Wie häufig ist Homosexualität?

Die Wikipedia hat einen interessanten Abschnitt zur Verbreitung der Homosexualität in der Bevölkerung:

Schätzungen über die Häufigkeit von Homosexualität variieren beträchtlich und werden durch unterschiedliche, voneinander abweichende Definitionen des Gegenstands zusätzlich verkompliziert. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass Umfragen durch die sozialeStigmatisierung der Homosexualität und die damit einhergehende Tendenz zum Verschweigen eher nach unten als nach oben verfälscht sind. So schätzten sich etwa in einer repräsentativen Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2000 nur 1,3 bzw. 0,6 Prozent der in Deutschland lebenden Befragten als schwul bzw. lesbisch sowie 2,8 bzw. 2,5 Prozent als bisexuell ein. Gleichzeitig gaben aber 9,4 Prozent der Männer und 19,5 Prozent der Frauen an, sich vom eigenen Geschlecht erotisch angezogen zu fühlen.[7] Bei einer im Jahr 2003 in Australien durchgeführten Umfrage bezeichneten sich 1,6 Prozent der Männer als homosexuell und 0,9 Prozent als bisexuell; 0,8 bzw. 1,4 Prozent der befragten Frauen gaben an, lesbisch bzw. bisexuell zu sein.[8] In Kanada stuften sich bei einer 2003 durchgeführten Umfrage unter Männern und Frauen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren 1,0 Prozent als homosexuell und 0,7 Prozent als bisexuell ein.[9] In Großbritannien ergab eine Umfrage des Office for National Statistics aus dem Jahr 2011/2012, dass sich 1,1 Prozent aller befragten Personen als schwul oder lesbisch einschätzten, 0,4 Prozent bezeichneten sich als bisexuell, weitere 3,6 Prozent waren sich in Bezug auf ihre Orientierung unsicher.[10] Laut einer repräsentativen Untersuchung des Center for Disease Control and Prevention (CDC) vom März 2011 bezeichnen sich 1,7 Prozent der amerikanischen Männer zwischen 15 und 44 Jahren als homosexuell.[11] Gary J. Gates von der Universität Kalifornien untersuchte elf US-amerikanische und internationale Studien aus den letzten Jahren; danach ist der Anteil der sich als homosexuell und bisexuell identifizierenden Frauen und Männer in den USA 2004-2009 angestiegen. Im Schnitt lag der Anteil 2009 bei den nicht-heterosexuellen Frauen bei 3,3 % (1,1 % homosexuell) und 3,6 % bei den Männern (2,2 % homosexuell). Dies bedeutet in absoluten Zahlen, dass etwa 9 Millionen Amerikaner nicht heterosexuell sind.[12] Laut der US-Studie National Health Interview Survey (NHIS) von 2013 bezeichneten sich 1,6 % der US-Bevölkerung als homosexuell und 0,7 % als bisexuell.[13]

Eine Zahl um die 4% für männliche Homosexualität und 2% für weibliche Homosexualität war etwas, was ich schon häufiger gehört habe und was mir insoweit auch realistisch vorkam, 2% und 1% kommen auch immer wieder vor.

Ich kann mir vorstellen, dass Eigenbezeichnung so seine Nachteile hat um so konservativer die Gegend ist, insofern sollten die Zahlen bei Umfragen in „moderneren Zeiten“ genauer werden, zumindest in toleranten Gesellschaften.

Was das tatsächliche Sexualverhalten angeht, kam der Kinsey-Report 1948 zu dem Ergebnis, dass 37 Prozent der männlichen US-Bevölkerung nach Beginn der Pubertät „zumindest einige physische homosexuelle Erlebnisse bis zum Orgasmus“ haben und weitere 13 Prozent „erotisch auf andere Männer“ reagieren, „ohne tatsächliche homosexuelle Kontakte“ zu unterhalten.[14] Zusammengerechnet seien daher nur 50 Prozent der männlichen erwachsenen Bevölkerung ausschließlich heterosexuell und gar nur vier Prozent ausnahmslos – und über ihr gesamtes Leben hinweg – homosexuell.[15]

Ich könnte mir vorstellen, dass gerade in ältere Umfrageergebnisse auch eine Ausweichsexualität hineinspielt, da eben die weibliche Sexualität wesentlich behüteter war. Vielleicht war es da für viele einfacher mit einem Freund etwas auszuprobieren, selbst wenn man eigentlich auf Frauen stand. Das wäre dann aber aus meiner Sicht keine Homosexualität, da das Begehren nicht tatsächlich auf Männer ausgerichtet ist.

Schon bei Kinsey war der Anteil von Homosexualität an der „Gesamt-Triebbefriedung“ nichts Festes, sondern hing in hohem Maße von der jeweiligen Klassenzugehörigkeit ab. So pflegten Angehörige der unteren Schichten in dieser Zeit wesentlich mehr homosexuelle Kontakte als das Bürgertum und die Eliten.[16]

Vielleicht auch, weil da die Heiratschancen und die Überwachung besser waren?

Jüngere Studien zeigen darüber hinaus, wie sehr diese Zahlen dem historischen Wandel unterliegen können. So gaben in einer Studie zur Jugendsexualität, die 1970 vom Hamburger Institut für Sexualforschung durchgeführt wurde, 18 Prozent der befragten 16- und 17-jährigen Jungen an, gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben. Zwanzig Jahre später waren es nur noch zwei Prozent – ohne dass sich der Anteil von Jungen mit heterosexuellen Kontakten dadurch signifikant erhöht hätte.[17]

Gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen wären aus meiner Sicht nicht per se ein Anzeichen für Homosexualität. Das Absinken ist dann vielleicht eher dem Umstand zu verdanken, dass man eher ein eigenes Zimmer hat und vielleicht auch Zugang zu Pornographie. Auch gemischte Klassen und eine weniger strenge Überwachung der Sexualität dürften ihren Teil beigetragen haben

Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch erklärt diesen Einbruch gleichgeschlechtlicher Jugenderfahrungen u. a. mit der wachsenden öffentlichen Thematisierung von „Homosexualität“ und der damit verbundenen Befürchtung der Jungen, aufgrund solcher Handlungen „womöglich als ‚Schwuler‘ angesehen zu werden“.[18] Allerdings verharrte der Anteil der Mädchen mit homosexuellen Kontakten im selben Zeitraum konstant bei sechs Prozent.[19]

Ich würde vermuten, dass die Zeiten da eher liberaler geworden sind, insofern wäre ein Abschreckungseffekt merkwürdig. Ich würde ihn insofern eher mit anderen Formen der Ersatzbefriedigung erklären, was auch angesichts des schwächeren weiblichen Sexualtriebs das verharren des weiblichen Anteils erklären würde.

Ähnlich stellte auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in ihrer repräsentativen Wiederholungsbefragung zwischen 1980 und 1996 eine Halbierung des Anteils 14- bis 17-jähriger Jungen fest, die zugaben, „enge körperliche Erlebnisse“ mit dem eigenen Geschlecht gesammelt zu haben (von zehn auf fünf Prozent), während sich umgekehrt der Anteil der Mädchen, die von solchen Erlebnissen berichteten, zwischen 2001 und 2005 von acht auf 13 Prozent erhöhte.[20]

Wäre interessant, was ein „enges körperliches Erlebnis“ wäre. Das Party-knutschen mit einem anderen Mädchen, weil es irgendwie Aufmerksamkeit verschafft und kein großes Ding ist?

Die tatsächliche Häufigkeit von homosexuellen Erfahrungen hängt also zu einem großen Teil von gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen ab und kann nicht überzeitlich und für alle sozialen Schichten einheitlich bestimmt werden.

Die Häufigkeit homosexueller Erfahrungen ist sicherlich kulturell ausformbar. Die Häufigkeit tatsächlicher Homosexualität wird vermutlich eher konstant geblieben sein.

Leugnung weiblichen Aggressionspotentials

Bei Onyx werden gerade einige interessante Diskussionen geführt. Ich greife da mal zwei Kommentare raus.

Lezek führte aus:

Anne Wizorek blendet den Forschungsstand zu weiblicher Täterschaft aus, für sie sind fast ausschließlich Männer Täter und das sagt sie auch unmissverständlich. Zitat Anne Wizorek:

„Untersuchungen belegen, dass sexuelle Gewalt fast ausschließlich von Männern verübt wird und der Anteil von Frauen als Täterinnen unter ein Prozent beträgt (…)“
(aus: Anne Wizorek – Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute, Fischer, 2014, S. 115)

Hätte Anne Wizorek ernsthaft in der wissenschaftlichen Literatur zum Thema recherchiert, wäre schnell deutlich geworden, dass das nicht stimmt und dass der Anteil an weiblichen Tätern höher ist als in der pseudowissenschaftlichen radikal- und gender-feministischen Literatur behauptet.
Anne Wizoreks Unsichtbarmachung weiblicher Täter ist ein Schlag ins Gesicht für männliche und weibliche Opfer sexueller Gewalt durch weibliche Täter.

An anderer Stelle des Buches heißt es:
„Bei Vergewaltiger_innen sind zu über 90 Prozent keine psychologischen Auffälligkeiten zu finden. Es gibt keine biologische, psychische oder physische Ursache, die dafür sorgt, dass gerade Männer ihr Sexualverhalten nicht im Griff haben könnten – davon abgesehen, ist das „Argument“ der hilflosen „Triebgesteuerten“ diskriminierend gegenüber Männern.“
(aus: Anne Wizorek – Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute, Fischer, 2014, S. 117)

 

Leszek dann weiter:

“Du kannst Feministinnen vorwerfen, dass sie sich teilweise nicht von dieser Vorstellung gelöst haben. Es ist aber keine Position die primär dem Feminismus anzulasten wäre.”

Niemand außer Geschlechtertraditionalisten und Mainstream-Feministinnen hat solche Schwierigkeiten damit weibliche Täterschaft anzuerkennen.
Konservative Geschlechtertraditionalisten sind aber wenigstens so ehrlich, dass sie ihre stockkonservativen Positionen nicht noch versuchen als “progressiv” und “emanzipatorisch” zu verkaufen

Marget antwortete:

Ich dagegen beobachte, dass das Leugnen weiblichen Aggressionspotenzials ein ganz wesentlicher Bestandteil antifeministischer Diskurse ist. Keine Diskussion um Frauen in Führungspositionen oder auch nur Frauen im Beruf, in der nicht behauptet wird, Frauen würden gerne und freilwillig auf Beruf und Karriere verzichten, weil sie eben nicht “mit der Ellenbogengesellschaft” zurechtkämen.

Nein, ich präzisiere: Weibliche Agressionen werden dort anerkannt und thematisiert, wo es zu ungunsten von Frauen ausfällt: Im Täterkontext. Sie werden aber dort geleugnet oder heruntergespielt, wo es um Gleichstellungsfragen geht. Ich würde dies als zutiefst frauenfeindlich bezeichnen.

Das regt ja zu einem selbstkritischen Hinterfragen an:

Ist es ein Problem Frauen einerseits den „Schneid“ abzuerkennen, weil man meint, dass sie Wettbewerb meiden und ihnen ansonsten, wenn es für sie ungünstig ist, eine Täterrolle zuzuweisen?

Ich würde sagen nein, denn beides sind durchaus verschiedene Positionen: Man kann einen Wettbewerb meiden aber dann, wenn man sich sicher ist, dass der andere sich nicht wehrt, dennoch die Konfrontation suchen.

Ein klassischer Fall wär körperliche Gewalt der Frau, bei der sie auf den eigentlich stärkeren Mann einschlägt und sich dieser nicht wehrt.

Dazu auch:

Man kann das auch noch anders betrachten, nämlich dann, wenn man Täterschaft als Verantwortung sieht und nicht nur als Täterschaft im Sinne von körperlicher Gewalt. Wenn man Frauen also einen Anteil an gesellschaftlichen Strukturen und Anforderungen an andere Menschen zurechnet und sie nicht nur als Spielball von „struktureller Diskriminierung“ oder „gesellschaftlichen Rollen“ sieht, die alleine von Männern oder einer patriarchischen Gesellschaft errichtet werden, sieht. Wenn man sie selbst als planend, aktiv Ziele verfolgend und ihre Interessen umsetzend ansieht. Sprich: Wenn man sie als Subjekte und nicht als Objekte sieht, mit denen die Gesellschaft etwas macht, die durch Geschlechterrollen gesteuert sind.

Das kommt mir im Feminismus zu kurz.

Vgl auch:

Nirgendwo sind Frauen passiver als im Feminismus. Was eigentlich schon erstaunlich ist, weil er sich ja genau dagegen ausspricht.

 

 

„Familienleitbilder in Deutschland“

Eine Studie soll die „Familienleitbilder in Deutschland“ untersuchen. Diesbezügliche Pressemitteilung der Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung dazu findet sich hier

Dort werden die wichtigsten Ergebnisse wie folgt dargestellt:

• Elternleitbilder und Wirklichkeit klaffen auseinander 
Leitbilder der Elternschaft und Alltagspraxis sind häufig widersprüchlich. So leben immerhin 28,5 % der Befragten, die das komplementäre Elternschaftsleitbild (Vater=Ernährer/Mutter=Hausfrau) ablehnen, dennoch das männliche Alleinverdienermodell. Dies ist die Folge der noch unzureichend ausgebauten Kinderbetreuungsinfrastruktur (besonders in Westdeutschland) sowie der Mechanismen innerhalb der Arbeitswelt, die es Müttern nach Erziehungszeiten erschweren, einen Wiedereinstieg in den Job zu finden.

Das Baby ist kein Feminist (und auch kein Maskulist). Ich kenne auch einige Eltern, die geplant haben, dass sie sehr schnell wieder Vollzeit arbeitet, aber dann festgestellt haben, dass das mit einem Kind gar nicht so einfach ist. Viele wollen eben auch ein einjähriges Kind nicht in die Fremdbetreuung geben, es soll eben auch „was von den Eltern haben“.

• Leitbild der Elternschaft ist überfrachtet
Es bestehen hohe Ansprüche an die Voraussetzungen und Bedingungen für Elternschaft. So meint ein gutes Viertel der befragten 20- bis 39-Jährigen, dass Eltern ihre eigenen Bedürfnisse komplett hinter die ihrer Kinder zurückstellen sollten. Über die Hälfte der jungen Erwachsenen setzen für die eigene Familiengründung sowohl die materielle Absicherung als auch die berufliche Etablierung der Frau voraus.

Würde mich interessieren, wie die Frage hier formuliert war. Sicher werden viele sagen, dass sie die eigenen Bedürfnisse komplett hinter die ihrer Kinder zurückstellen. Schließlich sind Kinder ja auf die Hilfe der Eltern angewiesen. Es fragt sich aber, was sie konkret damit verbinden und was es tatsächlich bedeutet im täglichen Leben.

Dass viele eine materielle Absicherung und auch berufliche Etablierung der Frau voraussetzen finde ich auch verständlich: Wenn eine Frau keine Ausbildung hat, dann macht sie das im Unterhalt sehr gefährlich und entgegen der Vorstellungen von radikalen Feministinnen sind viele Männer dafür, dass auch die Frauen arbeiten, ebenso wie viele Frauen (dann vielleicht im Gegensatz zu der Vorstellung radikaler Maskulisten) durchaus auch arbeiten wollen. Wenn man etwas studiert hat, dann werden die meisten erst einmal ein paar Jahre arbeiten wollen, denn wenn sie gleich aussetzen ist die Gefahr groß, dass man nicht mehr in den Beruf hineinkommt.

• Leitbild der guten Mutter 
Hoher Erwartungsdruck an Mütter, für die Kinder da zu sein. Die „verantwortete Mutterschaft“ spiegelt den hohen individuellen und gesellschaftlich wahrgenommenen Qualitätsanspruch an Mütter wider. Über drei Viertel der Befragten sind der Ansicht, dass Mütter nachmittags Zeit haben sollten, um ihren Kindern beim Lernen zu helfen. Innerhalb der Gesellschaft nehmen sogar rund 87 % wahr, dass es diese Erwartung an Mütter gibt.

Über drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass die Mutter nachmittags die Zeit haben sollte, um ihren Kindern beim Lernen zu helfen. Das sollte man sich auch aus maskulistischer Sicht bewußt machen: Genug Männer wollen eine aussetzende Frau, die dann lieber mit den Kindern lernt und diese fördert. Ich kann mir vorstellen, dass diese Erwartungshaltung durchaus auch Männer trifft, die auch mit Kindern lernen sollen etc, wobei hier aufgrund der Rollenverteilung eben davon ausgegangen wird, dass der Job vorgeht.

• Krippenbetreuung akzeptiert, jedoch im Westen eher ältere Kinderund mit kürzerer Betreuungszeit als im Osten

Externe Betreuung von unter 3-Jährigen ist prinzipiell akzeptiert, jedoch im Westen tendenziell erst, wenn Kinder älter sind und seltener ganztags. Offenbar gibt es in einigen Teilen der westdeutschen Gesellschaft ein Akzeptanzproblem gegenüber externer Fremdbetreuung von U-3-Jährigen.

Auch das haut in die gleiche Kerbe, zumindest im Westen. Seine Kinder zu schnell fremdbetreuen zu lassen gefällt hier vielen nicht. Auch das macht eher erforderlich, dass einer der beiden aussetzt. Was dann eben eher die Frau sein wird.

• Vatersein heißt ernähren UND erziehen, aber im Alltag droht die Retraditionalisierung
Vor allem Männer glauben heute oft, beides sein zu müssen: Der „klassische“ Vater, der das Familieneinkommen bestreitet, und der „aktive“ Vater, der sich gleichberechtigt in die Betreuung und Erziehung der Kinder einschaltet. Die Vereinbarkeitsproblematik ist demnach auch für Männer ein wichtiges Thema geworden. Jedoch verändern sich durch die Familiengründung häufig die Vaterleitbilder, d. h. Väter und Mütter sehen im Vater dann wieder eher den Familienernährer.

Ich vermute, dass auch hier wieder der Praxisschock zuschlägt. Eine Betreuung durch beide in gleichwertiger Form ist meist nur schwer zu organisieren, die Arbeitsteilung ist häufig effektiver und auch finanziell günstiger.

• Verantwortete Elternschaft als Barriere für Familiengründung bzw. -erweiterung
Die Ergebnisse verdeutlichen: Je höher das Anspruchsniveau an Elternschaft ist, desto niedriger ist der Kinderwunsch. „Der Wunsch nach Perfektion erschwert Elternschaft“, sagt Prof. Dr. Norbert F. Schneider. Insgesamt geht daher vom Leitbild der verantworteten Elternschaft ein ungünstiger Impuls für die Geburtenentwicklung in Deutschland aus.

Also ein Fall von „Es passt halt nie, wir waren beide beruflich zu eingespannt“. Dennoch ein merkwürdiger Satz „von der verantworteten Elternschaft“ geht ein ungünstiger Impuls aus. Ich würde ja eher vermuten, dass beide sich bewusst sind, dass ein Kind Zeit kostet und man es dann immer weiter hinausschiebt oder teilweise auch einfach kein zweites Mal aussetzen möchte. Ich kenne Frauen, die meinten, dass ihnen aus dem Grund ein Kind reicht und sie die Phase des zuhause seins mit einem Kleinkind auch relativ langweilig fanden.

Impulse für die Politik
Politische Maßnahmen, die auf die Familie abzielen, sollen u. a. den Druck auf Eltern reduzieren helfen und die Lebensqualität von Menschen verbessern, um sie bei der Verwirklichung ihrer Lebensplanung unterstützen. „Zufriedene Eltern sind gute Eltern, denn Elternwohl und Kindeswohl gehören zusammen. Wir können das Elternwohl verbessern, indem wir z. B. stärker auf die Qualität von Krippenbetreuung setzen, Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie erleichtern, den finanziellen Spielraum durch alternative Steuermodelle erweitern oder alle
Lebensformen, in denen Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, rechtlich gleichstellen“, so Prof. Norbert F. Schneider vom BiB.

Das sind sicherlich alles interessante Ansätze. Und eine gut Akzeptanz für die Kinderbetreuung hat ja auch in Frankreich soweit ich weiß dazu geführt, dass dort Frauen mehr arbeiten als hier.

Allerdings hat man dort auch eine Art „Ehe light“ eingeführt und praktiziert wohl sehr häufig auch das Wechselmodell. Es wäre interessant, ob auch das die Bereitschaft erhöht.

 

Andere Meinungen, Feminismus und der SafeSpace

Arne weist auf einen Text hin, der schön zeigt, wie schockierend es im Feminismus gefunden wird, wenn man Kritik an den Theorien äußert. Jessica Valenti, eine bekannte Feministin und  Wendy McElroy, aus Sicht des Feminismus eine Anti-Feministin, aus ihrer Sicht eine „liberale Feministin“ sollen an der Brown-University über Rape Culture diskutierten. Weny McElroy hat folgende Einstellung zur Rape Culture, die auf RAINN Bezug nimmt:

Ein Transcript findet sich hier

Anscheinend wird davon ausgegangen, dass ein solcher Vortrag für viele Feministinnen eine unglaubliche Belastung darstellt:

Student volunteers put up posters advertising that a “safe space” would be available for anyone who found the debate too upsetting. The safe space, Ms. Byron explained, was intended to give people who might find comments „troubling“ or „triggering,“ a place to recuperate. The room was equipped with cookies, coloring books, bubbles, Play-Doh, calming music, pillows, blankets and a video of frolicking puppies, as well as students and staff members trained to deal with trauma. Emma Hall, a junior, rape survivor and „sexual assault peer educator“ who helped set up the room and worked in it during the debate, estimates that a couple of dozen people used it. At one point she went to the lecture hall — it was packed — but after a while, she had to return to the safe space. „I was feeling bombarded by a lot of viewpoints that really go against my dearly and closely held beliefs,“ Ms. Hall said.

Man könnte darauf verweisen, dass es eben ein Rückszugsraum für Traumatisierte ist, aber meines Wissens nach wird im Feminismus auch ansonsten über Rape Culture geredet, ohne das solche Zelte aufgestellt werden. Und Triggern etc kann theoretisch bei jeder Erwähnung des Themas oder auch bei anderen Elementen stattfinden.

Es ist insofern aus meiner Sicht eher eine Inszenierung, die der Tabuisierung und IDPOL dient. „Seht, diese Meinung ist so schrecklich, ich halte es kaum aus, so sehr bin ich auf unserer Seite und so sehr identifiziere ich mich mit unser Position“.

Es ist aber – da würde ich Arne zustimmen – im Gegenzug auch eine unglaubliche Infantilisierung, die der Feminismus da vornimmt: „Wir halten eine andere Meinung nicht aus, es ist zu grausam für uns, wir brauchen Katzenbilder um wieder runterzukommen“.

Wenn ein Firmenchef sagen würde, dass er für seine weiblichen Mitarbeiter einen Raum mit Keksen, beruhigender Musik und Tierbabybildern auf Dauerschleife eingerichtet hat, weil sie häufig Diskussionen nicht aushalten und ein paar Tierbabies dann helfen, dann möchte ich mal den Shitstorm sehen, der über ihn hinein bricht. „Klar, Frauen sollen nicht hart genug sein und Babies brauchen, weil ja jede Frau Babies lieben muss, sexistische Kackscheiße!!!“

Aber hier hat man ja eine andere Botschaft: Die Darstellung, wie unglaublich schlimm diese Gegenmeinung ist. Das muss traumatisieren.

Bei einigen wird es das allerdings tatsächlich: Kognitive Dissonanzen sind eben nichts angenehmes und wenn man in einer Ideologie wie dem Feminismus darauf trainiert ist, in solchen anderen Ansichten Angriffe zu sehen und die feministische Sicht als die einzig richtige, nicht hinterfragbare Meinung zu sehen, dann bewirkt eine solch vernünftig und ruhig vorgetragene Position, in der es auch noch schwierig ist, den anderen direkt dem Patriarchat zuzuordnen, weil er zum einen eine Frau ist, zum anderen angibt, selbst vergewaltigt worden zu sein und dann auch noch Feminist zu sein, natürlich wie ein Bombardement. Aufgeben kann man seine Meinung nicht, die versunkenen Kosten sind zu hoch. Also lieber zu den Tierbabies flüchten und ein paar Kekse essen.

 

Transgender in der Frauenumkleide

Hier eine aus meiner Sicht kniffelige Frage im modernen Geschlechterverhältnis:

Planet Fitness canceled the membership of a woman who complained that a transgender person was using the women’s locker room — and their response has ignited debate in the small Michigan city.

The controversy centers around an incident that happened in late February when Yvette Cormier complained over what she saw in the gym’s Midland location.

“I was stunned and shocked,” she told WNEM-TV. “He looked like a man. He did not look like a woman.”

Yvette Cormier. (Image source: WNEM-TV)

Cormier said that when she complained to the front desk and later corporate, the gym said they embrace whatever sex a person identifies with — which is sometimes not what they were biologically assigned. The woman, however, kept telling other women about the policy.

Cormier ultimately was informed by a gym representative that her membership had been revoked for violating Planet Fitness’ trademark “no judgement” policy.

“This is very unprofessional,” she told WNEM. “This is very scary.”

The gym later released a statement saying they are “committed to creating a non-intimidating, welcoming environment for our members.”

“Our gender identity non-discrimination policy states that members and guests may use all gym facilities based on their sincere self-reported gender identity,” the statement said. “The manner in which this member expressed her concerns about the policy exhibited behavior that management at the Midland club deemed inappropriate and disruptive to other members, which is a violation of the membership agreement and as a result her membership was cancelled.”

The explanation didn’t satisfy Cormier.

“I feel like it’s kind of one-sided,” she told Michigan Live. “I feel like I am the one who is being punished.”

The incident has since ignited debate in Midland, with some women sympathetic toward Cormier and others siding with the gym.

“I don’t blame her for freaking out,” one woman told WNEM.

“I know that I might feel awkward,” said another.

“He’s obviously not in there to get a woman, so I don’t see how it’s a problem,” argued one woman.

Die Interessen scheint mir die Folgenden zu sein:

  • Die Frauen wollen sich ungern vor einem Mann umziehen, sondern lieber vor Leuten mit einem weiblichen Körper
  • Die Transgender-Frau möchte als Frau akzeptiert sein und fühlt sich vor Frauen wohler.

So gesehen in der politisch korrekten Welt ein schwer aufzulösender Konflikt. Ich würde vermuten, dass die Transgender Frau zumindest wenn sie auf Männer steht, bei einer SJW-Betrachtung besser abschneiden würde. Allenfalls könnte das umschwenken, wenn eine der Frauen angibt, dass Penisse sie triggern.

Ich persönlich würde das Unbehagen der Frauen durchaus verstehen. Ich würde es auch merkwürdig finden, wenn ein Transgender-Mann, der aber körperlich deutlich weiblich gelesen wird, in der Umkleidekabine auftaucht und dort relativ selbstverständlich nackt herumläuft. Nicht, dass ich mich damit nicht sogar anfreunden könnte, wenn er entsprechend aussieht, aber ich würde es dennoch merkwürdig finden. Das typische Schamgefühl von Heterosexuellen ist eben darauf ausgelegt, dass es auf die Anwesenheit des anderen Geschlechts reagiert. Ich würde mich wohl nicht beschweren, wenn ich es denn wüsste, dass sie transsexuell wäre, aber natürlich würde man erst einmal komisch schauen.

Dabei ist es in Männerumkleiden ja noch wesentlich weniger Skandalös, wenn dort mal eine Frau durchläuft. Ich habe es schon mehrfach erlebt, dass dies geschah, sei es eine Bedienstete des Fitnessstudios, die „gerade mal die Mülleimer auslehrte“ oder eine Frau in der Sporthalle, die direkt durch die Umkleide ging mit den Worten „Ich geh gerade mal hier durch, ist kürzer, keine Angst, ich habe alles schon mal gesehen, ich gucke euch nichts weg“.

Bei Frauen hingegen ist dies ja gänzlich verpönt und die Angst vor „Übergrifflichkeiten“ und das Gefühl der „Unanständigkeit“ insofern auch noch größer.

Wenn der Körper noch vollständig männlich ist, würde ich es jetzt auch nicht als so großes Opfer sehen, in eine Umkleide für Menschen mit männliche Körper zu gehen, aber ich bin ja auch kein Transgender.

Ich würde allerdings vermuten, dass auch die meisten Transgender-Personen das so sehen würden und es eher ein besonderer politischer Akt wäre mit der reinen Aussage „Ich fühle mich als Frau, auch wenn ich nicht so aussehe, ihr habt das zu akzeptieren“ in eine entsprechende Umkleide zu gehen.

Die insofern einzige Lösung, die alle zufriedenstellt wären wohl Umkleiden mit Einzelkabinen.

Würde mich aber interessieren, wie mitlesende Frauen oder noch interessanter Transgender-Personen das sehen /praktizieren.