Selbermach Samstag 123 (14.02.2015)

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„Transgender wissen, welches Geschlecht welche Privilegien hat“

Auf Vice stellt Paris Lee, der man das Frausein abnimmt, dar, welche Unterschiede sie beim Auftreten mit dem anderen Geschlecht wahrnimmt:

Ich bin eine Transgender-Frau, was bedeutet, dass ich mal ein Mann war. Zwar ein total mädchenhafter Mann (der dafür gehänselt wurde, ein total mädchenhafter Mann zu sein), aber eben ein Mann. Zumindest machte ich nach außen hin den Eindruck. Inzwischen bin ich eine echt heiße Bitch—sowohl innerlich als auch äußerlich—und erzähle euch jetzt erstmal alles über die ganzen verschiedenen Arten an Gender-Privilegien, die ich in den letzten Jahren selbst erleben durfte.

Am Privilegienbegriff kann man natürlich einiges kritisieren. Er ist nicht nur viel zu starr und zu sehr auf Gruppen bezogen, er wird gerade im Feminismus und Queertheorie auch viel zu einseitig gebraucht. Auch ob Paris Lee als eher „mädchenhafter Mann“, der aber eh meinte im falschen Körper zu sein, alle Anforderungen an die Männerwelt, die sozusagen „Antiprivilegien“ sind, richtig erfasst hat, zumal sie auf Männer stand, also den Anforderungen von Frauen in der Hinsicht weniger ausgesetzt war, wäre eine andere Frage.

Dennoch kann das eine interessante Perspektive sein. Hier die Darstellung, wo sie nach ihrer Meinung Privilegien abgeben musste:

Das ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als ich mit meinem damaligen Freund unterwegs war und wir in eine Kneipe gingen, um dort nach dem Weg zu fragen. Das Arschloch hinter der Theke schaute meinen Freund an und antwortete ihm, obwohl ich ihn angesprochen hatte. Er behandelte mich wie jede andere Frau auch—nämlich beschissen.

Das wäre dann Kompetenz in der Wegbeschreibung, bei der eher Männern zugetraut wird, dass sie diese verstehen.

Er war damit zwar der Erste, aber definitiv nicht der Letzte. Als ich mir mit meinem damaligen Freund ein neues Handy kaufen ging, fing der Verkäufer an, ausschließlich mit ihm über die ganzen technischen Details des Gerätes zu reden, und das obwohl er genau wusste, dass ich mir ein neues Handy zulegen und auch bezahlen würde. Natürlich verließ ich den Laden, ohne was zu kaufen.

Das wäre dann Kompetenz in technischen Sachen. Die ja in der Tat sehr häufig eher bei Männern vorhanden ist. Solche Gewohnheiten bilden sich denke ich auch durchaus deswegen, weil viele Frauen die in Begleitung eines Freundes ein Handy kaufen, genau deswegen mitkommen um solche Fragen zu beantworten. Und das man sich darüber dann angewöhnt, den Freund direkt anzusprechen, weil es effektiver ist. Das wäre natürlich dann dennoch unhöflich gegenüber der Frau, die tatsächlich technisch interessiert ist, aber bei starken Häufungen dürfte meist die Gewohnheit siegen.

Noch als Mann war mir nie bewusst, wie unhöflich, laut und generell nervig Männer sein können (natürlich nicht alle, aber trotzdem!). Bei Meetings, bei Familientreffen und eigentlich überall wird über Frauen hinweggeredet. Falls du dich als Frau in einer Gruppe Männer befindest, dann viel Spaß beim Gehör verschaffen. Ich habe sogar schon miterlebt, wie ein einzelner Mann eine ganze Gruppe Frauen herumkommandierte. So ein Arschloch.

Das wäre dann in der feministischen Sicht „Raum einnehmen“. Wäre aber die Frage, ob es die Frauen insgesamt stört oder eher ihn. Männer und Frauen haben sicherlich einen anderen Gesprächsstil. Ich kenne allerdings auch genug Frauen, die in Gesprächen das Heft an sich nehmen können. Das sind dann oft andere Gespräche, etwa Erzählungen über Freunde, während in vielen Diskussionen eher Männer führend sind.

Frauen bekommen für die gleiche Arbeitsposition immer noch weniger bezahlt als Männer.

Da brauche ich hier nichts mehr zu zu sagen (Punkt 12 + 13).

Deswegen hört es sich jetzt vielleicht nicht nach viel an, wenn im Arbeitsumfeld über dich hinweggeredet wird, aber das ist eben nicht nur verdammt unhöflich, sondern es fördert auch die Ungleichheit, die Männer so privilegiert macht. Man sieht also: Das Dasein als Mann ist allein schon deswegen ein Privileg, weil dein Umfeld auch mal die Klappen hält und dir zuhört.

Aus meiner Sicht hört man Frauen eher in den Bereichen zu, in denen ihnen per Geschlecht eine gewisse Kompetenz zugewiesen wird und bevormundet da eher Männer. Wäre vielleicht interessant, wenn beide ein Küchenfachgeschäft betreten und eine neue Küche kaufen wollen.

Und dann zu den Privilegien der Frauen:

Eine Frau zu sein hat schon gewisse Vorteile—zumindest wenn man jung und hübsch ist. Beispiele? Du bekommst kostenlos Pommes, deine Koffer werden dir hinterhergetragen und Türen werden für dich aufgehalten. Halt das ganze unzeitgemäße und sexistische Zeug, das wir eigentlich nicht mögen sollten, ich aber ehrlich gesagt am Anfang doch ziemlich genossen habe.

Dann fing ich an, selbst Geld zu verdienen, und plötzlich fühlte sich das alles ein bisschen bevormundend an. Irgendwie hat es doch etwas Nerviges an sich, wenn man mit Schwarzfahren davonkommt, der Taxifahrer dir ein paar Cent nachlässt oder dir die Typen in den Bars zwei Shots zum Preis von einem einschenken, nur weil du weiblich bist. Das alles heißt doch eigentlich, dass Frauen die Fähigkeit abgesprochen wird, den vollen Preis zu zahlen, etwas hochzuheben oder irgendetwas selbst zu machen. Irgendwie ist es—ganz offen gesagt—aber auch irgendwie witzig. Ich nenne das Ganze den „Frauenrabatt“.

„Benevolent Sexism“ bzw. wohlwollender Sexismus ist wie man hier sieht ein sehr guter Frame, um Privilegierungen zu vernachlässigen. Da sind klare Vorteile plötzlich Nachteile. Weil sie bevormundend sind. Das ist natürlich eigentlich auch dann der Fall, wenn man meint, dass der Mann Ahnung von Technik haben muss, den Weg verstehen muss oder eben Karriere machen muss. So gut wie alle Vorteile werden Nachteile haben.

Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass Frauen bei all dem Privilegienquatsch den Kürzeren gezogen haben. Bei Männern ist es zum Beispiel viel unwahrscheinlicher, dass sie vergewaltigt werden. Keine Ahnung, aber ich finde einfach, dass das ein besseres Privileg ist, als die Tür aufgehalten zu bekommen.

Klar ist das ein besseres Privileg. Aber was ist das bessere Privileg wenn man „mehr Zeit mit der Familie und den Kindern verbringen können“ mit „eher Opfer von sonstiger Gewalt zu sein“ vergleicht oder „Die Kinder bei einer Scheidung eher verlieren“ mit „wird mitunter lüstern angeschaut“? Solche Vergleiche sind insofern reichlich unergiebig.

Und weitere Privilegien von Frauen:

Wie schon eben gesagt, ziehen Frauen in Sachen Privilegien oft den Kürzeren, aber das wird auch durch andere Sachen wieder kompensiert. Die Leute vertrauen mir jetzt zum Beispiel mehr. Als Frau kannst du in der Öffentlichkeit Kinder anlächeln und die Eltern nehmen nicht sofort an, dass du pädophil bist. Wenn ich damals als junger Mann in Kapuzenpullover und mit Baseball-Cap unterwegs war, hatte das Sicherheitspersonal ständig ein Auge auf mich—darüber beschweren sich auf oft junge schwarze Männer. Seit meiner Umwandlung wurde ich noch nie des Ladendiebstahls bezichtigt (auch dann nicht, als ich ganz dreist geklaut habe). Das ist ganz schön.

Frauen wird beigebracht, vor der großen weiten Welt Angst zu haben, aber ich fühle mich jetzt tatsächlich sicherer. Männer können in der Öffentlichkeit ein aggressives Verhalten an den Tag legen—das ist dann ein Zeichen ihrer Männlichkeit. Wenn man jedoch keine heterosexuellen Privilegien besitzt und als Schwuler angesehen wird (so wie es bei mir der Fall war), dann bekommt man ziemlich wahrscheinlich die Fresse poliert. Als femininer Mann hatte ich damals weniger Privilegien als jetzt als feminine Frau. Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal in der Öffentlichkeit wirklich Angst hatte. Da ist es mir doch lieber, wenn mich jemand bevormundet, indem er mir die Tür aufhält, als das irgendein Arschloch mit mir einen Streit vom Zaun brechen will.

Das sind ja durchaus einige Pluspunkte, die erheblich sind „es wird einem weitaus weniger schlechtes zugetraut, selbst wenn man es tut“, „man wird weitaus weniger verdächtigt“ „man muss weniger Angst haben, Opfer von Gewalt zu sein“.

Und weiter:

Ich wünschte, ich könnte euch hier eine aufregende Geschichte erzählen, in der irgendein Typ vor mir eine Beförderung bekommen hat, aber die Wahrheit sieht folgendermaßen aus: Ich bin eine überaus erfolgreiche Frau, trotz der ganzen Männer, die über mich hinwegreden wollen, mich bevormunden und ein großes Drama um meine Kleidung machen. Weitere Vorteile? Ich kann das Herz auf der Zunge tragen und bekomme Frauenrabatt. Ach ja, und natürlich meine Titten, die habe ich ganz vergessen. Ich weiß, dass Titten manchmal auch echt nervig sein können, aber liebe Frauen, sie sind eigentlich echt toll. Das sage ich als Frau, die auf ihren schönen Vorbau etwas länger warten musste. Ja, das Titten-Privileg ist definitiv keine Einbildung.

Also sagen können, was sie will, sie ist trotzdem erfolgreich, Frauenrabatt und Tittenbonus.