„Status macht attraktiv“ vs „Anerkennung durch Sex“

Bei den Störenfriedas ist ein interessanter Artikel erschienen:

Ich habe jahrelange eigene, internationale Berufserfahrung, in einem Bereich in dem Frauen sehr selten verantwortliche Positionen einnehmen und dessen Attitude man leicht mit dem altbekannten “Sex, Drugs & Rock n Roll” zusammenfassen könnte. (…)

In diesem Bereich sind Männer qua Status interessant für Frauen, egal ob sie attraktiv sind oder sich pflegen. Ich habe erlebt, dass Frauen diese Männer als uninteressant bewerteten und erst nachdem sie des Status gewahr wurden ihre Meinung änderten. Viele werden jetzt bestimmt denken: “Ich habs doch schon immer gesagt, Frauen sind alle käuflich”. Ich will an der Stelle betonen, dass Geld hier tatsächlich überhaupt keine Rolle spielt: Nicht mit jedem Status ist Reichtum verbunden.

Das klingt nach einem Absatz, dem ich vollkommen zustimmen kann. Gerade wenn es um den Musikbereich geht, ist Status auch abseits des Geldes sehr interessant, es geht inbesondere darum, dass man denjenigen kennt und das er bewundert wird.

Ich muss zur Ehrenrettung der Männer sagen, dass nicht alle ihre Möglichkeiten schamlos ausnutzen. Sehr viele sind nicht interessiert die auch häufig vorkommende Abwesenheit von zu Hause für beispielsweise Seitensprünge oder den “schnellen und unkomplizierten Sex” zu nutzen. Aber bei denjenigen die es tun ist eines mir immer wieder aufgefallen: Die zu 90% vorhandene Respektlosigkeit den Frauen gegenüber mit denen sie in die Kiste gehüpft sind. Wie heißt es immer so schön “Der Gentleman schweigt und genießt”? Forget it! Diese Gentlemänner muss man suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Gegenüber den Frauen geben sie sich respektvoll und supernett. Es kommt nicht selten vor, dass auf einer sehr liebevollen Ebene Kontakte weitergepflegt werden bis zu einem Wiedersehen, an dem Mann die Bettgeschichte wiederholen kann. “Warm halten” heißt das wohl. Hinter dem Rücken der Frauen wird jedoch abfällig über sie geredet und sie wird niemals die Chance haben wieder auf eine Augenhöhe mit diesem Mann zu kommen, von ihm respektiert oder als gleichwertiger Mensch anerkannt zu werden. Sie bekommt einen Stempel “kann gut blasen” oder “für alles offen” und darauf wird sie reduziert. Interesse an der Persönlichkeit besteht nicht.

Warum sollte auch Interesse an der Persönlichkeit bestehen, wenn man mit ihr nur Sex haben möchte? Da ist sie wieder, diese Form des „weiblichen Entitlements„: Ich schlafe mit ihm, also muss er ein Interesse über Sex hinaus an mir haben. Immerhin haben die Frauen ja insoweit auch das sexuelle Interesse an den Männern und diese nehmen nur mit.

Bei der Gruppe derjenigen, die ihren Status nicht ausnutzen, kann man nochmal unterscheiden zwischen jenen, die sich nur über die “dummen Küken” offen lustig machen und jenen die sowohl von ihren Kollegen als auch den Frauen mit denen sie verkehren belustigt sind. Letztere sind meines Erfahrung diejenigen die keinen Unterschied in der Bewertung der jeweils Beteiligten machen und die am ehesten Frauen generell mehr Respekt entgegen bringen. Sie schreiben eine Frau auch nicht grundsätzlich ab, sondern können unter Umständen ein Interesse auf einer anderen Ebene entwickeln.

Das sind dann anscheinend die besseren Menschen.

Was ich sagen will: Aus meiner Erfahrung meinen viele der Frauen, von denen ich einige auch auf einer sehr freundschaftlichen Ebene näher kennen gelernt habe und ihnen schon seit vielen Jahren immer wieder begegne, aus ihrer offenen Sexualität Anerkennung zu ziehen. Das tun sie jedoch nicht. Sie werden von den Männern ausschließlich (!) auf ihre Verfügbarkeit als Sexpartnerin reduziert.

Schlimm, wenn man in der Fuckzone landet. Aber die Folge davon, wenn man meint, dass man bei einem Überangebot an Anbietern bei dem „Käufer“ den Preis diktieren kann. Das ist sicherlich in der Hinsicht ungewohnt für Frauen. Aber eben eine Frage, mit welchen Männern sie sich einlassen.

Die Schlußfolgerung der Autorinnen:

Für mich steht aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen jedenfalls fest: Der Versuch als Frau durch Sex Anerkennung von einem Mann zu erlangen ist zum Scheitern verurteilt. Mir ist wichtig zu betonen, dass es mir nicht darum geht irgendwen zu verurteilen, sondern nur aufzuzeigen welche gesellschaftlichen Mechanismen ich wahrnehme. Mein Umgang damit muss auch keinesfalls für jede der Richtige sein. Er ist nur einer von vielen Versuchen im Patriarchat möglichst schadlos zu überleben…

 

Anerkennung erhält man sicherlich nicht durch Sex. Warum auch? Man kann es sicherlich in einem günstigeren Markt oder bei geschickteren Einsatz durchaus für Vorteile verwerten, aber eben nicht, wenn man nur eine von vielen und eine Nummer ist. Daraus Rückschlüsse auf die allgemeine Möglichkeit, Sex in Vorteile zu verwandeln zu ziehen, ist aber sicherlich nicht ohne weiteres möglich. Männer sind durchaus bereit einiges für Sex aber vielleicht noch mehr für die Liebe, Zuneigung und die Anerkennung einer für sie sexuelle attraktiven Frau zu machen, müssen dabei aber eben diese Frau auch als etwas besonderes ansehen. Viele Frauen können Sex durchaus für Machtspiele einsetzen. Aber eben nicht so plump, dass sie einfach mit jemanden Sex haben, der eh genug andere Frauen hat.