Outgrouping und Feindbildaufbau sowie die Rechtfertigung des eigenen Handelns damit

Schoppe hat einen weiteren interessanten Kommentar hinterlassen:

“Der Glaube an DAS PATRIARCHAT setzt DIE Männer in einen Klassengegensatz gegen DIE Frauen, macht Empathie von Frauen, der unterdrückten Klasse, mit einem Mann = Angehöriger der sie unterdrückenden Klasse, zum Klassenverrat, zu einem moralischen Übel, zu einem Laster.”

Das sehe ich genauso – hier werden herkömmliche Moralvorstellungen regelrecht umgedreht. Was als moralisch wertvoll erschien, wird verwerflich – und was zuvor primitiv und amoralisch war (und das bei Licht besehen auch bleibt), wird plötzlich zur Tugend erklärt.

Um das zu verstehen, ist es vielleicht wichtig, dass diese Haltung oft mit einer bestimmten Selbstsicht verbunden war und ist. Mit der Vorstellung nämlich, Frauen hätten IMMER SCHON die Welt aus der Perspektive der Männer gesehen, sich empathisch in sie hineinversetzt, für sie liebevoll gesorgt – und sie hätten darüber ihre eigene Perspektive vergessen oder gar nicht erst entwickeln können. Zur Befreiung der Frau wäre es demnach geradezu notwendig, diese Empathie zu verlieren und sie als Instrument männlicher Herrschaft zu entlarven.

Das ist ganz gewiss eine Selbst-Idealisierung, es ist aber eine Idealisierung, die sich m.E. oft in antihumanen Positionen findet. “Wir sind EIGENTLICH die besseren Menschen, aber gerade unsere moralische Überlegenheit wird von unseren Feinden und Ausbeutern gegen uns benutzt. Daher müssen wir – im Interesse des Guten! – härter werden, unbarmherziger. Das ist angesichts der Verhältnisse eine MORALISCHE Notwendigkeit.”

Die schlimmste Ausprägung dieser Haltung findet sich im Nationalsozialismus – und in Himmlers Posener Rede lässt sich die Pervertierung herkömmlicher Moral ja gut nachvollziehen. Das bedeutet nun nicht, dass alle Feministinnen Nazis im Herzen sind. Aber es hätte ganz gewiss ein Grund sein müssen, misstrauischer zu sein gegenüber politischen Positionen, die Mitgefühl und zivile Achtung für andere als Untugenden und Herrschaftsinstrumente abqualifizieren.

Hier haben wir klassische Elemente, die in der Tat auch sonst häufig genutzt werden

  • Es erfolgt ein Outgrouping, hier in dem die Männer und die Frauen als Gruppen mit unterschiedlichen Interessen dargestellt werden
  • Die gegnerische Gruppe handelt böse (siehe „Mythos des puren Bösen„)
  • Die eigene Gruppe ist gut, ist damit unschuldig und rechtschaffen
  • Die Bösartigkeit der gegnerischen Gruppe rechtfertigt es, diese mit allen Mitteln zu bekämpfen, ohne das man sich den Vorwurf machen lassen muss, selbst böse zu sein. Die Rechtfertigung kann dadurch ausgebaut werden, dass dieses Handeln einem von der anderen Seite aufgezwungen wird.

Die „Wir waren einfach zu gut dafür, dass die so böse sind“-Verteidigung ist ein guter Weg, sich selbst mehr zu erlauben. Deswegen ist es auch so wichtig in einer solchen Ideologie das Feindbild stark zu überhöhen und auszubauen – es muss eben ein Patriarchat her oder irgendeine andere Verschwörung. Im Maskulismus übernimmt diese Funktion die Verschwörung, dass alle Bereiche des Lebens bereits feministisch verseucht sind, die gesamte Justiz, die Rechtsanwälte, die sonstigen Staatsbediensteten, überhaupt alle sind letztendlich vom Feind unterlaufen und nur die guten und rechtschaffenden Widerstandskämpfer halten dagegen. Auch hier sind die Frauen gerne zu allen Schandtaten bereit.

Der Mechanismus ist damit weit verbreitet und wird gerne eingesetzt, allerdings hat er eben im Gender-Feminismus einen umfassenden theoretischen Unterbau erhalten, der kaum genannt wird und wenn er genannt wird, schnell lächerlich gemacht wird. Es ist vor diesem Hintergrund eigentlich erstaunlich, wie umfassend diesen doch sehr radikalen Arten des Feminismus Raum eingeräumt wird. Ich vermute, dass hier die „Die sind die bösen, wir schwache Frauen“-Verteidigung auf ganz besonders fruchtbaren Boden fällt, weil man Frauen eben nicht angreift, sondern ihnen hilft. Der Feminismus baut hier also letztendlich seinen Erfolg auf ganz klassischen Rollenbildern auf, gegen deren Bestehen sie eigentlich kämpfen.