Wand drücken können, sind durchaus ein gängiges weibliches Motiv. Und Männer, die zu vorsichtig sind, und bei denen nichts passiert, sind häufig eher Männer, denen eine gewisse Verachtung entgegen gebracht wird, wenn die Frau nichts dagegen gehabt hätte, dass es etwas passiert. Dennoch: Alles zu seiner Zeit: Wenn Attraction und Komfort bestehen, wenn man in der dritten Phase ist, dann wäre der richtige Zeitpunkt dafür, dass man, wenn sie darauf steht, überwältigenden Sex mit ihr hat. Auch das geht es aber nicht darum, ein Nein einfach zu ignorieren, wie Onyx es sich anscheinend vorstellt. Wenn man alles richtig gemacht hat, dann wird schlicht kein Nein kommen.

Onyx schreibt weiter:

Denn genau eine solche Haltung führt dazu, dass Männer als “gefährlich” wahrgenommen werden. Vor denen man sich vorsehen muß. Die man nie auch nur eine Sekunde zu lang zu nett ansehen darf. Mit denen man nichts trinken darf. Jedenfalls wenn man nicht an Sex interessiert ist. Weil deren seltsames Geschlechterbild davon ausgeht, dass es keine zwischengeschlechtliche Interaktion gibt, die nicht irgendeine sexuelle Komponente hat. Wenn man also keinen Sex will, muß man grimmig schauen, immer mißtrauisch sein, bloooß nicht irgendwie sexy aussehen, einfach auf Abstand gehen, um ja keine Signale auszusenden, die mißverstanden werden könnten. Weil sonst hat man ja jede noch so bescheuerte Anmache provoziert. Ihr wisst schon…

Auch das ist falsch. Natürlich gibt es auch im Pickup Interaktionen mit Frauen, die keine sexuelle Komponente hat, etwa mit den Frauen, mit denen man nicht schlafen will (wobei: Viele Frauen mögen es sehr gerne, wenn man harmlos mit ihnen flirtet und das auch deutlich macht, nur um des Spasses willen). Und auch bei Frauen, die nicht auf einen stehen lohnt es sich nicht, krampfhaft weiter zu machen. Es kann sich aber natürlich lohnen, sie als Freundin zu haben, einmal um der Freundschaft willen, aber natürlich auch, weil „Wingfrauen“ die Sache sehr viel einfacher machen, weil man „preselected bei women“ bedient, weil sie Freundinnen haben und weil es Frauen beruhigt, wenn man in Begleitung einer anderen Frau ist. Ich habe relativ viele Freundinnen in meinem Freundeskreis und über Südländerin auch in meinem erweiterten Freundeskreis, mit denen ich schon wegen Südländerin nicht flirte, aber dennoch gerne weggehe. Cocky/funny und andere Elemente aus dem Pickup finden die meisten diese Frauen dennoch lustig. Sie mögen auch so viele Elemente, die ich aus dem Pickup übernommen habe und ich bin sicher, dass sie lieber mit Leuten rumhängen, die in der Hinsicht „nonneedyness“ ausstrahlen als mit Singlemännern ohne Pickuperfahrung, die dann unbeholfen flirten.

Julien Blanc war glaube ich für alle Feministen und sonstigen Pickuphasser wie Onyx ein Segen. Hätte es ihn und seine merkwürdigen Ratschläge nicht gegeben, sie hätten ihn erfinden müssen.

Was Onyx eben nicht versteht: Jemand, der Flirten kann und Selbstvertrauen in diese Richtung hat, ist häufig für Frauen viel angenehmer, weil er eben nicht das Verhalten zeigen muss, was sie oben beschreibt. Er muss eben nicht auf bescheuerte Weise anmachen, er kann die Sache viel entspannter angehen. Wenn bei jemanden, der sich mit Pickup auskennt, ein zu langer Blick in die Augen folgt, dann fällt er eben nicht über die jeweilige Frau her. Er nimmt es als Zeichen für Interesse (Indikator of Interest) und geht dann in die nächste Phase über, nämlich in dem schaut, ob sie sich für ihn qualifiziert, also etwas vorhanden ist, welches über ihr Aussehen hinaus ein gutes Interesse von ihm rechtfertigt. Wenn das erfolgt, dann vergewaltigt er sie entgegen Onyx Meinung immer noch nicht, sondern wird versuchen Vertrauen aufbauen, Gemeinsamkeiten entdecken etc. Sie kann also noch über lange Zeit deutlich machen, dass sie eigentlich gar nicht interessiert war.