„Privilegien einzuschränken ist nicht dasselbe wie Diskriminierung“

In der Reihe „Gegenargumente zu klassischen Feministischen Positionen“ heute ein ebenfalls sehr häufig kommendes Argument:

Hier noch einmal der Part auf den es ankommt:

Privilegien einzuschränken ist NICHT dasselbe wie Diskriminierung.

Die etwas länger dargestellte Position im Feminismus ist etwa so:

Männern werden in unser Gesellschaft bestimmte Privilegien gewährt, die das Leben für sie einfacher machen. Sie werden zB besser bezahlt und eher befördert. Diese Privilegierung ist sozial konstruiert und beruht auf ungerechtfertigten Eigenschaftszuweisungen. Die Männer haben dadurch einen Startvorteil bzw. einen andauernden Vorteil, der sie eher nach oben bringt als Frauen. Wenn man nun diese Privilegien wegnimmt, also beispielsweise eine Quote einführt, nach der auch ein bestimmter Anteil an Frauen im Aufsichtsrat sein muss, dann ist das nicht eine Diskriminierung von Männern, ihnen wird nur der Vorteil genommen, den sie bisher gegenüber Frauen hatten. Damit ist es kein Mittel der Diskriminierung, sondern eben ein solches der Gleichberechtigung.

Das Argument erfordert zunächst erst einmal eine Menge Annahmen, die recht unhinterfragt vorausgesetzt werden:

  • Männer müssen per se Privilegien haben
  • diese müssen unverdient zugewiesen werden
  • Frauen müssen unverdient benachteiligt werden
  • dies alles muss einen Ausgleich erfordern
  • dieser Ausgleich muss in einer Form umgesetzt werden, der dann lediglich das Privileg ausgleicht.

An all diesen Punkten kann man erhebliche Kritik üben.

Zu der Privilegientheorie hatte ich bereits einiges geschrieben:

Die Privilegientheorie an sich ist bereits so fehlerhaft, dass ihre Verwendung wenig Sinn macht. Sie stellt zudem vollkommen unreflektiert auf zahlenmässige Unterschiede ab, ohne dies näher zu hinterfragen. Häufig sind die Unterschiede eben nicht schlicht Folge des anderen Geschlechts, sondern auch Folge anderer Prioritätsetzungen im Leben, anderer Fähigkeitshäufungen, anderem Interesse an Status, Geld und Macht.

Wenn immer noch Männer den größten Teil der Überstunden machen, dann verwundert es auch nicht, wenn sie dafür besser bezahlt oder eher befördert werden.

Hinzu kommt, dass es eine reine Gruppenbetrachtung ist, die also keine Betrachtung des Einzelfalls zulässt. Selbst wenn es eine Privilegierung der Gruppe Mann geben würde, dann muss diese sich bei dem jeweiligen Mann nicht auswirken, der dann aber dennoch von Diskriminierung betroffen ist.

Damit brechen dies Grundlagen dieser Argumentation aus meiner Sicht ziemlich schnell weg.

Es ist insofern aus meiner Sicht eher eine Immunisierungsstrategie, die vor Kritik an „Privilegierungen“ (im Sinne von Bevorzugungen) von Frauen schützen soll. Es reiht sich damit in Strategien mit ähnlichem Ziel wie etwa „wohlwollender Sexismus“ ein.