„Feminismus: Der Traum vom warmen Eislutscher“

Ein paar interessante Thesen sind in diesem Kommentar-Artikel in „DerStandard.at“ enthalten:

Im 21. Jahrhundert und bei nahezu völliger gesetzlicher Gleichstellung von Mann und Frau fällt es dem heimischen Feminismus zunehmend schwer, reale Feinde zu identifizieren. Deshalb zücken seine Bannerträgerinnen gerne jenes Ass aus dem Ärmel, das auch dann noch sticht, wenn eigentlich nichts mehr geht: die „Kommunismus“-Karte. Die ungleiche Verteilung von Geld und (Macht-)Positionen sei „Ausdruck der Ungerechtigkeit“, die entweder dem Patriarchat und seinen Nachwehen oder einer „strukturellen Diskriminierung“ oder einzelnen machohaften Männern zuzuschreiben sei. Doch stimmt das wirklich? Gibt es die oft genannte „gläserne Decke“ tatsächlich, oder ist diese nicht viel eher in den Köpfen vieler Frauen eingezogen? Damit meine ich nicht, dass es sich bei den beanstandeten Fällen von Ungleichheit um bloße Einbildung handelt. Doch „Ungleichheit“ bedeutet nicht automatisch „Ungerechtigkeit“

Das ist eine klassische Position: Eigentlich gibt es keine Benachteiligung mehr, also macht sie sich der Feminismus selbst, in dem er hinter jeder Ungleichheit eine „Strukturelle Diskriminierung“ sieht und dafür Männer oder eben Männlichkeit verantwortlich macht. Es ist außerdem die klassische Unterscheidung zwischen „Ungleichheit“ und „Ungerechtigkeit“ oder auch „Gleichberechtigung“ und „Gleichstellung“, über deren Probleme der Gender-Feminismus auch üblicherweise ohne Diskussion hinweggeht und aus einer Ungleichheit eine Ungerechtigkeit macht ohne die Ursachen tatsächlich zu hinterfragen.

Wer beklagt, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, sollte sich – neben diversen anderen die Statistik verzerrenden nichtdiskriminierenden Unterschieden (wie z. B. Teilzeit- versus Vollzeitjobs) – folgende Tatsache vergegenwärtigen: Frauen wählen völlig andere Ausbildungs- und somit Karrierewege als Männer. 2013/14 belegten laut Statistik Austria 51.289 inländische Studentinnen Fächer aus dem Bereich der „Geisteswissenschaften“. Das sind 2,4-mal so viele wie Männer (21.296). Umgekehrt waren zu dieser Zeit nur 8421 Frauen in „Technik“-Fächern inskribiert. Männer: 30.392 – also 3,6-mal so viele. (Bei der Wahl der Lehrberufe verhält es sich ähnlich.)

Das sind durchaus beeindruckende Unterschiede. Er fällt vielleicht sonst nicht so auf, weil weniger auf „Technikfächer“ sondern auf „MINT“-Fächer oder naturwissenschaftliche Fächer abgestellt wird, bei denen Biologie, Chemie und Mathe noch relativ hohe Frauenzahlen haben.

Die Studentinnen von heute sind die Enkelkinder der „68er“. Zu unterstellen, dass sie vom Patriarchat zu einer Studienwahl gedrängt würden, die meist in schlechter bezahlte Jobs und eher selten in die Führungsebene von Industrieunternehmen führt, ist absurd.

Auch das ist kein schlechter Punkt: Die „68er“ sind nicht gerade das Patriarchat. Wir sind heute in vielen Teilen wesentlich moderner als es der Feminismus der Gesellschaft zugestehen möchte. Die meisten modernen Menschen sind für Gleichberechtigung und Emanzipation, würden aber dennoch nicht poststrukturalistischen Theorien zustimmen.

Folgende Thesen bieten sich zur Erklärung an: Frauen ticken anders als Männer und fühlen sich in Berufen wohler, in denen es weniger um Technik, Macht und Geld als um zwischenmenschliche Kontakte, Sinn und Freude geht. Vielleicht sind die meisten Frauen auch einfach ehrlicher (und klüger) und fordern deshalb weniger, weil sie wissen, dass sie sich früher oder später für Kinder und gegen die Karriere entscheiden, für ein erfülltes Leben anstatt für sinnlose Konkurrenzkämpfe und Machtspiele?

 

Auch das ist eine Sache, bei der im Feminismus eine ziemliche Doppeldenkweise herrscht. Das Frauen weniger auf Macht und Geld aus sind und eher zwischenmenschliche Kontakte suchen, auf Sinn und Freude aus sind, kann man als Argument anführen, wenn es darum geht, wie positiv sich eine Einbeziehung von Frauen in alle Ebenen, zB auch Politik oder Führungspositionen machen würde. Da wird das Argument, solange man es nicht zu offensichtlich übertreibt durchaus von Feministinnen akzeptiert, es ist eben die weibliche Perspektive, frei vom Patriarchat, an dem die Welt genesen soll. Bringt man das gleiche Argument um anzuführen, warum es dann geradezu zu erwarten ist, dass sie weniger verdienen, da die gut bezahlten Jobs dies eben nicht ermöglichen, dann ist man hingegen eine Sexist.

Er folgt noch ein gutes Schlussplädoyer:

Männer in Österreich haben statistisch gesehen eine um rund fünf Jahre niedrigere Lebenserwartung als Frauen, Letztere dürfen per Gesetz fünf Jahre früher in Pension gehen (das faktische Antrittsalter von Männern und Frauen unterscheidet sich zwar nur wenig, das liegt aber an den härteren Jobs, die Männer ausüben) und müssen weder zum Bundesheer noch zum Zivildienst. Frauen werden also per Gesetz den Männern gegenüber um etwa elf Jahre bevorzugt. Wo sind die Feministinnen, die sich über diese Ungerechtigkeit aufregen und eine Anpassung (oder besser Umkehrung: Männer 60, Frauen 65 Jahre) des gesetzlichen Pensionsantrittsalters und die Einführung der Wehrpflicht bzw. des Zivildienstes auch für Frauen fordern? Der österreichische Feminismus bekämpft mit der linken Hand das „Patriarchat“, während er mit der rechten Vater Staat ungerechte Vorteile für seine Klientel aus der Tasche zieht. Mehr Gerechtigkeit bedeutet mehr Eigenverantwortung. Und nur die führt zu echter Emanzipation.

Soviel auch zum Thema, dass der Feminismus sich für Männerinteressen einsetzt und eine Männerrechtebewegung insofern unnötig ist.