„Die Kommentare zu den Artikeln über Feminismus rechtfertigen Feminismus“ (Lewis´s Law)

Auf Quantenwelt wird „Lewis´s Law“ besprochen. Dies lautet wie folgt:

Etwas länger gefasst von Joachim:

“Die Kommentare zu jedem Artikel zum Feminismus rechtfertigt Feminismus.” Wo immer ein kommentierbarer Artikel von einer Feministin erscheint, sei es in der Onlineausgabe einer Zeitung oder in einem Blog, erscheinen in den Kommentarspalten sexistische Kommentare. Manchmal sind es Beleidigungen, manchmal Argumente, die auf sexistische Stereotype aufbauen.“

Das ist eine Argumenation, die man in der Tat auf feministischer Seite recht häufig trifft. Sie enthält aber aus meiner Sicht einen erheblichen Logikfehler.

Nehmen wir zunächst für die Diskussion an, dass es auf feministische Artikel hin tatsächlich erhebliche unsachliche Kritik der Art liest, wie man sie – zwischen durchaus vernünftigen Kommentaren – etwas auf Hatr liest. Also Beschimpfungen, Übergrifflichkeiten etc.

Dann stellt sich die Frage, was man daraus ableiten kann. Aus meiner Sicht erst einmal recht wenig.

1. DEN Feminismus gibt es nicht

Der erste Teil der Kritik wäre, dass man kaum selbst anführen kann, dass es DEN Feminismus nicht gibt, und dann aus den Kommentaren eine Berechtigung DES Feminismus herleiten kann.

Da zeigt sich wieder das weitverbreitete Mittel immer dann, wenn es vorteilhaft ist, den Feminismus als etwas darzustellen, was einfach nur irgendwie auf Gleichberechtigung und Frauenrechte ausgerichtet ist. Aus dieser Sicht würde das Argument noch halbwegs logisch erscheinen: Die Kommentare machen eine Geringschätzung von Frauen deutlich, für die dann DER Feminismus zuständig wäre.

Allerdings hat da die feministische Theorie eben nicht halt gemacht. Sondern einen erheblichen Überbau errichtet, der auf Gleichstellung auf der Grundlage einer nicht bestehenden reinen Konstruktion der Geschlechter ausgerichtet ist und damit alle Nachteile für Frauen als Diskriminierung ansieht, alle Nachteile von Männern aber als deren Problem, weil nur Nebenfolge der Unterdrückung der Frau. Diese Schuldzuweisung, die damit verbunden ist, bleibt so oder so falsch.

Insofern könnte man aus sexistischen Kommentaren allenfalls folgern, dass ein tatsächlich auf Gleichberechtigung und Frauenrechte ausgerichteter Feminismus erforderlich wäre, nicht DER Feminismus an sich.

2. Verallgemeinerungsfähigkeit

Daneben steht das Problem der Verallgemeinerungsfähigkeit. Nur weil es einen bestimmten Prozentsatz von Idioten gibt sagt das wenig über den Zustand der Gesellschaft aus. Insofern sagt auch das Auftreten bestimmter Kommentare wenig darüber aus, ob man daraus etwas herleiten kann.

Im Gender-Feminismus wird man das vielleicht so sehen, dass eine Gesellschaft, die immer noch solche Leute hat, auch immer noch Feminismus braucht, damit sie dekonstruiert werden kann, da es ja die Gesellschaft ist, die so etwas erzeugt. Schließlich gäbe es in einer feministischen Welt auch keinerlei Vergewaltigungen mehr. Aber das erscheint mir eine sehr gewagte Ansicht zu sein.

3. wie trägt der Feminismus selbst zu solchen Kommentaren bei?

Einen anderen interessanten Ansatz habe ich in diesen Artikel gefunden (auf den ich wegen seines anderen Inhalts noch mal zurückkommen werde):

The moral of the story is that if you are maximally mean to innocent people, then eventually bad things will happen to you. First, because you have no room to punish people any more for actually hurting you. Second, because people will figure if they’re doomed anyway, they can at least get the consolation of feeling like they’re doing you some damage on their way down.

This seems to me to be the position that lonely men are in online. People will tell them they’re evil misogynist rapists – as the articles above did – no matter what. In what is apparently shocking news to a lot of people, this makes them hurt and angry. As someone currently working on learning psychotherapy, I can confidently say that receiving a constant stream of hatred and put-downs throughout your most formative years can really screw you up. And so these people try to lash out at the people who are doing it to them, secure in the knowledge that there’s no room left for people to hate them even more.

I know this is true because it happened to me. I never became a manospherian per se, because two wrongs don’t make a right, but – as readers of this essay may be surprised to learn – I did become just a little bit bitter about feminism. If I hadn’t been so sure about that “two wrongs” issue I probably would have ended up a lot more radicalized.

Actually, that word – “radicalized” – conceals what is basically my exact thesis. We talk a lot about the “radicalization” of Muslims – for example, in Palestine. And indeed, nobody likes Hamas and we all agree they are terrible people and commit some terrible atrocities. Humans can certainly be very cruel, but there seems to be an unusual amount of cruelty in this particular region. And many people who like black-and-white thinking try to blame that on some defect in the Palestinian race, or claim the Quran urges Muslims should be hateful and violent. But if you’re willing to tolerate a little bit more complexity, it may occur to you to ask “Hey, I wonder if any of this anger among Palestinians has to do with the actions of Israel?” And then you might notice, for example, the past century of Middle Eastern history.

Yet somehow, when the manosphere is being terrible people and commiting terrible atrocities, the only explanation offered is that “you must hate all women” must appear in some sura of the Male Quran.

Das ist eine Erklärung für bestimmte Aggressionen, aber keine Rechtfertigung.
Ich kann mir schon vorstellen, dass sich hier Leute abreagieren, die gemerkt haben, dass sie ansonsten keinerlei Reaktion vom Feminismus bekommen, dieser nicht gesprächsbereit sind, das ihnen dort nur einseitig schuld zugewiesen wird, und die das Gefühl haben, dass ihnen hier immer mehr Handlungsraum genommen wird. Das gilt gerade dann, wenn die Macht des Feminismus über diverse Theorien noch mehr aufgebauscht wird, etwa starke Formen des Staatsfeminismus oder sonstige Formen der feministischen Verschwörung. Die Leute haben dann das Gefühl, dass genau der Feminismus für alles verantwortlich ist und wollen zum einen etwas kommentieren, was ihnen etwas ausgleich verschafft, was den anderen Angst macht, was sie stört und was sie, selbst wenn sie es nicht veröffentlichen schockt oder ihnen Angst einjagt. Der Gedanke, dass Feministinnen sie nicht mehr hassen können, dass hier eh jeder Raum verloren ist, kann dazu beitragen, dass man den Kommentar dann noch aggressiver gestaltet.

 

77 Gedanken zu “„Die Kommentare zu den Artikeln über Feminismus rechtfertigen Feminismus“ (Lewis´s Law)

  1. Die Kritik an Pegidia beweist wie notwendig Pegidia ist. Die Kommentare zu Merkel zeigen wie notwendig die Merkelregierung ist.

    Die Kommentare und erstrecht die absichtlichen Nichtkommentare beweisen wie wichtig dieser Kommentar ist! 🙂 Ohne diesen Kommentar wäre die Welt eine andere! Jawoll.

    Ügrigens, die Kommentar unter diesem Feminismusbeschäftigungsbeitrag zeigen wie wichtig, na Ihr wisst schon … dieser Blogbeitrag ALLEIN rechtfertigt schon Feminismus … oder kurz; Pfffft!

    • Das Interessante ist ja, daß das Gesetz durchaus stimmt, wenn man sich die Qualität der Kritik anschaut. Und da zeigt sich z.B., daß einiges für Pegida spricht angesichts der Denunziationen und Tendenziositäten in der Presse. Ich bin da echt erschüttert.

      Hier mal ein entsprechender Artikel:

      http://www.berliner-zeitung.de/berlin/demonstrationen-gegen-pegida-ableger-in-berlin-kein-durchkommen-fuer-baergida,10809148,29487970.html

      Die Kommentare darunter zeigen schön, wie krank die Berichterstattung zu Pegida ist. Hoffe, der Arne liest die Kommentare mal. Der findet die doch so gut. 🙂

        • Finde ich eine feine Sache! Wenn Leute das Demonstrationsrecht nutzen um eine meiner Meinung nach falsche Meinung zu vertreten, nehme ich ein paar Kinder mit und behindere einfach das Recht meiner Gegner. So geht Meinungsfreiheit und Demorecht! 🙂

          Was mich allerdings schon interessieren tät. Was ist , wenn sich ein Passant auf dem arsch dunklem Berliner Platz die Hacksen bricht. Zahlt das denn der Berliner Senat, immerhin eine ausführende Gewalt, nach unserem dollen Gewaltenteilungsmodell … eigentlich der Neutralität und dem Gesetz verpflichtet …

        • @ Adrian

          „Bin kein Islam-Gegner und hab besseres zu tun.“

          Ich bin auch kein Islamgegner oder Gegner irgendeiner Weltreligion. Wenn ich aber ein Homo wäre, würde ich mich jedoch gerade vor dem Islam in Acht nehmen.

          Ohne mich hier groß zu Pegida zu äußern – über die habe ich mir noch kein richtiges Bild gemacht: Es ist schon interessant, dass ausgerechnet die Leute aus dem linken Lager, die immer so für Toleranz für alles und jeden sind, die sofort gegen Pegida sind und euch Homos immer zur Seite stehen, dass die auch manchmal ein bisschen sehr tolerant gegenüber intoleranten sind.

          Muslime sind sicher nicht alle intolerant. Aber es gibt unter ihnen mehr strenggläubige. Sich als Homo in einer muslimischen Familie zu outen wird vermutlich gefährlicher sein und mit höherem Verletzungsrisiko verbunden sein als in einer christlichen. Heutzutage jedenfalls und im Schnitt.

          Sollte Deutschland wirklich im Laufe der Zeit islamisieren, ist das für Schwule und Lesben höchstwahrscheinlich kein Gewinn, eher ganz im Gegenteil.

          Klar, gegen Ausländerfeindlichkeit bin ich auch. Es werden vermutlich unter den Pegida-Anhängern echte Ausländerfeinde genauso dabei sein wie Vernünftige, die wollen, dass sich die Politik um wirklich bestehende Integrationsprobleme besser kümmert.

        • „Sollte Deutschland wirklich im Laufe der Zeit islamisieren, ist das für Schwule und Lesben höchstwahrscheinlich kein Gewinn, eher ganz im Gegenteil.“

          Schauen wir erst einmal was der Aufstieg des Antifeminismus für uns Homos bereithält.

        • @ Adrian

          „Schauen wir erst einmal was der Aufstieg des Antifeminismus für uns Homos bereithält.“

          Vermutlich nix Positives und auch nix Negatives. Wieso sollte?

        • @ Christian

          „Weil der konservative Antifeminismus häufig mit Schwulenfeindlichkeit einhergeht?“

          Ja, das kann unter Umständen schon ein Problem sein. Es gibt Konservative, die homosexuellenfeindlich sind. Es gibt auch konservative Feminismuskritiker/Antifeministen/Männerrechtler, die dies sind. Leider!

          Durch die wird es nicht leichter. Trotzdem glaube ich, dass ein etwaiger Aufstieg des Antifeminismus das Klima für Homosexuelle nicht schlimmer machen muss.

          Wo ich eher eine Gefahr drin sehe ist der soziale Nährboden, der den Antifeminismus stark macht. Wenn nämlich immer mehr Hetero-Männer abgehängt sind, sowohl auf dem Arbeits- als auch auf dem Partnermarkt und vorher im Bildungssystem, und die den Eindruck haben, dass sich der Staat weitaus lieber um Homos als um Heteros kümmert, dann kann es schon sein, dass sich die Dümmeren unter den Abgehängten einen Sündenbock suchen.

          Wer könnte dieser Sündenbock sein? Die Homosexuellen beispielsweise! In dem Fall hätte aber weniger der Antifeminismus selbst, sondern der soziale Nährboden des Antifeminismus für Schwulenfeindlichkeit im Volk gesorgt.

        • „Es gibt auch konservative Feminismuskritiker/Antifeministen/Männerrechtler, die dies sind.“

          „Auch“ ist gut. Konservatismus scheint eine starke Konstante im Antifeminismus zu sein.

          „Trotzdem glaube ich, dass ein etwaiger Aufstieg des Antifeminismus das Klima für Homosexuelle nicht schlimmer machen muss.“

          Nicht, wenn sich ein linker und liberaler Antifeminismus etabliert. Der müsste sich dann aber dadurch auszeichnen, nicht gleich Schnappatmung zu bekommen, wenn jemand sich der Zweigeschlechtlichkeit verweigert. Oder Jungen Röcke tragen. Oder Jugendliche lernen was Anal-Plugs sind.

          „dann kann es schon sein, dass sich die Dümmeren unter den Abgehängten einen Sündenbock suchen.“

          Kann passieren.

          „Wer könnte dieser Sündenbock sein? Die Homosexuellen beispielsweise!“

          Der naheliegenste Sündenbock wären Frauen. Aber die haben ja so schöne Brüste.

        • @ Adrian

          „“Auch” ist gut. Konservatismus scheint eine starke Konstante im Antifeminismus zu sein.“

          Ja, stimmt. Wobei ich selbst nur partiell konservativ bin. Und anders dahingekommen bin, als die meisten Konservativen.

          Ich selbst habe hier oft Inhalte verlinkt, die sowas von nicht konservativ waren: die Nachdenkseiten zum Beispiel.

          „“Trotzdem glaube ich, dass ein etwaiger Aufstieg des Antifeminismus das Klima für Homosexuelle nicht schlimmer machen muss.”

          Nicht, wenn sich ein linker und liberaler Antifeminismus etabliert.“

          Selbst, wenn nicht, wird sich für euch nix ändern. Aber ein linker und liberaler Antifeminismus darf sich und soll sich auch aus meiner Sicht etablieren. Den feminismus bzw. seine Auswüchse und die genderei wird man eh nur lagerübergreifend wieder los.

          „Der müsste sich dann aber dadurch auszeichnen, nicht gleich Schnappatmung zu bekommen, wenn jemand sich der Zweigeschlechtlichkeit verweigert. Oder Jungen Röcke tragen. Oder Jugendliche lernen was Anal-Plugs sind.“

          Hab ich noch keine Schnappatmung wegen bekommen.

          Zweigeschlechtlichkeit? Die ist eine Tasache. Sich ihr zu verweigern macht in etwa so viel Sinn wie sich z.B. der Schwerkraft zu verweigern. Oder der Tatsache, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Alls und auch keine Scheibe ist.

          Jungen Röcke tragen? Das ist doch würdelos. Außerdem werden die dann von denen, die keine tragen, gehänselt. Ich selbst könnte sowas nicht tragen. Ich bin schließlich ein MANN und KEIN FUNKEMARIECHEN!!! (HA HA HA HA HA)

          Anal-Plugs? Für Jugendliche? Im Aufklärungsunterricht? Was soll daran gut sein?

          Ich weiß ehrlich gesagt selbst nicht, was das ist. „Anal“ klingt jedenfalls schon mal voll sch***

          „“dann kann es schon sein, dass sich die Dümmeren unter den Abgehängten einen Sündenbock suchen.”

          Kann passieren.“

          Und sollte nit passieren.

          „“Wer könnte dieser Sündenbock sein? Die Homosexuellen beispielsweise!”

          Der naheliegenste Sündenbock wären Frauen. Aber die haben ja so schöne Brüste.“

          Eben. Also nehmen die Dich dann. Also die dümmeren von denen. Aber das ist nicht gut.

        • „Zweigeschlechtlichkeit? Die ist eine Tasache.“

          Nicht für die, die entweder das ein, noch das andere sind.

          „Jungen Röcke tragen? Das ist doch würdelos.“

          Warum?

          „Außerdem werden die dann von denen, die keine tragen, gehänselt.“

          Und das soll ein Argument sein? Dem Bully die Argumentationshoheit überlassen?

          „Anal-Plugs? Für Jugendliche? Im Aufklärungsunterricht? Was soll daran gut sein?“

          Was soll daran schlecht sein?

          „Ich weiß ehrlich gesagt selbst nicht, was das ist.“

          “Anal” klingt jedenfalls schon mal voll sch***“

          Noch nie probiert? Du verpasst was. Einen Prostata-Orgasmus sollte jeder Mann mal erlebt haben.

          „Also nehmen die Dich dann.“

          Solage sie gut aussehen, können sie mich gerne nehmen…

        • „Möchtest du damit beeindrucken?“

          Womit?

          „Übrigens legst du alles als konservativ aus was Naseweißarroganz ein bischen entgegentritt.“

          Welche „Naseweißarroganz“?

        • @ Adrian

          „“Zweigeschlechtlichkeit? Die ist eine Tasache.”

          Nicht für die, die entweder das ein, noch das andere sind.“

          Och, die müssten sich aber auch damit abfinden, dass sie Ausnahmen sind, die die Regel bestätigen und außerdem nicht ein drittes Geschlecht darstellen, sondern halt Merkmale beider Geschlechter haben, und dies „außerfahrplanmäßig“.

          „“Jungen Röcke tragen? Das ist doch würdelos.”

          Warum?“

          Weil peinlich. Sieht so aus wie nicht ein richtiger Mann.

          „“Außerdem werden die dann von denen, die keine tragen, gehänselt.”

          Und das soll ein Argument sein? Dem Bully die Argumentationshoheit überlassen?“

          Will ich doch gar nicht. Aber Mobbern auch keine Jahrhundert-Steilvorlagen schießen.

          „“Anal-Plugs? Für Jugendliche? Im Aufklärungsunterricht? Was soll daran gut sein?”

          Was soll daran schlecht sein?

          “Ich weiß ehrlich gesagt selbst nicht, was das ist.”

          “Anal” klingt jedenfalls schon mal voll sch***”

          Noch nie probiert? Du verpasst was. Einen Prostata-Orgasmus sollte jeder Mann mal erlebt haben.“

          Alles Schweinekram.

          „“Also nehmen die Dich dann.”

          Solage sie gut aussehen, können sie mich gerne nehmen…“

          HA. HA. HA.

  2. Über die (wie gewohnt) bescheidene intellektuelle Qualität feministischer Argumentation gibt es überhaupt keinen Zweifel. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie Menschen offensichtlichen bullshit sagen, und davon zutiefst überzeugt sind. Vielleicht wäre hier die Lösung des Motivs zu finden, sie wollen andere von ihrer Meinung nicht überzeugen, sondern überreden. Eine Ansicht die über jede Ernsthaftigkeit erhaben ist.

    Die Geschichte ist voll von Beispielen, Leute die haarsträubenden Unsinn sagen. Die frage nach dem Warum wäre sinnvoller, denn ein ernsthaftes auseinandersetzen mit diesem „Argument“ würde nur diesen verkorksten Gedanken ungebührlich adeln. Feministische Argumentationen zielen meines Erachtens darauf, dass andere sich rechtfertigen sollen, dass andere sich reflektieren sollen. Eine beliebte feministische nullaussage ist ja auch „alle männer sind potenzielle vergewaltiger“. Eine Aussage die zutiefst schwachsinnig ist, aber die debatte sofort verschiebt und Feministinnen Zeit und Raum verschafft. Check deine priviligierung. Du hast macht, weil du mann bist. Wer feminismus kritisiert hasst frauen.

    Eine Ideologie die eine eigene pseudointellektuelle Nomenklatur erfunden hat, so das sie statt ablenken jetzt „derailing“ sagen kann, macht mit solchen Argumentationen im Prinzip nichts anderes. Während andere sich an ihrer eigenen angeblichen schelchtigkeit abarbeiten fällt gar nicht mehr auf, wer eigentlich das schlechtere Argument hat. Wer darüber diskutiert spielt das Spiel mit. Tun wir Feministinnen die selbstreferenziell daraus sogar angebliche gesetzmäßigkeiten erfunden haben und nach sich benannt haben keinen gefallen und diskutieren wir ernstlich darüber.

    • @teardown

      „Wer darüber diskutiert spielt das Spiel mit. Tun wir Feministinnen die selbstreferenziell daraus sogar angebliche gesetzmäßigkeiten erfunden haben und nach sich benannt haben keinen gefallen und diskutieren wir ernstlich darüber.“

      Ich sehe es genau andersrum: Es geht darum, deutlich zu machen, dass die meisten Argumente dort sehr schwach sind. Es geht darum den Leuten konkret aufzuzeigen, dass das alles sehr angreifbar ist. Wenn sich dieser Gedanke bei Leuten etabliert, wenn sie bei einem solchen Argument nicht nicken, sondern entweder selbst kritisch denken oder suchen, was andere dazu schreiben oder bei dem auftauchen dieser Figuren denken, dass das alles ja schon wiederholt widerlegt worden ist, dann ist ein wichtiger Schritt gegen die Tabuisierung der Kritik am Feminismus erreicht.

    • @teardown

      „Wer darüber diskutiert spielt das Spiel mit. Tun wir Feministinnen die selbstreferenziell daraus sogar angebliche gesetzmäßigkeiten erfunden haben und nach sich benannt haben keinen gefallen und diskutieren wir ernstlich darüber.“

      Ich sehe es genau andersrum: Es geht darum, deutlich zu machen, dass die meisten Argumente dort sehr schwach sind. Es geht darum den Leuten konkret aufzuzeigen, dass das alles sehr angreifbar ist. Wenn sich dieser Gedanke bei Leuten etabliert, wenn sie bei einem solchen Argument nicht nicken, sondern entweder selbst kritisch denken oder suchen, was andere dazu schreiben oder bei dem auftauchen dieser Figuren denken, dass das alles ja schon wiederholt widerlegt worden ist, dann ist ein wichtiger Schritt gegen die Tabuisierung der Kritik am Feminismus erreicht.

      • Feminismus ist nicht aufgrund seiner ‚Argumente‘ so mächtig, sondern weil die Bevölkerungsmehrheit der Frauen hierzulande (ca. 2 Millionen laut aktuellem Zensus) Vorzugsrechte für sich in Anspruch nehmen will.
        Nach aller Erfahrung (Kommentare zu den Artikel über Feminismus rechtfertigen Feminismus etc.) noch auf Gehör oder gar Einsicht zu hoffen, ist nurmehr naiv.

        • @revolte

          „Feminismus ist nicht aufgrund seiner ‘Argumente’ so mächtig, sondern weil die Bevölkerungsmehrheit der Frauen hierzulande (ca. 2 Millionen laut aktuellem Zensus) Vorzugsrechte für sich in Anspruch nehmen will.“

          Er ist insbesondere mächtig, weil er Kritik an sich tabuisiert hat. Mittel dazu sind alle Maßnahmen sofort als Frauenfeindlichkeit zu benennen. Den meisten Frauen gehen die dortigen Theorien aber auch zuweit, ich glaube schon, dass sie da wesentlich rationaler denken, wenn man das hinreichend deutlich macht. Denn die typische Frau sieht Männer weitaus weniger als Gegner und „Männlichkeit“ auch weitaus weniger als Problem an

          „Nach aller Erfahrung (Kommentare zu den Artikel über Feminismus rechtfertigen Feminismus etc.) noch auf Gehör oder gar Einsicht zu hoffen, ist nurmehr naiv.“

          Sehe ich anders. Es ist doch erstaunlich, wie viele Frauen gerade sehr aktiv im Antifeminismus sind. Und die Bezeichnung „feministin“ lehnen auch viele ab, gerade weil sie die Forderungen als unberechtigt und viel zu weitgehend ansehen. Dann kommt natürlich der wütende Mob und regt sich auf. Daran, wie dieser Mob wahrgenommen wird, daran kann man arbeiten.

        • @christian

          „Er ist insbesondere mächtig, weil er Kritik an sich tabuisiert hat.“

          Und wie schafft er das? Doch nur mit abertausenden Helferinnen in Ämtern, Behörden, Universitäten, Parteien, Stiftungen, Verlagen, Institutionen… und insbesondere den Leitmedien.

          • @revolte

            „Und wie schafft er das? Doch nur mit abertausenden Helferinnen in Ämtern, Behörden, Universitäten, Parteien, Stiftungen, Verlagen, Institutionen… und insbesondere den Leitmedien.“

            Da ist die Frage, was Ursache und was Folge ist. Weil man eben Feminismus nicht kritisieren darf, hat jede Institution, die auf Seiten der „Guten“ sein will, einen Anreiz Feministinnen das Wort zu geben.
            Weil eine Tabuisierung da ist, können sie auch Blödsinn schreiben, es hat keine Auswirkungen.

            Die Tabuisierung selbst baut eben auch darauf auf, dass Frauen nicht anzugreifen und die Verurteilung dieser Angriffe eine lange Geschichte hat, ebenso wie das Frauen schützen.
            Was es dann wiederum für Frauen attraktiv macht, in diese Richtung zu argumentieren.

            Aus Duldung muss auch keine Zustimmung folgen. Man kann ebenso genervt sein, aber sich auf andere Gebiete konzentrieren, weil man meint, dass es einen ja irgendwie nicht betrifft.

            Es ist ja nicht so, dass Gleichstellungsbeauftragte überall gefeiert werden. Genauso werden Möglichkeiten gesucht, sie zu umgehen.

        • @christian

          Ursache und Folge ist so gar nicht die Frage, weil sich die Tabuisierung schlüssig aus dem ergibt, was für Frauen seit ehedem attraktiv ist: Vorzugsrechte.
          Genau deshalb werden auch ausgesprochen seltene Gleichstellungsbeauftragte vom Schlage Ebeling auch nicht gefeiert, sondern ausgeschaltet.

        • @christian

          Weil diese ‚Vorzugsrechte‘ weniger mit Inanspruchnahme von Schutz und Sorge als mit Verantwortung und opferbereiter Verfügbarkeit einhergehen.

        • @ Christian

          Das sehe ich sehr ähnlich wie Revolte; du müsstest die Frauen in erster Linie dazu bringen einige ihrer Vorrechte aufzugeben. Von 1920 an haben Frauen nichts anderes gemacht als den Vorteilen, die die Feministinnen vorgeschlagen und rechtlich erarbeitet haben, zuzustimmen. Wie Karen Straughan (GWW) richtig gesagt hat :

          But who has the „everywoman“ sided with? What has the „everywoman“ done? The non-radical, non-exceptional woman has consistently sided with feminist-won benefits and privileges, with little concern for men until the moment they were victimized by the changes through a man they love.

          Und das ist im Grunde alles, was jemals dazu gesagt werden muss. Frauen wollen Vorteile auf Kosten der Männer. Kein logisches Argument wird sie jemals davon abbringen und keine Aufhebung von irgendwelchen Tabus bezüglich Kritik wird da irgendetwas ändern, weil die Frauen die Vorteile wollen und gesellschaftlich absolut bereit sind, die daraus entstehenden Nachteile auf Männer abzuwälzen.

          Darum ist jede ideologische Auseinandersetzung mit dem Feminismus mit dem Ziel die Ideologie zu bekämpfen um die nicht-feministischen Frauen von Gegenteil zu überzeugen dem Untergang geweiht. Denn wenn 90 von 100 Frauen für feministische Gesetzgebung stimmen, weil sie gerne Geld von ihrem Exmann hätten und du nun das Patriarchat widerlegst, dann stimmen immer noch 90 von 100 Frauen dafür ihren Exmännern das Geld wegzunehmen, weil sie nicht wegen dem Patriarchat dafür oder dagegen gestimmt haben, sondern weil sie gerne mehr Geld hätten. Feminismus liefert nur den ideologischen Überbau für ein solches Konstrukt.

          Feminismus wird es dann schwer haben, wenn Frauen durch den Schaden, den sie indirekt Männern durch unfaire Gesetzgebung zufügen, selbst geschädigt werden. Sprich wenn die Männern nicht mehr wollen oder die wirtschaftlichen Verhältnisse sich zu stark zu Ungunsten der Männer entwickeln und keine Partner mehr übrig bleiben, die den Ansprüchen genügen (Siehe „Where have all the good Men gone“, bereits ein Massenphänomen in Amerika/UK).

        • @toxic

          Die Augen zu öffnen, aufzuwachen und es wirklich rational anzuschauen, d.h. die rote Pille zu nehmen und sich dieser (Persönlichkeits- und Gesellschafts-)Droge zu entledigen, ist für viele Männer ggf. zu schwer. Es werden lieber Ausreden gesucht, die dann als „rational“ erklärt werden.

          Selbst dann, wenn es evolutionär, geschichtlich und auch in der aktuellen neuzeitlichen Entwicklung mit dem Feminismus und wie die meisten Frauen ihm selbstgefällig folgen derart grotesk ins Auge sticht.

  3. Joachim scheint es einigermaßen peinlich zu sein, dass er auf die Ironie hereingefallen ist. Er versucht offenbar deshalb, mit arg quietschenden Reifen die Kurve zu reißen. Allerdings übersteigt die dabei auftretende Querbeschleunigung jegliche auch nur theoretisch mögliche Bodenhaftung:

    Wenn man schon generalisierend über Feminismus spricht (was ja nicht grundsätzlich falsch ist) dann muss man sich wohl auf das beziehen, was vorherrschend ist. Und wenn man das Vorherrschende zugundelegt, dann muss man leider feststellen, dass regelmäßig Kritik an Feminismus per se als „Sexismus“ geframt wird. So wird beispielsweise eine bloße Nichtaffirmation der Aussage „Feminists(sic) are making reasonable demands“ im verbeitetem „Sexism Inventory“ von Glick & Fiske als Indikator für „hostile sexism“ herangezogen:

    http://474miranairresearchpaper.wmwikis.net/file/view/Glick_Fiske%5B1%5D.pdf

    Ein weiteres Beispiel wären diese herrlichen „Bingo-Cards“, in denen es regelmäßig Felder wie „I’ll tell you what’s wrong with feminism…“ gibt. Auch diese erfreuen sich großer Beliebtheit in feministischen Kreisen.

    Das sind nur zwei Beispiele für ein ziemlich verbreitetes Phänomen. Die Deutung „Kritik am Feminismus = Sexismus“ ist ausgesprochen vorherrschend, sie findet sogar Niederschlag in angestrebten EU-Maßnahmen „zur Eliminierung(!) von Sexismus“:

    http://www.heise.de/tp/news/Intolerantes-Toleranzpapier-2014716.html

    Im Übrigen spricht Lewis auch gar nicht explizit von „Sexismus“, das ist Joachims Privatdeutung, mit der er die Fahrzeugmasse zu relativieren sucht. Sorry, Newton ist Newton und „Laws“ sagen regelmäßig das aus, was sie eben in ihrem Wortlaut explizieren. (explicatus lat.: geordnet, geregelt; deutlich, klar)

    Insofern ist „Lewis Law“ nach meinem Befinden sehr treffend ad absurdum geführt worden, und Joachim hat darüber hinaus sehr schön seinen eigenen doppelten Maßstab „herausgearbeitet“.

    Ich würde sagen: Die Kurve mangels jeglicher Bodenhaftung voll tangential „genommen“, lieber Joachim – das nächste mal vielleicht nicht ganz so schnell urteilen und den Straßenverlauf nicht alleine nach dem Feindbildkompass einschätzen.

  4. Mich würde man interessieren, wie wörtlich man Joachim, den ich vor 2 Jahren als ziemlichen hardliner in Sachen Feminismus kennenlernte, eigentlich nehmen kann. Denn hier schreibt er:

    „Unter Artikeln über Feminismus finden sich fast immer sexistische Kommentare. Feminismus wendet sich (selbstverständlich in verschiedenen Ausprägungen) gegen Sexismus. Deshalb rechtfertigen solche Kommentare den Feminismus. Sie zeigen, dass der Anlass für Feminismus noch immer vorhanden ist.“

    Anlaß und Rechtfertigung sind zwei paar Schuhe: Die Finanzkrise ist z.B. auch ein guter Anlaß, um über Kapitalismuskritik nachzudenken, aber daraus folgt nicht, daß die Finanzkrise irgendeine andere Wirtschaftsform eo ipso rechtfertigen würde. Nimmt man aber „Rechtfertigung“ ernst, dann steht da:

    „Solange irgendjemand auch nur irgendeinen sexistischen Kommentar macht, ist Feminismus als Konzept und Strategie des social engineering das Mittel der Wahl.“

    Ich bin nicht mal sicher, ob d ie spanische Inquisition so radikal und unnachgiebig war, selbst der real existierende Sozialismus hat jedenfalls Abweichungen von der offiziellen Linie durchaus toleriert – so lange sie nicht zu oft und zu groß waren.

    Diese Intoleranz und der völlig überzogene Geltungsnspruch meiner Reformulierung sind meiner Ansicht nach typisch für jeden Feminismus.

    Und genau in dieser Hinsicht bin ich in Bezug auf Feminismus in zwei Punkten sicher:

    1. Der Feminismus ist eine normative Ideologie, seine Praxis wird gelenkt von Normen z.B. darüber, wie das Ergebnis seines social engineering aussehen soll.

    2. Diese Normen gelten richtungsübergreifend für die Mehrheit der Feminismusvarianten und kein Feminismus kann auch alle solche Merkmale verzichten: Schließlich müssen sie ja selbst irgendwie herausbekommen kommen, daß sie Feministen und nicht z.B. Antifeministen sind.

    Es gibt also durchaus einen Sinn, in dem man von DEM EINEN Feminismus sprechen kann – selbst wenn es über 25 verschiedene Spielarten davon gibt: Alle Feministen teilen zentrale Themen und Thesen – sonst würden sie einander nicht erkennen.

    Genau damit sollte sich Antifeminismus auseinandersetzen und die Maskulisten sollten es als theoretische Herausforderung sehen, diese zentralen Themen und Thesen zu identifizieren. Denn – das ist der Punkt – es ist nicht notwendig der Fall, daß diese feministische Konsens von den Beteiligten jemals expressis verbis ausgesprochen wird. Dennoch ist er wirksam.

    Solange man jedoch die These „DEN Feminismus gibt es nicht.“ verteidigt, kann man unter keinen Umständen die Auseinanderesetzung mit dem Feminismus gewinnen. Denn immer könnte jemand anderes kommen und eine neue Variante von Feminismus vorschlagen, für die die bisherigen Argumente dann naturgemäß nicht gelten. Man müßte immer von vorn beginnen und wenn man diese Variante widerlegt hat, dann kommt jemand Neues und schlägt was neues Feministisches vor … und so weiter und so fort.

    Das gibt natürlich Stoff für endlose post, endlose Kommentare und endlose Aufreger: Aber daran kann nur jemand interessiert sein, dem es gar nicht um die Sache geht, sondern der die Auseinandersetzung mit den unbeschränkt vielen Feminismusvarianten sucht z.B. um im Gespräch zu bleiben, um was zu haben, um sich zu empören oder aus anderen persönlichen Gründen. Alle, die einen Fortschritt wollen, werden alles versuchen, um Feminismus endgültig zu entlarven und loszuwerden.

    • „Solange man jedoch die These “DEN Feminismus gibt es nicht.” verteidigt, kann man unter keinen Umständen die Auseinanderesetzung mit dem Feminismus gewinnen. Denn immer könnte jemand anderes kommen und eine neue Variante von Feminismus vorschlagen, für die die bisherigen Argumente dann naturgemäß nicht gelten.“

      Völlig richtig. Es ist eine Art Hase-und-Igel-Spiel: immer wenn man ein Argument widerlegt hat, steht der Debattengegner woanders. Dieses Spiel spiele ich prinzipiell nicht mit, d.h. ich erkenne die Spielregeln nicht an. Konkreter: Solange sich Debattengegner nicht auf klare Standpunkte festlegen, brauche ich sie nicht ernstzunehmen.

      „Maskulisten sollten es als theoretische Herausforderung sehen, diese zentralen Themen und Thesen zu identifizieren.“

      Außer reiner Interessenpolitik zugunsten von Frauen sehe ich keinen gemeinsamen Nenner. Wenn man eine beliebige größere Partei nimmt und über alle Mitglieder hinweg den Durchschnitt der Themen und Thesen bildet, kommt wahrscheinlich die leere Menge dabei heraus. Trotzdem wählen alle ihre Partei und schimpfen auf die anderen. Große soziale Bewegungen haben nicht unbedingt eine signifikante Ideologische Basis bzw. Theorie.

      Ich habe außerdem weder die Zeit noch die Lust noch die Qualifikation, nach diesem theoretischen Kern zu suchen. Ich will natürlich niemanden hindern, danach zu suchen.
      Es ist nicht meine Aufgabe, die inneren Widersprüche der Feminismusvarianten zu bereinigen. Das liegt auch daran, daß die Relevanz von Theorien für die praktische Politik für immer geringer einschätze. Wenn man sich ansieht, mit welchen haarsträubenden Argumenten Schwesig und Co. Grundrechtsverletzungen realisieren, dann fällt man vom Glauben (an die Theorie).

      • @mitm

        „Solange sich Debattengegner nicht auf klare Standpunkte festlegen, brauche ich sie nicht ernstzunehmen.“

        Man muss ernst nehmen, was auch sonst ernst genommen wird. Ein Gegenmittel kann dann sein, dass man die Unklarheit des Standpunktes darstellt und die Immunisierung gegen Kritik, die damit verbunden ist auch deutlich macht.

        • Sollte man durchaus machen, das ist aber eher eine Meta-Diskussion, die nicht zu Lösungen auf der Sachebene führt, sondern höchstens zeigt, daß solche Lösungen unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich sind.

          Man muß dabei aufpassen, nicht als der Spielverderber und Diskussionsverweigerer dazustehen. Das Publikum hat lieber konstruktive Beiträge zu den Sachproblemen.

          • @mitm

            „Das Publikum hat lieber konstruktive Beiträge zu den Sachproblemen.“

            Die kann man ja zusätzlich liefern. Im übrigen erhalten sie die vom Feminismus ja auch nicht: „Das Patriarchat abschaffen“ ist ja nicht wirklich eine konstruktive Lösung und „Männlichkeit abschaffen“ wollen die meisten Frauen auch nicht. Der vom Feminismus propagierte Männertyp wird von den meisten Frauen als extrem unsexy wahrgenommen (und ja teilweise im Feminismus ebenso)

        • „Der vom Feminismus propagierte Männertyp wird von den meisten Frauen als extrem unsexy wahrgenommen (und ja teilweise im Feminismus ebenso).“

          Gemessen am gesellschaftlichen Erfolg des Feminismus scheint das relativ egal zu sein. Die Idee eine Ideologie müsse primär positive Lösungen bringen um Einfluss zu erreichen hat nichts mit der Realität zu tun; einige sehr unproduktive Ideologien haben durch Dämonisierung sehr viel erreicht. Der Radikalfeminismus z.B. hat es dadurch in den Mainstream geschafft, dass er Männer immer und immer wieder als Vergewaltiger, Mörder und machtbesessene Diktatoren darstellt und nicht weil er konstruktive Beiträge zur Geschlechterdebatte liefert.

    • @elmar

      „Es gibt also durchaus einen Sinn, in dem man von DEM EINEN Feminismus sprechen kann – selbst wenn es über 25 verschiedene Spielarten davon gibt: Alle Feministen teilen zentrale Themen und Thesen – sonst würden sie einander nicht erkennen.
      enau damit sollte sich Antifeminismus auseinandersetzen und die Maskulisten sollten es als theoretische Herausforderung sehen, diese zentralen Themen und Thesen zu identifizieren. Denn – das ist der Punkt – es ist nicht notwendig der Fall, daß diese feministische Konsens von den Beteiligten jemals expressis verbis ausgesprochen wird. Dennoch ist er wirksam.“

      Diese Auseinandersetzung ist doch bereits erfolgt. Der zentrale Punkt, der Feminismus für Feministinnen im engeren Sinne anerkennungsfähig macht ist dieser:

      https://allesevolution.wordpress.com/2012/10/08/was-die-stromungen-des-feminismus-gemeinsam-haben/

      “Sie beginnen regelmäßig damit, dass Frauen (und gelegentlich Männer) die Quellen der Unterdückung in ihrem Leben suchen und versuchen, sich von diesen zu befreien”.

      Sprich: Die Frau muss für einen „echten Feminismus“ Opfer einer Unterdrückung durch den Mann sein. Das ist das verbindende Element, weswegen der Equityfeminismus, der diese Grundannahme nicht teilt, innerhalb des Feminismus auch nicht als solcher akzeptiert wird.

      „Solange man jedoch die These “DEN Feminismus gibt es nicht.” verteidigt, kann man unter keinen Umständen die Auseinanderesetzung mit dem Feminismus gewinnen“

      Es ist relativ sinnlos, Leute Argumente gegen die eine Form der Unterdrückungsmechanismen entgegenzuhalten, wenn sie eine ganz andere Form annehmen. Das ist ungefähr so, als würdest du in einer Diskussion, ob es einen Gott gibt, einem Christen entgegenhalten, dass ein Gott mit einem Elefantenkopf wenig überzeugend ist. Die Antwort wird schlicht sein, dass man ja auch gar nicht von einem Elefantenkopf bei dem eigenen Gott ausgeht.
      Natürlich kann man übergreifende Gründe abstrakt behandeln. Etwa den Gender Pay Gap auseinandernehmen. Aber damit sagt man nichts gegen das Argument, dass Frauen bereits dadurch diskriminiert werden, dass sie durch die Geschlechterrollen dazu erzogen werden, ihr Leben auf bestimmte Weise zu gestalten.
      Und wenn man dagegen argumentiert, dann interessiert das wieder – und das zu recht – eine Differenzfeministin nicht, die meint, dass Männer und Frauen zwar unterschiedlich sind, aber es nicht sein kann, dass die Gesellschaft weibliche Tätigkeiten abwertet und ihre Form der Arbeitsgestaltung sabotiert (indem beispielsweise der Wettbewerb in dieser Form mit Überstunden und späten Konferenzen zugelassen wird).

  5. Daneben steht das Problem der Verallgemeinerungsfähigkeit. Nur weil es einen bestimmten Prozentsatz von Idioten gibt sagt das wenig über den Zustand der Gesellschaft aus. Insofern sagt auch das Auftreten bestimmter Kommentare wenig darüber aus, ob man daraus etwas herleiten kann.

    ->“Die paar Idioten vergiften aber die ganze Gesellschaft!!11! Die paar Idioten machen es unmöglich für AlleFrauen, selbst über ihren Körper zu verfügen!!1! It’s a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear.!1! #yesallwomen!!!!!“

    Es offenbart sich hier ein nach meiner Auffassung äußerst malignantes Mindset: Maßstab ist eben nicht ein vermeintlich vorherrschender „Sexismus“, vielmehr geht es sehr offen bekundet um die vollständige „Ausrottung“ (to eliminate) jeglicher auch nur in irgendwelchen unbedeutenden Kommentaren auftretenden Instanz von „Sexismus“:

    Take concrete action to combat intolerance, in particular with a view to eliminating racism, colour bias, ethnic discrimination, religious intolerance, totalitarian ideologies, xenophobia, anti-semitism, antifeminism and homophobia.

    http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/libe/dv/11_revframework_statute_/11_revframework_statute_en.pdf

    Ganz in diesem Sinne fordert beispielsweise Anita Sarkeesian:

    “Major publishers need to enforce a zero-tolerance policy of sexism and racism and homophobia,”

    http://www.businessweek.com/articles/2014-11-26/anita-sarkeesian-battles-sexism-in-games-gamergate-harassment

    Man frage nur Tante Google nach Fundstellen für „eradicate sexism“, „eradicate rape-culture“ oder auch „eradicate domestic violence“ – die Vorstellung der vollständigen „Ausrottung“ ist geradezu erdrückend hegemonial.

    Die Wortwahl gemahnt nicht zufällig an diejenige der übelsten Eugeniker, es steckt eine sehr ähnliche Prämisse dahinter: Für den Eugeniker ist ein rigides Durchgreifen des Maßnahmenstaates zur vollständigen „Eliminierung“ schädlichen Erbgutes unabwendbar, um den „Volkskörper“ zu „retten“. Jede einzelne Instanz dieses „schädlichen Erbgutes“ werde unabwendbar auf lange Sicht den „Volkskörper“ ins Verderben führen.

    Unsere lieben Genderisten (die offensichtlich sämtliche Antidiskriminierungsdisurse gekapert haben und nun ein Vertretungsmonopol beanspruchen) substituieren einfach Pseudobiologie durch Pseudosoziologie. Sie substituieren lediglich „schädliche Gene“ durch „schädliche Gesinnungen“, unter Beibehaltung der Vorstellung, dass jede noch so unbedeutende Instanz des „Schädlichen“ gravierende negative Folgen für zentrale Werte der Gesellschaft habe.

    Im Komplex Kriminalität kommt dies am deutlichsten zum Ausdruck: So, wie Eugeniker die Utopie einer kriminalitätsfreien Gesellschaft hegen, die sich dann erfülle wenn sämtliches „schädliche Erbgut“ „eliminiert“ sei, hegen Genderisten die Utopie einer (sexual-)kriminalitätsfreien Gesellschaft, wenn erst „Sexismus“ „eliminiert“ sei.

    Besonders ärgerlich finde ich, dass man dabei Antirassismus instrumentalisiert. Die Entmenschlichung und Diskriminierung von Minderheiten aufgrund ihrer Ethnie ist nicht auch nur ansatzweise mit der angeblichen „Objektifizierung“ von Frauen vergleichbar. Es ist _nicht_ entmenschlichend, Frauen als sexuell begehrlich darzustellen oder gar nur zu betrachten – im Gegenteil. Frauen wird vorherrschend eben nicht Menschlichkeit abgesprochen, im Gegenteil: „a women is a human beeing, am man is a human doing“. Insbesondere rechtfertigt auch eine noch so verbreitete Negierung von beispielsweise Rationalität DerFrauenAnSichUndPerSe eben beispielsweise keine Gewalt gegen Frauen. Es gibt kaum etwas, was in westlichen Gesellschaften stärker geächtet wird als Gewalt gegen Frauen.

    Ganz anders verhält es sich mit den Phänomenen, in dessen Kontext regelmäßig „Sexismus“ gestellt wird: Rassismus und Homophobie legitimieren durchaus Gewalt gegen diesen Minderheiten. Diese Phänomene beeinhalten regelmaßig eine kollektive Anschuldigung. Aber auch dabei kann es nicht darum gehen, diese Phänomene „auszurotten“.

    Es wird niemals eine „rassismusfreie Gesellschaft“ geben und ein solches Ansinnen führte lediglich dazu, dass Rassismus impliziter wird. So, wie der real existierende Feminismus einen (mehr oder weniger) impliziten, ausgeprägten Sexismus pflegt.

    • Der totalitäre Anspruch ist in der Tat erschreckend. Es sollte doch offensichtlich sein, dass unter dieser Maßgabe jeder zum Abschuss freigegeben werden kann.

      “a women is a human beeing, am man is a human doing”.

      EIn schönes Beispiel hierfür:
      http://anchukoegl.com/gastartikel-wie-reisen-dich-zum-mann-macht-und-damit-auch-attraktiver-fuer-frauen/

      Ich finde es langsam nur noch atemberaubend, was man alles tun soll, um ein „echter Mann“ zu sein. Penis und Tetsosteron reicehn dafür ja offenbar nicht. Willkommen in der Welt von Gender.

      • Willkommen in der Welt von Gender.

        Muss natürlich nicht allgemeingültig sein, aber zumindest bei mir selbst habe ich nicht den Eindruck, dass das Grundgefühl, dass wenn ich einfach nur „bin“, das nicht „ausreicht“, dass da deutlich mehr drin sein sollte, etc. gesellschaftlich verursacht ist.

        Zum einen, weil die Dinge, die ich als „mehr“ erachte, nicht die sind, die „die Gesellschaft“ für Wünschenswert hält (bin etwas nerdig), zum Anderen, weil meine Erziehung eher Feministisch geprägt war.

        Nicht, dass es keinen gesellschaftlichen Druck gäbe („Order of the White Feather“ ist da für mich ein recht eindeutiger Gegenbeweis), mir scheint die Kausalität da aber eher andersherum: die gesellschaft verursacht das nicht, sie nutzt es nur aus.

        WEIL Männer sich selber nicht genug sind, und damit einfacher damit emotional erpressbar, werden sie damit erpresst. Ihnen zu sagen, sie wären Hässlich, motiviert sie nicht so, wie es Frauen motiviert.

        • @Adrian: Wortbedeutung ist durchaus kontextsensitiv.

          Wenn es darum geht, wie sie ihr Geld bekommen, würde ich bestimmte Kollegen durchaus als „Arbeiter“ bezeichnen.

          Wenn es darum geht, ob sie irgendwas produktives hinbekommen, sicher nicht.

          Da, wo jemanden abgesprochen wird, ein Mann zu sein, geht es imho eher selten darum, ob derjenige Y-Chromosomen hat (unabhängig davon, ob ich das Absprechen für Sinnvoll halte)

        • „Da, wo jemanden abgesprochen wird, ein Mann zu sein, geht es imho eher selten darum, ob derjenige Y-Chromosomen hat (unabhängig davon, ob ich das Absprechen für Sinnvoll halte)“

          Nein, es geht um Gender.

        • „Nein, es geht um Gender.“

          Dummes Zeug! Es geht um Pffft!

          Oder kurz hierum:

          *Die Annahme von Kategorien ist in Theoretisierungen zu Interdependenzen und Intersektionalität die unhinterfragte Grundlage der Untersuchung ihrer Komplexität und Bedingtheit. * 🙂

    • @nick

      „Man frage nur Tante Google nach Fundstellen für “eradicate sexism”, “eradicate rape-culture” oder auch “eradicate domestic violence” – die Vorstellung der vollständigen “Ausrottung” ist geradezu erdrückend hegemonial.“

      Ja der Gedanke, dass man eine Gesellschaft ohne diese Formen von Diskriminierung errichten kann, das perfekte Utopia, ist zum einen unglaublich naiv, zum anderen aber auch unglaublich praktisch, je nach Perspektive. Denn wenn man jede Kleinigkeit aufbauschen kann und sie so darstellen kann, dass daran deutlich wird, dass daran immer ein großes Übel deutlich wird, dann hat man den perfekten allmächtigen Gegner, den man nie besiegen kann, der aber immer zu bekämpfen ist.

      • „hat man den perfekten allmächtigen Gegner, den man nie besiegen kann,…“

        In diesem Zusammenhang wieder einmal der Verweis auf die Begriffsverschiebung von Sexismus in der Wikipedia. Sexismus ist nach Meinung von Fiona Baine und Co. nur von Männern gegen Frauen möglich (nicht umgekehrt, Männer sind privilegiert) und kann gemäß der
        feministischen Begriffsbildung und dem Definitionsmacht-Konzept i.d.R. nur von einer sich diskriminiert fühlenden Frau definiert und festgestellt
        werden, d.h. es liegt alleine im Ermessen einer Frau, ob irgendetwas sexistisch ist.
        Jetzt muß man nur noch medial lautstark überall Sexismus entdecken, so produziert man eine Minderheit von traumatisierten Frauen, die alles als Sexismus interpretieren und sich kaum noch auf die Straße trauen.

      • „Ja der Gedanke, dass man eine Gesellschaft ohne diese Formen von Diskriminierung errichten kann, das perfekte Utopia, ist zum einen unglaublich naiv, zum anderen aber auch unglaublich praktisch, je nach Perspektive.“

        Dazu ein passendes Zitat aus einem Blogbeitrag, in dem es um den feministischen Umgang mit Nerds, deren Kultur und Problemen mit Frauen geht: „It seems neither uncommon nor unexpected that if you charge a group with eliminating an evil that’s really hard to eliminate, they usually end up mildly tweaking the evil into a form that benefits them, then devoting most of their energy to punishing people who complain.“

        http://slatestarcodex.com/2015/01/01/untitled/

  6. Man mag einfach mal diese Logik in einem anderen Kontext ausprobieren:

    „Die pazifistischen und kritischen Kommentare zu einem Angriffskrieg gegen Pazifisten belegen, wie notwendig und gerechtfertigt dieser Krieg ist. Daher müssen die Pazifisten vernichtet werden.“

    IHMO ist das letztlich eine quasireligöse Logik, bei dem ein axiomatischer Glaubenssatz über alles gestellt wird.

  7. The very powerful and the very stupid have one thing in common. They don’t alter their views to fit the facts. They alter the facts to fit their views. Which can be uncomfortable if you happen to be one of the facts that needs altering.

    (The Doctor)

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