Outgrouping und Feindbildaufbau sowie die Rechtfertigung des eigenen Handelns damit

Schoppe hat einen weiteren interessanten Kommentar hinterlassen:

“Der Glaube an DAS PATRIARCHAT setzt DIE Männer in einen Klassengegensatz gegen DIE Frauen, macht Empathie von Frauen, der unterdrückten Klasse, mit einem Mann = Angehöriger der sie unterdrückenden Klasse, zum Klassenverrat, zu einem moralischen Übel, zu einem Laster.”

Das sehe ich genauso – hier werden herkömmliche Moralvorstellungen regelrecht umgedreht. Was als moralisch wertvoll erschien, wird verwerflich – und was zuvor primitiv und amoralisch war (und das bei Licht besehen auch bleibt), wird plötzlich zur Tugend erklärt.

Um das zu verstehen, ist es vielleicht wichtig, dass diese Haltung oft mit einer bestimmten Selbstsicht verbunden war und ist. Mit der Vorstellung nämlich, Frauen hätten IMMER SCHON die Welt aus der Perspektive der Männer gesehen, sich empathisch in sie hineinversetzt, für sie liebevoll gesorgt – und sie hätten darüber ihre eigene Perspektive vergessen oder gar nicht erst entwickeln können. Zur Befreiung der Frau wäre es demnach geradezu notwendig, diese Empathie zu verlieren und sie als Instrument männlicher Herrschaft zu entlarven.

Das ist ganz gewiss eine Selbst-Idealisierung, es ist aber eine Idealisierung, die sich m.E. oft in antihumanen Positionen findet. “Wir sind EIGENTLICH die besseren Menschen, aber gerade unsere moralische Überlegenheit wird von unseren Feinden und Ausbeutern gegen uns benutzt. Daher müssen wir – im Interesse des Guten! – härter werden, unbarmherziger. Das ist angesichts der Verhältnisse eine MORALISCHE Notwendigkeit.”

Die schlimmste Ausprägung dieser Haltung findet sich im Nationalsozialismus – und in Himmlers Posener Rede lässt sich die Pervertierung herkömmlicher Moral ja gut nachvollziehen. Das bedeutet nun nicht, dass alle Feministinnen Nazis im Herzen sind. Aber es hätte ganz gewiss ein Grund sein müssen, misstrauischer zu sein gegenüber politischen Positionen, die Mitgefühl und zivile Achtung für andere als Untugenden und Herrschaftsinstrumente abqualifizieren.

Hier haben wir klassische Elemente, die in der Tat auch sonst häufig genutzt werden

  • Es erfolgt ein Outgrouping, hier in dem die Männer und die Frauen als Gruppen mit unterschiedlichen Interessen dargestellt werden
  • Die gegnerische Gruppe handelt böse (siehe „Mythos des puren Bösen„)
  • Die eigene Gruppe ist gut, ist damit unschuldig und rechtschaffen
  • Die Bösartigkeit der gegnerischen Gruppe rechtfertigt es, diese mit allen Mitteln zu bekämpfen, ohne das man sich den Vorwurf machen lassen muss, selbst böse zu sein. Die Rechtfertigung kann dadurch ausgebaut werden, dass dieses Handeln einem von der anderen Seite aufgezwungen wird.

Die „Wir waren einfach zu gut dafür, dass die so böse sind“-Verteidigung ist ein guter Weg, sich selbst mehr zu erlauben. Deswegen ist es auch so wichtig in einer solchen Ideologie das Feindbild stark zu überhöhen und auszubauen – es muss eben ein Patriarchat her oder irgendeine andere Verschwörung. Im Maskulismus übernimmt diese Funktion die Verschwörung, dass alle Bereiche des Lebens bereits feministisch verseucht sind, die gesamte Justiz, die Rechtsanwälte, die sonstigen Staatsbediensteten, überhaupt alle sind letztendlich vom Feind unterlaufen und nur die guten und rechtschaffenden Widerstandskämpfer halten dagegen. Auch hier sind die Frauen gerne zu allen Schandtaten bereit.

Der Mechanismus ist damit weit verbreitet und wird gerne eingesetzt, allerdings hat er eben im Gender-Feminismus einen umfassenden theoretischen Unterbau erhalten, der kaum genannt wird und wenn er genannt wird, schnell lächerlich gemacht wird. Es ist vor diesem Hintergrund eigentlich erstaunlich, wie umfassend diesen doch sehr radikalen Arten des Feminismus Raum eingeräumt wird. Ich vermute, dass hier die „Die sind die bösen, wir schwache Frauen“-Verteidigung auf ganz besonders fruchtbaren Boden fällt, weil man Frauen eben nicht angreift, sondern ihnen hilft. Der Feminismus baut hier also letztendlich seinen Erfolg auf ganz klassischen Rollenbildern auf, gegen deren Bestehen sie eigentlich kämpfen.

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18 Gedanken zu “Outgrouping und Feindbildaufbau sowie die Rechtfertigung des eigenen Handelns damit

  1. Hallo,

    Gibt es das Patriarchat nicht? Gibt es nicht überall Gruppen die andere Gruppen unterdrücken?

    Ich denke beides kann man mit ja beantworten. Die Menschheit war fast überall patriarchalisch aufgebaut. Die Frage ist aber ob das automatisch eine Unterdrückung der Frau bedeutet? Ich denke, dass die Frauen nie unterdrückt wurden. Sie haben sich unterdrücken lassen, gefangen in einem biologisch determinierten anthropologischen Korsett, in dem die Männer auch schon damals die wahren Verlierer waren.

    Die Männer mussten sich immer behaupten oder untergehen, wobei die meisten von ihnen Verlierer waren.

    Ich sah einmal eine Doku über Nasenaffen. Jedes Alphamännchen hatte ein Harem, das er Tag und Nacht nach außen verteidigen musste und dem er innen genauso gerecht werden musste. Zeigte er die geringste Schwäche fingen einige Weibchen sogleich an sich mit den Kleinen an die Peripherie des Baumreviers zu begeben. Das Männchen hatte keine ruhige Sekunde in seinem „privilegierten“ Leben, ganz zu schweigen von den herumwildernden Verlierern, die kein Harem besaßen. Die Weibchen jedoch suchten sich dauernd das beste Männchen aus und wechselten sobald das eine Alphatier verbraucht war. Sind sie zu stark ….

    Das erinnert mich irgendwie an etwas, kann es aber leider jetzt nirgendwo fest machen …. 😉

    Lange Rede kurzer Sinn, auch beim Menschen ist nicht alles was Gold ist …. oder anders ausgedrückt: Reden ist Schweigen, Silber ist Gold (ein schönes Buch)

    Eigentlich wollte ich sagen, dass auch bei uns die Frauen sehr wohl wissen, wo und wie am meisten zu holen ist. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Ähnliches gilt ja auch für die Männer und sie müssen sich leider selbst aus diesem Gefängnis befreien, wenn sie auch deswegen die Freuden der ewigen Sklaverei missen werden.

    Ob ein Geschlecht das andere unfair behandeln kann und Männer darunter leiden? Ja, denke ich, und m-E. ist der Grund dafür ein Teil ideologische Indoktrination die auf den fruchtbaren Boden der Opferkultur trifft gepaart mit ein wenig Egozentrismus und Egoismus und einer Prise nicht zu vernachlässigender Dummheit, auf der einen Seite, und auf der anderen Seite Männer die das mit sich machen lassen.

    Entschuldigt bitte, liebe Feministinnen, aber m.E. ist ein Teil dieser Hate-culture ganr einfach der ungleichen Verteilung von Intelligenz bei Frauen und Männern geschuldet. Mittlerweile erinnert mich der Feminismus an den IS.

    MfG
    Yeph

  2. Es erfolgt ein Outgrouping, hier in dem die Männer und die Frauen als Gruppen mit unterschiedlichen Interessen dargestellt werden
    Die gegnerische Gruppe handelt böse (siehe “Mythos des puren Bösen“)
    Die eigene Gruppe ist gut, ist damit unschuldig und rechtschaffen
    Die Bösartigkeit der gegnerischen Gruppe rechtfertigt es, diese mit allen Mitteln zu bekämpfen, ohne das man sich den Vorwurf machen lassen muss, selbst böse zu sein. Die Rechtfertigung kann dadurch ausgebaut werden, dass dieses Handeln einem von der anderen Seite aufgezwungen wird.

    Trifft alles irgendwie auch darauf zu, wie sich atheistische Fundamentalisten gegenüber Religionen und Gläubigen verhalten. 🙂

  3. Menschwerdung

    Friedrich Nietzsche: Zarathustras Vorrede: „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde.“

    Also sprach Zarathustra / Von der Selbst-Überwindung: „Nur, wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern – so lehre ich’s dich – Wille zur Macht!“

    „Zum Herrscher der Welt geworden, wusste er nicht, was er jetzt unternehmen sollte; doch eines war sicher: Er würde auch den nächsten Schritt tun!“

    (Am Ende des Vorspanns und am Ende von „2001: Odyssee im Weltraum“)

    Mit einem Satz, den er wiederholte, beschrieb Arthur C. Clarke sowohl die Menschwerdung als auch die Übermenschwerdung, und mit dem bis heute genialsten Schnitt in der Filmgeschichte visualisierte Stanley Kubrick: „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch“ – dessen Entwicklung, soweit sie aus heutiger Sicht zurückverfolgt und in die Zukunft gedacht werden kann, in sechs wesentliche Schritte zu unterteilen ist:

    1) Urkommunismus
    2) Ursozialismus (Staatskapitalismus)
    3) Kapitalistische Marktwirtschaft
    4) Freiwirtschaft
    5) Yin-Anarchie
    6) Yang-Anarchie

    Der sechste Schritt ist in „The City and the Stars“ (Arthur C. Clarke, 1956) beschrieben. Die zukünftigen Schritte sind nur durch Weiterentwicklung des Bewusstseins zu erreichen; die vergangenen Schritte entstanden aus der immer trickreicheren Programmierung des kollektiv Unbewussten; durch erstmalige Hinterhältigkeit – wenn man so will:

    Indem man „einfach mal so“ einen Affen „der anderen“ mit einem Knochen erschlägt, um allen zu zeigen, wer „man“ ist, gelingt es, „alle minus die anderen“ zu „eigenen“ zu machen. Diese sind so beeindruckt, dass das „einfach mal so“ hingenommen wird, und man gewinnt Zeit zum Nachdenken, um den „eigenen“ Anweisungen für ein koordiniertes Arbeiten zu erteilen, damit es „uns allen“ besser geht. Sobald es aufgrund der besseren Arbeitsteilung wirklich allen besser geht, wird im Lauf der Zeit aus der kollektiven Erinnerung an das anfängliche „einfach mal so“ ein legendäres Programm im kollektiv Unbewussten der „eigenen“, für die der kausale Zusammenhang unverständlich bleibt. Man braucht jetzt nur noch einen Knochen zu erheben, damit die „eigenen“ den Anweisungen folgen.

    Vom ersten zum zweiten Schritt verging eine lange Zeit, bis man es als Stammeshäuptling gelernt hatte, die in langer Tradition und mittlerweile gezielt angewendete Programmierung der Untertanen des eigenen Stammes auf benachbarte Stämme auszudehnen. Mit einem kleinen Kreis von Eingeweihten konnte man die ersten zentralistischen Planwirtschaften entstehen lassen, in der die Religion (Rückbindung des arbeitenden Volkes auf künstliche Archetypen im kollektiv Unbewussten) die vom eigenen kleinen Kreis betriebene, wichtigste Wissenschaft war. In Zukunft würde es programmierbare Industrieroboter geben, aber im vorantiken Ägypten programmierte man Menschen, die alles glaubten und alles machten, was die vom eigenen inneren Kreis befehligten Priester, die immerhin lesen und schreiben konnten, ihnen sagten. So genannte „Menschenrechte“ sollten erst später erfunden werden.

    Der dritte Schritt war der „Auszug der Israeliten aus Ägypten“, nachdem man sich mit List und Tücke in den „inneren Kreis“ dieses Blödmanns eingeschlichen hatte, der nur das alte „Herrsche!“ verstand. Um einen gehörigen Teil des Sachkapitals – sorry – Humankapitals mitgehen zu lassen, musste diesem nur mit dem eigens dafür neu erdachten „Teile und herrsche!“ Beine gemacht werden – Boot Program GENESIS:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2014/11/meinung-und-wissen.html

  4. Analog auch passend „Propganda im Krieg“:
    > http://www.heise.de/tp/artikel/42/42386/1.html

    Wir wollen den Krieg nicht.
    Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.
    Der Führer des Gegners ist ein Teufel.
    Wir kämpfen für eine gute Sache.
    Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.
    Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.
    Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.
    Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.
    Unsere Mission ist heilig.
    Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

    Es paßt nicht alles, aber das Mindset ist das gleiche. Kein Wunder, eine Art selbsterklärten Krieg gegen das Patriachat führen die Damen.

    • Es paßt nicht alles, aber das Mindset ist das gleiche.

      Es passt doch alles ziemlich gut:

      „Wir wollen den Krieg nicht.“ -> „Wir haben keine andere Wahl, als um unser Recht auf Verfügung über unseren eigenen Körper zu kämpfen!“

      „Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.“ -> „War(sic!) on Women“

      „Wir kämpfen für eine gute Sache.“ -> steht wohl außer Frage

      „Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.“ -> „Das Patriarchat wäscht unsere Hirne schon seit tausenden von Jahren“; „Rape is a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear.“

      „Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.“->“DieMänner zittern schon, ob des baldigen Verlustes ihrer Privilegien. FrauenundMädchen werden immer selbstbewußter“

      „Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.“->“Unsere Gegner sind unkultiviert und unmodern“

      „Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.“-> steht wohl vollkommen außer Frage.

  5. @ C.

    “ Im Maskulismus übernimmt diese Funktion die Verschwörung, dass alle Bereiche des Lebens bereits feministisch verseucht sind, die gesamte Justiz, die Rechtsanwälte, die sonstigen Staatsbediensteten, …“

    Auch wenn ich von mir nicht gerade behaupten würde, ein Maskulist zu sein, fühl ich mich (bestimmt nicht zu unrecht) hier angesprochen.

    Dämonisierung und pauschale Schuldzuweisung ist Symptom JEDER exklusiven Sekte, egal ob religiös oder säkular. Vom Grundsatz her sind wir uns also einig.
    Aber in manchen Fällen sind pauschale Schuldzuweisungen gerechtfertigt.

    Ich will mal versuchen,es so zu erklären. Es gibt Einrichtungen, die wichtiger und solche, die weniger wichtig sind.
    Nehmen wir mal an, wir wollen auf eine ferne Insel, die wir nur mit einem Flugzeug erreichen.
    Flugzeuge können abstürzen, dem ist sich jeder bewusst, der ein solches Gerät besteigt, um von A nach B zu kommen.
    Würden wir aber den Flug antreten, wenn der Flieger mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% abstürzt?
    Wohl kaum!
    Bei 40%?
    Wahrscheinlich immer noch nicht.

    Genau das ist die Situation, die wir in der Familienjustiz vorfinden. Vor 10 Jahren – würde ich behaupten – sind 75% der Streitigkeiten auch unter Rechtsbruch (sorry, -beugung) zuungunsten der Väter beurteilt worden. Heute mögen es noch 40% sein, was zugegebenermaßen ein Fortschritt ist, aber immer noch kein Merkmal eines Rechtsstaats.

    Ich behaupte nicht (und habe nie behauptet), dass dies auf eine feministische Unterwanderung der Justiz zurückzuführen ist. Es gibt mehrere Grundmotive der Richter, von denen eine feministische Überzeugung nur eines ist. Ein anderes wäre die konservative Überzeugung, dass ein Kind zur Mutter (und damit nicht zum Vater) gehöre, weitere Motive können schlicht Faulheit und/oder Opportunismus sein. Es bedarf also keiner Verschwörung, um den Rechtsstaat weitgehend zu neutralisieren.

    Der Grund für seine Entsorgung ist für einen Vater auch relativ egal. Er nimmt nur mit nach Hause, dass er dem Rechtsstaat nicht trauen kann.

    Soll ich nun einem Ratsuchenden mit dem Hinweis, dass immerhin 60% der Familienjustiz ordentlich arbeitet, empfehlen, einen Rechtsstreit zu riskieren?
    Das kann keiner wirklich ernsthaft erwarten.
    Im Gegenteil, so wie jeder, der ein Flugzeug besteigt, erwarten darf, dass es von Spezialisten nach bestem Wissen und Können gewartet und bedient wird, kann er erwarten, dass er vor Gericht nach den gesetzlichen Normen in Übereinstimmung mit dem Grundgesetz (und den Menschenrechten) behandelt wird.
    Fehler sind menschlich und müssen, auch wenn es im Einzelfall noch so bitter ist, verziehen werden können.
    Vorsatz aber ist unverzeihlich – erst recht, wenn die Folgen für die Justizopfer katastrophal sind.

    • @carnofis

      Das unterschlägt mir einen sehr wichtigen Aspekt: Die Mutter ist weitaus häufiger diejenige, die bisher einen ganz umfassenden Teil der Pflege und Betreuung des Kindes übernommen hat. Diese ihr dann auch weiterhin zuzusprechen, wenn man von einem Residenzmodell ausgeht, muss schlicht nichts mit Feminismus oder Sexismus zutun haben.
      Es ist vergleichbar damit, dass es nichts mit Sexismus zu tun haben muss, dass Männer mehr verdienen, denn sie richten auch ihr Leben eher danach aus mehr zu verdienen.

      Sexismus wird es dann, wenn man die Entscheidung nicht mit dem Kindeswohl rechtfertigen kann, Sexismus des Richters wird es auch nur dann, wenn man davon ausgeht, dass der einzelne Richter wesentliche Möglichkeiten sieht, vom Residenzmodell abzuweichen, wenn sich die Eltern nicht einigen

  6. „Die Mutter ist weitaus häufiger diejenige, die bisher einen ganz umfassenden Teil der Pflege und Betreuung des Kindes übernommen hat. Diese ihr dann auch weiterhin zuzusprechen, wenn man von einem Residenzmodell ausgeht, muss schlicht nichts mit Feminismus oder Sexismus zutun haben.“

    Hat auch keiner behauptet und wird nicht einmal von den entsorgten Vätern ernsthaft bestritten.
    Was ist aber mit den zahllosen Fällen, wo die Mutter auch dann die gemeinsamen Kinder allein zugeschlagen bekommt, obwohl der Vater sich mindestens gleichermaßen an der Pflege und Betreuung beteiligt hat?

    Außerdem wird vor Gericht mit „überwiegend“ ausschließlich der theoretisch einsetzbare Zeitanteil bewertet, nicht aber der tatsächliche Aufwand.
    Ein voll berufstätiger Vater fliegt so aus der Betreuung heraus, obwohl er nachmittags das Kind vom KiGa abholt und sich dann mit ihm beschäftigt, während die nicht berufstätige Mutter den Tag mit Fernsehen und Computerspielen verbringt.
    Wohlgemerkt. Reale (auch persönliche) Erfahrungen, nicht theoretische Gedankenmodelle.

    Abgesehen davon schätze ich, dass Sexismus (in diesen Fällen gleichbedeutend mit Feminismus) nur in einem Drittel der Fälle Entscheidungsgrundlage war. Die anderen beiden Drittel teilen sich Faulheit und Opportunismus.

    • @carnofis

      „Was ist aber mit den zahllosen Fällen, wo die Mutter auch dann die gemeinsamen Kinder allein zugeschlagen bekommt, obwohl der Vater sich mindestens gleichermaßen an der Pflege und Betreuung beteiligt hat?“

      Die sind aus meiner Sicht prozentual eher selten.
      In den allermeisten Fällen sind die Eheleute sich einig, dass das Kind bei der Mutter (oder eben seltener beim Vater) bleibt. Es wird allenfalls um das Sorgerecht gestritten. Ich denke mal, dass das 80% der Fälle sind. In den verbleibenden 20% hat der Vater auch einen gewissen Anteil übernommen, meist allerdings war er eben nicht derjenige, der ausgesetzt hat, die gleiche Elternzeit genommen hat und meist hat er die Betreuung nach seiner Arbeit zusammen mit der Mutter übernommen.

      „Außerdem wird vor Gericht mit “überwiegend” ausschließlich der theoretisch einsetzbare Zeitanteil bewertet, nicht aber der tatsächliche Aufwand.“

      Das ist ja auch sehr schwer nachzuweisen. Da müsste sehr konkreter Vortrag kommen, der selten erfolgt

      „Ein voll berufstätiger Vater fliegt so aus der Betreuung heraus, obwohl er nachmittags das Kind vom KiGa abholt und sich dann mit ihm beschäftigt, während die nicht berufstätige Mutter den Tag mit Fernsehen und Computerspielen verbringt.“

      Das ist ja nun ein sehr einseitiges Bild. Auf wie viel Prozent der Fälle schätzt du das denn? Dagegen kann man ja genauso einseitig das Bild des vaters setzen, der nach Hause kommt und erklärt, dass die Kinder gefälligst leise sein sollen, er müsse sich von der Arbeit entspannen und wolle nicht gestört werden.

      „Wohlgemerkt. Reale (auch persönliche) Erfahrungen, nicht theoretische Gedankenmodelle.“

      Ich sage nicht, dass es solche Fälle nicht gibt. Ich sage auch nicht, dass es einige nicht Väter so sehen, dass sie die ganze Arbeit gemacht haben (die Mütter sehen es hingegen ganz anders und führen an, dass sie sich den ganzen Tag gekümmert haben)

      „Abgesehen davon schätze ich, dass Sexismus (in diesen Fällen gleichbedeutend mit Feminismus) nur in einem Drittel der Fälle Entscheidungsgrundlage war. Die anderen beiden Drittel teilen sich Faulheit und Opportunismus.“

      Für eine nachvollziehbare Entscheidung für die Mutter bleibt dann also kein Raum?

      • „Die [Fälle, bei denen sich der Vater gleichermaßen an der Betreuung beteiligt] sind aus meiner Sicht prozentual eher selten.
        In den allermeisten Fällen sind die Eheleute sich einig, dass das Kind bei der Mutter (oder eben seltener beim Vater) bleibt. Es wird allenfalls um das Sorgerecht gestritten. Ich denke mal, dass das 80% der Fälle sind.“

        Nach meiner Einschätzung – auch wenn ich mich im Freundes- und Familienkreis umsehe – ist die gemeinsame Betreuung der Regelfall.
        Nach Trennung/Scheidung sind sich die Eheleute tatsächlich meist einig, dass das Kind zur Mutter kommt, weil der Vater sich keine realistischen Chancen auf eine andere Konstellation ausrechnen kann. Eine Scheidung fängt man sich ja nicht ein, wie einen Schnupfen. Nach der Entscheidung zur Trennung kommt das Trennungsjahr (das auch schon mal über 5 Jahre dauern kann), in dem sich beide Eltern sachkundig machen über die Chancen, was sie aus der Ehe für sich retten können. Frauen sind da meist schon mit fertig, wenn der Mann noch denkt, dass in seiner Ehe alles klar ist.

        Um das Sorgerecht wird heute kaum noch gestritten – ich denke, in deutlich weniger, als 10%. In aller Regel geht es um den tatsächlichen Aufenthalt des Kindes. Denn, wer das Kind hat, hat die Macht, den anderen zu schurigeln, wo immer es geht. Und dafür kriegt er auch noch Unterhalt.

        „In den verbleibenden 20% hat der Vater auch einen gewissen Anteil übernommen, meist allerdings war er eben nicht derjenige, der ausgesetzt hat, die gleiche Elternzeit genommen hat und meist hat er die Betreuung nach seiner Arbeit zusammen mit der Mutter übernommen.“

        Der Vater setzt nicht zuletzt deshalb verhältnismäßig selten länger, als die geforderte Minimalzeit aus, weil die Mutter entschieden hat, zuhause zu bleiben. In der öffentlichen Diskussion wird immer der Eindruck vermittelt, dass es um eine Forderung des Mannes geht, allenfalls um eine einvernehmliche Entscheidung. Tatsächlich legt die werdende Mutter die Rollenverteilung – wenn es kein Einvernehmen gibt – per Zarenerlass allein fest.
        Mir ist persönlich kein einziger Fall bekannt, wo es anders herum war. Auch in meinem eigenen war es so.

        Wo ist die Abgrenzung zur alleinigen Betreuung, wenn beide Eltern abends gemeinsam mit dem Kind in der Wohnung sind? Muss der Vater, wenn er mit seinem Nachwuchs spielt, oder ein Buch vorliest, die Tür schließen? Natürlich betreuen beide gemeinsam.
        Nach der Trennung dagegen eben nicht mehr.

        „Das ist ja auch sehr schwer nachzuweisen [der jeweilige Zeitaufwand für die Betreuung]. Da müsste sehr konkreter Vortrag kommen, der selten erfolgt“

        Du gehst formaljuristisch an die Frage, das ist im Familienrecht moralisch nicht statthaft. Eben WEIL der Zeitaufwand nicht nachweisbar ist – und schon gar nicht die Qualität der Betreuung -, verbietet sich eine Auftrennung in Barunterhalt mit „Besuchs“recht und Betreuung.

        „Das ist ja nun ein sehr einseitiges Bild [der Mutter vor dem Fernseher bzw. PC]. Auf wie viel Prozent der Fälle schätzt du das denn? Dagegen kann man ja genauso einseitig das Bild des vaters setzen, der nach Hause kommt und erklärt, dass die Kinder gefälligst leise sein sollen, er müsse sich von der Arbeit entspannen und wolle nicht gestört werden.“

        Ich habe keine Ahnung, wie hoch der Anteil ist. Aber er dürfte nicht niedrig sein. Wirf nur mal einen Blick auf das Fernsehprogramm. Es ist über den Nachmittag auf die gelangweilte Hausfrau ausgerichtet. Im hochtechnisierten frühen 21. Jahrhundert ist eine Mutter mit einem Kind vielleicht mental überfordert, aber auf keinen Fall von der Hausarbeit.
        Es spielt aber auch keine Rolle, weil Du im Gegenbeispiel das Gegenstück benennst. Es gibt beide, und wir wissen nicht, wie oft. In der Justizpraxis wird aber der nörgelnde Vater (zu recht) entsorgt, während die genervte Mutter das gemeinsame Kind auch dann behält, wenn der Vater sich zuvor trotz Erwerbstätigkeit zumindest gleichermaßen darum gekümmert hat.

        „Für eine nachvollziehbare Entscheidung für die Mutter bleibt dann also kein Raum?“

        Ich dachte, es sei klar, dass wir hier nur über die strittigen Fälle diskutieren. Ist die Entscheidung für die Mutter nachvollziehbar, fechte ich sie auch nicht an.
        Was ich zu kritisieren versuche, sind die NICHT nachvollziehbaren Entscheidungen.
        Und die machen – geschätzt – 40% der Familienprozesse aus. Womit wir wieder bei den Flugzeugen wären 😉

  7. Die Bösartigkeit der gegnerischen Gruppe rechtfertigt es, diese mit allen Mitteln zu bekämpfen, ohne das man sich den Vorwurf machen lassen muss, selbst böse zu sein.

    Ich würde sagen: „Die Bösartigkeit der gegnerischen Gruppe zwingt unvermeidbar dazu, diese mit allen Mitteln zu bekämpfen.“

    „Man darf nicht zimperlich sein, Empathie ist Kapitulation!“ ist nmE auch ein wesentlicher Aspekt von „I bathe in male tears“.

  8. Zum Feindbildaufbau, Dämonisierung und Dehumanisierung auch eine kürzliche Sendung der HoneyBadgers.

    Thema ist u.a. auch die psychologische Abhängigkeit des Selbst, die die feministische Indoktrination auslöst.

    Darin kommt ab 47:50 auch ein Bericht über eine Forumsdiskussion von Feministinnen über ihre „Equality“ Utopia vor, die offenbar eine Dystopia für Männer und Jungen ist (Trigger!).

    Ich hatte ja auch schon mal einen Link gepostet über die gouvernantenhafte Selbstverständlichkeit und das Amusement von Feministinnen kleine Jungen mit Pettycoating zu bestrafen oder gegen ihren Willen als Mädchen großzuziehen. Und das war ernst gemeint und nicht Satire. Die Posts verschlugen einem u.a. deshalb fast die Sprache. Über wieviel davon real stattfindet kann man dann nur spekulieren.

    Das hier geht noch einen Schritt weiter und schlägt in eine ähnliche Kerbe.

    (Ab 47:50, ca. 3-5 Min.)

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