„Im Feminismus meint ein Wort das, was es an Gefühlen transportiert“

Bei MundD hat only me eine interessante Theorie aufgestellt, bei der es darum geht, dass im Feminismus deswegen mit „Akkordeon-Definitionen“ von Wörtern gearbeitet wird, weil es gar nicht auf die Worte, sondern auf deren Wirkung, also quasi das damit transportierte Gefühl ankommt.

Only Me dazu:

Wenn du davon ausgehst, dass ein Wort eine Bedeutung hat, dann ist es naheliegend und kaum zu verweigern, irgendeine Art von Definition oder wenigstens Eingrenzung zu geben.

Das ist aber nicht der Fall. Feminismus begrenzt keine Begriffe, gibt keine Kriterien, was gemeint ist und was nicht.

Ich habe seit heute die Arbeitshypothese, dass das damit erklärbar wäre, dass “Bedeutung” für einen Feministen nicht wichtig ist. Es geht nicht um Bedeutung, Definition, Kriterium. Das sind alles irrelevante, nicht mal wahrgenommene Dimensionen eines Wortes.

Relevant ist stattdessen die Wirkung.

Beerdigt Wittgenstein, hoch lebe Searle. Sprechakt ist alles, Bedeutung ist nichts.

Das zusammen mit Konstruktivismus, dass es keine objektive Realität und damit keine objektive Interpretation des (Sprech-)Aktes gibt, scheint mir den kompletten feministischen Umgang mit Sprache zu erklären.

Ein Wort meint das, was es bei MIR auslöst.

Patriarchat = Ich habe das Gefühl, durch mein Frausein ungerecht behandelt zu werden.
Vergewaltigung = Ich habe, auch nachträglich, das Gefühl, dass ich das nicht wollte.
Wage Gap = Ich und meine Freundinnen hätten gern mehr Geld und wir haben das Gefühl, die Männer unserer Umgebung haben mehr Geld.

Geh weg mit Kriterien; geh weg mit Definitionen; geh weg mit Objektifizierungsversuchen. Das einzig Reale ist das Subjektive und da vor allem die Empfindung.

Vergiss “bedeutet”, Hallo “löst aus”

Das würde zumindest die Unschärfe in vielen Bereichen erklären, bei der man Begriffe beliebig ausdehnen kann, wenn es einem besser gefällt, wenn man sie also gefühlsmäßig so erweitern möchte.

In dem Buch „Professing Feminism“ beschäftigen sich die Autorinnen auch mit dieser Unschärfe, eben unter dem bereits verwendeten Begriff des Akkordeonprinzips (Alles kann ausgezogen oder zusammengeschoben werden, wie es gerade passt). Dort wird das folgende Beispiel genannt:

The game of Accordion Concepts gets under way when academic feminists “theorize” the slogan. An example is Adrienne Rich’s redefinition, noted in an earlier chapter, of lesbian to include all women who put energy into, or who identify with, the life projects of other women, regardless of whom they happen to sleep with or be in love with. On this redefinition, Catharine MacKinnon, the radical feminist legal theorist who has appeared in newspaper photos arm in arm with her fiance, Jeffrey Masson, becomes a prototypical lesbian because of her intense political commitments to the cause of women. To be sure, Rich’s essay is more subtle than this, because she at least introduces a continuum, permitting the drawing of some distinctions. If taken literally, however—which it often is in Women’s Studies courses—her extension-by-definition of lesbian rules out the possibility of conceiving either of a nonfeminist lesbian or of a nonlesbian feminist. Such semantic sorcery benefits neither the lesbian rights movement nor the cause of feminism.

Hier wird der Begriff der „Lesbe“ stark ausgeweitet, um ein In-Grouping durchführen zu können. Es ist ausreichend, dass sie sich irgendwie (aber dann wahrscheinlich doch wieder auf die richtige Weise) mit Frauenanliegen beschäftigen. So kann man dann auch den Slogan retten „das alle Frauen Lesben sind“ und insofern den Bereich der Zwangsheterosexualität gleichsetzen mit der Unterdrückung der Frau.

Mir scheint hier auch zugleich ein Spiel mit „Feld und Festung“ vorzuliegen: Wenn man bei dem Begriff „Patriarchat“ in die enge gedrängt wird, dann wird dieser von der „Herrschaft der Männer“ eben zur „allgemeinen Unterdrückung der Frauen durch gesellschaftliche Strukturen“. Von da aus kann man dann mit ein paar Verallgemeinerungen („die Strukturen sind auch alle von Männern/der hegenomialen Männlichkeit geschaffen“) wieder auf den Ausgangspunkt zurückkehren: Das einzig Feste scheint insofern tatsächliche die Wirkung und die gefühlsmäßige Botschaft zu sein, die richtige gefühlsmäßige Botschaft, die Wahrung de Gruppenidentität als Opfer. Die eigentliche Begründung und die Aufschlüsselung dieser mit genauen Definitionen spielt dann eine untergeordnete Rolle.

In das Konzept scheint mir auch der Begriff der „Truthiness“ von Colbert:

In der ersten Sendung wurde truthiness vorgestellt. Das Wort beschreibt den Umstand, etwas aus dem Bauch heraus zu wissen, ohne auf Beweise oder Vernunft abzustellen. Gemeint ist eine „Wahrheit“, die dadurch entstehe, dass sie sich intuitiv wahr anfühle, nicht jedoch den wirklichen Gegebenheiten entsprechen müsse. Die New York Times zählte truthiness zu den neun Wörtern, die den Zeitgeist des Jahres 2005 am besten wiedergaben. Die American Dialect Society wählte truthiness zum Wort des Jahres 2005.

Ein Video dazu, in dem Colbert das Wort erklärt, findet sich hier.

Es geht auch in die Richtung, dass die Begründung eigentlich nicht wichtig ist, sondern, dass es sich richtig anfühlt.

Ähnliche Konzepte sieht man auch in „Whitepassing ist kein Privileg„, indem deutlich wird, dass der Begriff der „Person of Color“ eigentlich keine „Color“ mehr benötigt und auch bei sehr weißen Personen angewendet werden kann, wenn sie sich nur hinreichend unterdrückt fühlen können. Da wird dann mit Begriffen wie „BPoC (Black People of Color)“ teilweise wieder eine Unterkategorie geschaffen, weil der Begriff sich für Schwarze nicht mehr speziell genug anfühlt und gleichzeitig wieder als Oberbegriff von „WPoCs (spasshaft in den Kommentaren des Beitrags für „White Person of Color“) verwendet, weil sie sich in der Kategorie befinden wollen.

Letztendlich ist es in vielen Fällen schlicht auch eine Frage der Identität: Das Patriarchat, das ist die Outgroup, die Männer, die Mitmacherfrauen, die schlechten Allys, alle die irgendwie gerade nicht passen, zur Not eben auch die Mädchenmannschaft. Die InGroup, dass sind alle, die zur eigenen Identität gehören sollen, seien das Lesben, PoCs, Frauen oder wer auch immer. Welcher Oberbegriff bezüglich dieser Identität verwendet wird, ist dann egal.

Diese Identität ist dann auch auf Begriffe und Konzepte wie Vergewaltigung/Rape übertragbar: Dessen Identität ist das böse, dass irgendwie den Willen umgeht oder zu schlechten Gefühlen führt, die man nicht abwehren kann. Alles, was diese Wirkung hat, kann dann auch wieder Vergewaltigung sein. Damit ist auch alles ein Anzeichen für die Rape Culture.

34 Gedanken zu “„Im Feminismus meint ein Wort das, was es an Gefühlen transportiert“

  1. Abgesehen davon, dass Wittgenstein und Searle nicht wirklich in eine Opposition gehören und der Bezug auf die beiden dem Gegenstand des Kommentars entschieden zu viel Ehre antut, finde ich die Situationsbeschreibung sehr treffend. Es ist die Kommunikationsform einer narzisstischen Gesellschaft (insofern ist das nicht auf Frauen oder Feministinnen beschränkt), aber vor allem der Feminismus macht ein politisches und »wissenschaftliches« Prinzip daraus.

    Und wenn man dem eigenen Narzissmus zuviele Spiegel aufstellt, erhält man ein Labyrinth, in dem man sich leicht verirren kann. Was einem großen Teil des Netzfeminismus passiert ist.

    • @djadmoros

      „finde ich die Situationsbeschreibung sehr treffend. Es ist die Kommunikationsform einer narzisstischen Gesellschaft“

      Meiner Ansicht nach sind Bedeutung und Kommunikation strikt zu trennen. Wer letztere aus ersterer entstehen lassen will, ist ein Intentionalist nach H.P.Grice, Dawid Lewis und Jonathan Bennett haben die Idee von Grice aufgenommen – meiner Ansicht nach erfolglos.

      Ich bin noch unsicher, was ich von all dem halten soll, halte aber Feministen für alles andere als sprachanalytisch reflektiert, deren Verständnis von Sprache vermutlich auf Foucault zurückgeht. Im Moment glaube ich eher, daß eine zur Epistemologie gehörende Praxis dahintersteckt: djadmoros, wir müssen dringend unsere Diskussion des Konstruktivismus nachholen.

    • @ ddbz

      „Wenn dem so ist, sind ernsthafte Gespräche mit Feminist.I.nnen eigentlich sinnlos, wenn nicht unmöglich?“

      eine neue Erkenntnis?

      wohl kaum….

      „Man weiß dann eigentlich nie über was man gerade redet.“

      Doch, eine fühlt es, das reicht ihr….

      • „eine neue Erkenntnis?“

        Für mich nicht. Scheint aber vielen noch nicht klar zu sein.

        „Doch, eine fühlt es, das reicht ihr….“

        Ja, das ist dann wohl ein Problem. Die feministische Gespräschspertnerin fühlt ein x als y und sich sonst gerade gut. Dann stößt sie aus Versehen ihre Grüner Tee Tasse um und ärgert sich deswegen schwarz. Sie fühlt sich gerade also nicht mehr so gut und entsprechend x plötzlich als z …. Kann man sich das dann so etwa vorstellen?

        • @ ddbz

          Jeder von uns unterliegt einem Wahrnehmungs-Bias…die meisten von uns können das aber reflektieren…wir sind zumeist in der Lage, uns zu „rejustieren“, korrigieren…

          Wenn wir aber unsere Befindlichkeit als Referenzpunkt nehmen, den Bias gar als „authentisch“ verklären, koppeln wir uns von der Realität zunehmend ab.

          Neuröschen, aber auch deftige Persönlichkeitsstörungen wie Borderline zeichnen sich diesbezüglich dadurch aus dass eine Reflexion, Korrektur, Rejustierung nicht möglich ist.

          Für dysfunktionale Persönlichkeiten, wie zum Beispiel die feministischen, ist die Realität nur eine Projektionsfläche für den eigenen Hirnknötchen und -kötchenprojektor.

          Das ist bedauerlich, aber schwer zu ändern.

    • @ddbz

      „Wenn dem so ist, sind ernsthafte Gespräche mit Feminist.I.nnen eigentlich sinnlos, wenn nicht unmöglich? Man weiß dann eigentlich nie über was man gerade redet. :-(“

      Natürlich können sie dennoch sinnvoll sein, man muss sich bei bestimmten „Gummibegriffen“ nur bewußt werden, dass sie auf eine andere Art verwendet werden. Das kann man dann ja auch thematisieren und damit beispielsweise die teilweise beliebigkeit dieser Begriffe deutlich machen.
      Wenn das die Botschaft ist, die bei einem dritten nach einem solchen gespräch ankommt – der radikale Feminismus arbeitet mit vagen Begriffen, deren Bedeutung dem Zweck angepasst wird und die wenig Halt haben – dann wäre bereits ein wichtiger Schritt gemacht

      • @ christian

        „Natürlich können sie dennoch sinnvoll sein,…“

        Du bist ein Guter, aber wir haben eine dezidiert unterschiedliche Vorstellung von Sinnhaftigkeit.

        Dir ist es unvorstellbar, dass Deine brillianten kognitiven Fähigkeiten angesichts emotionaler Ver- Rückung impotent sind.

        Erinnert mich an die Mütter, die ihrem trotzigen Kleinkind stundenlange Referate darüber halten, dass es für sie und die Menschheit eigentlich viel sinnvoller wäre, nicht trotzig zu sein.

        😉

        • @ratloser

          „Dir ist es unvorstellbar, dass Deine brillianten kognitiven Fähigkeiten angesichts emotionaler Ver- Rückung impotent sind.“

          Nein, ich habe nur eine ganz andere Auffassung davon, was eine Diskussion bewirkt als du. ich gehe nicht davon aus, dass eine Diskussion die andere Seite überzeugen wird. Vielleicht macht es sie sogar radikaler.
          Aber das ist auch nicht das Ziel. Wichtig finde ich:
          1. Das man seine eigene Position Kritik aussetzt und sie damit verbessert oder deren Fehler findet oder innerhalb des Prozesses sich mit den Gegenpositionen auseinanderzusetzen seine eigene Position besser versteht. Das ist mir schon häufig passiert. Diskussionen machen mich besser, weil ich darüber nachdenken muss, warum die anderen Unrecht haben oder ob meine Position angreifbar ist. Ich entdecke in der Regel in Diskussionen etwas neues.
          2. Das man anderen darstellen kann, dass die eigene Position gut durchdacht ist und aus einer Diskussion mit den besseren Argumenten hinausgehen kann. Damit verbunden: Das es eine Position ist, die man sachlich und vernünftig vertreten kann und für die man kein Feind einer Gruppe sein muss. Das finde ich nach wie vor sehr wichtig für einen Bereich wie den Maskulismus: Er ist vielen Anfeindungen ausgesetzt, er gilt als aggressiv und Frauenfeindlich. Das behindert ihn meiner Meinung nach stark

    • „Wenn dem so ist, sind ernsthafte Gespräche mit Feminist.I.nnen eigentlich sinnlos, wenn nicht unmöglich? Man weiß dann eigentlich nie über was man gerade redet.“

      Es geht darüber hinaus.
      Auch wenn das Thema klar ist, kommt die altbewährte Taktik.

      Ein bisschen aus der Soziologie „weißt du, es sind nicht alle Feministinnen, Eskimos … gleich.“
      Und nicht zuletzt, so tun, als ob ein Machtgefälle bestünde, in der sich Feministin, die ja auch Frau ist (Vertreterin der Unterdrückten), gegen ein altes mächtiges System verteidigt.
      Vertreter dieses mächtigen Systems ist praktisch jeder, der ihr widerspricht.

      Wobei wohl noch zwischen Frau, die ein ahnungsloses (naives) Oper ist und Mann, der automatisch ein Vertreter (mindestens – naiver – Profiteur) dieses mächtigen Systems ist, unterschieden wird.

      Sodann hat Frau Feministin, die ja in Opposition zu einem (bösen) System steht, das (pubertäre) Recht: von ihrem – Guten Gefühl – geleitet, den Vertreter der Unterdrücker nach einer logischen Stringenz – seines Handels – zu fragen.
      Der Vertreter der Unterdrücker soll sich – aufgrund eines erfundenen Machtgefälles – rechtfertigen.

      Findet sich alles in dieser kleinen Plauderei: Schlotte Kamuffel (Opfer) und markus, der seine Rolle als Vertreter des Unterdrückersystems nicht annehmen will.
      Das ist doch so gemein. 😀 → https://schlottekamuffel.wordpress.com/2014/07/19/privilegiert-joggen-gehen/

      „Man kann solchen Gesprächen nur durch die Zuschauer einen Sinn geben.“

      Ja, so ist das 😀

  2. Erinnert mich an die Positionen der mittelalterlichen katholischen Kirche, die da „den Teufel“, „das Böse“, „die Erbsünde“ für gesellschaftliche Missstände verantwortlich machte.

    Da ging es auch nicht um die Definition, sondern um die Festigung der eigenen Gruppe.

  3. Ein lustiges Fundstück:

    Eine schwedische Gender-Biologin (!) am Institut für Geschichte der Humbug-Universität Berlin (wo sonst): http://hu-berlin.academia.edu/MalinAhKing

    Hat einen Doktor(!)titel in Zoologie aus Stockholm und will nun wissenschaftlich in diesen Bereichen arbeiten:
    1. Problematisierung des „stabilen“ biologischen Geschlechts
    2. Sozialgeschlechts(?)-Stereotypen sichtbar machen und Heteronormativitätstheorie+ Forschung
    3. Entwicklung eines theoretischen Grundgerüstes zum Verständnis des biologischen Geschlechtes als variabel und sich stetig ändernd

    Ua, selbst HJ Voß hat es in der Wissenschaft nur bis zum Diplom ausgehalten. Die hat sogar einen Bio-Dr.!

    • @axel

      https://www.uni-marburg.de/genderzukunft/aktuelles/news/genderperspectivesbiology.pdf

      This lecture explores how scientists‘ notions of
      gender have influenced theories and research on
      bacteria, cells, brains, hormones and animal behaviour.
      The history of sexual selection theory
      shows that stereotypic notions about females and
      males have lead to the overlooking very important
      issues, such as female multiple mating. Over
      time and due to criticism, stereotypic notions of,
      for example, ”coy” females have been abandoned.
      Overcoming these biases have led to entire new
      research fields and the exploration of a diversity
      of phenomena.

      Multiple Mating wird natürlich behandelt. Schon unter dem Gesichtspunkt Spermienkonkurrenz und Mate Guarding. Aber der Einstieg läßt nichts gutes ahnen.

      Würde mich aber durchaus interessieren, was sie da schreibt.

      Es scheint einige Artikel von ihr online zu geben:

      http://link.springer.com/article/10.1007/s11692-010-9101-8/fulltext.html

      It is common to refer to all sorts of clear-cut differences between the sexes as something that is biologically almost inevitable. Although this does not reflect the status of evolutionary theory on sex determination and sexual dimorphism, it is probably a common view among evolutionary biologists as well, because of the impact of sexual selection theory. To get away from thinking about biological sex and traits associated with a particular sex as something static, it should be recognized that in an evolutionary perspective sex can be viewed as a reaction norm, with sex attributes being phenotypically plastic. Sex determination itself is fundamentally plastic, even when it is termed “genetic”. The phenotypic expression of traits that are statistically associated with a particular sex always has a plastic component. This plasticity allows for much more variation in the expression of traits according to sex and more overlap between the sexes than is typically acknowledged. Here we review the variation and frequency of evolutionary changes in sex, sex determination and sex roles and conclude that sex in an evolutionary time-frame is extremely variable. We draw on recent findings in sex determination mechanisms, empirical findings of morphology and behaviour as well as genetic and developmental models to explore the concept of sex as a reaction norm. From this point of view, sexual differences are not expected to generally fall into neat, discrete, pre-determined classes. It is important to acknowledge this variability in order to increase objectivity in evolutionary research.

      http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1420-9101.2004.00823.x/full

      Evolution of male care is still poorly understood. Using phylogenetically matched-pairs comparisons we tested for effects of territoriality and mating system on male care evolution in fish. All origins of male care were found in pair-spawning species (with or without additional males such as sneakers) and none were found in group-spawning species. However, excluding group spawners, male care originated equally often in pair-spawning species with additional males as in strict pair-spawning species. Evolution of male care was also significantly related to territoriality. Yet, most pair-spawning taxa with male care are also territorial, making their relative influence difficult to separate. Furthermore, territoriality also occurs in group-spawning species. Hence, territoriality is not sufficient for male care to evolve. Rather, we argue that it is the combination of territoriality and pair spawning with sequential polygyny that favours the evolution of male care, and we discuss our results in relation to paternity assurance and sexual selection.

      https://hal.archives-ouvertes.fr/hal-00571312/document

      Sexual Selection Revisited – Towards a Gender-Neutral
      Theory and Practice

      ABSTRACT In a recent issue of this journal, Vandermassen suggested that feminists
      should include sexual selection theory and evolutionary psychology in a unifying
      theory of human nature. In response, this article aims to offer some insight into the
      development of sexual selection theory, to caution against Vandermassen’s unreserved
      assimilation and to promote the opposite ongoing integration – an inclusion
      of gender perspectives into evolutionary biology. In society today, opinions
      about maintaining traditional sex roles are often put forward on the basis of what
      is natural and how animals behave. However, the natural sciences have proved to
      be pervaded by gendered values and interests; Darwin’s theory of sexual selection
      has been criticized for being male biased, and partly due to the unwillingness of
      Darwin’s scientific contemporaries to accept female choice, research has been
      overwhelmingly focused on males. More recently, theory has become less gender
      biased and research has come to include a large variety of issues not present in the
      first version of the theory. However, there is a need to increase the awareness of
      gender bias in order to develop a gender-neutral evolutionary biology

      Unwillingness bezüglich „Female Choice“? Wo nimmt sie denn das her?

      Wenn ich mal Zeit habe, dann schaue ich da mal rein

      Das scheint auch interessant zu sein:
      http://www.diva-portal.org/smash/get/diva2:329592/FULLTEXT01.pdf#page=212

      Und das war schon mal hier diskutiert worden:
      http://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.1001851#pbio-1001851-g004

      Da geht es darum, warum männliche Genitalien im Tierreich eher erforscht werden, war hier Thema
      https://allesevolution.wordpress.com/2014/05/11/die-verschiedenheit-weiblicher-lust-und-weiblicher-orgasmusfahigkeit/#comment-121970

        • ät Evochris:

          Och, mach doch nicht immer so viele Englischzitate.
          Die Stellungnahme von Kokko ist aber interessant. Nicht unbedingt inhaltlich, sondern grundsätzlich.

          In der Biologie, die ich kenne, ist Genderquatsch völlig indiskutabel. Das Schlimmste bei uns sind radikale Christen, die die Evolutionstheorie ablehnen.

          Warum antworten die dann auf den Ideologie-Sermon von Ah?

          In Schweden scheint die Situation der Biowissenschaftler etwas prekärer zu sein als hierzulande. Da haben die Gendas offenbar auch schon die MINT-Fächer infiziert, wenn Malin ihre Doktorarbeit in Zoologie machen kann.

          Zu den Links:
          „Diese Vorlesung erklärt, wie die Ansichten der Wissenschaftler zu sozialem Geschlecht (?) ihre Theorien und ihre Forschung zu Bakterien, Zellen, Gehirnen, Hormonen und Verhalten beeinflußt haben.“
          Bakterien!? Ja, das läßt wirklich nichts Gutes ahnen. Ob sie weiß, wie man das Geschlecht von Weinbergschnecken bestimmt? 🙂

          Und der hier: „…das reflektiert nicht den Stand der Evolutionstheorie zu Geschlechtsentwicklung und Sexualdimorphismus..“
          Wieder das schöne Voß-Hornscheidt-Argument, daß die Biologie „schon in den 70ern festgestellt hat, daß nicht nur zwei Geschlechter vorgesehen hat.“
          Erstaunlich, daß ich im Biostudium so gar nichts davon gehört habe. Aber überhaupt nichts.

          Hast Du die Diss von Voß vollständig bekommen? Würde mich interessieren, welche merkwürdigen Quellen der für seine Thesen ausgegraben hat.

          ———–

          Das ist übel: Sie will wie alle radikalen Ideologen missionieren.
          http://www.academia.edu/10264756/A_case_study_of_integrating_gender_perspectives_in_teaching_and_in_subject_content_at_a_natural_science_university_in_Sweden

          „Eine Fallstudie zur Einbeziehung einer Gender-Perspektive in der naturwissenschaftlichen Lehre an Universitäten.“

          Au ja, Biostudenten haben noch nicht genug zu tun. Die müssen jetzt auch noch Genderkurse belegen. Oder der Zoologie- und der Genetik-Prof müssen ihre Ideen in der Vorlesung bringen.

          Wobei mich der Verdacht beschleicht, daß sie für sich und Genossxs weitere Jobs an der Uni erschleichen will. Diesmal müssen dann die Biologen zahlen.
          ————

          Sie hat übrigens lange Haare.
          Jaja, wenn´s um die eigenen Bedürfnisse geht….

        • ät Evochris:

          Boah, bist Du hart, das ganze Buch freiwillig durchgelesen. „Diskursive Postulate“. Vermute, daß solche auf gebildet machende Ausdrücklein in dem Werk dominieren.

          Du hast aber seine Quellen in Deinem Text nicht genannt. Welche Biologen waren es denn, die schon vor 40 Jahren angeblich feststellten, daß die Natur mehr als zwei Geschlechter „will“? Oder ist John Money sein einziger Aufhänger? Hehe, das wäre peinlich…

          Was mich auch interessieren würde, welche Autoren er benennt, um zu belegen, daß zu Kaisers Zeiten und vorher im Gegensatz zu den Nazis die Zweigeschlechtlichkeit nicht anerkannt war?

          Müßte doch wahrscheinlich irgendein Philosoph aus der Lebensreform-Bewegung gewesen sein.

        • Dieses Papier

          Causality and sex roles: prejudice against patterns?
          A reply to Ah-King
          Hanna Kokko, Isobel Booksmythe, and Michael D. Jennions
          http://www.kokkonuts.org/p/MAKreply.pdf

          ist ja hammerhart, wenn ich das halbwegs verstehe (ich bin kein Biologe und verstehe diverse Fachbegriffe nicht). Frahe an die Biologen: Trifft mein Gesamteindruck zu, daß hier Ah-King persönlich, aber stellvertretend sogar einem ganzen Zweig der Genderforschung Unkenntnis elementarer und breit akzeptzierter elovutionsbiologischer Erkenntnisse und Verwendung fehlerhafte Forschungsmethodik vorgeworfen wird?

          Diese Hanna Kokko ist offensichtlich nicht irgendwer, sondern ein wissenschaftliches Schwergewicht, s. http://en.wikipedia.org/wiki/Hanna_Kokko oder ihre Publikationen:
          Articles With Citation Data: 163
          Sum of the Times Cited: 7176
          Average Citations per Article: 44.02

          Autor Nr.2 ist eher ein Nachwuchforscher, Nr. 3 (Michael Jennions) ist ein ähnliches Kaliber wir Kokko:
          http://www.researcherid.com/rid/C-7560-2009
          Articles With Citation Data: 142
          Sum of the Times Cited: 7141
          Average Citations per Article: 50.29
          h-index: 43
          Michael D. Jennions
          h-index: 47

          Politisch gesehen sind Verrisse von derartig hochkarätigen Forschern sehr wichtig, weil man die nicht wie irgendwelche Kommentare von Journalisten oder Bloggern als irrelevant erklären kann.

          Leute von dem Kaliber haben normalerweise besseres zu tun als sich mit irgendwelchen irrelevanten Anfängern herumzuärgern und Gegendarstellungen zu schreiben. Oder ist das in der Biologie üblich??
          Falls nicht, wäre die Existenz dieser Gegendarstellung ein Indiz, daß in der wissenschaftlichen Biologie die Alarmglocken läuten.

          • @mitm

            „Trifft mein Gesamteindruck zu, daß hier Ah-King persönlich, aber stellvertretend sogar einem ganzen Zweig der Genderforschung Unkenntnis elementarer und breit akzeptzierter elovutionsbiologischer Erkenntnisse und Verwendung fehlerhafte Forschungsmethodik vorgeworfen wird?“

            Das ist ja wenig überraschend. Genderforschung ist Ideologie, an tatsächlicher Forschung schlicht nicht interessiert.

      • »Sexual Selection Revisited – Towards a Gender-Neutral Theory and Practice«

        Ausgerechnet an der Theorie sexueller Selektion vergreift sie sich! Christian wird sie zum Frühstück fressen, ungekocht und in dünnen Scheibchen als Carpaccio! 😀

        • @djadmoros

          „Ausgerechnet an der Theorie sexueller Selektion vergreift sie sich! Christian wird sie zum Frühstück fressen, ungekocht und in dünnen Scheibchen als Carpaccio! :D“

          Dein Vertrauen ehrt mich 🙂

          Allerdings ist ihre Auswahl verständlich:
          Sexuelle Selektion ist mit Queer Theorie und Genderfeminismus einfach nicht in Einklang zu bringen:
          https://allesevolution.wordpress.com/2010/07/11/queer-theorie-evolution-und-attraktiviat/

          Wenn man als Biologe die Evolutionsbiologie mit dem Feminismus in Einklang bringen will, dann muss man dort ansetzen.

          Allerdings wird man da mit tatsächlicher Evolutionsbiologie kaum weiterkommen. Es ist dort einfach enorm offensichtlich, dass es zwei Geschlechter gibt, wenn es auch einige Mischformen in geringer Zahl gibt (wie wohl meist in der Biologie, es ist die Folge eines Genpools, dass es Variation gibt)
          Man kann da nur mit Pseudotheorien arbeiten. Aber ich schaue es mir mal an.

        • ät Djad und Evochris:

          Ungekocht? Ih! Und Carpaccio dürfte dann nicht gehen. 🙂

          „dass es zwei Geschlechter gibt, wenn es auch einige Mischformen in geringer Zahl gibt“
          Äh, Mischformen? Also Fehlentwicklungen, oder Schnecken-Zwittertum?

          Selbst das Zwittertum ist keine echte Mischform. Es werden nur aus einer Drüse Samenfäden (männl.) und Eizellen (weibl) produziert.

        • ät Evochris:

          Cais ist ein Fehler, eine Krankheit. Sonst könnte man ja auch Kinder, die ohne Beine zur Welt kommen, irgendwie als biologisch „gewollte“ Diversität interpretieren.

          Da Geschlecht sich von der Art der Keimzellen ableitet, ist die Existenz von „Mischungen“ fraglich. Die Art der Keimzelle bestimmt im Zusammenhang mit der Ökologie ja da die Anatomie, das Verhalten etc.

          • @axel

            Der Grund, aus dem heraus die Übergänge fließend sind, ist ja erst einmal losgelöst von der Frage zu klären, ob es diese fließenden Übergänge gibt.

            Man muss das nicht verbinden.

            „Da Geschlecht sich von der Art der Keimzellen ableitet, ist die Existenz von “Mischungen” fraglich. Die Art der Keimzelle bestimmt im Zusammenhang mit der Ökologie ja da die Anatomie, das Verhalten etc.“

            Mischungen sind gut möglich, da wir ja einem Wachstumsplan folgen, in dem beide Geschlechter verzeichnet sind. Es muss also nur aus irgendwelchen Gründen einmal dieser und einmal jener Weg ausgeführt werden oder sogar beide gleichzeitig.

        • ät Evochris:

          „Der Grund, aus dem heraus die Übergänge fließend sind, ist ja erst einmal losgelöst von der Frage zu klären, ob es diese fließenden Übergänge gibt.“
          -Einen Grund für etwas suchen, was es nicht gibt?
          Abgesehen davon sind Ideologen an echtem Wissen über die Welt ja meist nicht interessiert, sondern wollen erklären und bestimmen, wie die menschliche Gesellschaft funktioniert.

          Heißt, eigentlich geht es nur Menschen. Und da gibt es intentional keine Übergänge.
          —-

          „Mischungen sind gut möglich, da wir ja einem Wachstumsplan folgen, in dem beide Geschlechter verzeichnet sind.“

          Sehe ich nicht so. Die Natur hat gewisse Schwierigkeiten, Sexualdimorphismus zu erzeugen und gleichzeitig Artcharakteristika aller Individuen zu gewährleisten. Weswegen menschliche Männer Brustwarzen haben und Mammakarzinome kriegen können.
          Das ist aber keine intendierte „Mischform“, sondern ein Nebeneffekt der Geschlechtssteuerung, den wegzuselektieren sich nicht lohnte.

          Wegen der Komplexität der Organogenese mit so einem Mini-Genom wie unserem entstehen natürlich leicht Fehler wie CAIS.
          Ist aber nicht ungewöhnlich: Das superkomplexe Hirn des Menschen hat auch einmalige Krankheiten wie Schizophrenie zur Folge.

      • Ergänzung: ich vermute mal, dass das auf eine reine *Geschichte* der Biologie und der betreffenden Theorien hinausläuft – dann kann sie abseits aller empirischen Daten von der »Konstruiertheit« biologischer Begriffe schwadronieren.

  4. Irgendwie habe ich grade den Eindruck (grade auch bei der „Whitepassing“ Tante), die betreffenden Personen sind biologisch volle Kanne in der beginnenden Pubertät stecken geblieben. Soviel (identitäts- und definitionsbezogene) Irr- und Wirrheit hat ein nicht psychisch schwer beschädigter Mensch allenfalls in der Pubertät.

  5. Sprache und Duktus dieser RassisitInnen mit dem F. davor sind nichts anderes als die Fortentwicklung des ewigen Weibergekeifes in eine medienkompatible Form. Adressiert wird der Schuldkomplex, Inhalte sind uninteressant und in in der Regel absurd, erlogen oder aus dem Kontext gerissen.

    Geschickt wird mit den üblichen Vorwürfen hantiert. Zwar auf eine Art die eine gesellschaftliche Metaebene vortäuscht aber doch immer zielgerichtet auf das Individuum gerichtet.

    Dafür sind Männer empfänglich Sie fangen an darüber nachzudenken, womit die Falle zuschnappt. Niemand kann im gleichen Moment über geschichtliche Strömungen und massengesellschaftliche Phänomene auf der einen und über sich selbst (wo diese nur in homöpathischen Dosen auftritt) nachdenken, lesen oder diskutieren.

    Inhaltlich kann dies keiner sachlichen Prüfung standhalten und aus diesem Grund wird Sie auch vermieden.

    Pseudowissenschaftliche Gender Fakultäten mit ihren absurden und unhaltbaren Sprachgestaltungen dienen als eine Art Kathedrale des Femostusses. Verweis und Rechtfertigung zugleich. Inhaltlich ist von dort aus den gleichen Gründen auch nur Denunziation und Lüge zu erwarten.

    Das Problem sind aber nicht irgendwelche Mittel zum Zweck Hate Groups sondern deren Multiplikatoren in Systempresse und Staat. Das Ziel dieser Kampagnen ist imho offenkundig. Versklavung der Verlierer des aufblühenden Feudalsystems.

    Im Fall des Falles wird die Guillotine diesmal in Richtung der Verlagshäuser rollen.

  6. Pingback: “Political Correctness verstehen” | Alles Evolution

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