r/K Selektion und Life-History-Theorie

Immer wieder mal Thema ist hier die r/K Selektionstheorie und insbesondere deren Anwendung auf den Menschen.

1. Grundlagen zur  r/K Theorie

Darunter versteht man zwei grundlegende „Strategien“ der Fortpflanzung.

Aus der Wikipedia dazu:

r-Strategen sind demnach Arten, die bei der Fortpflanzung auf eine hohe Reproduktionsrate (r) setzen (z. B. der Grasfrosch mit hunderten sich selbst überlassenen Eiern), während K-Strategen für eine geringere Zahl von Nachkommen mit dafür höheren Überlebenschancen sorgen (z. B. der Mensch mit oft nur einem einzelnen, über viele Jahre betreuten Nachkommen). Dabei geht es um die grundlegende Frage, wie die begrenzten Ressourcen an Energie und Stoffen einer Generation für die nächste Generation verfügbar gemacht werden.

Dabei steht extrem ausgeprägte Quantität (r-Strategie) extrem ausgeprägter Qualität (K-Strategie) gegenüber. Ein absolutes Maß für die Ausprägung der konkreten Strategie einer Art gibt es jedoch nicht, unterschiedliche Arten müssen immer in Relation zueinander betrachtet werden, da die Übergänge fließend sind.

In der Wikipedia sind auch die jeweiligen Vorteile aufgeführt:

a) r-Selektion

Die sogenannte r-Strategie orientiert sich an der Wachstumsrate r einer Population, die im diskreten Fall, gemäß zur Berechnung der Folgegenerationen verwendet wird. Die Wachstumsrate ergibt sich aus der Differenz von Geburtenrate (Natalität) und Sterberate (Mortalität). Die Zahl der Individuen wächst bei einer r-Strategie im Idealfall zunächst exponentiell, bis die Kapazitätsgrenze (K) des Lebensraumes (Habitat bzw. Ökosystem) erreicht ist. Die Kapazitätsgrenze stellt sich durchIntraspezifische Konkurrenz ein; oft erfolgt auch durch Interspezifische Konkurrenz ein starker Rückgang oder Zusammenbruch der Population.

r-Strategen erzeugen in der Regel sehr viele Nachkommen, investieren jedoch wenig in die Aufzucht, an die jeweils nur geringe Ressourcen weitergegeben werden. Dies hat zur Folge, dass oft nur ein geringer Teil der Nachkommenschaft überlebt. Ein Beispiel dafür ist der Grasfrosch. Jedes Weibchen legt 3000 bis 4000 Eier mit geringem Nahrungsvorrat im Dottersack, eine Brutpflege findet nicht statt. Die meisten Kaulquappen erreichen nicht das Erwachsenenalter. Solche Arten sind in der Lage, neue Lebensräume rasch zu besiedeln. Bei hoher intraspezifischer Konkurrenz und großem Druck an Räubern hat diese Strategie jedoch Nachteile.

Lebewesen mit typischer r-Strategie sind die meisten Mikroorganismen (Bsp. Bakterien) sowie kleine Formen höher entwickelter Organismen (Kleinkrebse, Blattläuse, Blaumeisen, Sperlinge, Mäuse), aber auch „soziale Insekten“ wie Bienen und Ameisen. Zu pflanzlichen r-Strategen zählen insbesondere Pionierpflanzen, die Ruderalstandorte schnell besiedeln können.

  • Typische Eigenschaften von r-Strategen[Bearbeiten]
  • Rasche Individualentwicklung und geringe Körpergröße
  • Kurze Lebensspanne mit hoher Vermehrungsrate
  • Früher Fortpflanzungsbeginn, kurze Geburtenabstände, hohe Wurfgröße
  • Geringe elterliche Fürsorge
  • Kleines (leistungsschwächeres) Gehirn

Bedingungen, die eine r-Selektion begünstigen

  • Umweltbedingungen (z. B. Klima) hochvariabel
  • Variable Sterblichkeitsverhältnisse, häufig katastrophale Bevölkerungseinbrüche, häufig extreme Nachkommensterblichkeit
  • Mortalitätsfaktoren weitgehend unabhängig von der Populationsdichte
  • Populationsgröße extrem schwankend, selten die Kapazitätsgrenze des Lebensraumes erreichend
  • Möglichkeit der Neu- oder Wiederbesiedlung von Habitaten durch räumliche Ausbreitung („opportunistische Habitatnutzung“)

b) K-Selektion

Hat eine Population bereits die Kapazitätsgrenze (K) des Lebensraumes erreicht, ist eine Massenvermehrung kaum lohnend. Vielmehr wird nun die Anzahl der Individuen über einen langen Zeitraum nahezu konstant bleiben und der Schwerpunkt wird bei den Nachkommen auf eine „bessere Qualität“ gelegt. Demzufolge ist die Vermehrungsrate bei K-Strategen relativ gering, dafür haben diese Arten eine hohe Lebenserwartung, unter anderem aufgrund der hohen Investition in den Nachwuchs (zum Beispiel lange Brut- oder Aufzuchtphase). Auch findet sich oft eine Absicherung des Reviers. Diese Verhaltensweise wird auch „Platzhalterstrategie“ genannt.

Darüber hinaus findet sich bei K-Strategen die Fähigkeit, gegebene Ressourcen unter starken Konkurrenzbedingungen besser zu nutzen, als dies bei anderen Strategietypen der Fall ist. So erhalten K-Strategen die Individuenzahl nahe der Umweltkapazität bzw. der ökologischen Kapazität (K).

Zu den Organismen, die man als K-Strategen bezeichnet, gehören viele Säugetiere, wie Bären, Biber, Wale, Elefanten, Primaten (auch der Mensch ist ein ausgeprägter K-Stratege) und Vögel.

Typische Eigenschaften von K-Strategen

  • Langsame Individualentwicklung und hohe Körpergröße
  • Lange Lebensspanne mit geringer Vermehrungsrate
  • Später Fortpflanzungsbeginn, lange Geburtenabstände, geringe Wurfgröße
  • Ausgeprägte elterliche Brutpflege
  • Großes (leistungsstärkeres) Gehirn

Bedingungen, die eine K-Selektion begünstigen

  • Umweltbedingungen (z.B. Klima) relativ konstant
  • Sterblichkeit abhängig von der Populationsdichte
  • Relativ stabile Sterberaten, relativ geringe Kindersterblichkeit
  • Populationsgröße relativ konstant, an der Grenze der Kapazität des Lebensraumes
  • Gesättigte Habitate, keine Erschließung neuer Habitate möglich („konsistente Habitatnutzung“)
  • Kaum räumliche Ausbreitung
  • Eher ältere Habitate

c) Anmerkungen

Die verschiedenen „Strategien“ sind wie man sieht an gänzlich anderen Umständen ausgerichtet. Bei der einen Spezies steht Quantität im Vordergrund, weil erhebliche Unsicherheiten bestehen, denen durch Maße begegnet werden kann. Es geht sozusagen darum, ob man überhaupt Gelegenheit bekommt, sich fortzupflanzen, eben weil die Gefahr besteht, dass man vorher gefressen wird oder stirbt oder Umstände bestehen, auf die man sich nur mit „genetischen Glück“ einstellen kann. Hier würde auf Qualität setzen bedeuten, dass der Nachwuchs in der Zeit, in der er sich darauf vorbereitet, geschlechtsreif zu werden, vielleicht schon stirbt und damit die Kosten verbraucht sind. Insofern lohnt es sich eher auf Maße zu setzen, quasi ein Schrottgewehrschuß, der zwar nicht so gezielt ist, aber von dem schon irgendwie eine der kleineren Kugeln das Ziel treffen wird (=seine Gene in die nächste Generation bringen wird).

K-Selektion ist hingegen eher geeignet für Punkte, wo es auf einen möglichst hochwertigen Nachwuchs ankommt. Das ist insbesondere in sozialen Verbänden interessant, in denen eine Betreuung des Nachwuchses erfolgt.

2. Life-Historie-Theorie

In der neueren Wissenschaft scheint mir eher die sog. Life-Historie-Theorie eine Rolle zu spielen. Dazu aus der Wikipedia:

Jedem Organismus steht nur eine begrenzte Menge von für ihn lebensnotwendigen Ressourcen zur Verfügung. Dies sind im Wesentlichen: Energie, Nahrung (einschließlich Energiespeichern wie Fettreserven) und Zeit. Für sein Weiterleben und den Erfolg seiner Art muss er diese Ressourcen aufteilen:

  • auf sein eigenes Wachstum,
  • auf den Erhalt seiner Grundfunktionen (beispielsweise Immunsystem und Reparaturmechanismen)
  • und auf die Fortpflanzung (beispielsweise Partnersuche, Begattung, Pflege des Nachwuchses).

Dabei ergibt sich ein Allokationsproblem, das heißt ein Verteilungsproblem der knappen Ressourcen. Bei der Wahl bestimmter Verhaltensmuster oder Ressourcen kommt es zu Trade-offs , d.h. zur Abwägung für den günstigeren Aspekt in Bezug auf Überleben und Fortpflanzung.

Bestimmte Merkmale beeinflussen direkt die Wahrscheinlichkeit des Überlebens und der Arterhaltung. Die wichtigsten Merkmale sind dabei die

  • Größe bei der Geburt,
  • die Dauer und die Geschwindigkeit der Wachstumsphase,
  • das Alter und die Größe bei der ersten Fortpflanzung,
  • die Anzahl und die Größe der Nachkommen,
  • die Häufigkeit der Reproduktion und die Lebenserwartung des Organismus.

Andere Merkmale sind beispielsweise

  • das Geschlechterverhältnis, sowie
  • die Pflege der Nachkommenschaft (Elternaufwand) und deren Dauer.

Die Merkmale werden dabei durch die natürliche Selektion gestaltet und können von Art zu Art sehr unterschiedlich ausfallen. Auch innerhalb einer Art können sich durch unterschiedliche Habitate Unterschiede zwischen Populationen einstellen. Das Ziel der Anpassung ist letztlich die für den Organismus größtmögliche Anzahl an überlebenden fortpflanzungsfähigen Nachkommen zu gewährleisten. Die Lebenszyklusstrategie ist eine Anpassung an das Habitat.[7]

Die Theorie der Lebensgeschichte sucht nach Faktoren und Erklärungen für die Vielfalt an Lebenszyklusstrategien zwischen den Arten und innerhalb der Arten.[6][8]

Ein Organismus, dem unbegrenzt Ressourcen zu Verfügung stehen würden, wäre ein darwinscher Dämon. Bei diesem Gedankenexperiment wären alle Parameter der Fitness eines Organismus maximiert. Er hätte eine unendliche Lebenserwartung und unbegrenzteFruchtbarkeit. Er würde unmittelbar nach seiner Geburt mit der Reproduktion beginnen und während seines unendlich langen Lebens eine möglichst hohe Reproduktionsrate mit sehr vielen Nachkommen haben. Er hätte die Fähigkeit sich unbegrenzt zu verbreiten und überall und jederzeit Partner für die Paarung zu finden.[9]

Es findet sich auch ein Bild dazu:

Lebensaufwand Life Historie Theorie

Lebensaufwand Life Historie Theorie

Während die r/K-Selektion also im wesentlichen zwei verschiedene Situationen gegeneinander stellt, erlaubt die Life-History-Theorie eine differenziertere Betrachtung anhand einer Verteilung verschiedener Ressourcen. Die r/K-Selektion ist daher aus meiner Sicht starrer und stellt eher extreme dar, was Unterschiede verwischt.

3. Anwendung auf den Menschen

a) r/K Selektion beim Menschen dem Grunde nach

Es ist bei Betrachtung der verschiedenen Kriterien recht offensichtlich, dass die Menschheit an sich stark einer K-Selektion unterlegen hat.

  • Langsame Individualentwicklung und hohe Körpergröße: Wir haben extrem unselbständige Babies, die erst mit ca. 14 Jahren geschlechtsreif werden und auch dann noch zumindest 4 Jahre brauchen, bis sie vollwertige Erwachsene sind. Demnach haben wir auch für Primaten eine sehr langsame Individualentwicklung. Unsere Körpergröße ist zwar im Vergleich zu etwa Elefanten klein, aber für Primaten durchaus groß (den Gorilla mal abgerechnet)
  • Lange Lebensspanne mit geringer Vermehrungsrate: Wir haben eine für Tiere sehr hohe Lebensdauer von bis zu 130 Jahren (und auch der Schnitt läßt sich durchaus sehen) und im Vergleich mit anderen Tieren eine Maximalproduktion von einem Kind pro Jahr (Zwillinge etc ausgeklammert), die durch Stillzeiten noch erheblich verlängert wird.
  • Später Fortpflanzungsbeginn, lange Geburtenabstände, geringe Wurfgröße: Dazu hatte ich oben bereits etwas geschrieben.
  • Ausgeprägte elterliche Brutpflege: Die Betreuung von Menschenbabies dürfte jedenfalls mit die aufwändigste sein, die es gibt. Auf die erhebliche Unselbständigkeit bei Geburt, die zudem noch lange anhält, hatte ich bereits hingewiesen. Das Baby kann sich noch nicht einmal selbständig an der Mutter festhalten
  • Großes (leistungsstärkeres) Gehirn: Wir haben das leistungsfähigste Gehirn aller Tiere

Demnach sind wir bei Anwendung der r/K-Selektionstheorie recht deutlich auf der „K“-Seite einzuordnen.

b) Life Historie Theorie dem Grunde nach

Die Life Historie Theorie erlaubt etwas mehr an Differenzierung und Feinabstimmung, weil man nicht schlicht in r oder K unterscheiden muss. Aber auch hier sind die Selektionen in vielen Bereichen auf Qualität ausgerichtet. Man kann hier allerdings recht einfach andere Theorien, wie die Sexual Strategies Theorie hinzuziehen und dann die jeweiligen Verteilungen der Kosten betrachten und dabei auch einfacher nach Geschlecht differenzieren.

Das macht aus meiner Sicht auch deutlich, dass hier die gegensätzlichen Seiten der r/K Selektion gerade bei Betrachtung einer Spezies schnell ein zu einfaches Bild zeichnet.

Denn innerhalb einer Art wie dem Menschen besteht zwar grundsätzlich eine „K-Selektion“. Diese kann aber mit „r-Selektion“ vermischt sein.

  • Ein Paar, welches gemeinsam Kinder bekommt, diese großzieht, sie möglichst fördert und dann gemeinsam deren Enkelkinder betreut, ist ein gutes Beispiel für eine „k-Selektion“
  • Ein Mann, der einen hohen Status ausnutzt, um mit möglichst vielen Frauen zu schlafen, ohne sich dann um die Kinder zu kümmern, wäre ein Beispiel für eine r-Selektion
  • Eine Frau, die eine Kurzzeitstrategie fährt und mit einem Mann mit Anzeichen für „gute Gene“ schläft bzw. mit vielen verschiedenen wird vielleicht unter steinzeitlichen Bedingungen schlechter versorgte Kinder bekommen, wird diese aber üblicherweise ebenso betreuen oder die Kosten möglicherweise an Dritte, etwa einen Partner oder die Familie weitergeben können. Sie wäre schon schwieriger in die Theorien nach r/K einzuordnen

In der Life Historie Theorie wären es hingegen nur verschiedene Selektionen für verschiedene Situationen. Es kann einem Evolutionsvorgang mangels Zielgerichtetkeit natürlich egal sein, ob er „r“ oder „k“ praktiziert, solange Gene auf beiden Wegen in nächste Generation kommen. Allerdings sind eben in beide Richtungen Kompromisse möglich und eine Betonung der einen Strategie kann Nachteile für die andere Strategie haben (Beispielsweise kann der Ruf als Womanizer Frauen für eine Langzeitstrategie abschrecken oder mißtrauischer machen).

Zu dem Grad zu dem die jeweilige Kombination Kosten verursacht und diesen keine entsprechenden Nutzen im Sinne der Weitergabe von Genen gegenüberstehen, wird demnach eine Selektion erfolgen.

4. Unterschiede zwischen Menschengruppen

a) Kann es Unterschiede zwischen Menschengruppen geben?

Der Gedanke, dass es biologische Unterschiede zwischen Menschen geben könnte und insoweit Menschen nicht gleich sind, erschreckt viele. Wenn man sich bewusst macht, was „Genpool“ eigentlich bedeutet und warum sexuelle Fortpflanzung gerade bei komplizierteren Organismen so evolutionär erfolgreich ist, der muss unschwer dazu kommen, dass es biologische Unterschiede zwischen Menschen geben muss. Ansonsten wären wir alle Clone voneinander.

Natürlich muss das nicht bedeuten, dass der Abstand beliebig ist.

Der Gedanke, dass es Unterschiede zwischen „Rassen“ geben würde, ist vielleicht noch tabuisierter als der Gedanke, dass Menschen an sich unterschiedlich sind.

Theoretisch ist aber auch dieser Gedanke wenig erstaunlich: Nach der Out of Africa Theorie ist der Mensch etwa vor 70.000 bis 40.000 Jahren aus Afrika ausgewandert. Ein Teil schlug dabei den Weg nach Asien ein, ein Teil eher den Richtung Europa. Nennenswerten genetischen Kontakt zwischen diesen drei Gruppen gab es nicht unbedingt, wie genetische Forschung darlegt. Schon angesichts der damaligen Reisegeschwindigkeiten war es auch wohl kaum an der Tagesordnung, dass jemand aus Europa in die unter der Sahara gelegenen Teile Afrikas gekommen ist. Es müßte aber für einen kompletten Genaustausch auch nicht einer gewesen sein, sondern ein beständiger Strom, der immer wieder im größeren Maßstab Gene austauscht.

Zur Erinnerung nocheinmal: Genetische Veränderungen treten nicht bei Völkern auf, sondern bei Personen. Sie reichern sich dann über Fortpflanzung in den jeweiligen Personengruppen an.

In 70.000 Jahren und mehr (die auswandernden Personen werden auch wenig Kontakt zu westafrikanern oder Südafrikanern gehabt haben) kann natürlich einiges passieren. Zumal sich in dieser Zeit ja auch die Lebensumstände teilweise erheblich verändert haben. Ein Beispiel wäre beispielsweise die Laktosetoleranz, deren Verteilung man hier sehen kann:

laktoseintoleranz-verbreitung

laktoseintoleranz-verbreitung

Hier sieht man, dass die Mutation, die einen Milchzucker verdauen lässt, dort auftritt, wo eine eher kaukasische Bevölkerung vorherrscht, andere Völker sind davon nicht betroffen.

Und auch ansonsten lässt sich einiges an Unterschieden finden, ganz offensichtlich die verschiedene Hautfarbe, aber auch andere Punkte, etwa bei Unterschieden in pränatalen und postnatalen Hormonen.

digit-ratio

Insofern kann natürlich auch in mentalen und sonstigen Bereichen zu Unterschieden kommen.

b) r/K-Selektion innerhalb der Menschen

Ich halte die Anwendung der r/K-Selektion auf den Menschen bzw. auf verschiende Bevölkerungsgruppen innerhalb der Menschen für wenig aussagekräftig, weil es bestimmte Bündelungen enthält, die so nicht zutreffend sein müssen und weil alle Menschen sehr stark durch eine K-Selektion geprägt sind. Zudem verkennt dies, dass verschiedene Strategien zusammenspielen können, die eher über eine Life-History-Theorie zu beantworten sind.

Aus der Wikipedia zu Rushton, der eine Anwendung auf den Menschen vertritt:

Rushton writes that his collection of 60 different variables can be unified by a single evolutionary dimension known as the r and K scale. His theory attempts to apply the inter-species r/K selection theory to the much smaller inter-racial differences within the human species. While all humans display extremely K-selected behavior, Rushton believes the races vary in the degree to which they exhibit that behavior. He argues that Negroids use a strategy more toward an r-selected strategy (produce more offspring, but provide less care for them) while Mongoloids use the K strategy most (produce fewer offspring but provide more care for them), with Caucasoids exhibiting intermediate tendencies in this area.

He further asserts that Caucasoids evolved more toward a K-selected breeding strategy than Negroids because of the harsher and colder weather encountered in Europe, while the same held true to a greater extent for Mongoloids. Rushton argues that the survival challenges of making warm clothes, building durable shelter, preserving food, and strategically hunting large animals all selected genes for greater intelligence and social organization among the populations that migrated to cold climates.

Rushton invokes genetics to explain his data arguing that purely environmental theories fail to elegantly explain what he sees as such a consistent pattern of both behavioral and physiological differences, but instead just provide a long list of ad hoc explanations. Rushton argues that science strives to organize and simplify data, and seeks the simplest explanation possible, and claims that r/K selection theory explains all of his data parsimoniously.

Die 60 Variablen werden in dieser Tabelle angeführt:

Claimed Average Differences Among Blacks, Whites, and Asians
from Race, Evolution, and Behavior
Blacks Whites Asians¹
Brain size
Cranial capacity (cubic centimeters) 1,267 1,347 1,364
Cortical neurons (millions) 13,185 13,665 13,767
Intelligence
IQ test scores 85 100 106
Cultural achievements Low High High
Reproduction
2-egg twinning (per 1000 births) 16 8 4
Hormone levels Higher Intermediate Lower
Sex characteristics Larger Intermediate Smaller
Intercourse frequencies Higher Intermediate Lower
Permissive attitudes Higher Intermediate Lower
Sexually transmitted diseases Higher Intermediate Lower
Personality
Aggressiveness Higher Intermediate Lower
Cautiousness Lower Intermediate Higher
Impulsivity Higher Intermediate Lower
Self-concept Higher Intermediate Lower
Sociability Higher Intermediate Lower
Maturation
Gestation time Shorter Longer Longer
Skeletal development Earlier Intermediate Later
Motor development Earlier Intermediate Later
Dental development Earlier Intermediate Later
Age of first intercourse Earlier Intermediate Later
Age of first pregnancy Earlier Intermediate Later
Lifespan Shortest Intermediate Longest
Social organization
Marital stability Lower Intermediate Higher
Law abidingness Lower Intermediate Higher
Mental health Low Intermediate Higher
Source: 2nd Special Abridged edition, Race, Evolution, and Behavior (p. 9)

Inwieweit diese Auflistung von Eigenschaften tatsächlich zutreffend ist, kann ich nicht sagen. Ich halte jedenfalls die Intelligenzwerte für sehr unwahrscheinlich, da ein IQ von 85 sehr niedrig ist. Die anderen Werte sind sehr rudimentär angegeben. Wie groß hier die Unterschiede sind und wie man sie um kulturelle und schichtenbedingte Faktoren bereinigt hat, ist mir nicht bekannt.

Auch andere Werte kann man anders sehen: So haben Asiaten beispielsweise einen sehr hohen pränatalen Testosteronwert, aber einen niedrigeren postnatalen Wert.

Die Frage, wieviele Kinder man bekommt, ist aus meiner Sicht auch stark von der sozialen Schicht und den allgemeinen Lebensumständen abhängig. Eine Herleitung zur Biologie scheint mir schwierig, da schwarze Frauen und weiße Frauen keine unterschiedlichen Gebährzeiten haben und auch im gleichen Abstand Kinder bekommen können. Zu früheren Zeiten vor einer effektiven Verhütung werden kinderreiche Familien auch bei Weißen nicht ungewöhnlich gewesen sein.

Das ganze Model der r/K-Selektion erscheint mir für eine Anwendung auf den Menschen denkbar ungeeignet, da es eigentlich gänzlich andere Arten beschreibt und insoweit zu starr ist.

Sie scheint mir auch tatsächlich -selbst für meine Verhältnisse – zu biologisch zu sein, wo eine Vielzahl weiterer Faktoren zu berücksichtigen sind. Etwa der Umstand, dass in Afrika nahezu keine domestizierbaren Tiere vorhanden waren und andere Vorteile für Europa und Asien bestanden, die Jared Diamond in „Guns, Germs and Steel“ aufzeigt.

c) Life History Theorie und Unterschiede zwischen den Menschen

Die Life History Theorie erlaubt aus meiner Sicht eine genauere Betrachtung. Interessant für Unterschiede scheint mir insbesondere der „Paarungsaufwand“ mit seinen Untergruppen „Partnersuche, Werbung, Kampf“.

Hier können verschiedene Strategien größere Unterschiede hervorrufen, etwa indem in einer Kultur eine Polygynie eher oder länger erlaubt war als in anderen Bereichen, in denen früher auf eine Monogamie gesetzt wurde. Auch die Frage, ob die Partnerwahl eher in intrasexueller Konkurrenz erfolgt oder durch sexuelle Selektion kann eine entscheidende Rolle spielen.

Beispielsweise setzt der Gorilla auf körperliche intrasexuelle Konkurrenz, sprich der Silberrücken vertreibt jeden Konkurrenten mit Gewalt. Er muss daher innerhalb der Life-Historie-Kostenabwägung bei den Männchen auf starke Muskeln setzen und dies kann auf Kosten von einer Selektion für Intelligenz gehen, sofern diese nicht ebenfalls zur Abwehr von anderen Männchen vorhanden ist.

Schimpansen hingegen setzen mehr auf Bündnisse, soziale Kontakte etc. Sie haben daher auch eine höhere „soziale Intelligenz“.

Bei Menschen ist dies schwerer zu trennen. Wir sind keine Einzelwesen, wir sind wie Schimpansen Tiere, die auf Kooperation aus sind, die Bündnisse eingehen etc.

Aber es ist für mich beispielsweise denkbar, dass Mitglieder von Völkern, die stark auf die Fähigkeit im Nachbardorf eine Frau zu erbeuten oder sich im Kampf auszuzeichnen, auch eher eine Selektion auf körperliche Robustheit durchmachen als solche, die eher nur auf Kooperation aus sind und zwar auch Kriege führen, aber darauf für die Partnerwahl weniger angewiesen sind, weil weniger Frauen von nur einem Mann monopolisiert werden.

Zudem kann eine Berücksichtigung weiblicher Partnerwahl eben auch eine besondere Selektion auf Intelligenz bewirken, wenn diese Eigenschaft ein Attraktivitätsmerkmal ist, worauf einiges hindeutet. Wird eine Selektion hierauf in einer Gesellschaft ermöglicht, in einer anderen Untergraben, indem die Frauen (oder Verwandte) nicht oder nicht danach aussuchen, dann wird auch eine Selektion in dieser Richtung erschwert.

Natürlich kann aber auch in solchen Zuständen Intelligenz gefördert werden: Auch beim Kampf gegen andere, beim Bündnisse schmieden, beim Täuschen eines Feindes ist Intelligenz ein wichtiges Mittel der Auseinandersetzung.

Und auch hier können verschiedene Typen im Rahmen eines Genpools vorliegen, die verschiedene Wege anwenden, um in der jeweiligen Situation zu bestehen. Zähe Kämpfer, kluge Strategen und solche, die Mittelwege suchen. Auch Bevölkerungsgruppen müssen insoweit nicht homogen sein, deren Mitglieder können verschiedene Strategien anwenden, um zum Erfolg zu kommen. Und auch innerhalb einer sehr kriegerischen Gesellschaft lohnt es sich, sich viel um sein Kind zu kümmern, gerade bei hoher intrasexueller Konkurrenz, da eben nur der, der sich innerhalb der Konkurrenz durchsetzt, sich fortpflanzen wird. Insoweit würde hier das r/K-Modell wenig taugen.

Die Life-History-Theorie spricht also nicht an sich gegen Unterschiede. Aber sie erlaubt das differenzierte Betrachten der Unterschiede und verlangt nicht, dass man sie recht einfach über einen Kamm schert.

 

61 Gedanken zu “r/K Selektion und Life-History-Theorie

    • Hab‘ immer noch keine Zeit, aber einen wichtigen Link zum Verständnis vergessen.

      Hier erläutert Sailer anhand von John Readers Buch „Africa“, warum in Afrika die malthusianische Zange weniger hart zupackte, nicht so hart, wie in Europa oder Nordostasien.

      http://isteve.blogspot.com/2010/12/africas-lack-of-malthusian-trap.html

      Dafür standen Afrikas Völker vor anderen Problemen (Elefanten, Raubtiere und vor allem Parasiten, Seuchen – etwa Malaria, Schlafkrankheit), die einen anderen Selektionsdruck ausübten.

        • @ ratloser

          Ah, danke, ja, der Artikel passt thematisch auch sehr gut.

          Der Mangel an monumentaler Architektur in Afrika südlich der Sahara ist auffallend, nur vergleichbar mit Australien (in dieser Größenordnung/Landmasse).

          Monumentale Architektur mit künstlerischem Anspruch ist DER große, sichtbare Leistungsbefähigungsnachweis alter Gesellschaften, weil so viel Hochleistung auf vielen Gebieten zusammenkommen muss, um sie zu schaffen (politische, wirtschafltiche, finanztechnische, technische, mathematisch-wissenschaftliche, ästheitisch-kreative).

          Und zwar nicht nur bei ein paar wenigen großen Köpfen, sondern bei einer Vielzahl von Menschen, die ihre eigenen hochausgebildeten Fertigkeiten einbringen müssen, um solche Kollektivleistungen unter Anleitung der großen Köpfe zu schaffen.

          Die zwar nötig sind, aber alleine nicht genügen: Ich brauche auch Politiker, die stabile Friedensräume schaffen, Militärs, die sie absichern, Wirtschaften, die genug Sürplus abwerfen, eine fähige Finanzverwaltung, die den Überschuss aufsammelt und die Rechnungen pünktlich bezahlt, dazu Facharbeiter, Steinmetze, Stuckateure, Bildhauer bis herunter zu den einfachen Handlangern/Erdarbeitern, die immerhin freigestellt werden müssen von Landwirtschaft, also dort nicht gebraucht werden, weil die so ertragreich-produktiv betrieben werden kann, dass ich nicht jede Hand für die Nahrungsmittelproduktion brauche.

          So sagt monumentale Architektur etwas aus, was weit über sie hinausweist (ganz abgesehen von den religiös-philosophischen Weltbildern, die in sie eingehen, ihre Symbolik).

          Ihr Fehlen sagt auch etwas aus, ein historischer IQ-Test, der weit, weit zurückreicht.

        • Der für unsere Diskussion hier entscheidende Satz in dem von Dir verlinkten Sailer-Artikel:

          *So, it made more Darwinian sense in tropical Africa for men to procreate with abandon than to parent carefully.*

        • Monumentale Architektur mit künstlerischem Anspruch ist DER große, sichtbare Leistungsbefähigungsnachweis alter Gesellschaften,

          Soweit Sakralbauten angesprochen sind, sind diese ein Nachweis kultivierter Idiotie, Monumentalbauten, um einem nichtexistenten Gott zu huldigen.
          Was an Wissen notwendig war – Geometrie u.a – so wurde dieses Wissen eins zu eins von Euklids „Elementen“ übernommen. Im Mittelalter war kein wesentlicher wissenschaftlicher Fortschritt zu verzeichenen, weil der Klerus wie blöde Monumentalbauten anfertigte, die vor allem propagandistische Zwecke erfüllten. Monumentalbauten mit viel Firlefanz für nichts und wieder nichts – eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen.

        • Man denke auch an den Schweiß und das Blut der Arbeiter, die solche Monumentalbauten verrichten mussten.
          Kommt halt immer drauf an, ob man „zivilisatorische Leistung“ primär an großen Bauwerken oder an Menschenrechten und humanen Arbeitsverhältnissen fest macht.

  1. Was mir fehlt: Die Tabellen sin nicht gemeint: „unter sonst gleichen Bedingungen“, sondern „unter den jeweilig vorherrschenden Bedingungen“.

  2. Bißchen was zur Auflockerung nebenher:

    Was denken eigentlich Studenten, die zwangsweise Genderkurse belegen müssen? Nicken sie die Propaganda schläfrig ab wie früher die Ostdeutschen in Schule, Uni und NVA bei der „Rotlichtbestrahlung“?
    Leider nicht. Habe vor kurzem mit einer Studentin gemailt, die Sozialpädagogik an der Hochschule Merseburg studiert, allerdings nicht bei Heinz-Jürgen Voß.

    Als ich sie nach HJV und seinen wirren Thesen der unzähligen Geschlechter und der Nazikonstruktion von Zweigeschlechtlichkeit fragte, schrieb sie mir dies (verfremdet):
    „…Man [sic!] kann nicht verleugnen, dass es zwischen den beiden Geschlechtern sehr viele Zwischenstufen und Ausprägungen gibt. Man [sic!] unterscheidet ja zwischen dem biologischen Geschlecht (Sex) und dem sozialen Geschlecht (Gender). Insofern kann man [sic!] biologische Zwischenformen entwickeln (Zwittrigkeit in unterschiedlichen Ausprägungen) und soziale Zwischenformen ebenso (Intersexualität, Transsexualität usw.), woraufhin manchmal schließlich auch das biologische Geschlecht geändert wird. Für alle Pädagogen ist es äußerst wichtig, das zu beachten und zu wissen, da sie Kinder und Jugendliche mitformen, was die soziale Geschlechtsidentität angeht. Sie sollen auch den unterschiedlichen Ausprägungen gegenüber offen stehen (sei es nur ein Mädchen, das kurze Haare und Jungssachen tragen will oder ein Junge, der sich mal wie Mama schminken will).“

    Mal sehen, wie viele Transgender-Zwitter sie im Job so kennenlernt… Mein Tipp: nicht einen.

    Matthias machte mich darauf aufmerksam, dass HJV auch auf Youtube zu finden ist (nur Ton): https://www.youtube.com/watch?v=ua_BTRYQ45g

    Gut, die Argumente kennt man ja schon. Das war allerdings bemerkenswert: Die Fortpflanzungsorgane seien ebenfalls nicht auf männlich-weiblich festgelegt. Es gebe von der Natur beabsichtigte Zwischenformen von Penis und Scheide, die von Medizinern und Biologisten bislang ganz faschistoid als „pathologisch“ abgetan worden seien. Wie das mit dem Kindermachen wohl geht mit einer Penischeide?

    Was mir an dem Tonvideo noch auffiel: Ich hatte bei Voß wesentlich mehr Feuer erwartet. Stattdessen hört man einen farblosen Menschen eher dröge und langatmig referieren, der zudem noch Probleme hat, geordnet und flüssig zu formulieren.
    Eigentlich gut: Seine Vorlesungen (sof

    • noch was Lustiges (oder Trauriges):

      „Pick-up artist Julien Blanc promotet die rape culture“

      Die Gutmenschen-Aktionsplattform Avaaz will unserem Innenminister de Maizière auf den Geist gehen, weil ein Anmach-Trainer aus USA deutschen Männern Aufreiß-Tipps geben will. https://secure.avaaz.org/de/julien_blanc_de_vis/?beXrAab&v=48435

      Da sieht man´s wieder: Pornos resp. Anmach-Training ist die Theorie, Vergewaltigung ist die Praxis…..

      Das Patriarchat lauert an jeder Ecke…..

        • ät Evochris:

          Das Würgen beim Verkehr ist etwas seltsam.
          Aber einen überbezahlten Motivationstrainer, von denen es genug im Eso-Bereich gibt, auszuweisen, ist typisch für totalitär gesinnte Fanatiker.

          • @axel

            Wenn er ankündigt, Seminare zu halten, in denen er Frauen belästigt und würgt (was er genau macht habe ich noch nicht nachlesen können) warum soll man ihn dann im Land lassen? Gibt es eigentlich die Videos von ihm noch irgendwo, dass man sich da mal ein Bild machen kann?

        • ät Evochris:

          In reinen Männerseminaren wird er sicherlich keine Frauen würgen. Schon weil keine da sind.

          Und Einreiseverbote auf Genderbasis zu fordern, während Tausende potentiell tatsächlich Kriminelle problemlos einreisen können (Diebesbanden, Drogendealer,..), ist natürlich kein ideologisch und dient der Bevölkerung kein bißchen.
          Pures Politgeseire.

    • abgeschnitten: „Eigentlich gut: Seine Vorlesungen (sofern er welche macht) müssen absolute Schnarchkurse sein, die selbst der fanatischste Genderstudierxs#*_In nicht unbedingt mit Begeisterung besucht.“

    • @axel

      „Es gebe von der Natur beabsichtigte Zwischenformen von Penis und Scheide, die von Medizinern und Biologisten bislang ganz faschistoid als „pathologisch“ abgetan worden seien.“

      Kann gerade nicht reinschauen. Sagt er tatsächlich „von der Natur beabsichtigt“? Da hätte er ganz grundlegendes nicht verstanden

      • ät Evochris:

        Eher reinhören. Gibt aber nur Teil 1 und 3 bei Youtube (?). Müßte Teil 1 sein.
        Und ja, sinngemäß sagt er tatsächlich, daß Zwischenformen männl-weibl keine Fehler seien, sondern „natürlich“.

        • @ axel

          Eindeutige Nazimacke, der Junge.

          Alles, was seinen Phantasien in der Realität nicht entspricht, ist „nazi“.

          Seine Umdeutung der Realität erinnert mich übrigens etwas an die Sekte von Ryke Geerd Hamer.

          Ein deutscher Akademiker im Jahre 2014.

          Chapeau

        • @ axel

          5 Minuten, dann fremdschämte ich mich…die Stimme passt zum Aussehen….und beides zu dem Bemühen, sich durch Identifikation mit moralisch aufgeladenen Haltungen etwas narzistisch aufzupimpen.

          Alles Gute ihm!

        • ät Ratloser:

          Findeste, die Stimme paßt? Auf dem Foto (dem einzigen, was zu finden ist) sieht er ziemlich verkniffen und verbiestert aus, zumindest nach meinem Empfinden. Aggressiv.

          Ich hätte daher einen nicht so langweiligen und trägen und sich verhaspelnden Vortrag erwartet.
          Abgesehen von den unhaltbaren Thesen, die eigentlich jedem Politiker und Unidekan, der so jemandem ne Professur verschafft, sagen müßten, daß so jemand kein Wissenschaftler ist!

        • ät Ratl:

          Tjo, na ja, so jung sieht er nicht aus, finde ich. Richtig verkniffen halt.
          Vom Tonfall erinnert er mich an den deutschen Oberveganer Achim Stößer. Auch so ein recht farbloser und unauffälliger Typ, der dies offenbar durch Radikalität wettmachen will.

          Denis Yücel von der TAZ meinte mal zu linken Fanatikern, daß dies „käsebleiche Mädchen und Jungs aus Heppenheim und Hildesheim seien, die ihr ödes Leben aufpeppen“ wollten.

          Den Eindruck habe ich bei Vossi auch.

      • @ Christian

        „Kann gerade nicht reinschauen. Sagt er tatsächlich “von der Natur beabsichtigt”? Da hätte er ganz grundlegendes nicht verstanden“

        Zumindest so in der Art. Am dicksten aufgetragen ist es von 6:00 bis 8:00. Kurz vor 8:00 erklärt er die Zweigeschlechtlichkeit für „populärwissenschaftlich“.

        Ist aber in Gänze hörenswert.

        Und ja, er hat offenbar nicht verstanden, wozu die beiden Geschlechter überhaupt da sind. Unendlich viele Geschlechter machen – und das klammert er die ganze Zeit aus – als Fortpflanzungsstrategie überhaupt keinen Sinn. Auch Zwischenstufen machen keinen Sinn, wenn man seine Gene weitergeben will.

        Er klammert auch die ganze Zeit aus, wie in der Biologie „männlich“ und „weiblich“ überhaupt definiert sind.

        Und er führt als Argumente immer an, wie stark individuelle Unterschiede auch in der Ausprägung geschlechtsspezifischer Eigenschaften sind und dass sich das auf vielen biologischen Ebenen feststellen lässt.

        Es sei unbestritten: Individuelle Unterschiede sind sehr groß, und Männchen haben auch weibliche Eigenschaften und Weibchen männliche. Trotzdem gibt es nur zwei Geschlechter.

        Mich wundert auch, dass er sich offenbar nie aufs Tierreich bezieht. Welche Gesellschaft formt dort denn Geschlechtsunterschiede? Bei Tieren sind Geschlechtsunterschiede doch auch naturgegeben!

        Ein Vortrag von ihm war mal auf „meiner“ Uni damals angekündigt mit „biologisches Geschlecht ist gesellschaftlich konstruiert“ und könne „nicht unabhängig von Gesellschaft betrachtet werden“.

        Ich kann kaum glauben, dass er selbst das glaubt, was er immer verkündet.

        Er hat doch ein komplettes Biologie-Diplomstudium hinter sich. Er muss doch mit dem akademischen Hintergrund mal auf die Idee kommen, sich die Tierwelt in Sachen Geschlecht und Geschlechtsunterschiede, und in Sachen Fortpflanzungsstrategien anzugucken.

        Ob er jedenfalls selbst an das glaubt, was er sagt oder nicht, eines ist sicher: Im Vergleich zu den normalen beruflichen Möglichkeiten eines Diplom-Biologen der heutigen Zeit ist das, was er macht, ein einträgliches Geschäft, ein dickes Plus an finanzieller Sicherheit und Zukunftschancen, untypisch viel Status für einen noch recht jungen Biologen (er ist Prof. ohne Habilitation und mit Dr. phill. statt Dr. rer.nat.!) und vermutlich ist sein „segensreiches“ Schaffen auch weitaus weniger anstrengend als das, was die Masse der Biologen in der Forschung so leistet.

        Man muss nur die Ideologien unserer Eliten bzw. des Staates vertreten, dann macht man Karriere – und nicht mit harter & ehrlicher Arbeit. Dann bleibt man meist Untertan, verdient als Doktorand ein halbes Gehalt und muss de facto mehr als fulltime arbeiten, wird nach dem Dr.-Titel meist nicht übernommen, kommt nur fachfremd unter, immer nur befristet usw.

        Biologen haben ein relativ hohes Risiko, arbeitslos zu werden. Es sei denn, sie schließen sich den Gendersens an, als „Kronzeuge“ dafür, dass die böse Biologie im Unrecht ist.

        • @Matthias

          Also aus Sicht der Biologie sind seine Ausführungen wirklich grauenhaft. Er müsste ja zumindest mal auf die Kosten der Geschlechter, auf die vorteile geschlechtlicher Fortpflanzung und darauf, was seine vielen Geschlechter eigentlich bringen sollen kommen.

          Gut, mit Roughgarden könnte er darauf abstellen, dass Vielfalt an sich etwas ist, was die „natur will“. Was aber auch jeder Grundlage entbehrt.

        • @ Christian

          Das kann man wohl sagen, das ist wirklich grauenhaft. Und genau darauf baut der seine Karriere auf. Und so eine steile Karriere legt kein normaler Fachbiologe hin. Garantiert nicht. Geht gar nicht.

          Vielfalt? Naja, die Natur will keine Vielfalt, aber Vielfalt setzt sich in ihr durch. Weil Lebensräume vielfältig sind und weil Lebewesen miteinander konkurrieren. Um diese Konkurrenz zu reduzieren, kommet es dann oft zu sog. Nischendifferenzierungen. Und genau das provoziert Vielfalt. Aber die Natur „will“ gar nichts, sie kann sich nichts wünschen.
          Vielfalt gibt es in der Natur auch durch die Konkurrenz der Männchen um die Weibchen. Arten mit stark ornamentierten Männchen haben nämlich eine höhere Artbildungsrate als andere Arten. Weil sich bei solchen Arten schon mal verschiedene „Richtungen“ der Ornamentierung bilden, bis hin zur reproduktionsbiologischen Barriere, oder auch, weil bei Unterarten mit unterschiedlichen Ornamenten beim Männchen Hybridisierungen zwischen diesen Unterarten neue Ormanente schaffen, auf die wiederum nur bestimmte Weibchen stehen, was ebenfalls zu einer reproduktionsbiologischen Barriere und somit zu Artbildungsprozessen führen kann. Zweigeschlechtlichkeit fördert somit auch Vielfalt. (vgl. Kappeler Verhaltensbiologie)

          Es kann sein, dass Herr Voss wirklich an das glaubt, was er schreibt. Wenn ja, hat er sich allerdings in Sachen Geschlechter jahrelang mehr für Gender- und Queer-Kram interessiert als für Biologie. Wenn er dann in seinem Studium zu den Geschlechtern nichts oder nur kaum was gehabt hat (was leider oft im Biologiestudium so ist, ich hatte dazu auch nur deshalb was, weil mir ein Prof. die Möglichkeit gegeben hat, mich u.a. darüber bei ihm im Diplom prüfen zu lassen. Viele Biologen und noch mehr Biolehrer haben nie was dazu, aber satt und genug andere Themen, und kommen dann gar nicht dazu, sich mal wirklich mit Männchen und Weibchen zu beschäftigen.), dann kann es wirklich sein, dass er daran selbst glaubt.

          Es kann aber auch sein, dass er ein Karrierist ist, der weiß, wie man heutzutage Prof. wird, und sagt, was die Eliten von ihm hören wollen.

          Wer weiß.

        • ät Matthias&Evochris:

          Matthias, hast ne Mail mit Spaß für morgen!

          Als, es gibt Laborbiologen, die sehr wohl eine Schnellkarriere hinlegen und Professor werden. Ist aber sehr selten; und meist sind das Leute, die schon im Diplom oder vorher im Institut übernachten (das meine ich wörtlich).

          Matthias hat ganz recht: So eine Karriere wie Vossi hinzulegen, nur mit Lesen und Schreiben esoterischer Sexliteratur, ist ohne politisch-ideologisches Sponsoring durch Glaubensbrüder oder -Schwesterixe in Uni und Parteien nicht möglich.

          Erstaunlich, daß er bereits im Studium, wie er sagt, auf den Genderscheiß gekommen ist.
          Wahrscheinlich er tatsächlich schwul, wie Pirincci vermutete, und ist da in irgendwelche Queer-Genderkreise in Dresden oder Leipzig (New Berlin) geraten, wo er die Ideologie aufgeschnappt hat.
          Als Humangenetiker (?) trotzdem solchen Mumpitz zu erzählen, ist einfach nur irre.
          Zeigt, daß absurde Überzeugungen in Glaubensgemeinschaften sogar mit gesichertem Wissen aus dem eigenen Studium koexistieren können.

        • @ Axel

          „Matthias, hast ne Mail mit Spaß für morgen!“

          Ja, Danke, gucke ich mir gleich an!

          „Als, es gibt Laborbiologen, die sehr wohl eine Schnellkarriere hinlegen und Professor werden. Ist aber sehr selten; und meist sind das Leute, die schon im Diplom oder vorher im Institut übernachten (das meine ich wörtlich).“

          Genau, und die müssen dann aber normalerweise auch habilitiert sein, bevor sie Prof werden. Und sind meist sowohl vom Arbeitseinsatz als auch von der Intelligenz her absolute Überflieger. Die besten 1-2% vom Einschreibejahrgang. Bzw., was bei denen auch wichtig ist, ob ihre Vorgesetzten ihnen wohlgesonnen sind.

          „Matthias hat ganz recht: So eine Karriere wie Vossi hinzulegen, nur mit Lesen und Schreiben esoterischer Sexliteratur, ist ohne politisch-ideologisches Sponsoring durch Glaubensbrüder oder -Schwesterixe in Uni und Parteien nicht möglich.“

          Yepp.

          „Erstaunlich, daß er bereits im Studium, wie er sagt, auf den Genderscheiß gekommen ist.“

          Vermutlich glaubt er da wirklich dran.

          „Wahrscheinlich er tatsächlich schwul, wie Pirincci vermutete, “

          Hat da einer eine sichere Quelle für? Kirk?

          „und ist da in irgendwelche Queer-Genderkreise in Dresden oder Leipzig (New Berlin) geraten, wo er die Ideologie aufgeschnappt hat.“

          Wie auch immer.

          „Als Humangenetiker (?) trotzdem solchen Mumpitz zu erzählen, ist einfach nur irre.“

          Ja, und es ist ebenso völlig irre, dass er auf einer Uni nach der anderen einen Vortrag halten darf. Organisiert wird das dann oft vom „autonomen Schwulen- und Lesbenreferat“ u.ä.

          „Zeigt, daß absurde Überzeugungen in Glaubensgemeinschaften sogar mit gesichertem Wissen aus dem eigenen Studium koexistieren können.“

          Das Schlimme ist: Universitäten sollten eigentlich Bollwerke gegen Ideologien sein. Oft oder zumindest manchmal sind sie aber die Speerspitzen dieser.

          • @Matthias

            „Hat da einer eine sichere Quelle für? Kirk?“

            Hat er meine ich nie ein Geheimnis draus gemacht. Es gab auch mal eine Seite von ihm, die nur um Homosexualität ging und in der er sein eigenes Coming Out schilderte. Hat er aber anscheinend gelöscht oder ich finde sie nicht mehr

          • @Matthias

            „Hat da einer eine sichere Quelle für? Kirk?“

            Hat er meine ich nie ein Geheimnis draus gemacht. Es gab auch mal eine Seite von ihm, die nur um Homosexualität ging und in der er sein eigenes Coming Out schilderte. Hat er aber anscheinend gelöscht oder ich finde sie nicht mehr

          • @Matthias

            „Hat da einer eine sichere Quelle für? Kirk?“

            Hat er meine ich nie ein Geheimnis draus gemacht. Es gab auch mal eine Seite von ihm, die nur um Homosexualität ging und in der er sein eigenes Coming Out schilderte. Hat er aber anscheinend gelöscht oder ich finde sie nicht mehr

        • ät Evochris oder Captain Kirk:

          Wenn Voß in Dresden und Leipzig Bio studiert hat, müßten ihn doch jeweils etwa 50 Kommilitonen kennengelernt haben.
          Gibt es da eigentlich Berichte, wie der sich im Studium geäußert hat?
          Da er nach eigenen Angaben schon vor dem Diplom genderte, müßte es eigentlich zu Konflikten gekommen sein.
          Fände es interessant zu erfahren, wie er bei seinen Mitstudenten mit seinen irren Theorien angekommen ist.

          A propos wirre Theorien: In dem von mir verlinkten Youtube-Video greift er tatsächlich die olle Kamelle vom Marathonlauf auf, der angeblich beweise, daß Männer und Frauen auch körperlich völlig gleich seien, wenn man sie nur gleich trainiere.

          Christian, was hälst Du von einem Tagesthema zu dem Argument? Sofern das nicht schon mal dran war.

          Daß die Frauen wegen der speziellen Anforderung des auszehrenden Dauerlaufes den Marathonmännern immer ähnlicher werden, kann man sich schon denken.

          Ein medizinisch-biologisch belastbar entwickeltes Gegenargument zum Marathon-Gendering in Debatten mit Fanatixern wäre aber schön.

        • Ein echtes weiteres Geschlecht wäre z.B. eines, bei dem drei unterschiedliche Geschlechter an der reproduktion der Nachkommenschaft beteiligt wären.
          z.B. zwei geschlechter, die sich paaren, und eines das nur austrägt. (egal, wie man sich das nun praktisch vorstellt)
          Oder zwei gesclechter, die sich paaren können – und eine sonderform, die keine zwischenform ist, aber die bei bedarf beide komplementärrollen zu einer der beiden ausschließlichen Formen sein kann, nicht aber mit anderen der so definierten sonderform (ohne diese Bedingung wäre es nämlich wieder eine zwischenform, die einfach zwischen den beiden Geschlechtern wechseln kann)

          Solche geschlechter würden aber notwendigerweise sehr stark biologisch definiert sein, was dem gendergedanken ja grade widerspricht.
          Wer Geschlecht mit aller Gewalt als soziale Konstruktion betrachten möchte, dem sind solche Gedanken fremd. Dabei „konstruieren“ sie mit ihren Gedanken gar keine „Geschlechter“, sondern … weichen nur die unterschiede auf. Die Unterschiede, die eigentlich die Anziehung zwischen den Geschlechtern ausmacht.
          Deshalb sind sie auch so Sexfeindlich.

      • Das ganze Gerede von „vielen“ unterschiedlichen Geschlechtern ist völliger Unfug:
        Er macht sich ja nicht mal die Mühe, die „vielen unterschiedlichen Geschlchter“ als etwas anderes darzustellen denn als zwischenformen – zwischen was? Na, zwischen männlich und weiblich natürlich.
        Wobei der weit überwiegnde Teil aller Individuen sich völlig eindeutig auf einem der beiden Pole verorten lässt und auch selbst verortet.
        Zwischenformen werden um so seltener, je weiter sie sich von den Polen entfernen – Homosexualität ist sicher die häufigste, stellt aber die eigene Geschlechtszugehörigkeit gar nicht in Frage, transsexualität ist seltener, biologische Zwitter extrem selten.
        Alles liegt aber nur auf der Achse männlich – weiblich.
        Ein ectes „anderes Geschlecht“ würde außerhalb dieser Achse liegen. Eine solche Vorstellung ist uns derartig fremd, dass uns nicht mal auffällt, dass das eine echte Bedingung für ein echtes „anderes Geschlecht “ sein müsste.

  3. zur r-K-Selektion:

    Huch, ein Wikipedia-Artikel zur rasseabhängigen Biologie beim Menschen? Aha, ein englischer Wiki-Artikel. In der deutschen Wikipedia würde so was sofort rausgeschmnissen.
    In dem Zusammenhang ist die Info sinnvoll, daß gerade ein gender-PC-kritischer Admin (der einzige verbliebene) rausgeekelt wurde: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia_Diskussion:Checkuser/Anfragen/Pittimann,_Don_Bosco,_Fanio_05,_Fonai_01

    Eine pikante Information: Bei r-Strategen tritt hin und wieder Parthenogenese (Jungfernzeugung) auf. Was bedeutet, daß zB weibliche Gespenstschrecken oder Blattläuse, um schnell Massen von Nachkommen zu erzeugen, ohne Samenzellen Eier legen, aus denen Massen von Mädchen schlüpfen.

    Wäre das nicht was für die Genderfems? Fortpflanzung ohne Penetration durch WHMs! UNd ohne männliche Schweine-Nachkommen!

    Einziges Problem dabei: Die jungferngezeugten Töchter sind (fast) Klone und werden nach mehreren Generationen steril und gendepressiv.

    Sch…., also muß man doch wieder mit den Kerlen Essen gehen.

  4. Das konkrete Problem liegt darin, dass die Strategien auch nach langen Generationsfolgen in Umgebungen, die eine solche Strategie nicht mehr sinnvoll erscheinen lassen, beibehalten werden.

    • C’est ca. Und Partheno-Genderismus paßt in keiner Umgebung 😉
      Würde aber praktisch auch nie gelebt. Ich kenne Genderfrauen (zB Marenleinchen), die sich sehr wohl weiblich-heterosexuell verhalten, wenn´s drauf ankommt.
      Man sieht: Das Gelaber schadet den Labernden zT selbst.

  5. @ christian

    Rushton´s Modell ist Dir zu „biologisch“?

    Wie das?

    Er beschreibt doch lediglich unterschiedliche, genetisch bedingte Phänotypen. Die genetischen Gruppendifferenzen wiederum sind Folge der evolutionären Anpassung an unterschiedliche Umweltbedingungen, unter denen die Gruppen über sehr lange Zeiträume gelebt haben.

    Da sich über zigtausende von Jahren ausgebildete genetische Dispositionen nur sehr langsam an schnelle Veränderungen der Umweltbedingungen ändern können (Stichwort: Migration), stellen wir frustriert fest, dass der multikulturelle Traum einer friedlich kreativen Integration genetisch stark divergenter Gruppen zum Alptraum werden kann.

    Die Rationalisierung dieses in der Tat biologischen Phänomens lautet dann zu geringe „Willkommenskultur“, „Rassismus“ und zuwenig Förderung.

    Kultur ist mindestens so sehr Ausdruck der genetischen Dispositionen wie der Anpassung an die Umwelt.

    • @ratloser

      „Rushton´s Modell ist Dir zu “biologisch”? Wie das?“

      Er scheint mir kulturelle Faktoren zu wenig zu berücksichtigen. Kinderzahl beispielsweise hat einen starken kulturellen und sozialen Faktor.
      Das alles presst er dann in die r/K Selektion, die eigentlich auf ganz andere Sachverhalte konzipiert ist.

      Das Life-History-Modell scheint mir da wesentlich geeigneter und ein differenzierteres Bild zu geben.

      Ich schreibe ja, dass es natürlich biologische Unterschiede zwischen Völkergruppen geben kann. Die müssen aber eben nicht so ausgestaltet sein, wie Rushton dies sieht.

      Und Kultur ist natürlich auch Ausdruck biologischer Dispositionen. Aber nicht nur. Schwarze der Oberschicht haben nicht per se mehr Kinder.
      Mit veränderten Umständen lohnen sich eben bestimmte Entscheidungswege eher. Das kann man nicht einfach ausblenden

      • @ christian

        Hmm….

        In Sachen Körpermorphe, IQ und dominante Persönlichkeitseigenschaften z.B. besteht aber nach Änderung der Umweltbedingungen eine erstaunliche Konstanz über viele Generationen.

        Die Kultur selektiert Genome über sehr lange Zeiträume…diese gruppenspezifischen Genome machen einen Sinn, da sie in der Tat Folge eines sehr langen evolutionären Anpassungsprozesses an spezifische Bedingungen sind.

        Trakehner – arabisches Vollblut.

        Rushton´s Gruppendifferenzen sind meiner Überzeugung nach zum größten Teil biologisch bedingt, dafür spricht – wie schon erwähnt – ihre Persistenz in anderen Milieus.

        Zur schwarzen Oberschicht: die Kinderzahl hängt sicherlich mit dem Bildungsniveau zusammen.

        Aber die Häufigkeit eines höheren Bildungsniveaus ist offensichtlich in gleicher Umgebung sehr gruppendifferent.

        Warum wohl.

        Wenn Merkmal a zu Merkmal B führt und Merkmal b zu Merkmal c führt, kann ich nicht sagen, Merkmal c hat nichts mit Merkmal a zu tun, da es durch Merkmal b bedingt ist.

        Die Kinderzahl ist meines Wissens übrigens kein Merkmal, das Rushton aufführt?!

        • daraus ein Zitat, das den Kern berührt:

          „Rushton’s results reflect a third insight of life history theory:
          individuals do not evolve, populations do.“

          • @ratloser

            Das halte ich für einen falschen Schluß oder schlecht formuliert. Denn Mutationen betreffen immer Individuen und müssen an das nächste Individuum weitergegeben werden. Insofern ist streng genommen eine „Evolution der Gruppe“ ausgeschlossen, nur die Zusammensetzung der Gruppe ändert sich durch Veränderung ihrer Mitglieder.

        • @ratloser

          „In Sachen Körpermorphe, IQ und dominante Persönlichkeitseigenschaften z.B. besteht aber nach Änderung der Umweltbedingungen eine erstaunliche Konstanz über viele Generationen.“

          ich sage nicht, dass es hier keine Unterschiede gibt. Sicherlich wird zB ein anderer Testosteronspiegel auch Persönlichkeiten und Verhalten beeinflussen. Und sicherlich ist dieser auch Ergebnis einer Selektion. Nur ob diese Selektion gerade nur das Schema „r/K“ hatte, da habe ich meine erheblichen Zweifel. Auch schwarze Kinder sind stark abhängig von ihren Eltern, sie brauchen eine erhebliche Pflege und „Qualität“ zahlt sich aus. Das muss sich auch nicht mit anderen möglichen Unterschieden beißen.
          Wir werden uns wohl einig sein, dass Menschen allgemein sehr stark im „K“ Bereich sind.

          „Die Kultur selektiert Genome über sehr lange Zeiträume…diese gruppenspezifischen Genome machen einen Sinn, da sie in der Tat Folge eines sehr langen evolutionären Anpassungsprozesses an spezifische Bedingungen sind.“

          ja, durchaus. Aber deswegen müssen nicht die von Rushton angegebenen Faktoren vorliegen. Schon gar nicht muss man deswegen davon ausgehen, dass die Kultur auf Quantität statt Qualität gesetzt hat. Im Bereich des Menschen sind die Unterschiede da aus meiner Sicht eher gering.

          „Rushton´s Gruppendifferenzen sind meiner Überzeugung nach zum größten Teil biologisch bedingt, dafür spricht – wie schon erwähnt – ihre Persistenz in anderen Milieus.“

          ich kann mir vorstellen, dass Intelligenz unterschiedlich verteilt ist. Die Erblichkeit und die biologischen Grundlagen der Intelligenz lassen das ohne weiteres zu. Dennoch erscheint mir der von Rushton angesetzte Unterschied entschieden zu groß. Ich hatte ja auch schon mal in einer anderen Diskussion Kritik daran geäußert und auch Kritik an seiner Forschung zitiert.

          „Zur schwarzen Oberschicht: die Kinderzahl hängt sicherlich mit dem Bildungsniveau zusammen.“

          Eben. Und auch mit sonstigen weiteren kulturellen Umständen und auch der Frage, wie man sie ernähren kann etc.

          „Aber die Häufigkeit eines höheren Bildungsniveaus ist offensichtlich in gleicher Umgebung sehr gruppendifferent.“

          Selbst wenn das so wäre: Dann ist das immer noch keine biologische Begründung, die als Beweis für ein r/K selektion taugt. Denn die Unterschiede wären dann in rückständigeren Gesellschaften, die ja den wesentlichen evolutionären Zeitraum betreffen, nicht gegeben. Da gab es weder umfassende Bildung noch Verhütungsmittel.

          Häufiger Sex ist in der Hinsicht auch relativ egal, dieser dürfte vielleicht eher einer Spermienkonkurrenz dienen oder der Nutzung von Gelegenheiten auf „knappen Märkten“ dank stärkerer Polygynie.
          Die Sexfrequenzunterschiede beeinflussen insofern die Kinderzahl nicht.

          „Wenn Merkmal a zu Merkmal B führt und Merkmal b zu Merkmal c führt, kann ich nicht sagen, Merkmal c hat nichts mit Merkmal a zu tun, da es durch Merkmal b bedingt ist.“

          Wenn Merkmal C aber erst in Zeiträumen mit geringen evolutionären Einfluss relevant wird, dann kann man sich schlecht für eine evolutionäre Argumentation auf C als in der damaligen Selektion wirksam stützen.

          „Die Kinderzahl ist meines Wissens übrigens kein Merkmal, das Rushton aufführt?!“

          Rushton geht von einer stärkeren „r-Selektion“ aus, die ja auf die Anzahl des Nachwuchs statt auf die Qualität abstellt. Die Folgen hatte ich oben zitiert:
          Rasche Individualentwicklung und geringe Körpergröße
          Kurze Lebensspanne mit hoher Vermehrungsrate
          Früher Fortpflanzungsbeginn, kurze Geburtenabstände, hohe Wurfgröße
          Geringe elterliche Fürsorge
          Kleines (leistungsschwächeres) Gehirn

          Deswegen hat er ja „Gestation Time“ Zwillingsgeburten, Alter des ersten Kindes, Alter des ersten Sex etc aufgenommen.

        • @ christian

          „Das halte ich für einen falschen Schluß oder schlecht formuliert. Denn Mutationen betreffen immer Individuen und müssen an das nächste Individuum weitergegeben werden. Insofern ist streng genommen eine “Evolution der Gruppe” ausgeschlossen, nur die Zusammensetzung der Gruppe ändert sich durch Veränderung ihrer Mitglieder.“

          Für mein Gefühl sind sowohl Schluß als auch Formulierung einleuchtend.

          Evolutionär relevante Mutationen müssen in den Keimzellen auftreten.

          Mutationen der Keimzellen entfalten ihre Wirkung auf den Phänotyp aber erst in der nächsten Generation.

          Ein Mensch, der eine Mutation in einer Keimzelle erfahren hat, wird von dieser Mutation selber nicht geprägt werden.

          Das heisst, eine genetisch bedingte „Entwicklung“ kann es nur über Reproduktion, nicht aber innerhalb der Lebensspanne eines individuellen Menschen gegen.

          Außer im Sinne pathogener, zu allermeist dann aber nicht die Keimzellen betreffenden, Mutationen, die zur pathogenen Transformation zu Lebzeiten führen.

          Genetisch bedingte Entwicklungen erfordern sowohl Zeit (Generationsfolgen) als auch Genpoole…also mehr oder weniger große Populationen, in denen die Reproduktion stattfindet, die – langfristig – von genetischen „Vor“- und „Nach“-Teilen (bezogen auf die Populationsbedingungen) beeinflusst wird.

          • @ratloser

            Okay, insofern kann man beide Aussagen als falsch darstellen. Weder Völker evolvieren (weil sich Gene nicht über das Volk ändern, sondern nur in den Individuuen) noch Einzelpersonen (wenn man unter evolvieren eine Veränderung innerhalb der Lebenszeit, die sich direkt auswirkt, versteht)

        • ät Evochris&Ratloser:

          Pirincci hat mal eine interessante Info ausgegraben: den Baldwin-Effekt. http://de.wikipedia.org/wiki/Baldwin-Effekt

          Besagt, daß kulturelle Eigenheiten der Genselektion auf Gruppenebene eine neue Richtung geben könnte.

          Er nennt das Beispiel Islam: Weil in vielen islamischen Gesellschaften der Frau die Möglichkeit der sexuellen Wahl genommen wird (u.a. durch „Beschneidung“), degeneriert die betreffende Bevölkerung genetisch, weil die sexuelle Selektion der Frau den Vorrang einräumt.
          Stimmt zwar nur bei Vögeln (Pfau) und beim Menschen nicht mehr so ganz; trotzdem aber ein interessanter Gedanke.

          Ist vielleicht der Aufstieg der europäischen Kultur auch dadurch begründet, daß mit der Renaissance eine freiere Partnerwahl getroffen werden konnte?

          Ein Cambridge-Professor berichtete, daß seit den 1690ern (Glorreiche Revolution) immer mehr uneheliche Kinder in England auftraten.

  6. Ein Artikel zur menschlichen life history strategy und Rushton:
    http://www.researchgate.net%2Fprofile%2FAurelio_Figueredo%2Fpublication%2F257045599_The_measurement_of_Human_Life_History_strategy%2Flinks%2F004635319d73bc1658000000&ei=5eJlVOxLw_k8-JiBiAU&usg=AFQjCNGFmsYTr69zla4rn9J82zjbDwjUKA&cad=rja
    „This retrospective essay appraises J. Philippe Rushton’s application of life history to understanding the covariation among human traits in light of subsequent developments in the measurement and latent structure of Human Life History, covitality, and personality. We conclude that Rushton should be recognized for having initiated a theoretically and empirically highly fertile paradigm in human individual differences research.“

    Auf dieser Basis wurde die „cognitive differentiation-integration effort“-Hypothese entwickelt:
    http://www.iapsych.com/iqmr/fe/LinkedDocuments/woodley2011.pdf
    „This article presents a potential synthesis between the fitness indicator and life history models of human intelligence through consideration of the phenomena of ability differentiation and integration. The cognitive differentiation-integration effort hypothesis proposes that these effects result from a life history tradeoff between cognitive integration effort, a mating effort component associated with strengthening the positive manifold amongst abilities; and cognitive differentiation effort, a somatic effort component associated with the cultivation of specific abilities. This represents one of two largely independent sources of genetic variance in intelligence; the other is mediated by general fitness and mutation load and is associated with individual differences in levels of ‘genetic g’. These two sources (along with a common source of environmental variance) combine to give rise to a variety of cognitive phenotypes characterized by different combinations of high or low levels of ‘genetic g’ and cognitive specialism or generalism.“

  7. »Wie groß hier die Unterschiede sind und wie man sie um kulturelle und schichtenbedingte Faktoren bereinigt hat, ist mir nicht bekannt.«

    Ich vermute *nicht*.

    Unterschiede in der Zahl der Kinder pro Frau gibt es übrigens oft und sie hängen sehr stark von wirtschaftlichen Faktoren ab, siehe z.B. hier in Abbildung 2: http://www.demogr.mpg.de/de/news_presse/news_1917/frankreich_waechst_deutschland_schrumpft_3098.htm

    Vor 120 Jahren war die Zahl der Kinder pro Frau in Deutschland >5. Der große Unterschied zu den heutigen 1,x zeigt, dass die Umgebung sehr großen Einfluss hat, also muss man diese Effekte auf jeden Fall berücksichtigen.

    • Ich vermute *nicht*.

      Man kann es nicht wissen. Rushton warf ohne Beachtung jeglichen Forschungskontextes und ohne jegliche sonstige Prüfung alle Zahlen, die ihm über den Weg liefen (auch aus dem 19. Jahrhundert) in einen großen Topf und bildete arithmetische Mittelwerte. „aggrgated evidence“ nannte er diese Vorgehenweise. Die Fehler würden sich schon ausmitteln..

      Unterschiede in der Zahl der Kinder pro Frau gibt es übrigens oft und sie hängen sehr stark von wirtschaftlichen Faktoren ab

      Life-history traits sind oft kurz- oder mittelfristig adaptiv. Insofern ist es ziemlich sinnlos, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

  8. Hi Evochris,

    bei der Diskussion von r/k Selektion kam mir schon früher der Gedanke, dass dabei ein ganz wesentlicher Faktor mitbetrachtet werden sollte, der hier völlig fehlt:

    Der Gedanke der Kultur.

    Wobei ich diesen Begriff sehr weit fasse.
    r-selektion ist nicht in der Lage, Kultur produzieren.
    Weil sie keine Brutpflege betreibt und an die nachfolgende Generation nichts erlerntes weitergibt.

    Wie bedeutsam das ist, viel mir am Beispiel der Tintenfische auf.
    Die großen Octopusse sind eine erstaunlich intelligente Spezies.
    Es gibt Berichte und Untersuchungen über Leistungen, die Octopusse vollbringen, für die sie außerordentlich komplexe Gedankengänge, Planung und selbstorganisation benötigen.

    Octopusse sind eine sehr alte Lebensform.
    Warum hat eine Lebensform mit einer solch hochentwickelten Intelligenz nicht geschafft, mehr Kapital daraus zu schlagen?

    Wegen der r-selektion.
    Weil sie keine Kultur entwickeln können.
    Kein Octopus gibt irgendetwas, das er in seinem Leben gelernt hat, an seine Nachkommen weiter.
    Er gibt lediglich das Potential seiner intelligenz weiter – was wohl ein ausreichender Selektionsvorteil war, um diese Intelligenz auszubilden – aber eben nicht ausreichend, um mehr damit zu erreichen.

    Wir wissen von ziemlich vielen werkzeugbenutzenden Tieren, dass sie ihre Kenntnisse innerhalb der Gruppe weitergeben.
    Es gibt daher Gruppen, die bestimmte Formen der Werkzeugnutzung ausgebildet haben, die in anderen Gruppen nicht „erfunden“ worden sind.

    Auch Sozialformen entwickeln sich in sozialen Gruppen, die sich bei unterschiedlichen Gruppen der selben Spezies unterscheiden.

    Das sehr mächtige Werkzeug der Sprache hat sich in einem sehr komplexen Wechselspiel genetischer Evolution und kultureller Weitergabe dieser Komunikationsform entwickelt: Die Fähigkeit eines Babys, sprache zu erlernen, ist außerordentlich stark genetisch vorgegeben – aber die Sprache selbst wird ausschließlich kulturell weitergegeben – sie wird gelernt.

    Ich verwende also einen Kulturbegriff, der das enthält, was eine soziale Gruppe auch Generationsübergreifend weitergibt, von einer Generation an die nächste, und zwar außerhalb der genetischen weitergabe.
    So etwas kann es nur bei k-selektion geben.

    Die Menschheit ist ziemlich offensichtlich die Spezies, die am ausgeprägtesten in der Lage ist, etwas von einer Generation an die nächste außerhalb von genetischer weitergabe zu vermitteln.

    Zwar hat die genetische evolution die möglichkeiten dafür erst geschaffen – aber diese nicht-genetische, kulturelle evolution überformt die genetische, schon bei anderen Primaten – und beim Menschen tut sie das sehr stark.

    gegenwärtig tut sie das z.B. so, dass sie die Erhöhung der Intelligenz in der gesamtpopulation behindert – da die intelligenteren die längeren Ausbildungen in Anspruch nehmen, immer später mit der Fortpflanzung beginnen und diese oftmals gar nicht mehr stattfindet.

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