Falschbeschuldigung in der Bibel

Passend zum Fronleichnam hier eine Falschbeschuldigung aus der Bibel:
1Joseph ward hinab nach Ägypten geführt; und Potiphar, ein ägyptischer Mann, des Pharao Kämmerer und Hauptmann, kaufte ihn von den Ismaeliten, die ihn hinabbrachten. 2Und der HERR war mit Joseph, daß er ein glücklicher Mann ward; und er war in seines Herrn, des Ägypters, Hause. 3Und sein Herr sah, daß der HERR mit ihm war; denn alles, was er tat, dazu gab der HERR Glück durch ihn, 4Also daß er Gnade fand vor seinem Herrn und sein Diener ward. Der setzte ihn über sein Haus, und alles, was er hatte, tat er unter seine Hände. 5Und von der Zeit an, da er ihn über sein Haus und alle seine Güter gesetzt hatte, segnete der HERR des Ägypters Haus um Josephs willen; und war eitel Segen des HERRN in allem, was er hatte, zu Hause und auf dem Felde. 6Darum ließ er alles unter Josephs Händen, was er hatte, und nahm sich keines Dinges an, solange er ihn hatte, nur daß er aß und trank. Und Joseph war schön und hübsch von Angesicht.7Und es begab sich nach dieser Geschichte, daß seines Herrn Weib ihre Augen auf Joseph warf und sprach: Schlafe bei mir! 8Er weigerte sich aber und sprach zu ihr: Siehe, mein Herr nimmt sich keines Dinges an vor mir, was im Hause ist, und alles, was er hat, das hat er unter meine Hände getan, 9und hat nichts so Großes in dem Hause, das er mir verhohlen habe, außer dir, indem du sein Weib bist. Wie sollte ich denn nun ein solch groß Übel tun und wider Gott sündigen? 10Und sie trieb solche Worte gegen Joseph täglich. Aber er gehorchte ihr nicht, daß er nahe bei ihr schliefe noch um sie wäre. 11Es begab sich eines Tages, daß Joseph in das Haus ging, sein Geschäft zu tun, und war kein Mensch vom Gesinde des Hauses dabei. 12Und sie erwischte ihn bei seinem Kleid und sprach: Schlafe bei mir! Aber er ließ das Kleid in ihrer Hand und floh und lief zum Hause hinaus.

 13Da sie nun sah, daß er sein Kleid in ihrer Hand ließ und hinaus entfloh, 14rief sie das Gesinde im Hause und sprach zu ihnen: Sehet, er hat uns den hebräischen Mann hereingebracht, daß er seinen Mutwillen mit uns treibe. Er kam zu mir herein und wollte bei mir schlafen; ich rief aber mit lauter Stimme. 15Und da er hörte, daß ich ein Geschrei machte und rief, da ließ er sein Kleid bei mir und lief hinaus. 16Und sie legte sein Kleid neben sich, bis der Herr heimkam, 17und sagte zu ihm ebendieselben Worte und sprach: Der hebräische Knecht, den du uns hereingebracht hast, kam zu mir herein und wollte seinen Mutwillen mit mir treiben. 18Da ich aber ein Geschrei machte und rief, da ließ er sein Kleid bei mir und floh hinaus.

19Als sein Herr hörte die Rede seines Weibes, die sie ihm sagte und sprach: Also hat mir dein Knecht getan, ward er sehr zornig. 20Da nahm ihn sein Herr und legte ihn ins Gefängnis, darin des Königs Gefangene lagen; und er lag allda im Gefängnis. 21Aber der HERR war mit ihm und neigte seine Huld zu ihm und ließ ihn Gnade finden vor dem Amtmann über das Gefängnis, 22daß er ihm unter seine Hand befahl alle Gefangenen im Gefängnis, auf daß alles, was da geschah, durch ihn geschehen mußte. 23Denn der Amtmann des Gefängnisses nahm sich keines Dinges an; denn der HERR war mit Joseph, und was er tat, dazu gab der HERR Glück.

 Die Rape Culture ist also auch hier älter als man denkt, und ein großer Förderer des Patriarchats, Gott, (man beachte den Frauenanteil unter den Propheten) deckt hier den Vorgang ab, so dass Joseph mit seiner Ausrede durchkommt und der Frau nicht geglaubt wird.

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8 Gedanken zu “Falschbeschuldigung in der Bibel

    • Übrigens, wer mal in Dresden ist..

      Potiphars Weib con Carlo Cignani (1628-1719). Meister Roslin würde es zu schätzen wissen.

  1. Das antike Ägypten könnte eine gynozentrische Kultur gehabt haben, wie schon aus der besonderen Hellhäutigkeit der Frauendarstellungen hervorgeht.
    Was auch zu dem extremen Feudalismus dieser Gesellschaft passen würde. (Bezeichnernderweise war ja auch die katholische Kirche begeistert von Ägypten, wie man zB an den ganzen Obelisken, die in Rom aufgestellt wurden, sehen kann. Interessanterweise teilen beide Religionen auch den Absolutismus des Jenseiten).

    Insofern muss es ja wirklich ein Wunder sein, dass Joseph nicht verurteilt wurde, wegen der verdreherischen Falschbeklagung einer Frau aus der Elite der ägyptischen Gesellschaft.

    Man kann an diesem Detail auch gut nachvollziehen, warum der Feminismus das Judentum („Patriarchat“) so sehr hasst.

    • @ Alex

      Das Judentum ist matrilinear.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t#Verbreitung

      Im konservativen und im orthodoxen Judentum ist die Mutter entscheidend für die Religionszugehörigkeit: Jude oder Jüdin ist nur, wer Kind einer jüdischen Mutter ist. Auch im Staat Israel gilt amtlich nur als Jude oder Jüdin, wessen Vorfahrinnen bis zu vier Generationen zurück Jüdinnen waren, also in rein mütterlicher Linie aufsteigend bis zur eigenen Ururgroßmutter.

      • Das ist wohl ein jüngeres Phänomen. Leider weiss ich (nicht mehr) Näheres dazu.

        Sollte das ein Einwand gegen die „Patriarchalität“ des Judentums sein, dieses matrilineare Element? Für Gender/Femi-Typen sicherlich nicht, denn das Patriarchat ist doch strukturell, überall, übermächtig und überhaupt wichtigste Realität.

        • Deine These, dass

          der Feminismus das Judentum (“Patriarchat”) so sehr hasst.

          erscheint mir angesichts der historischen Fakten ziemlich abenteuerlich. Mir ist auch die Relevanz nicht klar.

          Hast du Belege?

        • For starters zB:
          http://www.xs43.net/bagrupowi/texte/dt.fem.as.html
          besonders Absatz „Antisemitische Patriarchatskritik“

          Diese (sogar theologischen!) Verbrämungen eines angeblichen, frei herbeiphantasierten „Matriarchats“ sind bei Feministen sowieso und sogar im mainstream allseits bekannt (siehe „Venusstatuen“) progangandiert worden.
          Für den Feminismus ist diese Idee vom Matriarchat vergleichbar der Schöpfungsgeschichte für „bibeltreue Christen“!
          Mit anderen Worten: „das Partiarchat“ ist eigentlich *nichts anderes* als eine neue Auflage der notorischen antisemitischen Verschwörungstheorie.

          Schon klar, dass das „ziemlich abenteuerlich“ klingt.

          So sieht das Ganze dann in action aus, nur ein kleines Beispiel:
          It hasn’t always been a man’s world | Amy Logan | TEDxSacramentoSalon
          http://www.youtube.com/watch?v=eNChXMPXIQc

          Weiterhin: wieso sind es denn gerade Feministen wie Butler, die sich mit ihrem „Antizionismus“ und „Anti-Israel“ ganz besonders hervortun?

  2. Weil’s mir grad auffällt.

    Potiphars Weib instrumentalisiert beide Männer:

    1. beschuldigt Potiphar, den Hebräer hereingebracht zu haben, „dass er seinen Mutwillen mit uns treibe“.

    2. beschuldigt Joseph der Vergewaltigung.

    Erinnert mich an Italo-Western, wo nur ein Schuss abgegeben wird, aber trotzdem zwei Männer tot in den Staub knallen.

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