Erst Freundschaft, dann Beziehung?

Auf der Seite ABtreff stellt jemand eine interessante Frage:

„Freundschaft bevor, oder erst nach den Sex und der Anfang der Beziehung?“

Dabei stellt er unter Verweis auf meinen „Friendzone-Artikel“ darauf ab, dass man im Pickup meint, dass es eine bestimmte Reihenfolge gibt:

Frauen sollen zuerst Anziehungskraft und Sex wollen – womit sie die Männer auch an sich zu binden versuchen – und kummern sich erst nachher um die freundschaftliche beziehung. Diese sex sollte auch möglichst schnell statt finden.

Mein Problem dabei ist, das Sex mit eine Frau haben, wenig Bedeutung dafür hat, ob ich mit  diese Frau auch tatsächlich eine Beziehung will. Ich finde tausend mal mehr Frauen ausreichend attraktiv, um damit Sex haben zu können, als es Frauen gibt, womit ich mir eine Beziehung vorstellen kann.

Sogar wenn der Sex umwerfend wäre, würde ich die frau nachher dennoch verlassen, wann es in Sachen freundschaft und Kompatibität nicht funktioniert (…)

Deswegen möchte ich schon mal zuerst eine Freundschaft, und zumindestens einige klare Hints über unsere Kompatibilität, bevor ich mich auf den Sex einlasse – sicher auch deswegen, weil ONS und unverbindlicher Sex für mich nicht in Frage kommen.

Wenn ich zu schnell mit eine Frau, die ich kaum noch kenne, schlafen würde, und eine Beziehung anfangen würde, ist die Chance, das ich sie sie später dennoch verlassen wird, des wegen das es  einfach zwischen uns nicht passt, viel und viel zu groß – ich schätze, ich würde die meisten Frauen wieder verlassen müssen. Wann diese Theorie stimmt, hätte ich nicht viel andere Wahl als PUA zu werden (und mich durch hunderten Schlafzimmer durch zu wurschteln, bevor ich mal zufälligerweise auf eine richtige stoße), oder für ewig Single zu bleiben.

Da hat er aus meiner Sicht meine Ausführungen oder die anderer aus dem Bereich Pickup falsch verstanden.

Richtig ist, dass im klassischen Pickup dazu geraten wird, zuerst Attraction herzustellen, also ein gewisses sexuelles Interesse, und danach erst Komfort. Das ist allerdings auf den Flirt an sich bezogen und auch erst einmal nur auf das Interesse. Es wird dabei davon ausgegangen, dass eine Frau zunächst erst einmal sexuell an einem Mann interessiert sein muss, damit es überhaupt zu einer Partnerschaft kommen kann und das sie dann das nötige Vertrauen und/pder die tieferen Gefühle aufbauen muss, um dann diesem sexuellen Interesse auch nachgehen zu können.

Es ist also nicht so, dass man erst mit ihr Sex hat und dann eine Freundschaft aufbaut. Sondern, dass man erst sexuelles Interesse überprüft und dann die nötige Verbundenheit und es danach üblicherweise erst zum Sex kommt.

Natürlich kann man auch auf Männerseite erst eine Freundschaft aufbauen – entweder indem man die sexuelle Spannung so lange hält, bis man sich sicher ist, dass es passt oder indem man versucht, sie später nachträglich zu erzeugen.

Das ist eben nur der schwierigere Weg, was daran liegt, dass die Frau sich hingehalten fühlt oder man schon zu „normal“ geworden ist, um sexuelle Spannung zu erzeugen.

Ich denke eine Frau kann da einen Mann deutlich besser hinhalten, weil es in das typische Geschlechterschema passt, dass sie warten und ihn kennenlernen will. Wobei der Zeitraum sicherlich auch inzwischen kürzer geworden ist. Ab einer gewissen Zeit beständigen „Datens“ würde ich auch eher davon ausgehen, das sie zu konservativ für mich ist und wir bereits aufgrund ihrer Vorsicht was Sex angeht nicht zueinander passen.

Ich persönlich kann die Vorteile von „erst Freundschaft, dann Sex“ nicht so richtig nachvollziehen, man merkt ja eigentlich recht schnell, ob jemand einigermaßen kompatibel ist und ich würde sogar behaupten, dass sich Beziehungskompatibilität auch erst in einer Beziehung zeigt, Freundschaftskompatibilität kann da schon etwas anderes sein.

Aber andererseits hatte ich auch nie Probleme mit den Frauen, mit denen ich eine Beziehung eingegangen bin, eine Freundschaft/Beziehung herzustellen.

Das mag bei jemanden, der damit große Probleme hat, anders sein. Er muss dann wohl so oder so die passende Frau finden, die entweder direkt zu ihm passt oder die ebenfalls viel Zeit braucht, um die Gefühle und die Kompatibilität zu klären.

Hier noch ein Text, der sich ebenfalls dafür ausspricht erst Freundschaft zu haben:

From what I have observed, guys tend to lose respect for females who they are able to bed easily. It’s not that hard to grasp, if you told me that I needed to complete work in order to earn my money, rather than it just being handed to me, I would 1.) WORK, and 2.) Appreciate the money I have earned as I immediately know the value of it, value being the comparison or work to money ratio, e.g., 1 hour/£10. I’d understand that in order to make another £10 I’d have to do another hour on the clocks. I feel that this ideology can be applied to sex. If a guy doesn’t have to work for it, how does he then weigh up the value? How does he determine whether you are girlfriend material or just a general 24/7 convenience store? A guy confused is just as bad as him thinking a female is not girlfriend material, as at that point in time he will have no intentions of committing.

So now I’ve stressed the importance of having sex prematurely I want to explain the role which friendship plays. Friendship can only be formed after the process of finding out what someone is about, what they want in life or even what they want from you. When getting to know someone we look out for tell tale signs which show that they are compatible enough to view this person as a potential friend, why is it so hard to use the same process to view whether someone is a potential mate? We all have standards and morals which we try to uphold (well some of us do anyways), so when we find someone who somewhat understands and/or also upholds them too, we feel a compatibility. An extreme example, which I’ll use to put it into perspective, would be meeting someone who is pro murder when you are against; automatically you may feel as though it is something you feel so strongly about that you don’t want to involve yourself with that person. What I am trying to say is that the friendship process is the best way to find out whether you and the person, in question, are on the same wavelength. Having sex before this stage can cause confusion; you could find yourself catching feelings for a stranger.

Das wäre also die These, dass Männer zwar schnellen Sex gern mitnehmen, aber damit auch eine Bewertung der Person verbinden: Bekommen sie den Sex nicht schnell und arbeiten dafür, dann ist die Person auch mehr wert. Und gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass Freundschaft Zeit braucht, in der man quasi das „Wahre ich“ desjenigen erforscht und das Sex diesen Vorgang erschwert, weil die dabei erzeugten Gefühle den Blick verstellen: Man weiß dann nicht, ob man denjenigen mag, weil die Bindungshormone und die Glückshormone des Sex zuschlagen oder ob man ihn wirklich mag.

Auch hier meine ich, dass es die tatsächliche Seelenverwandschaft nicht gibt und man sich in jeder Beziehung abstimmen muss und Kompromisse eingehen muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass man das wesentliche Fenster verpasst, wenn man zu lange wartet oder das man dann überrascht ist, wie sich alles verändert, wenn man dann die „richtige“ (also sexuelle) Beziehung hat, ist aus meiner Sicht groß. Damit will ich nicht sagen, dass es nicht klappen kann: Gerade wenn zwei Menschen heute bereit sind, so lange zu warten, dann werden sie wohl schon in dieser Hinsicht eine gewisse Kompatibilität haben, die sie bei vielen anderen, die das nicht einsehen würden, nicht haben werden.

Ich habe nichts gegen eine Kennenlernphase, bei der man etwas mehr über den anderen erfährt. Diese ewig rauszuziehen und eine tatsächliche Freundschaft vorher zu entwickeln würde mir aber keine Vorteile bringen.

 

9 Gedanken zu “Erst Freundschaft, dann Beziehung?

  1. Es ist mir zwar oft genug passiert, dass sich mit einer Frau, mit der ich Sex hatte, hinterher eine Freundschaft entwickelt hat, ob mit Beziehung oder ohne.

    Allerdings gab es auch immer Frauen, mit denen ich nur befreundet war. Es wäre mir komisch vorgekommen, mit einer von denen Sex zu haben, nach dem ich schon mit ihr befreundet war. Da hätte es einfach keine Spannung mehr gegeben.

    War eine Frau bei mir erstmal in der Friend Zone, hatte ich an Sex mit ihr kein Interesse mehr, an einer Beziehung erst Recht nicht.

    Erst Attraction, dann Komfort, das kann klappen. Gibt es aber zuerst Komfort, ist Attraction perdu.

    • @salvatore

      Ich denke auch, dass es bei einer reinen Freundschaft immer etwas schwieriger wird, weil man sich auf bestimmten sozialen Grenzen eingerichtet hat. Zumal es ja auch häufig einen Grund gab, dass man nur befreundet war und nicht darüber hinaus geflirtet hat.
      Wobei es das ja durchaus gibt, gerade wenn sich die Lage verändert, zB wenn einer von beiden dann wieder solo wird.

      warum man das bewußt versuchen sollte, also ganz bewußt es erst auf einer Freundschaftsschiene bleiben sollte über längere Zeit, leuchtet mir aber auch nicht ein

  2. Das scheint mir auch so ein Thema, wo immer wieder irrtümlich feste Regeln aufgestellt werden, obwohl es zu individuell unterschiedlich ist.

    Ein Kumpel von mir lästerte Mal über Kerle in der Friendzone, sie würden sich unter falschen Vorgaben an Frauen heranschmeißen… Ich (selbst häufiger Friendzone-Bewohner) war überrascht, da es mir eher andersherum erschien: Man muss doch jemanden erstmal als Mensch kennenlernen, ehe man eine Beziehung zu ihm haben will.

    Ebenso von der „Gegenseite“: Für manche Frauen sind Freunde als Sexualpartner grundsätzlich ausgeschlossen, da das zwei grundverschiedene Schubladen sind, bei anderen sind Übergänge möglich. Da lässt sich nirgendwo was in Stein meißeln.

    • @dmj

      „Ich (selbst häufiger Friendzone-Bewohner) war überrascht, da es mir eher andersherum erschien: Man muss doch jemanden erstmal als Mensch kennenlernen, ehe man eine Beziehung zu ihm haben will.“

      Wie viel Zeit würdest du denn dafür veranschlagen?

      • Völlig unterschiedlich! Ich sehe da auch keine absolut klaren Schubladen… womit ich allerdings nicht allzu gut fahre. 😉

        Gefühlt meine ich aber halt, es sollte kein Zeitlimit geben: Man lernt jemanden kennen, man versteht sich und meist gibt es keinen konkreten Moment, wo der Groschen fällt, dass man mehr will (denn die bloße sexuelle Anziehung hat man ja schon gleich festgestellt und die heißt nun einmal für uns Männer nicht allzu viel). Wie erfolgsversprechend das ist, steht auf einem völlig anderen Blatt, mir geht es halt nur darum, dass es völlig verschiedene Wege hin zum Beziehungswunsch gibt.

        • @DMJ

          „Völlig unterschiedlich! Ich sehe da auch keine absolut klaren Schubladen… womit ich allerdings nicht allzu gut fahre. ;)“

          das du damit nicht gut fährst würde immerhin den klassischen Theorien entsprechen.

          „Gefühlt meine ich aber halt, es sollte kein Zeitlimit geben: Man lernt jemanden kennen, man versteht sich und meist gibt es keinen konkreten Moment, wo der Groschen fällt, dass man mehr will (denn die bloße sexuelle Anziehung hat man ja schon gleich festgestellt und die heißt nun einmal für uns Männer nicht allzu viel)“

          Erfährst du denn so tiefgreifende neue Sachen über die Leute? ich würde sagen, dass man die meisten Leute ja schon einigermaßen einschätzen kann, wenn man sich 2-3mal mit ihnen getroffen hat. Das würde mir für die Einschätzung, ob ich eine Beziehung versuche (was ja nicht bedeutet, dass der Versuch nicht scheitert) durchaus reichen würde

          „Wie erfolgsversprechend das ist, steht auf einem völlig anderen Blatt, mir geht es halt nur darum, dass es völlig verschiedene Wege hin zum Beziehungswunsch gibt.“

          Welche Charaktereigenschaften entdeckst du da denn so spät, dass der Beziehungswunsch daraus erst entsteht?

        • „das du damit nicht gut fährst würde immerhin den klassischen Theorien entsprechen.“
          Ja, ich will mich hier auch hüten, strategisch zu beraten. 😉

          Aber es ist nicht so, dass ich im Kennenlernen einen bestimmten „Wissenstand“ erreiche, um jemand von der Kumpelin zum Love Interest zu befördern. Vielleicht wende ich eine Art PU gegen mich selbst an, indem ich mir gewissermaßen selbst Komfort schaffe – wenn ich den habe herstellen können, weiß ich, dass ich mit der Person auch allgemein zusammenleben könnte.

          Andere Frauen begehre ich körperlich durchaus mehr, schätze sie auch als Gesellschaft, weiß aber, dass eine Liebesbeziehung nicht funktionieren würde, einfach, weil ich ihnen gegenüber etwas steif (hum-hum) bleibe. Wenn ich einer Frau gegenüber etwa keine Schwächen zeigen mag, weiß ich, dass da kein Beziehungspotential ist, denn in einer solchen müsste auch das gehen. Aber wenn man jemanden noch nicht lange kennt, bewahrt man ja in der Regel immer Haltung.

  3. Das liest sich wie eine klassische Ursache für das Friendzone-Abo: Man wartet zu lange mit der Anziehung. Bei anderen Leuten nimmt man es so wahr, als ob sie ohne jedes Wohlfühlen gleich in die Kiste steigen würden.

    Mag bei einigen wenigen so sein, viele sind nur geübter darin, sich gegenseitig auf wichtige Kriterien abzuklopfen. Und anderen tut es auch nicht weh, nach einer Nacht und ein wenig gemeinsamer Zeit danach festzustellen, dass es doch nicht mehr wird.

    Ich würde es vielleicht umgekehrt sehen: Dem anderen das Gefühl von Geborgenheit zu geben ist super – das ist keinerlei Widerspruch zur sexuellen Anziehung, sondern im Gegenteil eine gute Voraussetzung dazu. Wer also kein Typ für ONS ist, kann eventuelle Partner darauf abklopfen, ob beides gleichzeitig mitschwingt beim Gespräch. Alles andere kann man eh vergessen.

    Wer halbwegs souverän auftritt und glaubwürdig vermitteln kann, dass er eine Langzeitstrategie fährt, wird vielleicht weniger schnelle Treffer haben (an denen er ja auch nicht interessiert ist), dafür aber bei einigen anderen eine viel bessere Ausstrahlung haben als die klassischen Baggerer. Dafür ist es aber notwendig, sich nicht auf das zu verlassen, was man sowieso schon drauf hat, sondern das zu üben, was einem bisher schwer gefallen ist.

  4. Freundschaft und Partnerschaft sind für mich zwei sehr unterschiedliche Dinge, daher wundere ich mich nicht, dass eine Freundschaft selten zur Partnerschaft wird. Ich suche da ganz unterschiedliche Dinge. Meine Partnerin muß gar nicht in meinen Interessen übereinstimmen, auch wenn sie natürlich ungefähr dieselben Werte haben muß. Ich hatte aber auch schon Bettgeschichten mit feministischen Frauen.

    Meine Freunde müssen zum Freundeskreis passen, meine Partnerin nicht. Mit meinen engen Freunden spreche ich auch über Sex, mit meiner Partnerin kommuniziere ich mittels Sex. Das wichtigste an meiner Partnerin ist der Geruch, auch metaphorisch gesprochen.

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