„Sozialer Aufstieg durch Heirat wird schwieriger“

Der Spiegel berichtet darüber, dass inzwischen eher Menschen gleicher Bildung heiraten:

Der Arzt heiratet nicht mehr die Krankenschwester – er heiratet eine Ärztin.

Diese Entwicklung hat einen Nebeneffekt: Der soziale Aufstieg durch Heirat wird immer schwieriger – und das verringert die Aufstiegschancen generell. Sogar die steigende Einkommensungleichheit in westlichen Gesellschaften lässt sich zum Teil mit den veränderten Heiratsverhalten erklären.

Es ist aus meiner Sicht verständlich, dass sich die Schema verschieben. Denn Gleichheit ist zum einen ein in der Partnerwahl wichtiges Merkmal, zum anderen aber entsteht dies auch schlicht daraus, dass man sich im Studium oder über den Beruf kennen lernt und dann später heiratet. Eine weitere Quelle sind Freunde von Freunden, die eben dann meist auch aus einem ähnlichen sozialen Umfeld kommen.

Eine Untersuchung von Hunderttausenden US-Paaren zwischen 1960 und 2005 brachte die Erkenntnis, dass die soziale Mobilität durch sogenannte homosoziale Ehen in der Gesellschaft ab- sowie die Ungleichheit der Haushalte in Sachen Einkommen zunimmt. Auch in einer 2011 veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)wird die „Tendenz zur Paarung unter Gleichen“, als ein Grund für die wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft genannt.

In Deutschland gibt es Studien, die eine ähnliche Entwicklung nahelegen: „Der Anteil der aufwärtsheiratenden Frauen hat über die Generationen hinweg deutlich abgenommen“, schreiben etwa dieSoziologen Hans-Peter Blossfeld und Andreas Timm. Es gibt jedoch auch eine Untersuchung der Soziologen Hans-Jürgen Andreß und Martin Spitzenpfeil, die auf Deutschland bezogen zu einem anderen Ergebnis kommt: Demnach sei der Anteil der homogamen Haushalte über dreißig Jahre hinweg relativ konstant geblieben.

Aufwärtsheiraten – wir hatten es hier schon einmal in einer Kommentardiskussion – kann man natürlich auch, wenn man innerhalb bestimmter Schichten heiratet. Etwa wenn die Sozialpädagogin den erfolgreichen BWLer heiratet oder den gut verdienenden Ingenieur. Oder die Richterin den Anwalt aus der Großkanzlei.

In der Tat dürfte das aber die sozialen Unterschiede vergrößern: Nicht nur haben solche Familien mehr Einkommen, sie haben im Schnitt auch intelligentere Kinder (aufgrund der Vererbbarkeit von Intelligenz), die sie gleichzeitig besser fördern können (sowohl selbst als auch finanziell).

Ich finde allerdings sowieso, dass das Abstellen auf die Unterschiede ein schlechtes Kriterium ist, dass allenfalls in einer Neiddebatte verwertbar ist. Wichtiger dürfte sein, wie die Lebenmöglichkeiten an sich in dem jeweiligen Land sind. Ich sehe auch nicht wirklich, wie man große Unterschiede verhindern will: Nehmen wir mal als Beispiel Larry Page, Mitgründer von Google, mit einem Vermögen von 23 Milliarden Dollar. Natürlich ist das unverschämt reich. Sogar grotesk reich. Aber will wirklich jemand, dass er Google in andere Hände geben muss und seine Anteile verkaufen muss, weil es eine Obergrenze gibt, vielleicht gar an den Staat?  Oder an beliebige Investoren? Und danach muss er das Geld zwangsverprassen bis er unter eine bestimmte Grenze fällt? Da würde man sich wohl einiges an Unternehmertum abschneiden (und viele Leute müssten wohl einfach noch luxuriöser leben, damit sie das Geld selbst ausgeben und nicht weggeben müssen). Und welche Obergrenze soll das sein? Sind ein paar Millionen okay oder weniger? Die meisten Menschen dürften abgesehen von ihrem Neid Vorteile davon haben, dass es entsprechende Konzerne gibt, in denen viele schlaue Menschen wieder Arbeit finden und sich ebenfalls einen hohen Standard aufbauen können.

Aber zurück zu Männer und Frauen:

Fakt ist, dass es vor 50 Jahren für Männer noch extrem schwierig war, Partnerinnen mit demselben Bildungshintergrund zu finden. In den Universitäten gab es nur wenige Frauen. Die Studenten waren also gezwungen, ihre Partnerinnen in anderen Umgebungen zu suchen. Etwa in der Kneipe oder bei Tanzveranstaltungen.

Das hat sich geändert: Der Anteil von gebildeten Frauen in westlichen Gesellschaften ist in den vergangenen Jahrzehnten rapide gestiegen, das Verhältnis bei Abiturienten und Studienanfängern ist heute ausgeglichen. Es greift nun, was Soziologen als „Gelegenheitsstruktur“ bezeichnen: Es ist eben einfacher, als Student auf eine Studentin zu treffen als auf eine Fabrikarbeiterin. Und Gelegenheit macht Liebe. „Menschen fällt es leichter, sich in andere Personen zu verlieben, die einen ähnlichen Habitus haben, ähnlich denken und fühlen, gleiche Werte teilen, den selben Geschmack haben“, sagt Kultursoziologe Günter Burkart.

Gleiche Interessen und gleiche Vorstellungen machen die Sache in der Tat häufig leichter. Zumindest ein gewisses gleiches Bildungsniveau kann da einiges ausmachen. Wobei ja auch in der Gruppe „Studenten“ ganz erhebliche Unterschiede im denken und Fühlen und in den Werten vorhanden sein können.

Die Frauen haben es in der Hand: Sie müssen bei derPartnerwahl nicht mehr nach oben gucken – denn dort sind sie bereits angekommen. „Nun könnten sie ihrerseits nach unten schauen – doch warum sollten sie das tun? Es gibt ja viele potenzielle Partner mit einem ähnlichen Hintergrund“, sagt Burkart. Und wenn die Frau tatsächlich mehr verdient oder einen höheren Abschluss hat als der Mann? „Dafür brauchen beide ein großes Selbstbewusstsein, sonst ist dieses Modell konfliktbelastet“, sagt Burkart: „Es muss ihnen egal sein, wenn etwa Freundinnen oder Freunde über den Partner herziehen.“

Das ist auch eine schöne Weise die Aussage zu umgehen, dass viele Frauen sich sehr ungern nach unten orientieren. Und das ein gewisses Ungleichgewicht dadurch hineinkommen kann, dass Status und ein guter Job Männer attraktiver machen, Frauen aber nicht unbedingt. Und das dadurch eben Frauen auf einer hohen Position eher Probleme haben einen passenden Mann zu finden, weil Männer auf gleicher Stufe dann eben eher eine zwar auch studierte Frau, aber aus der niedrigeren Stufe auswählen.

Die Studentin, die ihre Matratze trug, Falschbeschuldigungen und Vergewaltigung

Wieder mal ist eine der vom Feminismus gehypten Vergewaltigungsfälle erheblichen Zweifeln ausgesetzt. Es handelt sich um den Fall einer Studentin an einer amerikanischen Uni, die mit einem guten Freund (ein deutscher Austauschstudent) einvernehmlichen Sex hatte, der dann aber nach ihrer Darstellung zu nicht einvernehmlichen Analsex führte. Einige Zeit später hatte sie ihn dann angezeigt, der Fall wurde aber bereits in dem „Universitätsverfahren“ eingestellt, was schon einiges heißt.
Sie macht daraus ein Kunstprojekt, in dem sie ihre Matratze mit sich herumtragen wollte, auf der sie vergewaltigt worden sein soll (unter dem Motto „Carry that weight“ (Trage das Gewicht)) bis der Student, der sie vergewaltigt haben soll, der Uni verwiesen wird.

Matratze Vergewaltigung

Matratze Vergewaltigung

Zu der Rezeption heißt es in der Wikipedia:

Roberta Smith, writing in The New York Times, described the piece as „strict and lean, yet inclusive and open ended, symbolically laden yet drastically physical.“Artnet called it „one of the most important artworks of the year,“ while Jerry Saltz named it the best art show of 2014, calling it „pure radical vulnerability“. Performance artist Marina Abramovic has said that she „really want[s] to meet“ Sulkowicz and that she was curious about what Sulkowicz’s next work would be. Sulkowicz has received the National Organization for Women’s Susan B. Anthony Award and the Feminist Majority Foundation’s Ms. Wonder Award for the piece.Hilary Clinton commented „that image should haunt all of us.”

In an interview with The New York Times, the student whom Sulkowicz accused of rape said that the mattress performance is not an act of artistic expression, but rather „an act of bullying, a very public, very personal and very painful attack designed to hound him out of Columbia.“ He says that protesters have followed him around, carrying mattresses to his classes, and posting photos and information about his everyday activities online. He has also noted that since Sulkowicz’s protest serves as her senior thesis, it is being supervised by a Columbia faculty member.

Jetzt hat der Student sich noch einmal zu Wort gemeldet und ein Interview gegeben:

Nungesser provided The Daily Beast with Facebook messages with Sulkowicz from August, September, and October 2012. (In an email to The Daily Beast, Sulkowicz confirmed that these records were authentic and not redacted in any way; while she initially offered to provide “annotations” explaining the context on the messages, she then emailed again to say that she would not be sending them.) On Aug. 29, two days after the alleged rape, Nungesser messaged Sulkowicz on Facebook to say, “Small shindig in our room tonight—bring cool freshmen.” Her response:

lol yusss

Also I feel like we need to have some real time where we can talk about life and thingz

because we still haven’t really had a paul-emma chill sesh since summmmerrrr

On Sept. 9, on a morning before an ADP meeting, it was Sulkowicz who initiated the Facebook contact, asking Nungesser if he wanted to “hang out a little bit” before or after the meeting and concluding with:

whatever I want to see yoyououoyou

respond—I’ll get the message on ma phone

Das klingt nicht nach jemanden, der sich mit demjenigen unterhält, der sie vergewaltigt hat.

On Oct. 3, Sulkowicz’s birthday, Nungesser sent her an effusive greeting; she responded the next morning with, “I love you Paul. Where are you?!?!?!?!” Nungesser claims that these exchanges represent only a small portion of their friendly communications, which also included numerous text messages. But he also says that during those weeks, they were starting to drift apart; they saw each other at meetings and parties, but plans for one-on-one get-togethers always seemed to end in “missed connections.” Nungesser says that he assumed it was simply a matter of hanging out with a new crowd and, in Sulkowicz’s case, being in a new relationship. He says that “it was very amiable; nothing was changed or different or weird or anything in her behavior.” (To be sure, many rape victims’ advocates would argue that women traumatized by sexual violence, especially by someone they trusted and cared about, may deal with trauma in ways that don’t make sense to an observer.)

After the winter break, in early 2013, Nungesser sent Sulkowicz two brief Facebook messages (one of them saying, ‘tu me manques’—French for ‘I miss you’) to which she did not respond. Then, he says, she texted him in March and suggested getting together, and they made tentative plans on which she did not follow up. Nungesser says he was not unduly alarmed, since such things had happened before.

In an email to The Daily Beast, Sulkowicz said that by the time of that exchange, she had already visited the Office of Gender-Based Misconduct to report Nungesser. “They asked me if I’d ever ‘tried talking it out’ with Paul,” Sulkowicz wrote. “So, because they suggested it, I sent him a text message listing a few times during which I would be free and said that I was ready to talk. However, when he texted me back, it hit me that there was no way I could meet him one-on-one somewhere. It triggered so much pain and fear that I couldn’t bring myself to text him back.”

Und auch „i love you“ klingt nicht gerade nach einer Botschaft, die man einem Vergewaltiger schickt. Es sind aus meiner Sicht jedenfalls Nachrichten, die einige Zweifel aufkommen lassen.

Julie Zeilinger, eine feministische Bloggerin, schreibt dazu:

There is no perfect victim. The Facebook messages highlighted in the Daily Beast illustrate that Sulkowicz had an intimate friendship and relationship with Nungesser. It’s true that Sulkowicz, like many survivors, at one point cared deeply for her alleged rapist.

„Paul was one of my closest friends, and we had had consensual sex twice,“ she says. „We used to tell each other we loved each other.“ Furthermore, the messages in question are presented in a way meant to highlight the fact that Sulkowicz continued to contact Nungesser after the assault. This too should not be surprising.

After her assault, Sulkowicz’s reaction was to seek a conversation with her rapist. „I was upset and confused. … I wanted to have a talk with him to try to understand why he would hit me, strangle me and anally penetrate me without my consent,“ she says. Sulkowicz’s response may not align with the perfect victim narrative, but it’s reflective of the fact that there is no one way to react to trauma.

This is why so many survivors stay with their abusers; the cycle of abuse is complex, personal and ultimately unknowable to anyone aside from the survivors themselves. Meanwhile, the idea that emotional intimacy prevents violation is patently false. Every state has criminalized marital rape, and yet we still seem to struggle to grasp this truth. (…)

Sulkowciz is not a perfect victim and she shouldn’t have to be, because there is no such thing. She’s a survivor and hardly the only survivor to feel put in this position. But that is why we need to change the conversation. Survivors across the country have begun to speak out, to put a face on survivorship despite the backlash doing so has caused. If we want to change the way we deal with sexual assault in America, the first step must be to listen.

„If you didn’t immediately dial 911, it doesn’t mean you weren’t raped. Everyone deals with trauma differently, depending on how we were raised, the way we see ourselves and the different ways we each handle crises,“ Sulkowciz said.

„I want other survivors to know that if you reached out to your attacker after you were assaulted, it shouldn’t discredit your story.“

Da scheint sie mir im wesentlichen zu sagen: „was auch immer sie sagt, wie unlogisch ihr Verhalten auch ist, ihr ist zu glauben“.

Ein Interview gab es auch im SZ-Magazin:

Ende August 2012 kommt Paul nach New York zurück, und die beiden treffen sich nach einer Party wieder. Sie umarmen sich, küssen sich und gehen kurz darauf gemeinsam in Emmas Zimmer. Dies ist der Moment, an dem die Geschichte der beiden verschiedene Richtungen nimmt.

Emma sagt, dass Paul ziemlich betrunken gewesen sei. Sie hätten erst einvernehmlichen Sex gehabt, dann habe er sie plötzlich ins Gesicht geschlagen, gewürgt und anal vergewaltigt. Danach sei er aus dem Zimmer gerannt.

Paul sagt, er habe an diesem Abend höchstens zwei Cocktails getrunken. Der Sex sei ausnahmslos einvernehmlich gewesen, auch der Analverkehr. Er habe sie weder geschlagen noch gewürgt, und nach dem Sex seien sie gemeinsam eingeschlafen. Im Morgengrauen sei er aufgewacht und habe duschen wollen, deshalb sei er gegangen, ohne Emma zu wecken. Ein paar Tage später hätten sie über SMS und Facebook wieder Kontakt gehabt und sich in den Wochen darauf auch einige Male auf Partys gesehen, dann aber zunehmend aus den Augen verloren.

Acht Monate später, im April 2013, zeigt Emma ihn bei der Uni an. Kurz darauf reichen auch zwei andere Studentinnen Beschwerde wegen sexueller Übergriffe gegen Paul ein.

(…)

Mattress Girl – Matratzenmädchen – so wird sie jetzt genannt. Von fremden Menschen, die sie auf der Straße ansprechen und Journalisten, die Artikel über sie schreiben. Emma findet das gar nicht lustig. »Ich bin eine Person mit einem Namen«, sagt sie, »aber die machen mich zu einem Objekt«.

Es ist ein Sonntagmorgen im Januar 2015, Emma sitzt in einem französischen Bistro im West Village, Manhattan, und hat Eistee bestellt. Als klar war, dass Paul mit dem SZ-Magazin spricht, hat auch sie einem Interview zugestimmt.

Damals, erzählt sie, sei sie auf die New York Post und die anderen Medien zugegangen, weil sie nicht habe fassen können, dass die Uni ihr nicht glaubte; und weil sie das Verfahren für dilettantisch und ungerecht gehalten habe. Ein Kommissionsmitglied habe sie zum Beispiel gefragt, ob Paul Gleitcreme verwendet habe, denn Analverkehr ohne Gleitcreme sei ja schlecht möglich. »Ich musste denen tatsächlich erklären, dass Vergewaltigungen gewaltsam sind«, sagt Emma.

Dass sie nach der mutmaßlichen Tat nicht direkt zur Polizei oder zum Arzt gegangen ist, hätten ihr natürlich viele Leute inzwischen vorgehalten. »Aber ich konnte es damals nicht mal als Vergewaltigung benennen. Ich habe mich nur gefragt, was das für eine verrückte, angsteinflößende Sache war. War er sauer auf mich? Hatte ich etwas falsch gemacht?«

Bei solchen Sätzen, wie dem markierten, bin ich immer sehr skeptisch. Wenn sie es damals nicht als Vergewaltigung benennen konnte, dann war es ja schon recht deutlich in einer Grauzone. Allerdings gehen die Versionen ja auch sehr stark auseinander. Bei Geschlagen, gewürgt und anal vergewaltigt wäre die Zuordnung ja üblicherweise nicht so schwierig. Dazu passen ihre Nachrichten noch weniger.

 

„Feminismus und Maskulismus haben dasselbe Ziel“

Via Genderama wurde ich auf diesen Artikel von Yonni Meyer aufmerksam, indem ich einige Passagen durchaus interessant finde:

Feminismus ist eine durchwegs gute Sache. Wenn er denn dem dient, was er soll: Den Frauenrechten und zwar soweit, bis sie mit denen des Mannes überein stimmen. Also keine Bevorzugung der Frau, sondern eine Gleichstellung beider Geschlechter.

Der Kampf für Männerrechte – Maskulinismus – soll genau dasselbe bewirken: Dass Männer da, wo sie heute benachteiligt sind, mit den Frauen gleichgestellt werden. Zum Beispiel bei Sorgerechtsfragen oder bezüglich Militärdienst.

Wenn sie hier „rechtliche Gleichstellung“ oder „Gleichberechtigung“ meint, und Benachteiligung nicht nur nach den reinen Zahlen („Mehr Frauen sind im Vorstand, weniger Männer bekommen Unterhalt“) bemisst, dann wäre das ja durchaus eine vernünftige Position. Ein klassischer Humanismus muss beiden Geschlechtern gleiche Möglichkeiten geben und ungerechtfertigte Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts verhindern. Da werden wohl die meisten zustimmen.

Feminismus und Maskulinismus haben, auch wenn viele Leute sie für grundverschieden, wenn nicht gar gegensätzlich halten, dasselbe Ziel: Gleichstellung.

Dass uns der Ausdruck Feminismus geläufiger ist als Maskulinismus, liegt wohl hauptsächlich daran, dass in der Vergangenheit und zum Teil auch noch heute leider bei den Frauen mehr Nachholbedarf betreffend Gleichstellung bestand und besteht als bei den Männern, das ist geschichtlicher Fakt. Dafür kann aber der moderne Mann (oder die meisten von ihnen) nichts und er verdient es deshalb nicht, heute noch grundsätzlich in die Rolle des Unterdrückenden gesteckt zu werden. Wir Frauen sind nicht mehr dieselben wie früher, die Männer aber auch nicht. Darf man nicht vergessen.

Wer nun mehr benachteiligt ist, dass ist in der Tat Ansichtssache und ich vermute, dass Yonni da recht unbefangen in die Diskussion hereinkommt. Sie wird viele der hier gängigen Studien etwa zum Gender Pay Gap oder zu anderen Punkten wie der unterschiedlichen Berufswahl nach Interessen nicht kennen und andere Sorgen von Männern vielleicht auch anders einordnen. Das macht aus meiner Sicht nichts, solange man gesprächsbereit ist und bereit sich Argumente anzuhören. Das scheint mir bei ihr durchaus der Fall zu sein.

Trotzdem erlebe ich mich und meine Freundinnen immer wieder im Kampf mit Rollenmodellen – und dies hauptsächlich, wenn’s um Liebesbeziehungen geht. Wenn man sich, wie ich zum Beispiel, in eher männerdominierten Domänen bewegt und dort kein Problem hat, mit den Jungs mitzuhalten und auch mal offen seine Meinung sagt, traut man sich manchmal fast nicht mehr, in den Armen eines Mannes auch einmal schwach zu sein, auch wenn man das gerne wäre. Man traut sich kaum noch zu sagen, dass man es schön findet, wenn einem die Tür aufgehalten wird – zu oft kamen Sprüche wie «Du wolltest doch gleichberechtigt sein, halt’ deine Tür selber auf!»

Da spricht sie ein Problem einiger moderner Frauen an: Das Gefühl, dass sie immer emanzipiert sein muss und sich insofern keine Schwäche erlauben kann, während in anderen Bereichen, gerade im Bereich der Beziehung und des Sexuellen, der starke Mann und das Werben um die Frau nach wie vor attraktive Rollen sind. Das alte Beispiel beider Seiten dafür ist das Aufhalten der Tür. Es ist ja in der Tat schön und auch eine Form der Wertschätzung, die man gerne hat und insofern ungern aufgibt. Sie ist auch Symbol dafür, dass man als Frau wahrgenommen und abseits der Arbeitsbeziehung auf ein kleines Podest der Höflichkeit gestellt wird. Es ist insofern Anerkennung der Person als Frau. Im Gegenzug wird ein Mann denken, dass es keinen Grund für eine Vorzugsbehandlung gibt, wenn sie auch ansonsten die Rollen ablehnt und ihm ihrerseits nicht als Gentlemann behandelt, dem man in diesem Spiel auch einen gewissen Status als Mann zugestehen muss, damit das Spiel Spass macht.

Dazu heißt es in dem Artikel:

Doch solche Gesten haben mit der Emanzipation wenig zu tun, sondern mit der Freude am Gegenüber und mit dessen Wertschätzung. Oder haben Sie von einer Frau schon einmal den Spruch gehört: «Wir sind jetzt gleichberechtigt, ich schminke mich nur noch, wenn du dich auch schminkst und High Heels gibt’s übrigens auch in 44, kein Problem»? Also ich nicht.

Mit ihrer ersten Einschätzung hat sie Recht: Es ist eine Freunde am Gegenüber und eine Wertschätzung. Sie beschäftigt sich aber aus meiner Sicht nicht damit, warum es dem Gentlemann gefällt, die Tür aufzuhalten. Das ist eine Frage beiderseitigen Respekts und der Wertschätzung und man darf dabei eine Seite nicht zum Diener degradieren, der die Tür aufhält.

Interessant ist aber der Vergleich mit der Schminke. Der Fehler liegt aus meiner Sicht darin, dass sie ja durchaus verlangt, dass der Mann gut aussieht oder auf andere Weise attraktiv ist. Schminke gehört da aber für einen Mann nicht dazu.

Das (emanzipierte) Grundverständnis von Mann und Frau als gleichwertige Menschen muss nicht bedeuten, dass man in einer Beziehung nicht traditionelle Rollen einnehmen möchte/darf. Im Gegenteil: Ich finde es super, mich für ein Date hübsch zu machen, ich freue mich, wenn ich meine Weiblichkeit bewusst leben kann und sie beim Gegenüber auf Freude stösst. Und es gibt Männer, die finden es toll, einer Frau die Tür aufzuhalten oder sie zum Essen einzuladen. Nur weil er mir die Tür aufhält, entmündigt er mich nicht – und nur, weil ich mich für ihn schön mache, unterwerfe ich mich ihm nicht.

Auch hier ist durchaus vernünftiges drin: Die traditionellen Geschlechterrollen funktionieren, weil sie halt bieten und bestimmte, einfache Botschaften transportieren. Und sie sind in diesem Fall eben teilweise auch einfach angenehmer für sie: Es machen sich ja beide hübsch für das Date (wobei sie meist mehr Arbeit hat). Ich würde aus Pickupsicht nicht empfehlen eine Frau beim ersten Date zum Essen einzuladen. Es ist ein viel zu formelles Setting. Besser ist es etwas trinken zu gehen, es ungezwungen zu halte und zB dabei abwechselnd zu zahlen. Aber auch das ist Geschmackssache. Es ist aus einer „Return of investment“-Sicht eher dann geeignet, wenn man schon ziemlich sicher ist, dass sie interessiert ist. Allerdings kann man alles, was man beim Essen besprechen kann, auch bei einem Bier besprechen und es entsteht dann ein wesentlich geringerer sozialer Druck zur Abwehr des Eindrucks der Geizigkeit die Rechnung zu übernehmen.

Wir sollten aufhören, Zuneigung zwischen Mann und Frau als Kampf anzusehen.

Das finde ich einen wichtigen Punkt. Die meisten Männer und Frauen spielen zumindest mit ihren Partnern und Freunden des anderen Geschlechts ein kooperatives Spiel oder planen das am Anfang, auch wenn es am Ende nicht gelingt. Wichtiger noch ist vielleicht auch der Umstand, dass man erkennt, dass Gleichheit nach Köpfen in vielen Bereichen nicht wegen entgegenstehender Diskriminierung scheitert, sondern weil Männer und Frauen verschiedene Ziele, Vorlieben und Lebensplanungen haben und insofern bewußt ihr Leben in die eine oder andere Richtung gestalten.

Gleichberechtigung dreht sich, wie das Wort schon sagt, um die Rechte von Mann und Frau. Für diese lohnt es sich wirklich, Kämpfe auszutragen! Es ist jedoch nicht das Ziel der Gleichberechtigung, uns in Neutren zu verwandeln, die bloss keinem Geschlechterstereotypen mehr entsprechen dürfen, weil uns das sofort wieder in die Steinzeit zurück katapultieren würde – weder Männer noch Frauen. Stellen Sie sich mal vor, wie seltsam die Welt wäre, wenn Männer und Frauen sich auf einmal geschlechtsneutral verhalten würden.

Das ist in der Tat eine interessante Frage: Wie wäre die Welt, wenn wir uns alle geschlechtsneutral verhalten würden? Vermutlich würden beide Geschlechter das erst einmal sehr merkwürdig finden. Was wäre überhaupt geschlechtsneutrales Verhalten? Hätten Frauen und Männer die gleiche Einstellung zu Sex? Was wäre in dieser Hinsicht dann neutral? Ein mittlerer Weg? Neutrale Menschen sind glaube ich wirklich schwer vorstellbar. Und „männlich“ und „weiblich“ können ja auch durchaus ihre gegenseitige Anziehungskraft haben, auch wenn sich jedes Geschlecht Punkte vorstellen kann, die es an dem anderen nerven. Also die Zusatzfrage: Was wäre geschlechterneutrales Verhalten? Würden Frauen genervt sein, wenn Männer „unmännlicher “ werden? Würde sich die Rollenverteilung ändern, wenn beide ein mittelmäßiges Interesse an beruflichen Status und ein mittelmäßiges Interesse an Zeit mit den Kindern hätten? Würden Männer es vermissen, dass Frauen sie in bestimmten Bereichen für Helden und starke Männer halten? Wobei dieser Wunsch nach Anerkennung ja auch nicht geschlechtsneutral ist.

Mein persönliches Fazit: Emanzipation ist nicht gleich Dominanz der Frau, sie bedeutet nicht, dass wir nun immer und überall «die Hosen anhaben» müssen – Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass alle Männer nun zu Softies werden und uns die Füsse küssen müssen.

Emanzipation und Gleichberechtigung bedeuten Freiheit – die Freiheit, dass wir, Männlein und Weiblein, gemeinsam das Beziehungsmodell leben dürfen, das für uns stimmt.

Freiheit – das ist ja in der Tat ein hübsches Fazit. Natürlich wird man sich darüber streiten, was Freiheit eigentlich ist und was man braucht, um sein Beziehungsmodell frei wählen zu können. Da sind nach wie vor spannende Fragen zu klären.

 

Rangausbildung und Dominanz bei Mädchen / Frauen und prosoziale Dominanz

Im Rahmen der gestrigen Diskusssion bin ich noch einmal auf dieses Passage aus einem Vortrag von Doris Bischof Köhler gestoßen:

Mädchen gehen eher indirekt vor. Sie suchen bei anderen Mädchen Anerkennung, die sie entweder erhalten oder die ihnen verweigert wird. Aggression äußert sich kaum brachial, sondern vor allem als sogenannte Beziehungsaggression, die im Wesentlichen auf soziale Ausgrenzung abzielt. Zwei reden beispielsweise abfällig über eine dritte oder ein Mädchen droht einem anderen Mädchen an, es nicht mehr mitspielen zu lassen oder es nicht zum Geburtstag einzuladen, um so seinen Willen durchzusetzen. Typisch für Mädchen mit Ranganspruch ist ferner, daß sie sich um das seelische Wohlbefinden der anderen kümmern, sie also im Fall von Kummer zu trösten suchen. Dieses Sich-kümmern kann schnell einmal die Form ungefragter Ratschläge annehmen. Die Psychologie spricht hier von “prosozialer Dominanz”, wobei es sich um eine Mischung aus Besorgtheit einerseits und Bevormundung andererseits handelt. Schon kleine Mädchen im Kindergarten erklären anderen gern, was gut für sie ist und was sie machen dürfen und was nicht.

Da hätten wir im Vordergrund die Suche nach Anerkennung und dann die Mittel, wie man diese im Hierachiekampf einsetzt. Dabei steht soziale Ausgrenzung relativ weit oben. Diese erfolgt entweder, indem man diejenige von Aktivitäten ausschließt oder sie bei anderen hinabsetzt.

Eine hohe Stufe des Rangs ergibt sich dann daraus, dass man diejenige nicht mehr von Aktivitäten ausschließen kann, sondern sie bestimmt, wie bestimmte Sachen durchgeführt werden, man sich also nach ihr richten soll.

Irgendwie erinnert mich das etwas an die Grundlagen von IDPOL und dem Genderfeminismus. Jede versucht nach Möglichkeit in der Gruppe anerkannt zu werden und hat Nagst vor Ausgrenzung. Zudem versucht man sich in eine Position zu bewegen, wo der Ausschluss von einem selbst negativ auf den Ausschließenden zurückfällt, eben indem man eh schon Opfer ist.

Eine tiefergreifende Kritik ist in dem Fall eine „Nichtanerkennung“ und wird daher vermieden, sofern man nicht meint, die nötige „prosoziale Dominanz“ zu haben, um den anderen mit einer Mischung aus Besorgtheit und Bevormundung behandeln zu können. Ich zitiere dazu mal aus dem Text, der der Mädchenmannschaft Förderung der Rape Culture vorwarf:

Wir sind es von Maskulisten, Antifeministen und anderen Frauenfeinden gewöhnt, dass sie die Grenze zwischen gewolltem und erzwungenem Sex aufzuheben oder zu verwischen versuchen. Und leider ist das auch im Alltagsdenken noch ziemlich stark verankert. Dagegen versuchen Feministinnen üblicherweise anzugehen. Wir als Initiative machen das zum Beispiel mit unserem Medienradar. Jetzt ist allerdings die Mädchenmannschaft in diesen Radar geraten und wir müssen leider innerfeministische Aufklärungsarbeit leisten (…)

Gewalttaten als akzeptable Handlung darzustellen gehört zum Alltagsinstrumentarium des Patriarchats, um männliche Herrschaft und Machtmißbrauch zu kaschieren und zu normalisieren. Aus patriarchaler Perspektive ja auch völlig verständlich. Nur wie kommt ein bekannter feministischer Blog, der normalerweise ambitioniert und tiefgreifend gegen jegliche Diskriminierung und Machtmißbrauch anschreibt, dazu, solcherart zu argumentieren? Das bleibt eine offene und ziemlich verwirrende Frage. Wir sind allerdings weniger an einer Antwort darauf interessiert, sondern vielmehr daran, dass diese unsägliche Verharmlosung aus der Linksammlung der Mädchenmannschaft verschwindet.

Da wird bevormundend die richtige Vorgehensweise erklärt und Besorgnis in den Raum geworfen, dass die Mädchenmannschaft vom rechten Weg abgekommen ist, auf den die Störenfriedas sie zurückführen wollen.
Die Mädchenmannschaft reagiert mit ignorieren und ausblenden der Kritik einschließlich schließen der Kommentare. Keine Anerkennung für die Störenfriedas.

Neuer Peter schrieb hier einmal in einem Kommentar zu verschiedenen Gesprächsstilen:

  • Die Feministen reden über Alltagserfahrungen und sind frustriert, wenn die Maskulisten auf dieser Grundlage stets eine Grundsatzdiskussion führen wollen und eine Positionierung zur feministischen Theorie verlangen. Aus ihrer Sicht muss das wie eine Verharmlosung dieser Erfahrungen, wie ein eristrisches Derailing wirken.
  • Die Maskulisten reden über theoretische Grundlagen, über politische Strukturen und über biologische Dispositionen. Und sind frustriert, weil sie es mit einem Gegenüber zu tun haben, der sich schlicht weigert, sich zu irgendeinem wie auch immer gearteten Standpunkt zu bekennen. Aus ihrer Sicht kommt ihnen das Gespräch vor wie ein unredliches Katz-und-Maus-Spiel, ein immerwährendes Spiel des moving target.

Wenn man davon ausgeht, dass in Diskussionen unter Frauen die Anerkennung eine wichtigere Rolle spielt als der Spaß an der Auseinandersetzung, der Wettstreit der Ideen, dann wäre es verständlicher, wenn es häufig kracht. Mit der Nichtanerkennung der feministischen Positionen lehnt man dann aus dieser Sicht gleich die Person ab und grenzt aus bzw. würde diejenige zwingen sich selbst aus der „feministischen Gemeinschaft“ auszugrenzen.

Abgesehen davon finde ich den Gedanken interessant, dass über das „Sich um jemanden kümmern“ ein Machtanspruch bzw. ein Rangplatz erkämpft wird.

Das rückt das Mädchen, welches eine Teeparty mit ihren Puppen macht, in der sie all diese Rollen spielt und sich um sie kümmert, in ein anderes Licht. Sie fantasiert sich insofern einen Freundeskreis, indem sie sich um alle kümmern und ihnen etwas vorschreiben kann, also eine Position mit hohem Rang.

Und auch eine Prinzessin ist damit als Wunschfigur gut verständlich, denn auch hier hat man eine hohe Position aus der heraus man „prosoziale Dominanz“ entwickeln kann.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum „Mansplaining“ so kritisch gesehen wird. Es ist ja eine Form der „prosozialen Dominanz“ bei der man bevormundend auftritt um dem anderen zu helfen, also in gewisser Weise Rangspiele betreibt.

Möglicherweise sehe ich gerade etwas viel prosoziale Dominanz in allen Bereichen, weil ich es als Konzept interessant finde und es neue Betrachtungen intrasexueller Konkurrenz unter Frauen bietet.

Prosoziale Dominanz kann natürlich auch positiv eingesetzt werden, wenn man die richtige Balance zwischen dem Wohl der anderen und der eigenen Kompetenz erkennt und daraus ein gewisses Selbstvertrauen ableitet. Allerdings klingt „prosoziale Dominanz“ auch gleich wieder ganz anders als etwa „Fürsorglichkeit“, als die sie gerne in Erscheinung treten will.

Ich werde es jedenfalls mal im Auge behalten.

Tchibo zu geschlechterspezifizierenden Produkten für Kinder

Im Selbermach Samstag wurde auf einen interessanten Artikel bei Tchibo hingewiesen, der das Thema behandelt, warum dort bestimmte Sachen für Kinder nach Geschlechtern getrennt, also zB in rosa oder in blau angeboten und auch entsprechend vermarktet werden.

Annina: Wir bieten tatsächlich hin und wieder geschlechterspezifizierende Produkte an. Was ich allerdings nicht verstehen kann sind die einseitigen Vorwürfe für die “Rosa” Produkte. Niemand sagt etwas dagegen, wenn wir Ritterschwerter in Blau anbieten. Und warum wird uns als “Industrie” unterstellt mit Absicht Mädchen in bestimmte Rollen zu drängen? Was sollten wir für ein Interesse daran haben? Das ist für mich so eine Frage nach der Henne und dem Ei: Was war zuerst da, die Nachfrage oder das Angebot?

Das war hier schon häufiger Thema und ich finde es auch immer wieder verwunderlich, warum man gerade auf der Grundlage der feministischen Theorien erwartet, dass sich die Industrie gegen den Strom stellt: Wenn wir in einer Gesellschaft leben, die alle in starre Geschlechternormen presst und ein Abweichen davon bestraft, dann muss jeder Hersteller, der diese Theorien ernst nimmt, Sachen herstellen, die diesen Normen entsprechen, da sich abweichende Produkte nicht verkaufen. Etwas gegenteiliges ergibt sich nur, wenn man das Patriarchat oder die Geschlechternormen bereits für hinreichend schwach hält, dass eigentlich die meisten Kunden sich davon lossagen können oder ein Verstoß dagegen nicht mehr ernsthaft verfolgt oder bestraft wird, so dass sich die Produkte verkaufen.

Also entweder nimmt man ein Unterdrückungsverhältnis und starre Rollen an, dann ist es wenig verwunderlich, dass sich die Industrie in deren Regeln bewegt oder man nimmt es nicht an, dann brechen aber andere Teile der feministischen Theorie weg.

Ricarda: 90% aller Eltern wollen tatsächlich, dass ihr Kind als Mädchen erkennbar ist. Gerade im Textilbereich gibt der Markt die Farben vor, Rosa für Jungs läuft nicht. Nicht mal als Polohemd, wie einige große Anbieter von Kindertextilien schon schmerzlich feststellen mussten. Andersherum hat zum Beispiel Ferrero ein Überraschungs-Ei für Mädchen auf den Markt gebracht, wir können davon ausgehen, dass sie sich die Bedürfnisse der Kunden ganz genau angeguckt haben.

Die Leute wollen, dass man das Geschlecht ihres Kindes erkennen kann. Und warum auch nicht: Wenn man nichts schlimmes daran findet, ein Junge oder ein Mädchen zu sein, dann ist dies durchaus ein wichtiger Teil der eigenen Identität. Wie üblich sind die Rollenzuweisungen für Jungen hier stärker. Das ist bei dem Geschlecht, auf dem die stärkere Selektion liegt, dass sich also in der Partnerwahl mehr anstrengen muss, um gewählt zu werden eigentlich auch nicht weiter verwunderlich. Wer eher ausscheidet aus der genetischen Lotterie, bei dem wird man eher darauf achten, dass er in dem Wettbewerb nicht zurückfällt, bei dem werden die Rollen strikter bleiben.

Gleichzeitig kann es sich, wie das Überraschungsei für Mädchen zeigt, lohnen, bestimmte Produkte, die bisher eher für eines der Geschlechter interessant waren, in einer Spezialedition für das andere Geschlecht herauszubringen. Ich könnte mir vorstellen, dass viele der Spielzeuge in Überraschungseiern eher Jungs ansgesprochen haben und man daher mit diesem besonderen Marketing und speziellen Produkten, die Mädchen mehr interessieren, die Zufriedenheit und damit das Interesse dort steigern konnte.

Haben Textil- und Spielzeughersteller nicht vielleicht die Pflicht, als Vorbild in Sachen Farbgebung voranzugehen?

Annina: Der Markt liefert was der Kunde will – und mit Sicherheit keine Ladenhüter. Interessant ist ja auch, dass diese Diskussion meist von der Mädchenseite aus geführt wird. Jungs-Eltern fragen eher nicht nach Feenkostümen und Pastell-Tönen für ihre Söhne. Wohlwissend, dass das in Kindergärten und Schulen von den anderen Kindern leider oft nicht toleriert wird. Und damit drängt man doch vermeintlich die Jungen genauso in eine Rolle hinein. Ist es also okay, wenn Jungs keine feminine Seite haben?

Ein wichtiger Satz ist hier „Der Markt liefert, was der Kunde will“. Ein Unternehmern, welches Produkte in die Regale legt, die nicht gekauft werden, wird nicht lange bestehen bleiben. Insofern hat ein Unternehmen wenig Interesse daran, Kinder in bestimmte Geschlechterrollen zu drängen, es will üblicherweise Ware verkaufen. Und auch der Aspekt, dass Kinder im Freundeskreis akzeptiert sein wollen, kommt häufig zu kurz. Auch Kinder bilden ihre Regeln nach den üblichen Schemata, nur sind hier andere Sachen cool oder angesagt, weil auch die Interessen und der Markt für die Kinder etwas ganz anderes ist. Wer sich hier anders verhält als die anderen, der fällt eben schnell einem „Outgrouping“ zur Last oder dessen sozialer Status kann neu geschrieben werden. Auch hier kann natürlich ein Kind mit bestimmten Verhalten durchkommen oder Vorreiter sein, wenn es ansonsten die entsprechenden Folgen tragen kann, hier wäre dann entsprechende Kleidung ein costly Signal. Aber das von einem Kind zu verlangen kann eben auch teilweise sehr hart sein. Für Kinder ist eben ihr Geschlecht ein wesentlicher Faktor, auch weil das Verhalten von Jungen und Mädchen im Schnitt sehr unterschiedlich ist.

Ricarda: Studien zeigen, dass sich Kinder im Alter zwischen 3 und 9 Jahren geschlechterspezifisch abgrenzen wollen. In dieser Zeit der Identitätsfindung ist es für Kinder wichtig, sich einer Gruppe zuordnen zu können. Also vor allem während der Kindergarten- und Grundschulzeit sind Mädchen sehr “Rosa” und Jungs sehr “männlich” (Pirat, Ritter, Feuerwehrmann). Tatsache ist doch, daß kein Kind in dem Alter gerne Außenseiter sein möchte, sondern der Gruppe angehören will. Meist hört die „rosa Phase“ nach dem 8. Geburtstag auf, dann möchte auch kein Mädchen mehr Lillyfee-Motive tragen. Dann geht’s eher in Richtung “Monster High”.

Unser Gehirn ist eben darauf geeicht, sich Gruppen zuzuordnen und nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Und in diesen Bereichen wird einem häufig klar, was und wer man eigentlich ist. Die Konzepte sind in dieser Zeit rudimentärer und damit auch strikter. Dabei muss es gar nicht so sein, dass dies schädlich ist. Dazu hatte ich bereits einmal eine passende Stelle wie folgt zitiert:

Eine interessante Beobachtung machte Trautner bei Längsschnittstudien mit anfangs auffällig streng einteilenden Kindern: Wer als Kleinkind seine Welt besonders klar in männlich/weiblich aufteilte, konnte später lockerer mit den Kategorien umgehen. Das entspricht der Alltagswahrnehmung. Männer und Frauen, die früh in eine sichere Geschlechtsrolle gefunden haben, müssen sich nicht mehr ständig ihrer sexuellen Identität durch präpotentes oder püppchenhaftes Gebaren versichern. Sie können sich auch vom Rollenklischee abweichendes Verhalten erlauben.

Die klare Vorstellung von der Geschlechterdifferenz und der eigenen Zugehörigkeit ist offenbar eine gute Basis für einen späteren freien Umgang mit Stereotypen. Man kann sich dann Interesse und sogar Freude und Spaß an der Differenz leisten. Und man kann dann auch Unterschiede ertragen. Denn Differenz, darauf weist der Sozialwissenschaftler Amendt hin, macht eben nicht nur stolz. Sie erzeugt auch Neid. Penisneid ist da bloß ein Beispiel. Nur starke Menschen halten die Unterschiede zwischen den Geschlechtern aus.

Dies macht noch einmal deutlich, dass das Finden einer Identität einem den Halt bieten kann, auch Abweichungen zuzulassen. Wie wichtig eine Identitätsfindung ist, wird ja auch an vielen Artikeln aus dem Feminismus deutlich, bei denen Leute zwischen den Identitäten stehen und daraus unbedingt eine neue Identität (zB Queer) zimmern wollen und sich dabei gegen die bestehenden Positionen, denen sie sich nicht zugehörig fühlen abgrenzen wollen.

Ist das Rollenbild von Mädchen heute weiblicher also vor 20 Jahren?

Annina: Ja, auf jeden Fall. Was wir beobachten: Das Gesellschafts-Selbstbild von Mädchen heute ist: Schönsein. Es gibt eine große Fixierung auf das Äußere, die Haare müssen lang sein, der ganze Look feminin. Topmodels und Superstars sind die Vorbilder, nicht Astrophysikerinnen. Vergleiche zwischen 1980 und 2010 belegen das.

Das kann man verschieden interpretieren, als Erstarken der starren Geschlechterrollen oder als gestiegene Freiheit, sich nach diesen zu verhalten. Das Gender Equality Paradox scheint eher für die zweite Variante zu sprechen:

Und mit der gestiegenen Freiheit, gerade auch mit der gestiegenen sexuellen Freiheit wird gleichzeitig der Wettkampf innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz unter Frauen eröffnet, so dass es kein Wunder ist, dass Schönheit eine immer größere Rolle spielt, weil es eines der wichtigsten Merkmale ist, innerhalb dessen Frauen konkurrieren.

Ihr besucht Messen und Shops in New York, London, Stockholm… Sind Mädchen und Jungs da auch streng getrennt?

Ricarda: Ja, auch auf Messen sind die Klamotten nach Jungs und Mädchen getrennt. Ökologische Beigetöne gibt’s zwar auch mal, aber die stehen kaum einem Kind. Was bei Jungs an Farben noch funktioniert ist Grün, Orange und Gelb in Akzenten. Aber schon bei Rot sagen Jungs, das sei eine Mädchenfarbe. Bei Babykleidung allerdings bieten wir tendenziell mehr Blau an als Rosa oder Rot, da manche Babymütter aus Prinzip blaue Babykleidung kaufen. Auch bei Regenhosen kann‘s ruhig dunkler sein. Übrigens: Ein Blick zu Disney spricht ja auch Bände: Die Merchandising Produkte sind streng nach Jungs und Mädchen getrennt – und sehr erfolgreich!

Annina: Stimmt, in London im Disney Shop gibt es gegenüber der Wand mit den Superheldenkostümen eine ganze Wand mit Prinzessinnenkostümen, dort allerdings auch in Hellblau und Gelb. Wie die sich wohl verkaufen?

Es mag Feministinnen ärgern, aber wenn man davon ausgeht, dass Geschlechterrollen biologische Grundlagen haben, dann ist es wenig verwunderlich, dass sich dies in den auf Verkauf ausgerichteten Waren der Händler niederschlägt. Und Superhelden bedienen eben klassische männliche Phantasien, Prinzessinnen klassisch weibliche.

Funktionieren denn Unisex Produkte? Warum macht ihr nicht alles Grün oder Gelb?

Annina: Wenn wir versuchen einen kompatiblen Mittelweg zu gehen, bleiben die Produkte meist im Regal liegen.

Ricarda: Stimmt, als wir im Frühling die grüne Trinkflasche mit Fuchs im Programm hatten, fand diese nicht gerade reißenden Absatz, auch eine Unisex Babyphase vor ein paar Jahren verkaufte sich nicht. Produkte die weder Fisch noch Fleisch sind finden keine Käufer.

Annina:  Aber auch für ein neutrales Kneteset mit dem Thema Friseursalon haben wir negative Kommentare bekommen. Die automatische Reaktion war: Friseur spielen nur Mädchen. Warum sollten Jungen da keinen Spaß dran haben? Da spielt also auch die Kundeninterpretation eine große Rolle.

Das ist eigentlich eine recht eindeutige Antwort auf die Frage, wer darüber bestimmt, welches Spielzeug in die Läden kommt. Es ist nicht die Industrie, die die Geschlechterrollen erzwingt, sondern der Kunde.

Das wird noch einmal wie folgt vertieft:

Ricarda: Korrekt, die Erwachsenen kaufen bei Tchibo ein. Tchibo Regale in Supermärkten stehen weit hinten (nicht in der Kassen-Quengelzone), auch unsere Filialen sind wahrlich nicht Spielzeugparadiese wie Disney-Stores. Müssen wir den Eltern und Großeltern Rollenbilder vermitteln? Ich denke nicht.

Die Erwachsenen erziehen, zu Lasten der eigenen Umsatzzahlen, das kann man wohl kaum einem Konzern zumuten. Interessant wäre dann, wer die Erwachsenen eigentlich erzieht, ob es die Gesellschaft ist oder diese einfach ihre Kinder kennen.

Homonormativität: Warum sich Homosexuelle nach feministischer Theorie nicht „normal“ verhalten sollen

Auf der Seite Everydayfeminism wird in einem Artikel dargelegt, warum es schädlich ist, wenn sich Homosexuelle an den Mainstream anbiedern wollen und damit das heteronormative System stützen:

Much is being written about heteronormativity, which describes the assumption and promotion that heterosexuality is the only “normal” and “natural” orientation out there, privileging those who fit the norm and positing anyone outside of this as abnormal and wrong.

Our culture is deeply heteronormative, but as queer experiences and rights become more accepted, a policing of sexual and gender expressions within LGBQ spaces is also growing. This is homonormativity.

Homonormativity explains how certain aspects of the queer community can perpetuate assumptions, values, and behaviors that hurt and marginalize many folks within this community, as well as those with whom the community should be working in solidarity.

It addresses assimilation, as well as intersection of corporate interests and consumerism within LGBQ spaces.

It also describes the assumption that queer people want to be a part of the dominant, mainstream, heterosexual culture, and the way in which our society rewards those who do so, identifying them as most worthy and deserving of visibility and rights.  

We see homonormativity every day, but it can be so entrenched in queer culture that we don’t really recognize it as problematic.

Also kurz zusammengefasst: Heteronormativität ist böse, weil dort bestimmte Werte vorgegeben werden, die eben aus deren Sicht zu einschränkend sind und lediglich den Interessen der Heterosexuellen dienen. Homonormativität ist dann die Übernahme dieser Werte durch Homosexuelle, die damit auch die Vorteile die damit in der Kultur verbunden sind, für sich sichern wollen. Damit entsolidarisieren sie sich quasi von den übrigen Unterdrückten und schließen sich den Unterdrückern an.

Turn on the TV or flip through a magazine – for each of the few times that you’ll see a queer person, they’ll more than likely be a cisgender, gender-normative, White, middle class, gay-identifying person.

From the television shows Modern Family and The New Normal to TV personalities Anderson Cooper and Neil Patrick Harris, the voices that are given space and visibility tend to be those of a particular class, of a particular gender expression, and of a particular race.

The kinds of queer relationships we see represented in the media are also limiting, in that they tend to mimic heteronormative binary gender expressions.

This is not to say that things aren’t changing – we’re gradually seeing more transgender people and people of Color being represented, but even then, their representation is limited, and often based on stereotypes.

The stereotypes and tropes of LGBQ people in media do more than simplify and minimize the complex realities of queer people; they participate in setting up a standard of a normative way to “be” LGBQ.

This standard privileges certain experiences — those of White, middle-class, gay, cisgender and gender normative identities — as being representative of all queer experiences.

This “whitewashing” goes beyond just what we see in the media around queer lives. It’s also seen in the representation of the queer rights movement, historically and today, as being largely driven by White, masculine, cisgender men.

This erasure of transgender people, cisgender women, and people of Color is not onlyhistorically inaccurate, it positions White men as the main historical and current agents of change.

Also sind die Schwulen, die sich diesen Regeln unterwerfen, nicht queer genug, sie sind zu weiß, sie verhalten sich zu sehr wie alle anderen, sie sind auch noch männlich.Quasi also weiße, schwule Männer, die sich als heterosexuelle, weiße Männer ausgeben. Und die sind bekanntlich die Quelle aller Unterdrückung.

Was wäre dann ein Beispiel für diese Übernahme heterosexueller Werte?:

Fighting for sexual liberation and equality is, of course, so much more than fighting for the right to marry, but how is the positioning of marriage equality as the major issue also promoting homonormativity?

Marriage as an issue sets up the requirement that all relationships should mimic this heteronormative standard of sexuality and family structure. It promotes the idea that all people want to emulate straight monogamous couples.

When we focus only on this issue, we exclude polyamorous and other non-normative relationship structures as acceptable, as well as, of course, those who don’t want to get married.

Even as marriage becomes inclusive of a particular kind of queer relationship, it perpetuates a policing of other kinds of relationships, maintaining the borderline of what is an “acceptable queer relationship.”

The focus on marriage challenges very little, prioritizing the legal sanctioning of one’s relationships over real relational and societal transformation.

By showing that people outside of the heterosexual norm want the same things that “traditional, straight America” wants, the marriage equality movement fights to gain access to this social institution by reproducing, rather than challenging, heterosexual dominance and normativity and using this as a basis for who deserves rights.

Hier spricht sich die Autorin also gegen die „Homo-Ehe“ aus, weil diese nicht die bestehenden Verhältnisse hinterfragt, sondern quasi bestätigt. Denn wer heiratet erklärt nach dieser Sicht, dass das die einzig akzeptable Form ist, wie Schwule oder andere Queere zusammenleben können.

Was schon deswegen keinen Sinn macht, weil auch im Heterobereich die Ehe nicht die einzige akzeptable Form ist, sondern es daneben Beziehungen, einfach nur Sex, eine wildes Durcheinander und vieles mehr gibt.

Es ist das klassische Bild: Alles kann in Sexismus oder Anbiederung an die Gegenseite umgewandelt werden, wenn man es einfach als Nicht-gut-genug definiert.

Aber das reicht auch noch nicht an Kritik, es werden noch weitere Begriffe in die Runde geworfen:

The term homonationalism takes the concept of homonormativity one step further to refer to the way in which queer people — largely White, Western gay men — have aligned with nationalist ideologies of their countries.

While homonormativity describes the alignment of queer people, spaces, and struggles with heterosexual cultural norms, homonationalism describes this alignment within the nation-state, through patriotism, nationalism, and support for a nation’s military and other forms of state violence.

Right now, queer progress is being used as a symbol of certain countries’ goodness and modernity as moral justification for wars, colonization, and occupation.

We have seen the case for women’s rights used in a similar way by Western countries.

With increasing queer acceptance, we are beginning to see this progress used to promote particular countries’ right to use violence on another, often through the intentional perpetuation of Islamophobic and anti-immigrant attitudes.

For example, homonationalism is increasingly apparent and consciously performed in Israel.

Also referred to as “pinkwashing,” we see homonationalism in the way that Israel consistently promotes the illusion that it is a “gay utopia” as a way to deflect attention away from its human rights violations against Palestinians.

Also Schwule, die sich als Bürger eines Staates verhalten, wie Heterosexuelle auch. Nur ist das bei ihnen eben Nicht-gut-genug da sie als Mitglieder der LBGT-Gemeinde höheren Standards verpflichtet sind und die Intersektionalität bedenken müssen. Demnach dürfen sie nicht patriotisch sein, schon gar nicht gegenüber einem Staat, der ansonsten Menschenrechtsverstöße begeht (warum sie da nicht die USA als Beispiel genommen haben, die ja auch genug Menschenrechtsverstöße begehen ist eine andere interessante Frage).

Das wird zudem damit begründet, dass der Staat hier die Schwulen nur benutzt um sich den Anstrich eines toleranten Staates zu geben um so die Menschenrechtsverletzungen zu überspielen.

Also Schwule, bitte seht euch nicht einfach als Bürger des Staates, seid keine Patrioten, seid am besten auch nicht weiß und macht nichts, was Heterosexuelle machen, insbesondere nicht heiraten.

Ansonsten kämpft der Feminismus aber für die Freiheit von Zwängen, jeder soll sich so verhalten können, wie er will, nur müssen dazu die Leute eben das richtige wollen: Das, was der Feminsmus als richtig ansieht. Dann aber ist man ganz frei.