Selbermach Samstag 121 (31.01.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs?

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl

1. Grundlegendes

2. Evolutionär relevanter Zeitraum

3. Sexuelle Selektion

4. Signalling

5. Kinder/Jugend/Spielen

6. Hormone

7. Verschiedene Konzepte

8. Geist vs Körper

9. Partnerwahl

10. Status

11. Schönheit

12. Sex:

13. Liebe

14. Vaterschaft

15. Geschlechterunterschiede

16. Sozialverhalten

17. Kritik

18. Spieltheorie

19. Videos

Neid als Grundlage der Privilegientheorie

Die Privilegientheorie entdeckt in nahezu allem, was jemanden in irgendeiner Weise besser dastehen lässt, einen unlauteren Vorteil, den er nach Möglichkeit abbauen soll. Das Zeigen, dass es einem gut geht, wird als Angriff auf die, denen es nicht gut geht oder die diesen Vorteil nicht haben, verstanden.

Das macht Neid als Motiv sehr wahrscheinlich. Ich bin neulich noch einmal über diesen Kommentar von Roslin dazu gestolpert:

Neid ist ein weithin unterschätzter Faktor menschlichen Verhaltens.

Auch viele „Gerechtigkeitsfanatiker“ sind im Grunde ihres Tarantelherzens Neidhammel.

Mir fällt ja hier weniger das Poststrukturalistische in’s Auge als das Sozialistische, Gleichheitssehnsüchtige, das Sozialistische im Poststrukturalistischen.

Wenn schon nicht alle gleich glücklich sein können, dann soll doch wenigstens niemand glücklicher sein als ich selbst, denn das macht mich noch unglücklicher, weil obendrein noch neidisch auf das Glück der Glücklicheren.

Besser also, niemand ist glücklich, wenn ich schon unglücklich bin, dann muss ich wenigstens nicht auch noch neidisch sein.

Also gelingt Gleichheit, indem ich alle unglücklich mache, denn alle glücklich zu machen, ist so sehr viel schwerer, so gut wie unmöglich.

Alle unglücklich zu machen, das dagegen ist möglich.

Und so sieht sie auch aus, die Politik aus Tarantelherzen, wenn man ihnen Macht verleiht, den Traranteln.

Sie stellen gleich, indem sie alle gleich unglücklich machen, gleich ihnen selbst, den Taranteln.

Darum wächst schwarzer Schorf, wohin sie beißen, der Schorf, der schon längst in ihren Seelen sitzt, ihren schwarzen, giftigen, an deren Gift sie leiden, etwas weniger, wenn sie auch die anderen leiden machen können.

Wenigstens das.

Mehr können sie nicht, diese „Sozialisten“, Gleichsteller und „Gerechten“, die ihre Tyrannengelüste hinter Tugendphrasen verbergen.

Leiden können sie machen, gleichstellen im Leiden.

Auf ihr Niveau gleichstellen.

Nach unten herunterziehen.

(…)

Das Hohe herunterzubringen, ist relativ einfach, das Niedrige hochzuwuchten dagegen sehr schwer, fast unmöglich, ja oft wirklich unmöglich.

So sieht Gleichstellung mit Macht denn auch oft aus: Das Hohe herunterbringen, die Glücklichen unglücklich machen, die eigene Skrofulose weitergeben, alle infizieren.

Dann ist man immerhin nicht mehr so alleine, ist „normal“.

Macht zwar die Unglücklichen nicht wirklich glücklich, macht die Neidischen aber wenigstens ein bißchen weniger neidisch und lindert so deren Qual.

Durch Vemehrung der Qualen anderer.

Wenn ich leide, sollen wenigstens viele leiden, damit ich nicht auch noch neidisch sein muss auf das Glück derer, die es wagen, glücklich zu sein.

Obwohl ich leide.

Selbst wenn ich vor allem an mir, an meinem unglücklichen Bewusstsein leide, an meinen oft sebst verschuldeten oder vom Schicksal verschuldeten seelischen Verwachsungen und Verkrüppelungen.

Denn auch daran muss ja jemand schuld sein.

Ich kann, ich darf es nicht sein.

Und ein blindes Schicksal, das ich nicht verantwortlich machen kann, darf es auch nicht sein.

Im intersektionalistischen, poststrukturalistischen Feminismus würde man wohl eher sagen, dass ja alle gleich glücklich sein sollen und das eben Eintritt, wenn jeder seine Privilegien aufgibt. Der Begriff der Privilegien ist aber inzwischen so ausgedehnt, dass nahezu alles ein Privileg sein kann. Jedes Glück ist etwas, was man dann hinterfragen muss, vor dessen Wahrnehmung man die Anderen schützen muss, das quasi verheimlicht werden muss – „Heten können ja auch zuhause küssen“ ist insofern ein Neidansatz, wo es „alle sollen Küssen können, wo sie wollen“ nicht wäre.

„Frauen sind böse, weil sie sich nicht gegen den Feminismus wehren und dessen Vorteile mitnehmen“

Ein Argument, dass man immer wieder im Bereich des Maskulismus antrifft, geht ungefähr so:

Frauen wollen die Vorteile des Feminismus. Sonst würden sie etwas dagegen tun. Also unterstützen sie den Feminismus und müssen sich diesen als von ihnen gewollt vorhalten lassen. Daran sieht man, dass sie eigentlich nichts für Männer übrig haben, sonst würden sie nicht einfach die Vorteile mitnehmen, sondern etwas dagegen machen. Damit sind Frauen auch der Feind.

Eine sehr einfache Entkräftung dieses Arguments kam gerade in einem Kommentar von Nick:

Wo ist denn der männliche Aufschrei gegen Feminismus – jenseits der Filterbubble der Manosphere?

 Nach der gleichen Logik müßte man in der Tat anführen, dass die meisten Männer viele für sie ungünstige Regeln hinnehmen und keine Proteste dagegen lostreten, sich nicht bei ihren Politikern dagegen beschweren, tatenlos bleiben.

Wenn schon die Betroffenen nichts dagegen machen, warum soll dann das Nichthandeln der Frauen eine Unterstützung oder eine Schädigungsabsicht gegenüber Männern belegen?

Aus fehlenden Widerstand gegen Regelungen deren Unterstützung herzuleiten ist in sofern eine einfache Form von „Cui bono„. Dazu schrieb ich unter dem gerade gesetzten Link:

Bei der falschen Verwendung als Argument handelt es sich um den klassischen Fehlschluss “Cum hoc ergo propter hoc“. Hierbei werden gemeinsam auftretende Ereignisse ohne genauere Prüfung zu Ursache und Wirkung erklärt. Die Zuordnung erfolgt entsprechend willkürlich und ohne fundierte Begründung. Die lateinische Wendung cum hoc ergo propter hoc lässt sich übersetzen als „mit diesem, folglich wegen diesem“ oder „mit diesem, folglich nahe diesem“ oder auch „mit diesem, folglich daneben dieses“.

Etwas länger ausgeführt “Weil der Nutzen mit dem Ereignis zusammenfällt, muss das Ereignis wegen des daraus folgenden Nutzens eingetreten sein, also von dem Nutznießer verursacht worden sein”.

Tatsächlich kann es viele Gründe geben, warum Leute dann, wenn sie Betroffen sind, bestimmte Regelungen, die für sie günstig sind, mitnehmen und ansonsten diese kaum wahrnehmen.

Da ist einmal der Punkt, dass die meisten Leute die gesetzlichen Regelungen zum Umgang, Unterhalt etc gar nicht kennen. Dann der Umstand, dass sie davon ausgehen, dass sie davon nicht betroffen sind und es eben die Betroffenen ändern sollen. Dann der Umstand, dass man keine Handlungsmöglichkeit für sich sieht, weil die Gesetze eben „die dort oben machen“ und man eh nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein ist. Dann der Umstand, dass man diese Regelungen ja selbst nicht ausbeuterisch, sondern aus Notwendigkeit und für seinen Fall passend in Anspruch nimmt: Er hat sich ja während der Ehe schon kaum um das Kind gekümmert/er kann es nicht/er hat sie ja mit dem Kind alleine gelassen und die Familie kaputt gemacht, es schadet dem Kind, wenn …. Und sie muss ja auch an das Kind denken, dass braucht ja nun einmal Betreuung und was zum leben und außerdem hat sie nur das haben wollen, was ihr eben zusteht, sie hat die Gesetze nicht gemacht etc.

Ich hatte in einer ähnlichen Debatte  schon mal eine Bewertung aus der Sicht der Einzelperson versucht

Ich halte so eine Betrachtung schon an sich für schwierig: Interessanter finde ich eine spieltheoretische Betrachtung:

Bei einer für Frauen günstigen Gesetzeslage, die ihnen bei einer Scheidung abstrakte +5 Punkte gibt und Männern bei einer Scheidung abstrakte -5 Punkte sind viele Frauen gar nicht in der Situation, sich entscheiden zu müssen. Sie leben zB mit einem Mann und unterstützen ihn nach Kräften, haben eine Arbeitsteilung vorgenommen, die beide gut finden. Die Männer, die sich nicht scheiden lassen, haben auch nur den Anlass, die Männer in Scheidung zu unterstützen, wenn sie meinen, dass sie sich scheiden lassen werden. Ansonsten ist es viel Aufwand für nichts. Sie profitieren vielleicht eher davon, auch sehr konservative Politiker, die die Unterhaltsregeln hoch halten, zu wählen, wenn diese ihnen sonst Vorteile bringen.

Die Frauen, die sich selbst scheiden lassen, müssten eine “+5 Empathie” aufbringen, um die Rechte nicht wahrzunehmen. Das auch häufig noch unter dem Gesichtspunkt, dass sie gleichzeitig Interessenwahrerinnen der bei ihnen lebenden Kinder sind oder sich das vorhalten können, denen es mit weniger Unterhalt und mehr Fremdbetreuung evt. auch schlechter geht.

Die Männer, die sich scheiden lassen, müssen nur eine -5 Empathie zu ihrer eigenen Gruppe aufbringen, handeln ist evtl aber erschwert dadurch, dass sie ja auch wollen, dass es ihren Kindern gut geht, dass sie sich sagen können, dass sie erst einmal an sich selbst denken müssen, weil sie in einer schwierigen Lage sind, dass sie sich sagen können, dass es für den einzelnen zu groß ist etc.

Politiker müssen inbesondere schauen, dass sie nicht als frauenfeindliche Machos die große Gruppe der weiblichen Wähler (und auch genug der konservativen oder feministischen männlichen Wähler) verschrecken, wobei sie wissen, dass so etwas schnell in ein falsches Licht gerückt wird und als “Zerstörung der Ehe” oder “Ausbeutung der Frau” zu einem shitstorm führen kann.

etc.

So bekommt man denke ich ein besseres Bild der Interessenlage als einfach darauf abzustellen, dass Frauen weniger Empathie haben.

Für ein Nichthandeln braucht man eigentlich nie wirklich viele Gründe. Keinen einen selbst betreffenden Grund oder sonst genug zu tun zu haben oder sich nicht verantwortlich zu fühlen oder eben keine effektive Handlungsmöglichkeit zu sehen, reicht schon aus.

Um so wichtiger ist es, wenn Ausdrucksformen für Protest bereit gestellt werden und deutlich gemacht wird, dass andere auch dagegen sind. Dazu muss man aber nicht per se einer Gruppe schlechte Motive unterstellen.

Whitepassing ist auch kein Privileg

Gestern wurde in den Kommentaren auf einen Artikel von Heng auf „Teariffic“ hingewiesen, in der diese sich über ihr „White Passing“ und die daraus folgenden Schwierigkeiten für sie als „Person of color“ beklagt.

Auf Twitter findet man folgendes Foto von ihr:

Hier war bisher das Profilbild von Heng bei Twitter, auf Wunsch von ihr entfernt (weitere Bilder: 1, 2)

Also mich wundert ihr „White Passing“ da jetzt nicht so.

Aber es ist vielleicht ein guter Anlass sich mal mit dem Begriff der „Person of Color“ zu beschäftigen. Die englische Wikipedia hat dazu das Folgende:

Person of color (plural: people of color, persons of color) is a term used primarily in the United States to describe any person who is not white. The term encompasses all non-white groups, emphasizing common experiences of racism. The term is not equivalent in use to „colored“, previously used in the US as a term for African Americans only.

People of color was introduced as a preferable replacement to both non-white and minority, which are also inclusive, because it frames the subject positively; non-white defines people in terms of what they are not (white), and minority frequently carries a subordinateconnotation.[1] Style guides for writing from American Heritage,[2] the Stanford Graduate School of Business,[3] Mount Holyoke College,[4] recommend the term over these alternatives. It may also be used with other collective categories of people such as students of color, men of color and women of color. Person of color typically refers to individuals of non-European heritage.[5]

The untranslated English term has also seen some limited usage among Germans of color, especially when stressing the postcolonial perspective,[6] but so far has not found entrance into general German language and is not necessarily known by the general populace.

In der deutschen Wikipedia heißt es:

Person of color (Plural: people of color) ist ein Begriff aus dem anglo-amerikanischen Raum für Menschen, die gegenüber der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft als nicht-weiß gelten und sich wegen ethnischer Zuschreibungen („Sichtbarkeit“) alltäglichen, institutionellen und anderen Formen des Rassismus ausgesetzt fühlen

Damit wäre die Definition eigentlich recht dehnbar, gerade durch das „fühlen“. „Non-White“ würde eigentlich Heng schon eher wieder aus den „People of Color“ rausnehmen, auch wenn sie als aufgrund ihrer Herkunft aus dem Iran einen gewissen „ethnischen Hintergrund“ hat. Sie selbst beschreibt sich als “ White-passing Hard Femme of Colour, queer, Studentin.

(Exkurs: Nach dieser Betrachtung bin ich dann mit einer PoC zusammen, Südland ist ja auch eine „ethnische Herkunft“. Gelegentlich werde ich auch mal als „Non-White“ gelesen, Norditaliener gar oder bei bestem Urlaubsbart auch als Nordgrieche, oder was südosteuropäisches, ich scheine da auf einige etwas unbestimmt zu wirken, auch wenn mich die allermeisten „Weiß“ lesen. In einem Französisch-Kurs an der Uni sollten wir beispielsweise jeder als einen der ersten Sätze angeben, welche Nationalität wir  haben, demnach sagte ich, als ich an der Reihe war „je suis allemand“ und brachte die Lehrerin zur Verzweifelung, weil ich auf ihren Vorhalt, dass es falsch sei, es immer wieder mit besserer Betonung versuchte. Bis sie mir dann offenbarte, dass ich doch gar nicht aus Deutschland kommen würde und (endlich) mein richtiges Land einsetzen solle. Naja, anscheinend bin ich auch ein PoC. Exkurs Ende)

Jetzt hätte ich etwas naiv gesagt, dass in diesem Gedankenmodell ja ein „white passing“ eine gute Seite sein muss, denn es eröffnet einem den Zugang zu allen Privilegien: Die Privilegien werden ja nach dem Erscheinungsbild zugewiesen und sie wird damit als privilegiert gelesen.

Bei Heng klingt es dennoch düster:

Zwei coole Middle-Eastern Queens steigt am Hermannplatz ein, die beiden Freundinnen sitzen in einem Viererblock mit mir und einer anderen Person, die ich als Middle-Eastern Mädchen lese. Die beiden Freundinnen unterhalten sich miteinander, die eine hat einen knallroten Lippenstift und lockiges Haar, die andere ein sehr schmales Gesicht und goldene Kreolen. Sie nehmen viel Raum ein, unterhalten sich laut, reclaimen sich den von weißen Yuppies gefüllten Space namens U-Bahnabteil. Ab und zu lächeln sie der vierten Person auf den Sitzbänken zu, es ist keine große Kontaktaufnahme, nur ein Zeichen von “Ich sehe, dass du da bist, Schwester!” Ich beobachte die beiden, bewundere sie. Sie wirken auf mich sehr selbstbewusst und erinnern mich an Töchter von Bekannten. Ich versuchte, nicht starrend auszusehen, also schaute ich immer nur für ein paar Sekunden hin und senkte meinen Blick schnell wieder. Ich lächelte, hätte ihnen gern zugelächelt. Hätte gerne auch ein “Ich sehe, dass ihr da seid und ich bewundere euch, Schwestern!”-Zeichen ausgesandt. Wie ich es oft auf der Straße versuche, wenn ich Muslimas und nicht-weißen Personen über den Weg laufe. Aber ich werde häufig nicht erkannt.

Erst einmal ist es natürlich interessant, dass man hier die Raumeinnahme nicht als Mackerhaft ansieht, sondern als toll, als „Raum zurückerobern“. Da würde sie gerne mitmachen, aber sie ist eben in der Hinsicht nicht privilegiert, kein Opfer, sondern muss Zurückhaltung zeigen. Warum sie sie nicht als Frauen, die hier anscheinend gegen die Männer Raum einnehmen, toll finden kann, erzählt sie leider nicht.

Neuer Raum, neues Glück. Um mich herum unterhalten sich weiße Queers. Sie reden über Feiertage, ihre Großeltern, deutsche Küche, Familienurlaub. Identifikationspotenzial: Null. Ich langweile mich. Einmal versuche ich mich ins Gespräch einzubringen und mache einen Scherz. Über deutsche Küche und seinen mangelnden Geschmack. “Ohne Kurkuma, ohne mich”, lache ich. Außer mir lacht keine_r. “Einmal habe ich Kurkuma über meinen Reis gemacht, das hat voll komisch geschmeckt”, sagt eine Person, die ich kaum kenne, aber sofort scheiße finde. Irgendwann wollen Leute wissen, wie genau mein Name nochmal geschrieben wird. Und woher er kommt. Ach so, Iran, wie exotisch!

Das sind Struggles als Person of Color mit white-passing-Privileg

Da nehmen die sie auch einfach nicht als Person of Color war und ihr kleiner Versuch, dass zu retten, indem sie über die deutsche Küche herzieht, scheitert auch noch. Die stimmen ihr nicht vorbehaltlos zu, sondern widersprechen sogar! Haben einen anderen Geschmack als sie! Widerlich, kein Wunder, dass sie sie nicht mag. Die Beachten eben ihren Opferstatus nicht genug, behandeln sie einfach als weißprivilegierte Person, der man sagen kann, dass einen persönlich Kurkuma nicht schmeckt, ohne dass sie dabei merken, dass das rassistisch ist. Ich kann die arme Heng verstehen. Interessanterweise hätte sie natürlich eine Person, die ihr zustimmt, dass Kurkuma auf Reis das beste ist, auch rassistisch finden können, denn die eignet sich dann ja deren Kultur an, was auch nicht geht. Insofern hätte man wohl allenfalls sagen dürfen, dass andere Küchen eben viel besser sind als die inländische und sie anbetend anschauen können.

In separatistischen BPOC-Räumen (Räume, die nicht für weiße Personen offen sind), fühle ich mich manchmal unwohl. Ich habe Angst, dass die anderen Personen denken, ich eigne mir ihre Struggles an und gehöre nicht dahin. Ich habe Angst, Raum einzunehmen, der mir nicht zusteht. Ich hinterfrage jede meiner Handlungen, bin verunsichert, weiß nicht, was angemessen ist. “Eigentlich sehe ich doch aus, wie eine random Person aus dem Middle-East. Wie aus dem Iran oder aus Israel oder der Türkei. Da sehen doch auch nicht alle gleich aus! Get over yourself!”, denke ich dann immer.
Wenn Menschen mich in diesen Räumen anschauen, werde ich sofort nervös. In Moscheen habe ich ein solches Gefühl nicht, sondern eher in politischen Räumen. In solchen Momenten verfalle ich in problematische Denkmuster wie: Ich wünschte, ich würde iranischer aussehen. Ich wünschte, ich würde mehr wie mein Vater aussehen. Warum wird meine Schwester immer richtig gelesen, wir sehen uns doch total ähnlich?

„BPOC“ sind übrigens „Black People of Color“. Da frage ich mich wirklich, warum sie da meint reingehen zu können. Sie ist eben nicht „Black“. Anscheinend ist sie sich ihrer Privilegierung nicht hinreichend bewußt.

Ich finde es insoweit schon faszinierend, dass sie erst die rassistischen Probleme darstellt und sich dann beklagt, dass sie weiß gelesen wird.

Ihre ganze Angst macht insofern aus meiner Sicht eher deutlich, dass sie insbesondere zur Gruppe dazugehören möchte, eine von den guten sein möchte, keine Weiße, die ihre Privilegien hinterfragen muss, sondern eine PoC, die voller Stolz sagen kann, dass sie diskriminiert wird und deswegen dazu gehört.

Wenn ich dann mit Menschen spreche und meine Daseinsberechtigung innerhalb diesen Raums nicht hinterfragt wird, entspanne ich mich ein bisschen. Weniges empowert mich so sehr, wie von anderen Personen of Color eine Art Anerkennung oder Zugehörigkeitsgefühl vermittelt zu bekommen. Ich kann es nicht richtig formulieren, aber ich fühle mich einfach sichtbar.

Da wird dieses In-Group-Gefühl noch einmal von ihr sehr deutlich ausformuliert. Sie möchte dazugehören, was bei jemanden, der einer Identitätspolitik, die Weißsein stark abwertet, angehört, ja durchaus verständlich ist. Es muss ein schrecklichers Gefühl sein, wenn die anderen einem dem Unterdrücker zuordnen

Die Erleichterung tritt auch ein, weil ich es total nachvollziehen kann, warum Menschen mich in diesen Räumen nicht haben wollen. Weil ich ganz andere Erfahrungen habe als sie, weil ich sehr leicht zu tokenisieren bin. (Aber auch: Alle Personen of Color haben unterschiedliche Erfahrungen. Und komplett andere Erfahrungen als Schwarze Personen. Ich behaupte auch nie, die Oppression Olympia zu gewinnen. Und wenn Personen als Tokens genutzt werden, dann sind die priviligierten Tokenizer das Hauptproblem. Es ist zwar auch eine Entscheidung, Quoten-Whatever zu sein. Aber eine Entscheidung, die mit vielen Faktoren zusammenhängt – im Zweifelsfall mit der Existenz.)

Tokenisierung ist übrigens etwas, bei dem man denjenigen als Vertreter seiner Gruppe sieht und nicht mehr als Individuum. Man sieht also etwa eine Frau, die sich in einem sonst überwiegend männlich besetzen Bereich aufhält, nicht mehr als individuelle Person, sondern lädt die Vorurteile bezüglich dieser Gruppe bei ihr ab und behandelt sie als Vertreter dieser Gruppe. Ob sie damit meint, dass sie dann als „Araberin“ tokenisiert wird bleibt mir etwas unklar. Wobei ich vermute, dass sie nicht als Weiße tokenisiert werden kann, denn das können nur in diesen Theorien üblicherweise nur Minderheiten (weswegen es auch okay ist, einen Mann als Vertreter der Männlichkeit oder der Männer zu sehen und damit im Feminismus nur das schlimmste von ihm zu denken, ohne sich den Vorwurf der Tokenisierung einzuhandeln).

Interessieren würde mich auch, ob der Satz “ Ich behaupte auch nie, die Oppression Olympia zu gewinnen“ nicht eigentlich angesichts ihrer Privilegien gegenüber BPOCs eine Leugnung ihrer Privilegierung ist.

Erst vor kurzem war ich in einer sehr merkwürdigen Situation. Meine Mutter und Schwester sagten am Tisch zu mir, ich sähe gar nicht iranisch aus. Das ist ein unsinniger Kommentar, wie sehen denn auch iranische Personen aus? (…) Ich wusste, dass es Kackscheisze war, die sie sagten. Aber es verletzte mich sehr, von meiner eigenen Familie geothert zu werden. Nicht mal in diesem Raum zu genügen. Nirgendwo reinzupassen.

Das typische Migrantengefühl, dass man nirgendwo reinpasst, kann ich nachvollziehen. Bei ihr kann ich auch nachvollziehen, dass es sie sehr ärgern muss, dass man sie aus der PoC-Kategorie aussortiert. „Othern“ als Unterdrücker. Dabei will sie doch selbst „Othern“, die PoC und nicht Nicht-PoCs, die Weißen.

Ich möchte mich mit diesem Text nicht als Special Snowflake inszenieren. Es sind einfach Gedanken, die in den letzten Monaten sehr aufdringlich in meinem Kopf herumspukten und die mich sehr beschäftigen. Es ist so vieles, bei dem ich mich zwischen zwei Stühlen fühle: Nicht dünn, nicht fett, sondern dick. Nicht cis, nicht binärtrans, sondern nicht-binär weiblich. Auch mit queerfemininer Performance wird eins aufgrund von Lookismus oft falsch gelesen. Community-Räume versetzen mich in Stress und Ängste, weil ich in wenigen das Gefühl habe, wirklich willkommen zu sein. Konkretes Beispiel: Wenn ich in einem Club “ganz natürlich tanze”, hab ich einerseits Anxiety davor, dass Menschen meine Performance für Aneignung halten, und andererseits (in weißen Räumen), dass ich dafür exotisiert_fetischisiert werde. Egal, was ich mache, es könnte problematisch enden. Es ist ein großer Identitätsstruggle, der mit Angst vor Aneignung, unangebrachter Raumeinnahme und Selbstzweifel verbunden ist.

Mit dem Feminismus und dem intersektionalen Feminismus wird alles besser. Jeder ist überall willkommen und keiner wird mehr ausgebremst. Man kann sich einfach verhalten wie man will, ganz ohne Angst davor, nicht akzeptiert zu werden. Alles ist abgeschafft und Gruppendenken, nein Gruppendenken gibt es nicht mehr. Es ist eine gemütliche Welt ohne Abschottung und ohne Grenzen.

Wie könnte man jemals etwas anderes denken?

Biologische Gründe für breitbeiniges Sitzen von Männern („Manspreading“)

Über einen Artikel bei buzzfeed  (via) über Tom Hanks als „Manspreader“ bin ich auf einen interessanten Kommentar gestoßen:

Dear Allison Vigiano,
I consider it polite to make way for other passengers, and have always gone out of my way to make room/stand when an elderly, pregnant or disabled person board the train. But I am a man, so can count myself amongst the man spreaders of the world.

The last person I want to defend is Tom Hanks, but aside from the fact he’s in an empty carriage, here are some facts on manspreading for you:
• Testicles are uncomfortable to squish, but it’s also unhealthy for them to be kept at body temperature, thus the issue is discomfort and health.

• Ischium bones in men, the bones you sit on, are closer together, meaning men have a smaller point of contact.

• The inferior pubic rami, used to balance when you sit, is 20-30 degrees narrower in men, resulting in less stability; additionally, it makes sitting with one’s legs apposed unnatural.

• Men have cylindrical thighs, as opposed to conical thighs, further compounding the issue of sitting with one’s thighs apposed.

• Men have narrower acetabulum, meaning their thighs are closer together, resulting in less space between them, further compounding the above, the issue of external genitalia, and reducing the amount of balancing leverage available when sitting with one’s thighs apposed.

• Men have more lateral facing acetabulum, meaning their legs swing forward, backward, and out; women have more anterior facing acetabulum, meaning their legs not only have a greater ability to swing inward, but do so naturally when moving forward, like when sitting or walking (thus the swaying hips).

• Men have wider, heavier upper bodies, thus require more stability.

So, it appears to me that, for men, sitting with one’s legs apart is not only biologically natural, it’s biologically necessary to attain the same level of stability that women enjoy; plus, the inverse of these things makes sitting with one’s thighs apposed biologically natural for women.

I know all men are asshats out to ruin everything for women, but try, just a little, to consider biology might have some part to play.

Übersetzung der wesentlichen Fakten:

Hoden Druck auszusetzen ist unangenehm , zudem ist auch ungesund sie bei Körpertemperatur zu halten, insofern ist das Problem Unbehagen und Gesundheit.

• Die Sitzbein-Knochen, die Knochen auf denen man sitzt , liegen bei Männern näher zusammen , was bedeutet, dass Männer eine schmalere Auflagefläche haben

• Die unteren Schambeinäste, die für die Balance verwendet werden, wenn man sitzt, ist bei Männern etwa 20 bis 30 Grad schmaler , was zu weniger Stabilität führt; zusätzlich macht es das Sitzen mit den Beinen nebeneinander unnatürlicher.

• Männer haben zylindrische Oberschenkel , im Gegensatz zu konischen Oberschenkel,was das Problem verschärft, die Beine nebeneinander zu stellen.

• Männer haben eine schmalere Hüftpfanne , was bedeutet, dass ihre Schenkel näher zusammen sind, was zu weniger Raum zwischen ihnen führ , dies verschärft das Problem, dass bei außen liegenden Hoden weniger Platz vorhanden ist, wenn man die Beine nebeneinander stellt.

• Männer haben eine seitlichere Hüftpfanne , was bedeutet, dass ihre Beine eher vorwärts, rückwärts, und auswärts schwingen; Frauen haben eine mehr nach vorne ausgerichtete  Hüftpfanne , was bedeutet, dass die Beine nicht nur eine größere Fähigkeit haben, nach innen zu schwenken , sondern dies bei der Vorwärtsbewegung üblicherweise tun , wie beim Sitzen oder Gehen (daher die schwingenden Hüften ) .

• Männer haben größere , schwerere Oberkörper , diese erfordern somit mehr Stabilität.

Ich kann die dortigen Angaben nicht überprüfen, vielleicht findet man hier in dem Artikel was oder jemand kann etwas dazu sagen. Es scheint mir jedoch erst einmal eine gute Zusammenstellung, die auch zu unterschiedlichen Sitzarten beitragen könnte.