Selbermach Samstag 109 (08.11.2014)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Lena Dunham und sexuelle Belästigung

Lena Dunham ist Feministin und spielt in einer TV-Serie, in der auch immer wieder entsprechendes einfließt. Sie hat nunmehr ein autobiografisches Buch herausgebracht, bei dem einige Szenen für einen gewissen Medienwirbel sorgten:

Do we all have uteruses?” I asked my mother when I was seven.

“Yes,” she told me. “We’re born with them, and with all our eggs, but they start out very small. And they aren’t ready to make babies until we’re older.”

I looked at my sister, now a slim, tough one-year-old, and at her tiny belly. I imagined her eggs inside her, like the sack of spider eggs in Charlotte’s Web, and her uterus, the size of a thimble.

“Does her vagina look like mine?”

“I guess so,” my mother said. “Just smaller.”

One day, as I sat in our driveway in Long Island playing with blocks and buckets, my curiosity got the best of me. Grace was sitting up, babbling and smiling, and I leaned down between her legs and carefully spread open her vagina. She didn’t resist, and when I saw what was inside I shrieked. “My mother came running. “Mama, Mama! Grace has something in there!”

My mother didn’t bother asking why I had opened Grace’s vagina. This was within the spectrum of things that I did. She just got on her knees and looked for herself. It quickly became apparent that Grace had stuffed six or seven pebbles in there. My mother removed them patiently while Grace cackled, thrilled that her prank had been such a success.

And this:

As she grew, I took to bribing her for her time and affection: one dollar in quarters if I could do her makeup like a “motorcycle chick.” Three pieces of candy if I could kiss her on the lips for five seconds. Whatever she wanted to watch on TV if she would just “relax on me.” Basically, anything a sexual predator might do to woo a small suburban girl I was trying.

And this:

I shared a bed with my sister, Grace, until I was seventeen years old. She was afraid to sleep alone and would begin asking me around 5:00 P.M. every day whether she could sleep with me. I put on a big show of saying no, taking pleasure in watching her beg and sulk, but eventually I always relented. Her sticky, muscly little body thrashed beside me every night as I read Anne Sexton, watched reruns of SNL, sometimes even as I slipped my hand into my underwear to figure some stuff out.

 

Ich würde sagen, dass man als Siebenjährige sicherlich nicht schuldfähig ist, finde es aber etwas merkwürdig, wenn die Mutter keine Bedenken hat, wenn die Tochter die Vagina des einjährigen Kindes untersucht. Bei dem mittleren Teil fehlt die Altersangabe, aber es scheint mir zu einem späteren Zeitpunkt gewesen zu sein und dann finde ich es gerade aufgrund des Altersunterschiedes schon etwas bedenklich. Dass sie sich neben der Schwester sexuell befriedigt – allerdings nicht zu ihr, wobei der Verweis auf ihren „klebrigen, muskulösen, kleinen Körper“ und der vage dazugesetze Hinweis „um einige Dinge zu klären“ – ist irgendwie creepy, aber wenn sie jede Nacht bei ihr im Bett schläft nun auch nicht per se merwürdig.

Interessanterweise passt es auch gut in ihre Westermarckeffekt-Altersunterschiedsphase.

Ich bin allerdings sicher, dass die gleiche Passage von einem Mann in Bezug auf seine Schwester sein sozialer Untergang gewesen wären. Und das genug Feministinnen einen Feldtag damit gehabt hätten, darüber zu schreiben, dass der Umstand, dass man dies verteidigt, recht deutlich macht, das wir in einem Patriarchat leben.

Interessantes dazu findet sich auch bei Achdomina:

Die Aufweichung der Rechtsstaatlichkeit, die mit ihnen einhergeht, könnte sich für die Verantwortlichen schneller und direkter rächen als gedacht – sie haben nämlich auch den Nebeneffekt, dass ihnen zufolge auch immer mehr Frauen als Vergewaltigerinnen einzustufen sind. Das bekam Lena Dunham nun zu spüren – wobei der Fall kaum so harmlos ist wie Sex zwischen betrunkenen Erwachsenen; vor allem ist es auch kein kindliches Experimentieren mehr, wenn eine Siebzehnjährige sich mit ihrer elfjährigen Schwester sexuelle Lust verschafft. Ihre wütende Reaktion ist nachvollziehbar, wenn man einmal annimmt, dass sie die erlebten Zärtlichkeiten und Intimitäten mit ihrer Schwester nie im Kontext von sexuellem Missbrauch betrachtet hat.

Das ist eben der Nachteil, wenn man ein Klima etabliert, in dem alles in den Kontext sexuellen Mißbrauch eingeordnet werden kann: Man wird von vielen eben an diesem Maßstab gemessen, sei es, weil sie ihn vertreten, sei es, weil sie zu recht verlangen, dass man sich dann auch selbst danach richten muss, was man predigt.

Ich vermute mal, dass Lena sich schon bewußt war, dass sie da etwas schreibt, was zumindest unnormal klingt. Sie will ja auch ein Buch verkaufen und wird dem Verlag auch versprochen haben, dass da etwas anzüglich-merkwürdiges drinsteht, was Leser anspricht. Sie wird aber vielleicht einfach nicht gedacht haben, dass man es ihr als sexuellen Mißbrauch vorhält, sondern nur als „merkwürdig sein“, weil sie ja eine Frau ist. Wenn sie sich gedacht hat, dass es einige als Mißbrauch ansehen, dann wäre es natürlich noch interessanter: Dann hätte sie diese Handlungen bewußt instrumentalisiert um Verkaufszahlen zu erzeugen, und insoweit aus etwas Kapital geschlagen, was eigentlich gegen feministische Überzeugungen geht.

Interessant finde ich dann noch die kritiklose Besprechung im Stern:

Shapiro ging perfide vor: Unter der Überschrift Lena Dunham beschreibt, wie sie ihre Baby-Schwester sexuell missbraucht zitiert er eine Stelle aus dem Buch, wo Dunham beschreibt, wie die einjährige Grace – nach einem Gespräch mit Mutter und Schwester über die Gebärmutter – angeblich Steine in ihrer Vagina versteckte, die die siebenjährige Lena fand, weil sie sich das Geschlecht der Schwester bei Spielen ansah. Ebenso berichtet sie davon, mit ihrer Schwester später küssen geübt zu haben

Das klingt aus meiner Sicht schon anders als im Buch, in dem sie selbst anführt, dass sie sich wie ein Belästiger verhält.