Die „Ehe light“ – wäre der Pacte civil de solidarité (Pacs) auch etwas für Deutschland?

Aus der Reihe „Familienrecht in anderen Ländern“, in der ich schon Regelungen in Norwegen erwähnt habe, hier eine interessante Regelung aus Frankreich. Dort hat bereits länger mit dem „zivilen Solidaritätsakt“ oder dem „Pacte civil de solidarité (Pacs)“ eine Art „Ehe light“ eingeführt. Dieser bietet weniger umfangreiche Regelungen, aber damit auch mehr Freiheit als die Ehe.

Ein Artikel in der Zeit stellt es wie folgt dar:

Als Frankreichs Premierminister Lionel Jospin den zivilen Vertrag 1999 schuf, schuf er ihn vor allem für Homosexuelle. Sie durften damals – anders als heute – in Frankreich noch nicht heiraten. Seinen beispiellosen Erfolg verdankt der Pacs aber den heterosexuellen Paaren. Sie schließen inzwischen 96 von 100 dieser Verbindungen. Das Verb pacser ist den Französinnen und Franzosen so geläufig wie marier (heiraten).

„Es geht ganz einfach“, sagt Laurence Bucher am Telefon und erzählt vom kalten Januartag im Jahr 2008, als sie mit ihrem Partner zum Amtsgericht im 14. Arrondissement in Paris ging, um den Vertrag, ein einziges Formular, zu unterschreiben: „In zwei, drei Minuten ist man wieder draußen, es braucht keine Zeugen, kein romantisches Getue – und die Sache ist erledigt.“
Beim Pacs geht es um Vernunft. Punkt. Wer in Frankreich einen Pacs abschließt, der ist in Erb- und Steuerfragen den Verheirateten gleichgestellt. Gegenüber dem Staat, dem Arbeitgeber, aber auch in Spitälern ist man als Paar anerkannt. Und wer „verpacst“ ist, gilt als gebunden und findet darum leichter eine Wohnung. „Das ist in Paris nicht unwichtig“, sagt Bucher.

(…)

Auch der Pacs ist als solcher gedacht. Der größte Vorteil dieser Ehe light ist, dass er vieles offenlässt. Das Paar bestimmt – allenfalls mithilfe eines Notars –, wie detailliert es sein Leben regeln und reglementieren will. Ob man zum Beispiel nach der Trennung eine Güterteilung will oder nicht. Oder wie sie sich „einander gegenseitige und materielle Hilfe“ leisten wollen. Sie wählen zwischen „choix 1“ – einem fixen Anteil des Vermögens – und „choix 2“ – einem frei bestimmbaren Betrag. Der größte Unterschied zur Ehe betrifft die Kindsbelange: Hier gibt es keine Regeln. Wer sich „verpacst“, der erhält damit keine elterliche Gewalt.

(…)

So rasch und so einfach wie der Vertrag geschlossen werden kann, so leicht lässt er sich auch wieder auflösen. Es reicht eine kurze Mitteilung an den Gerichtsdiener. Auch damit trifft das Werk, das Verbindlichkeit auf Zeit fern jeder Ideologie bietet, den Zeitgeist perfekt. Und hält am Ende sogar mehr, als es verspricht: Die Trennungsrate liegt bei Pacs-Paaren tiefer als bei Verheirateten.

 

Es werden also einige der Vorteile der Ehe übertragen. Ansonsten scheinen die gleichen Rechte, wie bei unverheirateten Paaren zu bestehen, wobei man diese durch eine Form von „Partnerschaftsverträgen“ anscheinend weiter ausbauen kann. Es klingt so als würden dort bestimmte Modelle vorgegeben, so dass man nicht vollkommen alles neu entwerfen muss.

Ich könnte mir vorstellen, dass so etwas auch in Deutschland einen enormen Erfolg hätte. Die Leute suchen etwas, was sie entsprechend verbindet, und ein „Pacs“ ist immerhin eine gute Darstellung nach Außen. Und diese kann man auch entsprechend individualisieren und „fester“ machen, was auch den Vorteil hat, dass keiner genau weiß, dass man vielleicht gar nicht so fest zusammen ist, weil man es nicht fester gemacht hat. Es kommt vielleicht auch dem Zeitgeist und der erhöhten Unsicherheit in Beziehungen entgegen.

Gleichzeitig kann ich mir auch durchaus vorstellen, dass es zu längeren Beziehungen führen kann: Dann nämlich, wenn diejenigen nicht auf den Schutz der Ehe vertrauen, sondern vorsichtiger sind, weil die Trennung unkomplizierter ist.

In Deutschland würde es interessant werden, ob das Bundesverfassungsgericht ein Problem mit dem „Schutz der Ehe“ sieht, wenn eine „Ehe light“ eingeführt wird. Man kann sagen, dass sie dadurch entwertet wird und damit der verfassungsrechtliche Schutz nicht hinreichend umgesetzt ist. Aber man könnte eben ebenso vertreten, dass es ja keine Ehe ist und diese nach wie vor geschlossen werden kann. Man kann auch argumentieren, dass Ehe eben für Veränderungen offen sein muss und sich der Begriff hier gewandelt hat.

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39 Gedanken zu “Die „Ehe light“ – wäre der Pacte civil de solidarité (Pacs) auch etwas für Deutschland?

  1. Wird nicht funktionieren, weil man dann erklären müsste, warum die Argumente vom „besonderen Schutz des Staates“ und „ungleiches nicht gleich behandeln“ und alles was bisher für die Verhinderung der Eheöffnung ins Rennen geworfen wurde plötzlich bei dieser Sache nicht mehr gelten soll.
    Ich finde, solange die Ehe nicht für Homosexuelle geöffnet wird, mit der Begründung Ungleiches nicht gleich zu behandeln, darf die Eingetragene Lebenspartnerschaft auch nicht für Heteros geöffnet werden, rein aus logischen Gesichtspunkten. Heteros sind schließlich auch ungleich und haben seit Jahrtausenden die Option, eine Ehe einzugehen.

  2. „In Deutschland würde es interessant werden, ob das Bundesverfassungsgericht ein Problem mit dem “Schutz der Ehe” sieht, wenn eine “Ehe light” eingeführt wird. Man kann sagen, dass sie dadurch entwertet wird und damit der verfassungsrechtliche Schutz nicht hinreichend umgesetzt ist. Aber man könnte eben ebenso vertreten, dass es ja keine Ehe ist und diese nach wie vor geschlossen werden kann. Man kann auch argumentieren, dass Ehe eben für Veränderungen offen sein muss und sich der Begriff hier gewandelt hat.“

    Es ist scheiss egal, ob man die Ehe trotzdem noch eingehen kann. Heteros können auch nach wie vor heiraten, selbst wenn gleichgeschlechtliche Paare das ebenfalls tun, keiner kommt sich in die Quere. Trotzdem greift der „besondere Schutz“. Nenne mir bitte ein einziges Argument mit dem man das durchboxen könnte, ohne dass die Argumentation gegen die allgemeine Eheöffnung ad absurdum geführt wird?

  3. ich denke wenn nur genug männer in diese „falle“ getappt sind entschließen sich die quotenfrauen in der politik das unterhaltsrecht auf diese verträge auszuweiten und das der ehe gleichzustellen.
    oder eine frau klagt erfolgreich nach einer trennung weil sie nicht akzeptieren will das sie ihn nicht mit unterhaltsansprüchen ausschlachten kann (stichwort: feministische rechtssprechung).

    • In Australien z.B. reicht es schon mit einer Frau zusammenzuziehen um in einen eheähnlichen Zustand zu kommen, mit den genau gleichen Nachteilen. Das ist für den Australischen Staat z.B. primär eine Lösung, damit man den Mann bei Kindern im Haushalt (egal ob seine oder nicht) und einer Trennung vollständig belangen kann und der Staat nichts zahlen muss.

      Ich nehme an, in Frankreich wird dieser Schritt auch irgendwann getan werden, weil die Interessen der Männer und des Staates sich in diesem Punkt nicht decken. Weiss jemand, wie das mit Kindesunterhalt im Härtefall in Frankreich bei einem „Pacs“ aussieht bzw. gibt es da spezifische Artikel dazu?

      • Ist die Gesetzeslage in Austrailien denn sexistisch oder nutzt sie nur die Tatsache das für ca. 80% der Frauen ein Partner mit geringeren Gehalt nicht in Frage kommt und so der Fall dass die Frau Unterhalt zahlen muss eher eine Randerscheinung bleibt?

  4. Nur mal so als Anregung: Die Konservativen haben ja immer die Ehe mit der Begründung verteidigt, dass man sie schützen müsse und sie nur homosexuellen Paaren zusteht (gerne mit religiöser Begründung hinterher).

    Daraufhin wurde in einigen Ländern diese „Ehe-Light“ geschaffen, welche für Homosexuelle bestimmt war.

    Wenn sich jetzt diese Ehe-Light auch bei heterosexuellen Paaren durchsetzen sollte, dann hätten ja die Konservativen die Ehe kaputt gemacht. Es wurde ein potentiell attraktiveres Modell geschaffen, zu dem sich dann auch die Heteros flüchten.

    Ansonsten für mich praktisch: Da wo ich am meisten Steuern spare. Ehe ist eh kein Wert an sich, wenn man nicht religiös ist. Ich bin beispielsweise verheiratet, aber sehe jetzt überhaupt keinen Unterschied zwischen meiner Beziehung und der Beziehung von Bekannten, die seit 6 Jahren zusammen sind, aber nicht verheiratet.

    PS: Ja ich weiss, dass es AUCH sinnvoll im Bezug auf gemeinsame Kinder ist, aber da sollte der Staat eh mal ordentlich die Männerrechte am Kind stärken, gerade bei unverheirateten.

    • „Die Konservativen haben ja immer die Ehe mit der Begründung verteidigt, dass man sie schützen müsse und sie nur homosexuellen Paaren zusteht (gerne mit religiöser Begründung hinterher).“

      Ja, Begründung aus der Schwulenbibel … 🙂

    • „Wenn sich jetzt diese Ehe-Light auch bei heterosexuellen Paaren durchsetzen sollte, dann hätten ja die Konservativen die Ehe kaputt gemacht. Es wurde ein potentiell attraktiveres Modell geschaffen, zu dem sich dann auch die Heteros flüchten. “
      Haha stimmt 😀
      Sie würden nicht nur die traditionelle Ehe zerstören, sondern auch die traditionelle Homo-Partnerschaft, die hätten Homosexuelle dann ja auch nicht mehr exklusiv und die dringend benötigte Trennung von „Ungleichem“ wäre nicht mehr gewährleistet.
      Sollte das wirklich in Erwägung gezogen werden, müssen wir „Demos für alle“ gegen „Demo für alle organisieren“-Sympathisanten und ihnen ihre eigene Medizin zu schmecken geben. Wenigstens einmal sollen sie auch die Rolle des dekadenten Gesellschaftsschädlings genießen dürfen.

      • @ A

        Fällt mir gerade ein.

        Da wir ja in Zeiten leben, wo sowas medizinisch/technisch möglich ist. Wenn sich ein Ehepartner einer Geschlechtsumwandlung unterzieht, wird dann eine solche Ehe zwangsgeschieden? Gab es sowas schonmal?

      • „Sollte das wirklich in Erwägung gezogen werden, müssen wir “Demos für alle” gegen “Demo für alle organisieren”-Sympathisanten und ihnen ihre eigene Medizin zu schmecken geben.“

        Da die „Demo für alle“ sich gegen Homosexualität an sich richtet, würde das nicht funktionieren. DIe Demonstranten würden die Ironie nicht bemerken.

        Ich bin sicher, dass einige, die den PACS eingegangen sind, gegen die Öffnung der Ehe für Homos demonstriert haben.

        Die Schamlosigkeit, mit der Heteros den PACS eingegangen sind, noch bevor die Ehe Homos zur Verfügung stand, ist jedenfalls beispiellos.

        • Nein, Demo für Alle = Stoppt Eheöffnung, haltet Homosexuelle von Kindern fern.

          Demo für alle ist ja vom Slogan her sogar an „Ehe für alle“ angelehnt.

        • Gegen die Homoehe zu sein bedeutet nicht sich gegen Homosexualität an sich zu sein.

          Ihr liebt doch den Kontext. Ich bin mit der Forderung DIESE (Genda) Homosexuellen von Kindern fern zu halten durchaus einverstanden. Und zwar geht es eindeutig um die Ideologie die dort verkauft weden soll.

        • „Gegen die Homoehe zu sein bedeutet nicht sich gegen Homosexualität an sich zu sein.“

          Okay. Was bedeutet es dann? Welchen Grund könnte es noch geben?

        • „Okay. Was bedeutet es dann? Welchen Grund könnte es noch geben?“

          Weiß nicht, mir wurst. Ich bin nicht gegen diese Eheform.

          Man könnte meinen durch die reine Hetenehe gibt’s mehr Kinder oder anders, wenn es erst Homoehe gibt entstehen weniger Kinder …

          Allerdings ist Deine Behauptung der alleinigen Homogegnerschaft eben nur eine Behauptung.

          Vielleicht will man die Homos auch vor der Ehehölle bewaren?

          Oder man will nicht (wie ich) Homoehe im Packet mit Genda kaufen.

          Was weiß ich. 🙂

        • „Man könnte meinen durch die reine Hetenehe gibt’s mehr Kinder oder anders, wenn es erst Homoehe gibt entstehen weniger Kinder …“

          Das meinen viele von denen tatsächlich oder behaupten es zumindest.
          Da scheint so eine Art neuronale Kausalverknüpfung zu existieren „Every time a gay couple marries, god kills a Family“

          „Vielleicht will man die Homos auch vor der Ehehölle bewaren?“

          Das ganz sicher nicht. Sie überidealisieren die Ehe ja und wollen nicht, dass sie durch Homosexuelle „zerstört“ wird. Natürlich versteht kein Mensch, was und wie da zerstört werden soll, da es auf Paare überhaupt keinen Einfluß hat.
          Warum soll es bitte die Ehe- oder Reprodkutionsfähigkeit beeinträchtigen, wenn das Nachbarehepaar nicht Katrin und Klaus, sondern Paul und Peter heisst?

          „Oder man will nicht (wie ich) Homoehe im Packet mit Genda kaufen.“

          Auch da besteht kein kausaler Zusammenhang. Eheöffnung ist einfach nur Eheöffnung, nicht mehr und nicht weniger.

        • Der wahre Grund wir ja auch damit zu tun haben, dass die Gegener wohl in erzkonservativen Ehehöllen gefangen sind und daher sich das ganze rationalisieren, indem sie erfinden, dass die Ehe ja ein Wert an sich ist, den es zu schützen gilt.

          Die wollen natürlich nicht, dass die Homos kommen und glücklicher Leben, als sie selber.

    • „Die Konservativen haben ja immer die Ehe mit der Begründung verteidigt, dass man sie schützen müsse und sie nur homosexuellen Paaren zusteht (gerne mit religiöser Begründung hinterher).“

      Was um so merkwürdiger ist, denn die häufigste Beziehungsform in der Bibel ist die Polygamie. Und Adam und Eva waren nicht verheiratet.

      • Guter Einwand. Ich habe ja die Theorie, dass die strenge Sexualmoral und die Institution der Ehe von der Kirche eingeführt wurde, um die Menschen über ihre Sexualität steuern zu können.

        Wenn man bedenkt, dass früher der Pfarrer ein Paar nicht verheiraten konnte, wenn er der Ansicht war, dass das Paar nicht redlich sein wird oder sonstwie nicht passt und man dann noch den Stand unverheirateter Paare in der Vergangenheit bemisst wird klar, dass die Kirche durch die Ehe eine große Macht bekommen hat. Priester dürfen ja z.B. nicht heiraten, damit das Erbe zu 100% an die Kirche geht und nicht irgendwie an eine Familie. Schon schlau gemacht 😛

        • Den Verdacht habe ich auch, aber nicht nur in Bezug auf das Christentum, sondern auch/besonders in Bezug auf den Islam. Da wird das ganze noch deutlicher. So deutlich, weltlich, irdisch, dass ich nicht begreifen kann, wie trotzdem so viele das für bare Münze nehmen.

          Oder vielleicht überschätze ich Gott ja auch oder schätze ihn falsch ein.

        • Das ist längstens keine Theorie mehr, sondern wissenschaftlich schon lange untersucht worden. Antike Gesellschaften haben eheähnliche Formen und drakonische Strafen sozial erschaffen um keine zu starke intrasexuelle konkurrenz zwischen den Geschlechtern zu haben, denn das führt nicht zu stabilen Gesellschaftsordnungen. Es ist daher kein Zufall, dass fast alle Religionen Aussagen über und starken Einfluss auf die Sexualität nehmen.

          Ein Atheist, der Dawkins nahe steht (mir ist sein Name entfallen) hat z.B. auch einmal angeführt, dass die Verstümmelung der Geschlechtsorgane bei Geburt bei beiden Geschlechtern das Sexualempfinden lindert, wohl nur aus dem Grund stark verbreitet war, weil es eine sozio-kulturelle Anpassung war, die die Stabilität der Gesellschaft gesteigert hat und sich somit teilweise durchsetzen konnte. Dafür wurde er natürlich von A+ fast gesteinigt, aber die These ist wahrscheinlicher (nämlich, dass weibliche Genitalverstümmelung nur Ausdruck patriarchalen Zerstörungswut ist und männliche Genitalverstümmelung ja nicht so schlimm sei…) als die Alternative. Die Idee, dass wir kulturell in grossem Stil auf die eigene sexuelle Selektion durch z.B. durch Verstümmelung des Sexualtriebs einwirken ist zwar erschreckend, aber deswegen noch lange nicht falsch.

        • Noch eine andere Idee:
          Vielleicht lag es einfach an den Geschlechtskrankheiten, daß die Sexualität ursprünglich gesellschaftlich reguliert wurde…

  5. Aber die Ausschlag gebenden Fragen sind doch, wie es bei einer Trennung im Streit mit der Durchsetzbarkeit von Ansprüchen aussieht.

    Auch bei der klassischen Ehe werden Eheverträge als sittenwidrig aufgelöst, werden Väter durch die Kombination primäres Sorgerecht bei der Mutter+ihre Freizügigkeit+Anspannungsprinzip bei ihm erpressbar.

    „Geregelt“ bedeutet doch noch lange nicht, dass es auch so geregelt ist, dass nicht einer am kürzeren Hebel sitzt.

        • Ich findes auch extrem nervig mit den Videos. Erstmal „most important infomation you get“-Selbstbeweihräucherung und allgemeine Einführung über 2:30 min, und Überfliegen/Überspringen kann man weniger interessante Passagen auch schlecht. Es ist einfach viel zeitaufwändiger als dieselbe Menge als Text zu bekommen. In 3 Minuten kommt er mit Abstand nicht zur These.

          Außerdem übersieht der Herr im Video in seinen Ausführungen, daß die sozialistischen Staaten das späterhin ganz gut auf die Reihe bekommen haben mit den geringen Scheidungshürden, leicht zugänglichen Abtreibungen, staatlicher Kindesbetreung und Beruftätigkeit der Frauen ohne großen nachehelichen Unterhalt. Die Geburtenrate der DDR war trotzdem deutlich besser als die der BRD.

        • >>“Die Geburtenrate der DDR war trotzdem deutlich besser als die der BRD.“

          Zur Übersicht:

          https://docupedia.de/zg/Historischer_Vergleich

          Kaeble hat auch das Standardwerk zum historischen Vergleich geschrieben, ist in den Fußnoten vorhanden.

          Tom ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, am Besten für die Zukunft: Wenn immer man die Aussage treffen will, worin eine totalitäre Diktatur besser sei, dann immer viermal überlegen bevor man es absendet. Das gilt gerade auch für die DDR, die mir mittlerweile so gut in der „kollektiven Erinnerung“ wegkommt, dass ich mich frage wer eigentlich wen vor 25 Jahren beigetreten ist.

          Die Dinge waren selbstverständlich nicht besser in der DDR, alles hatte nämlich seinen Zweck, nämlich in der Machtausübung und Kontrolle durch die Partei. Das gilt gerade für den kindlichen Bereich. Es gab viele, ja deutlich mehr Krippenplätze/Horte in der DDR als in der Bundesrepublik, der (Haupt)Grund war aber agitatorischen Zugriff auf die Kleinsten zu bekommen.

          Aber selbst subjektiv für die Geburtenzahlen gilt das nicht was du schreibst, guck mal:

          http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61550/geburten

          Erklärungsbedürftig ist also die Zeit zwischen ’75 und ’90, und wenn wir uns da das Schlagwort „Muttipolitik“ der DDR anschauen, verstehen wir wie die das hinbekommen haben.

          Gleichstellung hieß damals wie heute nämlich Priviligierung, nur eben Mutterpriviligierung. Einige Maßnahmen (Die es in der Bundesrepublik nicht gab, daher betrachte ich Kindergeld/MuschG jetzt nicht so):

          -Ehekredit bei Heirat vor dem 26. Lebensjahr, abkindern mit drei Kindern möglich
          -Staatliche Beihilfe bei Geburt i.H.v. 1000 Mark
          – Bevorzugung von Alleinerziehenden (Müttern) bei Krankheit der Kinder, Zuteilung von Hortplätzen und Wohnraum
          – Erziehungsurlaub für Mütter (Erst ab ’86 auch für Väter möglich) bei vollem Lohnausgleich für ein Jahr, beim dritten Kind nochmal sechs Monate drauf
          -Reduzierung auf 40 Std. Woche für Mütter bei vollem Lohnausgleich (westdt. „emanzipierte“ Mütter arbeiten heute übrigens 22 Stunden)
          – Bezahlter „Haushaltstag“ im Monat für Mütter
          – Erhöhung des Grundurlaubs mit steigender Kinderzahl für Mütter
          – Dazu eine Propaganda die die Mutterschaft der „werktätigen Frau und Mutter“ stilisierte

          Ganz schönes Paket, findest du nicht?

        • 1. Also mal vorab: ich hab in diesem Scheißstaat DDR Abitur gemacht, und hätte es fast nicht bekommen weil ich beinahe von der Schule geflogen wäre, da ich in politischer Hinsicht „einen gefestigten Klassenstandpunkt vermissen ließ“. D.h. ich nehme mir das Recht heraus, trotz Propaganda selbst zu denken. Damals wie heute. Ich hab eine ungefähre Vorstellung davon, was los war.
          2. Ich halte nichts davon, eine Argumentation nach dem Motto „Autobahn geht garnicht“ aufzubauen. Das System hatte gigantische Schwächen und Probleme, aber sie haben mitunter auch mal was richtig gemacht. Diese Erkenntnis setze ich voraus und halte die ständige Wiederholung des vorstehenden Satzes für entbehrlich. Wenn ich schreibe, daß die mal was richtig gemacht haben, heißt es nicht, daß die Diktatur insgesamt besser war. Dieses Verständnis ist schlicht abwegig.
          3. Ich halte die Reaktion auf den Pillenknick seitens „Ost“ tatsächlich für intelligenter als die seitens „West“. Evolutionsbiologisch gesehen ist die Förderung eigenen Nachwuchses auch sinnvoller als von anderswo Bevölkerung zu importieren. Zumal die DDR ja auch dazu gezwungen war, weil da kaum jemand freiwillig hätte einwandern wollen; obwohl – der eine oder andere Mosambiquaner oder Vietnamese aus den zur Ausbildung übernommenen sozialistischen Brudervölkern wäre wohl auch gerne geblieben…. Die von Dir aufgezählten Maßnahmen kosten Geld, aber sie sind allemal sinnvoller als Frauen-Aufsichtsratsquoten, Erziehungsgeld und dergleichen Unsinn, was wir heute diskutieren. Und vor allem haben sie sogar funktioniert, wie man an der von Dir dargestellten Kurve ablesen kann. Davon, daß irgendwas funktioniert, können die heutigen Feministen nur träumen. Mein ideologisches Problem damit, dieses damaige Paket heute wieder einzuführen, wäre gering. Leyen,Schwesig&Co fällt erheblich weniger sinnvolles/wirksames ein, wo man wirkungslos Geld zum Fenster rauswirft.
          4. Die im Ausgangsartikel zitierte „Ehe light“ war faktisch realisiert. Deshalb habe ich den Beitrag auch geschrieben. Die tatsächliche und finanzielle Hemmschwelle, eine Ehe einzugehen, war geringer. Wesentliche negative Folgen waren nicht ersichtlich. Andersherum kenne ich einige Leute, die sich später in Grund und Boden geärgert haben, daß sie für ihre „hängen gelassene, scheidungsreife Ehe“ plötzlich eine ruinöse Scheidung nach West-Recht bekommen haben. IMHO kann es also positiv sein, den Abschreckungseffekt hinsichtlich der Nebenwirkungen einer Ehe zu reduzieren, gleiches gilt hinsichtlich Sex/Kindern.
          5. Zu der Frage, wer da beigetreten ist: Ziel der Revolution war ursprünglich nicht, der Bundesrepublik beizutreten. Ziel war eine Freiheit und Demokratisierung der DDR. Es deutet einiges darauf hin, daß die Umwandlung des Slogans „Wir sind das Volk“ in „Wir sind EIN Volk“ auf eine erfolgreiche Kampange der CDU/West zurückzuführen ist. Aus meiner Sicht war die Art der Durchführung der Wiedervereinigung ein ökonomisches Disaster (aber danke daß Du heute noch dafür Soli zahlst!). Für Kohl spricht allerdings, daß man damals nicht so genau wußte, wie lange das geschichtliche Zeitfenster für die Aktion offenbleiben würde. Im Nachhinein betrachtet wäre ein langsames Vorgehen aber erheblich billiger und sinnvoller gewesen. Aber gut, ist halt so angeboten worden und ist so angenommen worden. Hätte, könnte, würde führt zu nichts mehr.

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