Selbermach Samstag 111 (22.11.2014)

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„Männer, die Verlierer des Patriarchats“

In der Welt meint Rolf Bönt, dass die Männer die Verlierer des Patriarchats sind:

Der moderne Mensch hat sich erschöpfend mit der Lage der Frau befasst. Jetzt ist auch mal genug: Die ganze Aufmerksamkeit sollte dem Mann gelten. Er ist der Verlierer des Patriarchats.

Wenn es um Probleme mit der Gerechtigkeit unter den Geschlechtern geht, werden fast ausschließlich exotische Fälle aufbereitet. Man fordert Quoten im Dax-Vorstand oder nennt Hochschullehrer per Dekret Professorin. So geschehen letztes Jahr an der Uni Leipzig. Dass es dabei nicht um eine systematische Bekämpfung des Sexismus, der Benachteiligung qua Geschlecht geht, sondern um einen Verteilungskampf, liegt auf der Hand, denn niemand nennt den Hausmeister fortan Hausmeisterin oder den Wachmann Wachfrau. Sonst wäre vielleicht nicht so laut gelacht worden. Oder noch lauter. Und bei einer Quote für alle diese Berufe wäre es möglicherweise ganz still geworden, zumal unser Grundgesetz diese schützen könnte.

Da wird man natürlich bereits einwenden müssen, dass es kein Patriarchat gibt, sondern beide Geschlechter gemeinsam die derzeitige Gesellschaft gestaltet haben, wobei eben die Macht häufig in anderen Bereichen besteht.

Statt Antisexismus oder auch nur eine massstabsgetreue Debatte um ihn, erleben wir derzeit eine Rosinenpickerei im Gewande des Patriarchats, denn Quoten sind nicht liberal, sondern patriarchal. (…) Man kann sich auch, und das ist der Punkt, ereifern angesichts der simultanen und damit erhöhten Missachtung des tatsächlichen alltäglichen Sexismus, der uns alle angeht. Er hält Männer von ihren Familien ferner als Frauen von der Karriere. Er findet stärker als im Dekanat bei der Müllabfuhr statt, wo die Unberührbaren zu Tausenden arbeiten. Geschlecht immer nur dann aufzurufen, wenn es einer Vorteile bringt und es sonst zu negieren, ist nicht nur kindisch und verlogen.

Das ist in der Tat die gerne übersehene Seite: Beide Geschlechter haben Nachteile.

Es steht in der Tradition eines John Money und einer Alice Schwarzer, die mit dem Begriff des Gender eine rechte, so menschenfeindliche wie offenkundig unsinnige Theorie vom Geschlecht als rein sozialem Konstrukt erfanden, protegierten und in großen und kleinen Schritten asymmetrisch, nämlich stets männerfeindlich in die Tat umsetzten. Was die Gendertheorie mit dem Skalpell in der Hand zu leisten vermag, erfuhr Bruce Reimer, auf dessen furchtbaren Fall sich Alice Schwarzer in ihrem Buch „Der kleine Unterschied“ bezog, wo sie ihn grotesk falsch darstellte, vollkommen unnötigerweise übrigens. In der der heute erhältlichen Ausgabe des Buches hat man die Passage kommentarlos gestrichen. Augenfälligerweise findet man unter den Genderfans auch kaum Eltern, man ist meist kinderlos. Mit Kindern hat man auch erfahren, was Geschlecht bedeutet.

Was keineswegs heisst, dass man die sozial konstruierten Zuweisungen an Vater und Mutter, Frau und Mann nicht revolutionieren kann, soll oder muss. Ganz im Gegenteil! Der Vater gehört dann aber zwingend auch dazu, das ergibt sich nicht nur aus der Arithmetik von Tageslänge, Anzahl zu leistender Arbeitsstunden und glücklicher Kinderbetreuung, sondern auch aus der Einsicht, dass Gesundheit in der Familie entsteht. Vor allem, weil man den biologischen Vater überhaupt erst erfinden muss, denn unser Rechtssystem kennt ihn quasi nicht. Er ist eine zivilisatorische Idee, aber noch keine Errungenschaft, wie Millionen Männer und Kinder wissen und nicht zu sagen wagen. Kardinalfehler in der jahrzehntealten Debatte ist, die Frau als Boss denken zu können, den Mann aber nicht als Mutter. Dabei ist es der Vater, der fehlt.

Den biologischen Vater als Rechtssubjekt zu installieren war nicht zufällig eine der ersten Forderungen der Urfeministin Olympe de Gouges, die wegen ‚paranoia reformatoria‘ von den Jakobinern geköpft wurde.

Den biologischen Vater gibt es durchaus: Er kann durch Vaterschaftstest festgestellt werden. Versäumt er dafür die Fristen, dann verschwindet er aber: Warum eigentlich?

Die Frau als Boss zu denken ist da vielleicht in der Tat einfacher: Sie ist es in vielen Bereichen ja auch durchaus: Sie ist die erste Autoritätsperson  der meisten, sie hat nicht selten in der Beziehung die Hosen an, sie wird auch ansonsten nicht selten aufs Podest gestellt. Der Mann kann auch als Vater gedacht werden, solange er ansonsten in der Rolle bleibt, der Alphamann mit Herz bleibt, er darf eben aus dieser Rolle heraus nicht seine Männlichkeit verlieren und den Status seines Jobs, weil er damit an Attraktivität verliert. Was eine Übertragung schwieriger macht. Das gleiche Problem haben allerdings auch Frauen als Boss: Sie können hier das weibliche, weiche Verlieren, was ihnen auch in den Augen vieler Männer einen besonderen Charme bringt.

Der Fehler dieses Denkens liegt darin, dass diese Stärke nichts als das ist, was die Feministinnen immer gesagt haben: Bluff. Das starke Geschlecht sind Männer vielleicht, wenn man das Schloss Bellevue, die Gehaltsliste des FC Bayern zum Massstab macht. Freiheit, wie sie Simone de Beauvoir vermutete, gab es dort allerdings nie, man frage einmal Christian Wulff. Zudem befinden sich in diesen Positionen sowieso die wenigsten Männer, während die meisten einen Overall tragen. Sie sitzen, mit einem Wort von Warren Farrell, im gläsernen Keller, während im Gesundheitswesen das Geld vor allem für Frauen ausgegeben wird. Die resultierenden Daten sprechen eine sehr klare Sprache, wie uns die Stiftung Männergesundheit mitteilt. Männer sind die Verlierer des Patriarchats, denn sie besetzen die oberen und die unteren sozialen Ränge, die ungemütlichen. Sie sind die chronisch Kranken, die Drogenkonsumenten und Selbstmörder, die Unfall- und Gewaltopfer. Wenn jeder einzelne daran selbst schuld ist, dann ist bitte jede einzelne Frau an ihrer Unfreiheit auch selbst schuld, denn die einen Probleme sozialisieren und die anderen individualisieren, das kann nur ein per definition asymetrisches Rechtssystem wie das Patriarchat.

Der Mythos des starken Mannes, der häufig nur an der Spitze besteht und wie Wulf zeigt auch nicht dort unbedingt.