Chauvinismus und Feminismus

Meinungen und Deinungen stellt in einem interessanten Artikel die Definition von Chauvinismus dar:

3. Die Abwertung, Verunglimpfung und Bevormundung eines Geschlechts aufgrund der Überzeugung, das dieses Geschlecht per se dem anderen unterlegen ist und somit keine gleiche Behandlung verdient hat.

Ich ergänze um eine Passage aus der Wikipedia:

Von der Frauenbewegung wurde in den 1970er Jahren der Begriff male chauvinism (englisch für „männlicher Chauvinismus“) geprägt. Er bezeichnet patriarchalisch geprägte bzw. sich so verhaltende Männer, die glauben, allein aufgrund ihres Geschlechts einen Überlegenheitsanspruch über Frauen herleiten zu können (siehe auch Machismus). Reiner Frauenhass wird als Misogynie bezeichnet. Androzentrismus dagegen bezeichnet eine gesellschaftlich/überindividuell praktizierte Denk-, Sicht- und Orientierungsweise (z. B. von Institutionen), nach der eine Überlegenheit von Männlichkeit nicht direkt behauptet, sondern eine männlichkeitsorientierte Perspektive unhinterfragt in den Mittelpunkt gestellt wird. Das gesellschaftlich dem „Weiblichen“ Zugeschriebene wird hingegen als Abweichung vom vermeintlich Normalen aufgefasst, bis dieses somit – ähnlich wie bei anderen Zentrismen – erst indirekt, verdeckt und schließlich auch praktisch zu etwas Unterlegenem wird

Das es männlichen Chauvinismus gibt ist denke ich durchaus klar: Es gibt natürlich Männer, die meinen, dass Frauen in die Küche gehören und der Mann in der Familie und der Gesellschaft das sagen haben sollte.

Es dürfte sich jedoch entgegen feministischer Vorstellungen um eine zumindest in der westlichen Welt eher selten anzutreffende Einstellung handeln.

Interessanter finde ich die Frage, wie chauvinistisch der (radikale/poststrukturalistische/gegenwärtige) Feminismus selbst ist.

Abwertungen eines Geschlechts, von Male Tears bis zu „Dudes“ sind da ja an der Tagesordnung und von einem Ally, also einem Verbündeten, wird erwartet, dass er such unterordnet, den Frauen zuhört und versteht. Mitdiskutieren darf er nicht, den ihm fehlt dazu die weibliche Perspektive.

Insofern könnte man Deutungshoheit als eine Form des Chauvinismus sehen und auch Angaben wie „Männer können nicht diskriminiert werden“ sind in diese Richtung interpretierbar.

Im Feminismus ist das weibliche das Normale, das Gute, das Männliche ist irgendwie verseucht, toxische Männlichkeit, ein Ausdruck von Rape Culture und somit des Schlechten. Die Überlegenheit des Weiblichen und die Abwertung des Männlichen wird dabei auch nicht direkt behauptet, sondern es wird eine feministische und damit weibliche Sicht unhinterfragbar in den Mittelpunkt gestellt.

Da könnte man meiner Meinung nach durchaus chauvinistische Züge feststellen. Was meint ihr?