Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 12. Mai 2015

Das Anvertrauen von Geheimnissen an den Partner

„X hat einen Neuen“ verkündet mir Südländerin „aber erzähl es nicht weiter, es soll noch keiner wissen“.

„Klar“ sage ich „wie auch, die einzigen, die es interessiert, sind ja alle in Südland“

Sie nickt. „Ich mein ja nur, nicht, dass du dich verplapperst oder auf Facebook irgendwas likest. Es soll eben noch niemand wissen“

Der kurze Austausch brachte mich zum Nachdenken über die Weitergabe von Geheimnissen an den eigenen Partner. Und über einen Artikel, den ich neulich gelesen hatte, nun aber natürlich nicht mehr finde. Dessen Botschaft war so ungefähr:

Was immer man jemanden anvertraut, der sich in einer Beziehung befindet, das vertraut man auch seinem Partner an

Das finde ich als Grundthese gar nicht mal falsch, würde aber noch differenzieren zwischen solchen Geheimnissen, die man an einen Partner weiterzugeben dürfen meint und solchen Geheimnissen, die quasi höchstpersönlich sind. Bei dem obigen beispielsweise sollen es eben bestimmte Leute nicht wissen, enge Freund wissen es aber eh. Es ist insofern nicht per se höchstpersönlich, wenn nur sichergestellt ist, dass es nicht an die falschen gerät. Allerdings zieht da auch jeder seine Grenze anders, was es sehr unsicher macht.

Irgendwie rechnet man in solchen Fällen den eigenen Partner gern der „erweiterten eigenen Sphäre“ zu, die das Geheimnis damit ja nicht verlässt. Ihm wird ebenso die Verpflichtung abgenommen, dass er es nicht weitererzählen darf und damit sieht man letztendlich das Geheimnis ebenfalls gewahrt. Zudem hat es auch etwas mit Vertrauen zu tun: Der eigene Partner würde es ja auch nicht weitererzählen, wenn man ihn darum bittet, und man selbst hat es ja nur innerhalb dieses sehr engen Vertrauensverhältnis der Beziehung herausgegeben.

Der Gedanke „Ihm/Ihr kann ich es ja verraten“ ist denke ich insofern ein häufiger in Beziehungen.  Man kommt gar nicht – sofern es nicht ein besonderes Geheimnis ist – darauf, dass es in dieser Richtung auch bewahrt werden muss.

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Responses

  1. Na super, Christian! Jetzt wissen wir alle hier, dass X einen Neuen hat. Kannst Du denn gar nichts für Dich behalbehalten?

  2. Der Mann einer guten Freundin meiner Frau wird sich demnächst scheiden lassen. Ich wusste es lange vor den meisten gemeinsamen Freunden (natürlich über meine Frau), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Freundin auch Dinge über mich weiß, die unsere anderen gemeinsamen Freunde nicht wissen.

    Sprich: Wenn meine Frau die Vertraulichkeit ihrer Freundin gegenüber nicht zu 100% einhält, tut sie das mir gegenüber vielleicht auch nicht, oder?

    • Das ist doch nur logisch.

      „Geheimnisse“ sind eine Ware. Wenn du jemanden kennenlernst, der vieles erzählt, dann wirst du mit Sicherheit auch zum Erzählobjekt.

      Ist aber nichts, worüber man besorgt sein müsste. Wenn deine Geheimnisse wohl gehütet sein sollen, dann musst du sie für dich behalten 😉

    • Ein Geheimnis zu bewahren ist wider die Natur des Weibes.

      • Also wenn ich mir den Freundeskreis meines Bruders anschaue, dann muss ich postulieren, dass dies wirklich kein weibliches Problem ist. 🙂

        • Nun ja, heutzutage gilt es als modern und progressiv, wenn Männer ihre „weiblichen Anteile“ pflegen, also tratschen, tratschen und tratschen, wobei das jetzt „emotionale“ oder „kommunikative Kompetenz“ genannt wird.

  3. Die katholische Kirche wusste durchaus, warum sie Zölibat verordnet! Das Beichtgeheimnis wäre sonst eher ein Witz….

    • Und ich dacht immer, das hätte erb-rechtliche Gründe gehabt. Diese Erklärung ist noch plausibler 🙂

  4. Ich bin mit zwei Personen gut befreundet, die zufällig gleichzeitig ein Paar sind. Früher bin ich immer davon ausgegangen, dass die beiden sich gegenseitig erzählen, was ich ihnen sage. Mittlerweile habe ich aber festgestellt, dass sie das – bis auf Alltägliches, das man auch sonst an Freunde weitergehen würde, wohl nicht tun. Es scheint mir aber eher die Ausnahme. In sonstigen Fällen gehe ich bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, dass vertrauliche Informationen zumindest an bestimmte Personen weitergegeben werden. Was wirklich nicht bekannt werden soll oder darf, behält man besser im allerengsten Kreis.

  5. Was ja gleich zu der Frage führt:

    Meint ihr Frauen erzählen eher ihnen anvertraute Geheimnisse in Beziehungen oder der besten Freundin oder Männer?

    • Falsche Kategorien.
      Die Antwort ist eher: Dem Menschen, der einem zeitlich, räumlich und/oder emotional am nächsten ist.
      Bei manchen Frauen ist das der Mann, bei anderen eine BFF.

      Und dann gibt es noch die Geheimnisse, die mag man nur jemandem erzählen, der die Betroffenen nicht kennt.

      • „Dem Menschen, der einem zeitlich, räumlich und/oder emotional am nächsten ist“

        Also einer Frau.

        • Naja,
          bei meiner Frau ich.

          Glaub nicht, dass ich da von einer sooooo seltenen Art bin.

  6. Chris schreibt: “X hat einen Neuen” verkündet mir Südländerin “aber erzähl es nicht weiter, es soll noch keiner wissen”.

    Immer diese Sache mit der Logik…

    Wenn ich es nicht weiss, kann ich es nicht weiter erzählen.
    Wär‘ also am einfachsten, es mir NICHT weiter zu erzählen, wenn es denn kein anderer wissen soll.

    Es sei erinnert an die „drei Siebe des Weisen“:
    1) Ist die Nachricht wahr?
    2) Ist die Nachricht gut?
    3) Ist die Weitergabe der Nachricht notwendig?

    andere Variante:
    Was nützt es mir selbst, wenn ich es weiter erzähle?
    Was nützt es dem, den ich es erzähle?
    Was nützt es dem, über den ich erzähle?

    Meine Erfahrung ist die, dass Frauen in erster Linie Informationen als Ware verwenden, um ihr Netzwerk zu formen. Scheint durch Anthropologie bestätig zu sein:

    http://www.welt.de/print-welt/article467813/Warum-Frauen-tratschen.html

    „Tratsch ist das, was die Frauen verbindet, meint die amerikanische Anthropologin Nicole Hess. Sie festigen ihre freundschaftlichen Beziehungen durch lange Gespräche über andere, entlarven ihre Feindinnen und bauen so eigene Netzwerke von Verbündeten auf. Informationen über die Mitglieder solcher Frauenzirkel seien ein bewährtes Machtmittel, so die Forscherin. Geschickt gestreut, lassen sich Ansehen und sozialer Status einer unliebsamen Konkurrentin vernichten. Kaum etwas fürchten Frauen daher mehr als üble Nachrede.“

    Weitere persönliche Erfahrung: Männern gegenüber muss ich bei vertraulichen Informationen NICHT um Diskretion bitten.

    Weitere persönliche Erfahrung: Schon meine Mutter hat vertrauliche Informationen von mir / über mich hemmungslos weitergegeben. Gegenüber Frauen zu schweigen lernte ich dadurch verdammt früh. Möglicherweise EINER dieser Gründe, dass Männern gegenüber Frauen NICHT über ihre Gefühle reden.

    • War bei mir ähnlich und auch ein bisschen krass, denn meine Mutter ist mit der Mutter meines besten Freundes befreundet (war, weil ihr die Sache dann irgendwann zu krass wurde): Mutter von Freund hat immer über Probleme des Freundes geredet. Meine Mutter hat zum Glück recht dicht gehalten.

      Es ist einfach nur unendlich unfair, wenn man Geheimnisse weitersagt. Wenn Frauen das zur Netzwerkbildung machen, dann ist das unglaublich hinterfotzig und mieß.

    • ein anderer Grund warum Männer oft nicht über ihre Gefühle mit Frauen reden, ist der, dass recht vielen Frauen die Gefühle der Männer oder besser deren emotionale psychische Befindlichkeiten herzlich egal sind, soweit diese nicht in Bezug zu ihnen selbst stehen.

      Aber das am Rande.
      Was das tratschen betrifft, so ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen zwar vorhanden, aber lange nicht so groß wie allgemein immer kolportiert. Was allerdings zutrifft ist, das Frauen Tratsch gezielt einsetzten zur Gestaltung sozialer Verhältnisse.
      Und sie geben auch gerne vor einander an mit ihren Männern und Kindern, etwa so wie Männer mit Ihren Autos und Jobs untereinander angeben.

  7. „Erweiterte eigene Sphäre“ ist tatsächlich ein guter Punkt.
    Man kann wohl durchaus jemanden in einer Beziehung etwas verraten, was dessen Partner nicht wissen soll, aber in dem Fall würde ich darauf extra hinweisen. – Obwohl „keinem weitersagen“ ja eigentlich schon eindeutig war, würde ich hier eine Präzision für nötig halten.
    Interessant! Ist mir bislang noch gar nicht aufgefallen.

  8. Ist ein Problem, ja.
    Es gibt regelmäßig Sachen, die ich meiner Freundin zwar erzählen würde aber nicht kann, da sie bei ihr einfach nicht sicher wären.

    Ich bin zwar in der Hinsicht eher selbst ne Frau, also kein Musterbeispiel an Diskretion, aber was manche Frauen sich so an Tratsch leisten, schlägt dem Fass den Boden aus. Mir sind sogar schon zwei Freundschaften aufgrund weiblicher Indiskretion zerbrochen.

  9. Was fehlt ist der Hinweis, dass Frauenaggressivität Beziehungsaggressivtät ist und sich das Verletzen von Intimität (für Frauen ein so hoher Wert wie für Männer Status), dass dieses Verletzen sich hervorragend für Beziehungsaggressivität eignet. Das Geheimnishaben mit der „besten Freundin“ ist also in Frauenbeziehungen ein ganz starkes soziales Bindemittel, gleichzeitig aber auch die Archillesferse. Da Beziehungen bei Frauen ohnehin viel diffuser sind (hierarchisch gesehen) kreisen viele Beziehungen genau darum „Wer hat wem wann was gesagt und was bedeutet das für uns Freundinnen … der ganze Klatschpressenwald lebt davon virtuell“. Männer verstehen diese Mechanismen nicht, da sie so diffus und dümmlich, gleichzeitig aber auch ausgesprochen differenziert und vielschichtig sind.

    • „Männer verstehen diese Mechanismen nicht, da sie so (…) sind.“

      Wie ist das gemeint; bitte um Klarstellung:
      Sind die Männer so „diffus etc.“ … oder sind die Mechanismen so „diffus etc.“?

      • nein es Bezieht sich auf die Beziehungen, nicht auf die Männer.

        ein anderer interessanter Aspekt ist noch, das nicht wenige Frauen sich mit ihren Freundinnen viel mehr über Gefühle und Sorgen austauschen als mit ihrem Mann oder Partner.
        Diesen Aspekt beobachte ich besonders bei eher älteren Frauen in langjährigen Beziehungen. Wie häufig das statistisch ist kann ich aber nicht belegen.

  10. In den ersten paar Minuten geht es um die Folgen, wenn Ehe und Ehescheidungen einfach gemacht werden am Beispiel des vorrevolutionären Russland.

    • Ups …. das sollte in einen anderen post … mein Fehler.

    • @Elmar

      Um seine Quelle ein wenig zu verdeutlichen, denn es handelt sich um einen think-tank mit gehörigem bias:

      „Die Heritage Foundation ist eine Denkfabrik (think tank) mit Sitz in der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington. Das einflussreiche politische Forschungsinstitut, dessen Motto Leadership for America („Führung für Amerika“) lautet, verfolgt nach eigenen Worten die Förderung „konservativer Politik auf der Grundlage der freien Marktwirtschaft, des minimalen Staats, der individuellen Freiheit, traditionellen amerikanischen Werten, und einer starken nationalen Verteidigung“. Die Funktionsweise der Heritage Foundation hat das traditionelle Konzept der Denkfabriken grundlegend verändert und einen signifikanten Effekt auf die Innen- und Außenpolitik der Vereinigten Staaten ausgeübt.

      Die Stiftung spielte eine führende Rolle in der konservativen Bewegung während der Regierung von Ronald Reagan, dessen Politik signifikant beeinflusst war durch die Heritage Studie Mandate for Leadership.[1] Auch in späteren Jahren behielt Heritage einen signifikanten Einfluss auf die US-Politik und wird zu den einflussreichsten Forschungsorganisationen der Vereinigten Staaten gerechnet. Dieser Einfluss war dementsprechend besonders stark während der republikanischen Regierung von George W. Bush.[2]

      Die Heritage Foundation hat sich aktiv für Privatisierung, Deregulierung, einen Rückgang in den Sozialleistungen sowie militärische Präventivschläge eingesetzt. Sie spielte eine Schlüsselrolle bei der politischen Entwicklung hin zum Irakkrieg.“

      Wikipedia

      Das Problem an Molyneux ist sichtbar, er recherchiert gar nicht, sondern trägt einfach nur (ihm politisch genehmes) Fremdmaterial vor.
      Und mit „Fremdmaterial“ meine ich, es wurde ihm offensichtlich zur Verfügung gestellt, er hat es nicht selbst erarbeitet.

      Woran erkennt man das?

      Es macht bei einer Präsentation überhaupt keinen Sinn, wortwörtlich aufzuschreiben, sondern man erstellt auf der Folie Stichpunkte, die dann in eigener Sprache vorgetragen werden.

      Er hingegen liest knallvolle Powerpoint-Folien stumpf ab und vor.
      Achte mal drauf!
      Er hat auch die Grafiken zu 100% nicht selbst erstellt – oft ist ihm der Sinn dieser Grafiken in der Beweisführung selbst nicht klar.

      Damit spannt er sich selbst (oder er wird gespannt) vor einen Karren, der eine klare agenda hat.
      Das ist dann aber nicht mehr politische Information, es ist politische Propaganda.

      Schönen Gruß, crumar


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