r/K Selektion und Life-History-Theorie

Immer wieder mal Thema ist hier die r/K Selektionstheorie und insbesondere deren Anwendung auf den Menschen.

1. Grundlagen zur  r/K Theorie

Darunter versteht man zwei grundlegende „Strategien“ der Fortpflanzung.

Aus der Wikipedia dazu:

r-Strategen sind demnach Arten, die bei der Fortpflanzung auf eine hohe Reproduktionsrate (r) setzen (z. B. der Grasfrosch mit hunderten sich selbst überlassenen Eiern), während K-Strategen für eine geringere Zahl von Nachkommen mit dafür höheren Überlebenschancen sorgen (z. B. der Mensch mit oft nur einem einzelnen, über viele Jahre betreuten Nachkommen). Dabei geht es um die grundlegende Frage, wie die begrenzten Ressourcen an Energie und Stoffen einer Generation für die nächste Generation verfügbar gemacht werden.

Dabei steht extrem ausgeprägte Quantität (r-Strategie) extrem ausgeprägter Qualität (K-Strategie) gegenüber. Ein absolutes Maß für die Ausprägung der konkreten Strategie einer Art gibt es jedoch nicht, unterschiedliche Arten müssen immer in Relation zueinander betrachtet werden, da die Übergänge fließend sind.

In der Wikipedia sind auch die jeweiligen Vorteile aufgeführt:

a) r-Selektion

Die sogenannte r-Strategie orientiert sich an der Wachstumsrate r einer Population, die im diskreten Fall, gemäß zur Berechnung der Folgegenerationen verwendet wird. Die Wachstumsrate ergibt sich aus der Differenz von Geburtenrate (Natalität) und Sterberate (Mortalität). Die Zahl der Individuen wächst bei einer r-Strategie im Idealfall zunächst exponentiell, bis die Kapazitätsgrenze (K) des Lebensraumes (Habitat bzw. Ökosystem) erreicht ist. Die Kapazitätsgrenze stellt sich durchIntraspezifische Konkurrenz ein; oft erfolgt auch durch Interspezifische Konkurrenz ein starker Rückgang oder Zusammenbruch der Population.

r-Strategen erzeugen in der Regel sehr viele Nachkommen, investieren jedoch wenig in die Aufzucht, an die jeweils nur geringe Ressourcen weitergegeben werden. Dies hat zur Folge, dass oft nur ein geringer Teil der Nachkommenschaft überlebt. Ein Beispiel dafür ist der Grasfrosch. Jedes Weibchen legt 3000 bis 4000 Eier mit geringem Nahrungsvorrat im Dottersack, eine Brutpflege findet nicht statt. Die meisten Kaulquappen erreichen nicht das Erwachsenenalter. Solche Arten sind in der Lage, neue Lebensräume rasch zu besiedeln. Bei hoher intraspezifischer Konkurrenz und großem Druck an Räubern hat diese Strategie jedoch Nachteile.

Lebewesen mit typischer r-Strategie sind die meisten Mikroorganismen (Bsp. Bakterien) sowie kleine Formen höher entwickelter Organismen (Kleinkrebse, Blattläuse, Blaumeisen, Sperlinge, Mäuse), aber auch „soziale Insekten“ wie Bienen und Ameisen. Zu pflanzlichen r-Strategen zählen insbesondere Pionierpflanzen, die Ruderalstandorte schnell besiedeln können.

  • Typische Eigenschaften von r-Strategen[Bearbeiten]
  • Rasche Individualentwicklung und geringe Körpergröße
  • Kurze Lebensspanne mit hoher Vermehrungsrate
  • Früher Fortpflanzungsbeginn, kurze Geburtenabstände, hohe Wurfgröße
  • Geringe elterliche Fürsorge
  • Kleines (leistungsschwächeres) Gehirn

Bedingungen, die eine r-Selektion begünstigen

  • Umweltbedingungen (z. B. Klima) hochvariabel
  • Variable Sterblichkeitsverhältnisse, häufig katastrophale Bevölkerungseinbrüche, häufig extreme Nachkommensterblichkeit
  • Mortalitätsfaktoren weitgehend unabhängig von der Populationsdichte
  • Populationsgröße extrem schwankend, selten die Kapazitätsgrenze des Lebensraumes erreichend
  • Möglichkeit der Neu- oder Wiederbesiedlung von Habitaten durch räumliche Ausbreitung („opportunistische Habitatnutzung“)

b) K-Selektion

Hat eine Population bereits die Kapazitätsgrenze (K) des Lebensraumes erreicht, ist eine Massenvermehrung kaum lohnend. Vielmehr wird nun die Anzahl der Individuen über einen langen Zeitraum nahezu konstant bleiben und der Schwerpunkt wird bei den Nachkommen auf eine „bessere Qualität“ gelegt. Demzufolge ist die Vermehrungsrate bei K-Strategen relativ gering, dafür haben diese Arten eine hohe Lebenserwartung, unter anderem aufgrund der hohen Investition in den Nachwuchs (zum Beispiel lange Brut- oder Aufzuchtphase). Auch findet sich oft eine Absicherung des Reviers. Diese Verhaltensweise wird auch „Platzhalterstrategie“ genannt.

Darüber hinaus findet sich bei K-Strategen die Fähigkeit, gegebene Ressourcen unter starken Konkurrenzbedingungen besser zu nutzen, als dies bei anderen Strategietypen der Fall ist. So erhalten K-Strategen die Individuenzahl nahe der Umweltkapazität bzw. der ökologischen Kapazität (K).

Zu den Organismen, die man als K-Strategen bezeichnet, gehören viele Säugetiere, wie Bären, Biber, Wale, Elefanten, Primaten (auch der Mensch ist ein ausgeprägter K-Stratege) und Vögel.

Typische Eigenschaften von K-Strategen

  • Langsame Individualentwicklung und hohe Körpergröße
  • Lange Lebensspanne mit geringer Vermehrungsrate
  • Später Fortpflanzungsbeginn, lange Geburtenabstände, geringe Wurfgröße
  • Ausgeprägte elterliche Brutpflege
  • Großes (leistungsstärkeres) Gehirn

Bedingungen, die eine K-Selektion begünstigen

  • Umweltbedingungen (z.B. Klima) relativ konstant
  • Sterblichkeit abhängig von der Populationsdichte
  • Relativ stabile Sterberaten, relativ geringe Kindersterblichkeit
  • Populationsgröße relativ konstant, an der Grenze der Kapazität des Lebensraumes
  • Gesättigte Habitate, keine Erschließung neuer Habitate möglich („konsistente Habitatnutzung“)
  • Kaum räumliche Ausbreitung
  • Eher ältere Habitate

c) Anmerkungen

Die verschiedenen „Strategien“ sind wie man sieht an gänzlich anderen Umständen ausgerichtet. Bei der einen Spezies steht Quantität im Vordergrund, weil erhebliche Unsicherheiten bestehen, denen durch Maße begegnet werden kann. Es geht sozusagen darum, ob man überhaupt Gelegenheit bekommt, sich fortzupflanzen, eben weil die Gefahr besteht, dass man vorher gefressen wird oder stirbt oder Umstände bestehen, auf die man sich nur mit „genetischen Glück“ einstellen kann. Hier würde auf Qualität setzen bedeuten, dass der Nachwuchs in der Zeit, in der er sich darauf vorbereitet, geschlechtsreif zu werden, vielleicht schon stirbt und damit die Kosten verbraucht sind. Insofern lohnt es sich eher auf Maße zu setzen, quasi ein Schrottgewehrschuß, der zwar nicht so gezielt ist, aber von dem schon irgendwie eine der kleineren Kugeln das Ziel treffen wird (=seine Gene in die nächste Generation bringen wird).

K-Selektion ist hingegen eher geeignet für Punkte, wo es auf einen möglichst hochwertigen Nachwuchs ankommt. Das ist insbesondere in sozialen Verbänden interessant, in denen eine Betreuung des Nachwuchses erfolgt.

2. Life-Historie-Theorie

In der neueren Wissenschaft scheint mir eher die sog. Life-Historie-Theorie eine Rolle zu spielen. Dazu aus der Wikipedia:

Jedem Organismus steht nur eine begrenzte Menge von für ihn lebensnotwendigen Ressourcen zur Verfügung. Dies sind im Wesentlichen: Energie, Nahrung (einschließlich Energiespeichern wie Fettreserven) und Zeit. Für sein Weiterleben und den Erfolg seiner Art muss er diese Ressourcen aufteilen:

  • auf sein eigenes Wachstum,
  • auf den Erhalt seiner Grundfunktionen (beispielsweise Immunsystem und Reparaturmechanismen)
  • und auf die Fortpflanzung (beispielsweise Partnersuche, Begattung, Pflege des Nachwuchses).

Dabei ergibt sich ein Allokationsproblem, das heißt ein Verteilungsproblem der knappen Ressourcen. Bei der Wahl bestimmter Verhaltensmuster oder Ressourcen kommt es zu Trade-offs , d.h. zur Abwägung für den günstigeren Aspekt in Bezug auf Überleben und Fortpflanzung.

Bestimmte Merkmale beeinflussen direkt die Wahrscheinlichkeit des Überlebens und der Arterhaltung. Die wichtigsten Merkmale sind dabei die

  • Größe bei der Geburt,
  • die Dauer und die Geschwindigkeit der Wachstumsphase,
  • das Alter und die Größe bei der ersten Fortpflanzung,
  • die Anzahl und die Größe der Nachkommen,
  • die Häufigkeit der Reproduktion und die Lebenserwartung des Organismus.

Andere Merkmale sind beispielsweise

  • das Geschlechterverhältnis, sowie
  • die Pflege der Nachkommenschaft (Elternaufwand) und deren Dauer.

Die Merkmale werden dabei durch die natürliche Selektion gestaltet und können von Art zu Art sehr unterschiedlich ausfallen. Auch innerhalb einer Art können sich durch unterschiedliche Habitate Unterschiede zwischen Populationen einstellen. Das Ziel der Anpassung ist letztlich die für den Organismus größtmögliche Anzahl an überlebenden fortpflanzungsfähigen Nachkommen zu gewährleisten. Die Lebenszyklusstrategie ist eine Anpassung an das Habitat.[7]

Die Theorie der Lebensgeschichte sucht nach Faktoren und Erklärungen für die Vielfalt an Lebenszyklusstrategien zwischen den Arten und innerhalb der Arten.[6][8]

Ein Organismus, dem unbegrenzt Ressourcen zu Verfügung stehen würden, wäre ein darwinscher Dämon. Bei diesem Gedankenexperiment wären alle Parameter der Fitness eines Organismus maximiert. Er hätte eine unendliche Lebenserwartung und unbegrenzteFruchtbarkeit. Er würde unmittelbar nach seiner Geburt mit der Reproduktion beginnen und während seines unendlich langen Lebens eine möglichst hohe Reproduktionsrate mit sehr vielen Nachkommen haben. Er hätte die Fähigkeit sich unbegrenzt zu verbreiten und überall und jederzeit Partner für die Paarung zu finden.[9]

Es findet sich auch ein Bild dazu:

Lebensaufwand Life Historie Theorie

Lebensaufwand Life Historie Theorie

Während die r/K-Selektion also im wesentlichen zwei verschiedene Situationen gegeneinander stellt, erlaubt die Life-History-Theorie eine differenziertere Betrachtung anhand einer Verteilung verschiedener Ressourcen. Die r/K-Selektion ist daher aus meiner Sicht starrer und stellt eher extreme dar, was Unterschiede verwischt.

3. Anwendung auf den Menschen

a) r/K Selektion beim Menschen dem Grunde nach

Es ist bei Betrachtung der verschiedenen Kriterien recht offensichtlich, dass die Menschheit an sich stark einer K-Selektion unterlegen hat.

  • Langsame Individualentwicklung und hohe Körpergröße: Wir haben extrem unselbständige Babies, die erst mit ca. 14 Jahren geschlechtsreif werden und auch dann noch zumindest 4 Jahre brauchen, bis sie vollwertige Erwachsene sind. Demnach haben wir auch für Primaten eine sehr langsame Individualentwicklung. Unsere Körpergröße ist zwar im Vergleich zu etwa Elefanten klein, aber für Primaten durchaus groß (den Gorilla mal abgerechnet)
  • Lange Lebensspanne mit geringer Vermehrungsrate: Wir haben eine für Tiere sehr hohe Lebensdauer von bis zu 130 Jahren (und auch der Schnitt läßt sich durchaus sehen) und im Vergleich mit anderen Tieren eine Maximalproduktion von einem Kind pro Jahr (Zwillinge etc ausgeklammert), die durch Stillzeiten noch erheblich verlängert wird.
  • Später Fortpflanzungsbeginn, lange Geburtenabstände, geringe Wurfgröße: Dazu hatte ich oben bereits etwas geschrieben.
  • Ausgeprägte elterliche Brutpflege: Die Betreuung von Menschenbabies dürfte jedenfalls mit die aufwändigste sein, die es gibt. Auf die erhebliche Unselbständigkeit bei Geburt, die zudem noch lange anhält, hatte ich bereits hingewiesen. Das Baby kann sich noch nicht einmal selbständig an der Mutter festhalten
  • Großes (leistungsstärkeres) Gehirn: Wir haben das leistungsfähigste Gehirn aller Tiere

Demnach sind wir bei Anwendung der r/K-Selektionstheorie recht deutlich auf der „K“-Seite einzuordnen.

b) Life Historie Theorie dem Grunde nach

Die Life Historie Theorie erlaubt etwas mehr an Differenzierung und Feinabstimmung, weil man nicht schlicht in r oder K unterscheiden muss. Aber auch hier sind die Selektionen in vielen Bereichen auf Qualität ausgerichtet. Man kann hier allerdings recht einfach andere Theorien, wie die Sexual Strategies Theorie hinzuziehen und dann die jeweiligen Verteilungen der Kosten betrachten und dabei auch einfacher nach Geschlecht differenzieren.

Das macht aus meiner Sicht auch deutlich, dass hier die gegensätzlichen Seiten der r/K Selektion gerade bei Betrachtung einer Spezies schnell ein zu einfaches Bild zeichnet.

Denn innerhalb einer Art wie dem Menschen besteht zwar grundsätzlich eine „K-Selektion“. Diese kann aber mit „r-Selektion“ vermischt sein.

  • Ein Paar, welches gemeinsam Kinder bekommt, diese großzieht, sie möglichst fördert und dann gemeinsam deren Enkelkinder betreut, ist ein gutes Beispiel für eine „k-Selektion“
  • Ein Mann, der einen hohen Status ausnutzt, um mit möglichst vielen Frauen zu schlafen, ohne sich dann um die Kinder zu kümmern, wäre ein Beispiel für eine r-Selektion
  • Eine Frau, die eine Kurzzeitstrategie fährt und mit einem Mann mit Anzeichen für „gute Gene“ schläft bzw. mit vielen verschiedenen wird vielleicht unter steinzeitlichen Bedingungen schlechter versorgte Kinder bekommen, wird diese aber üblicherweise ebenso betreuen oder die Kosten möglicherweise an Dritte, etwa einen Partner oder die Familie weitergeben können. Sie wäre schon schwieriger in die Theorien nach r/K einzuordnen

In der Life Historie Theorie wären es hingegen nur verschiedene Selektionen für verschiedene Situationen. Es kann einem Evolutionsvorgang mangels Zielgerichtetkeit natürlich egal sein, ob er „r“ oder „k“ praktiziert, solange Gene auf beiden Wegen in nächste Generation kommen. Allerdings sind eben in beide Richtungen Kompromisse möglich und eine Betonung der einen Strategie kann Nachteile für die andere Strategie haben (Beispielsweise kann der Ruf als Womanizer Frauen für eine Langzeitstrategie abschrecken oder mißtrauischer machen).

Zu dem Grad zu dem die jeweilige Kombination Kosten verursacht und diesen keine entsprechenden Nutzen im Sinne der Weitergabe von Genen gegenüberstehen, wird demnach eine Selektion erfolgen.

4. Unterschiede zwischen Menschengruppen

a) Kann es Unterschiede zwischen Menschengruppen geben?

Der Gedanke, dass es biologische Unterschiede zwischen Menschen geben könnte und insoweit Menschen nicht gleich sind, erschreckt viele. Wenn man sich bewusst macht, was „Genpool“ eigentlich bedeutet und warum sexuelle Fortpflanzung gerade bei komplizierteren Organismen so evolutionär erfolgreich ist, der muss unschwer dazu kommen, dass es biologische Unterschiede zwischen Menschen geben muss. Ansonsten wären wir alle Clone voneinander.

Natürlich muss das nicht bedeuten, dass der Abstand beliebig ist.

Der Gedanke, dass es Unterschiede zwischen „Rassen“ geben würde, ist vielleicht noch tabuisierter als der Gedanke, dass Menschen an sich unterschiedlich sind.

Theoretisch ist aber auch dieser Gedanke wenig erstaunlich: Nach der Out of Africa Theorie ist der Mensch etwa vor 70.000 bis 40.000 Jahren aus Afrika ausgewandert. Ein Teil schlug dabei den Weg nach Asien ein, ein Teil eher den Richtung Europa. Nennenswerten genetischen Kontakt zwischen diesen drei Gruppen gab es nicht unbedingt, wie genetische Forschung darlegt. Schon angesichts der damaligen Reisegeschwindigkeiten war es auch wohl kaum an der Tagesordnung, dass jemand aus Europa in die unter der Sahara gelegenen Teile Afrikas gekommen ist. Es müßte aber für einen kompletten Genaustausch auch nicht einer gewesen sein, sondern ein beständiger Strom, der immer wieder im größeren Maßstab Gene austauscht.

Zur Erinnerung nocheinmal: Genetische Veränderungen treten nicht bei Völkern auf, sondern bei Personen. Sie reichern sich dann über Fortpflanzung in den jeweiligen Personengruppen an.

In 70.000 Jahren und mehr (die auswandernden Personen werden auch wenig Kontakt zu westafrikanern oder Südafrikanern gehabt haben) kann natürlich einiges passieren. Zumal sich in dieser Zeit ja auch die Lebensumstände teilweise erheblich verändert haben. Ein Beispiel wäre beispielsweise die Laktosetoleranz, deren Verteilung man hier sehen kann:

laktoseintoleranz-verbreitung

laktoseintoleranz-verbreitung

Hier sieht man, dass die Mutation, die einen Milchzucker verdauen lässt, dort auftritt, wo eine eher kaukasische Bevölkerung vorherrscht, andere Völker sind davon nicht betroffen.

Und auch ansonsten lässt sich einiges an Unterschieden finden, ganz offensichtlich die verschiedene Hautfarbe, aber auch andere Punkte, etwa bei Unterschieden in pränatalen und postnatalen Hormonen.

digit-ratio

Insofern kann natürlich auch in mentalen und sonstigen Bereichen zu Unterschieden kommen.

b) r/K-Selektion innerhalb der Menschen

Ich halte die Anwendung der r/K-Selektion auf den Menschen bzw. auf verschiende Bevölkerungsgruppen innerhalb der Menschen für wenig aussagekräftig, weil es bestimmte Bündelungen enthält, die so nicht zutreffend sein müssen und weil alle Menschen sehr stark durch eine K-Selektion geprägt sind. Zudem verkennt dies, dass verschiedene Strategien zusammenspielen können, die eher über eine Life-History-Theorie zu beantworten sind.

Aus der Wikipedia zu Rushton, der eine Anwendung auf den Menschen vertritt:

Rushton writes that his collection of 60 different variables can be unified by a single evolutionary dimension known as the r and K scale. His theory attempts to apply the inter-species r/K selection theory to the much smaller inter-racial differences within the human species. While all humans display extremely K-selected behavior, Rushton believes the races vary in the degree to which they exhibit that behavior. He argues that Negroids use a strategy more toward an r-selected strategy (produce more offspring, but provide less care for them) while Mongoloids use the K strategy most (produce fewer offspring but provide more care for them), with Caucasoids exhibiting intermediate tendencies in this area.

He further asserts that Caucasoids evolved more toward a K-selected breeding strategy than Negroids because of the harsher and colder weather encountered in Europe, while the same held true to a greater extent for Mongoloids. Rushton argues that the survival challenges of making warm clothes, building durable shelter, preserving food, and strategically hunting large animals all selected genes for greater intelligence and social organization among the populations that migrated to cold climates.

Rushton invokes genetics to explain his data arguing that purely environmental theories fail to elegantly explain what he sees as such a consistent pattern of both behavioral and physiological differences, but instead just provide a long list of ad hoc explanations. Rushton argues that science strives to organize and simplify data, and seeks the simplest explanation possible, and claims that r/K selection theory explains all of his data parsimoniously.

Die 60 Variablen werden in dieser Tabelle angeführt:

Claimed Average Differences Among Blacks, Whites, and Asians
from Race, Evolution, and Behavior
Blacks Whites Asians¹
Brain size
Cranial capacity (cubic centimeters) 1,267 1,347 1,364
Cortical neurons (millions) 13,185 13,665 13,767
Intelligence
IQ test scores 85 100 106
Cultural achievements Low High High
Reproduction
2-egg twinning (per 1000 births) 16 8 4
Hormone levels Higher Intermediate Lower
Sex characteristics Larger Intermediate Smaller
Intercourse frequencies Higher Intermediate Lower
Permissive attitudes Higher Intermediate Lower
Sexually transmitted diseases Higher Intermediate Lower
Personality
Aggressiveness Higher Intermediate Lower
Cautiousness Lower Intermediate Higher
Impulsivity Higher Intermediate Lower
Self-concept Higher Intermediate Lower
Sociability Higher Intermediate Lower
Maturation
Gestation time Shorter Longer Longer
Skeletal development Earlier Intermediate Later
Motor development Earlier Intermediate Later
Dental development Earlier Intermediate Later
Age of first intercourse Earlier Intermediate Later
Age of first pregnancy Earlier Intermediate Later
Lifespan Shortest Intermediate Longest
Social organization
Marital stability Lower Intermediate Higher
Law abidingness Lower Intermediate Higher
Mental health Low Intermediate Higher
Source: 2nd Special Abridged edition, Race, Evolution, and Behavior (p. 9)

Inwieweit diese Auflistung von Eigenschaften tatsächlich zutreffend ist, kann ich nicht sagen. Ich halte jedenfalls die Intelligenzwerte für sehr unwahrscheinlich, da ein IQ von 85 sehr niedrig ist. Die anderen Werte sind sehr rudimentär angegeben. Wie groß hier die Unterschiede sind und wie man sie um kulturelle und schichtenbedingte Faktoren bereinigt hat, ist mir nicht bekannt.

Auch andere Werte kann man anders sehen: So haben Asiaten beispielsweise einen sehr hohen pränatalen Testosteronwert, aber einen niedrigeren postnatalen Wert.

Die Frage, wieviele Kinder man bekommt, ist aus meiner Sicht auch stark von der sozialen Schicht und den allgemeinen Lebensumständen abhängig. Eine Herleitung zur Biologie scheint mir schwierig, da schwarze Frauen und weiße Frauen keine unterschiedlichen Gebährzeiten haben und auch im gleichen Abstand Kinder bekommen können. Zu früheren Zeiten vor einer effektiven Verhütung werden kinderreiche Familien auch bei Weißen nicht ungewöhnlich gewesen sein.

Das ganze Model der r/K-Selektion erscheint mir für eine Anwendung auf den Menschen denkbar ungeeignet, da es eigentlich gänzlich andere Arten beschreibt und insoweit zu starr ist.

Sie scheint mir auch tatsächlich -selbst für meine Verhältnisse – zu biologisch zu sein, wo eine Vielzahl weiterer Faktoren zu berücksichtigen sind. Etwa der Umstand, dass in Afrika nahezu keine domestizierbaren Tiere vorhanden waren und andere Vorteile für Europa und Asien bestanden, die Jared Diamond in „Guns, Germs and Steel“ aufzeigt.

c) Life History Theorie und Unterschiede zwischen den Menschen

Die Life History Theorie erlaubt aus meiner Sicht eine genauere Betrachtung. Interessant für Unterschiede scheint mir insbesondere der „Paarungsaufwand“ mit seinen Untergruppen „Partnersuche, Werbung, Kampf“.

Hier können verschiedene Strategien größere Unterschiede hervorrufen, etwa indem in einer Kultur eine Polygynie eher oder länger erlaubt war als in anderen Bereichen, in denen früher auf eine Monogamie gesetzt wurde. Auch die Frage, ob die Partnerwahl eher in intrasexueller Konkurrenz erfolgt oder durch sexuelle Selektion kann eine entscheidende Rolle spielen.

Beispielsweise setzt der Gorilla auf körperliche intrasexuelle Konkurrenz, sprich der Silberrücken vertreibt jeden Konkurrenten mit Gewalt. Er muss daher innerhalb der Life-Historie-Kostenabwägung bei den Männchen auf starke Muskeln setzen und dies kann auf Kosten von einer Selektion für Intelligenz gehen, sofern diese nicht ebenfalls zur Abwehr von anderen Männchen vorhanden ist.

Schimpansen hingegen setzen mehr auf Bündnisse, soziale Kontakte etc. Sie haben daher auch eine höhere „soziale Intelligenz“.

Bei Menschen ist dies schwerer zu trennen. Wir sind keine Einzelwesen, wir sind wie Schimpansen Tiere, die auf Kooperation aus sind, die Bündnisse eingehen etc.

Aber es ist für mich beispielsweise denkbar, dass Mitglieder von Völkern, die stark auf die Fähigkeit im Nachbardorf eine Frau zu erbeuten oder sich im Kampf auszuzeichnen, auch eher eine Selektion auf körperliche Robustheit durchmachen als solche, die eher nur auf Kooperation aus sind und zwar auch Kriege führen, aber darauf für die Partnerwahl weniger angewiesen sind, weil weniger Frauen von nur einem Mann monopolisiert werden.

Zudem kann eine Berücksichtigung weiblicher Partnerwahl eben auch eine besondere Selektion auf Intelligenz bewirken, wenn diese Eigenschaft ein Attraktivitätsmerkmal ist, worauf einiges hindeutet. Wird eine Selektion hierauf in einer Gesellschaft ermöglicht, in einer anderen Untergraben, indem die Frauen (oder Verwandte) nicht oder nicht danach aussuchen, dann wird auch eine Selektion in dieser Richtung erschwert.

Natürlich kann aber auch in solchen Zuständen Intelligenz gefördert werden: Auch beim Kampf gegen andere, beim Bündnisse schmieden, beim Täuschen eines Feindes ist Intelligenz ein wichtiges Mittel der Auseinandersetzung.

Und auch hier können verschiedene Typen im Rahmen eines Genpools vorliegen, die verschiedene Wege anwenden, um in der jeweiligen Situation zu bestehen. Zähe Kämpfer, kluge Strategen und solche, die Mittelwege suchen. Auch Bevölkerungsgruppen müssen insoweit nicht homogen sein, deren Mitglieder können verschiedene Strategien anwenden, um zum Erfolg zu kommen. Und auch innerhalb einer sehr kriegerischen Gesellschaft lohnt es sich, sich viel um sein Kind zu kümmern, gerade bei hoher intrasexueller Konkurrenz, da eben nur der, der sich innerhalb der Konkurrenz durchsetzt, sich fortpflanzen wird. Insoweit würde hier das r/K-Modell wenig taugen.

Die Life-History-Theorie spricht also nicht an sich gegen Unterschiede. Aber sie erlaubt das differenzierte Betrachten der Unterschiede und verlangt nicht, dass man sie recht einfach über einen Kamm schert.