Das Böse der Vergewaltigung wird dem Mann eher zugetraut als das Böse der Falschbeschuldigung der Frau

In dem Artikel zu „der Studentin, die ihre Matratze trug“ ging es in den Kommentaren auch um die Frage, welche Motive dafür bestehen würden, dass sie ihn falschbeschuldigt.

David ging in einem Kommentar darauf ein:

Während das Motiv für Vergewaltigung ja in der Rape Culture-Theorie klar ist (Macht ausüben!!!), kommt man irgendwie nicht so richtig darauf, dass eine Falschbeschuldigung mit ungleich mehr Macht verbunden ist.

Gehen wir Motiv / Nutzen doch mal am konkreten Fall durch:

Der Vergewaltiger
+ hat Sex (mit einer unwilligen Person, die ihn Sekunden vorher noch als guten Freund sah, yay!)
+ übt seine 5 Minuten Macht aus, fühlt sich dabei stark

– verliert die Möglichkeit auf freiwilligen Sex mit der Person, die ihn gerade noch freiwillig in ihr Bett gelassen hat
– zerstört seine Freundschaft und Beziehung zu ihr auf schlimmstmögliche Weise
– muss davon ausgehen, von der Uni zu fliegen
– muss davon ausgehen, beruflich und sozial ruiniert zu sein
– muss davon ausgehen, im Knast zu landen
– ist heute sozial geächtet als “Rapist” und braucht anwaltlichen und therapeutischen Beistand

Die Falschbeschuldigerin
+ ist die wahrscheinlich berühmteste Studentin der USA
+ hat es aufs Cover der NY-Times und vieler anderer Zeitungen geschafft (die sie selbst kontaktiert hat mit ihrer Geschichte)
+ hat ein gefeiertes Abschlussprojekt und führt eine ganze Bewegung an
+ hat weltweit Unterstützung und Auszeichnungen von feministischen Organisationen bekommen
+ hält Vorträge und Interviews, verdient damit viel Geld
+ bekommt von allen Seiten Aufmerksamkeit, Bewunderung und Mitleid
+ wird trotz Kunststudium niemals Probleme haben, Arbeit zu finden und Geld zu verdienen
+ ist in einer wesentlich machtvolleren Position als ihr Ex, hat seine soziale Existenz weitgehend zerstört

..und da wird tatsächlich angeführt, SIE hätte ja kein Motiv gehabt.
Beide Taten sind zu über 90% Beziehungstaten, die Frage nach dem Motiv erübrigt sich sowieso schon fast, wenn man weiß dass sie eine Intimbeziehung hatten (noch dazu mit ungeklärtem Status).

Noch ein anderes Argument zeigt die fehlende Vorstellungskraft mancher Feministin, dass eine Frau ihrem Ex Schaden zufügen wollen könnte und kein unschuldiges Opfer ist: die angeblich “demütigende” Polizeibefragung. Diese kann zwar für ein echtes Opfer sicher sehr belastend sein, aber eben doch nicht für eine hypothetische Falschbeschuldigerin.

Als sei es “demütigend”, zu einer Geschichte befragt zu werden, wenn man sich diese in allen schmutzigen Details selbst ausdenkt und eigens dafür eine schauspielerische Performance auf die Beine gestellt hat.

Die Frage, warum bei der Vergewaltigung meist klar ist, warum er sie durchgeführt hat, bei der Falschbeschuldigung aber nicht, ist durchaus interessant.

1. Erkärung über das Triebhafte des Sex

Eine Erklärung wäre, dass uns das triebhafte des Sex unmittelbar einleuchtet. Dagegen erscheint eine Falschbeschuldigung weniger triebhaft und wird damit dem logischen Denken zugeordnet, so dass wir ein weniger triebhaftes Verhalten wollen.

Ein Beispiel wäre, dass wir bei einem Diebstahl eines Brotes sofort vermuten, dass derjenige eben Hunger hatte. Die Tat ist auch hier auf einen Trieb gerichtet und erscheint uns logisch. Die Beschuldigung ein Brot geklaut zu haben, ergibt weit weniger Sinn, wenn wir nicht etwas mehr Sachverhalt bekommen.

Diese Erkärung macht allerdings in dem Teil des Feminismus wenig Sinn, der davon ausgeht, dass Vergewaltigung und Sex nichts miteinander zu tun haben können, sondern es nur um Macht geht. Denn das wäre eben auch kein Trieb im klassischen Sinne. Dürfte aber dort auch unerheblich sein, wenn man dort bereits zu der Überzeugung gekommen ist, dass Männer eben geradezu triebhaft unterdrücken.

2. Die Tugendhaftigkeit der Frau/die Verdorbenheit des Mannes

Einen weiteren Umstand hat David bereits angeführt: Das ein Mann eine Frau vergewaltigt, dass passt in das generelle Gefahrenbild, nachdem männliche Sexualität häufig etwas gefährliches hat. Das eine Frau eine solch gravierende Anschuldigung macht, ohne das etwas passiert ist, dass passt da weit weniger hinein.

3. Kosten-Nutzen-Analyse

Zu Davids Kosten-Nutzenanalyse möchte ich anmerken, dass man sie wohl etwas verändern muss:

In einer Spieltheoretischen Betrachtung betrachtet man ja die „Glückspunkte“, die ein bestimmtes Handeln bringt sowie die dafür aufzuwendenden Kosten. Ist es ungewiss, ob bestimmte Kosten oder Glückspunkte entstehen, dann sind sie mit der Wahrscheinlichkeit, dass die Kosten eintreten, einzurechnen.

Wenn also etwas 10 Glückspunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von 60% bringt und 10 Kostenpunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von 10%, dann lohnt es sich durchaus, so zu handeln (10 *0,6 – 10*0,1 =6-1= +5).

Hier sind die potentiellen Kosten einer Vergewaltigung natürlich enorm. Gefängnis, Ruf für immer versaut, Ächtung im sozialen Umfeld. Allerdings ist zu fragen, wie hoch er die Wahrscheinlichkeit ansetzte, dass sie ihn anzeigt. Und auch bei der Fremdbewertung wird dies unterschiedlich zu bewerten sein. Eine Feministin beispielsweise wird anführen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn anzeigt und es negative Folgen für ihn hat, gering sind, da wir ja in einer Rape Culture leben, die Vergewaltigungen verharmlost. Ein radikaler Männerrechtler wird ihn schon mit beiden Beinen im Knast sehen.

Bei dem Tathergang „Gewürgt, geschlagen, anal vergewaltigt“ würde ich in der Risikobewertung eine hohe Wahrscheinlichkeit sehen. Gerade da so etwas ja durchaus Spuren hinterlässt. Da wären also hohe Kosten zu erwarten. Geht man von einem weniger gravierenden Vergewaltigungshergang aus etwa „sie sagt nein, weil es ihr weh tut, er macht aber trotzdem weiter“ mag er noch vermuten, dass er es als harten Sex und nicht bemerkt, dass sie nicht will ausgeben kann und das sie ihn aufgrund der Freundschaft nicht anzeigen wird.

Allerdings ist der Kostenfaktor so hoch, dass hier eigentlich für die geringfügige Befriedigung des schnellen Sexes bei einer logischen Betrachtung nie eine Vergewaltigung stattfinden könnte. In einer feministischen Betrachtung könnte man zwar die fiktiven Punkte, die man für die Unterdrückung der Frau im Patriarchat bekommt dazu rechnen, aber die Betrachtung ist recht unlogisch. Insofern bliebe da eben nur die Betrachtung, dass unter des Einflusses des Triebes ein gewisser Tunnelblick die Betrachtung verschiebt und das Risiko künstlich kleiner werden lässt.

Hingegen wäre ihre Betrachtung ja die Umsetzung eines Plans. Hier könnte sie demnach logischer Denken. Insofern ist die Kostenbetrachtung aber schwer vorzunehmen.

Löst man es von dem konkreten Fall, dann sind die Nachteile sicherlich, dass man möglicherweise wegen Falschbeschuldigung bestraft wird, die Wahrscheinlichkeit ist aber gering. Des weiteren besteht das Risiko, dass sich nahe Freunde aus dem gemeinsamen Umfeld eher auf seine Seite stellen.

Nimmt man den konkreten Fall, dann scheint sie sich ja in einem feministischen Umfeld bewegt zu haben, konnte also auf Rückendeckung hoffen. Wenn sie zudem bereits das Projekt vor Augen hatte, dann ergeben sich große Vorteile für sie.

 

33 Gedanken zu “Das Böse der Vergewaltigung wird dem Mann eher zugetraut als das Böse der Falschbeschuldigung der Frau

  1. Dürfen Frauen doppelt böse sein?

    Wenn sie vergeawaltigen wären sie mehr oder weniger straffrei, denn dem Mann als pot. Opfer würde eh nie geglaubt und wenn sie falschbeschuldigen sind sie ja faktisch auch straffrei gestellt.

    Kann man es nicht etwa soweit verkürzen? Ich meine ja, man kann.

  2. Offenbar hat ja die Presse den Fall erst in die öffentliche Debatte gezerrt:

    Anfang Dezember steht dann plötzlich eine Journalistin der New York Post, einer Boulevardzeitung, vor Pauls Studentenwohnheim, die von den Anschuldigungen gegen ihn weiß – und die Aufregung geht erst richtig los. In den kommenden Monaten spricht Emma mit dem Studentenmagazin Blue and White und mit der New York Times, um ihre Version der Geschichte zu erzählen. Mitte Mai geht sie schließlich doch noch zur Polizei und erstattet Anzeige gegen Paul. Eine Kopie dieser Anzeige, in der Pauls Name steht, gibt sie einem Journalisten des Columbia Spectator, einer anderen Studentenzeitschrift. Sie veröffentlichen ihn und der Name »Paul Nungeßer« mit der Zuschreibung »mutmaßlicher Vergewaltiger« verbreitet sich viral im Netz.

    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/42729/2/1

    Damit verlagerte sich das Schlachtfeld auf die öffentliche Debatte.

    Dann muss man wohl bedenken, dass die Studentin unter einem gewissen Zugzwang stand, ihre Version zu verteidigen. Insbesondere werden ihre „Supporter“ dies regelrecht von ihr erwartet haben. Da entfaltet sich eine Dynamik, die keiner der Beteiligten mehr unter Kontrolle hat.

    Insofern wäre ich etwas vorsichtig, hier Gewinne ihrerseits zu verbuchen – sie hat es eben nicht mehr unter Kontrolle und die Hype kann auch schnell zu ihrem Ungunsten umkippen. Die Boulevardpresse verheizt in solchen Fällen regelmäßig regelrecht alle Parteien. Gut, ich befürchte, dass sie das gar nicht auf dem Schirm hat: Kurzfristig ist der Gewinn natürlich enorm.

    Was die Machtdimension anbelangt: Ja, natürlich verfügt sie ihm gegenüber solange über eine sehr viel Macht, wie die Öffentlichkeit zu ihrer Version neigt. Und da immer etwas an ihm haften bleiben wird, kann dies auch als Gewinn betrachtet werden – als Bestrafungsgewinn.

    Was tatsächlich vorgefallen ist wird sich wohl nie eindeutig klären lassen. Wenn er sie tatsächlich geschlagen oder gewürgt hat, dann hat sie den Beweis dafür dadurch zunichte gemacht, dass sie nicht gleich zur Polizei gegangen ist. _Dass_ man Schlagen und Würgen erst Monate später als Schlagen und Würgen benennen kann, finde ich wiederum sehr unplausibel.

    Geht man davon aus, dass die Version des Studenten stimmt würde ich mögliche Assets eher woanders sehen:

    But in a landscape where traditional ideas about sexual morality no longer have much purchase, there’s no easily accessible moral language in which to process either legitimate rage at repellent/dishonorable male behavior or a sense of personal shame, let alone to have those feelings validated by your peers or authority figures. Unless, that is, those experiences can be labeled as sexual assaults, in which case the moral dimension is suddenly re-established, the moral stakes clarified, and any inchoate feelings distilled into a clear narrative of crime requiring punishment. And again, even if this narrative is, as people say, problematic for some of the men accused, in a campus culture where the alternative is just a vague hedonism punctuated by occasional lectures about STDs, you can see its appeal: Sex is morally fraught, people can’t help knowing that it’s morally fraught, and a story that helps people process and make sense of those feelings is going to win converts when the alternative is bureaucratic indifference with a smiley, we’re-so-caring-unless-you-have-a-real-problem face.

    http://douthat.blogs.nytimes.com/2015/02/05/the-moral-appeal-of-p-c/?_r=1

    Und hier kommt auch der männliche Sexdämon zum Tragen: _Weil_ es eben speziell darum geht, die erodierte traditionelle Moral, die ja den männlichen Sexdämon disziplierte und in Schach hielt, zu substituieren, liegt hier auch ein Gewinn vor.

    Es ist, als würde man Susan Brownmiller regelrecht anwenden: „Rape is a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear.“:

    If the Yes Means Yes law is taken even remotely seriously it will settle like a cold winter on college campuses, throwing everyday sexual practice into doubt and creating a haze of fear and confusion over what counts as consent. This is the case against it, and also the case for it. Because for one in five women to report an attempted or completed sexual assault means that everyday sexual practices on college campuses need to be upended, and men need to feel a cold spike of fear when they begin a sexual encounter.

    http://www.vox.com/2014/10/13/6966847/yes-means-yes-is-a-terrible-bill-and-i-completely-support-it

    ..wobei natürlich „all women“ – ebenso wie „all Men“ – Unsinn ist, es ist ja die Gesellschaft, die den Terror entfaltet. Destilliert man aus Brownmiller die vielleicht tatsächlich zutreffende Teilwahrheit heraus, nämlich dass eine als „Schlampe“ frambare Frau wenig Chancen hatte, einen Vergewaltiger verfolgen zu lassen, dann muss man wohl feststellen, dass der radikalfeministische Diskurs Gleiches anstrebt – nur dass ein Mann sich dabei nicht mehr analog als „moralisch einwandfrei“ exkulpieren kann.

    Ezra Klein betont weiterhin:

    The Yes Means Yes law could also be called the You Better Be Pretty Damn Sure law. You Better Be Pretty Damn Sure she said yes. You Better Be Pretty Damn Sure she meant to say yes[..]

    Was heißt das nun: „You Better Be Pretty Damn Sure she meant to say yes“? „Ich habe dem Sex eingewilligt, weil er gesagt hat, dass er mich liebt. Nach dem Sex hat er sich dann aus dem Staub gemacht!“ – Da fühlt man sich natürlich betrogen, weil man nicht mit ihm geschlafen hätte wenn er „ehrlich“ gewesen wäre. Also hat man gefühlt keinen Consent gegeben.

    Weil nun systematisch klare Kriterien für „Consent“ zunichte gemacht werden („creating a haze of fear and confusion over what counts as consent“), fühlt man sich „moralisch“ im Recht wenn man den Staat dafür in Anspruch nehmen kann, dieses Arschloch zu bestrafen. Der Rest ist dann schnell herbeirationalisiert.

    _Das_ ist wohl ganz klar ein kollektiver Gewinn, der nur dadurch geschmälert wird dass a) man seine moralische Glaubwürdigkeit komplett verliert und b) dass es auch den Sohn, Vater, Freund oder Bruder treffen kann.

    a) und b) gelten dabei nur für Menschen, die tatsächlich solche Aktien haben. Wobei a) eigentlich eher eine Männerdomäne ist.

      • Da für Frauen der Status durchaus wichtig ist, würde ich sagen, in ihren Augen ja. Sie könnte argumentieren, er hätte sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Bett bekommen.

        Das passt übrigens zu dem Furor, den „onyx“ seit einiger Zeit wegen PU anstellt. Das Vorspielen von Status (Attraktivität) scheint für viele Frauen unerträglich zu sein – weil es ihre Selektionsmechanismen untergräbt.

        Für Männer ist das dagen nicht ganz so traumatisch. Nehmen wir an eine Frau spielt einen durch Push-Up vor, sie hätte größere Brüste als in der Realitt. Nun ja, vielleicht ein wenig entäuschend, aber Sex kann man ja trotzdem noch haben.

        Da Sex für Frauen in einem ganzheitlicheren Rahmen einzubetten ist, werden sie schneller enttäuscht. Und fühlen demnach sicher öfter Reue nach Sex, der nicht ihren Vorstellungen entsprach.

        • Vorspiegelung falscher Tatsachen ist doch gang und Gäbe. Sissi Perlinger hat es mal schön gesagt: Für das was Frauen kosmetisch anstellen wäre ein Gebrauchtwagenhändler im Knast.

        • Auch in Amerika wurde bereits versucht, Geschlechtsverkehr der durch Täuschung über die finanziellen Verhältnisse des Mannes zustande gekommen ist (i.e. wenn er vorgibt reich zu sein, aber eigentlich arm ist) nachträglich als Vergewaltigung klassifizieren zu können. Der Link dazu war mal auf Genderama, leider finde ich ihn gerade nicht mehr. Ob etwas dauraus geworden ist, weiss ich nicht.

          Diese Gedankenwindung scheint anscheinend so normal, dass man sich den Rest als Mann eigentlich denken muss. Frauen haben ein sehr grosses Interesse daran, dass dieses Signal bezüglich Status nicht verfälscht werden darf. Folgerichtig ist für eine Frau, die Sex vor allem als Bindungsstrategie am Anfang der Beziehung einsetzt, die Bewertung der „Freiwilligkeit“ sozusagen strikt etwas, was nach dem Sex passiert und nicht vorher, da sie erst nachher ihre Gegenleistung (in welcher Form auch immer) in Empfang nimmt. Bleibt diese aus ihrer Sicht aus, war es unter Umständen doch eine Vergewaltigung.

          Darum gibt es den Mechanismus bei Männern gar nicht, da die Bewertung der Freiwilligkeit zwangsweise während des Aktes oder kurz davor passiert, da Sex bei Männern nicht Mittel zum Zweck ist, sondern der Zweck an sich.

      • Ach du meine Güte, von dem israelischen Fall höre ich gerade zum ersten Mal!

        Es gab mal eine „Picket Fences“-Folge, in der eine Frau einen Mann als Vergewaltiger anzeigte, weil sie nach der einvernehmlich miteinander verbrachten Nacht herausfand, dass er einen falschen Beruf behauptet hatte (oder ähnlich; ist was her. Ich glaube, es war ein Leichenbeschauer, der sich als Arzt bezeichnet hatte). Und nun holt die Realität die Fiktion ein und garniert es noch mit einem Spritzer Rassismus?

        • Mir war der Fall schon lange bekannt. Aus solchem unterschiedlichem Wissen können auch unterschiedliche Sichtweisen entstehen?

          Noch was zu dem Fall:

          „In Israel ist es strafbar, sich „unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und Identität“ Sex zu erschleichen. In einem solchen Fall wird der Lügner als Vergewaltiger behandelt.“

          Ander Länder ander Sitten …

          „Einat Rubin, Sprecherin der Vereinigung der „Hilfszentren für Opfer von Sexverbrechen“, unterstützt das Urteil: „Die Entscheidung war richtig.“ Es sei nicht das erste Mal, dass ein Mann in Israel laut diesem Gesetz verurteilt wurde. „Das Strafmaß ist eher leicht“, sagte Rubin unserer Zeitung. Mit Rassismus habe das nichts zu tun. Tatsächlich wurde ein jüdischer Israeli vor kurzem verurteilt, weil er sich als ein reicher Pilot ausgegeben hatte. Ein anderer erhielt 2008 eine schwere Haftstrafe, weil er sich als Beamter im Bauministerium ausgegeben und zig Frauen versprochen hatte, ihnen für Sex bessere Wohnungen zu besorgen. Das Gericht befand, der Tatbestand liege vor, wenn Sachverhalte verfälscht würden, um eine „vernünftige Frau“ zum Geschlechtsverkehr zu überreden, den sie abgelehnt hätte, falls sie die Wahrheit wüsste. Auch bei einem berühmten israelischen Regisseur kam das Gesetz zur Anwendung: Er hatte für seine Studentinnen fiktive Sexszenen geschrieben und sie gemeinsam „einstudiert“. Rubin konnte nicht sagen, wo die Grenze verlaufe: „Jeder sollte frei über seinen Körper verfügen und davor geschützt werden, dieses Recht durch Manipulation aufzugeben“, sagte Rubin.“

          http://www.info-middle-east.com/news/vergewaltigung-oder-rassismus-2.html

        • „das Urteil wurde meines Wissens von einem höheren Gericht kassiert.“

          Soweit ich weiß nicht.
          Hast du den Namen des Gerichts und das Aktenzeichen oder wenigstens einen Link?

    • Offenbar hat ja die Presse den Fall erst in die öffentliche Debatte gezerrt:

      Wie kommst du darauf? Wie soll die Presse auf diesen Fall kommen, der bis dahin nur eine Uni-Angelegenheit war?

      Sulkowitz sagt ganz klar: „I went public“.
      Sie hat wohl etliche Redaktionen angerufen und Interviews gegeben.
      Selbst wenn die Presse von alleine auf den Fall gekommen wäre, hätte sie jede Möglichkeit gehabt, das abzublocken. Dann wäre kein Wort darüber geschrieben worden.

  3. @Christian
    Ich hoffe dass das richtig rübergekommen ist: ich selbst halte die Motivfrage für nicht besonders wesentlich. Bei zwei Menschen die eine Intimbeziehung hatten, ist sowohl das sexuelle Motiv als auch das Rachemotiv quasi fast verbürgt. Ich wollte natürlich auch nicht die These aufstellen, dass ein Vergewaltiger vor seiner Tat eine Kosten-/Nutzen-Analyse anstellt, da das natürlich ein triebbestimmtes Verhalten ist.

    Der sogenannte „rational choice-Ansatz“ bei einer Vergewaltigung stammt ja aus dem Feminismus, wo wie du schon richtig sagst, der Sextrieb als proximaler Handlungsgrund ausscheidet. Es ist sogar eine häufige feministische Parole, dass es keine Vergewaltiger in dem Sinne (unterschiedlich vom Durchschnittsvergewaltigermann) gibt, die ihren Trieb NICHT durch Ratio kontrollieren könnten (wer dies behauptet: rape myth / rape apologist). Es geht stattdessen immer um Macht!

    Gerade nach dieser Betrachtung (rational choice), spricht die Motivlage jedoch umso mehr für eine Falschbeschuldigung. Man kann ganz klar konstatieren, dass selbst ohne Verurteilung (mit ihrer verspäteten Anzeige hätte er ja wohl niemals rechnen können!) das Kosten-/Nutzen Verhältnis für Engesser desaströs ist, währen Sulkowitz vergleichsweise dasteht wie eine Eins.

    Diese Machtumkehr durch eine Vergewaltigung oder auch die Macht einer Falschbeschuldigerin wollen Feministinnen partout nicht anerkennen.

    Das gilt ja auch für einen Mann, der seine Frau schlägt. Die Macht, die er in einem kurzen Moment ausübt, gibt er im selben Moment sprichwörtlich komplett aus der Hand. De facto fühlt sich so jemand wohl vollkommen machtlos und schwach, als Versager.* Der instinktive, verzweifelte Versuch, Macht über eine Frau zu erlangen, scheitert (zum Glück) aufgrund gesellschaftlicher Normen und (potentieller) Strafverfolgung binnen Sekunen.

    Feministinnen besitzen die Perfidie, solche Taten auch noch als rentabel zu bezeichnen. Das ist es, was man sich auf der Zunge zergehen lassen muss.
    Sie behaupten, wir lebten in einer Kultur (rape culture), in welcher es für einen Mann aus rationalen Überlegungen heraus Sinn macht, eine Frau zu vergewaltigen!
    In welcher nicht Vergewaltigungen schreckliche Einzelfälle sind, sondern Verurteilungen sowas wie kleine Achtungserfolge feministischer Awareness, bei denen die Rechnung des Täters zufällig mal nicht aufging.
    Dieser Mythos wird natürlich strapaziert, um Strafverfolgung, Schuldvermutung und Sanktionen auszuweiten.

    Und Margret fragt in gespielter Naivität: warum sollte die Frau lügen?

    *Ich habe übrigens mit solchen Männern schon gearbeitet, ich weiß wovon ich spreche.

  4. Einen ähnlichen Gedankengang hatte ich erst vpr kurzem. Warum geht mir die Rape Culture Diskussion so auf den Zeiger. Warum fühle ich mich als Mann beleidigt über Sätze wie „Alle Männer sind potentielle Vergewaltiger“. Warum glaube ich entgegen der Medien und Politiker dass Frauen lügen können und dies auch tun um sich z.B. an einem Ex zu rächen. Warum bin ich nicht in der Lage die Berichte über Falschbeschuldigungen aus mehr oder weniger nichtigen Gründen (Taxirechnung, echt jetzt?), mit der Behauptung einer Rape Culture in Einklang zu bringen oder gleich ganz auszuklammern. Aus feministischer Sicht bin ich halt ein Frauenfeind.

    Mittlerweile halte ich mich für einen idealistischen Misanthropen der von Menschen mehr erwartet, als sie in der Realität zu leisten gewillt sind. Aber grundsätzlich bin ich einfach der Meinung dass alle Menschen Arschlöcher sein können und Frauen nur die bessere Presse haben.

    • Nach einer Erklärung die ich mal von einem Feministen bekam, ist das wesentliche an der rape-culture nicht dass scheinbar die meisten Leute Vergewaltigung empörender finden als Mord, sondern dass Vieles was eigentlich eine Vergewaltigung wäre, beispielsweise Sex mit jemandem der aus irgendwelchen Gründen nicht mehr fähig ist zuzustimmen, nicht als Solche angesehen wird, beziehungsweise verharmlost wird, was wann dann wieder zu die männliche Macht …..

      • Wo gibt es eigentlich Konsens dass es GEIL IST wenn man volltrunken durchgenudelt wird? Mal abgesehen davon wenn es einem besoffenen Kerl passiert und Sie SCHARF ist!

        • Nirgendwo, soweit ich weiss. Mir ist auch nicht ganz klar warum das jemand macht, aber aus persönlicher Erfahrung: Gibt schon Kerle denen die Quantität da wichtiger scheint als die Qualität.

          Nein, ich hab keine Statistik. Ist vielleicht eins der Statusdinger, oder vielleicht machen die Frauen das auch.

  5. „Erpressung wäre der angemessene Straftatbestand. Falschbeschuldigungen ist ja eher, wenn jemand das auch so vor Ermittlungsbehörden vorträgt. Sie drohte damit ja “nur”.

    Nach dem zum Video gehörenden Bericht von 2012:

    The women then proceeded to falsely report their allegation of sexual assault to the police and to their friends and onlookers, allegedly triggering a mob of people to acting threateningly towards Yasa until police arrived and could investigate.

    Bin aber kein Jurist, also lege ich mich mal einfach nicht auf den Tatbestand fest. 🙂

  6. Wie üblich wiederhole ich, dass ich natürlich nicht weiß, ob im „Matratzenfall“ wirklich vergewaltigt wurde, aber eine gute Aufschlüsselung Davids, über die Aspekte, die sonst nicht bedacht werden.
    Gerade das Argument der traumatisierenden Befragung ist ja ein Null-Argument, wenn es um Falschbeschuldigung geht, denn da gibt es ja kein Trauma, an dem gerührt wird.

    Dass Vergewaltigungen oft eher angenommen werden, ans Falschbeschuldigungen ergibt allerdings schon Sinn. Wie Christian ja unter Punkt 1 ausführt, ist es ein Triebverbrechen, das nicht zwingend eine böse Vorausplanung braucht, sondern oft spontan, ohne Überlegung und weiteres Bedenken begangen wird. Genug Morde/Totschläge ergeben ja auch keinen größeren kriminalistischen Sinn, sondern sind nur das Ergebnie eines unbeherrschten Wutausbruchs.

    – Der Gag ist natürlich, wie schon gesagt, dass das gerade nach der feministisch-machtpolitischen Erklärung nicht greift.

  7. Daß eine angebliche Vergewaltigung im sozialen Umfeld als Rache- oder Rechtfertigungsinstrument verwendet wird, ist nicht völlig atypisch.

    Für das angebliche Opfer gerät dann die Sitation außer Kontrolle, wenn das soziale Umfeld fordert, das Opfer möge doch bitte eine strafrechtliche Verfolgung veranlassen. Das angebliche Opfer sieht sich dann unter Druck, tatsächlich Aussagen bei der Polizei zu machen, um seine „Story“ aufrecht zu erhalten. Damit wird dann ein Apperat in Gang gesetzt, aus dem das angebliche Opfer kaum noch schadlos aussteigen kann.

    Recht interessant ist eine ältere Studie aus Bayern
    > https://www.polizei.bayern.de/content/4/3/7/vergewaltigung_und_sexuelle_n_tigung_in_bayern_bpfi.pdf
    die auch eine recht hohe Zahl an Falschbeschuldigungen feststellt.

    (Hier finden sich auch viele Indizien wieder, die mich vorliegend nach wie vor erheblich an der Version der Matrazen-Lady zweifeln lassen, es habe eine Vergewaltigung im Rechtssinn vorgelegen – und nicht nur im Nachhinein als unerwünscht klassifizierte sexuelle Eskapaden).

    Bemerkenswert ist, daß weibliche wie männliche Sachbearbeiter bei der Kripo den Anzeil der Falschanzeigen im Mittel auf 1/3 schätzen, Frauen sogar leicht skeptischer als Männer (S. 162).

  8. Pingback: Sich hassende Versager | emannzer

  9. Pingback: Maskulismus, Männerrechte und Familienrecht | Alles Evolution

Schreibe eine Antwort zu Tom Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.