Warum Georg Diez sich seine eigene Kritik ruhig einmal genauer anschauen sollte

Georg Diez meckert über Reaktionäre:

Reaktionäre reduzieren die Welt. Es ist fast schon eine Kulturtechnik. Die Wahrheit so sehr verbiegen, dass sie in einen Fingerhut passt. (…)

Fluten, Stürme, Wetterdaten? Lügen!

Die Evolution? Lüge!

Frauen werden diskriminiert? Lüge!

Nimm das Offensichtliche und behaupte, dass es nicht stimmt: Du wirst überrascht sein, wie viele Leute dir glauben. Oder besser noch: Nimm etwas Positives und behaupte, dass es schlecht ist. Einfach so.

Das ist – gerade weil er im Folgenden auf Männerrechtlern rumhackt – eine lustige Zusammenstellung. Denn er stellt hier letztendlich die Leugnung der Evolution und Kritik am Feminismus auf eine Stufe, dabei ergibt sich gerade dann, wenn man die Evolutionstheorie und ihre Ausarbeitungen ernst nimmt einiges gegen die feministischen Theorien.

Und so gesehen wendet eben gerade der vorherrschende Feminsmus diese von ihm dargestellte Kulturtechnik ja durchaus an: Nimm das Offensichtliche, wie etwa den Umstand, dass es Mann und Frau gibt und das diese biologisch unterschiedlich sind und behauptet das es nicht stimmt. Oder nimm etwas positives, wie zB Heterosexualität (damit sage ich nicht, dass Homosexualität schlecht ist, es sind beides positive Sachen) und sage, dass es schlecht ist, weil es zB lediglich auf einer Zwangsheterosexualisierung beruht.

Der Trick des Reaktionärs ist dabei: Er (oder sie) macht aus der allgemeinen Überforderung eine politische Haltung. Die grassierende schlechte Laune wird zu einer Waffe gegen die, die die Welt besser und gerechter machen wollen. Das Interesse des Reaktionärs? Geld, zum Beispiel. Oder irgendeine andere Form der Gratifikation, Liebe, Hass, jedes Gefühl von gewisser Wucht und Härte gilt.

Die allgemeine Überforderung der Welt ist etwas, was man auch im Feminismus häufig antrifft. Die gesamte Welt ist patriarchisch ausgerichtet, heteronormativ, auf Männer ausgerichtet. Anders zu sein ist eine politische Haltung. Rollengerechtes Verhalten ist nicht mehr rollengerechtes Verhalten, sondern eine politische Handlung in der man diese Handlungen reclaimt. Alles ist unter diesem Gesichtspunkt zu dekonstruieren.

Reaktionäre wollen ja Widerstand, das ist geradezu ihre Berufsbezeichnung. Sie definieren sich durch die Wand, gegen die sie rennen. Der Klimawandel ist deshalb auch ein Lieblingsthema der Reaktionäre – nicht einfach oder nicht nur, weil sie von den Energie-Unternehmen oder der Ölindustrie direkt bezahlt werden. Der Widerspruch ist so laut, die Empörung ist so leicht abrufbar.

Deswegen auf der einen Seite eine Rape Culture, bei der sich viele Frauen nicht mehr vor die Tür trauen und das Patriarcht und auf der anderen Seite Staatsfeminismus und Falschbeschuldigungen und ein Feind der nicht gut sein kann. 

Es kommt da nur noch auf den Applaus an. Es zählt allein die Performance. Da ist eine Minderheit, die sich diskriminiert fühlt – lächerlich: Ich fühle mich durch sie diskriminiert! Da ist eine Regelung, die für mehr Gerechtigkeit sorgt – absurd: Ich fühle mich dadurch unterdrückt!

Nur das eben Frauen keine Minderheit sind. Sie sind sogar eine Mehrheit. Und „Gerechtigkeit“ ist eben ein sehr subjektiver Begriff. Aber einfach mal etwas positives nehmen, etwa das Einsetzen für Männerrechte und die Kontrolle eines überbordenen Feminismus und es als etwas schlechtes darstellen. In der Tat scheint er die von sich selbst aufgezeigten Werkzeuge hier fleissig anzuwenden.

Es ist, wie gesagt, ganz einfach, Reaktionär zu sein: Man muss nur sagen, dass weiß schwarz ist oder schwarz weiß, je nachdem. Das Gute: Man liegt nie daneben, man hat nie unrecht, man kann sich immer sicher sein, dass man beklatscht wird.

Was für opportunistische Arschlöcher.