Krebsvorsorge bei Männern und Frauen

In einem Beitrag kam das Thema in den Kommentaren auf die unterschiedlichen Gelder für verschiedene Krebsarten bei Männern und Frauen

Leser David schrieb dazu:

Why does research into breast and ovarian cancers receive $124 million more government funding than prostate and testicular cancers, when men are twice as likely to die from cancer?

Das ist übrigens ein Punkt, den ich noch nie so ganz fair fand.

Man kann Brust- und Prostatakrebs nicht so einfach vergleichen.

Frauen erkranken an Brustkrebs durchschnittlich ca. 20 Jahre, bevor sie ihre Lebenserwartung erreicht haben.
Wie lange sie mit Erkrankung noch zu leben haben, hängt soweit ich weiß dramatisch von den Methoden und Verfügbarkeit der Früherkennung ab.

Männer erkranken an Prostatakrebs durchschnittlich ca. 10 Jahre, bevor sie ihre Lebenserwartung erreicht haben. Es erkrankt nahezu gar niemand vor 45, und die Lebenserwartung wird durch die Diagnose nicht dramatisch gesenkt. 87% leben nach 5 Jahren noch, ein Großteil der Erkrankten stirbt letztlich an anderen Ursachen als dem Karzinom.

Ich bin natürlich kein Arzt, aber es kann doch handfeste onkologische Gründe haben, warum das Funding sich für Brustkrebs aktuell mehr lohnt. Manche Krankheiten lassen sich eben schon von ihrer Natur her besser bekämpfen als andere.

Nicht zuletzt ist die Gynäkologogie auch ein größeres Fach als die Urologie, es gibt mehr Patientinnen, Untersuchungen und dementsprechend mehr Ärzte in diesem Feld.

In einem Kommentar darunter meinte Toxicvanguard:

Z.b. für USA :

http://www.cancer.org/cancer/breastcancer/detailedguide/breast-cancer-key-statistics

http://www.cancer.org/cancer/prostatecancer/detailedguide/prostate-cancer-key-statistics

Also ca 28k vs 40k; beim Funding gehen die meisten Organisationen davon aus, dass es sich irgendwo zwischen 2:1 und 3:1 für Brustkrebs steht (staatlich ist der Unterschied meistens schon 2:1 und die Menschen spenden eher für Brustkrebs. Alles in allem ist das sicherlich nicht ganz fair, aber zu verkraften; alleine der Einsatz von Geld sagt sicherlich nicht viel über die tatsächlichen Durchbrüche und Erfolge aus (Siehe Alzheimerforschung, die viel, viel mehr Geld verschlingt.)

Das Problem ist auch wieder, dass Männer als Kollektiv die überwältigende Menge an Geld zahlen (in Amerika sind die Versicherungen durchs Band höher für Männer, teilweise sicher auch in Deutschland, da diese Beträge zumindest teilweise Einkommensabhängig sind). Dazu kommt noch, dass Brustkrebs/Prostatakerbs ein relativ “faires” Beispiel ist; übliche Männererkrankungen (durch Arbeit, Belastung oder Drogen/Psychische Abhängigkeiten) stehen viel schwächer im Fokus, bei psychischen Problemen wird generell sehr viel mehr für Frauen getan, Männer werden im Schnitt früher wieder aus dem Spital nach Hause geschickt etc.

Kurzum das ganze Gesundheitssystem ist überspitzt formuliert ein asoziales System, das sich mit dem Geld der Männer um die Krankheiten von Frauen kümmert und ist in keinem Fall ein sozialer Dienst, sondern eine Transferanstalt mit eindeutig Stereotypen Geschlechtsbildern. Klar, das Beispiel für Brust versus Prostatekrebs ist nicht gerade das beste (Weil es z.B statistisch tatsächlich mehr Sinn macht, in Vorsorge für Brustkrebs zu investieren), das Grundproblem ist aber viel grösser.

Dazu meinte David wieder:

also ca 28k vs 40k

40k Brustkrebstote, wohlgemerkt.
Man muss wirklich den Unterschied berücksichtigen, dass die Diagnose Brustkrebs für die Restlebenserwartung einfach verheerender ist.
Zudem liegen die 5yr-Survival rates bei Prostatakrebs noch bis weit in Phase 4 hinein noch bei fast 100%. Diesen Stand der Prognose hat Brustkrebsforschung halt noch nicht erreicht.

Das Beispiel eignet sich ja dennoch als Argument gegen die schamlose feministische Lüge, dass westliche Gesellschaften frauenfeindlich seien und dem Leben von Frauen weniger wert beimessen würden.

Aber das hier geht mir wirklich zu weit:
ein asoziales System, das sich mit dem Geld der Männer um die Krankheiten von Frauen kümmert und ist in keinem Fall ein sozialer Dienst, sondern eine Transferanstalt mit eindeutig Stereotypen Geschlechtsbildern.

Ich will nicht, dass Männer vom Gesundheitssystem besser behandelt werden, nur weil sie höhere Beiträge bezahlen. Genau das soll ein soziales System nämlich nicht tun.

Ich finde es richtig, die Missverhältnisse anzusprechen, aber nicht auf solche Weise.

Bei dem Argument “bei psychischen Problemen wird generell sehr viel mehr für Frauen getan” lese ich immer ein wenig “male hypoagency” heraus. Denn Männer nutzen diese Angebote einfach zu wenig. Außerdem setzen sie sich zuwenig für psychosoziale Aspekte im Arbeitsschutz ein. Frauen schaffen sich wiederum eher gute Arbeitsbedingungen, dafür aber schlechtere finanzielle Bedingungen. Hängt natürlich alles miteinander zusammen (vor allem wenn Frau weiß, dass Ehemann ja gut verdient und sie daher andere Prioritäten setzen kann).

Da das Thema schon häufiger aufgetaucht ist, stelle ich es mal mit diesen Kommentaren zur Diskussion.